Skip to main content

Full text of "Mittheilungen"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



p 



I3B 



MITTHEILUNGEN 



DES 



HSTOBISCHM TEREmiS 



PUR 



STEIERMARK. 



■c-lOO^ *- 



Herausgegeben 
von dessen A nssclmsse. 



25:25:1. HEFT. 



« » 



Graz^ 1873. 

Im Selbstverläge. 



In Gommission der k. k. Universitäts-Buchhandlung 

Leuschner & Lubensky. 



^' 



/ 



Cancelled 



,4jf^<? 




J 



^-7-- - 



p^ vj: 



« • 



Inhalt. 



Begister 

Seit« 

über die vorkonunenden Perßonen, Orte und Sachen ... Y 

Vereins - Angelegenlieiteii. 

Zur Nachricht XI 

Statuten XIII 

Abhandlungen. 

I. Die römischen Altcndorfer Antiquitäten der Pfarre St Jobann 

am Draufelde. Vom kais. Bathe Dr. Bichard Knabl • . 3 

II. Die Yerfassungs - Erisis in Steiermark zur Zeit der ersten 
französischen Revolution. Von Professor Dr. E. J. Bider- 
mann 15 

III. Graf Hermann II. von Cilli. Eine geschichtliche Lebensskizze 

von Professor Dr. Franz Krones lOG 

IV. Ein Vehmgerichts-Process aus Steiermark. Von Prof Dr. Ferd. 

Bischoff 137 

Kleinere Aufsätze und Mittheilungen. 

I. M. Johann Eepler's Heiratsbrief von 1597. Angezeigt von 

Schulrath Dr. R. Peinlich 171 

IL Ein merkwürdiges Flugblatt Besprochen von Prof. Dr. H. v. 

Zwiedinek 174 

m. Zur Wiener WeltaussteUung 1873. Von Schukath Dr. R 

Peinlich . . . . , 177 

Oedenkbuch. 

(FortseUnng aus dem XIV., XV. und XX Hefte der ,MitiheilaDgen''.) 

VIII. Gustav Franz Bitter v. Schreiner, von Prof. Dr. Franz Ilwof 1 



4 

9 



— V — 



A . ■. -1 ' 



-'>• ■. tV 



Register. 



(Die Abkürzung Gdb. bezeichnet: Gedenkbach.) 



Acht, 158. 

— Formeln. 162. 

— 8. a. Reichsacht 
Admont, Pr&lat y., 17. 
Agram, Bisthum, 182. 

T. Alcheran Job , 63, 66, 67. 
Albrecht III. H. v. Oesterr , 1 10, 1 11 , 

lU. 
Albrecht V. v. Oesterr., 124, 133, 

Note 85. 
Albrecht V- ▼. Menkershusen, 138. 
Altendorf, 6, 7, 9, 10, 13. 
Ambling Carl, 64. 
Amnrath Sultan, 134. 
Angerer Llenhart, 139, 146, 149. 
Anna v. Cilli, 120. 
Anna ▼. Polen, 112, 118. 
Aqnilflja, 5. 

— Johann Patriarch v., 111, 
113. 

Aristokratie, 41, Note. 
Aryda Maronit, Gdb. 6. 

Asylrecht, 26. 

Attems Ferdinand Graf, 18, 19, 20, 

23, 28, 30, 31, 37, 38, 49, 77, 

78, 92. 
Attems, Gdb. 10. 
Aiersperg Cigetan Graf, 24. 
Anssee Markt, 139, 146. 

— Salzwesen, 149. 
Aasstattang adel. Töchter, 26. 

Bamberg, Bisthum, 133. 
Banat, 119. 

Barbara ▼. Gull, 117, 120, 123, 130. 
Baaemschaft steir., 32, 86, 40, 43. 
65, 67, 79. 

BaoemieitoBg, 69. 
Beamte, landst&nd., 18. 
Boatrte ▼. Baiem, 128. 



T. Beckh (Beckhen) Hofrath, 38. 

Beckmann NikoUus, 97. 

Besteaeraagsrecht, 47. 

BUderräthsel, 174. 

Blagig, 132. 

Botenredster, 105. 

T. Brandenaa F., 63. 

Brandts Job. Gra^ 22 N. 2, 28, 

30, 31, 57. 
Brankovics Georg v. Serbien, 131. 
Brenner, Graf, 38, 39 N. 2. 
Brack a. d. M., 20, 22 N. 2, 70 N. 

— Ereishauptmann y, 65. 
Bracker LibeU, 34, 85, 91. 
Brftninghaasen, 151, 152. 
Bandesbrief Lublauer, 122. 
Baresch Jos. t. Greiffenbach, 63, 

66. 
Bflrgerthnm stehr., 32, 36, 37, 40, 

61, 65, 67, 79. 
Bflschin, Hofrath, 39. 

Canova Antonio, Briefe, 17. 
Capo d'Istrla, 122. 
Chotek Kud. Graf, 38, 41, 42, 78. 
CUli, 118, Gdb. 14. 

— Burg Ober-, 127. 

- Grafen v , 106, 107. 
Cleve, Herzog y., 143, 150 

Deatsch-Feistritz, Gdb. 18. 
Deatscher Orden, 158, 159. 
Dipaoli Andreas, 69. 
Dimböck Franz, 33 N. 1, 51, 91. 
Dortmund, Freistuhl, 151, 161. 
Drachenorden-Stiftung, 120. 
Dranllass, 4, 8, 18. 
Drlttelgefaile, 26. 
Damhard Jeh., 66 N. 



— VI — 



IbeBsfeld, BezirkbobrigkeU, 6, 7. 
EdlbiK, Oraf, 81, 38, 40. 

aer, Staatoratfa, 38, 43, 
tSftbetll ▼. AbenslHBrg, 120. 

— ▼. Cilli, 120. 

— T. Frangepani, Gräfin, 
113, 116, 125, 126. 

— V. Ungarn, 124. 
Erbrecht adel. Töchter, 26. 
Erich K Y. Dftnemark, 127. 
Ernst H y. Baiem, 128. 

— H. d. Eiserne, 133. 



Fehring, 86. 

Feigelmillner J. O., 55 N. 
Feldbach, Gdb. 14. 
Feldbacher Franz, Dr., 31, 75, 77. 
Felicetti v. Liebenfelss 178. 
Fellinger Georg, 52, 54. 
Ferara Markgraf y., 131. 
Ferdinand Erzherzog, 30. 
Fischer Franz, Dr., Gdb., 8. 

— A. F., 55 N. 

Fohr (Föhn?) Jos, 33 N. 1, 91. 
Frangepani, Herrn y., 132. 

— 8 Elisabeth y. F. 
Frankfurt, Parlament, Gdb. 14. 
Frans L E, 55 N. 1. 

— Erzherzog 29, 30, 38, 42. 
F^eienhagen, 157. 

Freigraf Hermann y. d. Korne, 
140 N. 1 13, 144, 152. 

Freigraf Mangolt, l.")?. 

— Wüh. V. d. zanger, 139 bis 
141, 143, 15(S 151, 161. 

Fridberg, 86. 

Friedrich IV. K, 140 fg. 149, 167. 

— IV. V. Oesterr-, 133. 

— V Y. d. Pfalz, 174. 

— Lv.Cüli» 109,114,121. 

— n. Y. CüU, 110, 113, 
123, 125 fg., 131. 

— SaYorgnano, 114. 

FrenleiteB, Gdb. 18. 

Gara Niklas, Palatin, 117, 120. 
Sasser J., 55 N. 

Generaleinnehmer stand., 26, 46. 
Gerichtsverfassung, 46. 
Gewerbeverein stelcrm., Gdb. 13, 16. 
GloganTeschen H. y., 128. 
Gotschee, 124. 
Gratwein, Gdb. 18. 



Gras, 28, 67. 

— akadem. Legion, Gdb. 14. 

— GemeinderaÜi, Gdb., 20. 

— Gymnasium, 178. 

— Universität, Gdb. 9, 14 fg. 

— Zeitung, Gdb. 14. 
Griendl Dr. y„ 22 N. 2. 
Gnmdsteaer-Refomi, 17. 
Gnindstener-Gesetse, 20. 
Grtknne Philip Graf, Gdb. 8. 

- Karl Graf, Gdb. 9. 
Gnbemhim inneröstr, 35. 
Gurk Bisthum, 133. 

Gnrkfeld, 113. 

Haas Franz, 33 K. 1, 52, 53, 82, 

91. 
Habsburger, 133. 
Hanuner-Pnrgstall, Gdb. 12. 
Hanns ▼. Cilli, iio. 

— V, Veglia-Modrusch, 127. 
Hasse Kunz, 159. 

HäSSl Franz, 55 N. 

Hatsfeld Graf, 27. 

Hanser Jos. Paul, 51. 

V. Heillinger 57, 58, 59. 

Heinrich IV., Graf y. Görz, 120, 

131. 
Heiratsbrief Kepplei's, 171 fg. 
Herberstein Leopold Graf, 19. 
Herbst Joh. Felix, 54 K. 1. 
Hermann I. v, Cilli, 109, 110. 

— II. Y. Cüli, 106 fg., 111, 
113, 114, 117, IIb N 36, 
119, 120—123, 128, 131, 
132. 

— III. V. CiUi, 121, 127, 128. 
Hermann v. d. Korne, s Freigrafen. 
Herrenstand steir., 37, 46, 72, 94. 
Henogshnt steir., 22 N. 2. 
Hochenegg, 8(i. 

Hofstelle vereinigte, 27, 37, 74. 
-Hohenrain, Freiherr, 57, 67. 
Hohenwart, Graf, Gdb. 6. 
Hohensollem Fritz y., 115. 
Holenbuger Vertrag, 114. 
Horeide, 158. 
Hörmann Jakob, 55 N. 
Hnrde, bei Dortmund, 152. 
Hynker, Stadtrichter, 34. 

Janerbnrg Freiherr, 57. 
Johann aXIII., Papst, 123. 
Johann, E.-H., Gdb. ll, 12, 91. 



— vn — 



Johaan ▼. Schaonberg, 118. 
Josef n., K., 15—19, 46, Gdb. 7. 
Jndenbm^ Kreishauptmann, 66. 
Jidenciy, Staatsrath, 38, 44. 

Kaiser Anton, 55 N. 

T. taiserfeld Moriz, Gdb. 22. 

T. Kalchberg Josef, Gdb. 14. 

Karl IV., K , 111. 

Karl VI., K., 90. 

Karl Ambros E.-H., Primas, Gdb. 5. 

Käsmark, 126. 

Katharina v. Bosnien, 116, 131. 

KanniU, Fürst, 44. 

Kees, Justizhofrath, 31, 38, 40, 41 

N. 53. 
Kepler Job., 171 fg. 

— Barbara, 172. 
Kernstück Ottokar, 171. 
KheyeDhiller, Graf, 29, 31, 74. 
Kimberg, 86. 

Klagen brochliche u. peinl., 164. 
Klenegker Ulrich, 138. 
Knrttelfield, 5 u 69.. 
Y Koller. Hofrath, 27. 
Kollmann, Gdb. 17. 
Kolowrat Gra^ 21, 27, 31. 37 N. 1, 

38, 70. 
Kommission, steir Prov- Commerz-, 

Gdb. 12. 
Konfereosen 30, 35—39, 43, 72, 7^. 
Königstarnos, l>5. 
Krain, 10 1. 
Krakan, 118. 

Kressel, Freiherr, 31, 37 N. 1, 38. 
Kreutbeer, 115. 
Krapa, Schloss, 180. 
Kugelmayer Gotthard, 31. 
Kommersenteni, 16:^, 165. 
Konstindastrio-Verein steier., Gdb. 

19. 
Knttemberg, 118. 

Ladislans, SohnEarrs, d. K. 1 17, 120. 
Landesarchiv steier., 177. 
Laadesaasschnss, 25 
Landeshauptmann, 25, 30, 38, 39, 45. 
Landesprälaten, 25. 
LandesTerfassnng, 32. 
LandesTerweser, 25. 
LandhandToste steir., 34. 
Landtag, 17, 21, 22, 83, 37, 50, 59, 
62, 82, 83 fg. 



Landtag ▼. 1848 Gdb. 14, ▼. 1861, 

Gdb. 18. 
Landtagsprotokolle, 86. 
Landwirthschafts-Gcsellschaft steir., 

Gdb. 13. 
Lettner Gottfried B. t., Gdb. 10. 
▼. Lendenftld, 58. 
Leoben, 32, 51, 87, 95. 
Leopold I., E., 47. 

— n., E., 15, 16, 20, 21, 22, 
27, 34, 37, 44, 45, 46, 48, 
50, 54, 70. 

— m. V. Oesterr., 1 1 1, 1 12 N. 2. 
Liechtenstein, Herrn y., 115. 
LOhr, Freiherr, 27. 

Lorents, 172. 
Lorentxin Regina, 172. 
Ludwig I. V Ungarn, 112. 

— V. CiUi, 124. 

Mainx, 159. 
Mangelt, s. Freigrafen 
Manifest, Frank&rter, 34. 
Marburg, 4, 55, 95, 
Margaretha v. Gilli, 128. 
Medebach, 159 
Medl Jos. Ant, 51 
Henker shusen, Albrecht V. v , 138. 
Mettnick, 86. 
Micheldorf, 11. 
Mittrowsky, Graf, G«ib. 9. 
Hontfort-Pfannberg, Graf, 128. 
MoosmUii-r v , 31, 3^, ü7, 72, 75 fg. 
Moray Anton, 55 N 
Muchar, Gdb. iO, 12. 
Mflller Jobst, 171. 
Mflller Marx, 171, 173. 
Mumersheim, 159. 
Murinsel, 119. 132, 
Mutschlechner Josephine, Gdb. 22. 



Neustadt Wiener-, Hofgericht, 150. 
liedeaaus Adam, 172. 

- Hanns, 172, 173 N. 
NikopoUs (SchUtau), 115. 
loricum, ö. 

■ 

Obdach, Markt, 33 N. 1. 
Odonel, Graf, Hofrath, 27. 
Ofen, 122. 
Olmfits, Gdb. 8, 9. 

Ortenburger, 124. 



— vin - 



OrganbatioAsplan stand., 30. 
Oesterreieh, IUI. 
Osterwitz 130. 



Pachler Ant Andr., 33 N. ], 91. 
Pannuniea, 5. 
Passail, Gdb. 18. 
PaananD, Erzb. Gdb. 6. 
PelBÜeli Richard, 180. 

Farganer 0., 134. 

Pergen. Graf, Minister, 64, 65 N. 

Peritolt Seyerin, 54 N. 1. 

Pemer Job., 55 N. 

Pettaa, 5, 6, 7, 11, 12, 86, 129. 

Pfanohanser, 146. 

Philipp d. Kühne, 115. 

Plettriach, 129. 

— Earthause, 135. 
▼. PMckner Ernst, 72. 
Foetovia, 14. 

— Golonia Ulpia Tngana, 9. 
Prann Wolfg., 139, 146. 
Fressbarg, Gdb. 4. 

FOspOki (Bischdorf), Gdb. 4. 



Radmannsdorf, 128, 130. 

Rann, 86. 

Rinnt! Sigm., 139, 146, 149, 150, 

165, 166. 
Rinntl Paul, 149. 
Raspor Ant , 32, 50, 55, 62, 82. 
Rebus, 174. 
Recbbaner, Gdb. 22. 
Reichsacht u. Oberacbt, 163. 
Reischach, Graf, 44. 
Remschagg Jakob, 55 N. 
RIntscheidt Pankraz, 139, 146. 
Ritter Karl, Gdb. 11. 
Ritterstand, steier. 46, 72, 94. 
Robotrelninng, 22. 
Rohran, Burgherrschaft, 119 N. 38. 
Rosenbei«, Graf, 27. 
Rosenthaf, Ausschussratb, 29. 



St. Johann, am Draofelde, 4, 6, 9, 

10, 12 14. 
St- Lambrecht, 178. 
St. Panl, 133. 
St Yeit, 5. 

Sanran Job. Georg, Graf, 23 N. 
Savorgnano Tristan, 121. 



Schannberge, 133. 
Schannberg Hanns y, 134. 
T. Schickh, 58, :9. 
Schlegel Katharina, Gdb. 21. 
Schlöter, Gdb 7. 

Schmid V. Ehrenberg Karl, 63, 65. 
Schmid Fidelius Georg, 91. 
Schobinger Gerhard, Pr&lat, 57, 58. 
Schreiner G. F. Ritter t., Gdb. 3 fg. 

— dessen literar. Arbeiten, 
Gdb. 22 fg. 

— Gustav Freiherr, Gdb. 21. 
Adolf Ritter v., Gdb. 21. 

— Moriz Ritter v., Gdb. 21. 
Schrott, 34. 

Schrottenbach 0. W., Graf, 59, 60, 

62. 
Schrott er, Gdb. 10. 
Schobert Fried. Wllh., Gdb. 11. 
Schulz, Abt, 57, 68. 
V. Schwizen Christof Freib., 63, 67. 
Seckan bei Leibnitz, 11. 

— Fürstbischof y., 22 N. 2. 
Sentenz, Vehmgerichts-, 163. 
Sitzungsprotokolle. stand.« 46. 
Schwerte bei Dortmund, 151. 
Sigmund K., 114, 115, 117-122, 

124, 130 fg., 142, 166, 167. 
Sigismnnd y. Tirol, 138. 
Sknbitz Ant, 55 N. 
Slavonien, 132. 

Solarl Pippo, Graf Y. Ozora, 123 
Spefidl Sebast, 172, 173. 
Speidl Stefan, 173 N. 
Spielmann, Freiherr, 27. 
Spitzer Leopold, 55 N. 
SUdte u. Märkte steh-., 32, 33, 37, 

50- 52, 54, 82 fg , 85, 86, 93 fg. 
Städte • Marschall, 32, 33, 82-84, 

86. 
Städte in Preussen, 147 K. 
Stände, 15, 16, 41, 70. 

— steier., 17, 21—23, 24, 30, 
45, 47, 82, 85. 

— Ausschuss, 18, 22, 32, 45, 
55, 77, 87. 

— Deputation, 20, 27. 
Stände Kommission, 55, 57, 59. 

— ungarische, 34. 

— Repräsentant, 26, 46. 
Starhemberg, Fürst, 27. 
Stephan E. y. Bosnien, 128. 

— Y. Rasden, 120 N. 43. 
Stibor, Woiwode y. Siebenb., 120. 



— IX - 



Stremayr, Gdb. 2?. 
Stabenberg Leotold v. 139, 146. 
Stürgkh Graf, 24 N. 30, 31, 37, 

72, 75. 
Sflssel Hanns, 159, 160. 
Svadra 11. 



TanseDberg, 11. 
T. Thallöcz, 132. 
Theresianum. Gdb. 8. 
Thl&nfeld, Freiherr, Gdb. 10. 
Tietz Mathias, 161. 
Tirol, Yehmschöffen in, 138. 
Treatschin, Gdb. 4. 
Triest, 122. 
Tschakathurn, 119. 
TUrkeakrieg, 114. 
Tarnier, 123. 
Tyrnan, Gdb. 5. 

Uebelbach, Gdb. 18. 
Ulrich I. V. CiUi, 109, 112. 

— n. V. Cüli, 125, 128, 129, 131. 
üogarn, Thronkampf in, 120. 
Ucger F., Prof., Gdb. 12. 
üagnad Hanns v., 139, 146. 
ünterrichtsrath, Gdb. 18. 

Yehmgericht, 137 fg. 

Arensberger Beformation, 
142, 154, 166. 

— Schöffen, 166. 
Yenedig, 122, Gdb. 17. 
Yerein, histor. fllr Steiermark, 177, 
Gdb. 19. 
— B. Gewerbe-, Kunstindustrie. 
Yeronica v. Desdmice, 125, 126, 128. 
Yerordneteastelle, 25, 32,37,45,48, 

55, 72. 

Yervchmniig, 160, 162. 



Yeat, Dr., Gdb. 10. 
Yilgiste (Teigenstein), 151. 
Yolksaufstand bei CiUi, 24 N. L 
Yollmarsteln, 151. 



Waidmannsdorf, Freih., 31, 35,36. 

Wattoipi 151. 

Warasdin, 116, 132. 

Wateroth, Prof., Gdb. 7, 8. 

Weiglein, Gdb. 12. 

Weinauftchlag, 24 N. 1. 

Weis, Gdb. 14. 

Weltansstelliing, 177 fg. 

Wendler M., 161. 

Wenincer Jos., 33 N. 1, 51, 82. 

Wenzel, E. v. Böhmen, 118. 

Wickede, Freigrafschaft, 139, 143, 
150, 151. 

Wickenbarg Graf, Gdb. 14. 

Wien. 137 W., Gdb. 5, s. Weltaus- 
stellung. 

Wildenstein Franz Graf, 57. 

Wilhelm ▼. Cilli, HO-HS, 118. 
— V. d. Zünger, s. Freigrafen. 

Wilser, Landeshauptmann, 134. 

Winter! F. K., Dr., 32 N. 1, 33. 

Wladislaw v. Polen, 118, 121, 126. 

Wraslaadorf, 129. 

Wurmberg, Schloss, 4, 6, 8. 

Warmbrand Graf, 77. 



Tsenkremer Hanns, 159. 



Zagorlen, Grafschaft, 116. 
Zahn Josef, 177 fg. 
Zeitschrift steierm., Gdb. 10, 17. 
Zinzendorf Karl Graf, 27, 38, 40. 
Zizins, Prof., Gdb. 7, 8. 
Zosimos 5. 



— XI — 



Zur Nachricht. 



Zufolge der Yereinsausschass-Beschltlsse vom 11. April, 
29. Mai und SO.December 1872 sollte mit dem vorliegenden 
Hefte ein Inbaltsverzeichniss über sämmtliche bisher 
erschienene Vereinschriflien der älteren, wie der neueren Periode 
imd für die letztere, d. i. für die bisher veröffentlichten 20 
Hefte der „Mittheilungen **, ein Orts-, Personen- und 
Sachregister zur Herausgabe gelangen. 

Durch dieses Inbaltsverzeichniss und Register wird somit 
ein Abschluss der früheren Publikationen gebildet und es be- 
ginnt mit dem gegenwärtigen 21. Hefte eme neue Serie der 
Mittheilungen. 

Der Vereinsausschuss ist aber nicht in der Lage, derzeit 
mehr als das Inbaltsverzeichniss zu liefern, indem sich der 
Herausgabe des Registers unvorhergesehene und nicht rasch 
zu bewältigende Hindemisse entgegenstellten. Eines derselben 
und zwar nicht das geringste besteht darin, dass sich bei der 
Prüfung der eingelangten Vorarbeiten ergab, man müsse die- 
selben vorerst einer eingehenden und gründlichen Revision 
unterziehen, bevor sie als Material für die eigentliche Arbeit 
dienen könnten. 

Eine solche Revision liess 'sich um so weniger rasch 
durchführen, da die hiezu geeignetsten literarischen Kräfte 
ohnehin mit der Ueberarbeitung und Schlussredaktion des eben 
im Drucke befindlichen Registers zu den acht Bänden von Dr. 
Muchar's Geschichte vollauf beschäftigt sind und ein so grosses 
Opfer an Zeit und Mühe bringen, dass es unstatthaft erschemt, 
eine noch weiter gehende Zumuthung an dieselben zu stellen. 

Der Ausschuss wird jedoch bestrebt sein, die Drucklegung 
des gedachten Registers im nächsten Jahre zu bewerkstelligen. 



— xn — 

Dadurch, dass in dem vorliegenden Hefte die bei wissen- 
schaftlichen Publicationen in neuerer Zeit beliebt gewordenen 
Antiqua-Drucklettem in Anwendung kamen, wurde einem mehr- 
seitig geäusserten Wunsche Rechnung getragen. 

Der administrative Bericht über das Vereinsjahr 1873 fiel 
diesmal aus. Dies findet in dem Umstände seine Erklärung, 
dass vermöge der in der XXIV. Jahresversammlung am 24. Juli 
1872 beschlossenen Statutenänderung nunmehr das Vereinsjahr 
mit dem Kalendeijahre zusammenfällt, daher auch der diesbe- 
zügliche Bericht erst nach Ende dieses Jahres seinen Abschluss 
erhalten kann, während das vorliegende Heft noch im Laufe 
desselben hinausgegeben wird. 

Da jedoch die Bekanntgabe der gegenwärtigen Zusammen- 
setzung des Vereinsausschusses unaufschieblich erscheint, so 
wird derselben an dieser Stelle Raum gegeben. 

Dem Ausschusse gehören nach den Wahlen vom 3. Fe- 
bruar 1873 an: 
Vorstand: Dr. Richard Peinlich, k. k. Schulrath und 

Director des k. k. I. Staats-Gymnasiums in Graz. 
Vorstand-Stellvertreter: Dr. Hermann Ign. Bider- 

mann, k. k. Universitäts-Professor in Graz; 
Schriftführer: Leopold Beckh-Widmanstetter, k. k. 
Oberlieutenant und Lehrer an der Cadetenschule Graz- 
Gassi er: Ernst Fürst, diplom. ApoÜieker in Graz; 
Ausschüsse ohne besondere Function: Dr. Ferdinand Bi- 
schoff, k. k. Univereitäts-Professor in Graz; Johann 
Graus, Kaplan in St. Veit ob Graz und k. k. Conservator 
für Steiermark ; Dr. Arnold Ritter L u s c h i n von Eben- 
greuth, k. k. Universitäts-Professor und Heinrich Noö, 
Director der k. k. Staatsoberrealschule in Graz. 

Graz, im Dezember 1873. 



--- xm -^ 



Statuten 

des historisclieii Vereines fttr Steiermark. 



Zweck. 

§. 1. Der Verein hat für Belebung des Interesses an 
der heimatlichen Geschichte und für Erweiterung der Eenntniss 
derselben zu sorgen. 

Mittel. 

§.2. Als Mittel zur Erreichung dieser Ziele haben zu 
gelten : 

a) systematische Forschung nach den Quellen und Denkmalen 
der Geschichte des Landes; 

b) Erwerbung solcher in Originalen oder guten Copien; 

c) Einflussnahme auf Erhaltung jener, die der Verein nicht 
erwerben kann; 

d) Veröffentlichung aus einzelnen Gebieten der Landesge- 
schichte ; 

e) mündliche Besprechungen und Vorträge in regelmässigen 
Versammlungen ; 

f) Beförderung und Unterstützung der Herausgabe einschlä- 
giger Schriften; 

g) Aussetzung von Preisen für Arbeiten im Interesse der 
Landesgeschichte ; 

h) Verbindung mit auswärtigen Gesellschaften verwandter 
Richtung, und 

i) Ueberlassung der Erwerbungen des Vereines an die be- 
treffenden heimischen Landessammlungen (§. ]1). 



- XlV -^ 

Sitz. 

§. 3. Sitz des Vereines ist die Landeshauptstadt Graz. 

Hier werden auch dessen regelmässige Versammlungen 
abgehalten, unbeschadet etwa künftig in anderen Städten des 
Landes abzuhaltender Versanmilungen. 

Mitglieder. 

§. 4 Der Verein besteht aus ordentlichen, korrespondi- 
renden und Ehrenmitgliedern. 

Als ordentliche Mitglieder können Gebildete aller Stände 
beitreten, die mündlich oder schriftKch oder durch ein Vereins- 
mitglied ihren Beitritt und die Uebemahme der damit ver- 
bundenen Verpflichtungen (§. 5) dem Ausschusse anmelden, 
welcher allein betreffs der Aufnahme entscheidet (§. 8 lit c). 

Zu korrespondirenden Mitgliedern können nur Auswärtige 
(ausserhalb Steiermark Wohnende) ernannt werden, welche die 
Vereinszwecke bereits in anerkannter Weise förderten. 

Zu Ehrenmitgliedern ernennt der Verein nur Solche, welche 
entweder um die Geschichtswissenschaft im Allgemeinen oder 
um den Verein im Besonderen hervorragende Verdienste sich 
erwarben, dieselben mögen nun bereits Mitgheder des Vereines 
sein oder nicht 

Der Vorschlag zur Ernennung der korrespondirenden und 
Ehrenmitglieder kann durch den Ausschuss oder ein Verems- 
mitglied, muss aber stets mit entsprechender Begründung in 
der Jahresversammlung gemacht werden, die allein und zwar 
mit absoluter Stimmenmehrheit darüber entscheidet (§. 6 lit b). 

Pflichten und Rechte der Mitglieder. 

§: 5. Jedes ordentliche Mitglied des Vereines verpflich- 
tet sich: 

a) zur Zahlung eines jährlichen Beitrages von mindestens 
3 fl., welcher während des laufenden Jahres zu erlegen ist; 

b) zur Unterstützung der Vereinszwecke durch Mittheilung 
entsprechender Nachrichten, und 

c) zur Förderung der wissenschaftlichen Ziele der vom Vereine 
entsendeten Bevollmächtigten. 



Jedes Mitglied hat das Recht auf den unentgeltlichen 
Bezug der regehnässigen Yereinschriften, auf die Benützung 
der Yereinssammlungen und auf Sitz und Stimme in allen 
Versammlungen des Vereines. 

Bezüglich der Wahlen können Mitglieder, welche der Ver- 
sammlung beizuwohnen nicht vermögen, ihre Stimmen durch 
Zuschrift an den Vereins-Ausschuss oder durch, dem Ausschusse 
schriftlich bekannt gegebene Bevollmäditigte abgeben. Schrift- 
lich eingebrachte Anträge abwesender Mitglieder können nur 
dann zur Verhandlung gebracht werden, wenn ein anwesendes 
Mitglied sie au&immt 

Wer vom Vereine em Diplom, das seine Mitghedschaft 
bekundet, zu erhalten wünscht, hat im Anbetrachte der künst- 
lerischen Ausstattung der nunmehr eingeführten Diplome den 
Betrag von 2 fl. dafür zu entrichten. Wer dagegen bei seiner 
Aufnahme in den Verein den Bezug eines solchen Diplomes 
ablehnt, erhält an dessen statt eine einfache Bescheinigung 
und hat gleich jedem Mitgliede blos die darauf gelegte Stempel- 
gebühr dem Vereme zu vergüten. 

Der Austritt steht jederzeit frei, ist aber dem Ausschusse 
oder der Vereinsversammlung schriftlich anzuzeigen. Als still- 
schweigend ausgetreten sind jene Mitglieder zu betrachten, welche 
ungeachtet erfolgter Mahnung mit einem dre\jährigen Beitrage 
aushaften. 

Oeffentliche Versammlungen. 

§. 6. Alle Beschlüsse in Vereins-Angelegenheiten stehen 
den öffentlichen Vereinsversammlungen zu, deren — unbe- 
schadet dem Rechte, ihre Zahl nach Massgabe des Bedürfnisses 
zu mehren — in jedem Jahre mindestens vier stattfinden, 
und zwar: 

a) die Jahresversammlung im Monate Jänner, mit welchem 
das Vereinsjahr beginnt; 

b) die Vierteljahrs - Versammlungen in den Monaten April, 
Juli (erste Hälfte) und Oktober, welche auch als Wander- 
Versammlungen abgehalten werden können (§. 3). 



— XVI - 

Uebrigens hat der Ausschuss nach Bedttrfhiss oder über 
Verlangen von 20 Mitgliedern auch ausserordentliche Versamm-^ 
lungen einzuberufen (§. 8 lit 9). 

Die Vierte^ahrs-Versammlungen beschäftigen sich mit den 
laufenden Angelegenheiten des Vereines und können selbststän- 
dige Beschlösse in allen jenen Fragen fassen, deren Ausführung 
den Kostenbetrag von 50 fl. nicht übersteigt Es wird Sache 
des Ausschusses sein, bei diesen Versammlungen wissenschaft- 
liche Gegenstände aus dem Bereiche der Geschichte zur Erör- 
terung zu bringen und die Abhaltung solcher Vorträge einzuleiten. 

Die Leitung und der Vorsitz in den Versammlungen des 
Vereines steht dem Vorstand oder bei dessen Verhinderung 
dem Vorstand-SteDvertreter zu. 

Der Jahresversammlung ist vorbehalten: 

a) Die Wahl des Ehren-Präsidenten, des Ausschusses und 
zweier Revidenten für die Rechnungen des folgenden Jahres ; 

b) die Ernennung zu korrespondirenden und Ehrenmit-* 
federn ; 

c) die Genehmigung der richtiggestellten Jahresrechnungs- 
legungen und die Feststellung der Jahresvoranschläge; 

d) jene Beschlüsse, deren Ausführung den Kostenbetrag von 
50 fl. übersteigt; 

e) die Abänderung der Statuten und 

f) die Beschlussfassung über allftllige Auflösung des Vereines. 
In der Regel ist jede rechtzeitig einberufene Versamm- 
lung beschlussfähig und zur Giltigkeit der Beschlüsse der öf- 
fentlichen Versammlungen absolute Stimmenmehrheit nöthig. 
Ausnahmen hievon bestimmen die §§. 13 und 14. 

Ehren-Präsident 

§. 7. Der Verem wählt sich emen Ehren-Präsidenten auf 
Lebenszeit 

Vereins- Ausschuss. 

§. 8. Die Vertretung des Vereines nach Aussen und die Lei- 
tung seiner innem Angelegenheiten obliegt dem Vereins-Ausschuss. 
Dieser besteht aus acht Mitgliedern, nämlich aus 



— xvn - 

einem Vorstande, 

„ Vorstands-Stellvertreter, 
„ Schriftführer, 
;, Kassier und 
vier Ausschuss-Mitgliedem. 
Die Wahlen in die Vereinsleitung geschehen durch Stimm- 
zettel und ist für den Ausschlag die absolute Stimmenmehrheit 
erforderlich. Alle Ausschuss-Mitglieder werden auf zwei Jahre 
gewählt ; eine Wiederwahl für die nächste Wahlperiode ist nur 
bei dem Schriftführer und Kassier, bei den übrigen Ausschuss- 
Mitgliedern erst nach Ablauf eines Vereinsjahres zulässig. 

Scheidet ein Ausschussmitglied während der Amtszeit aus, so 
findet bei der nächsten Jahresversammlung eine Ersatzwahl statt. 
Dem Ausschusse sind zugewiesen: 

a) Die Bestellung der Vereinsbediensteten (Kanzelist und 
Diener) ; 

b) die Vorbereitung der Geschäftsstücke behufs erschöpfender 
Behandlung in den Versammlungen; 

c) die Wahl von Sonder- Ausschüssen für denselben Zweck; 

d) die Verfügung in dringenden Geldangelegenheiten bis 
zu 30 fl.; 

e) Entscheidung über Aufnahme von ordentlichen Mitgliedern ; 

f) desgleichen jene über Aufnahme schriftUcher Arbeiten in 
die Publikationen des Vereines; 

g) die Berufung der ordentlichen und ausserordentlichen 
Versammlungen und die Ausführung ihrer Beschlüsse; 

h) die Berichterstattung und Rechnungslegung bei den- 
selben, und 

i) die Ausfertigungen und Bekanntmachungen des Vereines, 
zu deren Giltigkeit die Unterschriften eines Vorstandes 
und des Schriftführers erforderlich sind. Aufhahmsdiplome 
fertigt der Präsident, der Vorstand und der Schriftführer. 

Der Ausschuss fasst seine Beschlüsse mit absoluter Stim- 
menmehrheit ; bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende. 
Zur Beschlussfähigkeit des Ausschusses ist die Anwesenheit von 
wenigstens fünf Mitgliedern erforderlich. 



Bezirks-Eorrespondenten und Sonder-Ausscbttsse. 

§. 9. Dem Ausschusse sind zur Förderung der Vereins- 
zwecke und leichteren Besorgung der Geschäfte nach Thun- 
Uchkeit und Bedürfiiiss Bezirks-Eorrespondenten und Sonder- 
Ausschüsse an die Seite zu stellen. 

Die Wahlen zu Bezirks-Eorrespondenten stehen über be- 
gründeten Vorschlag des Ausschusses nur den Versammlungen 
zu. Dieselben werden bezüglich ihrer Rechte den ordenüichen 
MitgUedem gleichgestellt, übernehmen jedoch nur die Verpflich- 
tung, dem Vereins-Ausschusse nach ihren Eräften von allen 
jenen Gegenständen und Ereignissen Eenntniss zu geben, welche, 
dem Gebiete der Vereinsbestrebungen angehörig, zu ihrer Wis- 
senschaft gelangen, so wie die Zerstörung geschichtlicher Denk- 
male thunlichst hindanzuhalten. 

Die Sonder - Ausschüsse werden nach Erfordemiss vom 
Ausschusse oder den Versammlungen zur Behandlung gewisser 
ihnen vorzulegender Fragen und Geschäftsstücke gewählt. 

Von ihrem und der Bezirks-Eorrespondenten Verhältnisse 
zum Ausschusse handelt die Geschäftsordnung. 

Vereins-Vermögen. 

§. 10. Das Vereins- Vermögen besteht aus den Beiträgen 
der Mitgüeder, den Erträgnissen aus dem Verkaufe der Vereins- 
schriften und sonstigen Zuwendungen aus öffentlichen oder 
privaten Mittehi und aus dem Vereine sonst eigenthümlich ge- 
hörigen Werthgegenständen. 

Es darf nur zu Vereinszwecken verwendet werden und 
steht unter Verwaltung des Ausschusses. 

Vereins-Sammlungen. 

§. 11. Der Verein legt keine selbstständigen Sammlungen 
aus seinen Jahr für Jahr erworbenen wissenschaftlichen Gegen- 
ständen an, sondern tritt dieselben dem Landesarchive (Ab- 
theilung: Joanneumsarchiv), dem Münz- und Antikenkabmete 
und der Bibliothek am st. 1. Joanneum unter Vorbehalt des 
Eigenthumsrechtes und der Benützung nach ihren Statuten» 



— XIX - 

oder in zweiter Reihe anderen Anstalten im Lande ab, welche 
davon ihrer Natur nach am ehesten Gebrauch machen würden. 

Schiedsgericht 

§. 1 2. Streitigkeiten aus dem Vereinsverhältnisse zwischen 
Mitgliedern unter einander oder, zwischen solchen und dem 
Vereine entscheidet mit Ausschlusfs jeder Berufung ein Schieds- 
gericht, für welches jede Partei einen Schiedsrichter bestellt, 
die zusammen einen Obmann wählen. 

Abänderung der Statuten. 

§. 13. Abänderungen der Statuten können nur durch die 
Jahresversammlung beschlossen werden und ist dazu die Stim- 
menmehrheit von zwei Drittheilen der anwesenden Mitglieder 
erforderlich. Anträge in dieser Richtung sind dem Ausschusse 
mindestens vierzehn . Tage vor der Jahresversammlung zur 
entsprechenden Begutachtung einzubringen. 

Auflösung des Vereines. 

§. 14. Die Berufung der Jahresversammlung, welche über 
die Auflösung des Vereines entscheiden soll, hat nur in Folge 
eines von mindestens zwanzig ordentlichen Mitgliedern beim 
Ausschuss schriftlich eingebrachten Antrages, mindestens vier 
Wochen vor dem Tage ihrer Abhaltung und mit ausdrüddicher 
Bekanntgebung jenes Antrages zu geschehen. 

Zur Beschlussfähigkeit dieser Versammlung ist die An- 
wesenheit von wenigstens Dreifünftel der ordentlichen Mit- 
glieder, zum Auflösungsbeschluss aber eine Mehrheit von 
wenigstens Zweidrittel der giltig abgegebenen Stimmen er- 
forderlich. 

Könnte die ordentlich einberufene Jahresversammlung 
wegen Mangel der erforderlichen Anzahl dabei Anwesender 
über die Auflösung des Vereines nicht beschliessen, so wäre 
hiezu unter den gleichen Bestimmungen wie jene die nächste 
\'ierteljahresversanmilung berechtigt. 

Sollte auch diese nicht beschlussfähig sein, so hätte die 
nächste Vierteljahresversammlung bei jeder Anzahl anwesender 



— XX - 

Mitglieder mit einer Mehrheit von Zweidrittel der Stimmen 
über die Auflösung zu beschliessen. 

Dieselbe Versammlung, welche die Auflösung des Vereines 
beschloss, verfügt in gleicher Weise auch über die Verwendung 
der Geldmittel und sonstigen Werthgegenstände des Vereines. 
Die wissenschaftlichen Sammlungen aber gehen in das £igenthum 
jener Anstalten über, welchen sie vorläufig abgetreten worden 
und die Akten des Vereines werden im Landesarchive hinterlegt. 



(Bescheinigt mit dem Erlasse der h. k. k. Statthalterei, ddo. Graz 2. März 

1878, Z. 2784.) 



■••-X^. 



AbhandluBgen. 



I. 
Die römischen Altendorfer Antiquitäten 

der Pfarre St Johann am Dranfelde. 

Von 
Dn Riehard KnabI, 

kaiserl. Rath and Mitglied des histor. Vereines fOr Steiermark. 



In den Nummern 7 7 — 7 9 des heurigen Jahrganges der Grazer 
Tagespost hat Herr Alfons M ü 1 1 n e r , Professor an der Lehrer- 
Bfldungsanstalt zu Marburg, die Altendorfer Antiquitäten einer 
eingehenden Untersuchung unterzogen, welche um so verdienst- 
licher erscheint, als bisher kein geschriebener Bericht über 
diesen Gegenstand in die Oeffentlichkeit gelangt Irrig ist jedoch 
die ausgesprochene Ansicht, als habe sich der historische Verein 
dieser Alterthümer bisher noch gar nicht angenonmien, da ich 
über dessen Auftrag schon vor 28 Jahren Erforschungen an 
Ort und Stelle geplSogen habe, vne der nachfolgende Aufsatz 
zeigen wird. Wesshalb dieselben bisher noch nicht veröffentlicht 
wurden, ist leicht erklärlich, wenn ich bemerke, dass man ab- 
warten wollte, ob nicht eine allftlhge Veränderung im Wasser- 
stande oder Laufe der Drau günstigere Ergebnisse ermöglichen 
wurde. Da indessen diese Voraussetzung während der Zwischen- 
zeit nicht eingetreten ist, auch der Status quo nach den Mit- 
theilungenJProf. Müllner's noch fortdauert, so steht der Ver- 
öffentlichung meiner ersten im September 1845 angestellten 
Untersuchung nichts im Wege. 

Meine und Prof. Mttllner's Untersuchungen durften sich 
übrigens theils ergä'nzen', theils berichtigen. Ergänzen 
hinsichtlich der Vertheilung dieser Alterthümer durch die Be- 
hörden und den Zeitpunkt, wo diese statt hatte; berichtigen, 
weil meines Wissens nicht mehr als 7 Denkmale an die Alter- 

1* 



— 4 - 

ihumsfreunde in Pettau abgeführt wurden, und es bilUge Zweifel 
erregen muss, wenn jetzt, nach 28-30 Jahren, von den Be- 
wohnern jener Stadt eine grössere Anzahl von Denkmälern als 
von s. Johann abstammend angegeben wird, als seiner Zeit 
So ist beispielsweise das dem Dens Sol gewidmete Votiv- 
Denkmal mit der Legende SOLI SA ', C- DOMHERM | V- S« L. M 
nicht von Alt endo rf nach Pettau gekommen, sondern in 
letzt gedachter Stadt selbst im Jahre 1817 ausgegraben und 
gleich darauf an jener Stelle eingefriedet worden, wo es sich 
noch jetzt befindet 

Eine ungenaue Mittheilung des Fundortes kann trotzdem 
Herrn Mtillner nicht zur Last gelegt werden. Ein Forscher 
muss sich über Ereignisse, die lange vor ihm stattfanden, mit 
dem bescheiden, was noch lebende Gewährsmänner ihm vor- 
bringen, und diese waren eben ungenau. 

Graz, im April 1873. — 



Zwischen St Johann am Draufelde und dem Schlosse 
Wurmberg fliesst die Drau in mehreren Armen» welche 
nie dieselbe Richtung einhält, sondern nach Massgabe emes 
höheren oder niederen Wasserstandes stets ihren Lauf und 
ihre Richtung verändert. 

Von der Veränderung des Flussbettes der Drau ist der 
Boden um Marburg der sprechendste Zeuge. Man unter- 
scheidet noch jetzt ganz deutlich, welchen Gang der Fluss 
vor vielen Jahrhunderten genommen hat Gleich bei Gams, 
nordwestlich von der Stadt, sieht man noch die alten Fluss- 
läufe. Ingleichen hinter demDorfe Po bersch (Melüng gegen- 
über) am jenseitigen Ufer des Flusses. 

Es hat daher den Anschein, dass die Drau vor alter 
Zeit nördlich von der Stadt in der Richtung gegen Melling 
geflossen sei, von da ihren Lauf bei Pobersch und dessen 
Feldern bis zur Eisenbahn und von da aus in einigen Krüm- 
mungen so ziemlich durch die Mitte des Pettauer-Feldes, in der 



— 5 — 

Richtung gegen Haidin und St Veit bei Ankenstein 
genommen habe. Wer von Pettau nach St Johann am 
Draufelde reiset, wird beim Schmelzen des Schnee's die einstigen 
Drauufer gewahr werden. 

Wann und in welcher Zeit dieDrau ihren Lauf so ver- 
änderte, dass sie jetzt hart an der östlichen Hügelreihe des 
Draufeldes vorbeiströmt, ermangelt jedes historischen Nach- 
weises ; doch mag diese Katastrophe den Zeitraum vom 1 4. Jahr- 
hundert an abwärts nicht überschreiten. Wenigstens haben wir 
noch eine schriftliche Nachricht, dass sie um die Mitte des 
5. Jahrhunderts nicht ihren jetzigen Lauf gehabt habe und 
zwar bei Zosimos, Gomes und Exadvokaten des Fiskus von 
Constantinopel, welcher seine Geschichte vom Kaiser 
Octavianus Augustus bis zum Jahre 410 v. Chr. schrieb. 
Als er nämlich den Marsch des gallischen Feldherm Mag- 
nentius von Aquileja nach Pettau, bei dem es sich um den 
Besitz Illyricums handelte, beschreibt, sagt er: Magnentius in 
Pannoniam contendit; cumque pervenisset ad sitos ante 
Potedum ^) campos, quos medios Dravus amnis intersecans, 
Noricos et Pannonios praeterlapsus in Istrum semet exonerat, 
in Pannonios milites dudt, quod prope S i r m4 u m manum cum 
hoste conservere cogitaret 

Aus dieser Stelle geht hervor, dass zu Zosimos Zeiten 
die Stadt Pettau nicht mehr wie früher in Pannonien, son- 
dern bereits in Nor i cum lag und daher letztere Provinz 
nordostwärts über Pettau hinaus bis an die Mur vorgerückt 
war; denn da die Drau von Pettau abwärts bei St Veit 
eine nordöstliche Richtung annimmt, so muss das gegenüber 
am rechten Ufer gelegene Land eben so zur Provinz Pan- 
nonien gehört haben, als das am linken Ufer gelegene sammt 
der Stadt Pettau zur Provinz Noricum, weil Zosimos von 
den ad sitos ante Potecium campos aussagt: quos medios 
Dravus amnis Noricos et Pannonios praeterlapsus intersecat 



») Lit. II. p. 695. 

') Offenbar verschrieben fOr Poetonum. 



— 6 — 

Diese siü ante Potedum campi reichten aber damals nicht 
bis zur heutigen Stadt Pettau, sondern nur bis St Martin 
bei Haidin, wo auch das illyrische Zollamt und der Drau- 
fluss war, so zwar, dass die ganze jetzige Vorstadt Rann 
sanmit dem dermaligen Draulaufe unmittelbar vor der Stadt 
„fester" Boden war, wie dieses die hier sowohl in der Vor- 
stadt als im gegenwärtigen Draulaufe gefundenen Geb&ude- 
reste und AlterthUmer bezeugen. Darum waren die siti ante 
Potecium campi damals etwas weiter als jetzt von der Stadt 
entfernt 

Allem in den nächsten Jahrhunderten hatte die Drau 
wieder ihren Lauf verändert, indem sie sich nach Ueberfluthung 
der Banner Vorstadt näher der heutigen Stadt zu ein Bett 
wühlte. 

Einen neuerlichen Beweis von einer theilweisen Laufver- 
änderung der D rau liefert uns das Auffinden der in den letzten 
1830ger Jahren namentlich aber im Jahre 1840 zwischen 
St Johann und Wurmberg entdeckten und eben in der 
Frage stehenden AlterthOmer. 

Seit vielen Jahrhunderten lagen sie unter der Erde und 
das Vieh der Gemeinde Altendorf weidete darauf, denn 
noch im Jahre 1838 war der Fundort „Gemeindeweide". 

Im Jahre 1839 schwoll die Drau mächtig an, trat aus 
ihrem bisherigen Ufer, schwemmte das Erdreich dieser Weide 
weg und grub sich hier einen neuen Gang. 

Als nun zu Anfang des Jahres 1840 der Wasserstand 
abnahm, wurde man der Alterthümer gewahr. Das Recht auf 
den Besitz dieser Steinmassen sprach die Gemeinde Alten- 
dorf an, weil sie dort gelagert wären, wo vor wenigen Monaten 
noch ihre Viehweide war. Allem die benachbarte Herrschaft 
Wurmberg, als Inhaberin des Fischwassers, sprach ihr An- 
recht ebenfalls aus, und als hiervon das k. k. Ereisamt Mar- 
burg Anzeige erhielt, wurde der Bezirks-Obrigkeit Ebens- 
feld die Gub.-Verord. vom 1. April 1812, Z. 7509/394, nach 
welcher „Münzen und Alterthümer an das k. k. Münz- und 
Antikenkabinet abzuführen srnd"", und dann die spätere Gub.- 



J 



— 1 — 

VerorcL vom 12. August 1828, Z. 14715, m Erinnerung ge- 
bracht, nach welcher „nicht leicht transportable Steindenkmftler, 
besonders Inschriften ssu der dem Funidorte nächstgelegenen 
Kirche gebracht, in eine Aussenmauer eingemauert und der 
Obhut eines jeweiligen Pfarrers anempfohlen werden sollen*^. 
Nachdem nun in Folge eines wiederholten kreisftmtlichen Auf- 
trages vom 8. April 1840, Z. 3561, die Bezirksobrigkeit 
Ebensfeld angegangen wurde, die theüweise begonnene 
Herausschaffung der DenkmSler einverständlich mit der Grund- 
Obrigkeit fortzusetzen, kam man darin ttberein, dass die Ge- 
meinde Altendorf, die Herrschaft Wurmberg und eine 
Gesellschaft von Alterthumsfreunden ausPettau ge- 
meinschaftlich Hand anlegen sollten. Allein es konnte nur der 
kleinste Theil der Steinmassen aus dem neuen Drau-Arme 
herausgeschafft werden, denn während der Besitzstreit noch 
in der Schwebe war und die ämtlichen Verhandlungen ge- 
pflogen wurden, stieg das Wasser und nur mit grosser Mühe 
konnte man das herausbringen, was bisher an^s Tageslicht ge- 
fördert ist Unwillkürlich erinnert man sich dabei an einen 
bekannten Vorgang in der alten Zeit: Roma deliberante Sa- 
guntus periit! 

Seitdem ist das Wasser nicht mehr gefallen und es dürfte 
noch eine Reihe von Jahren vergehen, bis es soweit schwmden 
wird, dass man den überflutheten Steinmassen beikommen wird 
können. 

Von den herausgeschafften SteintrQmm^n aber hat den 
kleinsten Theil die Herrschaft Wurmberg, den grosseren 
die Gemeinde Altendorf und 7 mit Plastik und Inschriften 
versehene Stücke die Gesellschaft einiger Alterthums- 
Freunde in Pettau erhalten. 

I. 

Die nach dem Schlosse Wurmberg gebrachte Denkmäler 
sind: 

a) das Bruchstück eines Inschriftstei^es, 2^ hoch, 9^' breit und 
11^' tief, mit der Legende: 



8 — 



RIMO 
CVTPA 

FIRM 

MARC 

T 

Es dürfte einen Yotiv- oder auch einem Grabsteine an- 
gehört haben, denn auf beiden Gattungen finden sich die be- 
kannten Siglen C V T P vor, welche Colonia Ulpia litgana 
Poetovionensis bedeuten; 

b) em länglicher Stein, 2' 3'' hoch, V 4'' breit und 8 V,'' tief 
mi^ dem Belief einer nackten Gestalt, von der man aber 
wegen Verwitterung das Geschlecht nicht mehr erkennen 
kann; 

c) Steinplatte, 1' 7%" hoch, 2' 3" brett und 11" tief, auf 
welcher der untere Theil von 2 en relief gekleideten Ge- 
stalten zu sehen ist, von welcher die rechts befindliche 
weiblichen Geschlechtes zu sein scheint; 

Die noch bei der herrschaftlichen Mühle vorhandenen 
Antiken sind: 

d) Zwd Löwen, vielleicht woU auch Sphinxe, wegen Verwit- 
terung schwer bestimmbar, in liegender Stellung. Der eine 
ist ly,' hoch, 2' 6" breit und 10" tief; der andere 2' 
hoch, 2^ breit und 11" tief. Sie scheinen nicht zusammen- 
gehört zu haben; 

e) ein Fragment, worauf en relief ein kleiner Opferaltar und 
der untere TheQ eines daneben stehenden gekleideten 
Mannes zu sehen ist; 

f) endlich das Bruchstück, vor Vertheilung der 1840 entdeckten 
Alterthümer an der Drau gefunden und in den Hof des 
Schlosses Wurmberg überbracht, wo ich es copirte; mit 
der Legende 




— 9 — 

Zuflllliger Weise wird in beiden Fragmenten die Pettauer 
Colonie einfach wie hier mit COLonia POeTAVIonensis (to- 
gata) und In dem anderen als C. V. T. P. d. i. als Colonia 
Ulpia Trajana Poetovionensis (militaris) bezeichnet, folglich ge- 
hört ersteres Fragment der Zeit nach in das I. Jahrhundert, 
das andere aber in das II. Jahrhundert. 

II. 

Die von der Gemeinde Altendorf behaltenen und noch 
auf dem Kirchenplatze der Pfarre St. Johann liegenden 
Steintrümmer, sämmtlich aus weissem Marmor, sind 65 an der 
Zahl. Sie sind theilweise von mächtigem Gewichte, kein Stück 
unter 3 — 4 Zentner; aber nicht alle tragen Spuren römischer 
Schrift und Plastik, sondern sclieinen, da sie behauen sind, zu 
Gebäuden und Grabmälem gedient zu haben. Die merkwürdigsten 
darunter sind: 

1. Zwei Säulen, davon eine 6' hoch, ly.' im Durchmesser 
breit ist. Die andere ohne Knauf ist daher etwas kürzer. 
Dürften zur Zierde einer Grabkapelle verwendet gewesen sein. 

2. Das Fragment einer Grabschrift, 2' 9" hoch, 2' breit und 
6" tief, auf welchem noch folgende Zeilen zu lesen sind: 




3. Ein kleines Bruchstück, auf dem bloss 6" hohe übereinander 
stehende Buchstaben: 



I 






erkennbar sind und Reste einer Aufschrift gewesen sein 
mochten. 



— 10 — 

4. Ein platter Stein V 2" hoch, 3' 5'' breit und 8 V. tief mit 
einem Dreieckfelde, in dessen oberen Theile eine Gestalt 
sichtbar ist Mag zum Kopfe eines Grabmales gehört haben. 

5. Steinbild en relief^ mit einer wegen Verwitterung nicht 
mehr recht erkennbaren, wie es scheint, weiblichen Gestalt 

6. Die Ecke eines Eamiesses, welches zu einem Gesimse ge* 
gehört haben dürfte. 

7. Bruchstück mit dem Relief einer gekleideten Gestalt, von 
welcher der Eopf weggebrochen ist Die an der Brust an- 
gebrachten Ornamente und das von beiden Achseln herab- 
hängende Oberkleid scheinen auf den priesterlichen Stand 
ded Trägers hinzudeuten. 

8. Stemplatte, 4' 2'' hoch, 1' 8" breit und 9'' tiet Sie ist 
etwas ausgehöhlt, etwa auf S'//\ Hier scheint die andere 
Hälfte abzugehen, so dass die ganze ausgehöhlte Platte 
nahezu ein Viereck gebildet haben mag. Welcher ihr Zweck 
gewesen sein mochte, dürfte schwer zu entscheiden sein. 
Vielleicht ward sie beim Opferdienste verwendet und in 
eine Grube eingesenkt, um das Blut der Opferthiere auf- 
zufangen, welche den öeoFc xaTax^ovtot; gewidmet waren. 

9. Ein Fragment, 2' 8" hoch und 4' breit, mit einer nicht 
mehr lesbaren Inschrift Es war eingerahmt 

10. Hieher gehört auch das Reliefbild einer nackten sitzenden 
Gestalt unter einem Dreieckfelde, welche, den linken Arm 
aufstützend, sich erheben zu wollen scheint, ähnlich der 
Darstellung, wie sie in dem Pettauer Prangerdenkmale der 
Opheus-Scene oder in jener zu St Martin am Bacher vor- 
kömmt Dieses und noch ein ähnliches, wiewohl beschädigtes 
Reliefbild blieb noch vor Vertheilung der Antiquitäten an 
seinem Platze. 

AUe übrigen zu St Johann am Draufelde der Ge- 
meinde Altendorf verbUebenen Denkmale, beiläufig noch 
56 an der Zahl, smd zwar; behauen, theils kubisch, theils 
plattenartig geformt, jedoch ohne. Schrift und Plastik, und 
dürften, wie bereits bemerkt, zum Mauerwerke gedient haben. 



— 11 — 
III. 

Die nach Pettau auf Flössen aberftihrten Gegenstände 
sind folgende: 

1. Eine zor Httlfte gebrochene GrabsQhrift, 8' 2" hoch, 2' breit 
und 8" tie^ auf wdcher noch folgende Zeilen zu lesen sind: 



M ,\ 

IVS-SVC-F \\ 
IVSANLXI 
NTOFIERI 

P.SVADRAE-, 

MERITAE 

AC CVR I 



• / 



Es wäre vergebliche Mühe, diese Grabschrift ergänzen zu 
wollen. Bloss die 2. Sigel der 2. Zeäe SVC mag mit Succesus, 
die 4. Zeile mit Testamente fieri, die 6. Zeile mit bene meritae 
und das Schlusswort der 7. Zeile mit curavit ergänzt werden. 
Daraus geht aber doch hervor, dass die Grabschrift der Keltin 
SVADRA ihrer Verdienstlichkeit wegen errichtet wurde, und 
dieser ihr Name ist durch sem Vorkommen ün Drauthale 
Steiermark's das Bedeutendste an dem ganzen Steine; 
denn er ist ein Familienname, der in Steiermark und 
Kärnten weit verbreitet war. Zu Seckau ob Leibnitz 
kömmt inschriftlich eine Turbonia Suadra, dann eine Augusta 
Suadra vor; zu Tanzenberg in Kärnten nach Gruter pag. 
83. 14 Suadra Severes und zu Micheldorf, 2 Stunden vor 
Friesach, eine Maximina Suadra. 

2. Bruchstück einer Inschrift mit Uncial-Buchstaben, V S'/«" 
hoch, 2' 8" breit und 1 V tief. Es hat noch folgende Sigel : 




— 12 — 

Hier dürfte die 2. und 3. Zeile mit sueccESSO veteRANO 
zu ergänzen sein. 

3. Brustbild eines mit der Tunika bekleideten jungen Mannes, 
2' 11" hoch, 3' 2" breit und 10«//' tief. Der Vorgestellte 
stutzt die rechte Hand auf den Ellenbogen und neben der 
linken liegt eine Kugel, was als Sinnbild des Handels an- 
zudeuten scheint, dass er dem Corpus Negotiantium ange- 
hört habe. Aus dem oberen Dreieckfelde blickt der Kopf 
eines Genius hervor. 

4. Ein Fragment, worauf das Relief eines suchenden Hundes 
9%" hoch, 2' 2" breit und 11" tief. Der Hund in dieser 
Stellung ist sonst auf alten Denkmalen das Sinnbild des 
Gefühlsinnes, womit er das, was er sucht, leicht findet. 
Wahrscheinlicher aber dürfte er als. eine gewöhnliche Ver- 
zierung anzusehen sein. 

5. Bruchstück mit dem Relief einer nackten weibUchen Gestalt, 
wovon nur mehr der Oberleib erkennbar ist, 2' 2" hoch, 
r 2',^" breit und 7" tief. 

^ 6. Ein Löwe in liegender Stellung mit erhobenem Kopfe, schon 
sehr verwittert, 2' 2" hoch, 3" breit und 11" tief; endlich 
7. das Fragment eines Thieres in sitzender Stellung von dem 
der Brusttheil und ein Fuss noch übrig ist. Von der Brust 
bis zum Halse blickt das Antlitz eines alten bärtigen 
Mannes. Hätte der Thierfuss Adlerklauen, so könnte man 
geneigt sein, die Vorstellung für ein Symbol des Jupiter 
zu halten. Da er aber eine Löwen -Pranke hat, so wird 
die Deutung erschwert An Herkules zu denken wäre 
gewagt, weil er auf allen Denkmalen nie mit greisem Ge- 
sichte dargestellt wird. Das Fragment ist 2' 6" hoch, 
2' breit und 11" tief. 

Obige 7 von St. Johann nach Pettau abgeführten 
Denkmäler smd (bei dem Umstände, dass sie durch so lange 
Zeit theils unter der Erde, theils unter Wasser gelegen sind) 
fast durchgehends ausgespült und ziemhch unkenntlich ge- 
worden. Sie befinden sich gegenwärtig (1845) zum Theile an 
der Westseite des Stadtt^unnes angelehnt, theils auf der Süd- 



— 13 - 

Seite des altefi Friedliofes neben der einstigen Todtenkammer 
gelagert, werden jedoch, wenn diese abgerissen würde, in die 
daneben angebaate auf den Florianiplatz führende Stiege durch 
die Vorsorge des Bttrgenneisters Herrn Franz Baisp an 
der Stiegenwand eingemauert und nebst den anderen Antiken 
untergebracht werden. 

Aus dieser an Ort und Stelle im Monate September 1845 
vorgenommenen Untersuchung stellt sich heraus: dass das 
anfangs von dem gemachten antiquarischen Funde entstandene 
Gerücht, welches sich im Jalire 1840 allenthalben im ganzen 
Lande verbreitet hatte, das Ergebniss des Fundes stark über- 
trieb. Hätte man freilich schon im Monate Dezember 1839 und 
anfangs Jänner 1840 mit vereinten Straften Hand an das Werk 
gelegt, dann wäre das gewonnene Resultat zu dem entstan- 
denen Gerüchte vielleicht in geradem Verhältnisse gestanden, 
weil die wahrgenommenen Steinmassen nach Aussage der noch 
lebenden Zeugen eine Strecke von mehr denn 150 Klaftern 
eingenonmien hatten. So aber ward aus leidigen Gründen, die 
ich bereits besprochen habe, die Arbeit erst begonnen, als 
das Wasser schon bedeutend gestiegen war und nur ein ver- 
hältnissmässig geringes Resultat erreicht. Bevor nicht die Drau 
in ihr voriges Bett zurückweicht, oder mindestens ihr Wasser- 
stand bedeutend sinkt, wird es darum verlorene Mühe sein, 
mit Bestimmtheit angeben zu wollen, was da zu Zeiten der 
Römer einst gestanden habe. Was bisher an das Tageslicht 
gefördert ist, lässt bloss darauf schliessen: 

a) dass da, wo jetzt bei dem Dorfe Altendorf der neue 
Draugang ist, einst fester Boden war, abgesehen davon, 
dass dieser noch vor Kiurzem Gemeindeweide gewesen ist, 
indem es unannehmbar ist, dass so ausgedehnte und ge- 
waltige Steinmassen anderswoher hatten hergeschwemmt 
werden können; 

b) dass der Ort von Römern bewohnt war, was auch schon 
andere früher vorgefundene römische Denkmale beweisen; 

c) dass hier vielleicht Tempel, Altäre und andere Gebäude, 
jedenfalls aber ansehnliche Grabmäler gestanden haben; 



— 14 — 

d) dass erst nachtrt^ch gemachte Funde ein günstigeres 
Licht aber das bisher Gewonnene verbreiten werden, und 

e) dass sich auch ergeben dürfte, in welcher Beziehung der 
P£GUTort St Johann am Draufelde zur benachbarten 
Golonialstadt Poetovio gestanden ist 



■ 



r 



— 15 — 



Die Verfassungs-Krisis in Steiermarl( 

zur Zeit der ersten französiselien Rerolntion. 

Von 

Professor Dr. H. J. Bldermann. 



Der Tod Kaiser Joseph's IL gOt für einen Wendepunkt 
der österreichischen Verfassungsgeschichte. Und er ist es auch. 
.Doch in einem anderen Sinne, als in welchem man diese 
Bezeichnung hierauf anzuwenden pflegt 

Von ihm datirt allerdings das scheinbare Wiederauf- 
leben der Provinzialstände, welche man sich unter Joseph n. 
ganz ausser Wirksamkeit gesetzt denkt Der Thronfolger, Leo- 
pold n., geizte aber kaum nach dem Ruhme eines Bestaurators 
und dennoch haben Geschichtschreiber des In- und Auslandes 
ihm diesen Titel bereitwilligst zuerkannt Auch Viele unter 
seinen Zeitgenossen feierten ihn als solchen, so weit sie 
an semer bezüglichen Wirksamkeit Gefallen fanden. Es 
ist richtig, dass derselbe, besonders beim Antritte seiner Re- 
gierung, sich das Ansehen gab, als huldigte er diesfalls Re- 
gierungsgrundsätzen, die denen seines Vorgängers diametral 
entgegengesetzt waren. Dennoch stimmte die Simiesrichtung 
beider darin vollkommen übercin, dass sie das Stftndewesen, 
so wie es sich ihnen aufdrängte, nicht aufkommen 
zu lassen entschlossen waren und wenn Leopold n. 
Anfangs Miene machte, den bezüglichen Zumuthungen sich zu 
fügen, 80 geschah es doch nur, um hintendrein den Stän- 
den als solchen mit einer Entschiedenheit, welche Joseph n. 
hierin nie an den Tag gelegt hatte, die Existenzberechti- 
gung abzusprechen oder doch sie zu einer Art prmcipieller Resig- 



— 16 — 

nation zu nöthigen, wie sie Joseph II. ihneu bei aller Schroff- 
heit seines Gebarens nie auferlegt hatte. 

Wenn man die Frage aufwirft, unter wessen Regierung 
in Oesterreich die Axt an die Wurzehi des hiesigen Stände- 
lebens gelegt ward? — so lautet die richtige Antwort : unter 
Leopold IL, nicht unter Joseph II. 

Kein zweiter Regent hat in Oesterreich die das historische 
Recht zur Bemäntelung selbstsüchtiger Begehren vorschützenden 
Stände so scharf zurechtgewiesen, wie Leopold U., keiner die Nich- 
tigkeit derartiger Prätensionen schonungsloser aufgedeckt, keiner 
dem natürhchen Entwicklungs gange des politischen Lebens im 
Voraus so viel Rechnung getragen, so behutsam Konflikten, die 
jener Entwicklungsgang mit sich brachte, vorzubeugen gesucht 

Dabei wurde er durch die Zeitströmung, welche die Ideen 
des 18. Jahrhunderts als Signatur trug, mächtig unterstützt. 

Andererseits verstand er es, durch formelle Zugeständnisse 
so wie durch Nachgiebigkeit in Dmgen, welche einen persönlichen 
Hintergrund hatten, auch die von ihm m meritorischer Beziehung 
Enttäuschten mit der harten Wirklichkeit, als deren unbefan- 
gener Richter er mehr, denn als massgebender Faktor er da 
auftrat — , zu versöhnen. Dieses kluge, auch Gegner gewmnende 
Benehmen war es, das ihm den Titel eines Restaurators eintrug, 
freilich nur in Krdsen, die oberflächlich zu urtheilen gewohnt 
sind oder denen es verwehrt war, Leopold's Regierungsthätigkeit 
zum Gegenstande gründlicher Quellenstudien zu machen. 

Das eben Behauptete in Ansehung der Steiermark nach- 
zuweisen, ist die Aufgabe, welche wir uns hier stellen. ') 



*) Die von uns benutzten Sammlangen handscbriftlicher QueUen Bind: 
das Archiv des k. k. Ministeriums des Innern, das 
B teiermärkische Landesarchiv und die Registratur 
der k. k. Statthalte rei für Steiermark. Durch die Libe- 
ralität, womit ihm diese QueUensanmilangen geöfihet wurden, ftüilt 
sich der Verfasser zu lebhaftem Danke Demjenigen gegenüber ver- 
pflichtet, welche da entweder das entscheidende Wort zu sprechen 
hatten, oder sonst mit Rath und That ihm an die Hand gingen. Das 
Wenige, was Druckwerken zu entnehmen war, ist durch Citate 
ersichtlich gemacht. Dagegen konnten die einzelnen Aktenstücke schon 



— 17 — 

Dass die Stände der Steiermark noch am Schlüsse der 
Regierungszeit Joseph's II., wenige Wochen vor seinem Tode, 
zu einem Landtage versammelt waren und dass sie diese ihrc^ 
Zusammenkunft zu einer Kundgebung benützen durften, welche 
eine durchaus oppositionelle Bedeutung hat, — lehrt die Vor- 
stellung, welche sie am 24. November 1789 „im Landtage^ 
dem Kaiser zu überreichen beschlossen, um die Grundsteuer- 
Reform und Urbarialregulirung abzuwenden. 

Diese Vorstellung *) ist von 46 Mitgliedern des steiermär- 
kischen Adels und vom Prälaten des Stiftes Admont unter- 
fertigt. Da nicht anzunehmen ist, dass alle Theihiehmer 
am Landtage damit einverstanden waren, so gestattet obige 
Zahl auf emen ziemlich starken Besuch der Versamm- 
lung zu schliessen ; jedenfalls ist sie an sich ein Beleg für die 
Regsamkeit des Ständelebens zu einer Zeit, wo man sich das- 
selbe als hierzulande erstorben zu denken pflegt 

Kurz vorher hatte der Kaiser über Andringen eben dieser 
Stände dem Herzogthume Steiermark von der jährlichen Steuer- 
schuldigkeit nahezu 100.000 Gulden nachgesehen, also einen 
Beweis, dass er auf ihre Bitten achtete, gegeben '). 



darum nicht näher bezeichnet werden, weil deren Signatur nur 
ausnahmsweise mit wenigen Worten oder Zahlen sich ausdrücken 
liesse. Diese Weitläufigkeit wäre auch überflüssig, weil Jeder, der die 
beiüglichc QueUensammlung aufsacht, bei dem Umstände, dass die 
Ordnung durchwegs eine chronologische ist, sich gleichwohl rasch da- 
selbst zurecht finden wird. Die Akten des Ministerial-Archivs (M.-A.) 
gehören mit wenigen Ausnahmen, die wü* durch besondere Zusätze 
markirten, der Abtheilung IV. H. 4. Inner-Oesterreich ; die des Landes- 
Archivs (L.-A ) sind sänmitlich im dortigen Faszikel A. L Jahrg. 
1782—1791 der Abtheilung II ; die der Statthalterei - Begistratur 
(St-A.) im dortigen Faszikel 91, Jahrg. 1787—1792 enthalten. 

') (Christoph Freih. von Schwizen) Aktenstücke, die Wiedei*einfÜhrung 
des alten Steuer- und Urbarialsystems in dem Herzogthume Steier- 
mark betreffend. Graz 1791, S. 143-151. 

^) Weitere, nicht zu unterschätzende Belege hiefÜr sind: 

1. Das Hofdekret vom 21. Febr. 1788, wodurch die a. h. Verord- 
nimg vom 27. Mai 1 786, welcher zufolge die Pröbste und Ordens- 
Komthure so wie die durch Abb^s commendat-aires ersetzten Prä- 

2 



— 18 — 

Auch bestand das Ausschuss - KoUegium der Stande in 
Steiermark ungeschmälert fort und unter dessen Obhut eine 
Menge landschaftlicher Bedienstungen. 

Das bezügliche Namenverzeichniss fbllt im Schematismus 
für das Jahr 1789 fünf Blätter. Wir finden da neben den 
Ausschussrätben einen landscbaftHcben G^eraleinnebmer, einen 
Hauptkassier, einen Kassier der Kreditska^se, 4 Kreiskassiere, 
andere mit KassageschAften betraute Beamte, femer an land- 
schaftlichen Aemtem das ständische Archiv, eine Liquidatur, 
zwei Aufschlagsämter und eine Gebäude-Inspection, dann eine 
grosse Anzahl von Sanitätspersonen (darunter einen Accoucheur 
imd einen Oculisten), 4 Exercizienmeister, u. s. w. 

Allerdings war das Beamtenpersonal der steiermärkiscben, 
Stände zuvor nochum einMerkliches grösser gewesen- 
Es hatte auch eine besondere landschaftliche Buchhaltung ge- 
geben, die nun mit der „Gubemial-Buchhalterei'' vereiniget war, 
und manche Bedienstung war ganz eingegangen. Doch Nie- 
mand wird Angesichts obiger Aufzählung behaupten wollen, 
da89 die Stände am Schlüsse der Josephiniscben Begierun^- 
periode wegen l^angel m IJxekutivorganen zur Unthätigkeit 
verurtheilt waren. 

Die sogenannte Verordnetenstelle dagegen war unterdrückt 
worden. Kaiser Joseph meinte, es werde dem Lande erspriess- 
licher sein, wenn er Einen aus den vier Verordneten, welche 
von den Ständen zuletzt gewählt word^ waren, den Oubernial- 
räthen mit Sitz und Stimme beigesellen würde. Und so amtbte 
denn auch zur Zeit, von der wir sprechen, GrafFerdinand 
Attems in dieser doppelten Eigenschaft, während die drei 
anderen Verordneten sich hatten in's Privatleben zurückziehen 



laten der Stifter von der ständischen Versammlung fürderhin ans- 
geschlossen waren, in Ansehung Steiermarks ausser Kraft ge- 
setztwurde, u. z. auf Andringen der hiesigen Landstände (St-A.) ; 
2. das Hofdekret vom 22. Dezember 1788, wodurch das Dekret Tom 
1. Dezember des n&mlichen Jahres, dem zufolge die Landschaft 
in corpore künftighin nur ftber besonderen a h. Auftrag mehr zu 
vernehmen war, als nicht auch den ständischen Ausschuss betref- 
fend erklärt wurde. (St.-A.) 



- 19 — 

mttssen. Gleiches war dem Landeshaiiptmanne Grafen Leo- 
pold Herberstein beschieden, welcher im Jahre 1782 
anlässlich der Vereinigung seines Amtes mit dem des Gou- 
verneurs der drei innerösterr. Herzogthümer ausser Aktivität ge- 
setzt wurde. Das waren aber auch die einzigen Aenderungen 
von Belang, welche Joseph IL am Organismus der Stände 
vornahm. 

Jener Graf Ferdinand Attems war nichts weniger als ein 
rttckhältiger, charakterloser Mann. Er war vielmehr die Seele 
der ständischen Bestrebungen, welche Joseph's Beformpläne zu 
durchkreuzen suchten '). Und dennoch versah er unter ihm 
Jahre lang die Stelle eines Gubemialrathes. 

Aus all' dem geht hervor, dass Joseph 11., so gering- 
schätzig er auch von den Ständen dachte, so unbequem sie 
ihm waren, doch sie zu beseitigen Anstand nahm. Weit 
schärfer war seine Mutter denselben entgegengetreten, indem 
sie ihnen viele Befugnisse entzog, welche der Sohn ihnen 
nur nicht zurückgab, und in einem Tone mit ihnen ver- 



In einem Dankschreiben, welches der Landeschef and provisor. Präses 
der Landschaft, Franz Ant Graf v. StOrghk, im Auftrage des Land- 
tages unterm IL Mai 1790 an den Grafen Ferdinand Attems richtete, 
wird derselbe mit folgenden W^orten apostrophirt : „Sie, jener stand- 
hafte Mann, der in den letzten, stOimischen Zeiten der Torigen Re- 
gierung, wo das beste Herz des grossen, redlich gesinnten Kaisers 
durch falsche Rathgeber ganz irre geführt, ja schändlich getäuscht 
worden ist, — selbst auf Kosten seines und der Seinigen Glttcks sich 
nie gescheaet hat, die Wahrheit öffentlioh standhaft zu reden; Sie, 
der Urheber und Verfasser jener herrlichen Schriften, in welchen di«" 
hierländigen Stände zu ihrem onsterbUchen Ruhme allen tUnrigen mit 
dem Beispiele der edelsten Freimüthigkeit vorgeleuchtet und die dem 
Lande und der Majestät gleich schreckbaren Folgen des nach Willkür 
verletzten Eigenthumsrechtes mit so lebhaften Farben, mit so vielem 
Nachdrucke geschildert haben; Sie, der redlichste Patriot| der erste 
steierische Biedermann, der auch nun in dem so sehr verwickelten 
Geschäfte der Zurückbringung des alten Steuerfusses und der vorigen 
Urbarial-YerfiBtssung durch seine vie^ährige erprobte Einsicht, Klugheit 
und Verwendung AUes erschöpft hat, um den Wunsch der gesammten 
Herren Stände so ganz vollkommen erfüllen zu machen u.8.w. (Kon- 
zept von der Hand des laudschaftl. Sekretärs Mitscha im L.-A) 

2* 



kehrte, welchen Joseph IL nie anschlug, auch wenn er durch 
st&ndiadie EinBtreuungen Lieblings plane gefllhrdet sah. 

Dessennngeaclitet trnuerten an seinem Sarge die Stftnde 
der Steiennark so wenig, als die der übrigen ftsf^ireichischen 
Lande. 

Sein Nachfo^r, Leopold II., hörte bei seiner Anktinft 
in Oesterreich die Stände bitter über die Unbilden klagen, 
welche ihnen seit Jahrzehnten zugefügt worden seien und als 
deren vornehmste Veranlassung ihm Joseph's Ungestüm 
bezeichnet wurde. Derlei Klagen drat^n zuerst bei der Her- 
reise durch Tirol an sein Ohr; zu Brück an der Mur ver- 
nabm er sie aus dem Munde einer Deputation, die sich ihm 
am 11. M&rz 1790 Namens der Stände der Steiermark vor- 
stellte und um die Erlaubnisa bat, dass deren Vertrauens- 
männer ihm die bezüglichen Beschwerden nach seinem Ein- 
treffen in Wien ausführlich darlegen dürfen. Dies wurde auch 
gestattet ') Bevor ^er noch die bezügliche Denkschrift in 
seine Hände gelangte, kam er dem dringendsten Wunsche der 
steiermärkischen Stände durch die Aufhebung der Jo- 
sepbinischen Grundsteuer- und Urbarial-Gesetze 
entgegen. Ein Fräsidiat-Schreiben des obersten Kanzlers vom 
28. März 1790 verständigte davon den Laodeschef, 
indessen auch die Stände des Landes auf, über die M< 
der Aufhebung Anträge zu erstatten. 

Dieser Aufforderung entsprachen dieselben bereit 
später"). Was sie verlangten, zeugte von geringem ^ 
nisse der Sachlage und von sehr oberflächlicher W 
der Zeitumstände. Graf Ferdinand Alterns setzte d 
würfe dM Majestätsgesuches noch die trotzigen Worte 
Stände mllssten sich fUr alle Zukunft, jede „was immi 
liabende Rectificatiou , Ausgleichung oder Perequat 
Grundsteuer imd der Urbarialleistungen nämlich) aufc 
iichste ^^bittep". 

""" '■ 4/)jkPZ0O (Koiuwpt im L.-A.). 
•> ^i^'ci^/ f V mittel« der vorsiürten Adreise. 



— 21 — 

Am Schlüsse des Majestätsgesuches heisst es: „Wir ha- 
ben noch viel zu bitten, aber auch nur Vater Leopold, 
unser huldreichster, gnädigster, reichester Landesfürst kann viel 
gewahren, denn seht Reichthum sind die Herzen seiner Unter- 
thanoiL^ 

Mit dieser Anspielung auf Leopold's II. Wahlspruch glaubten 
der genannte ständische Verordnete und die sein Konzept gut- 
heissenden Theilnehmer an einer Landtagssitzui^, die am 
30. März 1790 stattfand, den Monarchen für ihre weiteren An- 
hegen gttnstig zu stimmen. 

Als nun gar durdi ein a. h. Handschreiben von 29. April 
1 790 dei" oberste Hofkanzler Graf Kolowrat ermädbiiget wurde, 
die Stände der Steiermark, gleich denen der übrigen öster-' 
reichischen Erblande, aufzufordern, sie möchten nidit nur ihre 
Beschwerden genau formuliren, sondern auch aber d i e Wi e d e r- 
einftthrung der unter den vorhergehenden Re- 
gierungen geschmälerten ständischen Verfassung 
sich äussern, — da kannte die Freude oder, richtiger ge- 
sprochen, der Uebermuth der sogenannten Stände keine Orenzen 
m^r. Sie übersahen ganz, dass es in jenem Handschreiben 
liinsichthch der ständischen Verfassung hiess: es sollten um- 
ständliche Vorschläge erstattet werden „auf was Art dies^e 
mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Umstände 
und ohne Bebürdung des Landes oder des Aera- 
riums wieder hergestellt werden könne''. Sie beachteten es 
kaum, dass jenes Handschreiben an erster Stelle den Ständen 
die Aufgabe zuerkannte, Vorkehrungen zu beantragen, „damit 
die wieder einzuführenden alten Steuern nicht in das Stocken 
gerathen, die innerliche Ruhe und Zufriedenheit 
aller Steuerpflichtigen erhalten und dem Unterthan 
nach Thunlichkeit durch das patriotische Benehmen der Stände 
und Grundherren Erleichterung verschafft werde, 



<) Original im M.-A. IV H. 4. (5 ex Migo 1790, Nied.-OeBte]Teich). In 
Anbetracht der Wichtigkeit dieses Aktenstückes bringen wir den Wort- 
laut in der Beilage I sam Abdrucke, obschon dasselbe nicht bloss 
die Stdennark angeht. 



— 22 — 

wie auch so viel möglich und der BiUigkdt gemftss die Re- 
luirung der Roboten in Geld nach dem Verlangen der meisten 
Unterthanen von den Obrigkeiten angetragen werden mttge, 
welches zur Befriedigung derselben sehr zu wünschen wäre.'' 

Diese deutlichen, wohlgememten Winke blieben, wie gesagt, 
mbeachtet 

Die Stände beeilten sich mit der Ausarbeitung ihrer Be- 
schwerdeschrift. Da das gewöhnliche Konzeptspersonal weder 
in die Kränkungen, über die nun Klage geführt werden sollte, 
tief genug eingeweiht, noch im Stande war, innerhalb der 
nächsten paar Monate alle einschlägigen Punkte zu Papier zu 
bringen, theilten sich am 19. Mai 1790 neun Ausschussräthe 
in die umfangreiche Arbeit '). 

Das Zustandekommen der Denkschrift über die alte Lan- 
desverfassung wurde durch Berathungen unliebsamer Natur, 
deren sich die Stände gleichwohl nicht entschlagen konnten, 
verzögert 

Es handelte sich nämlich um die Beschwichtigung des 
mit der Bückkehr zur alten Besteuerungsweise und zum alten 
Unterthänigkeitsverhältnisse keineswegs einverstandenen Theiles 
der Bevölkerung. Die Publikation des bezüglichen landesfüret- 
liehen Patentes hatte sich bis zum Juni des Jahres 1790 ver- 
zögert, obschon dasselbe schon in den ersten Tagen des Mo- 
nates Mai unter Mitwh-kung des Grafen Ferdinand Attems 
festgestellt worden war. Die Stände boten bei dieser Gelegen- 
heit Alles auf, um sich hinter der unantastbaren Person des 
Herrschers zu verschanzen und schoben, im eigentlichen Sinne 
des Wortes, dieselbe vor. -) Sie erwirkten auch, dass der Kaiser 



^) Akt von obigem Datum im L.-A. 

*) Relation der ständischen Deputirten vom 11. Mai 1790 im L.-A. ! 

Ausser dem Grafen Attems nahmen an der Deputation, die sich an's 
kaiserliche Hoflager begab (und von dort den Steiermark. Her- 
zogshnt mit sich nach Graz zurückbrachte), der Fürst- 
bischof von Seckau, ein Graf Johann Brandis und Dr. v. Griendl theil. 
Der Landtag hatte sie bereits am 31. M&rz 1790 erw&hlt und sie 
waren es auch, die den Kaiser Leopold bei seiner Durchreise zu | 

Brück an der Mur begrüssten. Dabei lief eine Täuschung unter, y 



— 23 — 

sieb herbeiliesB, drei Bogenaimte Mntterabdrücke de« Patentee 
in dentocher und drei in slovenischer Sprache mit seiner eigen- 
hiiidigen Unterschrift versehen den Ständen, welche sie ihm 
vorlegten, zuzunütteln, damit solcher Gestalt von Letzteren 
dem Gerüchte, sie seien die Urheber der rückläufigen Mass- 
regd, mit unumstösslichen Belegen, dass der Kaiser siever- 
ftge, entgegengetreten werden könne. 

Das Grazer Gubemium suchte, um des Kaisers An- 
sehen besorgt, der Sache eine andere Wendung zu geben, 
indem es die Stände einlud, sich bei der mündlichen Yerhut- 
barung des Patentes seitens der Kreisämter durch Mitglieder 
des Herrenstandes (so hiess damals die hlVchste Adelsklasse) 
vertreten zu lassen. Graf Ferdinand Attems, der die Ge- 
schäfte der Landschaft damals leitete, lehnte jedoch die Ein- 
ladung Namens der Stände am 6. Juni 1790 ab, indem er, 
unwillkürlich den Herrenstand und sich selber an- 
klagend, bemerkte: ehie solche Intervention könnte nur die 
schon herrschende Aufregung vermehren '). Sie unterblieb also, 



welche, obschon kaum beabsichtiget, dem an rieh schon trfigerischen 
Vorgange noch mehr das Gepräge einer Mystifikation aufdrückte. Wie 
aus einer Zuschrift des Oberst-Erbland* Marschalls Grafen Joh. Georg 
▼on Sanrau an's steierm. Gubemium vom 23. Juli 1790 erheUt, war 
jener Graf Brandis gar kein Mitglied der St&nde und erst 
seit 4 Jahren in Steiermark ansftssig, daher nicht berechtiget, im 
Namen der hiesigen Landschaft als deren Repräsentant yor dem 
Throne zu erscheinen. Das Versehen wurde am 14. August 1790 da- 
durch gut gemacht, dass der damals versammelte Landtag in aller 
Eile dem Grafen das Indigenat verlieh. Die einschlägigen Akten ver- 
wahrt das L.-A. 
') Akt fan L.-A. Wie wenig die Stftnde sich aber die Wirkung täuschten, 
welche die Wiedereinfhhrung des Theresianischen Grundsteuersystems 
und die Vereitelung der von den Unterthanen ersehnten üibarial- 
Regttlirang haben mussten, wie bange ihnen vor den Folgen ihres 
sdbstsflchtigen Vorgehens war, geht schon aus der Adresse vom 1. 
April 1790 hervor, in welcher sie den Kaiser baten, nicht nur das 
beaflgliche Patent eigenhändig su unterschreiben und es mit seinem 
Siegel SU bekräftigen, sondern auch dasselbe von allen Kanseln aus 
dem Laadvolke verkOnden, ja „die gesammte Geistlichkeit dahin er- 
mahnen tn lassen, dass rie jenen Kredit und jenes Ansehen, so de 



— 24 — 

waa indessen nicht hinderte, dass im Cillier Kreise bald darauf 
Unruhen ausbrachen, die, wenn sie gleich mit der Grundsteuer 
und oüt den eigentlichen UrbariaUasten nichts zu schaffen 
hatten^ doch der Besorgniss der Grundholden vor dem aber- 
maligen Erstarken der grundherrlichen Gerechtsame und vor dem 
Missbrauche dieser durch herrschaftliche Beamte entsprangen '). 

Während nun die Stände auf Befehl des Kaisers mit einem 
Projekte des Grafen Cajetan Auersperg, wie derartige 
Unruhe für die Folge vermieden werden könnten, sich be* 
schäftigten und die Gttltenbesitzer unter ihnen Angesichts der 
in dem Projekte ihnen angesonnenen Opfer sich wechselseitig 
ihre Noth klagten, ruhte die staatsrechtliche Aktion. 

Erst am 13, JuU 1790 brachte der damals versammelte 
Landtag die Verfassungsfrage, so vidi an ihm lag, zu einem 
vorläufigen Abschlüsse, indem er das vom Grafen Ferdinand 
Attems stylisirte Majestätsgesuch, womit die emstweilen voll- 
endete Denkschrift über die alte Landesverfassung dem Kaiser 
überreicht werden sollte, guthiess. 



vermöge ihres Amtes Aber ihre Ptietrrgemeiudeii besitzen, dahin an- 
wenden sollen, das Landvolk über diese lediglich auf Gerechtigkeit 
und Billigkeit sich grilndende a. h. Verfügung zu belehren". Die Re- 
gierung entsprach diesem Wunsche durch ein Hofdekret vom 2. Mai 
1 790. Andererseits unterliess es allerdings auch die Landschaft nicht, 
sftmmtliche Landstftnde und Gültenbesitzer der Steiermark zur Mässi- 
gung und Bescheidenheit bei Geltendmachung der herrschaftlichen 
Redite za ermahnen und darauf hinzuweisen, wie nöthig es sei, dass 
die herrschaftlichen Beamten die ünterthanen ^mit Sanftmuth über die 
gereohtefiten Gesinnungen des Landesfürsten belehren und in ailwe^ 
mit Güte behandeln". Es geschah dies mittelst eines Cirkulares vom 
11. Mai 1790, welches die Unterschrift des .Xandtags -Kommissärs" 
Grafen Stürgkh imd die des „ ständischen Verordneten'' Grafen P'erd. 
Attems trägt. Die bezüglichen Akten verwahrt das L.-A. 
') Wir behalten uns bevor, diesen wenig bekannten Yolksaufstand, der 
sich auf die Umgegend von Gilli beschränkte, bei anderer Gelegenheit 
eingehend zu besprechen. Den nächsten Anlass dazu gab die Einhe- 
bung des seit 1774 von der Landschaft gepachteten Weinaufschlages 
bei den slovenischen Bergholden der unteren Steiermark. Die Land- 
schaft betraute nämlich damit die Dominien und gestattete, dass diese 
unter dem Titel der Perzeptionskosten vom Startin Wein 9 kr. noch 



_ 25 — 

In diesem Majestätegesüche heisst es: ^Nieht so viel um 
zierliche Einkleidung unserer Worte, ate um richtige, auf That- 
Sachen sich füssende Darstellung des Wesentlichen besorgt, 
wird diese Schrift nur das Garage der aufrichtigsten^ uneigen- 
nützigsten Absicht, das allgememe Wohl unseres theuersten 
Vaterlandes zu befördeni, an sich tragen (^führen''). Unser Au- 
genmerk war einzig der aus dem Ursprung der bür- 
gerlichen Gesellschaft hergeleitete Endzweck der ganzen 
Gesetzgebung, nämlich: Liebe zur Erhaltung und Buhe/ 

Nachdem das Gesuch dem Kaiser noch in Aussicht ge- 
stellt, dass durch dessen Grewährung „der Nationalgeist 
verhältnissmftssig werde gehoben werden"^, schliesst es mit fol- 
gender Apostrophe: „Von Dir, geliebtester Vater, Vater so 
vieler Nationen, dem Herzen nach Zahl der Millionen entgegen- 
strömen, von Dir erwarten wir unser Glück." 

Die mit dem Gesuche vorgetragenen Bitten betrafen: 

1. Die Einsetzung eines vom Gouverneur verschie- 
denen Landeshauptmannes, der den Ständen treue 
Erfüllung seiner Amtspflichten^ darunter die der Wahrung 
der Landesfreiheiten, zu geloben hättä. 

2. Die Einsetzung eines Landes-Verwesers, dessen 
Aufgabe es wäre, dem Gerichte zu präsidiren, vor wel- 
chem die MitgUeder der Stände sammt ihren Angehörigen 
nur durch Ihresgleichen Recht zu empfangen hätten. 

3. Die Zusammenstellung des Ausschuss-Kollegiums 
aus den beiden vorgenannten Würdenträgem, dem Seckauer 
Fürstbischöfe, sämmtlichen Prälaten des Landes, 
sämmtlichen ständischen Verordneten (auch den ausgetre- 
tenen), 5 zu wählenden Mitgüedeni des Herren- und gleich- 
viel zu wählenden Mitgliedern des Ritterstandes. 

4. Die Zusammensetzung der Verordnetenstelle aus einem 
Prälaten, 2 Mitgliedern des Herrenstandes und einem Ritter. 

separat einhoben. Dazu kam, dass die Beamten dieser Gruudobrigkeiteu, 
wie wenigstens die CnterthaneB behaupteten, nicbt selten halbvolle 
Weinfässer für voU tazirt, ongegohrenen Wciu der Besteuerun;^ ein- 
beasogen und sieb überhaupt verhasst gemacht hatten. 
') Konzept im L.-A. 



— 26 — 

5. Die Zulassung eines statidisohen BeiHriseiitaiiteii am Hof- 
lager, der daselbst allen Sitzungen der Ttteimgten Hof- 
stelle beizuwohnen und mit dem Monarchen selbst jeder- 
zeit hl umnittdbaren Verkehr zu treten befugt sein sollte. 

6. Die Bestdlung eines standischen Generaleinnehmers aus 
dem Herrenstande. 

7. Die Unterordnung der st&ndischen Buchhaitang unter 
die ständischen Kollegien mit Ausschluss j e d e r 
Staatskontrolle, die nicht das den Standen bloss 
vom Staate Übertragene Kreditwesen zum Gegen- 
stände hat 

Daran reihten sich noch eine weitllkufige Vorstellung wider 
den Bestand der Kreisftmter und die in der Beschwerdesciuift 
entwickelten, zum Theile an's frtthe Mittelalter ge- 
mahnenden Anliegen. 

So nahmen z. B. die Stande das langst abgeschaffte, selbst 
den Kht^hen und Klöstern entzogene Asylrecht ftür die land- 
schaftlichen Gebftude in Anspruch, beAlrworteten sie die Wie- 
dereinsetzung der Grundherrschaften in eine Menge von Be- 
/ugsrechten mittelalterlichen Ursprunges : in das Recht, Grund- 
holden, welche mit ihren Giebigkeiten im Rückstände sind, 
abzustiften, d. h. Ton dem Gute, auf dem sie sitzen, wegzu- 
weisen; in die Befiigniss, das im Brucker und Judenburger 
Kreise einmal bestandene sogenannte DrittIgeM, d. h. bei 
jed^ Besitzveranderung 33 \t Percent Tom Werthe der Ünter- 
thans-Realitat zu erheben u. s. w. Nicht einmal mit dem zarten 
Geschlechte hatten sie Erbarmen, sondern sie yeiiangten: es 
werde diesem gegenüber das seine Ausstattung und sein Erb- 
recht zu Gunsten der Brüder beschränkende Herkonunen, wor- 
nach z. B. selbst eine Tochter vom Herrenstande von ihrem 
VatMT höchstens 3000 fl. sollte erben und 1000 fl. zur Aus- 
stattung eriialten können, wieder in Wirksamkeit gesetzt 

Die Stande würden sich bei diesen Kundgebungen ihrer 
Wünsche wahrscheinlich mehr Mässigung auferlegt haben, wenn 
sie nicht von der Voraussetzung ausg^angen waren : sie hatten 
darüber allein mit dem Monarchen zu yerfaandehi oder 



— 27 — 

es werde dieser hOdusMos ein paar ibrem Anliegeii geneigte 
Geheimräthe darQber vernehmen. 

Auf timliehe Weise hatte Leopold ü. allerdings unmittelbar 
nach seinem Eintreffen in Oestetreich die Klagen der Stände 
über das Josephinische Steuer- und Urbarial-System ontersuchen 
lassen, indem er durch Handschreiben vom 27. Man 1790 
eine Kommission damit betraute, in die er den ObersChofmeister 
Fürst Starhemberg als Vorsitzenden, f^ner den Oberstkämmerer 
Grafen Rosenberg, den Staatsraths - Präsidenten Orafen Hatz* 
feld, den obersten Hofkanzler Orafen Kolowrat, den Grafen Carl 
Zinzendorf, den Landrechtspräsidenten Baron Löhr, den ge- 
heimen Staatskanzleirath Baron Spielmanii, endlich die Hofräthe 
von Koller imd Graf Odonel berief. 

Diese noch am Tage ihrer Berufung zusammengetretene 
Kommission erledigte die ihr zugewiesene Aufgabe mit eteer 
Hast, wdche kein ruhiges Abwägen von Vemunftgrttnden zu- 
liess und bestand auch zumeist aus notorischen Gegnern des 
fraglichen Systems, so dass die Stände damals ihren Willen 
rascher durchsetzten, als sie selber zu hoffen gewagt hatten '). 

Seither aber war Leopold E. inne geworden, wie s chlech t 
man ihn damals berathen hatte. Gerade die in Steiermark aus- 
gebrochenen Unruhen mahnten ihn zur Vorsicht 

Er empfing daher nicht nur nicht die Deputirten der steier- 
märldsehen Stände, welche sich im Juli 1790 zur Reise nach 
Wien rüsteten, um jenes Migestätsgesuch sammt den Beilagen 
ihm persönlich zu übergeben, sondern ordnete viebnehr an, 
dass diese Schriftstücke zunächst der vereinigten Hof- 
stelle zur Vorprüfung übergeben werden sollen *). 

Femer befahl er, den Ständen zu bedeuten, dass er zwar 
vor der Entscheidung über ihre Eingaben ihnen noch Ge- 
legenheit geben wolle, diese durch Deputirte aus ihrer Mitte 
zu rechtfertigen, dass jedoch zu diesem Ende von ihnen nicht 
mehr als zwei Personen abgesendet werden dürften.*) 



*) Ezcerpt des Frefliemi C. von Hock ans den Staatsratbs- Akten. 
*) Gnbernial-Iiitiiiiat Tom 28. Juli 1790 im L.-A. 
*) Oubeniial-Intmiat Tom 8. August 1790 im L.-A* 



— 28 — 

Und AalChdein durch eine am 14. August vorgenommene 
NeuwaM die Grafen Ferdinand Attems und Jobann 
Brand is lüezu erkoren worden, dauerte es noch beinahe 
7 Monate, bis dieselben am Rathstische der Staatskonferenz 
zu Wort kamen. 

Ich abergehe die Intriguen, welche damals gespielt wuixien^ 
um denselben dennoch den Zutritt beim Monarchen zu er- 
wirken und wie in Folge dieser Schachzüge bald ihnen eine 
Audienz zugesagt, bald wieder verweigert wurde. Eine Reise, 
zu welcher sich der* Kaiser entschloss und während welcher er 
vom 6. bis zum 8. September in Graz weilte, bot den Stän- 
den eine erwünschte (vielleicht auch von ihnen oder von ihren 
Gönnern vorbereitete) Gelegenheit, ihre Anliegen schliessUch 
doch im Rücken der vereinigten Hofstelle dem Monarchen vor- 
zutri^en, und an's Herz zu legen *)• Dieser aber hütete sich, in 
Abwesenheit seiner Minister eine Entscheidung hierüber zu treffen* 

Er übergab vielmehr sämmtliche Schriftstücke den kom- 
petenten Hofstellen zur Berichterstattung. Um diese zu verein- 
fachen und die auftauchenden Meinungsversdiiedenheiten zum 
Austrage zu bringen, ohne dass er selber sie aUe zu verneh- 
men brauchte, ordnete er sogenannte Staats-Konfarenzen an, 
in welchen die ihm vorzulegenden Schlussanträge formulirt 
werden sollten. 

Dazu fanden sich, vom Kaiser berufen, auch die oben ge- 
nannten Deputirten ein ^). Sie reisten in den letzten Tagen des 



^) Es geschah dies wahrscheinlich am 8. September. Bei der an diesem 
Tage veranstalteten Stadtbeleuchtung prangte am Palais des Grafen 
Ferdinand Attems die durch Lampen construiite Inschrift : „Leopold, 
den besten Herzog, preiset ganz Steiermark." (Anhang zum 
Grazer Merkur Nr. 78 vom 11. September 1790.) Der Augnstiner- 
ChorheiT Raimund Ant. Mftller brachte diese separatistische Ansdiauung 
noch nach dem Tode des Monarchen zum Ausdrucke, indem er 1702 
zu Graz (bei Leykam) einen demselben gewidmeten Nachruf unter dem 
Titel „Rede auf Leopold denll., den sechsten Herzog dieses 
Namens von Steiermark** drucken Hess. 

*) Der Kaiser bediente sich zu deren Verständigung, dass nun die Zeit 
gekommen sei, wo sie an seinem Hoflager erscheinen dOrften, des 



— 29 — 



Monats Januar 1791 — so lange ht^te sich eben der Abschluss 
der von den Hofetellen gepflogenen Vorverhandlungen verzögert 
— nach Wien, stellten sich am Tage nach ihrer Ankunft dem 
Kaiser und am 1 . Februar dem Kronpnnzen (Erzhwzog Franz) vor. 



Gk>uyemetir8 von Innerösterreich, Grafen Khevenhiller, welcher dem 
gemäss unterm 24. Januar 1791 seinem SteUvertreter in Graz brieflich 
dies mittheüte. Die erste Bewilligung dieser Art hatte Leopold II. 
demselben Grafen Khevenhiller. wie wenigstens dieser behauptete, 
Mitte August 1790 mündlich ertheilt und ein Gubemial-Intimat 
vom 19. August setzte auch die steiermärkische Landschaft davon in 
Kenntniss. Allein schon 4 Tage später erhielt die Hofkanzlei in Folge 
einer Yontellung, die sie sich auf die Kunde hievon erlaubt hatte, 
vom Kaiser die Ermächtigung, den Deputirten bedeuten svl lassen, 
dass sie bloss zur üeberreiohung des Yerfassungsentwnrfi&s und ihrer 
sonstigen Begehren bei Hof erscheinen dürften; unmittelbar darauf 
hätten sie sich wieder heim zu begeben. Graf Khevenhiller getraute 
sich nicht, dieses Dekret dem Landes - Ausschusse vorzuenthalten, 
f&gte jedoch der Intimation (ddo. 30. August 1790) die Bemerkung 
bei: dass wenn der Ausschuss wünscht, die Abgeordneten möchten 
dennoch länger in Wien weilen, es ihm unbenommen sei, dieselben 
darüber „gehörig zu belehren und anzuweisen, was sie hiewegen 
unserem allergnädigsten Könige vorzutragen und um was sie ihn etwa 
femers zu bitten hätten^. (L.-A.) Nichtsdestoweniger blieb er noch 
5 Monate lang Chef der steiermärkisehen Landesstelle. Einige Tage, 
nachdem er endlich dieses Postens enthoben worden war, richtete er 
(am 6. Febr. 1791) von Wien aus an den ständischen Ausschuss ein 
Abschiedsschreiben, in welchem er sich als dessen „gehorsamster 
Diener*^ unterzeichnet und demselben für das durch 9 Jahre ihm ge- 
schenkte Vertrauen dankt Der Ruf des Monarchen, heisst es darin, 
der ihn zum n. ö. Landmarschall ernannt habe, können in ihm nur 
diejenigen C^efülüe wecken, deren „ein daakvolles, redliches Gemttth 
bei einem solchen Abzüge fähig ist**. Er wünsche nor^ den Ständen 
insgesammt oder Einzelnen unter ihnen noch femer „seine Dienstbe- 
gierde** bezeigen zu können. Daranf antwortete der Ausschuss untemi 
14. Febr. 1791 durch die Hand des Ausschussrathes v. Rosenthal: 
die 9 Jahre, während welcher Kherenhiller Chef der Stände gewesen, 
werden „für die ständischen Jahrbücher zu den glücklichen gehören^. 
Insbesondere dankte ihm der Anaschnss für den Schutz, welchen er 
den Ständen „in der stürmenden Periode des Versuchs eines neuen 
Steuerfusses habe angedeihen lassen, um wieder die Rechte des Eigen- 
thums iii ihrem Vaterlande hergestellt zu sehen*'. (L.-A.) 



— 80 - 

Am 9. liftra 1791 fand die erste „Zusammentretimg** der 
stAndischen Abgeordnetai mit den Repräsentanten der be- 
theiUgtm Hofstellen statt, nachdem letztere am 5. März eine 
Vorbeaprecbung, welcher auch der Präsident des innerttsterr. 
(TubemiumsGrafStürgkh beiwohnte, gehabt hatten. Die Grafen 
Attema und Brandis brannten vor Ungeduld. Ihnen lag daran, 
daa ständische Verfassungs-Operat aus den Händen des Kaisei^s 
mit dessen Genehmigung versehen zurückzuerhalten, oder 
wenigstens einige wesentliche Punkte, wie namentlich die Be- 
willigung eines vom Landeschef verscliiedenen Landeshaupt- 
mannes beim Kaiser durchzusetzen, bevor noch die bezüglichen 
Konferenzen beginnen würden. Sie bestürmten desshalb den 
Monarchen, erlangten aber zunächst nichts, als die Zusage, 
dass eine Entscheidung nicht getroffen werden sollte, bevor sie 
in der Konferenz vernommen worden wären. Als nun am 
5. März die oben erwähnte Vorbesprechung unter dem Vor- 
sitze der Erzherzoge Franz und Ferdinand abgebalten wurde, 
ohne dass man sie zuzog, erbaten sie sich eine neue Audienz, 
in welcher sie dem Kaiser mit Berufimg auf die sichtliche 
Ungeneigtheit der Hofstellen, sie zu erhören, abermals ver- 
sicherten, wie so ganz in seine Einsicht allein sie ihr 
Vertrauen setzten. Der Kaiser antwortete ausweichend. Da 
wagten sie das Aeusserste. Von dessen bevorstehender Abreise 
Anlass nehmend, überschickten sie ihm am 7. März durch den 
dienstthuenden Kammerherm ein Bittgesuch, worin sie auf Er- 
ledigung des ständischen Organisations-Planes m letzter Stunde i 
drangen. Dies fruchtete. Der Monarch beschied bevor er abr 
reiste noch den Grafen Attems zu sich und eröffnete dem- 
selben mündlich: er habe der Hofkanzlei bereits aufgetragen, 
die steiermarkischen Stände zu benachrichtigen, dass er ihnen 
einen besonderen Landeshauptmann und das Recht, ihm 12 
Kandidaten dafür in Vorschlag zu bringen, zugestehe. Mit den 
übrigen Anliegen verwies er jedoch die D«putirten an die Kon- 
ferenz, die dann auch erwähnter Massen am 9. März im Bei- 
sein derselben abgehalten wurde. Gross war die Verstim- 
mung, welche sich der oftgenannten beiden Grafen bemächtigte, 



— 31 — 

als sie schMesalich doch in eii^ Yersaimiiliing der ansge- 
zeichnetsten StaatsmUimer, die Oesten^eicb damals besass, Über 
das, was sie ursprunglich ohne Ausnahme nur dem Monarchen 
anzuvertrauen und zur Sanction gleichsam unterzuschieben ge- 
dachten, Rechenschaft zu geben sich gezwungen sahen. *) Der 
bezüglich der Landeshauptmannstelle erzielte Erfolg war nicht 
zu verachten, doch er verschwand neben der Masse des noch 
zu Erreichenden. Die Entrostung der so bitter Enttäuschten 
wuchs, als sie die Einwendungen vernahmen, auf deren Wider- 
legung sie vor Allem bedacht sein mussten. 

Opponenten gegenüber, wie die Grafen Kolowrat und 
Edling, die Freiherren vonKresel und von Waidmannsdor^ der 
Justizhofraih von Keess waren, hielt es schwer, Stand zu 
halten. 

Allerdings hatten die Grafen Attems und Brandis durch 
die vom Kaiser bewilligte Nachwahl eines Deputirten aus iim 
geistlichen und emes aus dem Bitterstande Succurs erhalten *). 
Der Pr&lat von Admont, Gotthard Eugebnayer, und em Doktor 
derBechte aus Graz, Franz Xaver von Feldbacher, waren ihnen 
demzufolge durch den Landtag a4iungut worden ')• Doch fim- 
den sich, gleichermasaen vom Kaiser berufen, auch 
noch zwei andere Steierm&rker zur Debatte Ober die 
Verfassungsangelegenheit m Wien ein, nftmlich : der als Anwalt 
des Bitterstandes sich gerirende Herrschafts*Besitzer v o n M o s- 



*) Relationeii der Tom Landtage gew&hlten Deputirten aa das 
AttSBcfauss-EoUegium vom 6. und 13. ICirz 1791 im L.-A. 

^ Die beiflgliclie BewfiQiguiig notifisirte der Ooovemeur Qraf Kheven- 
luUer dem damali schon zu seinem Nachfolger aasenehenen Grafen 
Stflrgkh nntenn 29. Jannar ITM. (L*-A.) Die Geschichte dieses Zage- 
sUndniBses und seiner Verwirklichnng geben wir in der Beilage IL Sie 
charakterisirt das Verhalten des steierm. Herrenstavdes 
dem niederen Adel gegenüber. 

*) Die Wahl &nd am 8. Febmar statt Zwei Tage später langten die 
Gewählten bereits in Wien an. Am 6. Febmar hatten lie niglefch 
mit den froher schon eingetroffenen Deputirten Audieni beim Kaiser. 
(Reiserelation vom 6. Mftra 1791 im L.-A.) 



— 32 — 

millern und der AltbOrgenneister der Stadt Leoben, Anton 
Raspe r, den die landesfürstlichen St&dte und Markt« mit 
Erlaubniss des Kaisers durch förmliche Wahl als ihren Vertauens- 
mann bezeichnet hatten 0- 

Die Debatte drehte sich vornehmlich um zwei Punkte: 

1 . Ob den Ständen der Wirkungskreis, den sie beanspruchten, 
eingeräumt werden könne? 

2. Ob ausser dem Adel und der Geistlichkeit auch das 
Bürgerthum und vielleicht selbst die Bauernschaft 
zur Mitwirkung bei den ständischen freschäften heranzii- 
ziehen wäre? 

Bis dahin war die Bauernschaft in Steiermark vom hmd- 
schaftUchen Verbände ausgeschlossen, das Burgerthum aber 
hatte aus dem sechzehnten Jahrhunderte, wo es unbestritten 
den vierten Landstand ausmachte, in die Neuzeit bloss den 
Schatten seines vorigen Einflusses herübergerettet Dieser 
Schatten war der sogenannte Städte - Marschall, welcher die 
mehr lächerliche als rühmliche Aufgabe hatte, 3 1 steiermärkische 
Städte und Märkte im Landtage zu vertreten, d. h. in deren 
Namen abzustimmen und, wenn Geistlichkeit tmd Adel es ihm 
vergönnten, in deren Namen zu sprechen. 

Biese traurige Rolle hatte das Bürgerthum satt bekommen. 
Die nominell den vierten Stand bildenden Städte und Märkte 
beanspruchten nun jede und jeder für sich das Recht, 
den Landtag beschicken zu dürfen. Und da ihr bisheriger Ver- 
treter weder im ständischen Verordneten-KoUegium (so lange 
dieses noch bestai\den hatte), noch im ständischen Ausschusse 
sass, so drangen sie auf Zulassung ihrer Repräsentanten in 
beiden Kollegien* 

Sie stützten sich oder beriefen sich vielmehr dabei auf 
Urkimden, welche ihre Begehren als in der alten Landesver- 
fassung begründet erscheinen lassen sollten'), doch machten 

') Zuschrift des Dr. F. K..Winierl an's L ö. Gubemium vom 12. Jan. 
1791 im L.-A. 

) Der Loser findet die beKüglichen AUegato in der den Akten des 



— 33 — 

sie auch kein Hehl daraus, dass das Bewusstsein ihrer wachsen- 
den politischen Bedeutung, das wieder erwachende SelbstgefOhl 
des Bürgers sie bestinunte, derartiges zu fordern. 

Sie hatten auch schon, bevor sie den Anton Raspor nach 
Wien abordneten, damit er den Sitzungen der Staatskonferenz 
beiwohne, am Orazer Landtage durch ihren „Marschall*', den 
Grazer Advokaten Dr. Winterl (in dessen diminutivem Namen 
schier ihre Zurücksetzung anklingt) — ihre Forderungen 
geltend gemacht; waren jedoch hier auf wirklich verletzende 
Weise zurückgewiesen worden *). 

Die drei höheren St&nde erklärten das Petitum der Bürger- 
schalt für eine Anmassung, die auf Unkenntniss des echten 
historischen Rechtes oder auf Verdrehung desselben beruha Sie 
widersetzten sich sogar den Versuchen der Bügerschaft, in Wien 
Gehör zu finden. Nun Hessen in der That die geschichtlichen 
Kenntnisse der Wortführer der Städte und Märkte viel zu 
wünschen übrig. Nichts beweist dies besser, als die naive Sieges- 
zuversicht, womit ihre im August 1790 am kaiserlichen Hoflager 
weilenden Deputirten am Tage, nachdem sie beim Kaiser Audienz 
gehabt und diesem ein Promemoria behändigt hatten, ein neues 
Miqestätsgesuch überreichten '), um dem Monarchen die in ihren 



M.-A. entnommenen Beüage IV angedeutet, welche ihn auch Mit 
den Einwendungen der oberen Stände nnd mit dem Stand- 
punkte, den diese einnahmen, genauer bekannt macht. 

*) M^jestfttsgesuch der städtischen Deputirten ddo. Brack a. d. M. 
8. Angst 1790 im M.-.A. Dasselbe trägt die Unterschriften des Leobner 
Bürgers Ant Raspor, des Gräser Bürgers Frans Haas und des Knittel- 
felder Borgers Jos. Weninger ,im Namen der landesftkrstL Städte 
und Mftrkte Steiermarks**. Die Mandate dieser drei Vertrauensmänner, 
welche bald darauf die Reise nach Wien antraten, sind Ton Georg 
Fidel Schmidt, als dem Gewaltträger der Städte und Märkte des 
Marburger Kreises, von Frau2 Haas, als dem der St u. M. des Cillier 
Kreises, von Frans Dimböck, als dem der St. u. M. des Brucker 
Kreises, von Jos. Fohr (Föhn?), Bürgermeister des Marktes Obdach, 
als dem der St. n. If . des Judenburger Kreises und von Ant Andreas 
Pachler, als dem der St u. M. des Graser Kreises ausgesteUt 

*) Dasselbe ist vom 14. August 1790 datirt, Ton Raspor, Haas und 
Weninger unterzeichnet (M.-A.) 

3 



— 94 — 

Augen hochwhtige, bei einem Besuche der Hotbibliothek ge- 
machte Entdeckung zu melden, dass in einem Exemplare der 
steirischen Landbandveste, das ihnen dort vorgewiesen worden 
war, unter den unterfertigen! des sogenannten Brucker Libells 
der Grazer Bathsbürger Schrott und der Leobner Stadtrichter 
Hynker aufgeführt seien. 

So schwach aber auch die geschichtliche Begründung 
dessen, was die Bürgerschait anstrebte, war, so wenig die von 
ihr damals Abgeordneten durch ihr persönliches Auftreten im- 
ponirten, so erfreuten diese sich doch in den Wiener Re- 
gierungskreisen einer zuvorkommenden Aufnahme. Denn die 
Ideen des 1 8. Jahrhunderts bahnten ihnen die Wege, geleiteten 
sie und verliehen ihnen einen Rückhalt, der stäricer war, als 
die Beweiskraft des Brucker Libells vom Jahre 1519. 

Man hatte eben in jenen Kreisen damals ein feines, bald 
nachher abhanden gekommenes Verständniss für die Vorboten 
der Stürme, welche zunächst in Frankreich losbrachen, weil 
man hier auf die warnenden Anzeichen zu wenig geachtet hatte. 

Hierin übertrafen Leopold II. und die Mehrzahl seiner 
Räthe alle übrigen europäischen Regierungen der damaligen Zeit, 
selbst die preussische nicht ausgenommen. 

An keinem anderen Hofe, der noch nicht, wie der fran- 
zösische, von der Revolution überfluthet war, bekannte man 
sich damals zu Grundsätzen, wie das von Leopold II. am 
14. Oktober 1790 zu Frankfurt am Main unterzeichnete Manifest 
sie ausspricht Darin verheisst nämlich der Kaiser den Belgiern : 
er wolle „allen Vereinen (Versammlungen), geistlichen und 
weltlichen Gemeinden und allen jenen Privatmännern, deren 
Vaterlandsliebe und Einsicht dem Staate nützen können, Zu- 
tritt zu den ständischen Versanunlungen und Sitz daselbst ge- 
währen." ') Die ungarischen Stände aber forderte er mittelst 
der Landtags-Proposition vom 10. November 1790 auf, industrie- 
reichen oder (Jurch Handelsbetrieb hervorragenden Orten den 
Bang könig{/^||er Freistädte zu verleihen, damit sie als solche 
der J^dst^.^jjaft theilhaft würden, sowie überhaupt die Her- 

'J Onü^ ^X. ^on 1790. Nr. 94. 



— 86 — 

stelluug des Gleichgemchts zwischen den verschiedenen Ständen 
(aequilibrium inter diversos Status et Ordines stabiliri) sich 
angelegen sein zu lassen. ') Er bethfttigte damit Begierungs- 
maximen, welche er in einem Schreiben vom 25. Januar 1790 
an die Erzherzogin Marie Christine dieser anvertraut hatte 
und mit Rücksicht auf welche Adam Woli^ dem wir die 
korrekte Veröffentlichung jenes Schreibens verdanken Oi den 
Ausspruch thut: Leopold sei „nach dem Ausdrucke unserer 
Zeit Constitutionen" gesinnt gewesen. 

Nicht minder gilt dies von einem Theile der höheren und 
höchsten Staatsbeamten, welche damals in Oesterreich an der 
Lösung von Verfassungsfragen mitzuarbeiten berufen waren. 

Zeuge dessen ist das Konferenz-ProtokoU, welches über die 
am 5. und 9. M&rz 1791 in Betreff der steiermärkischen Landes- 
verfassung gepflogenen Berathungen aufgenommen wurde. ') 

Der Referent, Freiherr von Waidmannsdorf,^) 



De Laca, Geogr. Handbuch von dem Osterr. Staate, IV. Bd., 8. 688 
bis 641. 

^ Leopold n. und Marie Christme, Ihr Briefwechsel, V^ien 1867, 8. 80 bis 
86. Bttcksichtlich Belgiens sprach er schon am 12. Juni 1790 die 
Absicht aus: mit den Ständen über eine i^repräsentation plus ezacte 
et plus considerable et juste de la campagne et da plat pays** an 
verhandeln. 

^ Als Gegenstück theilen wir in der Beilage V. aus den Akten des 
M.-A. dieAeusserung des innerösterreichi sehen Guberninms 
vom 17. September 1790 mit, welches das ständische Gutachten vom 
8. September 1790 (Beilage IV) „platterdings"* unter st ütsen 
itt sollen glaubte. Da dieselbe wirkungslos verhalltOi kommt 
sie eben nur als Gegenstück zu den Ansichten, welche bei den Wiener 
Ho&tellen damals vorherrschten, in Betracht und ist sie als kultur- 
historisches Material im Anhange an ihrem Platze. 

^ ) Bereits zum Gouverneur von Tirol designirt, war er erst seit Kurzem 
dennoch mit diesem Referate betraut, weil der Kaiser mit Handbillet 
vom 25. Jänner 1791 einen Wechsel sämmthcher Referenten über 
die Länderanliegen dem obersten Hofkanzler zur Pflicht gemacht und 
dieser in der Eile einen geeignetere Mann nicht zu ermitteln vermocht 
hatte. Auch die ,,De&iderien" von GOrz undGradiska waren ihm zur 
Antragstellung zugewiesen (M.-A.) 

3* 



— 36 — 

Insserte die Memung: es würde zum Besten des Landes vor- 
zQgliclk beitragen, wenn den künftigen Deliberationen des stän- 
dischen Ausschusses wenigstens konsultando (mit berathender 
Stimme) auch etwelche Vertreter des Bürger- und 
Bauernstandes in Gegenständen, welche beide betreffen, 
beigezogen werden wollten, was in Ansehung des Bürger- 
Standes um so weniger Anstoss erregen könnte, als es nicht 
verneint werden mag, dass die steirischen landesfürstlichen Städte 
und Märkte von jeh^ einen Mitstand ausmachten, und weil 
überhaupt feststehe, dass das Wohl des ganzen Landes, das 
der echte Wunsch der Stände sein muss, nicht gut 
besorgt werden könne, wenn man nicht auch zugleich für die 
Erhaltung des Bürgers im aufrechten Stande sorgt, als der 
das nothwendige Mittelding zwischen Herren undUnterthanenist. 

Die Beiziehung der Repräsentanten des unterthänigen 
Standes (der Bauern) dürfte zwar den Ständen anfänglich 
weniger einleuchten wollen, da diese als Gültenbesitzer die 
Vertretung ihrer Unterthanen sich selber zu vindiziren gewohnt 
wären; allein wenn man in reife Ueberlegung zieht, dass der 
Unterthan in dem heutigen Zeitlauf bei weitem nicht mehr — 
weder hinsichtlich seiner Denkungsart noch in Anbetracht seiner 
Besitzverhältnisse — derjenige sei, der er vorhin gewesen, 
dass er sich schwer eine Behandlung würde gefallen lassen, 
wie er sie ehemals erlitt, sondern dass er überhaupt nun mehr 
und richtiger denke, auch, seit mehreren Jahren schon mit 
verschiedenen B^ünstigungen begabt, seinzweiDrittheile 
d^s Landes umfassendes Eigenthum ebenso zu 
schätzen wisse, wie jeder andere Eigenthümer das seinige, so 
erscheint es — meinte der Freiherrr von Waidmannsdorf — 
für die Stände selber rathsam, den Unterthan vor Entschei- 
dungen über sein Schicksal durch seine voraussichtlich be- 
scheidenen Vertreter zu vernehmen, statt es auf Zerwürfiiisse 
ankommen zu lassen, die zum Widerrufe bereits gefasster Be- 
schlüsse nöthigen könnten. 

Der hierauf bezügliche Antrag des Referenten blieb je- 
doch in der Minorität Die Mehrzahl der Theilnehmer an der 



— 37 — 

Staats-Konferenz erblickte darin eine allzu radikale Umgestal- 
tung der Landesverfassung und besorgte, ,,da8s die Stimmung des 
Unterthans" sodann zu unerquicklichen Auftritten führen könnte. 

Dem Btlrgerthume dagegen gestand die Staats-Con- 
ferenz das Anrecht auf stärkere Betheiligung bei der ständi- 
schen Landesverwaltung rilckhaltslos zu, obschon die 4 Depu- 
tirten des steiermärkischen Landtages, welche dieser, vom so- 
genannten Herrenstande beherrscht, aus seiner Mitte gewählt 
hatte, eine solche Nachgiebigkeit sehr übel vermerkten *). Na- 
mentUch setzte der oftgenannte Graf Attems auf diese Wahr- 
nehmung hin alle Hebel in Bewegung, um die Anerkennung 
der Städte und Märkte als eines gleichberechtigten ständischen 
Faktors zu hintertreiben. Leopold E. widerstand dem Sturm- 
laufe. Am 1 7. Mai benachrichtigte die vereinigte Hofstelle den 
steiermärkischen Landeschef Grafen Stürgkh von der a. h. Ent- 
schliessung, kraft welcher im ständischen Yerordneten- 
Kollegium fürderhin auch ein Deputirter der 
Städte und Märkte Platz nehmen sollteund die- 
sen obendrein vergönnt war, nach Kreisen grup- 
pirt, je 2 Vertreterin den Landtag zu senden*) so 
dass, da das Land damals in 5 Kreise zerfiel, das Bürgerthum 
nunmehr einschliesslich seines Repräsentanten im Verordneten- 
Kollegium, dort 11 Stimmen abzugeben hatte, statt sich mit 
der herkömmlichen einzigen begnügen zu müssen. 

Der Herrenstand betrachtete diese a. h. Entscliliessung 
nicht als feststehend. Er machte im Laufe des Sommers 
des Jahres 1791 und bis spät in den Winter hinein wieder- 
holt Versuche, den Kaiser zur Zurücknahme derselben, sowie 
anderer, ihm, dem Herrenstande, missliebiger Bestimmungen 
zu bewegen. Graf Attems hielt sich zu diesem Ende fast ohne 



') S. die Konferenz-Protokolle vom 5. und 9. März 1791 im M.-A. Sie 
tragen die Unterschrift der beiden Hofkanzler Graf Kolowrat und Frei- 
herr ▼ EreseL Der Kaiser nahm ihren Inhalt aar Kenntnisa, ohne 
sich sofort schon darüber zu äussern. 

*) Haupt-Resolution auf Grund der Berathungsergebnisse vom 6., 9. und 
16. M&rz 1791 im M.-A. 



— 88 — 

Unterbrechung in Wien auf, nahm beim Kaiser so oft Audienz, 
als er nur vorgelassen zu werden hoffen durfte und überreichte 
bei solchen Anlässen nicht weniger als drei Majestätsgesuche '). 
Jedesmal erlaubte er sich da, im Namen der steiermär- 
kiscben Stände zu sprechen, besass aber, seit (am 9. August 
1791) deren Neubildung vor sich gegangen war, nur ein vom 
neuemannten Landeshauptmanne ausgestelltes Kreditiv '). Nichts- 
destoweniger nahm der Monarch, der es für seine Pflicht hielt, 
jede Beschwerde seiner Unterthanen, mochten diese nun hoch- 
gestellte Leute oder niedrigen Ranges sein, huldvoll anzuhören, 
auch jene Gesuche entgegen und Übergab sie den betreffenden 
Hofstellen zur Berichterstattung. Ja, er ordnete sogar, um über 
das letzte der Attems'schen Gesuche desto rascher ein in sich 
abgerundetes Gutachten zu erhalten, eine Staats-Konferenz an. 
welche am 30. November 1791 zusammentrat Ihr wohnten 
unter dem Vorsitze des Erzherzogs Franz der oberste Hof- 
kanzler Graf Kolowrat mit seinem Adlatus Baron Kresel, femer 
die Staatsräthe Eger und Izdenczy, der Präsident der Hofrechen- 
kammer, Graf Carl Zinzendorf, der Hof kammer-Präsident Graf 
Rudolf Chotek, die Hofräthe Graf Edling, Beckhen ), Keess 



^ Sie befinden Bich unter den einschlägigen Akten des M.-A. (26 ex 
Januar 1792 J. Oe.) 

*) Einem Promemoria vom IS. November 1791 legte Graf Alterns zar 
Bekräftigung seines Inhaltes ein Schreiben des Landeshauptmannes 
Grafen Breuner vom 5 November bei, worin dieser seinen Vorsatz, 
daferae die ständische Vorstellung an den Kaiser vom 9. August 1791 
keinen Erfolg hätte, auf seinen Posten zu resigniren, ausspricht, da 
die Stände, namentlich aber der Herrenstand, durch Entziehung ver- 
schiedener Gerechtsame um ihr Ansehen gebracht würden. Graf Attems 
bat nun den Kaiser, diese Eingaben nicht mehr , durch den 
ordentlichen Weg, wie bishero" erledigen zu lassen. Sonst würde 
die Resolution neuerdings abweislich lauten, „ohne dass die Stände über- 
zeugt wären, sich unrecht beschwert oder unschiksam gebeten zu haben". 
Das beste Auskunftsmittel wäre, wenn der Kaiser eine eigene Kom- 
mission von 2 oder 3 »unbefangenen'* Männern einsetzen wollte, die 
Alles zu prüfen und sodann „gerade an Eure Majestät die Re- 
lation zu erstatten hätten". 

*) Richtiger: Beckh und der bekannten steiermärkischen Familie der 



— So- 
und Büschin bei. Auch Graf Attems war auf Befehl des Kai- 
sers eingeladen worden, dabei zu erscheinen und erschien wirk- 
lich. Graf Edling referirte über dessen Gesuch. Das üblicher 
Weise an den Kaiser adressirte Protokoll der Konferenz ') be-f 
ginnt mit den Worten : „Vor der Hand muss hier bemerkt wer- 
den, dass die heutige Konferenz bloss aus schuldigstem Ge- 
horsam für höchst dero gnädigste Aufträge abgehalten wird; 
denn es lauft gerade wider die vom Jahre 1748 bestehende 
und von Eurer Majestät selbst genau bestimmte und öfters 
bestätigte Ordnung, ständische Schriften hier zu erledigen, die 
nicht von allen Klassen der Stände verfasst und von 
der vorgesetzten Landesstelle vorschriftsmässig beurtheilt und 
hieher einbegleitet werden." 

Im Verlaufe des Referats wird dem Grafen Attems der 
Text gelesen, mitunter so derb, dass der Anwesende vor Be- 
schämung knirschen musste. Er hatte aber auch die Hofstellen 
beim Monarchen geradezu verklagt, sie beschuldigt, den Monar- 
chen hmtergangen imd gegen die Stände Partei genommen 
zu haben. Daran hatte er die Bitte geknüpft, die von ihm 
überreichten ständiscJien Anliegen nicht mehr ;, durch den or- 
dentlichen Weg, wie bisher" der Erledigung zuzuführen, sowie 
er andererseits dem Kaiser das Bedenken, dass Alles schon 
eigentlich entschieden war, durch die Versicherung auszureden 
suchte: der Kaiser sei viel zu gerecht und gütig, um ein für 
allemal eine Bitte abzuschlagen. Und was er nicht selber 
zu sagen wagte, das liess er den greisen Landeshauptmann 
Grafen Brenner in einer dem Gesuche beigelegten Denkschrift 
sagen. 

Da heisst es denn: die den Städten und Märkten ein- 
geräumte Stellung sei eine beispiellose Kränkung der ständi- 



Beckh-Widmanstetter verwandt. In dessen Biographie bei 
Winkler, biogr. u. litterar. Nachrichten, Grätz 1810, S. 18, 
ist dieser Verwandtschaft nicht gedacht; ich verdanke die be- 
zügliche Notiz dem Schriftführer des histor. Vereines für Steiermark, 
Herrn k. k. Oberlieutenant L. Beckh-Widmanstetter. 
*) Original im M.-A. 



f 



— 40 — 

sehen Rechte; in Niederösterreich, wo der vierte Stand doch 
den fünften Theil der ganzen Landeskontribution trage, dürften 
dessen Vertreter den Landtagen bloss stehend beiwoh- 
nen und nur so lange, als die Verhandlung über das landes- 
fürstliche Postulat dauert ; in Steiermark dagegen, wo sie nicht 
einmal den 27. Theil der Landeskontribution leisten, sollten 
sie nicht nur eine VerordnetensteUe zu besetzen haben, son- 
dern auch vielfaches Stimmrecht bei Verhandlungen, die sie 
nicht berühren. — Hiezu bemerkte nun der Referent Graf E d- 
ling, das sei offenbar ein Privatanliegen des Grafen Attems, 
der sich des Landeshauptmannes zu seiner Deckung bediene, 
und es sei um so verdächtiger, als die gemeinnützigsten 
Vorschläge bisher gerade von den Städten und Märkten aus- , 

gegangen wären. Graf Edling empfahl daher, durch den steier- j 

märkischen Landeschef „allen vier Klassen der Stände einen [ 

wohlüberdachten Vorschlag abzufordern, ^le mit Vermeidung 
aller Neckereien ihre wechselseitige Verbindung zum Wohle 
der guten Sache noch enger geknüpft werden könne ?^ 

Graf Carl Zinzendorf bemerkte: r Gerechtigkeit ist die 
erste Pflicht des Landesfürsten ; weil nun die Bürger ebenso, wie 
alle Klassen der Stände ein repräsentirender Körper sind, so 
ist es Pflicht des Landesfürsten, da«s er einen Deputirten des 
Bürgerstandes dem Verordneten-Kollegium beiziehe. In der 
Dominikaikontribution stehen allerdings die Bürger dem Adel 
nach. Doch dieser steht mit dem, was er an Steuern zahlt, 
noch weit mehr hinter der Rustikalkontribution (der Steuer- 
schuldigkeit der Bauern) zurück. Die Bürger sind die grössten 
Konsumenten ; ihnen sich zu nähern, gebietet das eigene wohl- 
verstandene Interesse aller Produzenten, somit auch des die 
Landwirthschaft betreibenden Adels. Gerade in Innerösterreich 
ragt der Bürgerstand durch seinen Reichthum hervor und ver^ 
breitet er nach allen Richtungen hin Wohlhabenheit. Das allein 
rechtfertigt seine Aufnahme in das Verordneten-Kollegium der 
Stände.'' 

Hofrath v. Keess that die merkwürdige Aeusserung: Die 
Stände kämen dermalen nur als die Repräsentanten des Volkes 



f 



— 41 — 

in Betracht ; das allgemeine Wohl sei der Zweck ihres Daseins ; 
darüber aber habe der Bürger am ehesten mitzusprechen und 
den Bauer dürfe man auch nicht länger mehr bei Seite setzen. 
Wolle man von Ständen des Landes reden und diesen Ein- 
fluss aufs ganze Land gewähren, so müsse man Bürger 
und Bauern dazu gesellen. Die bisherigen Stände vertraten, 
im Grunde genommen, nur Ein Interesse, wenn sie gleich in 
drei Abtheilungen gespalten seien, nämUch das der Dominien 
(des herrschaftlichen Grossgrundbesitzes). Und dennoch sprächen 
sie im Namen des Volkes. Soll das keine unleidliche Anmas- 
sung sein, so müssen sämmtliche Klassen der Bevölkerung im 
Gremium der Stände sich das Gleichgewicht halten. Wünscht 
man Stände in diesem Sinne, so geht es nun und nimmer 
an, den vierten Stand von den Ständen der Steiermark aus- 
zuschliessen *). 

Vorstehende Bemerkungen gaben dem Grafen Rudolf C h o- 
tek Anlass, sein staatmännisches Talent durch die Prophe- 
zeiung zu erproben, dass, wenn man einmal dahin käme, sich 
auf den Standpunkt des Hofrathes v. Keess zu stellen, man 



Bei einem anderen Anlasse, der jedoch nicht ausserhalb des Rahmens 
dieser Abhandlung liegt, kehrte wieder Kee ss mehr den Monarchisten 
hervor, der er in der That war, obschon ihn seine Feinde einen Jaco- 
biner schalten. Als nämlich die Anliegen der steiermärkischen Stände 
bei der obersten Justiz stelle einer strengen Kritik unterzogen wurden, 
stiess sich Keess an dem Begehren: dass iu Zukunft kein Ge- 
setz erlassen und keine Yerfassu ngs-Einrichtun g 
geändert werde, ohne dass dieStände ihre Einwilligung 
geben. Das — erklärte Keess — laufe der monarchischen Staats- 
verfassung zuwider, sei mit dem allgemeinen Wohle unvereinbar und 
klinge um so dreister, nachdem hierzulande weder der Bauern- noch 
der Bfirgerstand vollberechtigtes Glied der Körperschaft, die sich der- 
artige Migestätsrechte anmasse, ist. FreimtUhig müsse er, wie unter 
der vorigen Regierung, bekennen, dass die Wünsche der Stände auf 
Emftkhrung einer vermischten Regierungsform, wobei die 
Aristokratie Antheil hätte, abzuzielen scheinen. Diese wäre der- 
malen die b e d e n k 1 i c h s t e , da sie bei der sich voUziehenden Emanci- 
pation der Herrschafts-Unterthanen und der prodnzircndcn Klasse 
überhaupt, die verhassteste sei. Bei aller Nachgiebigkeit des LaodM* 



f&rsten werde unter solchen Umständen doch keine dauerhafte 
Konstitution zu erreichen sein, sondern über kurz oder lang eine 
neue Revolution. Lieber sage er dies auf die Gefahr hin, abermaligen 
Gehässigkeiten zum Opfer zu fallen, als dass er schweigen möchte, 
wo es noch an der Zeit ist, zu reden. (Beilage zu den Eonferenzproto- 
kollen Yom 5. und 9. März 1791 im M.-A.) Die betreffende Sitzung 
der obersten Justizstelle hatte am 22. Dezember 1790 statt 
*) Siehe Beilage III. Chotek's Votum verdient es wohl in der von ihm 
selber redigirten Fassung seiner ganzen Ausdehnung nach abgedruckt 
zu werden. Eine Biographie dieses ausgezeichneten Staatsmannes lie- 
ferte Prof. Adam Wolf in den Sitzungsberichten der philos.-hist. 
Classe der kais. Akad. d. Wissensch., Jahrgang 1852. (IX. Bd. S. 48 1 ff.) 



— 42 — 

auch unmöglich bei einer Interessenvertretung es bewenden 
lassen könnte, sondern sich bald gedrungen sehen würde, 
eine „der arithmetischen Volkszahl angemessene Repräsen- 
tationsart*' zuzulassen, was mit der allmäligen Hintansetzung 
der privilegirten lüassen allerdings gleichbedeutend wäre. Und 
dann liesse sich kaum vermeiden, dass die „Repräsentanten 
aller Volksklassen'' eines Tags das Recht unaufgefordert zu 
reden, sich beimessen und ihre Bitten mit drohenden Ge- ! 

berden unterstützen würden, dass sogenannte preces armatae 
entständen. 

Er persönlich, versicherte C h o t e k , missgönne dem Bür- 
gerstande die fragUchen Befugnisse keineswegs; doch die 
Folgen dieses Schrittes seien unübersehbar 
und jenes Zugeständniss involvire an sich schon einen Bruch 
mit dem historischen Rechte, das nur dadurch gewahrt und 
geschont werden könnte, dass man die altberechtigten Stände 
bestimmen würde, in die Neuerung zu willigen '). 

Diese Reden und Gegenreden wurden, wie gesagt, im 
November des Jahres 1791 am Tische der österreichischen 
Staats-Konferenz, in Gegenwart des nachmaligen Kaisers Franz 
geführt, der sich selbst zwar an der Debatte nicht betheiligte, 
doch, wie ein von ihm verfasster Vortrag an seinen Vater 
lehrt, damals der „demokratischen Partei" sich zuneigte, für deren 
Führer der desshalb viel verläumdete Hofrath von Keess galt. 

Im Dezember 1790 hatte der Erzherzog bereits über 



— 43 — 

selbstsüchtige Begehren der niederösterreichischen Stände seine 
Missbilligung mit Worten geäussert die seine damalige Denkart 
kennzeichnen ')• So wird er denn auch schwerlich von den Aus- 
führungen des Grafen Attems angenehm berührt gewesen sein. 
Auch die bei der Konferenz vom 16. März 1791 anwe- 
senden Staatsräthe mischten sich nicht in den Gedankenaus- 
tausch, der da stattfand. Allein wir kennen ihre einschlägigen 
Ansichten aus den Gutachten, welche sie über das Ergebniss 
früherer Konferenzen abgaben '). E g e r rieth, den Bürger- und 
denBauernstand den übrigen Ständen auch in Ansehung 
des Rechtes, im ständischen Ausschusse vertreten zu sein, gleich- 
zustellen. Wider den Beschluss der Konferenz, diesen Antrag 
abzulehnen, weil bei der dermaligen Volksstimmung es bedenk- 
lich wäre, darauf einzugehen, bemerkte er : in seinen Augen 
wäre gerade dies das emzige und kräftigste Mittel, um der 
heutigen Volksstimmung jene glückliche Richtung zu geben, 
wodurch sie von anderen ausschweifenden Rettungsmitteln und 
Nachahmung der Latemgeschichte abgehalten würde. Den 
Städten und Märkten wollte er einen Vertreter im Verordneten- 
KoUegium zugestanden wissen. 



*) „Die Stände — schrieb er — scheinen ganz vergessen zu haben, dass ea 
die Pflicht des Souveräns ist, nicht nur das blosse Dasein auch dem 
geringsten Unterthan zu gönnen, sondern diesem sowie dem grössten 
ein behagliches Dasein zu schaffen und wie weit es mit der Behag- 
lichkeit des Unterthans gekommen, werden jene am besten einsehen, 
die einige Zeit des Jahres auf ihren Gütern zubringen. Auch sollten 
die Stände erkennen, dass der Bauer bereits die Rechte 
einsieht, welche er als Mensch fordern kann und 
dass er verlangen darf, als solcher behandelt zu 
werden. Ihn durch Einftlhrung der alten ständischen Rechte wie- 
derum zum Lastthier herabwürdigen wollen, wdrde von den übelsten 
Folgen fflT die Stände selbst sein. Auch ist sehr auffallend, dass die 
Stände sich bestreben, den Einfluss des Souveräns durch seine Stellen 
auf das Wohl der übrigen Unterthanen so viel möglich zu beseitigen". 
Kaiser Leopold erledigte das fragliche Schriftstück ganz im Sinne 
seines Sohnes unterm 15. Januar 1791. (£xcerpt des Freiherrn Carl 
v. Hock aus den Staatsraths- Akten.) 

^) Excerpte des Freiherm v. Hock aus den Staatsraths -Akten, 



I 



— 44 — 

Fürst Kaunitz und Izdenczy stimmten ihm bei. 
Nur Graf Reischach war gegen jede Konzession an den 
Bttrgerstand und verlor über die Bauern schon gar kein Wort. 

Wofür damals der Kaiser sich entscliied, wurde be- 
reits erzählt. Hatte er gleich inzwischen dem Grafen Attems 
mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als dessen Auftreten verdiente, 
und dem Wunsche nach einem besonderen Landeshauptmanne j 

gegenüber sich willfähriger gezeigt, als die meisten Theilnehmer 
an den Konferenzen erwarteten, so legte er sich doch vom 
12. März d. i. von dem Tage an, wo er den Deputirten des 
steiermärkischen Landtages das eben erwähnte Zugeständniss 
als vollzogen ankündigte, eine gewisse Zurückhaltung auf; er 
hörte Vorstellungen auch jetzt geduldig an, versprach, sich dar- 
über berichten zu lassen, war aber schliesslich froh, wenn der 
ihm darüber erstattete Vortrag keine Umkehr zur Pflicht machte. 

Gewiss ist, dass Leopold II. durch derlei Behelligungen 
von dem in Ansehung des Bürgerstandes einmal 
Beschlossenen nicht abgebracht wurde. 

Und was er diesfalls im Widerspruche mit den Verfech- 
tern des historischen Rechtes verfügte, war auf 57 Jahre hin- 
aus massgebend, bildete die Grundlage, auf welcher die Me- 
tamorphose des Ständewesens sich nachmals vollzog, ohne 
dass es hiezu noch einer neuen Grundlegung bedurft hätte. 

Mit demselben Rechte, womit Leopold II. im Jahre 
1791 die Stände der Steiermark modemisirte, sie durch die 
Beimengung bürgerlicher Elemente nach eigenem Ermessen auf- 
frischte, schuf Kaiser Ferdinand sie ganz ab und fügte unser 
heutiger Monarch Bruchstücke davon dem Neubau der Lan- 
desverfassung ein. 

Es würde zu weit führen, wollte ich hier auch die durch- 
greifenden Aenderungen schildern, welche der Wirkungskreis 
der steiermärkischen Stände unter Leopold 11. erfahren hat 
und durch die gleichfalls auf die Dauer eines halben Jahr- 
hunderts staatsrechtliche Grundsätze zur Geltung gebracht 
wurden, die den Keim der späteren Entwicklung schon in sich 
trugen. 



— 46 — 

Ich gestatte mir jedoch zmn Schlüsse, die mit den be- 
sprochenen Neuerungen in Eausalverwandtschaft stehenden Be- 
schlüsse Leopold's n. anzuführen, durch welche die in Rede 
stehende Yerfassungskrisis im Mai 1791 der Hauptsache nach 
ihren Abschluss fand,). 

Die Stände erhielten einen besonderen Landes- 
hauptmann als Oberhaupt (und es war das das einzige 
Zugeständniss , welches sie dem Kaiser im Rücken der Hof- 
stellen entlockten, worauf hin eben Graf Attems auch Wich- 
tigeres auf gleichem Wege zu erreichen sich vermass); doch 
dieser Landeshauptmann durfte nicht ihnen, sondern musste 
ausschliesslich dem Monarchen den Gehorsamseid leisten. 

Er that dies dem von Wien aus festgesetzten Zeremoniell 
gemäss nicht einmal vor den Augen der Stände, sondern im 
Rathsaale des Gubemiums zu Randen des Landeschefs. 

Die Stände durften ihn sich gewissermassen selber 
wählen; allein nur durch Bezeichnung von 12 Kandidaten, 
unter welchen der Monarch beliebig wählte. 

Die Stände durften femer nach alter Sitte wieder Ver- 
ordnete als ständige Geschäftsführer wählen; allein jeder 
Stand hatte aus seiner Mitte den ihm bewilligten Verordneten 
zu wählen und nicht, wie ehedem, der ganze Landtag diese 
Wahl vorzunehmen. Ausserdem war die Bestätigung der Ge- 
wählten dem Monarchen vorbehalten, der sie über Antrag der 
vereinigten HofsteUe gab oder verweigerte. 

Die gleiche Bewandtniss hatte es mit den Ausschuss- 
räthen, die nun sämmtlich gewählt werden 
m u s s t e n und deren Wahl nicht der Herrenstand allein vor- 
nahm, wie dieser in einem späteren Verhandlungsstadium 
es als der Landesverfassung gemäss beansprucht hatte, son- 
demjedem der drei oberen Stände gleichmässig 



>) Es ist nicht bloss die sogenannte Hauptresolution Leopolds IL, der 
ich die nachstehenden Funkte entnehme, sondern ich lege dieser Dar- 
steUung auch die Akten des St.-A. zu Grunde, welche wichtige Er* 
läuterungen darbieten. 



— 46 — 

zufiel Dem Ritterstande war es eben gelungen, diesfalls 
beim Monarchen die Anerkennung seiner Ebenbürtigkeit durch- 
zusetzen, was, prinzipiell genommen, keine geringere Verlet- 
zung des Herkommens war, als die hinsichtlich der Yerord- 
netenwahl dem Bürgerstande gemachte Eonzession. 

Der Posten eines ständischen General-Einnehmers, 
den Josef IL bereits gestrichen hatte, lebte wieder auf; doch 
nicht mehr zum ausschliesslichen Vortheile des Herrenstandes, 
der diese Sinekur Jahrhunderte lang als sein Vorrecht ausge- 
beutet hatte, sondern unter der Bedingung, dass bei deren 
Besetzung der Herren- und der Ritterstand abwechslungsweise 
bedacht werden sollten. 

Die Sitzungsprotokolle und Rechnungsausweise der Land- 
schaft unterlagen fortan einer strengen Untersuchung 
durch die Staatsbehörden, was so gut gegen das 
historische Recht war, wie die Bemessung des Gehaltes der 
ständischen Funktionäre und Diener durch die Regierung. 

Die Stände durften nun überhaupt ohne Vorwissen der 
Regierung keine noch so kleine Ausgabe mehr ma- 
chen, wenn nicht Pauschalsummen dafür ausgeworfen waren. 

Mit dem Antrage, sich am Hoflager durch einen eigenen, 
wohldotirten Repräsentanten vertreten lassen zu dürfen, 
wurden sie rundweg abgewiesen. Höchstens die Aufstellung 
eines Hofagenten aus der Zahl der dazu autorisirten Wiener 
Advokaten sollte ihnen gestattet sein. 

Ebensowenig ging Leopold H. auf die von den Ständen 
gewünschte Umgestaltung der Gerichtsverfassung im Sinne der 
Judida parium ein; vielmehr behielt er sich für alle Zukunft 
die beliebige Besetzung der Richterstellen bevor und bedeutete 
er ihnen, er werde dabei stets ohne Rücksicht auf Stand und 
Geburt vorgehen, „da einereine, untadelhafte Justizpflege d i e 
erste Pflicht eines Monarchen" sei. Uebrigens — setzte er 
nicht ohne bittere Lronie bei — werde es ihm „sehr angenehm 
sein, wenn er die erforderlichen Eigenschaften vorzüglich bei 
den um derlei Rathsstellen kompetirenden ständischen Mitglie- 
dern antreffen würde". 



— 47 — 

Dieser den steiermärkischen Ständen ertheilte Bescheid 
ist am so wichtiger, als der Monarch ihn seiner ganzen, drei Folio- 
seiten füllenden Ausdehnung nach eigenhändig zu Papier 
brachte und damit auch ein Normativ zur Regelung der stän- 
dischen Verhältnisse in Kärnten und Erain gegeben war, 
auf das noch Jahrzehnte später zurückgegriffen wurde, um jede 
Ausschreitung der Stände hintanzuhalten. 

Trostloser noch lautete — für die Stände -■ eine unterm 
7. Oktober 1791 dem Grazer Gubemium bekannt gemachte a. h. 
EntSchliessung, welche in Erledigung der mittlerweile einge- 
brachten Rekurse den Inhalt der vorangeführten Entscheidung 
mit einer einzigen, später zu erwähnenden Ausnahme von 
Punkt zu Punkt bestätigte und in Gestalt sonstiger 
abschlägiger Antworten ebenso viele neue Belege für die Miss- 
achtung des historischen Rechtes enthielt. 

Es war aber freilich auch gegen das historische Recht, 
dass die Landschaft sich ihre Einkünfte, wie es schon unter 
Leopold L geschah, durch die Regierung garantiren liess, dass 
sie ihr Besteuerungsrecht aufs ganze Land ausdehnte, dass 
sie in Alles und Jedes sich mischte, dabei in echt rationalisti- 
scher Weise den „Ursprung der menschhchen Gesellschaft^ zum 
Ausgangspunkte nahm und dass ihre Mitglieder in der Rolle 
von Vätern des Vaterlandes, die nichts destoweniger auf 
dessen Kosten fette Pfründen genossen, sich gefielen. 

Die Landschaft ging demnach aus der Verfassungskrisis, 
die ich zum Gegenstande meines Vortrages gemacht habe, 
bei Weitem nicht so glorreich und nicht so mächtig hervor, wie 
der hohe Adel es sich gedacht hatte. 

Sie glich der alten, geschichtlich gewordenen Land- 
schaft nur mehr äusserlich ; ihrem nunmehrigen Wesensbestande 
nach war sie ein von der Regierung beliebig gemodelter, 
dieser zu Diensten stehender, ziemlich morscher Verwaltungs- 
Apparat 

Der als Antiquität ehrwürdige, doch kein Pfropfreis, wie 
das aufstrebende Bürgerthum war, vertragende Baum verwelkte, 
seit die Axt an seinen Wurzeln lag, seit die ReformUebe tief 




— 48 — 

und tiefer in sein Mark drangen. Nur die Rinde hielt, obschon 
auch zerklüftet und zerrissen, ihn noch aufrecht 

Und wenn ihn die Regierung eines Tages ganz zu Fall 
brachte, so erlitt das historische Recht dadurch keine grössere 
Verletzung mehr, als die war, welche Leopold 11. ihm zuge- 
fügt hatte, indem er es systematisch zu untergraben begann. 

Hätte indessen schon dieser Monarch, statt die Stände, 
deren pergamentne Gerechtsame er doch kaum eines Blickes 
würdigte, mit einem zwitterhaften Scheinleben abzufinden, es 
vorgezogen, sie mit bündigen Worten für erloschen zu 
erklären (was sie eigentlich doch schon unter ihm waren), 
hätte er einem Bonifazius gleich und dann auch dieses Namens 
ebenso würdig, als der Heidenbekehrer zu Fulda — mit der Axt, 
welche ihm die Vorsehung in die Hand drückte, zu einem wuch- j 

tigeren Streiche ausgeholt, so wären der Monarchie, wären dem i 

engeren Vaterlande die Erschütterungen des Jahres 1848 und ! 

spätere Existenzproben sicher erspart geblieben. 

Denn jene Bewegung hub genau wieder mit dem Rufe 
nach Grundentlastung, nach politischer Gleichberechtigung, kurz: | 

nach Realisirung dessen an, was Leopold H. zu vollbringen 
sich anschickte, auch grundsätzlich verftLgte und nur nicht 
in allen Einzehiheiten durchführte. 

Der Entsetzen erregende Verlauf der französischen Revolu- 
tion — Ende Juni 1791 machte bekanntlich Ludwig XVL seinen 
verunglückten Fluchtversuch ' — , die davon beeinflussten Vor- 
gänge in Belgien, beunruhigende Wahrnehmungen im Bereiche 
der eigenen Residenz, wo wenigstens die Polizeibehörde auf Jako- 
biner fahndete, hatten den Kaiser offenbar zurückgebalten, ihm Miss- 
trauen wider das eigene Werk, Furcht vor dem Rückschlage einer 
vom Throne ausgehenden Nivellirung der Gesellschaft eingeflösst 

Um diese Scheu zu überwinden, lebte er zu kurz. Und 
wie schüchterte nicht das tolle Treiben der Republikaner selbst 
noch den Thronfolger ein! 

So erklärt es sich auch, warum die im Mai 1791 als vier- 
^ederiges Eollegiuin bewilligte Verordnetenstelle nicht lange 
darnach (unterm 6. August und 7. Oktober 1791^ um zwei 



— 49 — 

Glieder zu Gunsten des Adels vermehrt und so 
die Gleichheit der Stände, welche öich ursprünglich darin kund- 
gab, von der Regierung wieder desavouirt wurde. Diese hofile 
eben, dadurch für den schlimmsten Fall den Adel sich 
zu verpflichten und wähnte, durch eine solche Auszeichnung 
dessen sinkendes Ansehen zu wahren, davon aber selbst wieder 
in der Stunde der Gefahr Nutzen zu ziehen. Im Uebrigen waren 
das ziemlich irrelevante Korrekturen ; zumaljdie nachträglich bewil- 
ligte Doppelbesetzung von keiner Gehaltsanweisung begleitet war. 

Werfen wir nun noch einen flüchtigen Blick auf ein paar 
Persönlichkeiten, deren Namen in die geschilderte Verfassungs- 
krisis verflochten sind, so gebührt vor Allem dem Grafen 
Ferdinand Attems das Zeugniss, dass er den Kampf um 
vermeintliche Besitzrechte, welchen die Stände unter seiner 
Führung kämpften, mit seltener Ausdauer, wie sie eben nur 
das, wenn auch irrthümliche Bewusstsein, eine gerechte 
Sache zu verfechten, verleiht, leitete und Niemandem kann 
entgehen, dass die engherzigen Anschauungen, als deren Ver- 
körperung er sich uns darstellt, nicht ihm zur Last fallen, 
sondern der Atmosphäre, in der er aufwuchs, die ihn umgab. 

Zwar erschien noch im Jahre 1803 ein Pamphlet, das, 
aus amtlichen Quellen schöpfend, ihm alle erdenklichen Schlech- 
tigkeiten vorwarf. Der Titel der Schmähschrift: „Kampf der 
Wahrheit und des Rechtes mit der Lüge und dem Betrüge, 
ein Volksüed für Steiermark, in Noten gesetzt von einem Freunde 
der kritischen Tonkunst" — : er allein genügt, zu zeigen, dass man 
damals so gut, wie heutzutage, mit Schlagworten zu agitiren 
verstand ^). Und es fehlte auch nicht an Huldigungen, die dem 
mit Beginn des laufenden Jahrhunderts zum Landeshauptmann 
ernannten Grafen dargebracht wurden. Ich nenne beispielsweise 
ein gedrucktes Gedicht Kalchberg's, das im Namen der 
Stände der Steiermark seine Tugenden preist. 



*) Dieses Pamphlet ist übrigens schon desshalb beachtenswerth, weil es 
auf S. 24—57 Auszüge aus dem Konferenz-Protokolle vom SO. No- 
vember 1791 enthält Ein Exemplar davon befindet sich im Steier- 
mark. Landesarchive. 

4 



^ I 



— 50 — 

Baspor dagegen, der sich in den Jahren 1790 — 92 so 
wacker des Bürgerthums und selbst der Bauern angenommen 
hatte, verfiel, nachdem seine Mitbürger ihn aus Dankbarkeit 
zur Würde eines ständischen Verordneten erhoben hatten, auf 
die einfältige Prätension : es möge Jedem seiner Standesgenossen, 
der diese Würde bekleidet, die Mauthfreiheit an der 
Weinzettelbrücke und das Jagdrecht, wie der land- 
tagsmässige Adel es übte, zum Zeichen landschaftlicher Gleich- 
berechtigung zugestanden werden. Er überwarf sich sogar dess- 
halb mit seinen Wählern, die von ihm Gedeihlicheres erwarteten, 
ohne übrigens selber durchweg der dünkelhaft-spiessbürger- 
liehen Versuchung, welcher Raspor erlag, mannhaft zu wider- 
stehen ')• — 

Diese Dinge kamen auf dem Landtage zur Sprache, wel- 
cher am 31. Mai 1793 in Graz sich versammelte, um einer 
a. L Willensmemung gemäss zu berathen, „wiedervierte 
Stand mit den übrigen Klassen derStände in eine ! 

mit Vermeidung aller Neckereien wechselseitige f 

nähere Verbindung zum allgemeinen Wohle zu 
setzen sein dürfte". 

Kaiser Leopold hatte den Wunsch, einen » gemeinschaftli- 
chen^ Vorschlag hierüber von den Ständen zu erhalten, in Er- 
ledigung des Konferenz-Protokolles vom 30. November geäus- 
sert Die Hofkanzlei, welcher diese Erledigung am 29. Dezember 
1791 zukam, verständigte davon das steiermärkische Gubemium 
unterm 7. Januar des folgenden Jahres mit dem Beisatze: so- 
bald der Vorschlag der Stände einlauft, darüber die Kreisämter 
zu vernehmen und dann erst die Akten ihr vorzulegen. Der 
ständische Ausschuss aber, dem das Gubemium die weiteren 
Veranstaltungen auftrug, forderte vor Allem die landesfürst- 
lichen Städte und Märkte auf, kreisweise, d. h. nach dem für 



*) Der bis hieher reichende Text entspricht, abgesehen von ein paar 
ZoBatzen, welche eingeschaltet worden, dem von mir in der letzten 
Jahresversammlong des historischen Yereines für Steiermark gehal- 
tenen Vortrage. Der Best der Abhandlung beruht durchweg auf 
Akten im M.-A. 



— Bl- 
eue Beschickung des Landtages nun massgebenden Gruppen- 
systeme zur Berathung des Gegenstandes zusammenzutreten. 
Das Ergebniss dieser Vorberathungen sollte das Substrat des 
von den Ständen „gemeinschaftlich" zu erstattenden Vorschlages 
bilden. - 

Am frühesten, nämlich schon am 3. Mai 1792, kamen 
die Städte und Märkte des Brucker Kreises diesem 
Auftrage nach. Die Magistrate und Bürgerausschtlsse der 
Städte Leoben und Brück, dann der Märkte Eisenerz, Vor- 
demberg, Kindberg und Mürzznschlag versammelten sich in 
der erstgenannten Stadt Sie reklamirten die „ursprünglichen 
Rechte" des Bürgerstandes, schalten die drei oberen Stände 
engherzig und riefen denselben die Schutzrechte, welche der 
Landesfürst über diese Orte ausübte, ins Gedächtniss. Sie 
wünschten, dass der Bürgerstand auch im ständischen Aus- 
schusse (nicht blos im Verordneten-KoUegium) eine angemes- 
sene Vertretung erhalte, wie dies Raspor schon unterm IL 
Februar bei den Ständen befürwortet hatte ; nur genügte ihnen 
für diesen Fall nicht die Anzahl von 3 Stimmen, sondern sie 
nahmen ihrer 5 in Anspruch. Die Landtags-Deputirten, Franz 
de Paula Dimböck (Bürgermeister der Stadt Leoben) und 
Josef Anton Medl (Magistratsrath von Eisenerz), welche die 
Kreisversammlung einberufen hatten, beförderten die gefassten 
Beschlüsse an das Ausschusskollegium der Stände. 

Am 24. Mai wurden die Städte und Märkte des Juden- 
burgerKreisesJ) schlüssig. Sie versanunelten sich in Knittel- 
feld, zumeist durch die Gemeindevorstehungen vertreten, und 
überreichten ihre, wie sie sagten, „in der Natur des Staates 
gegründeten Wünsche" dem ständischen Ausschusse unterm 
3. Juni schriftlich durch die von ihnen gewählten Landtags- 
Deputirten: Josef Weniger, Bürgermeister von Knittelfeld, und 
Josef Paul Hauser, Bürgermeisteramts-Verwalter zu Judenburg. 

Die Einleitung dazu ist merkwürdig wegen der darin sich 
spiegelnden Gedankenrichtung. 

^) Jttdenburg, Knittelfeld, Rottenmann, Weisskirchen, Obdach, Neumarkt, 
Oberzeiring, Aussee und Schladming. 

4* 



— 62 — 

„Wir wissen" — heisst es da — „dass ursprüng- 
lich das Menschengeschlecht, blos durch die 
Gesetze der Natur geleitet, diesen Erdpol be- 
wohnte." Die Zunahme der Bevölkerung habe die Men- 
schen bewogen, unter sich Verträge zur Sicherung von Gütern, 
Leben und Freiheit zu schliessen. Dabei waren noch alle 
Paktirenden einander gleich. Spät erst sei dem Bürgerstande 
die Zurücksetzung widerfahren, über welche -er sich noch jetzt 
zu beklagen hat Nun aber soll das frühere Gleichgewicht 
aller Stände wieder hergestellt werden. Die Versammelten 
begehren daher: AntheOnahme des Bürgerstandes an sämmt- 
lichen ständischen Verrichtungen, insbesondere ebenmässige 
Vertretung desselben im ständischen Ausschusse, Einfüh- 
rung der Eurialstimmen bei Beschlussfassungen 
im Landtage und Vorbehalt des Rechtes, dass ein sodann 
übersthnmter Stand seine abweichende Meinung „in anstän- 
diger Form" zu Protokoll geben darf. 

Die Städte und Märkte des Grazer Kreises scheinen 
zu keiner Berathung des fraglichen Gegenstandes zusammen- 
getreten zu sein. In ihrem Namen äusserte sich zuerst, am 
1. Juni 1792, der schon mehrmals genannte Grazer Bürger 
Franz Haas und 5 Tage später dessen „Codeputirter" Johann 
Georg Fellinger, Marktrichter zu Frohnleiten, welcher oflFen- 
bar den von Ersterem entwickelten Anschauungen beizupflichten 
Anstand nahm. Haas stellte den Grundsatz „der vollen Frei- 
heit der Stände" an' die Spitze semer Deduction. »Die zufäl- 
ligen Vorzüge des Adels" — bemerkt derselbe — „werden 
der Stimme eines anderen Standes kein grösseres Gewicht 
beilegen, als ihr die Gründe geben, von denen sie begleitet 
ist" Auf die von Baspor beanspruchten „Personal- Vorzüge" 
glaubt er verzichten zu sollen. Weit Ueber wäre ihm, wenn 
auch der Bauernstand bei den ständischen Berathungen 
mitzureden hätte. Darin läge die relativ beste Garantie für 
die bezügliche Wirksamkeit des Bürgerstandes, der ja sonst 
noch unmer den drei oberen Ständen auf Gnade und Ungnade 
sich preisgegeben wüsste. In der Folge werde es freilich auch 



— 53 — 

hiebei nicht sein Bewenden haben können, sondern werden 
die Bürger den Kaiser bitten müssen, »sie von den drei oberen 
Ständen ganz abgesondert zu lassen, iliren Versamm- 
lungen mit Zuziehung des Bauernstandes eine ei- 
gene Organisirung zu geben und nichts für die Stimme 
der gesammten Landstände des Herzogthums Steiermark an- 
zusehen, was nicht, nachdem es die drei oberenStände 
passirt hat, auch in der Versammlung dieses organisirten 
Körpers vorgetragen und anerkannt worden ist. Widrigen- 
falls müssen die Bürger bitten, den dermaligen organisirten 
Körper der Stände ausser aller Wirksamkeit zu setzen". ^) 

Haas gibt entschieden einem erleuchteten Absolutismus 
den Vorzug vor der Herrschaft der „oberen" Stände und 
legt überhaupt eine streng monai*chische Gesinnung an den 
Tag. »Das wahre Wohl des Ganzen, aller Menschenklassen 
in einer Provinz und aller Provinzen zusammen zu befördern 
hat nur der Monarch, nur der a. h: Landesfürst die nöthige 
Einsicht, den besten Willen und die hinreichende Gewalt: — 



1) Der hier anklingende Grundgedanke des Zweikammer-Systems 
überrascht als Bestandtheil des politischen Glaubensbekenntnisses 
eines Grazer Bürgers vom Jahre 1792. So weit ging in formeller 
Beziehung nicht einmal der * Justizhofrath v. Eeess, der doch 
sonst zu den vorgeschrittensten Freidenkern der damaligen Zeit zählte. 
Beiner Meinung nach (die im Konferenz-Protokolle vom 80. November 
1791 niedergelegt ist) sollte die „wahre Repräsentation des Volkes" 
in folgende drei Abtheilungen, die er aber sich offenbar als Kurien 
einer einzigen Versammlung dachte, zerfallen: a) die Dominien, 
an die sich der Adel, allenfalls die Geistlichkeit, anschliessen mag; 
6) die Bttrger, an die sich die Handelschaft anschliesst; c) die Bauern, 
das ist: die Rustikalgüter besitzen. — Von einer solchen Repräsentation 
durch drey corpora, die eben das Volk ausmachen, liesse sich 
— führt Keess fort — sagen, dass das Volk repräsentirt werde. Da 
würden die Stimmen nach allen Verhältnissen und 
Combinirungen abgegeben und wenn ein Stand mit dem 
anderen in Kontrast fiele, durch den dritten das Uebergewiclit 
gegeben." Sachlich genommen, ist freilich dieser Vorschlag noch radi- 
kaler, als der des Bürgers Haas und die Annahme, dass der Hofrath 
Eeess dabei drei gesonderte Kammern vor Augen hatte, ist 



— 64 — 

welche souverainen Eigenschaften durch eme einseitige Be- 
rathungeher irre geleitet oder gehemmt, als unterstützt würden." 

Am Schlüsse seines Gutachtens beantragt er, dem kürz- 
lich erst (am 1. März 1792) verstorbenen Kaiser Leopold im Be- 
rathungssaale der steiermärkischen Stände ein Denkmal zu setzen. 

Fölling er sprach sich dagegen mit trockenen Worten 
für die Au&ahme von 5 Bürgern in den ständischen Aus- 
schuss, für die Ausarbeitung des näheren Details darüber 
durch „gesammte vier Stände", gegen die Ausgeburten der 
Eitelkeit Raspor's und gegen eine in Bezessform zu bewerk- 
stelligende Auseinandersetzung zwischen dem vierten Stande 
und den drei oberen (wozu letztere sich erboten hatten) aus. 

Ebensowenig wollten die Städte und Märkte des C i 1 1 i e r 
Kreises, welche ihr Votum am 21. Juli 1792 durch eigens 
hiezu gewählte Vollmachtträger abgaben, von emem derartigen 
„Bezesse" etwas wissen. Zu emem solchen die Hand bieten, 
hiesse das alte Becht der Städte und Märkte verkennen oder 
ignoriren, es als zweifelhaft hinstellen, während es doch klar 
und präds sei In keinem Falle dürfe durch einen Bezess 
den drei oberen Ständen eine Art Vormundschaft über die 
Städte und Märkte eingeräumt und an dem bezüglichen Ei- 
genthumsrechte des Landesfürsten, zu dessen Kammergut zu 
gehören der Stolz jener Gemeinden sei, gerüttelt werden. 
Also keine Unterjochung seitens des Adels und der Geist- 
lichkeit, keine Munizipalisirung. Baspor's Anträge, so wie sie 
in einer vom 11. Februar 1792 datirten Fassung vorliegen, 
seien mit Ausnahme dessen, was er als ständischer Verord- 
neter für sich verlangt, wohlbegründet Weniger als 5 Mit- 
glieder aus dem Bürgerstande dürfe der ständische Ausschuss 
nimmermehr aufzuweisen haben '). 

Am spätesten lief das Votum der Städte und Märkte des 



durch die Art, wie er sich ausdrückt, nicht geradeza ausgeschlossen 
obschon ich ihm diese Deutung nicht abzugewinnen vermag. 
^) Die Namen der Volhnachtträger , welche sich zu Gilli über die vor- 
stehenden Punkte einigten, sind: ftür die .Stadt Cilli: Severin Perg- 
tolt und Johann Felix Htrbbt; für die Stadt Windisch- Keistritz 



— 65 — 

Marburger Kreises ein. Es ist vom 20. Juli 1792 datirt 
und enthält blos eine Aeusserung der Stadt Marburg, auf 
welche die übrigen Orte schlechthin compromittirten. Es stimmt 
in Allem und Jedem (also auch was die vom Eigendünkel 
eingegebenen Punkte betrifft) den Anträgen Raspor's bei, ver- 
langt aber gleichfaHs für den Bürgerstand 5 Ausschussstellen 
und ist für deren zeitliche (nicht lebenslängliche) Besetzung. 

Es währte nun noch volle zehn Monate, bis eine von den 
Ständen dazu erwählte Kommission dazu kam, diese Gutachten 
zu prüfen 0- 

Das Referat hatte Raspor übernommen. 

In einer am 8. Mai 1793 gehaltenen Sitzung erstattete 
er seinen Bericht dahin: dass es nicht länger angehe, die 
„Gültenbesitzer" bei Besorgimg der Landesangelegenheiten zu 
bevorzugen; auch die Bürger und nicht minder die Bauern 
hätten Anspruch auf Theilnahme daran und zwar in ausge- 
dehnterem Masse , als bisher, wo im Verordneten - Kollegium 
unter 5 Mitgliedern nur 1 Bürger und im Ausschusse unter 
20 Ausschussräthen abermals nur 1 Bürger (noch dazu der 
nämliche, welcher dem Verordneten-KoUegium angehört) sitze, 
im Landtage aber gar nur 1 1 bürgerliche Votanten einer Unzahl 
adeliger und geistlicher Stimmführer gegenüber stehen. Zwar sei es 
noch keine ausgemachte Sache, dass jene 1 1 Votanten blos 1 1 

Anton Kaiser und Franz X. Hässl; für die Stadt Rann: J. G. Feigl- 
milner; für Rohitsch: Ant Skubitz und Joh. Ferner; für Tüffer: 
Jakob Hörmann und Leopold Spitzer; für Hohenegg: Jak. Rem- 
schagg und Ant Moray; für Sachsenfeld: A. F. Fischer und 
J. Gasser ; für S a 1 d e n h o f e n : Joh. Dumhard. 
*) Die Verschleppung der Sache rührte yomehmlich davon her, dass die 
Hofkanzlei sich mit einer Aeusserung, welche der ständische Ausschuss 
unterm 22. Juni 1792 dart\ber abgab, nicht zufrieden stellte, vielmehr 
mit Dekret vom 11. August 1792 nicht nur eine Vorprüfung der ein- 
gelaufenen Gutachten durch eine „aus allen vier Ständen zusammen- 
gesetzte^ Kommission verlangte, sondern auch befahl, das Vorgehen 
dieser Kommission durch eine besondere Vorschrift zu regeln, welche 
Kaiser Franz zu genehmigen sich vorbehielt. Diese Genehmigung ge- 
langte erst durch Gubernial-Intimat vom 8. Oktober 1792 in die HändQ 
des Landeshauptmannes 



— 56 — 

Stimmen abzugeben haben. Denn Jeder unter ihnen vertrete meh- 
rere Orte, deren jeder (loch mindestens einem „Landmanne'' 
gleich zu achten sei Allein die geltende Praxis lasse nur 11 
bürgerliche Stimjnen zu und diese seien unfähig, irgend einen 
dem Btirgerstande nachtheiUgen Beschluss zu hintertreiben. 

Er formulirte dann die ihm gerecht dünkenden Anliegen 
des Bürgerstandes, wie folgt: 

1. man gestehe demselben mindestens 5 Ausschussstellen zu ; 

2. man schliesse den Verordneten des Büigerstandes von 
keinerlei Berichterstattung aus; 

3. man stimme in den ständischen Versammlungen und Kol^ 
legien kurienweise ab, wobei innerhalb jeder Kurie die 
Majorität entscheiden soll; 

4. man dehne die ständischen Personalgerechtsame, nament- 
lich die Freiheit vom Brückengeide zu Göstmg und das 
zur „Ausheiterung" dienende; Jagdrecht auf alle bürger- 
lichen Mitglieder ständischer BathskoUegien aus; 

6. man weise den Vertretern des Bürgerstandes bei ständi- 
schen Versammlungen und Funktionen einen geziemenden 
Platz an und* wäre es auch der letzte; 

6. man gewähre ihnen Einsicht in alle ständischen Amtshand- 
lungen und Akten; 

7. man verleihe ständische Bedienstungen, die nicht ausdrück- 
lich den „Landmännem** (d. h. dem immatrikulirten Adel) 
vorbehalten sind, auch Kompetenten bürgerlicher Abkunft ; 

8. man betheile mit ständischem Almosen, soweit nicht die 
Stiftungsbriefe entgegenstehen, auch bürgerliche Arme. 

Dieser Bericht unterschied sich in einigen Stücken von dem- 
jenigen, welchen Baspor, vom ständischen Ausschusse dazu 
aufgefordert, unterm 11. Februar 1792 erstattet hatte und 
dessen bereits Erwähnung geschah. 

Entschlug sich gleich Raspor auch jetzt nicht der Ma- 
rotte, dass die bürgerlichen Mitglieder ständischer BathskoUe- 
gien sich mit den adeligen und geistUchen in den Genuss 
gewisser, veralteter Privilegien zu theilen hätten, so liess er 
doch andere Sonderbarkeiten, fbr die er früher eingetreten 



— 57 — 

war, wie z. B. die Frage, welche Gestalt das Siegel des bür- 
gerlichen Verordneten haben solle und ob nicht demselben 
für die Dauer seines Amtes jeweilen die Würde eines steier- 
märkischen Landmannes unentgeltlich verliehen werden sollte ? 

— nun bei Seite. Er bestand auch nicht länger darauf, dass 
der ständische Ausschuss um den jeweiUgen Grazer Bürger- 
meister und 2 andere Grazer Bürger, welche von sämmtlichen 
landesfürstl. Städten und Märkten des Landes zu wählen wären, 
vermehrt werde. Andererseits verzichtete er aber nunmehr 

— Angesichts des Stillschweigens, welches die in Frage ste- 
henden Gutachten darüber beobachteten — auf die Beiziehung 
des bürgerUchen Verordneten zur Ausstellung ständischer Schuld- 
scheine und auf die Benachrichtigung der Städte und Märkte 
von den Berathimgsgegenständen, welche einen bevorstehenden 
Landtag zu beschäftigen hätten. 

In der Kommission, welche dieses Referat entgegennahm, 
sass ausser Raspor nur noch ein „Bürger": der Grazer 
Bürgermeister Edler v. Heillinger. Herr von Mosmillern, 
der ursprünglich hinein gewählt worden war, hielt sich ihr 
ferne; der zur Nachgiebigkeit gestimmte Abt Schulz war 
kürzlich Gubemialrath geworden ; der bejahrte Ereishauptmann 
Freiherr von Hohenrain war durch Krankheit am Erscheinen 
verhindert '). Den Vorsitz führte der bekannte Graf Johann 
Brandis. Die übrigen Mitglieder der Kommission waren 
(ausser den genannten beiden „Bürgern"): der Prälat von 
Rein, Gerhard Schobinger (den der Landeshauptmann an des 
Abten Schulz Stelle einberufen hatte), Franz Graf Wilden- 
stein (statt des Freih. v. Hohenrain), ein Freih. v. Jauerburg, 



<) An der Wahl der KommisBion scheint jeder Stand für sich theil- 
genommen zu haben. Sonst wäre es kaum zu begreifen, wie ein dem 
Herrenstande so wenig genehme^ Mann, als Herr v. Mosmillern war, 
in die Kommission gelangte und dass jeder Stand darin gleichmässig 
durch je 2 Mitglieder vertreten war. Raspor erwähnt bereits in seinem 
Berichte vom 11. Februar 1792, dass die Stände sich zur kurien- 
weisen Abstimmung verstanden hätten, als es sich um die Ausarbei- 
tung einer Amtsinstruktion durch ein besonderes Gomit^ handelte, 
welches am 29. Dezember 1791 von ihnen eingesetzt wurde. 



— 58 — 

ein Edler von Lendenfeld (statt des Herrn v. Mosmillem) und 
ein Edler von ScMckh. 

Diese Herren mäkelten nicht nur an den von Raspor 
formulirten Begehren, sondern verwarfen schlechtweg die wich- 
tigsten. So namentlich das Ansinnen, dass der ständische Aus- 
schuss durch hürgerliche Beisitzer verstärkt werden möge. 
Um es als unbegründet hinzustellen, wagten sie einen Ver- 
gleich, der auf eine herbe Selbstkritik und auf eine 
geradezu vernichtende Verurtheilung des Stände- 
wesens hinauslief. Sie verglichen nämlich die ständi- 
sche Körperschaft mit einer Aktiengesellschaft und 
weigerten sich darauf hin, in den Yerwaltungsrath dieser Ge- 
sellschaft Leute aufzunehmen, welche an der „Bestimmung und 
Reparation der Steuerlast" bei weitem nicht so stark interes- 
sirt seien, wie sie, beziehungsweise die durch sie repräsen- 
tirten drei oberen Stände. 

In diesem Lichte also erschien damals Letzteren das 
Ständewesen. Sie äusserten auch die theilnehmende Besorg- 
niss, dass der Btirgerstand Dringenderes zu thun haben werde, 
als die ständischen Interessen in solcher Ausdehnung wahrzu- 
nehmen, wie es der Ausschuss zu thun berufen sei. 

Hei Hing er dagegen stellte sich bei der Abstimmung 
hierüber auf Raspor's Seite. 

Der dritte Punkt (die Gruppirung nach Kurien) stiess 
auf noch heftigeren Widerspruch. Zuerst nahm der Prälat 
von Rein das Wort, um zu erklären, dass er als GeisÜicher 
eigentlich alle Ursache hätte, diesem Antrage sich anzuschliessen, 
weil ja die geistliche Bank durch die Aufhebung mehrerer 
Klöster ziemlich leer geworden ; nichtsdestoweniger getraue 
er sich nicht, dafür zu stimmen, weil der Antrag wohler- 
worbene Rechte des Herren- und Ritterstandes bedrohe. Auch 
könnte der ständische Kredit darunter leiden, wenn „meist 
unbesessene (soll heissen: unangesessene) Stände" bei der 
Aufnahme von Darlehen den Ausschlag geben würden. Und 
wäre es nicht gegen den Anstand, die „Unterthanen" zu 
Bicbtem über ihre Grundherren zu macbeti? Wozu endlich 



— 59 — 

wäre dann der Schutz, welchen die Gesetze vor Bedrückungen 
den Grundholden gewähren? Ein in dieser Beziehung her- 
schendes Misstrauen kehre seine Spitze wider den Landes- 
fürsten, der den Vollzug der Gesetze überwacht. 

Diesen Argumenten verschloss sich auch der Graz er 
Bürgermeister nicht Er liess da den Raspor im Stiche, 
beantragte jedoch, jeder landesfürstlichen Ortschaft im Land- 
tage ein spezielles Stimmrecht einzuräumen, zu dessen Aus- 
übung sich die Städte und Märkte einer beschränkten Anzahl 
von „Gewaltträgem" zu bedienen hätten. 

Die Bekämpfung anderer Punkte liess Herr von S c h i c k h 
sich angelegen sein. Er erachtete namentlich die Aufnahme 
der vier letzten in's Protokoll für völlig überflüssig, 
weil ja ohnehin Niemand daran denke, dem Bürgerstande in 
diesem Betreff nahe zu treten. Allein die Mehrheit der Kom- 
mission sprach sich gleichwohl für die ausdrückliche Hervor- 
hebung der bezeichneten Punkte aus. 

Am 16. Juli 1793 kam das Kommissions-Operat vor den 
Landtag, an welchem ausser Raspor 8 Deputirte des Bürger- 
standes theibahmen. 

Und nun wiederholte sich der Kampf der Meinungen, der 
schon im Schosse der Kommission getobt hatte. Als Haupt- 
redner trat den Anliegen des Bürgerstandes Graf Otto 
Wolfgang von Schrottenbach entgegen, der Letzte 
seines Geschlechts in Steiermark und somit vor Anderen be- 
rufen, eine gleichfalls im Niedergange begriffene Anschauungs- 
weise zur Geltung zu bringen ). 

Er warf zunächst einen Rückblick auf die Bemühungen 
des Bürgerstandes, seine angeblichen historischen Rechte in 
Bezug auf die Landstandschaft wieder aufleben zu machen. 
Er erinnerte an dessen erstes Gesuch in dieser Richtung vom 
8. Juli 1790, welches an die Stände adressirt war. Er er- 



^) Auch die Reihen der übrigen Adelsgeschlechter, deren Repräsentanten 
in der Landtagssitzung vom 16. Juli 1793 Schrottenbach's Ansichten 
theilten^ sind seither stark durch das Aussterben gelichtet worden. 



— 60 — 

wähnte den darüber vom Landtage unterm 13. Juli an's 6u- 
bemium erstatteten Beriebt, die Erneuerung des Ansuchens in 
Form eines Majestätsgesuches vom 3. August 1790 und den 
Bescheid, welchen der BOrgerstand durch a. h. EntSchliessung 
vom 17. Mai 1791 hierauf erhielt ') Er citirte femer einen 
am 9. August 1791 Angesichts der bezüglichen Zuge- 
ständnisse gefassten Landtagsschluss, worin esheisst: ,, Sollten 
aber politische, denen Ständen bis jetzt unbekannte Ur- 
sachen Euere Majestät bewegen, die Städte und Märkte mit 
denen 3 oberen Ständen zu verbmden,' so bitten sie Euere 
Msyestät, selbe anzuweisen, einen förmlichen, dauerhalten R e- 
zess (mit den oberen Ständen) anzustossen. Dieser müsste 
zum Zwecke haben, das beiderseitige Interesse zu verbinden. 
Er müsste die Stände in eine Wirksamkeit (soll wohl 
heissen : in den Stand) setzen, die Städte und Märkte aufrecht 
zu erhalten; es müssten die Gegenstände der städtischen und 
Innungs-Privilegien, jene der magistratischen Wahlen, der 
städtischen Rechnungen, der Subrepartition ihres Pauschquanti, 
ihrer Gewerbsteuer, des Quartier-Fonds, die Beschwerden über 
Militär - Einquartirungen, mit einem Worte alle Gegenstände, 
woraus den Städten und Märkten ein Nutzen oder Schaden 
zugehen kann, bei den ständischen Versammlungen, an welchen 
sie ebenfalls Antheil hätten, vorkommen." 

Hieran anknüpfend, deduzirte Graf Schrottenbach des 
Weiteren, wie schwer es halten werde, die Interessn des Bürger- 
standes mit denen der drei oberen Stände in Einklang zu 
bringen, welche Opfer dies beide Theile kosten würde, wie 
gross im Grunde genommen die Abneigung hievor, wie staats- 
gefährlich jedes derartige Experiment sei und dass es daher 
eigentlich für alle Betheiligten das Beste wäre. Alles beun 
Alten zu lassen. '^) 

Siehe oben S. 87. 

«) Aus seinem Vortrage verdient namentlich folgende Stelle hervorgehoben 
zu werden: „Sobald ... von dem eintretenden Theile aller Nutzen 
einseitig gesucht wird . . . , dann vermag keine Verbindung vor sich 
zn gehen; sonst entstünde ein contractus leoninus oder das Recht des 



— 61 — 

Auf dieses Ergebniss war jener Landtagsbeschluss vom 
9. August 1791 berechnet, da die oberenStände voraussetzten, 
dass der Bürgerstand, wenn er nur zwischen ihrer Einmischung in 
seine inneren Angelegenheiten, beziehungsweise einem diese 
Einmischung regelnden Rezesse und dem Verzichte auf stär- 
keres Vertretensein am Landtage zu wählen hätte, sicher diesem 
Verzichte den Vorzug gäbe. 

Allein die Berechnung schlug dennoch theilweise fehl. 

Der Bürgerstand behauptete sich im Besitze 
dessen, was die a. h. Entschliessung vom 17. Mai 



Stärkeren. Dann hört jede, auch schon erreichte Verbindnng von selbst 
auf; hieraus entspringt Verwirrung, alle Bande werden schlaff, zuletzt 
mit Gewalt zerrissen; jeder will sich Über den anderen erheben, mit 
Schaden des anderen seinen Nutzen, sein Ansehen erweitem, bis dass 
endlich üebermacht und Unordnung, auf das höchste gespannt, aus 
einem so leicht zu errichten gewesenen Gebäude der Glückselig- 
keit allgemeines Verderben, die Zerstörung der GeseUschaft und zu- 
letzt der Umsturz des Staatskörpers hervorgebracht wird. Davon lie- 
fert uns die Geschichte unzählige Beispiele. Ich will deren von neueren 
Zeiten hier nur zwei anföhren. Das erste wird uns eine leichtsinnige 
Nation vorstellen, welche die betrübten Folgen einer übel verstandenen 
Verbindung nicht richtig zu berechnen wusste, sowie das zweite uns 
eine reif nachdenkende Nation zeigen wird, welche erkennt, wie sehr 
die Umschmelzung einer Verbindung einer ernstlichen Ueberlegung 
bedarf. In Frankreich war eine äusserst Übel verstandene Verbin* 
düng aUer zusammenberufenen Stände, eine mit erkünstelter List 
erzwungene, gleiche Stimmrechts- Vertheilung unter alle Klassen, dann 
die dem Tiers-^tat auf Neckers Einschreiten zugestandene Zahl so 
vieler Deputirten (damit selber eben so viele Stimmen, als der geist- 
liche Stand und der Adel mitsammen haben, überkommen möge) der 
erste Ursprung aller nachhin ausgebrochenen und in Gewaltthätigkeiten 

ausgearteten Uneinigkeiten Dagegen in England, wo es sich 

aUein um eine bessere Vertheilung der Stimmen in dem Unterhause 
durch Bestimmung einer jedem Orte nach seiner jetzigen Bevölkerung 
angemessenen Zahl seiner Repräsentanten handelt, wird über diesen 
Punkt schon viele Jahre gestritten, alle Augenblicke eine nöthig sem 
soUende Parlamentsreform in Vorschlag gebracht und demungeachtet 
ist bis zur Stunde noch nichts entschieden. So gewiss ist es, dass nie 
genügsame Vorsicht undBehutsamkeit angewendet werden kann, welch' 
immer alte Verfassung auch nur in ihren mindesten Theilen abzuändern.** 



— 62 — 

1791 ihm einräumte und erreichte nur nicht die Aufnahme 
in den ständischen Ausschuss, so ^e die gesammten Erörte- 
rungen, von welchen h i e r die Rede ist, überhaupt resul- 
tatlos blieben, ohne dass der Bürgerstand Ursache gehabt 
hätte, sich darüber sonderlich zu grämen. 

Was den Verlauf der Landtagssitzung anbelangt, nach 
welcher dieses Schicksal der weiter reichenden Wünsche des 
Bürgerstandes sich bereits vorhersehen liess, so ist aus dem 
Protokolle derselben zu ersehen, dass Raspor, der nun wieder 
seine frühere Spannkraft gewonnen hatte, auch nachträglich 
noch seiner Standesgenossen mit grossem Eifer sich annahm. 
Die anwesenden Deputirten der Märkte und Städte zollten ihm 
laut ihren Beifall. Graf Schrottenbach ergriff nun zur Er- 
widerung neuerdings das Wort, ungeachtet, wie das Protokoll 
besagt, die „weiters aufgerufenen Herren Landstände" (worunter 
die Bürger nicht begriffen sind) schon unmittelbar nach seinem 
Vortrage „ihre Meinung mit der seinigen vereinbart hatten". 
Er kehrte sich vornehmlich gegen die Behauptung Baspor's, 
dass die Stände bloss die Verwalter des Landes- 
Eigenthums seien. Er meinte, damit wolle den „Land- 
leuten", d.h. den Mitgliedern der oberen Stände dasEigen- 
thumsrecht an ihren Besitzungen (!) bestritten 
werden. So sehr fehlte ihm alles Verständniss für die moderne 
staatsrechtliche Auffassung der Dinge. Andererseits konnte er 
die Bemerkung nicht unterdrücken, dass, wenn auch der Staat 
in Steiermark Güter habe, deren Besteuerung den Ständen 
nicht zukommt, dies doch nur von Konfiskationen herrühre, 
welche der Staat insbesondere der katholischen Kirche gegen- 
über sich erlaubt habe, und er verband mit diesem Ausfalle 
den Wunsch, es möchten diese Güter wieder ihren „recht- 
mässigen" Eigenthümem erstattet werden. 

Als es aber am Schlüsse der ziemlich langen Debatte b e- 
stimmte Vorschläge zu Protokoll zu geben galt, hiess es 
doch wieder gleich obenan: Alles ist lediglich der höchsten 
Entscheidung des Monarchen anheimzugeben, „der die Ge- 
rechtigkeit ehrt, das Eigenthum schützt". Daran 



— 63 — 

reihte sich die Entsclmldigung, dass man ständischer Seits der 
a. h. Willensmeinung nicht besser zu entsprechen im Stande 
sei; die Stände seien eben mit den „bürgerlichen Beschäfli- 
gungs-Gegenständen" viel zu wenig bekannt, um überhaupt 
einen Vereinigungs- Vorschlag machen zu können und weder 
der Verordnete noch die sonstigen Vertreter des Bürgerstan- 
des am Landtage trügen Verlangen nach einer echten Ver- 
einigung. 

Das war auch der Wahrheit gemäss, insoferne die Bürger 
durchaus keine Lust hatten, unter das Joch des ihnen 
von den oberen Ständen zugemutheten Rezesses sich zu 
beugen. 

So weit erreichte also die Taktik, welche Graf Schrotten- 
bach ziemlich unumwunden darlegte, ihren Zweck. 

Es erübrigte nun noch die von der Hofkanzlei angeord- 
nete Einvernehmung der Kreishauptleute. 

Von 4icsen sprachen sich drei — Joseph Buresch 
v. Greyffenbach zu Brück, Joh. v. Aicherau zu Juden- 
burg und Carl Schmid v. Ehrenberg zu Cilli — ent- 
schieden zu Gunsten des Bürgerstandes aus; ja sie 
redeten mehr oder minder selbst einer Vertretung des B a u e r n- 
standes das Wort, obschon dies gar nicht Gegenstand der 
Anfrage war. Einer, Christof Freiherr von Schwizen zu 
Graz, billigte nur einzelne Wünsche des Bürgerstandes, wo- 
gegen er über andere den Stab brach, ohne jedoch leiden- 
schaftliche Eingenommenheit wider den Bürger- und Bauern- 
stand zu verrathen. Der Fünfte endlich, F. von Branden au 
zu Marburg, legte grosse Aversion gegen diese beiden Stände 
an den Tag. In seinem Gutachten drückt, sich die ganze 
Geringschätzung aus, womit damals ein Theil des Adels, auch 
wenn er Staatsdienste bekleidete, noch auf die Bürger und 
Bauern blickte. Er sieht in den Anliegen der Städte und 
Märkte nichts, als Eingebungen ungebührlicher Eitelkeit. Der 
Staat, meint er, müsste zu Grunde gehen, wenn Derartiges 
ungeahndet bliebe. Besonders „ahndungswürdig** erscheint ihm 
das Gutachten des Grazer Bürgers Haas, sowohl der Form 



— 64 — 

als dem Inhalte nach. Er findet es indessen bei dem Mangel 
an Bildung, der unter der Bürgerschaft des Cillier und Mar- 
burger Kreises wahrzunehmen sei, vollkommen begreiflich, dass 
Leute vom Schlage des Haas, durch ihr unreifes Geschwätz 
sich Volhnachten erwu-ken, die denselben Gewicht zu verleihen 
bestimmt sind. 

Ihm bangt fllr die Aufbringung der erforderUchen Re- 
kruten, dafeme der Bürgerstand einmal förmlicher Landstand 
und dadurch verleitet werden würde, die Vorrechte des Adels 
auf sich anzuwenden. Gleiches besorgt er in Ansehung der 
Militär - Bequartirung. Auf ihn macht die ganze Bewegung, 
welche den Bürgerstand ergriffen hat, den Eindruck einer re- 
volutionären Auflehnung. „Ueberhaupt — klagt er — ver- 
spüret man in allen poUtischen Gegenständen nicht mehr jene 
Folgsamkeit des bürgerlichen Standes und eine hohe Landes- 
stelle wird es selbst hoch einsehen, was fllr üble Folgen hier- 
aus entspringen könnten. Man ist ja selbst von einer hohen 
Stelle mehrmal befehliget worden, auf alle derlei Gegenstände, 
die eine AebnUchkeit oder Anspielung auf die französischen 
Auftritte haben können, aufinerksam zu sein.** AehnUches liege 
da vor und „wie Jene, so mit einer mehreren Leichtigkeit 
für eine solche Vereinigung (der 4 Stände) sich geäussert 
haben, sich verdächtig gemacht, wird eine hohe Lan- 
desstelle selbst einsehen.* Das Gutachten des Herrn von Bran- 
denau schliesst mit dem Rathe : die Bürger mit ihrem ganzen 
Gesuche „ab- und an ihre Pflichten als rechtschaffen sein 
wollende Männer des Staates ernstgemessenst anzu- 
weisen". 

Den geraden Gegensatz zu dieser Expektoration, deren 
schwerMig-schnaubender Stil dem Leser die grämliche Amts- 
miene, womit sie niedergeschrieben ward, vergegenwärtiget, — 
bildet das vom Ereiskommissär Carl Ambling mitunter- 
zeichnete Gutachten des Cillier Kreishauptmannes 
ddo. 1. Februar 1794, also aus einer Zeit, wo der Polizei- 
Minister Graf Pergen bereits auf Leute, die sich zu den darin 
geoffenbarten Gesinnungen bekannten, fahndete und die von 



— 66 ~ 

ihm organisirte „geheime Polizei" emsig Anzeigen in dieser 
Richtmig erstattete *). Carl Schmid von Ehrenberg stellt an 
die Spitze seines Gutachtens den Satz: der Staat habe 
kein anderes Ziel als das allgemeine Wohl und der Werth« 
messer für den einzelnen Stand im Staate sei lediglich das, 
was der Stand hiezu beiträgt Damach bewerthet er den 
Bauernstand am höchsten. In ihm erblickte er die Grund« 
veste des Landes. Alle hieraus gezogenen Folgerungen und 
daran geknüpften Betrachtungen lassen den Physiokraten 
erkennen, welcher die bezügliche volkswirthschaftliche Theorie 
auf Yerfassungsfiragen anwendet und so einen ideellen Zusam- 
menhang bloslegt, der bisher noch wenig gewürdiget worden, 
üebrigens meint Schmid, der Bauernstand sei schondurch 
die Behörden geschützt und vertreten genug. 
Höchstens könnte an seiner statt ein Beamter der Fiskalpro- 
kuratur als Untertiiansadvokat den ständischen Berathungen 
beigezogen werden. Dem Bürgerstande rühmt er nach, 
dass durch ihn „die Nahrungswege erweitert und der Geld- 
umlauf befördert werden". Das geringste Zugeständniss, welches 
einem so bedeutsamen Stande gemacht werden könne, sei dessen 
Anerkennung als ständische Kurie, zumal der Kaiser doch an- 
erkannter Massen das Gleichgewicht der Stände wolle. Ein- 
gebildete Vorrechte und eiüe Vorurtheile müssten da zurück- 
stehen. Doch kann S c h m i d mit der Erweiterung des Wirkungs- 
kreises der Stände sich nicht befreunden. Wozu, fragt er, 
wären denn sonst die landesfürstlichen Aemter vorhanden? 

Aehnlich lautet das Gutachten des Kr eis h au ptm an nes 
von Brück. Auch er stellt den bisher gering geschätzten 



') Das Resultat davon war der Vortrag des Grafen Pergen an den Kaiser 
vom 23. Juni 1794, worin nachzuweisen gesucht wird, dass den dro- 
henden (jefahren unmöglich begegnet werden könne, „wenn PolizeifiUle 
blos nach Gerichtsordnung und mit aUen rechtlichen Formalitäten be- 
handelt werden sollen". Dieser Vortrag ist nebst der Vorstellung 
welche die Oberste Justizstelle gegen die beantragten Ausnahms- 
massregeln erhob, in der Zeitschrift „Der Morgenbote", welche 
1809 in Wien erschien, 1. Heft, S. 192—211 abgedruckt. Letzteres 
Aktenstück trägt die Unterschrift des Hofraths von Eeess. 

5 



— 66 — 

,,Yierteii Stand* als die ^ umgestaltende* und „produzirende 
Klasse* den „ Verzehrern "*, wozu er die drei «oberen* Stände 
rechnet, gegenüber. Die Dreitheilung dieser sei rein Sache 
des Zufalls. Wenn der Gültenbesitzer wohlhabend sei und 
sich als Herrn fühle, so verdanke er das blos der Arbeit sei- 
ner Grundholden und wenn er diese nicht aufkommen lassen 
will, so verraihe dies sein schlechtes, vor etwaiger Vergeltung 
zitterndes (Jewissen. Insbesondere verdiene der vierte Stand 
eine „ gleich wichtige Sthnme* in den ständischen Versamm- 
lungen; durch ihn werde auch der Bauernstand eine Vertre- 
tung finden, wenigstens das mit dem der Bürger identische 
Interesse desselben. Das fordere das allgemeine Wohl und 
diesem gegenüber seien alle Privilegien wirkungslos. Die bis- 
herige „Publizität* der ständischen Geschäftsführung könne 
länger nicht genügen. Ob der Bürger Zeit findet, mit diesen 
Geschäften sich zu befassen, hat er allein zu beurtheilen. 
Leute, welche den grössten Theil ihres Lebens ohne bestimmte 
Geschäfte, oft in gänzlicher Unthätigkeit zubringen, hätten frei- 
lich keine Ahnung von dem, was ein thätiger, an Arbeit ge- 
wöhnter Mann zu leisten im Stande ist Es gebe viele durch 
Vorzüge des Geistes wie des Herzens ausgezeichnete Bürger, 
deren Erfahrungen man nicht unbenutzt lassen soll. — Den- 
noch ist Buresch nicht für die Abstimmung nach Kurien, 
weil der Bürgerstand auch da noch überstimmt werden kann 
und diese Neuerung, ohne ihm einen reellen Gewinn einzu- 
tragen, nur die drei oberen Stände wider ihn aufbrächte 

Der Ereishauptmann von Judenburg wendet sich 
in seinem Berichte zunächst gegen die Befürchtungen, welche 
Graf Schrottenbach aus der französischen Revolution 
abgeleitet hatte. Er meint: derselbe verwechsle da die Wir- 
kung mit der Ursache. Wenn in Frankreich das unterdrückte 
Volk sich erhob, so reagirte es eben nur gegen einen Druck, 
welcher also die Veranlassung der Revolution sei. A i c h e r a u 
ninunt sich warm des Bauernstandes an. Zwar findet auch 
er bäuerliche Wahlversammlungen bedenklich ; doch möge den 
Bauern immerhin gestattet werden, aus jedem Kreise 



~ 67 ~ 

des Landes zwei Deputirte zum Landtag zu entsenden, 
welche Zeugen der daigen Vorgänge sein, übrigens 
aber dem jederzeit beizuziehenden Prokuraturs-Beamten die Füh- 
rung der bäuerlichen Stimme überlassen sollten. Schon dass 
die Bauern weitaus die „ stärksten ** Steuerzahler seien, ist in 
seinen Augen ein Grund, wesshalb man sie unter die Stände 
aufiiehmen müsse. 

Der Grazer Kreishauptmann widersprach letzte- 
rer Behauptung ; ja er trug vor einer Emancipation der Bauern 
solche Scheu, dass er aus Furcht, es möchten sonst auch diese 
Zulass zu den ständischen Berathungen begehren, nicht ein- 
mal den Forderungen des Bürgerstandes sich geneigt zeigte. 
Wie nahe läge es nicht, dass der Bauernstand, der doch jähr- 
lich 875.067 fl. an Steuern zahle, während der Bürgerstand 
Mos 40.000 fl. beiträgt ^), diesem mindestens gleichgestellt sem 
will, sobald er hört, dass dieser auf eine verhältnissmässig so 
geringe Leistung hin schon die Anerkennung als Landstand er- 
reicht habe! Darin aber, dass durch Einführung der Kurial- 
stimmen dem Bürgerstande wenig gedient wäre, stimmte der 
Freiherr von Schwizen mit Herrn von Aicherau überein. 

Als um die Mitte des Jahres 1794 das Gubemium die 
genannten Kreishauptleute zu einer Sitzung einberief, in wel- 
cher über die sich widersprechenden Gutachten verhandelt 
und ein definitiver Beschluss gefasst werden sollte, zog Ai- 
cherau sein dem Bauernstände günstiges Votum zurück und 
sprach er sogar dem Bürgerstande die Berechtigung irgend 
eine Neuerung herbeizuführen, ab. Er entschuldigte seinen 
Meinungswechsel damit, dass er erst nachträglich von einer 
„höchsten Verordnung" ddo. IL August 1792 Kenntniss er- 
halten habe, welche den Bauernstand von allen Verfassungs- 
reformen ausschliesst Wenn die Regierung hierin unerbittlich 
sei, habe es auch keinen Smn, für den Bürgerstand in die 
Schranken zu treten. Schwizen und Hohenrain brü- 
steten sich mit der Correctheit ihrer schon ursprünglich ge- 



Pie 3 oberen Stände zahlten zusammen jährlich 229.562 fl. 

5* 



— 68 — 

äusserten Ansichten. Der „geistliche* Gubernialrath Schulz 
aber verwies auf die Vortreflflichkeit der im Lande unter der 
Enns bestehenden ständischen Verfassung und meinte: die 
Anwendung dieser auf Steiermark empfehle sich schon dess- 
halb, weil es für das allgemeine Wohl stets zuträglich sei, 
wenn unter den Bewohnern desselben Staates „Einför- 
migkeit in Vertheilung der Gerechtsame und 
Verbindlichkeiten" herrscht 

Was das Gubemium hierüber an die Hofkanzlei berich- 
tete, ob überhaupt noch das inzwischen missliebig ge- 
wordene Thema weiter erörtert ward und welche formelle 
Erledigung den ständischen Anträgen zu Theil wurde, — er- 
hellt aus den Akten, die mir zu Gebote standen, nicht. 

Offenbar lähmte der oben angedeutete Umschwung den 
Vollzug des Auftrages, um welchen es sich da handelte, und 
gerieth dieser selber darüber in Vergessenheit 

Es vollzog sich aber dieser Umschwung nicht blos in den 
Kreisen der Regierung und nicht blos durch die Triebkraft 
der Sorgen, denen Graf Schrottenbach im steiermärkischen 
Landtage Ausdruck gab, indem er auf die Schreckensherrschaft 
in Frankreich verwies. Vielmehr wich allenthalben in Oester- 
reich die Begeisterung für Freiheitsideen einer jene Sorgen 
Lügen strafenden Ernüchterung, seit, mit Heinrich von 
SybeP) zu reden, „Frankreich unter dem Drucke der or- 
ganisirten Pöbelmasse lag, welche ihre Theile bis in die klein- 
sten Dörfer des Landes verbreitete, ein allmächtiges Regiment 
über Leib und Leben der Bürger handhabte, ihre Opfer nach 
Tausenden, ihre Beute nach Millionen zählte und bald gegen 
die eigenen Genossen mit gleicher Grausamkeit wie gegen 
die übrige Bevölkerung wüthete". 

Das war ein weit triftigerer Grund, dem Bürger- und 
Bauernstände politische Wünsche, mit welchen sich die Stimm- 
führer in Beider Mitte trugen, zu versagen, als die Angst vor 
Ueberhebung dieser Stände für den Fall, dass ihnen jene 
Wünsche rückhaltlos gewährt worden wären. Denn traute 

») Geschiclito der Ilevolutionszeit vop 1789—1795, IX. Bucb, 1. Kapitel, 



— 69 — 

man ihnen schon für diesen Fall nicht genug Selbstbeherr- 
schung zu, so stand ja noch weit Aergeres zu befllrchten, 
wenn man hochgespannte Erwartungen unerfüllt liess. 
Die Sehnsucht hatte eben nachgelassen ') und d e s s h a 1 b 
konnte auch der in Frage stehende Antrag auf Gleichstellung 
der vier Stände unbedenklich der Vergessenheit überliefert 
werden. 

Uebrigens hat es den Anschein, als hätte die Berück- 
sichtigung des Bauernstandes, in welcher mehrere Staats- 
beamte auch nach dem Tode Leopold's ü. noch wetteiferten, 
eine Zeit lang allerdings an der Stimmung der Landbevöl- 
kerung selber auch in Steiermark einen Rückhalt gehabt. 

Der tirolische Stände - Deputirte Andreas Dipauli 
brachte Einschlägiges in Erfahrung, als er im September 1791 
auf der Heise nach Wien die Stadt Enittelfeld passirte. 
Laut dem Tagebuche, das er führte % war es der hiesige Bür- 
germeister, welcher ihm mittheilte, die Bauern der Umgebung 
bewürben sich jetzt gleichfalls um Sitz und Stimme im Land- 
tage uud hätten bereits Bevollmächtigte aus ihrer Mitte liiezu 
erwählt Oder missverstand etwa Dipauli die ihm gemachte 
Mittheilung, indem er den „vierten" Stand, von dem der Bür- 
germeister gesprochen haben dürfte, nach tirolischer Anschauung 
für den Bauernstand hielt, während in Steiermark der Bür- 
gerstand damit gemeint war? 

Ein mmder zweifelhaftes Zeugniss für die dermalige Reg- 
samkeit des politischen Sinnes unter dem steiermärkischen 
Landvolke ist das in's Jahr 1785 zurückreichende Erscheinen 
einer eigenen „Bauem-Zeitung" zu Graz (bei Michael Ambros), 
deren Tendenz indessen nie eine sich überstürzende war und 



^) Hierauf hat schon Dr. Pipitz in seiner Schrift „Die Jakobiner in Wien" 
Zürich 1842 und neuestens AntonSpringer in seiner „Geschichte 
Oesterreichs seit dem Wiener Frieden*' 1. Th., S. 49 hingewiesen. 
Eine quellenmässige DarsteUung der damaligen Reaktion (wor- 
unter man keineswegs ein blosses Zurückdrängen berechtigter Volks- 
wünsche verstehen darf) existirt noch nicht 

*) Handschrift Nr. 1242 der Bibliotheca Tirolensis im Ferdinandeum 
zu Innsbruck. 



— 70 - 

die im Jahre 1792 bereits den „unteren** Ständen begreiflich 
zu machen suchte, dass die „Ungleichheit der Stände "* eigent- 
lich ein Glück für sie sei, nachdem ihre niedrige sociale Stel- 
lung bei Bedrängnissen, welche sie erleiden, ihnen Beweise 
der Barmherzigkeit eintrage, auf die sie nimmer rechnen könn- 
ten, wenn die Kluft, die sie von ihren bisherigen Wohlthä- 
tem trennt, einmal überbrückt wäre 0* 



JL.Tkliarks. 



Beilage L 

Handschreiben Kaiser Leopold's ü. vom 29. April 1790 an 
den obersten Hofkanzler Orafen Kolowrat in Betreff der 
Wiederbelebung der Stande. 

„liieber Graf Kollowrat! Da es nöthig ist, dass die ebenso 
manigfaltigen als wichtigen Gegenstände, welche Ich durch die 
Stände Meiner Erblande Mir vortragen zu lassen entschlossen 
bin und worüber Ich schon zum Theil Meine Gesinnungen zu 
erkennen gegeben habe, in einer bestimmten Ordnung von 
denselben in Berathung gezogen und das ständische Gutachten 
in eben dieser Ordnung nach und nach eingesendet oder durch 
eigene Deputirte hieher gebracht werde, so wird die böhmi- 
mische und österreichische Kanzlei unverzüglich an Böhmen, 
Mähren, Schlesien, Gestenreich ob der Enns, Steiermarkt 
Kämthen, Krain, Grörz, Tyrol und Vorder-Oesterreich in Mei- 
nem Namen den Befehl erlassen, dass die Stände in der in 
jedem Lande bestehenden gesetzmässigen Gestalt sich in einem 
Landtag versammehi und von denselben die nachstehenden 
Punkte, jeder abgesondert, und mit einziger Rücksicht auf das 
allgemeine Beste des Staates, genau erörtert und gutachtlich 
erlediget werden sollen: 



^) Siehe z. B. den Bericht Über einen Brand zu Brück an der Mar in 
der Nummer 49 vom 20. September 1792. 



— 71 — 

1. „Nach der schon befohlenen Aufhebung des neuen Steuer- 
und Urbarien-Systems, damit die wieder einzuführende alte Steuern 
nicht in das Stocken gerathen, die innerliche Ruhe und Zu- 
friedenheit aller Steuerpflichtigen erhalten und dem Unter- 
than nach Thunlichkeit durch das patriotische Benehmen der 
Stände und Grundherren so viel Erleichterung verschafft werde, 
wie auch so viel möglich und der Billigkeit gemftss die Re- 
luirung der Roboten in Geld, gemäss dem Verlangen der 
meisten Unterthanen, von den Obrigkeiten angetragen werden 
möge, welches zur Befriedigung derselben sehr zu wünschen 
wäre. Dieser erste Punkt ist jedoch in dem Reskript nach 
Tyrol und den Vorlanden, wo das neue Steuersystem nicht 
eingefilhret wurde, nicht einzuschalten. ** 

2. „Die Wiedereinführung der ständischen Verfassung 
und ihrer Wurksamkeit, Wobey die Historische Darstellung 
derselben, wie solche vormals und hernach sowohl während 
als nach der Regierung der Eaiserinn Eöniginn höchstseligen 
Gedächtnisses war, vorauszugehen und dann die umständliche 
Vorschläge, auf was Art dieselbe mit Rücksicht auf die ge- 
genwärtigen Umstände und ohne Bebürdung des Landes oder 
des Aerariums auf die zweckmässigste Art wieder hergestellt 
werden könne, zu folgen haben werden.^ 

3. „Die Darstellung aller ständischen und übrigen Be- 
schwerden, gravamina und Wünsche derselben sowohl in Rück- 
sicht auf die Civil- und Strafgesetze, als in Beziehung auf die 
politischen und Cameral - Verfügungen, wobey Ich Mich ohne- 
hin versehe, dass Meine getreuen Stände nichts verlangen 
werden, was die Grenzen der Billigkeit überschreiten oder der 
Beförderung des allgememen Wohls hinderlich seyn könnte.' 

„Die Eanzley wird also in dieser Gemässheit unverzüg- 
lich em Circular - Reskript entwerfen und diesen Aufsatz zu 
Memer Genehmigung Mir ungesäumt vorlegen. ** 

Wien, den 29. April 1790. 

Leopold m. p. 



- 1i - 

Beilage IL 

Der Konflikt zwischen dem Herren- and Bitterstande. 

(Excurs des Verfassers der vorstehenden Abhandlung ) 

Im November 1790 wendeten sich Mitglieder des steier- 
märkischen Bitterstandes an den Kaiser mit dem Gresuche: 
es möge diesem Stande gestattet werden, sich bei den in Wien 
über die ständischen AnUegen abzuhaltenden Konferenzen durch 
einen besonderen Deputirten auf seine (des Bitterstandes) 
Kosten vertreten zu lassen. Der Kaiser willfahrte dem un* 
term 23. November 1790 mit demBeisatze, dass er es „billig" 
finde. 

In dem Gesuche fahren die Petenten aus : sie hätten schon 
im Juli 1790 Grelegenheit gehabt, sich von der Engherzigkeit 
des Herrenstandes zu überzeugen, der sich damals ge- 
weigert habe, ins Verordneten-Kollegium einen zweiten Be- 
Präsentanten des Bitterstandes aufzunehmen. Ihr Antrag sei 
damals vom Herrenstande mit dem Vorgeben abgewiesen wor- 
den, die ständische Cassa vertri^e keine Mehrauslage, wie sie 
durch die Besoldung zweier Verordneten aus dem Bitterstande 
ihr erwachsen müsste. Desshalb wenden sie sich nunmehr, 
wo es sich um die Wahrung ihrer bei den Konferenzen fest- 
zustellenden Hechte handelt, direkt an den Kaiser. 

Als die a. h. Entschliessung vom 23. November durch 
einintimat des Grafen Stürkh an die „steirischen Herren Stände" 
(ddo. ^0. November) und durch eine Einladung an den Senior 
des Bitterstandes, Hofrath Fr. Ernst v. Plöckner, die bezüg- 
liche Wahl zu leiten, in den Kreisen der Betheiligten bekannt 
wurde, erregte die darin enthaltene Bestimmung, dass der 
Bitterstand seinen Vertrauensmann selber, d. h. ohne Ein- 
flussnahme der übrigen Stände wählen solle, — keine geringe 
Sensation. 

PIöcIq^ ßdmeh die Wahlversammlung auf den 2. De- 
zembpr g^j^ * ^r^mittelbar nach ihrer Eröffnung ward er von 



— 73 — 

mehreren Seiten über den Hergang der Sache interpellirt Da 
bekannte sich der Gutsbesitzer von MosmiUem zur Urheber- 
schaft. Es scheint jedoch, als habe derselbe blos das Odium 
der Sache auf sich genommen, während das fragliche Gesuch 
in der That nicht blos von ihm verfasst und emgereicht wurde. 
Wenigstens pflichteten mehrere unter den Anwesenden Dem, 
was MosmiUem allein gethan haben wollte, bei und die Ver- 
sammlung sprach ihm sogar per Majora ihre Anerkennung fbr 
die bewiesene patriotische Theilnahme aus. Doch erklärte die 
nämliche Mehrheit, mit der diesfiüligen Absonderung der Ritter- 
schaft vom geistlichen und Herrenstande nicht einverstanden 
zu sein; zumal ja daraus die Folgerung werde gezogen wer- 
den, dass der ritterschaftliche Deputirte keinen Anspruch auf 
Entschädigung aus der gemeinschaftlichen Domestical-Cassa 
habe. 

„Die Stände Steiermarks" — Mess es femer in dem 
wider Mosmillera's Einschreiten erhobenen Proteste — „bilden 
von jeher nur Einen Körper, der sich über das gemeinschaft- 
liche Beste der Landschaft mit keinem Grunde entzweien kann, 
da alle Stände gleichmässig das Wohl der Provinz zum End- 
zweck ihres Daseyns haben." Hieran reihte sich der Wunsch; 
es möge der zu entsendende Ritterschafts-Deputirte in einer 
allgemeinen Versammlung aller Stände gewählt werden. Bei 
der Abstimmung hierüber äusserten sich 1 Stimmen bejahend, 
4 vemeinend. MosmiUem gab ein Separatvotum zu ProtokoD. 

Der Vorsitzende legte den an die Stelle des Wahlaktes 
getretenen Protest der zu diesem Akte Geladenen dem Gu- 
bemium mit der Bitte vor, den darin ausgedrückten Wunsch 
zu unterstützen. Er unterliess es auch nicht, zu versichem, 
dass er „in eine so unangenehme Anstössigkeit lieber nicht 
verflochten worden wäre", übrigens aber mit dem gefassten 
Beschlüsse vollkommen einverstanden sei. Andererseits konnte 
er aber doch wieder nicht umhin, diese Zustimmung an die 
Voraussetzung zu knüpfen, dass vor allem im Landtage aus- 
gemacht werde, wie viel ständische Aemter der Herrenstand 
dem Ritterstande vergönnt Darauf hin möge der Landtag zur 



— 74 — 

fraglichen Wahl schreiten. Hielte das Oubemium diesen Weg 
nicht far den richtigen, so lege es zum mindesten den steier- 
märkischen Ständen „die niederösterr. Landschafts-Einrichtong 
pro Cinosura und zur Anpassung an die hierländischen Ver- 
hältnisse^ vor. 

Sobald der Herrenstand erfuhr, dass die versammelte 
Ritterschaft im entscheidenden Augenblicke doch wieder ein- 
gelenkt hatte, griff er den fallen gelassenen Antrag Mos- 
millem's auf, jedoch mit der von der Mehrheit der Ritter selber 
gewünschten und nun im offenen Landtage unschwer durch- 
gesetzten Modification, die demselben die Spitze abbrach. Der 
Antrag lautete sonach: es möge gestattet werden, dass die 
Stände statt 2 Deputirte 4, u. z. neben den beiden aus dem 
Herrenstande je einen vom geistlichen und Ritter-Stande ent- 
senden, „welche vom ganzen ständischen Gremio ohne Unter- 
schied der Bänke gewählt und alle auf Kosten des ständischen 
Domestici abgeordnet werden". 

Der Kaiser stellte das Miyestäts-Gesuch, welches dieses 
Anliegen vorbrachte, mit Handbillet vom 16. Dezember 1790 
der „vereinigten Hofistelle'' (worunter die damals auch mit 
einem grossen Theile der erbländischen Finanzgeschäfte be- 
traute Hofkanzlei zu verstehen ist) zur Begutachtung zu. Diese 
Stelle empfahl nun dem Kaiser, an der a. h. Entschliessung 
vom 23. November festzuhalten. Sie ging von der nämlichen 
Anschauung aus, welche auf dem Wahltage der Ritterschaft 
gesiegt hatte, gelangte aber zu der entgegengesetzten Schluss- 
folgerung, indem sie deduzirte, dass gerade desshalb, weil alle 
vier Stände versichern, das gleiche Ziel vor Augen zu haben 
und ihre Interessen dem gemäss nicht unter einander in Wi- 
derspruch gerathen können, es keinem Anstände unterliege, 
Jede Bank filr sich wälen zu lassen". Jedenfalls werde da- 
durch der ^ohne Vergleich schwächeren geistlichen und Ritter- 
Bank'' eine Ursache benommen, „über jene der Herren zu 
klagen. '^ Dj^^^ Gutachten erstattete die Hof kanzlei am 23. De- 
zember 7^g Wie es nun kam, dass Graf Khevenhiller am 
29, JmuAi, K ^-ä vom Kaiser ermächtiget wurde, den Grafen 



— 75 — 

Stürkb im entgegengesetzten Sinne anzuweisen und 
so dem Herrenstande zur abermaligen Bethätigung seines na* 
merischen Uebergewichts im Landtage zu verhelfen, ob da 
vielleicht ein Missverständniss unterlief oder auf die Möglich- 
keit, ein solches vorzuschützen, gesilndiget wurde : das ist un- 
aufgeklärt Auflfallend ist die Baschheit, womit von Eheven- 
hiller's Weisung Gebrauch gemacht wurde, so dass kaum 8 
Tage später die ihr gemäss gewählten Deputirten in Wien 
eintrafen, somit eine Thatsache vorlag, welche sich nimmer 
illckgängig machen liess. Fast scheint es, als wäre ein Wider- 
ruf oder eine Berichtigung der Meldung E^hevenhiller's be- 
fürchtet worden. Denn es vergmgen von da an bis zur Ein- 
vernehmung der Deputirten noch 5 Wochen. 

Inzwischen hatte auch Mosmillern die Hände nicht in den 
Schoss gelegt Er hatte sich von seinen Anhängern das Mandat 
ertheilen lassen, welches die a. h. Entschliessung vom 23. No- 
vember dem Ritterstande als solchem anheim gab 
und das an formeller GUtigkeit dadurch, dass nur ein paar 
Auftraggeber dahinter standen, nichts einbUsste, weil eben die 
Zahl der zu einer giltigen Wahl erforderlichen Wähler nicht 
feststand, ausserdem aber die Gegner der vom Kaiser durch 
jene Entschliessung vorgezeichneten Wahlart durch ihren Pro- 
test des Rechtes, darnach zu wählen, sich begeben, wo nicht 
dasselbe verwirkt hatten. 

So erklärt es sich, dass neben dem vom Landtage ge- 
wählten Vertreter des Ritterstandes auch Mosmillern in glei- 
cher Eigenschaft den Konferenzen beigezogen wurde, wo der- 
selbe begreiflicher Weise den Deputirten des Landtags als 
heftiger Opponent gegenüberstand, insbesondere den Wunsch 
nach einem besonderen Landeshauptmanne anfocht und da- 
durch jene Deputirten dergestalt erbitterte, dass sie ihm in 
der Konferenz vom 9. März das Recht, im Namen des steier- 
märkischen Ritterstandes da zu sprechen, streitig machten. 
Der Gegendeputirte Dr. v. Feldbacher bemerkte, es sei ihm 
von einer BevoUmächtigung des Mosmillem nichts bekannt 
Dieser erwiderte: der Ritterstand habe seine in derWahlver- 



— 76 — 

Sammlung vom 2. Dezember kundgegebene Meinung seither 
wieder geändert, versage vielmehr dem Dr. v. Feldbacher die 
Anerkennung als Vertreter seiner Interessen und habe aller- 
dings ihn (Mosmillem) ermächtiget^ diese bei den Konferenzen 
zu vertreten. Am 12. März legte er einem Nachtrage zu den 
Separatvoten, die er auch schriftlich abgab, die von seinen 
Wählern erhaltene Instruction zum Beweise bei, dass er kei- 
neswegs unbefugt oder bloss nach eigenem Ermessen die Ein- 
wendungen erhebe, welche den Deputirten des Landtags so 
viel Aerger bereiteten. 

Er und der Deputirte des Bürgerstandes setzten die er- 
wähnte Opposition fort, entkräfteten dadurch die Argumente 
des Herrenstandes und bald verbreitete sich das Gerücht, in 
Mitte der steiermärkischen Stände seien Zerwürfhisse ent- 
standen, welche das, was die Deputirten des Landtags vor- 
bringen, nicht als den correcten Ausdruck der ständischen 
Begehren erscheinen lassen. Jene Deputirten gaben sich nun 
Mühe, dies zu widerlegen und beschuldigten Mosmillem in 
einer Eingabe an den Erzherzog Franz der Anmassung, dran- 
gen auch erneuert auf Beibringung einer förmlichen Vollmacht 
seitens desselben. 

Am 23. März fand abermals eine Konferenz statt, zu 
welcher auch Mosmillem sich einstellte und zwar so wenig 
emgeschüchtert, dass er vielmehr über seine Hintansetzung 
seitens der Landtagsdeputirten Klage führte, ja sogar verlangte, 
dass alle nicht von ihm mitunterzeichneten Schriftstücke, welche 
von letzteren überreicht worden waren, für »illegal" erklärt 
werden. Denn er allein sei der wahre Repräsentant des Bitter- 
standes. 

Im Verlauef der Verhandlungen kamen die Landtags- 
Deputirten nochmals auf die Vollmachtfrage zurück, indem sie 
geltend machten, Mosmillem habe mindestens zur Zeit der 
ersten Konferenz noch keine Vollmacht besitzen können, weil 
nachher noch einige Mitglieder des Ritterstandes sich an Schrit- 
ten im Sinne der Landtagsmajorität betheiligten, und, wenn er 
auch mittlerweile eine solche erhalten hätte, so sei sie doch 



— 77 — 

ungiltig, weil dem Ritterstande nicht zukomme, ausserhalb 
des Landtags und im Widerspruche mit dessen 
Beschlüssen eine Vollmacht auszusteUen. 

In den Kreisen der Regierung aber machten diese An- 
fechtungen nicht den geringsten Eindruck. Mosmillem stand 
in fortwährendem offiziellen Verkehre mit den Hofstellen, trug 
durch seine freisinnigen Erörterungen viel zur Klärung der 
Situation bei, lieferte der Hofkanzlei Handhaben zur Abwehr 
der Gelüste des steiermärkischen Heirenstandes und erfreute 
sich dafür auch hoher Gunst. 

Ein Hofdekret vom 15. April 1791 trug den steiermär- 
kischen Ständen auf, ihm, der auf ausdrücklichen a. h. 
Befehl als zweiter Deputirter der steirisch-ständischen Ritter- 
schaft den Konferenzen beigezogen worden sei, auch die 
Tag- und Liefergelder, welche die übrigen stän- 
dischen Deputirten bezogen hätten, flüssig zu 
machen. Am 27. April intimirte der Vice-Präsident des Gu- 
bemiums, Graf Wurmbrand, dem ständischen Ausschusse dieses 
Dekret Darüber ärgerte sich nun der Ausschuss nicht wenig. 
Graf Ferdinand Attems bewirkte als Berichterstatter, dass in 
der Sitzung des Ausschusses vom 15. Mai 1791 folgende Ant- 
wort an das Gubemium beschlossen wurde: 

„Obschon den gesammten Ständen bekannt ist, dass der 
von Mosmillem Anfangs bei Sr. Majestät, unserem a. g. Lan- 
desftirsten, die Einberufung eines Deputirten aus dem Ritter- 
stande auf eigene Kosten angesucht und diese Bewilligung 
solcher Gestalten erhalten, hernach aber auf Ansuchen des 
Ritterstandes und auf die Vorstellung der gesammten Stände 
ein im Landtage gewählter Deputirter des Ritterstandes gegen 
Erhaltung der Diäten zugestanden, solcher auch in Person des 
V. Feldbacher nach Wien abgesendet worden, so fügen sich 
doch die treudevotesten Stände und weisen sie das Partikulare 
mit 605 fi. 54 kr. bei der vereinigten Landesbuchhaltung an. 
— Nur müssen sie Se. Miyestät allerunterthänigst bitten, dass 
Höchstdieselbe in Zukunft keinen Deputirten mehr an- 
;5uhören geruhen möchten, der nicht von gesammteij 



— 78 -- 

Ständen im Landtage gewählt, folglich nicht mit der 
Vollmacht der gesammten Stände versehen ist Diese a. u. 
Bitte gründet sich auf die Ordnungs-Verfassmig der Stände 
und auf das Beste des Landes. Die Erhörung derselben wird 
allen Zwietracht und Widerspruch beseitigen und die ständi- 
schen Deputirten nicht mehr in die unangenehme Lage setzen, 
den Vorwurf anhören zu müssen, dass die Stände unter sich 
uneins seien ; die Behandlungen mit den Ständen werden ohne 
Aufenthalt und in möglichst kürzester Zeit vollendet werden 
können und die ständischen Kassen von Kosten erübriget sein, 
die ganz leicht erspart werden können/ 

Damit erreichte der Konflikt sein Ende. 

Beachtenswerth ist, dass derselbe Graf Ferdinand 
Attems, welcher als Berichterstatter im ständischen Ausschusse 
am 14. Mai 1791 den Entwurf zu obigem Antwortschreiben 
verlas und, nachdem dieser Entwurf vom Ausschusse gutge- 
heissen worden, das allerdings von anderer Hand geschriebene 
Concept mit dem „Scribatur" versah, also neuerdings guthiess, 
im Oktober und November 1791 am kaiserlichen Hof- 
lager wiederholt als Vertreter der Landeswünsche sich benahm, 
ungeachtet er dazu nicht nur nicht „von gesammten Ständen 
im Landtage", sondern nicht einmal von einem der vier Stände 
bevolhnächtiget worden war. Hätte damals der Kaiser der in 
obigem Antwortschreiben ausgesprochenen Bitte mit mehr Ge- 
dächtnisstreue, als dem Grafen Attems zu Gebote stand, sich 
erinnert, so würde dieser kein einziges Mal in der Eigenschaft 
eines Vertreters der Steiermark bei ihm Zutritt erhalten haben 
und zwar auf Grund seiner eigenen Worte. 



Beilage 111. 

Votum des Hofkammer-Fräsidenten Budolf Grafen Ghotek. 

(Zu S. 27.) 

„Graf Chotek wünschet so sehr als die vorhergegangenen 
Stimmen die Zuziehung des Bürgerstandes. Er findet die Wechsel- 



— 79 — 

seitige Verwebung der Interessen aller Klassen der Staats- 
bürger und ihren gemeinschaftlichen, wenn auch beschränkten 
Einfluss in den Vei-waltungs - Geschäften des Landes von un- 
gemeinem Nutzen und er hat als Privatmann hierüber seine 
Meinungen deutlich an den Tag gelegt Er glaubt aber nicht, 
dass ein Machtspruch dasjenige Mittel sei, welches dem 
Endzwecke und den Rechten des dermalen bestehenden stän- 
dischen Körpers entspreche, von dem er übrigens hoffet, dass 
er, von den nützlichen Absichten besser belehrt, dem Verlan- 
gen 'der öffentlichen Verwaltung mit Willfthrigkeit entgegen 
kommen wird, wenn er sich gleich jetzt gegen eine Neuerung 
sträubt, die er blos unter dem Gesichtspunkte eines Eingriffs 
in seine Verfassung betrachtet" 

„lieber dieses vielleicht unbedeutend scheinende Geschäft, 
welches aber äusserst fruchtbar an guten und bösen Folgen 
werden kann, ruft ihn seine Pflicht als Staatsbürger und als 
Diener Seiner Majestät auf^ seine auf Erfahrung und innerliche 
Ueberzeugung gegründete Meinung hier umständlicher zu ent- 
wickeln. — Die Majora der Konferenz gehen aus dem Grund- 
satze aus, 

a) dass die Stände die Repräsentanten des Volkes 
sind, und dass 

b) der Landesfürst durch seine Machtvollkommen- 
heit eine unvollkommene Repraesentationsart selbst allein 
verbessern könne. 

Insofeme der erste Satz nicht zu bestreiten wäre, könnte 
man freilich auch der Zulässigkeit des Bürgerstandes und später- 
hin auch des Bauernstandes, da wo der nexus subditelae 
gehoben ist, als einer Forderung strengen Rechtes nichts 
entgegensetzen. Dass die Stände dieses aber nicht sind, nach 
ihrer bisherigen Verfassung nie sein konnten, dieses 
kann Niemandem, der auch nur die oberflächliche Kenntniss 
davon hat, zweifelhaft scheinen. Anstatt also zu sagen: die 
Stände sind Repräsentanten des Volkes, mithin gehören 
auch die Bürger dazu, sollte das Argument so lauten: die 
St^de soll teil die Repräsentanten des Volkes sein, mithin 



— 80 — 

sollten auch die Bürger dazu gehören. Dann aber liegt 
in dem Argument eine peütio principiii so lang die Vor frage 
nicht als entschieden vorausgesetzt werden kann.*' 

„Mit der Erörterung dieser letzteren sollte also die Be* 
rathschlagung eigentlich angefangen und das Problem aufge- 
worfen werden: 

„Ob die dennalige ständische Verfassung, vermög welcher 
einer bestinunten Klasse von Menschen das Recht, in öffent- 
liche Angelegenheiten einen mehr oder minder beschränkten 
Einfluss zu nehmen, eigen ist, in eine förmliche National- oder 
Volksrepräsentation umzusetzen sei?" — ein Problem, welches 
von so entscheidender Wichtigkeit ist, dass ich nicht zu viel 
zu sagen glaube, wenn ich behaupte, dass unter gegebenen 
Umständen und bei den jetzt herrschenden Lieblingsideen das 
Schicksal der Monarchie seiner Zeit davon ab- 
hängen kann; ein Problem, welches zwar hie und da als 
entschieden vorausgesetzt wird, niemals aber in unsem 
Dicasterien zur reiflichen Untersuchung gekommen ist'' 

„Diese Untersuchung gehört eigentlich auch nicht hieher, 
nachdem der Hofkammerpräsident weit entfernt ist, den Bür- 
gerstand ausschliessen zu wollen, sondern nur den Satz, aus 
welchem einige Stimmen dessen Zulässigkeit als ein aus der 
Natur der ständischen Repräsentation fliessen- 
de s Recht folgern, bestreiten zu müssen glaubt; weil er ihn 
für den Landesfürsten als äusserst bedenklich ansieht, zumal 
bei den über Volks- und Monarchenrechte sich verbreitenden 
Meinungen." 

„Die erste Folge dieses als richtig vorausgesetzten 
Satzes, nämlich die Zulassung des Bürgerstandes, wird zwar 
der öffentlichen Verwaltung willkommen sein; der zweite 
Schritt, der unausbleiblich darauf folgen muss, eine 
gleiche Forderung von Seite des Bauernstan- 
des, wird gewiss auch und mit guten Gründen Vertheidiger 
finden." 

„Wie wird es aber dann aussehen, wenn diejenigen, zu 
eieren Vortbeile man den Satz gelten lassen will, mit deq- 



— 81 — 

jenigen Folgerungen, welche die öffentliche Verwaltung 
daraus zulassen w i 1 1 , seinerzeit sich nicht zufrieden 
stellen werden? Wie, wenn sie auf dem Wege der näm- 
lichen Theorie, andere dem Landesfürsten und dem Lande 
weniger gleichgiltige Wahrheiten gefunden zu haben 
glauben; wie, wenn sie, nachdem sie einmal von Rechts- 
wegen, gegen den Willen des Adels und des Qerus, zuge- 
lassen und eingesetzet worden, auf eine der arithmetischen 
Yolkszahl angemessenere Repräsentationsart dringen, 
die privilegirten Klassen nach und nach ganz verdrängen 
und eine wahre demokratische Repräsentation an die Stelle 
zu setzen begehren ? wie, wenn sie nach einem zweiten glück- 
lichen Versuch der Zudringlichkeit in der ständischen Ver- 
sammlung die Frage aufwOrfen, ob die Repräsentanten 
aller Volksklassen bloss dazu versammelt wären, um 
aber das zu antworten, worüber man sie fragt, ohne 
das Recht zu haben, auch unaufgefordert zureden; wie, 
wenn daraus preces armatae entstünden? Mit einem Worte: 
die Folgen, die aus dein Grundsatze der Repräsen- 
tation fliessen, scheinen unübersehbar und bei Nationen, die 
unaufgeklärt sind, doppelt gefährlich; wenigstens sind sie von 
dem Gewichte, dass sie eher erwogen zu werden verdienen, 
bevor die öffentliche Verwaltung eines monarchischen Staates 
den ihr selbst am meisten gefährlichen Satz: die Stände 
sind die wirklichen, die echten Repräsentanten 
der Nation, durch Zwangsmittel aufstellt "^ 

„Der Hofkammerpräsident sieht also die Zuziehung des 
Bürgerstandes als eine sehr erwünschliche, jedoch aus der 
ständischen Verfassung nicht fliessende, mithin durch Befehle 
nicht zu erzwingende, sondern durch eine geschickte Behand- 
lung mit den Ständen mittelst ihres freiwilligen Beitritts zu 
erzielende Anstalt an.^ 

Chotek m. p. 



— «2 — 

Beilage IV. 

Bericht der steiermärkifichen Stände an das hocUöbl. 
k. i. ö. Onberninm vom 8. September 1790 über ein 
durch Onbi-Verordnnng vom 21> Angnst d. J. um Be- 
richt zugefertigtes Gesuch dreier Bürger im Namen 
der landesfürstl. Städte und Märkte dieses Hersogthumsi 
zu den allgemeinen Landtagen durch Ortschaftsdeputirte 
zugezogen zu werden'). 

In der Anlage Nr. 1 brachten Anton Raspor, Bürger zu 
Leoben, Franz Haas, Bürger zu Gratz und Joseph Weninger, 
Bürger zu Knittelfeld, im Namen der landesfbrstlichen Städte 
und Märkte Steiermarks bei Seiner Majestät unserem gnädigsten 
Landesfürsten an: die in A verzeichneten Städte und Märkte 
wären bei Gelegenheit, dass Seine Majestät den Landständen 
dieses Herzogthums aufgetragen, sich in einem Landtage zu 
versammeln und mit einziger Rücksicht auf d&s allgemeine 
Beste des Staats ihre Beschwerden und Bitten vorzulegen, zu 
diesem Landtag durch Depuürte zugereiset, aber von den drei 
obem Ständen zu den Berathschlagungen nur durch ihren 
Marschall (Repräsentanten) zugelassen worden. 

Sie wären daher in die Nothwendigkeit versetzet worden, 
die ihres Orts nach Inhalt des Leitfadens B bearbeiteten Bitten 
und Wünsche durch den Marschall bei dem Landtage einlegen 
zu lassen und in C zu bitten, dass sie in ihre ursprüngliche 
Wirksamkeit, mithin in Sitz und einzelnweise Stimme mittels 
Ortschaftsdeputirte bei den Landtagen anwiederum rückeinge- 
führt werden möchten. 



Auf den Abdruck der Beilagen dieser Beilage yenrichten wir, weil der 

Inhalt eio68 Theiles derselben ohnehin dem Texte eingeflochten ist 

und die äor^ i>i<^bt gewürdigten zwar fär die Stände-Geschichte des 

XVI, j y^fbunderts von Belang sind, jedoch mit dem Gegenstande der 

^'orlj^i^ >,0 Abhandlung wenig zu schaffen haben. Das Gleiche gilt 

yoD ^ ^^^ilagen der Beilage V. 




— 83 — 

Sie wünschten zwar über sämentliche in B verzeichnete 
Gegenstände von Seiner Majestät selbst oder von einer gnädigst 
angeordneten Kommission vernommen zu werden ; da sie aber 
die Hoffnung hätten, dass ihre Bitten ohnehin Seiner Majestät 
mit den übrigen Landtagsakten würden übergeben werden, so 
wollten sie ihre Bitte dermal nur auf obige in G einschränken, 
an deren Grewährung ihnen aber um so mehr gelegen sei, 
als die Ausschliessung von den allgemeinen Landtagen ihnen 
immer mehr und mehr Nachtheil brächte und sie sich von 
den drei obem Ständen kein günstiges Einrathen zu erwarten 
hätten. 

Sie müssten daher Semer Majestät vorstellen, dass zur 
nämlichen Zeit, als die ständische Verfassung beinahe zur 
Scheiterung gekommen, auch sie als der vierte Stand 
ihr Ansehen und Wichtigkeit verloren hätten, und da m den 
Landtagen wenig oder gar nichts Wichtiges vorgekonunen, 
diese somit zu leeren Feierlichkeiten geworden, so hätten sie 
Städte und Märkte zur Ersparung der Unkosten für dienlich 
erachtet, lediglich durch einen Marschall zu Landtagen zu 
erschemen 

Dieses durch einhundert Jahre gemachte Benehmen der 
Stadt und Märkte habe die drei obem Stände verleitet, das 
sub C gemachte Begehren zu verweigern und auch den städti- 
schen Marschall vom ständischen Ausschusse auszuschliessen. 

Die alte Verfassung in Rücksicht der Städte und Märkte 
bestehe in Steiermark eben also, wie in dem Lande Oester- 
reich ob d. Enns, nämlich, dass sie Städte und Märkte zum 
Landtage durch Ortschaftsdeputirte erscheinen dürften und 
dass auch aus ihnen zwei Individuen zum ständischen Aus- 
schusse zu erscheinen hätten; dieses beweisten sie durch die 
Vorladung Erzherzogs Ferdinands v. J. 1525 zum Landtage 
in Brück in D, durch jene von Ebendemselben zum Landtage 
m Gratz im Jahr 1527 in E, durch die Vorladung des Lan- 
deshauptmanns und Vicedoms zum Landtage in Gratz im Jahre 
1528 in F, durch jene Erzherzogs Karls zum Landtage in 
Gratz im Jahre 1582 in G, durch die Vorladung Seiner 

6* 



— «4 — 

Majestät Kaiser Rudolph's zum Landtag in Gratz im Jahre 
1590 in H und durch die Einberufung von Seite der Ver- 
ordneten eines Individuums aus Leoben zum ständischen Aus- 
BchvißB im Jahre 1584 in J. 

Da nun die drei obem Stände die alte ständische Ver- 
fassung hergestellt wünschten, so wünschten auch sie landee- 
fbi*stliche Städte undMärttedes allgememen Bestes wegen ihres 
in der Verfassung sich gründenden Begehrens gewähret zu werden 
und zwar aus Ursachen, weil die landesfbrstl. Städte und Märkte 
vor dem Recess vom 15. September 1699 laut Ausweises sub 
K mit 6002 Pfd. 2 ß. Herrengült beansagt gewesen und bald 
mit m 48, bald mit m/24, mit m/31, mit m/50 und itzt noch 
mit m/40 f. ordin. Contribution beleget, folglich sowohl in Rück- 
sicht der Gütter als der Volksmenge einen beträchtlichen Theil 
des gemeinen Wesen ausmachten; das allgememe Beste be- 
stehe aber m der Verbindung des Besten aller einzelnen 
Stände; ohne Verletzung des allgemeinen Besten könne dem- 
nach kein Stand ausgeschlossen werden; es gesdiehe aber 
dieses, wenn sie Städte und Märkte nur durch eine Stimme 
und zwar mit der letzten Stimme zugelassen würden; dieses 
verursache, dass, wenn sich die Interessen der verschiedenen 
Stände manchmal kreuzten, er Marschall nothwendiger Weise 
schon zum voraus die mehrem Stimmen wider sich und auch 
bei einer neuen Umfrage keiner Beistimmung sich zu ver- 
trösten habe. 

Der Marschall könne aber auch das Interesse der Städte 
und Märkte nicht jederzeit zum Besten vertreten, weil er so- 
wohl wegen Entlegenheit der Städte und Märkte, als auch oft 
wegen Kürze der Zeit und aus Mangel der vorausgehenden 
Ueberlegung des Landtagsgegenstandes die genügsame Mor- 
mation nicht erhalten könne. 

Aus diesem folge nun, dass das Beste der landesfbrstl. 
Städte und Märkte nur durch Erscheinung zum Landtage durch 
Ortschaftsdeputirte und durch Zuziehung der aus ihnen ge- 
meinschaftlich erwählten Individuen zum städtischen Ausschusse 
nach dem Beispiele der Städte und Märkte m Oesterreich ob 



— 85 — 

der Enns erzielet, mithin das allgemeine Beste aller Stände 
nur durch diese Veranlassung festgesetzet werden könne. 

Sie gesammte landesfilrstliche Städte und Märkte mtlssten 
Seine l^jestät demnach bitten, den drei obem Ständen dieses 
Herzogthums anzubefehlen, zu den allgemeinen Landtagsver- 
sammlungen von den Städten und Märkten Ortsdepuürte zu- 
zulassen, ihnen einzelnweis Sitz und Stimme zuzugestehen und 
aus ihnen Individuen zum ständischen Ausschusse beizuziehen. 

Endlich tragen Eingangs bemelte Bittsteller in der sub 
Nr. 5 beigelegten Schrift weiters nach : Es weise das brucker 
Libell vom Jahre 1519 aus, dass in diesem ein Büi^er von 
Gratz und (einer) von Leoben unterfertiget sei, folglich die 
Stadt und Märkte in Landtagen sowohl, als im ständischen 
Ausschuss und zwar im letzten mittels zweier Individuen aus 
ihrem Mittel Sitz und Stimme hätten. 

Dieses ist der wesentliche Inhalt der sub Nr. 1 et 5 bei- 
liegenden Bittschriften, worüber von den Ständen Steiermarks 
vermög Verordnung vom 21. August Bericht abgefordert worden. 

Die drei obem Stände dieses Herzogthums erstatten diesen 
und bemerken vor allem, dass die in den Beilagen B und C 
enthaltenen Beschwerden und Bitten der landesfQrsÜichen Stadt 
und Märkte durch die ständischen Deputirten mit den übrigen 
Landtagsakten Seiner Majestät unserm gnädigsten Landes- 
fllrsten werden überreichet werden. 

Ueber den Inhalt der zwei oben angezogenen Bittschriften 
aber erklären die drei obem Stände hiemit: „dass sie niemalen 
der Kommunität der in A verzeichneten landesfürstl. Städte 
und Märkte widersprochen haben, der vierte Stand dieses 
Herzogthums zu sein; dieses erprobt die allzeit beschehene 
Einberufung des städtischen Marschalls zu den Landtagsver- 
sammlungen ; eben so wenig wollen sie den Städten und Märkten 
das Recht benehmen, zum Erbhuldigungsakt durch Deputirte 
zu erscheinen.^ 

„Die Erscheinung zu Landtagen durch Ortschaftsdeputirte 
mit einzelner Sitz und Stimme, und die Zuziehung der von 
Städten und Märkten gewählten Individuen zum ständischen Aus- 



— 8« — 

Schüsse aber können die drei obem Stände den Städten und 
Märkten nicht eingestehen; dann die landesfUrsU Städte und 
Märkte in particulari sind kein Landstand ; ein Beweis dessen 
ist, dass die in der Kommunität nicht befindlichen 7 land^fbrst- 
lichen Städte und Märkte Pettau, Fridberg, Rann, Eimberg, 
Fehring, Hochenegg, Metnick weder Sitz noch Stimme haben; 
es ist also nur die Kommunität der 31 Stadt und Märkte, die 
in A verzeichnet sind, nach ihrer Vereinigung als der vierte 
Stand angenommen worden, machen somit in Rucksicht der 
Stände ein Corpus aus, und können eben so wenig mehr 
Stimmen im Landtage haben, als eine geistliche 
Kommunität; ungeachtet diese auch mehrere landschaftl. 
Realitäten und in mehrem Kreisen besitzet ** 

,)Seit undenklichen Jahren haben die Städte und 
Märkte immer ihren Marschall gehabt, der ihr Bestes auf den 
Landtagen besorget und mit einer Stimme vertreten hat; 
dieses beweisen die im ständischen Archive vorfindigen Land- 
tagsprotokolle vom Jahre 1565 an bis auf itzige Zeiten.*^ 

^Den voUkommsten und überzeugendsten Beweis aber liefern 
die sub Nr. 2^ 3. und 4. beigezogene vidimirte Abschriften 
aus den Landtags-Handlungs-Protokollen vom Jahre 1567 und 
1568, allwo aus dem Rathschlag sub Nr. 2 de dato 16. Dezember 
1567 zu ersehen ist, dass die Städte und Märkte unter sich 
einen Ausschuss benennen, doch nur nach dem schon damals 
alten Herkommen auf die Landtage durch eine erkttste Per- 
son und mit einer Stimme ihre Meinung fürbringen könnten; 
weiters zeiget der in der Beilage sub Nr. 3 über diesfällige 
und über andere Gegenstände von Stadt und Märkten ge- 
führten Beschwerden von ständischer Seite im folgenden Jahre 
erstattete Gegenbericht, dass sie durch den hiesigen Bürger- 
meister oder Richter, auch sonst einer andern hiezu erbette- 
nen Person ihre Stimme nach dem alten Herkommen und Ge- 
wohnheit zu geben gehabt hatten, und dass, wenn auch De- 
putirte der Städte und Märkte erschienen, sie in oder ausser 
der Landstube ihre Berathschlagungen gehalten und zuletzt, 
wenn die Umfrago an sie jjjekoramen ist, durch den Bürger- 



— 87 — 

meister oder durch eine andere hiezu erbettene Person ihre 
Stimme abgegeben haben. ^ 

„Endlich beweist die Beilage Nr. 4, dass unterm 13. No- 
vember 1568 die Stadt und M^kte von ihrer vorigen Be- 
schwerde und Begehren von selbsten abgegangen sind; wie 
dann auch bisanher diesfalls keine weitere Beschwerde, als 
gegenwärtig, mehr rege gemacht worden. Durch das angeführte 
ununterbrochene alte Herkommen, durch den von mehr als 
200 Jahren erwiesenen Besitzstand und durch die angeführten 
Urkunden zerfallen die dem Rekurs beiliegende vermeintliche 
Beweise in D, £ und 6, da diese Einberufungen zum Land- 
tage nach Beweis der oben angeführten Urkunden Nr. 2, 3 
et 4 zu keinem andern Endzweck haben beschehen können, 
als um sich mit den andern Städten zu berathschlagen und 
um jemanden auszuwählen, der die Stimme der Stadt und 
Märkte auf dem Landtage führe ; die Beilage F zeiget nur an, 
dass die Städte und Märkte einen Ausschuss unter sich ge- 
wählet, worunter vorzüglich die Stadt Leoben begriffen war. 
Die Beilage H betrifft lediglich die Vorladung zum Erbhuldi- 
gungsakt, zu welchem durch Deputirte zu erscheinen, den Stadt 
und Märkten nicht streitig gemacht wird; aus der Beilage 6 
aber ist nur zu entnehmen, dass eben der Stadt Leoben zu- 
geschrieben worden ist, zum nächsten kleinem Landtag oder 
Landtagsausschuss durch einen Deputirten im Namen aller 
Städte und Märkte zu erscheinen und bei dem hnmer be- 
stehenden Ausschussraih auf einen aus dem Mittel der da- 
maligen Verordneten zu kompromittiren. Hieraus folget nicht 
nur die Richtigkeit des oben angeführten Satzes, dass die 
Städte und Märkte auf dem Landtage niemal mehr als eine 
Stimme gehabt haben, sondern auch, dass niemal ihr Vertreter 
zum beständigen ständischen Ausschussrath zugezogen worden 
sey ; dass aber zwischen einem wegen einem besondem Gregen- 
stand vom Landtage gewählten Ausschuss und zwischen dem 
beständigen ständischen Ausschussrath, der die ständischen An- 
gelegenheiten ausser den Landtagen zu besorgen hat, ein Unter- 
schied sey, ist ganz offenbar und bedarf keiner weitem Erläutemng. *^ 



— 88 — 

Dieses nun Angeführte beziehet sich auf die Rechtsbe- 
fugniss der drei obem Stände; nun wenden sie sich auf das 
weiters in der Rekursschrift Angebrachte, und zwar: 

^Die BittsteOer wollen mit der Beilage K beweisen, dass, 
weil die Stadt und Märkte einsmal mit 6002 Pfd. 2 ß. Herren- 
gült beansagt gewessen, und bald mit n\/48, ny!24, ny^l, nv50, 
und dermal mit nv^40 fl. beleget wurden, sie in Absicht auf 
Gütter einen beträchtlichen Theil des gemeinen Wesens aus- 
machen; allem, da die landschaftlichen Freisassen, die Pfarrer, 
Zechleute und andere kleine Gültensbesitzer viel mehr als 
6000 Pfd. Herrengült zusammengenommen besitzen und doch 
keinen Sitz und Stimme auf dem Landtage haben, so zerMt 
dieses angefahrte Beweismittel von Selbsten, wird aber noch 
mehr entkräftet, wenn man in Erwägung ziehet, dass selbst 
diese von Bittstellern angeführte 6002 Pfd. niemal in Gülten 
bestanden, sondern nur zu Formirung eines Anschlages an- 
genommen worden; aber auch dieses Fictitium bestehet nicht 
mehr, da die Stadt und Märkte seit undenklichen Jahren nicht 
mehr nach Pfunden versteuert werden, sondern nach Verträgen 
ein gewisses Kontingent entrichten; dass sie dieses Kontri- 
butionskontingent, welches dermalen 39.759 fl. 28 kr, beträgt, 
unter sich selbst, ohne Zuthun der drei obem Stände repar- 
tiren; dass dieses Quantum nicht einmal unter der postulat- 
mässigen jährlichen ordinari Kontribuzion von 1,100.000 fl. be- 
griffen ist, sondern nur den Ständen durch Rezess vom 26. Oktober 
1 748 § 2 als ein Adminikular-Fond zur Bedeckung der über- 
nommenen Hofschulden übergeben worden und dass die drei 
obem Stände dieses städtische rezessual-Quantum nicht erhöhen 
und nicht vermindem können. Die Bittsteller haben also nicht 
erwiesen, dass die Stadt und Märkte einen beträchtlichen 
Theil m Rücksicht der Gütter, noch auch in Rücksicht des 
Kontribuzionsbetrags ausmachen, und das letzte um so we- 
niger, als das einzige Stift Admont um ni/20 fl. ordin. Kontrib. 
mehr zur Landschaft entrichtet, als alle in der Kommunität 
stehende Stfidte und Märkte." 

n^nstteifi^^ ist die wesentliche Grundlage der ständischen 



— 89 — 

Verfassung und (sind) die wichtigsten Gegenstände der stän- 
dischen Versammlungen die Richtigstellung und Vertheilung 
der Kontribution, dann die Aufrechthaltung des öffentlichen 
Landeskredits. Dass die Stadt und Märkte der erste Gegen- 
stand nicht betriüt, ist bereits erwiesen; dass sie aber auch 
zum öffentlichen Kredit nichts beitragen können, ist ausser 
allen Zweifel gesetzt, da sie sehr unbeträchtliche landschaft- 
liche Realitäten besitzen und nur diese und nicht einzelner 
Privatreichthum sind das Unterpfand des ständischen Kredits ; 
dieses ist auch die Ursache, dass der vierte Stand nicht, son- 
dern nur die drei obem Stände in den öffentlichen landschaft- 
lichen Schuldbriefen unterfertiget sind.^ 

„Die wichtigsten Gegenstände, welche das Beste der Stadt 
und Märkte betreffen können und von welchen der städtische 
Marschall immer genugsam informirt seyn kann und von Amts- 
wegen seyn soll, sind: die Aufrechthaltung ihrer städtischen 
und Innungsprivilegien ; Selbstverwaltung ihres Gemeinvermögens 
und ihrer Kassen ; die Ausübung ihrer Gerichtsbarkeit ; Beför- 
derung des Handels und Wandels, des Gewerbbetriebs, der 
Nahrungswege und Industrie; die Hindanhaltung der so lästi- 
gen Militär-Einquartierung und dergleichen mehr; dieses sind 
Gegenstände, die die drei obem Stände unmittelbar niemal 
betroffen haben, sondern nur mittelbar und im Allgemeinen; 
hieraus folget, dass das gemeinschaftliche Interesse der obem 
Stände mit jenen der Stadt und Märkte und vice versa fast 
in keiner Verbindung stehet, ihnen also zu keinem 
Nachtheü gereichen kann, dass sie im Landtage nach dem 
alten Herkommen und Landesverfassung nicht mehr, als 
eine Stimme haben ; ganz umgekehrt aber wäre der Fall der 
obem Stände, wann die in der Kommunität stehende Städte und 
Märkte mit 31 Stimmen, mit welchen sie fast immer die Miyora 
machen würden, im Landtage über Sachen entscheiden sollten, 
welche sie Städte und Märkte fast gar nicht betreffen, für die 
drei obem Stände aber von grösster Wichtigkeit seyn müssen. 
Hätte aber auch dieser Fall jemals existirt, so würden die drei 
obem Stände sich gewiss wider dieses ihnen so nachtheilige 



- !PÜ — 

Ueborgenicht liiedurch gesdiUtzet h^)en. dass sie jedem Land- 
stand so viele Stimnien als Jeder einzelne inkata- 
strirte Gülten besessen hatte, eingerSumet, und die Abwesende 
angehalten haben wQrdeo, durch BevoUmftchtigte ex gremio 
ihre Stimmen abzutieben." 

„Wann die drei obern Stände nicht schon durch Urkunde^ 
auf das Klarste bewiesen h&tten, dass die StAdte und Märkl 
oiemal mehr, als eine Stimme auf den Landtagen gehabt hi 
ben, 80 w&re die Richtigkeit dieses Satzes schon aus der g( 
gründeten Vermuthung zu ziehen, weil es niemal möf^c 
gewesen wftre, dass sie sich mit 31 Stimmen aus ihrei 
B^tzstand hätten verdr&ngen lassen." 

„Ganz unrecht wird von Bittstellern angefOhret, dass di 
Stadt und Markte erst damals au^ehftret hatten, durch Orte 
deputjrte zum Landtage zu erscheinen, als das Ansehen d( 
Stande zu scheitern angefangen und die Landtage zu leere 
Feyerlichkeiten geworden waren; das unterm 6. Oktober 173 
von Wailand Kaiser Karl VL eigenhändig unterfertigte Diploi 
beweiset, dass bis dahin alle ständischen Privilegien unvei 
letzt erhalten worden sind und wenn auch unter den letzte 
zwei Regierungen die ständischen Freiheiten angegriffen woi 
den sind, so zeigen doch die vielfältigen ständi 
sehen Akten und ist in Jedermann's Gedachtnist 
dass eben unter diesen letzten Regierungen di 
wichtigsten Gegenstände in Landtagen vorgf 
kommen, davon man nur vier der vorzüglichsten anftlhre 
will, als : die (Steuer-) Rekti&kazion vom Jahr 1752, die Herat 
Setzung der täghchen Frohnen auf wochenüiche 3 Tage voi 
Jahre 1778, die angetragene KinAlhrung der Tranksteuer voi 
Jahre 1780 und endlich das neue Steuersystem vom Jahi 
] 7B'J, bei welchen vier Gegenständen es um Einführung eine 
neuen beträchtlichen Steuer, um merkliche Verminderung eine 
alten Genusses, um Beseitignng einer dem ganzen Lande un 
aiJen /nsasc^n gehässigsten Regie, ja wohl gar, wie bei de 
letzten. „ tjab und Gut. mn Siclierbeit und um Eigenthui 



''¥'" 



war." 



V 



— Ol — 

„Sind wohl diese Landtage leere Feyerlichketten gewesen ? 
uud sind wohl die Städte und Märkte bei diesen Landtagen 
änderst, als durch ihren Marschall erschienen ?'' 

ijWas die Beschwerdeführer weiters von der Aehnlichkeit 
der oberösterreichischen Landesverfassung anführen, kann kei- 
nen Beweis fOr die Städte und Märkte machen, da jedes Land 
seine eigene Verfassung hat und von einer Landesverfassung 
auf die andere nicht gültig geschlossen werden kann.** 

y,Ueber die Beilage L, worin dem Anton Baspor, dem Joseph 
W eninger und Franz Haas die Voümacht zur Einlegung dieser 
Beschwerde im Namen der Städte und Märkte ertheüt ist, 
müssen die 3 obem Stände bemerken^ dass solche nur eine 
unbeglaubte Abschrift ist und dass sich darin der (Jeorg Fidel 
Schmid als Bevollmächtigter der Stadt und Märkte des mahr- 
burger Kreises, Franz Haas des zillier Kreises, Franz Dimböck 
des brucker Kreises, Joseph Fohr des judenburger Kreises 
und Anton Andre Pächler des grazer Kreises unterfertigt ha- 
ben, ohne selbst von den Stadt und Märkten der 
angegebenen Kreisen eine Vollmacht aufzuwei- 
sen und dass sogar Franz Haas sich selbst die Vollmacht 
gegeben habe.** 

.Endlich muss über den in Nr. 5 hiemit rückfolgenden 
Nachtrag der Bittsteller angeführet werden, dass das angezo- 
gene brucker Libell vom Jahre 1519 keineswegs erprobe (wie 
die Bittsteller behaupten wollen), dass am Sonntage Oculi sel- 
ben Jahrs zu Brück an der Muhr ein steyrisch-ständischer 
Landtag oder ein Ausschussrath gehalten worden sey, sondern 
die Einsicht dieser Urkunde von Fol. 26 bis. 31 nach der 
grazer Auflage im Jahre 1566 beweiset, dass es sich damals 
nur zwischen den Ländern Ober- und Niederösterreich, Steyer- 
mark, Kärnten, Krain und Tyroll nach Absterben Kaisers Maxi- 
milian des ersten um eine gemeinschaftliche Ländervertheidi- 
gung, um Absendung einer Bothschaft an König Karl nach 
Spanien und an Erzherzogen Ferdinand nach den Niederlan- 
den und um Regulirung des Münzwesens gehandelt hatte. Es 
war also ein förmlicher Länderkongress, zu welchem die Stände 



— 92 — 

abschicken konnten, wen sie wollten und in wen sie ihr Ver- 
trauen setzten; wobei die Abgesandten nicht nach Stammen 
oder ihrer eigenen Meinung, sondern nach der ihnen vom Lande 
gegebenen Instrukzion handeln mussten und in diesem Libell 
Fol. 31 findet sich die Klausel beigesetzt, dass diese Hand- 
lung allen und jeden Landschaften an ihren Freiheiten, altem 
Herkommen und Grebräuchen unschädlich seyn sollte.* 

„Da die drei obem Stände nun vollkonunen erwiesen, dass 
sie in einem, schon vor 200 Jahren undenklich gewesenen 
Besitzstand stehen, in den Landtagen von den in der Kommunität 
stehenden landesfbrstlichen Stadt und Märkten nur eine 
Stimme durch ihren Vertretter zuzulassen ; dass dieses durch 
die unwiderleglichen Urkunden Nr. 2, 3 und 4 bekräftiget 
und sogar dargethan wird, dass die Stadt und Märkte schon 
vor 200 Jahren von einer ähnlichen Forderung von Selbsten 
gefallen sind; auch zugleich durch angezogene Urkunden 
der Bittsteller vermeintliche Beweisstücke entkräftet sind; da 
die drei obem Stände endlich gezeiget haben, dass durch Bei- 
behaltung der fortwährenden Verfassung den Stadt und Märkten 
kein Nachtheil, durch die angesuchte Neuerung aber den drei 
obem Ständen m deme ein empfindlicher Schaden zugehen 
würde, weil durch den Zuwachs von mehrem Stimmen einer 
Kommunität das Verhältniss der Stände unter sich 
verändert und dadurch ihre Freiheiten im wesentlichen 
verlezt würden: so bitten die drei obem Stände dieses Her- 
zogthums eine hohe Länderstelle, m ihrem Berichte an die 
vereinigte Hofstelle dahin anzutragen, dass die Hofrekurrenten 
mit ihrem Gesuch um so mehr abgewiesen werden möchten, 
als sie mit demselben, in welchem es zwischen den drei obem 
Ständen gegen den vierten um eine Rechtsbefugniss zu 
thun ist, auch im Wege Rechtens niemals würden aus- 
langen können.** 

Gratz lun 3. September 1790. 

Ferdinand liraf von Attenis m. p. 

der Steyrfschen Stände Verordneter. 



— 93 - 



Beilage V. 

Bericht d. i ö* Gab e min ms an die k. vereinigte Hof- 
kanzlei vom 17. September 1790 über die Bitte der 
landesfnrstl. St&dte nnd Märkte Steiermarks, bei den 
allgemeinen Landtagsversammlungen mittels eigener 
Ortsdeputirten mit Sitz nnd Stimme zn erscheinen, nnd 
über die von Seite der Herren Stände hierüber gemachte 
Einwendung '). 

Das gehorsamste Gubemium, dem mit hohem Dekret vom 
18. und empfang. 21. August d. J. Nr. 1519 — 29 nachEin- 
vemehmung der Herren Stände über die angebogene Bitte der 
landesiürstl. Städte und Märkte Steiermarks, womit sie den 
allgemeinen Landtags-Versammlungen nicht in der Person eines 
alle vertretenden Marschalls oder Repräseotantens^ sondern 
mittels eigener Ortsdeputirten mit Sitz und Stimme beigezogen 
und aus ihrem Mittel auch ein beständiger Ausschussrath ge- 
wählet werden möchte, Bericht und Gutachten zu erstatten 
aufgetragen worden ist, glaubt der hohen Erwartung am sicher- 
sten zu entsprechen, wenn es sich 

a) das Recht, auf welches die Städte und Märkte ihre Bitte 
gründen, mit Entgegenhaltung der von den Herren Ständen 

^ gemachten Einwendungen, und dann auch 

b) die Vortheile, welche allenfalls mit der Grewährung ihrer 
Bitte verbunden sein können, genauer zu untersuchen be- 
mühet 

Die Entscheidung der Vorfrage, ob nicht jede der in den 
Beilagen verzeichneten 31 steierm. Städte und Märkte fbr ein 
besonderes zum Sitz und Stimme geeignetes ständisches Mit- 
glied gelten könne und ob es billig seie, dass sie aUe zu- 
sammen, als Kommunität betrachtet, sich eben in eine einzige 



^) BezOi^ch der nicht zum Abdruck gebrachten Allegate verweisen wir 
auf die Anmerkung -zw Beilage IV. 



— 94 — 

Stimme vereinigen müssen ? — trägt zur Beurtheilung der bei- 
den, dem gehorsamsten Gutachten zum Grund gelegten Haupte 
abtheilungen sehr vieles bei. 

Man muss aufrichtig bekennen, dass diese Behauptung 
von Seite der Herren Stande mit der von ihnen selbst an- 
erkannten Wahrheit, dass die benannten Städte und Märkte 
den vierten und letzten Stand des Provinzialkörpers ausmachen, 
sich nicht allerdings vereinigen zu lassen scheine, und wenn 
man auch nie in Abrede stellen kann, dass der geistliche, 
der Herren- und der Ritterstand den leztem nach dem einem 
jeden anklebenden Interesse weit überwiegt, doch das Ver- 
hältniss gegen alle Billigkeit verletzet werde, indem man die 
Städte und Märkte auf eine einzige Stimme einschränket, wo 
inzwischen jeder der drei übrigen höheren Stände noch immer 
in der ungehinderten Befugniss erhalten wird, sich durch 
mehrere, und was den Herren- und Bitterstand betrifft, durch 
beinahe eben so viele Stimmen bei den Landtagsversamm- 
lungen zu erklären, als er Glieder zählet, aus denen er zu- 
sammengesetzet ist, obgleich viele derselben auch 
nicht eine Spanne Erde aufzuweisen haben. Hier- 
aus, und aus dem weitem Satz, dass jeder, was er durch einen 
Bevollmächtigten zu thun befugt ist, auch durch sich selbst 
thun könne, und dass folglich die landesfQrstlichen Städte und 
Märkte, nachdem sie auf den Landtagsversammlungen mittels 
eines Repräsentanten zu erscheinen befugt sind, auch eben so- 
wohl selbst Sitz und Stimme zu nehmen befugt seien, hätte 
das gehorsamste Gubemium die in der Natur und Eigenschaft 
eines Standes liegende klare Schlussfolge leiten zu dürfen ge- 
glaubt, dass, wo es besondere Umstände erheischen, 
ihnen das blinde Einverständniss mit der Stimme eines einzi- 
gen nicht aufgedrungen, sondern freigelassen werden könnte, 
den Landtagsversammlungen durch eigenen Sitz und Stimme 
beizuwohnen. 

Allein diese Freiheit ist ihnen, so weit es Urkunden 
giebt, welche die Sorgfalt älterer Zeiten den kommenden 
Enkeln zur Nachlese aufbewahret hat, nie eingestanden worden. 



— 95 — 

Was auch die Hofrekurrenten mit ihren aus dem 15. Jahr- 
hunderte gezogenen Abschriften zu erweisen glauben, wird durch 
eben so rechtskräftige Gegenbeweise von dem nämlichen Zeit- 
alter widerlegt Die Vorladungen zu den abgehaltenen Land- 
tagsberathschlagungen, auf welche sie sich berufen, mögen 
immer bei ihrem auch noch so guten Werthe gelassen wer- 
den, so verträgt er sich doch nach dem Sinn, den ihnen die 
Hofrekurrenten beizulegen suchen, mit den Auszügen aus den 
Landtags-Protokollen von dem nfimüchen Jahrhunderte keines- 
wegs, welche die Herren Stände zu ihrer Rechtfertigung bei- 
gebracht haben. 

Aus den Urkunden der Hofrekurrenten vom Jahre 1519 
bis 1590 ist nur ersehlicb, dass die Städte Leoben und Mar- 
burg bei den Landtagen durch Bevollmächtigte zu erscheinen 
voi^efordert worden sind, und dass das Brucker Libell ein 
Leobner und ein Oratzer Bürger mit unterschrieben habe. 

Die Urkunden der Herren Stände von den Jahren 1561 
und 1568 hingegen zeigen, duss den Städten und Märkten 
zwar auch ihren Ausschuss zu benennen, jedoch, wie von Alters 
herkommen, auf die Landtags - Proposizion nur durch eine 
erkieste Person und durch eine Stimme ihre Meinung vor- 
zubringen erlaubt worden. Sie zeigen femer, dass die Städte 
und Märkte zuwider allem Herkommen und löbl. Gewohnheiten 
in den Landeszusammenkünften ein jeder Flecken für sich selbst 
seine Stimme zu haben zwar begehrt, dass sich aber dem un- 
geachtet der Brauch erhalten habe, dass ihnen alsbald Ab- 
schrift der Landtagsproposizion zugestellet und, wenn der 
Landmarschall die Landtagsproposizion zu berathschlagen vor- 
getragen hat, nach Anhörung der Landleutsthnmen auch auf 
ein Ort im Landhaus, in oder ausser der Landstube, zusammen- 
zutreten, untereinander Berathschlagungen zu halten, und zu- 
letzt, wenn die Umfinge an sie gekommen, durch den Bürger- 
meister oder Richter allhier oder sonst einen andern dazu 
Erbetenen ihre Stimme auch zu geben gestattet worden. End- 
lich zeigen sie, dass sie diese Art, die Städte und Märkte zur 
Stimmung zuzulassen mit dem Zusätze an den allerhöchsten 



— 96 — 

Landesftkrsten angezeigt haben, sie könnten aus diesem alten 
Herkommen und Gewohnheit gar nicht gehen und hofften 
Se. Erzherzogliche Durchlaucht würden gnädigst darob halten, 
dass sie weder in diesem noch anderm efaiige Neuerung nicht 
suchen woUen. 

Soll man nun diese beiderseitigen Urkunde vei^eichen 
(wie sie auch, um in Gegenständen, welche Landesyerfassungen 
betreffen, keinen Widerspruch anzunehmen, nothwendig ver- 
glichen werden mOssen) : so hat man pro basi yorauszusetzen, 
dass, nachdem laut der ständischen Protokolle schon im Jahre 
1561 und 1568 das Begehren der Städte und Märkte, den 
Landtags-ZusammenkOnften nach der Zahl der Flecken mit Sitz 
und Stimme beizuwohnen, dem alten Herkommen und der Ge- 
wohnheit zuwiderlaufend befunden worden, sich auch aller Grund 
zur Vermuthung verliere, dass diese Gewohnheit jemals be- 
standen habe. Hat diese Gewohnheit aber schon vorher nie 
bestanden, so abersteigt es alle Möglichkeit, dass sie m dem 
nämlichen Jahrhunderte habe erwachen können, in welchem 
man ihrer Entstehung das Muster einer von den Ansprttch^i 
der Beschwerführer sehr unterschiedenen Beobachtung ent- 
gegengesetzet und geltend gemacht hat 

Dass alle den vierten Stand ausmachenden 31 Städte und 
Märkte ähnliche Vorladungen, wie sie von Marburg und Leoben 
beigebracht worden, erhalten haben, wird von den Hofrekur- 
renten nicht erwiesen, und kann ohne Zweifel nicht erwiesen 
werden, weil man im Widrigen alles, was man in diesen Bezug 
aufzufmden im Stand gewesen, beizubringen nicht unterlassen 
haben würde. Hieraus folgt also der Schloss, dass von den 
31 Städten und Märkten nur die Städte Brück und Leoben 
durch eigene Bevollmächtigte zu erscheinen vorgeladen, bei den 
übrigen aber dem alten Herkomme der Lauf gelassen, und 
ihnen nur der Gebrauch des gemeinschaftlichen hiesigen Re- 
präsentanten vorbehalten worden. Wollte man aber auch zu- 
geben, dass ähnliche Vorladungen oder Aufforderungen an alle 
ohne Ausnahme ergangen wären, so ist aus dem Inhalte der- 
selben, ob unter der angesonnenen Erscheinung mittels eines 



— 97 — 

Bevollmächtigten eben die sonderheitliche Benennung 
und Absendung eines Bevollmächtigten von jedem Orte oder 
nur die üebertragung der Vollmacht an einen gemeinschaft- 
lichen Vertreter gemeinet worden, auf keine Weise deutlich 
abzunehmen, am allerwenigsten aber erweislich, dass sie darum, 
weil sie zu einer oder der andern Landtags-Zusammenkunft 
mittels einzelner Vertreter einberufen worden, auch 
einzeln weise Sitz und Stimme genommen und nicht viel- 
mehr der oben angeführten üebung, nach angehörter Propo- 
sizion und Stimmung der Landleute unter sich, und mit ihrem 
Marschall oder Bepräsentar in eine abgesonderte Berathschla- 
gung zu treten, gemäss sich gehalten haben. Endlich ist es 
zwar auch möglich, dass man nach der besondem Beschaffen- 
heit der zur Landtagsberathschlagui^ gezogenen Gegenstände 
auch die Intervenirung eines zweiten oder dritten Repräsen- 
tanten, vorzüglich der bessern Städte wegen, sogar mit Sitz und 
Stimme filr gut befunden habe; allein aus dem, was 
sich einer willktthrlich gefallen lässt, erwächst 
dem drittenkeinRecht zurForderung und es bleibt 
noch immer eine unwiderlegliche Wahrheit, dass die 
Städte und Märkte nach altem ständischen Herkommen und 
Gewohnheit nicht mehr als eine Stimme zu geben be- 
fugt sind, wie es Nikolaus von Bekmann in seiner Idea juris 
statutarü et consuetudinarü Styriad et austriaci in der Grazer 
Auflege vom Jahre 1688 auf der 452. Seite bemerket, wo er 
sagt: Die Städte und Märkte im Herzogthum 
Steier sindzweierlei Art Diese Städte qua Land- 
stände haben ihren eigenen Marschall, derearum 
nomine auf denLandtägen erscheinet und nebst 
andern Landesgliedern ein Votum in Landtags- 
sachen hat 

Nachdem! das gehorsamste Gubemium Eine Hochlöbl ver- 
einigte Hofkanzlei mit den Gründen bekannt gemacht hat, aus 
welchen sich selbes überzeugt findet, dass die drei hohem Stände 
den lezten (Stand) nie änderst als mittelst einer einzigen 
Stimme ihren Versammlungen beizuziehen schuldig gewesen, 

7 



— 98 — 

und ihn in eben so viel Stimmen, als erStftdte und Märkte z&hlet, 
beizuziehen noch nicht schuldig seien, so gehet es zur Unter- 
suchung der Vortheile aber, welche alleniallB mit d^ Gewäh- 
rung ihrer Bitte verbunden sein könnten. 

Wenn man in die Hauptursache dringet, warum mehrere 
landesfbrstliche Stftdte und Märkte mit den drd hohem Stia- 
den als ein vierter Stand veremiget worden sind, so dürfte 
man nicht sehr irre gehen, wenn man behauptet, dass es nur 
darum geschehen seie, weil sie theils selbst Goltonbesitzer, 
theils Obrigkeiten und Vertreter unterthänige GrOnde besitzen- 
der bürgerlicher Kontribuenten sind, deren Interesse mit dem 
Hauptinteresse der vereinigten Stände, you dieser Seite be- 
trachtet, in dem genauesten Zusanunenhange stehet Die Herren 
Stände sagen es in ihrem Berichte selbst, dass die Bichtig* 
Stellung und Vertheilung der Kontribuzion, dann dieAufrecfatr 
haltung des öffentlichen Landeskredits, unstreitig die wesent- 
liche Grundlage der ständischen Verfassung und die wichtigsten 
Gegenstände der ständischen Versammlungen seien. Nun haben 
aber die Städte und Märkte, die als äusserst üble 
Wirthe von jeher bekannt und ungeachtet der Folgen 
ihres gänzlichen Verfalls noch nicht klüger geworden 
sind, zur Aufrechthaltung des öflfentlicben Kredits nichts 
beitragen können; man muss sie also lediglich wegen Rich- 
tigstellung und Vertheilung der Kontribuzion zum 
Einfluss an den ständischen Berathschlagungen zugelassen haben. 

Untersuchet man, was dieser Einfluss, wenn er ihnen 
statt mit einer, mit 31 Stimmen gestattet würde, ftar besondere 
Vortheile nach sich zöge, so entdecket sich, dass ihnen als 
Gültenbesitzem keine mehreren zuwachsen können, als wofür 
ihnen das Ueberge wicht der drei hohem Stände ohnehin 
schon Bürge ist; dass ihnen aber auch als Unterthanen 
oder als Vertretern der Unterthansgründe besitzenden bürger- 
lichen Kontribuenten keine gewähret würden, nachdem der so 
sehr grosse und äusserst wichtige Körper der Unterthanen 
gar kein Stand ist, und bei den Landtagsversammlungai 
mit keiner Stimme gehöret wird. 



— 99 — 

Dass es derlei Vorthefle bei den gewöhnlichen, gewöhn- 
liche Landtagsgegenstande behanddnden Versammlungen gar 
keine, oder doch keine besondem giebt, haben die alten Vor- 
steher der Städte und Märkte sehr wohl eingesehen; sie haben 
ihren Hoffnungen, den Wunsch, der Landtagssitzung mit eben 
80 viel Stimmen als Ortschaften beizutreten, noch einst erfüllt 
zusehen, freiwillig entsagt, haben den Auf wand, welchen 
Zureisen und Zehrung bei dem oft langem Aufenthalte verur- 
sachten, den Kräften ihrer Kasse und der Unwichtigkeit des 
Erfolg entgegen gehalten und sich begnüget, die Rechte eines 
vierten Standes mittels eines Repräsentanten zu behaupten. 
Damit sollen sich auch ihre Nachfolger begnagen, 
sie soll^ die Unwirksamkeit, oder doch die Entbehr- 
lichkeit des sonderheitlichen Beitritts bei derlei 
gewöhnlichen Berathschlagungen überdenken; sie sollen den 
elenden Stand ihrer meist von Beiträgen armer städtischer 
Konsumenten zusamm gebettelten Kasse untersuchen ; sie 
aollen, wo sie in ihr^ bürgerlichen Gewerben, in Handel und 
Wandel und überhaupt in politischen Veranlassungen einiger 
Unterstützung, Erleichterung oder Abhüfe bedürftig zu sein 
erachten, ihren Beschwer oder Bittzug von den ihnen vorge- 
setzten Kreisäintem zu der Landes stelle nehmen und 
dann sich überzeugen, ob sie noch Ursache haben, die ortr 
weise Sitzung und Stimmung zu wünschen, oder wohl gar 
die Wahl eines perpetuirlicheu Ausschusses aus ihrem 
Mittel zu verlangen. 

Was das gehorsamste Oubemium gegenwärtig von den 
wenigen Vortheflen gesagt hat, welche mit der Oewährung des 
Hofrekurses verbunden sind, glaubt man blos in Absicht auf 
jene gewöhnlichen, obgleich nicht minder allgemeinen, Versamm- 
lungen verstehen zu müssen, wo es sich um die wesent- 
liche Grundlage der ständischen Verfassung, das ist: um die 
Richtigstellung und Vertheilung der Kontribu^on, daim um 
die Aufrechthaltung des öffentlichen Kredits handelt 

Es können sich aber ungewöhnliche, noch mehr als 
die Richtigstellung und Vertheilung der Kontribuzion zum 

7* 



— 100 - 

Gegenstände habende Berathschlagungen eingeben, wo f Qr die 
Städte and Märkte die Gewährung ihrer JKtte von der 
äüssersten Wichtigkeit sein wQrda 

Man will mit den Worten des ständischen Berichts an* 
nehmen, dass die Anfrechthaltung der ständischen und Innungs« 
Privilegien, die Selbstverwaltung ihres Gememvermögens und 
ihrer Kassen, die Ausübung der Gerichtsbarkeit, die Beförde- 
rung des Handds und Wandels, des Gewerbsbetriebs, der 
Nahmngswege und Industrie, die Hindanhaltung der so lästigmi 
Militär*Einquartterung u. dgl. m. die wichtigsten Gegenstände 
sind, welche das Beste der Städte und Märkte betreffen* 

Man will nun weiter annehmen, dass derlei Gregenstända, 
obgldch sie die drei obern Stände unmittelbar nie be* 
troffen haben, doch der unmittelbare Stoff ausserordentlicher 
allgememer Berathschlagungen werden können, so ist ja offen- 
bar, dass den Städten und Märkten ohne Unbilligkeit das 
Mittel und die Gelegenheit nicht entaogen werden darf^ aus 
derlei Gegenständen den Stoff zmr unmittelbaren Stimmung und 
zur Gründung wesentlicher Yortheüe zu sammehi. 

Ohne in die Frage hineinzugehen, ob nicht die Herren 
Stände den auf allerhöchste Bewilligung jungst abgehaltenen 
LandtagsberathscUagungen Bitten, Beschwerden und Yorstd- 
lungen unterzogen haben, welche mit der wesentlichen Grund- 
lage ihrer Verfassung auch nicht in einer entfernten 
Verbindung stehen, kann man doch gar nicht zweifebi, 
dass unter 72 Punkten mehrere vorgekonunen sein müssen, 
welche dieselbe höchstens nur mittelbar betroffen haben 
und von dem vierten Stand in unmittelbare lieber- 
legung hätten genommen werden können. Es hat sich dabei 
um Wiederherstellung erloschener Freiheiten und Vorrechte, 
um Abschaffung neuer Gesetze und Anstalten, um Einführung 
eines erweiterten Wirkungskreises fbr die Heiren Stände, um 
Neuerungen in der Verfassung des gegenwärtige Staatssistems, 
mithin um Anträge, welche auf das Allgemeine den ge- 
nauesten Bezug nehmen, gehandelt Da nun an dem Allge- 
meinen auch jeder Einzehie Theil zu nehmen nicht nur be- 



— 101 — 

rechtiget, sondern zu dem Wohl desselben beizuti*agen sogar 
auch schuldig ist^ so wäre hier, wie bei andern ähnlichen Ge- 
legenheiten (wobei sich vennuihen lässt, dass die drei hohem 
Stände, was zu ihrem moralischen und phisischen Yortbeil, 
vielleicht auch ohne Racksicht auf das Ganze beiträglich sein 
könnte, gewiss nicht vergessen haben werden) die Billigkeit ein- 
getreten, den vierten Stand minder stiefbrüderlich zu 
behandeln und ihn als einmal angenommenen, obgleich minder 
ansehnlichen, Mitstand seiner vollen Eigenschaft und aller dar 
mit verknapften Vortheile gemessen zu lassen. 

Aus allem diesen, was man bishero gesagt hat, zieht das 
gehorsamste Gubemium no(5h nicht die Folge, dass, so- 
bald widergewöhnliche ausserordentliche Berathungen vorkom- 
men, mit der Zulassung 31 städtischer Stimmen und mit der 
Besetzung eben so vieler Plätze die Absicht schon erreichet 
und nur durch die Vollzähligkeit derselben die Natur und 
Eigenschaft des vierten Standes, der zur Zeit, wo die Herren 
und Ritter nur einen gemeinschaftlichen Stand ausmachten, der 
dritte war, aufrecht erhalten werden würde. 

Man hat zwar im Eingange bemerket, dass den Städten 
und Märkten nach der Natur und Eigenschaft eines Mitstandes 
freigelassen werden könnte, den Landtagsversammlungen in 
besondem Umständen durch eigenen Sitz und Stimme bei- 
zuwohnen, weil sich diese Freiheit auf BiDigkeit gründet und 
nicht nur aliein in Oesterreich, ' sondern auch in dem Lande 
Krain und vielleicht auch in mehrem andern Provinzen (wo 
man von einem gemeinschaftlichen Repräsentanten nichts weiss) 
nicht verkannt wird. Gleichwie aber, was billig ist, 
nicht immer auch von dem Rechte unterstützet 
wird; gleichwie diess dem Einen nicht so obenhm abgespro- 
chen werden kann, um es dem Andern zuzulegen, und die 
hohem Stände das Recht haben, den letzten (Stand) mit keiner 
mehrem, als nur mit emer einzigen Stunme zuzulassen: so 
gedenket man keineswegs mit einem dieser statu- 
tenmässigen Beobachtung zuwiderlaufenden Gut- 
achten aufzutreten, sondern erachtet vielmehr, 



— 102 — 

dass davon abzugehen mehr Bchftdlich als vor- 
theilhaft sein würde. 

Den Städten und Märkten würde wenig geholfen sdn, 
wenn ihnen, jeder für sich, durch einen BevoUm&cfatigtffli bei 
ausserordentlichen Berathschlagungen Sitz zu nehmen das Recht 
eingeräumt würde. Der Inhalt deriei Zusammenkünfte ist kein 
Gegenstand, der sich augenblicklich fiissen, überlegen und be- 
stimmen lässt; kein Gegenstand, dem das mehrere Ja oder 
Nein den Ausschlag giebt; kein Gegenstand, der sich, warn 
er durch die Unvorsichtigkeit mehrerer Stimmen eme schiefe 
Richtung erhielte, in das ächte Geleiss wieder zurückfllhren 
Hesse; kein Gegenstand endlich, ftkr den es bemahe gleichgül- 
tig ist, wohin oder wie er durch die Mehiheit der Stimmen 
geleitet wird. 

Ausserordentliche Berathschlagungen, weü sie meist vor 
den Thron des Monarchen zu kommen haben und meist auf 
enie längere Dauer abzielen, fordern eine vernünftige 
Auswahl der Punkte, die zur Ueberiegung kommen sollten; 
sie fordern Zeit und Klugheit in der Ueberiegung selbst; sie 
fordern die genaueste Behutsamkeit in ihrer Bestimmimg. Nun 
heisst aber dies nicht mit Ueberiegung und Behutsamkeit vor- 
gehen, wenn Jeder von 31 Stimmenden aus Eigen- 
nutz, übel verstandenem Eifer, Mangel ächter Be- 
griffe, Partheilichkeit oder wol gar aus Ueber- 
eilung und Ungefähr Etwas hinwirft, was weder mit 
den Theilen, weder mit dem Ganzen in einer Verbin- 
dung stehet Was dem einen Repräsentanten in Bezug auf 
seine Stadt oder Markt auch mit guter Ueberiegung vortheil- 
haft scheinen könnte, läuft gegen das Interesse des andern. 
Mehrere Köpfe haben auch immer mehrere Sinne und so würde 
durch die Zulassung mehrerar ungeläuterter Sitz- und 
Stimmnehmer das zu einem sichern, guten, dauerhaften Zweck 
so unumgänglich nöthige, überlegte Einverständniss nie er- 
reicht werden. 

Um also die Billi^eit und die Vortheile ab (auf) Seite 
der Städte und Märkte mit dem Rechte der hohem Stände 



— 103 — 

ZU vereinigen, glaubet das gehorsamste Gubemlum das Mittel 
selbst in dem von den Herren Ständen beobachte- 
ten Herkommen gefunden zu haben. 
Nach dem alten Herkomme haben sich 

a) alle Städte und Märkte oder vielmehr ihre Vertreter in 
dem Versammlungsorte eingefunden; 

b) ist ihnen alsbald Abschrift der Landtags-Proposizion zuge- 
steDet worden; 

c) haben sie nicht nur die von dem Landmarschall zur Berath- 
scUagung vorgetragene Landtags-Proposizion, sondern auch 
die Stimmen der Landleute mit angehöret; 

d) sind sie sodann in oder ausser der Landstube auf einem 
Ort im Landhaus zusamm und untereinander in Berath- 
schlagungen getreten und 

e) haben zuletzt, wenn die Umfrage an sie gekommen, durch 
den Bürgermeister oder Richter aUhier oder sonst einen 
Erbetenen ihre Stimme gegeben. 

In diesem Herkommen bemerket man vorzaglich: 

1. dass der Gegenstand der Berathschlagung allen 31 Städten 
und Märkten oder ihren Vertretern vorläufig in Abschrift 
bekannt gemacht, und dass ihnen 

2. zum Einverstfindniss und zur Berathschlagung Zeit gelassen 
worden. Man getraut sich hinzuzusetzen 

3. dass eine einzige über das Resultat emer solchen ein- 
verständlichen Berathschlagung gegebene Stimme, oder selbst 
das Resultat der Berathschlagungen eines ganzen, obgleich 
lezten, Standes immer so viel Gewicht und Rücksicht ver- 
dienen müsse, um, mit dem Resultate und mit den Stimmen 
der übrigen Stände verglichen und im Falle des Nichtver- 
gleichs der hohem Schlussfassung abgesondert unterzogen 
zu werden, wie dies die Herren Stände in Absicht auf die 
von dem vierten Stand jüngst eingelegten Beschwerden 
Bitten und Wünsche auch wirklich gethan haben. 

Haben die hohem Stände diese Gewohnheit bisher un- 
verrüdct beibehalten und sind sie auch für die Zukunft bei 
derselben zu verbleiben Willens, dann haben die Städte 



— 104 — 

und Märkte den Entgang von 30 SitzungspUtzen 
nicht zu bedauern, ihre durch eine vemOnftige Berath- 
schlagung in dem Mund oder in dem Vortrag eines Bevoll- 
mächtigten vereinigten 31 Stimmen erhalten in Bezug auf ihre 
Festigkeit und Wirksamkeit einen ungleich grössern 
Werth, als wenn sie getheilt gegeben worden, und es können 
bei minder wichtigen und einfachen Proposizionen, wenn sie 
auch ausserordentliche Gegenstände betreffen, sogar die kost- 
spieligen Zureisen beseitiget werden, wenn jeder 
Stadt und Markt entweder unmittelbar durch die Herren Stände 
oder mittelbar durch den Marschall in einer umlaufenden Pro- 
posizions -Abschrift der Gegenstand der Berathschlagung be- 
kannt gemacht, die Meinung auf der m der Gestalt eines 
Bothenregisters eingerichteten Kurrende notirt und solcherge- 
stalt der Repräsentant m die Kenntniss gesetzet wQrde, was 
er nach Maass der mehr ttbereinstimmendm klagern Mei- 
nungen für eine Stimme oder Vorschlag m der Versammlung 
zu geben habe. 

Referent hat hieraus die nachstehende Sinopsis des ge- 
horsamsten Gutachtens gezogen: 

A) Die Städte und Märkte haben kein Recht, bei den Land- 
tagsversammlungen in mehr als emem Sitz und Stimme zu 
erscheinen. 

B) Sie haben aber das Rechte Abschriften von der Propo- 
sizion zu fordern, die Proposizion und die darüber ausfal- 
lenden Stimmen der Landleute m der Rathstube selbst mit 
anzuhören und aber die Stimme, welche ihr Bevollmäch- 
tigtergeben sollte, vorläufig unterdnand^ zu berathschlagen. 

G) Diese Stimme soll m ausserordentlichen Fällen, wo es sich 
um die Beförderung des ganz eigenen Interesse der Städte 
und Märkte handelt und wo sie mit den Stimmen und 
Anträgen der übrigen Stände in Widersprach geräth, die 
Kraft haben, nicht platterdings verworfen, sondern höherer 
Entscheidung vorgelegt zu werden. 

D) Nicht nur bei den gewöhnUchen strikte ständischen, son- 
dern auch bei den ausserordenüichen, jedoch minder wich- 



— 105 — 

tigen und einfachen Proposizionen durch Ortsdeputirte zu 
erscheinen ist fbr die meistens armen Städte und Märkte 
überflüssig und kostspielig. Sie können daher 
nur auf den Weg des Bothenregi«ters und auf 
das Vertrauen in ihren gemeinschaftlichen 
Marschall angelesen werden. 
E) Kann und soll ihnen bei ausserordentlichen Proposizionen 
von solcher und ähnlicher Ausbreitung und Wichtigkeit, 
wie sie Allerhöchst Se. M^yestät den Herren Landesständen 
bei dem Antritt Ihrer Regierung vor den Thron zu brin- 
gen allergnädigst gestattet hat, mittels eigener Ortsdepu- 
tirten nach dem Versammlungsorte zu reisen und sich 
durchgehends des alten Herkommens zu betragen nicht 
verwehrt sem. 

Die Mehrheit der Stnnmen des gehorsamsten 6u- 
bemiums hingegen ist dem sub Lit D. des Gutachtens ange- 
tragaien Gebrauch des Bothenregisters als unnoth- 
wendig und unausführbar nicht beigefallen, und bei der 
Anweisung der Städte und Märkte auf das Vertraue in ihren 
Marschall stehen geblieben. 

Sie hat den Gebrauch des Bothenregisters für unnoth- 
wendig erkannt, weil bei den berührten strikte ständischen 
oder zwar ausserordentlichen, jedoch minder wichtigen Propo- 
sizionen der Einfluss des vierten Standes zu unbedeutend 
ist, als dass ihm daran liegen könnte, den Gegenstand der- 
selben zu wissen oder nicht zu wissen. 

Für unausführbar, weil der Inhalt der Proposizion, 
zu deren Anhörung der Marschall ohnehin immer vorgeladen 
würde, nur erst am Tage der Versammlung eröffiiet und meist 
an eben dem Tage auch das Gondusum darüber geschöpfet 
zu werden pflege und dem Umlauf des Bothenregisters kein 
Baum gelassen werden könnte. 

Dahero dieses gehorsamste Gubemium auch platter- 
dings das ständische Gutachten unterstüzet 
Graz am 17. Herbstmonats 1790. 



— 106 — 



DL 

Graf Hermann II. von Cilli. 

Eine geschichtliche Lebensskizze 



Dr. Frani Krone«« 



iNicht jedem der mittelalteTlichen Adelshfiiiser ImierOfiter- 
reichs war es Yergönni, Ober die Landesgrcnse hinaus Beden- 
tong und Namen zu gewinnen, in den Gang grosser Ereignisse 
selbstthfttig einzugreifen. Zu den bevorzugten Gttnstlingen des 
Geschickes m dieser Sichtung zählt das Geschlecht der Gra- 
fen Yon CillL 

Schon als „Freie** von Sounek (Snnek) durch Güterbe- 
sitz, vornehmlich im Süden der Steiermark, im Santhale — 
und dessen Nachbarschaft — gleichwie durch Lehensverhfllt- 
nisse und Verwandtschaften ausgezeichnet, — errangen sie mit 
der grossen Heunburger Erbschaft eine tonangebende Stellung, 
die reicheren Mittel zu grosseren Zwecken '). Ihr Name knüptt 
sich nun an den Hauptort der angeerbten Güter, an die alte 
Römerstadt Cilli, über welche wohl die Stürme der Zeiten zer- 
störend dahingegangen waren und nur kümmerliche Beste einsti- 
ger Herrlichkeit *) übrig Hessen. 



Vgl die Abbandlnngeo K. Tangl's o. d. T. ^IHe Ffeien tod Sonek, 
Ahnen der Grafen ▼. Cilli, im X., XI., Xn. und XID, Hefte der Mitth. 
des hist. Y. t Steiemuurik. 

*) Vgl. das Chronicon Joannis IHctoriensis (Abtes Ton Viktring in Kftm* 
ten) h. ?. Böhmer im I. Bde. der fontes rer. germ. L B. cap. ir-lO, 
S. 418; 439 — 440. Aeneas Sylvias de s. Earopae, A. ▼. Freher-Stntve 
scrr. rer. gern II. Bd.; cap. XYII. „de Styria**. (vgl. a. n. 8). 



— 107 — 

Das mittelalterliche Gilli, wie es an die Souneker fiel, war 
ein offener Ort geworden, halb Ruine, halb Wohnort, ein be- 
scheidener Markt, der erst unter den letzten Cilliem durch 
Ummauerung ') städtisches Aeusseres gewann. 

Den Namen „Grafen von Cilli*' führen fortan, bis zum 
jähen Erldschen des b^ühmten Hauses, 10 Souneker^), deren 
Geschichte etwas mehr als ein Jahrhundert ausfüllt Die Haupt- 
träger des Namens, oder die Altgrafen yon CÜlli, sechs an der 
Zahl, Friedrich L, Ulrich I., Hermann L, Hermann H^ Fried- 
rich n. und Uli ich H^ der Letzte seines Mannsstammes — 
tragen auch zumeist ein gleichartiges Gepräge in ihrem Wollen 
und Handeh, einen ausgesprochenen Familiencharakter zur 
Schau. Es smd in der Regel unternehmende ehrgeizige Na- 
turen, kluge Rechner zu Gunsten des eigenen Yortheiles, voll 
Erwerbsdrang, der beinahe den Tadel der Habsucht heraus- 
fordert, Verstandesmmschen von starkem Wollen, mächtiger, 
verzehrender Leidenschaften fähig, die allerdings deutlich nur 
bei den drei letzten Vertretern des Hauses in die Augen sprin- 
gen. Uebrigens hat da eine be&ngene, parteiische Gechicht- 



s) Cillier Ckronik A. ▼. Hahn Mon. hist. Gollectio II Bd. (1726) S. 
710—712; A. ▼. J. A. Gftsar im ITL. Bde. der Ann. dnc. Styr S. 
87—88. Vgl. die ürkde. im landscL Arch. t. 1451, 11. April: Graf 
Friedrieb von Gull Terleibt den Borgern von Gilli jene st ftd tischen 
Rechte, welche andere 00. im Lande be^tzen (Gopie). in der Ein- 
leitung der GiUier Ghronik (bei Hahn a. a. 0. S. 666; b. Gäsar & 6) 
findet sieb auch der Trümmer der alten Herrlichkeit von GiDi gedacht. 

^) Friedrieb I. f 1859, 10. Ang.; Ulrich I f 1868, 26. Juli; Hans 
t 1872, 29. April; Hermann L f 1885, 21. März; Wilhebn 
t 1892, 19. Sept; Lndwig f U17; Hennann (HI.) f 1426; Her- 
mann IL t 1486, 18. Okt; Friedrich H. f 1454, 9. Joni; Ul- 
rich IL t 1466, 9. Nov. — üeber daa Genealogische nnd Ghronolo- 
gische hat der scbarfeinnige und fleissige £. Fröhlich m seiner Genea- 
logia Sounekiomm oomitnm Gelege . . . "^ennae 1755 kl. 4^, 116 SS. 
dankenswerthes geschrieben. Vgl. auch m. Abb. „Die zeitgenössischen 
Quellen zur Geschichte der Grafen von Gilli, mit Einschluss der sogen. 
Gillier Ghronik*' im 8. Jahrg. der Btr. z. K. steierm. G.-Quellen* 
1871, Gras, 120 SS. und die n. 6 dt AbtL 



-^ 108 — 

Bchreibtmg jener Zeiten vielfach schwarz in Schwarz gemüdt 
und statt Charakter-, Zerrbilder geschaflfen. 

Es ist etwas scharf Maridrtes, etwas Typisches in diesem 
Geschlechte, gerade so wie dies ein interessanter Fund unserer 
Zeit auch in physischer Beziehung an den Todtenschäddin der 
Cillier nachwies. Bei der Mehrzahl femer dürfen wir an hohe 
kräftige, hagere Gestalten denken, wie dies zeitgmOssisch von 
den letzten Cilliem bekannt ist und dem ritterlichen Thaten- 
drange so wie dem persönlichen Ansehen der Meisten ent* 
spricht; aucii in dieser Beziehung Iftsst sich somit an dnen 
CTtschiedenen Familientypus denken^). 

Aber noch emer wichtigen Grundeigenschaft des Hauses 
der Cillier, emer Tugend im strengen Sinne des Wortes, sei 
gedacht, in welcher wn- neben den glücklichen Fügungen des 
Geschickes, das Geheimniss des raschen und sicheren Ge- 
deihens der Grafen von Cilli — zu suchen veranlasst werden ; 
es ist der lebendige Sinn fbr Ordnung im Haushalte und 6e- 
schftftsleben, das Ökonomische Talent und praktische Geschick 
des genannten Hauses. Die Cillier waren nicht blos Günstlinge 
des Glückes, sie verstanden es auch, seine reichen Gaben klug 
festzuhalten und zu mehren, zukünftige Vortheile rechtzeitig 
in's Auge zu fassen. Die Macht des Geldes und Kredites war 
ihnen bekannt und so hielten sie das Eine zusammen und das 
Andere aufrecht 

Der praktische Vortheil beseelt ihre trefflich angelegten 
Erbverträge und Heiratsverbindungen mit andern mächtigen 
und reichen Häusern; — ja selbst mit gekrönten Geschlech- 
tem, mit berühmten Dynastieen, werden sie verschwägert 



*) Prof. Heschl hat In dieser Beriebimg interessaBte AnfschiaBBe ge- 
boten, da es ihm gelang, die in der Gülier Minorftenkirche aufbe- 
wahrten Todtenjich&del der letzten Cillier einer kraniologischen Unter- 
suchung tu unterziehen. Aeneas Sylms sagt vom Grafen Friedrich IL 
(t H64) in der bist Frider. (A. ?. Böder 8. 54--55, A. ▼. K61- 
Jar 2jß\ 0ennanno genitori corporis proceritate maiestateqne pene 
par'' ^]]d dessen Sohn, den letzten Cillier, Ulrich IL (f 1456), 
bezeici * * ^f gleichfalls als hochgewachsenen Mann mit breiter Brust 
UQ(/ A ^S/ j^örper (bist. Frid. ed Kollar, 8. 468 f. hist. Bob. cap. 66.). 



J 



— 109 — 

Bei solchem rastlosen Streben nach Gewinn und äusserer 
Geltung findet sich wenig Raum für zarte Gefühlsregungen und 
behaglichen, reinen Genuss des Erworbenen. Die Cillier sind, 
mmdestens die Letzten, Bedeutendsten dieses Hauses, ein fie- 
berhatt thätiges, ein hartes Greschlecht und gerade das kost- 
barste Kleinod, Familienglack, war ihnen fremd. Der Mangel 
desselben zieht sich wie ein Fluch durch die Geschichte der 
drei letzten Grafen von Cilli; ein tragisches Geschick lässt 
den mächtigsten und berühmtesten von ihnen, kinderlos wer- 
den und — auf der Höhe der Liebenserfolge vom politischen 
Morde ereilt, das glänzende Haus schliessen. 

Wenn nun der Verfasser dieser geschichtlichen Lebens- 
skizze Hermann ü. (1380 — 1435) aus der Reihe der Grafen 
von CüH herausgriff, so that er dies, von dem Umstände be- 
wogen, dass gerade in diesem Cillier die Gnmdeigenschaiten 
seines Hauses kräftig und wirksam zur Geltung gelangen, dass 
dieser langlebige, gQter- und ämterrdche Mann, der Schwäher 
emes Kaisers und Verwandte von Königen, — den eigentlichen 
Grund zur Machthohe seines Hauses legte; — anderseits dass er 
jene Würdigung noch immer nicht fand, die er in ausgedehntestem 
Maasse verdient Nur möge der freundliche Leser nicht ver- 
gessen, dass diese aus den Quellen*) geschöpfte Skizze eben 
nur umrisse bietet, die mehr den Schwarzstift des Zeichners 
als den Farbenpinsel des Malers erkennen lassen. Die quellen- 
mässigen Belege sollen diesen umrissen em festeres Gepräge 
verleihen. 

Hermann H. war der Sohn des gleichnamigen Grafen, 
des jungem Sprossen Friedrichs L, der die Reihe der Freien 
von Sounek schliesst und den Reigen der Cillier eröffiiet 
Sein Vater hatte die bosnische Fürstentochter Katharina zum 
Weibe genommen, während sein älterer Bruder Ulrich I^ ein 
berühmter ritterlicher Kämpe seiner Zeit^ eine aus dem ange- 



*) Die Kritik der zeHgenössischen Quellen zur Geschichte Hennanns H. 
findet sich in meiner Kote 4 dtirten Abhandlong Tersaoht Aasfthr- 
licheres in meiner jüngst gedmckten Abh. im Arch. f. E. oe. Gesch. 
(1878) der Wiener Akad« d. W. hist phfl. Section. 



— 110 — 

sebenen GescMechte der von Oetüngen ehelichte^. Aus Her- 
manns I. Verbindung erwucbsen zwei Söbne, Hanns und Her- 
mann IL Des Letzteren Geburt müssen wir um 1350 ansetzeot 
da er bereits 1372 als Gemahl einer Tochter des reichen 
Grafen von Schaunberg und bald darauf als Vater seines Erst* 
gebomen, Friedrich E. anzusehen ist"). 

Im genannten Jahre starb sein älterer Bruder Hanns, der 
eine Montfört - Pfannberg zur Frau genommen *). Vier Jahre 
früher war der Oheim, Graf Uhich L, venchieden (1 368, 26. Juli) 
und liess einen Sohn, Namens Wilhelm, zurück, der, Jüngeren 
Alters als Hermann H., mit diesem das Geleite Hermann L^ 
dem Altgrafen des Hauses, gab, als dieser im Gefolge Herzogs 
Albrecht HL von Oesterreich, 1377 die Ritierfahrt itfs Preussen- 
land antrat *^. Es war der erste uns bekannte Schritt des 
Helden unserer Skizze in's grosse Leben. Von Breslau ging 
der Zug nach Thom und Marienburg, an den Hauptsitz der 
deutschen Ordensherrschaft. 

Die Fahrt des Ritterheeres an die Memel bot schon 
ernste Gefahren, die das Banner von „Steierlant", Altgraf Her^ 
mann U. und sein Gefolge, nicht scheute. Blutige Eftmpfe 
kostete das Eindringen in „Sameit** oder Samogitien, dessen 
tapfere Bewohner den christlichen Eindringlingen die W^e 



^) Cillier Chronik b. Hahn S. 675— 678, b. Cäsar S. 26-31. Ueber 

Ulrichs I. Ritterfahrten s. Peter Suchenwirts Gedichte A. t. Primis- 

ser, Wien 1827, S. 51 — 58 „Von graff Ulreichen Ton Tzili" und die 

Anm. dasii S. 258->261. 
*) Der Heiratapakt zwischen Hermann H. nnd Elisabeth, der Schann- 

bergerin, dat. v. 27. Jänner 1871 — Grazer HofschatzgewölbbOcher 

(Wien) ~ Index dazu tou Apostelen 8, 173. Vgl. Stolz Regg, z. G. 

der Schaunberger im XQ. Bde. der Denkschrr. der Wiener Ak. d. 

W. bist. ph. S. 
•) Cillier Chr. b. Hahn S. 678—679, b. Cäsar 36—88. Graf Hanns f 

1872, 29. April. 
*^) üeber diese Preussenfahrt P. Buchenwirts Ged. u. a. 0. S. 8 ff. Tgl. 

Hagens oe. Chr. h. t. Pez scrr. rer. austr. L I15t. — Kurz G. Oe. 

u. Herzog Albrecht ni. I. 143—4. Das Lied b. Suchenwirt ffthrt den 

T. nvon herczog Albrechts ritterschaft*. 



— 111 - 

Terl^ten. Hier war es auch, wo der Altgraf von CSUi als der 
▼omehmste Alterskämpe dem Habsbui^er Albrecht den Ritter- 
schlag ertheilte. Am Rackwege, in „Russenia" — Rothruss- 
land — bewirthete Hemnann IL den Hersog sammt 82 Rit* 
tem, wobei der feurige Saft der „Luttenberger*' Rebe nicht 
geschont wurde. Die Heimreise ging aber Kleinpolen, Schlesien 
und Mfthren nadi Oesterreidi, von wo aus die Cillier den 
RQekweg in die Hdmat einschlugen. 

FfUif Jahre vor dieser Preussen&hrt, 1372 30. Sept, datirt 
der bekannte Gnadenbrief K. Karls H., der die Grafischaftsrechte 
der Cillior von Seiten des deutschen Reiches verbürgt ; einige 
Wochen später (7. Nov.) geben die Osterreichischen Herzoge 
Albrecht HL und Leopold HL als Ldiens- und Dienstherren 
ihren Willebrief zu dieser Erhöhung. In der bezüglichen Ur- 
kunde des Luxemburgers erscheinen Hermann (L) und Wilhelm 
die „Gevettert von COli **)• I^^ ^^ jedoch nicht zu dem 
Fehlschlüsse verleiten, als wäre Graf Wflhelm der ältere der 
beiden Jnnggrafen gewesen. Hermann IL war laut unwider- 
le^Murer Uiinmdenzeugmsse '") der senior von Beiden, worauf 



") Die Urkunde KarrBlY.mit gleichem Dfttam (1872 SO Sept BrOnn), 
iroiin den Grafen Hermann I. und WOhelm das Btlndige Yogteiredit 
über das Kloster Obemburg in üntersteier bestätigt wird, ist ein Pen- 
dant zu dem Privilegium, das, mit richtiger Datirung und richtigerem 
Texte, Fröhlich in s. Geneal Souniorum S. 65—70 abdruckte. S. Mitth. 
des bist Y. f. St. 6, 258 nr. 172. Das fidsche Datum der Handveste 
Ar die Cillier 1862 findet sich auch in Lflnig's Cod. Germ. U, 511. 
Die beiden Urkunden, Privileg und Willebrief der Habsburger v 7. Nov. 
Nenburg (vgl. Lichnowski 4, Regg. nro. 1092) im Anh. der Cill. Chr. 
b. Hahn S. 748 C ; Cäsar 28 ff. 

>*) 1884 10. Febr. Cilii. ürkde. f. d. Kl. Studenits (landsch. Arch. orig. 
nr. 8480) ercheinen die 8 Grafen in folgender Ordnang: Herrmann I. 
als senior, dann Hermann U. junior und Wilhelm — 1888 11. Okt 
Cilli (Idsch ArcltCopie); Urkunde betreffend die Gorker Lehen der 
Pettauer. An erster Stette findet sich Graf Hermann H., an zweiter 
Wilhelm. In dem Belehnungsbriefe des Patriarchen Johann v Aqui- 
leja V. 1889, 19. Febr. (s. Muchars Regg. im 2. Bde. des Arch f. 
K. V. G Nro. 41, 8. 489-440) nhnmt Wilhehn die Lehen aus- 
drücklich im Namen Hermanns H tamquam senioris 



— 112 — 

schon auch die Thatsacbe hinweist, dass er bedeutend froher 
als Wilhefan seinen h&uslichen Herd bestellte. 

Letzterer mochte eben nur als Sohn des yerstorbenen 
Altgrafen Ulrich L, als Vertreter Einer Linie gewissennassen^ 
neben seinem Ohme Hermann L, als Reprftsentanten der 
Andern, — den Platz in der Urkunde gefunden haben. 

Wilhelm's Heirat ffillt in das Jahr 1382, mitUn viel spä- 
ter als die Ehe Hermann's IL; fbnf Jahre nach der bespro- 
ebenen Preussenfahrt und nach dem wichtigen Vertrage zwischen 
den Häusern Gilli und Ortenburg auf gegenseitige Beer- 
bung ^*). — Seine Gattin wurde Anna, die pohlische Prinzes* 
sm aus dem Königshause der Piasten, das 1370 im Mannes- 
stamme erlosch und dem verwandten Könige Ungarns, dem 
Angiovinen Ludwig L den Platz räumte. Ludwig war der GOn- 
ner Ulrichs L von CUli, der, unter dem Bamer des Ungam- 
königs, wider Bulgaren, Servier und TOiken bei Widdin, gegen 
die Venediger, vor Zara, ritterlich gestritten. Er vermittelte 
die Heu-at, er verbürgte den bedeutenden Mahlschatz der 
Braut War es persönliches Wohlwollen allein, oder war vieUetcht 
dabei auch der politische Gesichtspunkt massgebend, die Hand 
der Piastin einem befreundeten Manne zu verschaffen, dessen 
Bangstellung keinen Rivalen fbr die polnische Herrschaft be- 
sorgen liesse? **) Anna gebar ihrem Gatten Wilhehn nur eine 
Tochter gleichen Namens, die das Geschick auf den pobiischen 
Thron, in das Vaterland ihrer Mutter, führte. Doch kehren 
wir zu dem Helden uns^er Skizze zurück. 



^*) Der Willebrief des Trienter Bischofes zum Ortenburg-Gönser £rb- 
vertrage dat. t. 28. Nov. 1377. S. Apostelen's Index 8, 170 nr. 26. 

<^) Die YersicheniiigBiirkunde K. Ludwigs tod Ungarn dat t. 27. März 
1S82. Die Mitgift Ton 20.000 Goldgulden soU bei kinderlosem Ab- 
sterben Beider an Grafen Hermann II. und dessen Erben fsUen. 
8. Apostelen's Index 8, 171. 1883, 20. Mai, Bozen — bezeugt H. Leo- 
XK)ld m. y. Oesterreich, dass die Grafen ron Gilli auf die vom Her- 
zoge mit 19.200 fl. ihnen yerschriebenen Sfttze in der Metlik die 
Grftfin Anna von ^Krakan*^ mit einem Tbeile ihres Heiratsgutes ver- 
wiesen haben 



— 113 — 

Es wurde schon oben angedeutet^ dass Hermann n. bald 
nach 1372 als Vater eines Sohnes, des erstgebomen Friedrich, 
angesehen werden müsse. Letzterer, um 1373 geboren — Aeneas 
Sylviufi bezeichnet ihn um 1447 — 54 als Mann in den Acht- 
zigen '^), — wurde bald, wie der Heiratspakt vom 30. Sept 1388 
ausweist, mit Elisabeth, einer Tochter des angesehenen kroatisch- 
dalmatinischen Grafenhauses Frangepani, der Herren von Yeglia 
und Modrusch, — vermalt und erhielt in der Folge einen 
besonderen GUterbesitz und Hofhalt, zu Gurkfeld, einge- 
räumt *•)• 

Das Jahr 1385 war für die Lebensstellung Hermann's IL 
entscheidend; damals — den 21. März — starb sein Vater 
und räumte dem Sohne den Platz als Altgraf des Hauses *'). 
Als solchen d. i. als „senior" bezeichnet diesen z.B. die Belehnungs- 
urkunde des Patriarchen von Aquileja aus dem Jahre 1389 '®). 
Doch müssen wir uns natürlich in jeder Angelegenheit des 
Hauses den Grafen Wilhelm als Mitregierer denken, wie dies 
wohl schon der alte Souneker Hausvertrag von 1262 vor- 
schreiben mochte *"). So finden wir z. B. die beiden Grafen, 
Hermann an erster, Wilhelm an zweiter Stelle, in der Urkunde 
vom 11. Oktober 1388 genannt, wo es sich um die Gurker 
Bisthtimslehen, nach dem Abgange der Jungen von Pettau 
handelt •'»). 

Das Jahr 1389 zeigt uns Hermann U. im Süden und 
Norden der österreichischen Ländergruppe mit Taidungsange- 
legenheiten vollauf beschäftigt, die stin Talent im Schlichten 
fremder Händel schulen und nähren halfen. So m Friaul, wo 



>^) In der List Friderici (Böcler^s A. S. 34) „anpra octuagesimura 
annum vitam prodaxit** — und später dann, vo von seiner 
Romfahrt zur Zeit des Jubeljahres die Rede ist, wird er gar „nonage- 
narius" genannt Letzteres ist offenbar irrig; Ersteres das Richtigere. 

**) Der Heiratspakt — s Aposteleh's Index 8, 232. lieber den Gnrk- 
felder Hofhalt S. die Cillier Chr. bei Hahn S. 683, Cäsar 48. 

«'0 Cill. Chr. Hahn 678 9, Cäsar 36- 88. 

^«) S. o. n. 12. 

»») Vgl. Tangl n. a. 0. S. 89 des Sep. A (X Heft der Mitth ) 

*ö) S. 0. n. 12. 

8 



— 114 — 

der politische Mord, an dem beryorntgenden Parteiführer Fried- 
rich Savorgnano — zu Udine yoUAlhrt, die Einberufdng eines 
Adels- und Patrizier - Patlamentes nothwendig machte und 
dieses den Grafen von Cilli, den Lehensträger des Hochstiftes 
Aquileja, als Schiedmann zu kommen einlud *0* ^^ ^^^ ^^ 
Jahres sehen wir Hermann ü. in Oedenburg bemüht, als emer 
der Sendboten Herzogs Albrecht IE. von Oesterreich, mit den 
Bevoltanächtigten K Sigmunds die schwebenden ungarisdi- 
Osterreichischen Grenzstreite und Nachbarhändel zu beglddien '*). 
Bald darauf um 1391 hören wir seinen Namen wieder in der 
Priauler Fehde zwischen TJdine und Cividale genannt**). 

Um- 1390 scheint Hermann H. die AmtswOrde eines 
Landeshauptmannes von Krain übernommen zu haben, mit 
welcher wir schon seinen Grossvater Friedrich I. betraut finden. 
Jedenfalls haben wir ihn 1390—1400 (1395) als Haupt der 
Erainer Landesverwaltung zu denken **). 

Doch lagen noch entscheidendere Dinge im Schoosse der 
Zukunft. — Sein Vetter WOhehn nahm an den Kämpfen 
Theil, in welche K. Sigmund von Ungarn, der Lux^mbuiiger, 
an der untern Donau immer mehr verstrickt wurde. Der Tür- 
kenkrieg — die wichtigste politische Frage für den Südosten 
des damaligen Europa's, meldet sich an. 1391 iSnden wnr den 
Grafen von Cflli daselbst in Waffen. Auf der Rückreise von 
der Heeresfahrt starb der Graf zu Wien den 19. Sept, 1392 •*), 
Nun war Hermann H. nicht Mos Altgraf, sondern auch Allein- 
gebieter in den Cillier Landen. Dass er in GeseUschaft Wilhelms 
den Türicenzug mitgemacht habe, ist mehr als unwahrscheinlidi. 

Unter den Zeugen, welche die wichtige Holenburger Eini- 
gung, den Hausvertrag zwischen der albrechtinischen und leo- 



>0 Manzaoo: Annali del Friuli VI. Bd. S. 86. 

««) Lichnowski IV. Regg. nro. 2170. 

<*) Manzanoa. a. S: 69. 

*^) Elon's Arch. z. Gesch. Erains 2. 8. Aufe. v. Richter über Laibach 

S. 212^218. nnd 1, S. 20. 
**) CilL Chr. u. a. 0. Anhang ra M. Hagen's österr. Chr. b. Pez. scrr. 

I. c. 1168. 



— 115 — 

poldinischen Linie des Hauses Habsburg (1395, 23. Nov.) 
feierlich bestätigten, — erscheint auch Hermann U. als einer 
der vornehmsten ^^). Nicht lange zuvor (1395, 7. Febr. Wien) 
war er als gewandter Vermittler in den Händeln der Herren 
von Liechtenstein neben Herzog Albrecht HI. und Fritz, Gra- 
fen von Hohenzollem, bestellt worden *'). — Doch der eigent- 
liche Wendepunkt in seinem Lebensgange knüpft sich an das 
Jalu: 1396. Das sollte ihm den Weg zur Fülle äusseren Glückes 
weisen. 

König Sigmund rüstete zum grossen Kreuzzuge wider die 
Osmanen. Ganz Westeuropa gerieth in kriegerische Bewegung. 
Zu Pfingsten sanunelten sich Ritterschaaren in Wien, um von 
da südwärts zu ziehen ; am S. Johann des Täufers Tage trafen 
die Burgunder unter dem Sohne Philipps des Kühnen, Johann 
,iOlme Furcht ', ein; Franzosen hatten sich zahlreich auf den 
Weg gemacht — Hermann U. war mit seinen Mannen er- 
schienen^ seinem Banner folgten Steiermärker und Oester- 
reicher **). So fand sich denn zur Herbstzeit im Bulgarenlande, 
um Nikopolis, Schiltau nannten es die Deutschen, ein grosses, 
buntes Kreuzheer zusanunen, das vor Begierde brannte, sich 
mit den Moslems zu messen. Aber ihm stand eine blutige Ent- 
täuschung bevor. Eine furchtbare Niederlage traf die Christen- 
heit K. Sigmund entkam mit Mühe dem Schlachtgewühle und 
floh südwärts, um in Byzanz am Hofe der Paläologen Halt zu 
machen. Unter den wenigen Begleitern, die im Kampfe treu 
an seiner Seite ausharrten und ihm auf der Flucht das Geleite 
gaben, erscheint der Graf von CSlli * ^. 

Zu den Eigenschaften des Luxemburgers zählte vor Allem 
ein lebhaftes Dankgefühl und eme, oft bis m Verschwendung 
ausartende Freigebigkeit Er verstand wahrhaft königlich zu 
lohnen und das erfuhr denn auch an sich das Haus der Cillier. — 



<*> Rauch scrr. rer. a.III. 411. Lichnowski 4, Kegg. nro. 9. Hennann II. 

fOhxt da den Titel: Hauptmaon t. Erain. 
<^) Kurz Oe. u. Albrecht III. 11. 311 Blge. 87. 
*9) S. Aschbach'B Gesch. K. Sigmunds I. 98. s. Lichnowski S. 19. 
<*) Schiltberger's Reisebuch, neue A. v. Neumann 1859, München. 

8* 



^ I 



— 116 — 

Die Urkunde des Königs vom 14. Aug. 1397 preist die 
Verdienste, welche sich die Cillier um Ungarns Krone schon 
seit den Tagen Ludwigs I. erwarben und legt den Scfalosston 
auf die wackem Leistungen Hermann's n. *'*). Dafbr erhält 
er Stadt und Gebiet von Warasdin, bald darauf die Bur^^err- 
schaften Yinice und Orbac in Zagorien und im Jahre 1 399 ' ') 
die Grafechaft Zagorien selbst, den „Seger*, wie die deutsche 
Namensform lautet So schrieben sich denn auch alsbald 
die Cillier seit Hermann n. Grafen von Gilli und im Seger, 
wozu sich später durch Erbschaft der Besitetttel Ortenburg 
gesellte. 

Bevor Graf Hermann in den TQrkenkrieg gezogen war, 
sorgte er für die Abfassung seines letzten Willens'*). Dieses 
Testament ist fbr uns von Belange. Wir erfahren daraus, dass 
die Mutter des Grafen, Katharina von Bosnien, noch lebte, 
seine Gattin hingegen bereits verstorben war. 

Es ist darin der Verlobten seines Erstgebornen, Elisabeth, 
Grafentochter von Veglia-Modrusch, gedacht und schliesslich 
wird Friedrich, dem Grafen von Ortenburg, an's Herz gelegt, Her- 
mann's H. Töchtern und der Muhme Anna, Tochter Wilhehn's, 
würdige Gatten ausfindig zu machen. 

Verpflichtungen und wohlverstandenes Interesse knüpften 
den Grafen von Cilli an den luxemburgischen König. Ein 
Ereigniss von massgebender Bedeutung bot dem Cillier den 
Anlass zu einem hochwichtigen Dienste. 



w) S. die ürk. d. 14. Aug. 1897, Ujhely, in Fej^r's Cod. diplom. X, 2, 
418-423. — Die HaoptoteUe : .. Bignanter eodem Domino Hermanno 
Comite nostro lateri pro toitione penone nostre fideliter et iugiter «d- 
haerente, per Danubii et pelagi flumina in galeis remigando ad civi- 
tatem ConstantinopoUtanam pervenissemus .... V^eiterhin wird dann 
Beiner grossen Verdienste um Dalmatien und Croatien gedacht. 
Die Schenkung t. Zagorien d. v. 27. Jftnner J899. Fei6r X, 2, 
688-89. 

»») 1897, 17. Aug. üjbely. Fej^r a. a. O. S. 428-429. Auch hier wird 
der Verdienste der Cillier gedacht 

**) S. das Wesentliche dieses Testamentes in Fröhliches Genealogia 
S. 77—78. 



— 117 — 

Gegen Sigmund^s ungarisches Eönigthom hatte sich eine 
starke Partei gebildet Die Anhänger des neapolitanischen Prä- 
tendenten Ladislaus, Sohnes des, 1386, ermordeten Karl d. K, 
reichten den übrigen Aufständischen Ungam's die Hand*'). Im 
April des Jahrs 1401 kam es zu einer stOnmschen Szene im 
ungarischen Landtage; zur offenen Anklage des Königs und 
schliesslich zu seiner Verhaftung. Der königliche Staatsgefan- 
gene iBmrde der Obhut der Söhne des vormaligen Palatins 
Gara anvertraut und auf Siklö's brachte er die Tage seiner 
Haft zu. 

Insgeheim scheinen jedoch die Gara*s dem Könige be- 
freundet gewesen zu sein oder verstand es dieser, sie zu ge- 
winn^i. 

Wie dem nun auch sein möge, ein wesentliches Verdienst 
um die Freilassung des Luxemburgers erwarb sich Graf Her- 
mann von CillL Er unterhandelte mit den Gara's die Freilas- 
sung Sigmund's, bei welchem Anlasse auch die Verschwäge- 
rung der Häuser Cilli und Gara angebahnt wurde '*). — Aber 
ein noch grösserer Vortheil erwuchs dem Grafen von Cilli. — 
König Sigmund, seit 1395 verwitwet, fiasste den Entschluss, 
die jüngste Tochter des Cilliers, Barbara, zu ehelichen. Bald 
nach Sigmund's Befreim^ soll die Verlobung stattgefunden 
haben; doch vergingen noch einige Jahre, ehe, bei der Jugend 
der Braut, an den Vollzug der Ehe gedacht werden konnte. 
Darauf dürfte sich die Angabe der CiUier Chronik zurückführen 
lassen, der Graf habe sich gegen die Verbindung seiner Toch- 
ter mit dem Könige gesträubt und sei dazu erst von den un- 
garischen Herren beredet worden*^). 



**) Vgl. daraber Aschbach's Gesch. K. Sigmunds I. (n.) Bd. 

*^) Die Quellen hierüber: Eberhard Windek b. Mencken scnr. I. cap. 4. 
(unrichtige Chronologie); Thuröczy Ghron. Hung. pars IT. c 9. b. 
Schwandtner scrr. rer. H. L Dlugosch bist. Fol. Z. b. Vgl. Katona 
bist crit H. XI. Bd. S. 489 ff. Aschbach a. a. 0. 122 F. hat das 
Beste darüber. Die Hauptstelle der Gillier Chronik, b. Hahn 679-80 ; 
Cäsar 40-46. 

*^) 8o sagt die CiUier Chronik a. a. 0. 1406 1. Aug. Siklos. Gr&fin Anna 
V. Cilli; Gattin des Grossgrafen (Palatin) Kikia« von Gara, yerochtet 



— 118 — 

Etwas früher als die Verlobung Barbara's war die schmei- 
chelhafte Werbung des ersten jagelionischen Königs Ton Polen, 
Wladislaw, um die Hand der Tochter Wilhehns, des verstor- 
benen Vetters Hermann 11., und der Piastin Anna, vor sich 
gegangen. Eine polnische Gesandtschaft hatte sich in CiDi ein- 
gefunden. 1400, im Nov. wurden die Verlobungspakten ausge- 
fertigt, die Braut von ihrem Oheime dem Königsboten über- 
geben. In Krakau soUte sie zunächst die Sprache des Polen- 
landes sich aneignen. Doch fand sie sich damit wenig zurecht 
Im Fasching des J. 1401 wurde das Beilager gefeiert, 1402, 
im März, die Krönung. Die Cillierin starb als polnische Köni- 
gin still und freudenlos den 21. März 1416 '^. 

Wie nahe und immer näher nun der CiUier dem Könige 
Sigismund, seinem künftigen Schwiegersohne in all dessen viel- 
seitigen Händeln und politischen Geschäften trat, lässt sich 
leicht ermessen. 

Eine so rührige, kräftige Persönlichkeit, kriegerisch und 
dabei in den diplomatischen Künsten vollkommen geschult, 
war dem planreichen Luxemburger willkommen. 

Als dieser, voll Begierde nach dem Throne Böhmen's, sei- 
nen leichtgläubigen und charakterschwachen Bruder Wenzel 
das zweitemal zum Gefangenen machte (1402^ und nach 
Oesterreich schaffen liess, übernahm der Cillier, damals 
Vormund seines Schwagers Johann von Schaunberg, den hohen 
Gefangenen, der dann zur Haft nach Wien abgeführt wurde "). 
Es war dies allerdings ein sonderbares Gegenstück zu jenem 
am Anfange desselben Jahres in Ktttemberg zwischen Wenzel 



gegen Ausfertigung des Heiratsgutes von 6000 Goldgulden auf alles 
Erbrecht; ausgenommen der Fall, dass das Cillier Geschlecht im 
Mannesstanmie ausstürbe. Apostelen's Ind. 8, 174, ur. 45. 

'<) Die Quellen über diese Angelegenheit: Andreas Ratisbon. Crouica 
abgdr. in Höfler's scrr. rer. hussit. fontes rer. austr. 1. A. 6. Bd. 
S. 432-433; Dlugosch hist. Pol. I Bd. S. 166 (X. Buch). Nach 
diesem Geschichtschreiber vergoss Hermann IL Frendenthränen, als 
die polnische Werbung eintraf. 

'^) Vgl darüber Aschbach a a. 0. 1. 175; Palacky Gesch. Böhmens 3, 
2, 217 8. u. Fessler Gesch. d. U. bearb. y. Klein, 2. Bd. 1869, S. 127 s. 



— 119 — 

and Sigmund in erheuchelter Brüderlichkeit vereinbarten Ge- 
waltbriefe für Hennann von Cilli: er möge, kraft dessen, mit 
den ihm verschwägerten Grafen von Ortenburg und den von 
(jörz Über die Durchzugsfreiheit der luxemburgischen Kriegs- 
völker nach Italien („gen Lamparten^ Unterhandlungen 
pflegen *^. 

K Sigmund war, wie oben erwähnt, dankbar und bis zur 
Verschwendung freigebig; aber er litt auch an ewigen Finanz- 
nöthen, denen durch Verpfändungen der ErongUter und könig- 
lichen Ländereien abgeholfen werden musste. Beide diese Mo- 
mente waren dem Hause CiUi, das über grosses Baarvermögen 
gebot, ungemein vortheilhaft Sigmund verlieh seinem künftigen 
Schwiegervater das Banat von Slavonien, worunter man in Be- 
zug der geographischen Grenzen das heutige slavonisch-kroatische 
Königreich verstehen muss'^; er bestätigte ihm die früheren 
Schenkungen und verlieh ihm endUch die ausgedehnte Mur- 
Drauinsel, die Muraköz, mit dem Vororte Tschakathum — als 
erbliche Pfandschaft, um die gewiss nicht übergrosse, aber an 
sich nicht für jedes Grafenhaus erschwingUche Summe von 
48.000—100.000 Goldgulden *^). 

Hermann von Cilli galt seither als der erste und vor- 
nehmste unter den weltlichen Magnaten der ungarischen Krone. 



^) Die Urkunde d. t. 1. Jänner 1401, Kutiemberg. Apostelen's Index, 
1, 110, 119, 1400, 14. Aug. Prag - belehnte K. Wenzel den Grafen 
Hennann von GUli und dessen männliche Erben mit dem Reichs* 
leben, Burgherrschaft Bohrau Apostelen - 1, 119, HS. 

'*) Seit 1408, 1406 l&sst sich mit Sicherheit die BanalwOrde des Cimers 
urkundlich verfolgen. Fej^r X, 4, 811—813 hat eine Urkunde im 
Bruchst&ck, angeblich z. J. 1403 ; docli wechselt überhaupt der Titel 
dieser Wttrde und deren Inhaberschaft. Nachdem die Gegenpaitei des 
Eönigthums Sigmunds unterlegen, war es diesem wohl um verlftssliche 
GrenzhQter im Süden zu thun. 

^) Die Yerpfändungsurkunde dat. t. 14 Mai 1405 und findet sich aus- 
zugsweise in tört t^ der Pesther Ak. d. W. IX. H. 49, nr. 120; 
(Apostelen 8, 175, 51, bietet eine Bestätigungsurkunde des Kapitels 
▼on Chasma, worin ron 100.000 Goldgulden die Rede ist). Vgl Ka- 
tona XI, 109; Feger X, 4, 470 .... Samabor's Yerpf&ndung an die 
Cillier wurde 1409 8. Sept erneuert 



— 120 — 

Die Zeugeostellung in den gleichzeitigen Urkunden be- 
stätigt dies. — So erscheint in der Vollmacht K. Sigmund's An- 
fangs Oktober 1405 Air die Abgesandten und Vertreter seiner 
Krone in den Unterhandlungen mit dem Polenreiche, Her- 
mann's Name an erster Stelle, vor dem des Palatins NDdas 

Gara*0- 

Es war dies zu einer Zeit, wo der wOste Thronkampf in 

Ungarn ausgetobt, der neapolitanische Prätendent Ladislaus 

sein Spiel aufgegeben hatte und die starke Malcontentenpartei 

unter Bebek's und Debrö's Fuhrung gedemtlthigt worden war. 

Der Pole Stibor, Wojwode Siebenbürgens, die Gara's, die 

Frangepani von Veglia-Modrusch und die CQlier bildeten die 

vornehmsten Säulen der königlichen Partei. 

Graf Hermann E. hat nicht wenig dazu beigetragen, 
dass der Thronkrieg von 1402—4 fbr den Luxemburger günstig 
ausschlug und mit dessen allgemeiner Anerkennung als Herrscher 
Ungarns endigte*'). Zwischen 1406 — 1408 kam es zum Voll- 
zuge der Ehe mit Barbara und die Stiftung des Drachenordens 
weihte gewissermassen diesen Bund ein, dem häusliches Glück 
fremd bleiben sollte. Unter den Rittern des Ordens, welcher 
die königlichen Getreuen zu Schutz und Trutz verband, steht 
der CSUier Hermann voran, als Erster der Magnaten**). 

Zur Zeit, als Barbara, das schöne, üppige und freigeistige 
Weib, die Gattin des Luxemburger wurde, hatte ihre Schwester 
Anna bereits manches Ehejahr hinter sich, da sie schon 1405 den 
Palatin Niklas von Gara geheiratet**). Elisabeth war seit 1400 
dem Grafen Heim-ich IV. von Görz verlobt **). Bald darauf 



*'; S. tört Ur 9. Bd. S. 49, nr. 118. 

*"0 Vgl darüber Aschbach's Werk ü. K Sigmund. 

^3) Uebcr diese Heirat und deren Zeitpunkt s. m. Abb. Ü. die ztg. Q 
z. G. d. Gfh. V. Gilli a. a. 0., Note 20. Seit 1406 nennt Sigmund 
den Grafen von Cilli regelmässig seinen Scbwiegci*vater. Die Stiftungs- 
urkunde des Dracbenordens b. Fejer X, 4, 682—693. Zun&cbst er- 
scheint Stephan, Despot von Eascicu und gleich nach ihm Her- 
mann IL comes Cilie et Zagorie und dessen Erstgeborner Friedrich II. 

**) S. o. Note 85. 

^^) Vgl Fröhlich'» GeneaL, Coronini, Wassermann .... 



— 121 — 

erscheint urkundlich Elisabeth, aus dem reichen Hause von 
Abensberg, als Gemahlin des zweitgebomen Sohnes, Her- 
manns HL *•). Viel früher muss, wie oben angedeutet, der Erst- 
geborne, Friedrich, seine Ehe mit der von Veglia-Modrusch 
vollzogen haben*'). 

Es fehlte dem Altgrafen von Cilli nie an Gelegenheit, 
seinem Schwiegersohne wichtige diplomaysche Dienste zu leisten, 
und ihre Bedeutung musste in dem Maasse wachsen, je mehr 
Kronen und Geschältslasten der Luxemburger Sigmund sich 
erwarb und aufbürdete. 1410 von einer Partei zum deutschen 
Könige gewählt, verstand sich Sigmund zu behaupten und das 
GlQck verschaffte ihm 1411/1412 die Anerkennung als alleiniges 
Oberhaupt des deutschen Reiches. So war der Cillier Schwieger- 
vater des Königs von Ungarn und Deutscbland geworden und 
diesem stand, im Falle, dass sein kinderloser Bruder Wenzel 
starb, eine dritte Krone, die böhmische, in Aussicht 

Im Herbste des Jalires 1409, als die Händel in Friaul, 
die Streitigkeiten um das Patriarchat Aquileja in voller Heftig- 
keit beharrten, bevollmächtigte IC Sigmund den Cillier zu 
Unterhandlungen mit dem hervorragenden Parteimanne, Tristan 
Savorgnano **^. 

Als die Reibungen mit Polen um das Jahr 1410 wuchsen, 
der Heereszug A. 1411 schon eine beschlossene Sache schien — 
anderseits aber der Krieg mit Venedig vor der Thttr stand und 
die ungetheOten finanziellen und militärischen Kräfte K. Sig- 
munds in Anspruch zu nehmen drohte, — kam es zu fried- 
lichen Verständigungen des Luxemburgers mit dem Jagellonen 
Madislav. 

Die beiden Herrscher trafen im März 1412 zusammen; 
der ungarische König zeichnete seinen hohen Gast m pnmk- 



^*') 1407, 13. Aug. erscheinl urkundlich bereits Gräfin EUsabeCh Yon 
Abensberg als Gräfin von CillL Stttlz, Gesch. der Schaonberger, Hegg. 
nro. 745. 

*«) S. 0. den Text u. Note 16. 

*») D. ürk. Auszug im tört tir. X. S. 151, nr. 125, 1409, Ofen, 4. Sept 
Vgl. ManzanO; Ann. del Fr. VI. Bd; z. J. 1409. 



— 122 — 

vollstor Weise ans. UeberaU war da unser Cillier drai Luxem- 
burger zur Seite. In dem Lublauer Bundesbriefe beider Könige 
V. 16., 16. März 1412 steht sein Name der erste in der Reihe 
der weltlichen Zeugen und in der zweiten Urkunde erscheint 
er neben drai Primas von Oran und dem Palatin Ungarns als 
einer der drei Bürgen der Uebereinkunft ^O* ^^ beiden Könige 
zogen mit glänzendem^ Gefolge vom Fusse der Zipser Tatra 
nach Kaschau, von da in das BebengelAnde der Hegyallya, 
nach der Königsp&lz von Diosgyör bei Eriau ; aber Erlan so- 
dann nach Ofen, wo glänzende Festlichkeiten einander drängt». 
Bald aber, nachdem der Polenkönig heimgekehrt war — im 
Hochsommer des gleichen Jahres — brach Sigmund mit 40.000 
Mann zum Kampfe gegen Venedig auf und zog über Stuhl- 
weissenburg, Agram, Laibach und Görz auf den Frianler Kriegs- 
schauplatz, mit ihm der CilUer. 

Im nächsten Frühjahre (1413) ward der König des Krie- 
ges müde, denn die Zähigkeit des Widerstandes der Signoria 
und anderweitige Seiten kreuzten die Kriegslust des Luxem- 
burgers. 

Die Behebung des päpstlichen Schisma's, die Dringlichkett 
der Kirchenverbesserung, die hussilischen Religionshändel — 
sämmtlich Dinge von weitgreifehder Bedeutung, machten Unter- 
handlungen mit den drei Päpsten und die Einberufung eines 
allgemeinen Condls nothwendig. — So war denn auch wieder 
der vornehmste Vermittler der Waffenruhe mit den Venetianem, 
Graf Hermann von CfllL Er begab sich Mitte April aus dem 
königlichen Lager unweit Udine nach Capodistria, um mit den 
Abgesandten der Signoria über die Präliminarien schlüssig zu 
werden. Die eigentliche Friedenshandlung sollte in Triest vor 
sich gehen ^^). 

K. Sigmund, einer der vielgeschäftigsten und reiselustig- 
sten Herrscher aller Zeiten, zog von Friaul nach Tirol, von da 
nach Graubündten und über Bellinzona den alten Beichsweg 



«•) Fej^ X, 5, 279 --285. Dlogosch XI. Bach S. 325. 
^) Manzano a. a. 0. 252, 254. 



— 123 — 

in die Lorabardd. Zu Lodi traf er mit dem Papste zusammen 
und hier ward das Concil nach Kostnitz, in die alte Reichsstadt 
am Bodensee, ausgeschriebal. Sodann begab sich der König im 
Sommer des J. 1414 aus Italien in die Schweiz, von da über 
Strassburg an den Rhein bis Aachen und von da gegen Ende 
des Jahres zurück an denOberrhein^ in die Concilstadt Gonstanz, 
wo Sigmund mit glänzendem Gefolge den 24. Dezember, am 
Weihnachtstage, sdnen Einzug hielt. 

Wir wissen nicht, ob der Graf von Cilli seinem königli- 
chen Schwiegersohne auf dessen wdtwendigen Reisen das Ge- 
leite gab; so viel aber ist sicher, dass sich im Gefolge Sig- 
munds und seiner Gattin Barbara nach Gonstanz Graf Her- 
mann II. und sein Erstgeborner, Friedrich 11. befanden. Ihrer 
gedenken als vornehmer Gäste in der Goncilstadt die gleich- 
zeitigen Quellen und spätere wissen von dem Turniere zwischen 
dem Junggrafen von GiUi und Herzog Friedrich von Tirol zu 
erzählen, in welchem jener den Sieg davon getragen habe. Es 
war dies jenes Waffenspiel, woi'an sich die verhängnissvolle 
Flucht Papst Johannes XXIII. aus Gonstanz knüpfte (20. März 

1415) *0- 

Viele Wochen weilten somit die Gillier am Grestade des 

Bodensees und noch im Apiil bestätigen Urkunden ihre dortige 

Anwesenheit. Ob Altgrai Hermann U. erst Mitte Juli mit 

seinem k. Schwiegersohne Gonstanz verliess, bleibt fraglich. 

Die nächsten Jahre brachten vielerlei Geschäfte, Erfolge 
und Kränkungen. 

Wir hören im Spätherbste des J. 1417 von Rüstungen 
zu einem neuen Kriege, welche der Graf von Cilli und Pippo 
Solari, Graf von Ozora, Sigmunds Günstling und Feldherr im 



^') S. z. B. das uTidit vonKonstenz'' des glchz. Thomas Prischuch von 
Augsburg in Höfler'B scrr. ser. Luss, fontes VI. Bd. der I. A. 
S. 373r-d74 und Labb^ Acta concU. XYI. Bd. S. 1407 iL 1423, 
1428. Das angebliche Turnier zwischen Friedrich von Cilli und dem 
Tiroler Herzoge s. in Fugger's fihrensp. h. v. Birken S. 418 und 
Tschudi's Chronik 11. 0. Buoh 6-7; irriger Weise wird der Käme 
Hermann statt Friedrich angeführt. 



— 124 — 

▼enetianisclien Kriege, zu besorgm hatteit Es Uieb aber bei 
diesen kriegerischen Gerüchten **). In diesem Jahre traf den 
Altgrafen ein herber Yeilust, der Tod seines dritten Sohnes 
Ludwig, dem in erster Linie das Ortenburger Erbe in Aussicfat 
stand '*) und der war nkht so leicht zu Terschmensen, als dies 
bei der unliebsamen Kunde von dem ehelichen Zerwttifhiss 
zwischen K. Sigmund und seiner Gattin, Hennann's Tochter, 
zwei genussüchtigen Naturen, der Fall sein mochte. Denn diea 
Zerwürfoiss, das allerdings 1419—1420 eme Ifingere Verban- 
nung der Gattin und schnldlos^i Toditer des KOnigs nach 
Ostungam, unter den drückendsten Verhältnissen, zur Folge 
hatte, zeigt sich um 1421 wieder buchen *^). Es war diea 
zur Zeit, als die Verlobung und Heirat der Königstochter 
Elisabeth mit Herzog Albrecht V. von Oesterreich dem Ab- 
schlüsse nahe war, wobd Hermann als Grossvater der Braut 
den hervorragendsten Unterhändler und Bürgen abgab ^*). 

Aber gerade jetzt, wo wir den Landerbesitz des Hauses 
in fortwährendem Steigen erblidcen, so vor allem durch das 
Aussterben der Ortenburger, womit ihr schönes Erbe in Kärn- 
ten und Krain, in letzterem besonders die Gotscliee an ihre 
Verwandten die CiUier gedidi^*), so dass^sie sich fortan Graf^ 
von coli, Ortenburg und im Seger schrieen, gerade jetzt, wo 
das Ansehen Hermann's IL und seines Hauses im Höhepunkte 
stand, brach über dassdbe eine Famüientragödie herein, die 
den tiefsten Schatten auf all' diesen äusseren Ghuiz wirft 



**} S. Aschbadi a. a. 0« II. 445. lieber den Friaaler Krieg s. Manzano 
VI. 284. 

") Vgl. Frötich'B Geneal. S. 100. 

»«) Vgl. darüber m. Abb. im 8. Jabrg. der Btr. z K. st. G. Note 22. 

»') Vgl Aschbach II. 393, 3. J&nner 1418. 

**) lieber das Aussterben der Ortenburger Tgl. Hermann's Gesch. Kärn- 
tens I. 127 £ Apostelen hat eine Urkunde (I, 117) verzeichnet, wor- 
nach K Sigmund bereits 1420, Mitwoch nach Mathiä, also den 28 Fe- 
bruar, seinen Schwäher Hermann von Cilli mit der Grafschaft Orten- 
burg belehnte. Dies mnss also eventuell geschehen sein, denn der 
letzte Ortenburger starb 29. Harz d* J- $. Cftsar Ann, 4ac- 5U 
III. 403, 



— 125 — 

Friedrich, der Erstgeborne, hatte dem Wunsche des Va- 
ters gemäss eine Tochter des reichen und mftchtigra Grafen 
von Yeglia-Modmsch, eine Frangepani, geehUcht 

Ans der Ehe war zu Anfang des 1 5. Jahrhundertes, jeden- 
fidls vor 1406 ein Sohn, Uhieh U^ der Letzte der CSUier, 
entsprossen ^^). 

Ob die Ehe glüddich begann, ob sich anftnglich die Stan- 
desheirat mit anfriehtiger Neigung des Oatten knüpfte, wissen 
whr nicht, aber so viel ist gewiss, dass die zweite Hälfte des 
beheben Lebens höchst ung^addich schloss. 

Graf Friedrieh war eine leidenschaftlich und sinnlich an- 
gelegte Natur. Als er die Tochter eines ärmm^en kroatischen 
Eddmannes, Veronika von Deschnice (Teschenitz) ^^) — wahr- 
scheinlich unter den Dienstfiräuleins semer Gattin ^ kennen 
lernte, entzündete die Schönheit dieses Weibes die staricen 
Begierden des Grafen. Wir wissen nichts Bestimmtes aber die 
Beize der schönen Kroatin, nur die üeberiiderung spricht von 
ihrem blonden Haare und so wäre denn schon darin ein Art 
Seitenstack zur unglackliehen Agnes Bemauer gefunden. fVied^ 
rieh war kein Jüngling mehr, er hatte längst schon die Schwelle 
des reiferen Mannesalters überschritten, wir mOssen ihn min- 
destens als hohen Vierziger denken. Aber gerade den rei- 
feren Mann voll starker sinnlicher Triebe erfasst, wie die Er- 
fahrung lehrt, eine solche Leidenschaft mächtiger, verzehrender, 
wie dies in Jugendjahren der Fall ist und es scheint, dass 
Veronika sich den Bewerbungen des Grafen nicht leichtfertig 
ergab imd eben desshalb die Leidenschaft desselben verhäng- 
nissvoll erhöhte. 



>^) Aeneas Sylvias bist Frid ed. Eollar Annal mon. II. 46S, hisi Boh. 

66. cap. nennt den letzten Cillier, als er ermordet wurde, einen FOnf- 

siger, nnd das geschah 1466. 
^") Eberh. Windeck 129. Cap. nennt sie nicht mit Namen, sondern 

spricht nnr von ihr als einem „Sloffweibe** des Grafen Friedrich. 

Atneas Sylvms: de sita Enr. cap. 17 kennt den Kamen Veronika. 

Hanptqnelle ist da die CilHer Chronik 10. 11. 12. Cap b. Hahn 

681-686; Cäsar 47 61. Doch bietet Eberhard Winderk höchst 

wichtige Ergfinzungen 



— 126 — 

Aefat Jahre, sagt eine zeitgenössische Quelle, wenn wir 
ihr trauen dürfen*'), habe sich unter solchen Ywhiltoissen 
das eheliche Zerwttrfiuss der beidm Gatten, Friedrich und 
Elisabeth, fortgeschleppt und der Gillier, der b^eits vom Vater 
einaü besonderen Hofhalt und Gttterbedtz ausgewiesen ertialten 

— sein Weib vollständig gemieden, als die beiderseitige Ver- 
wandtschaft, mn dem Aergemiss zu begegnen, eine Aussöhnung 
bewirkte. Es war ein Scheinvergleich, von dem die Herzen 
nichts wusst^ ; die Gräfin soll ihre Todesahnung am Tage des 
Ausgleiches offen ausgesprochen haben'®). Näcfastan Moigais 
fand man sie todt im Bette und alle Welt sprach davon, der 
Graf sei zum Mörder seines Eheweibes geworden. Jedenfalls 
vermochte er nicht die Beschuldigung zu wideriegen * *). Dieses 
grause, noch immer nicht aufgehellte und wohl auch nie voll- 
ständig aufklärbare Ereigniss war der Vorbote eines zweiten, 
der geheimai ehdiehen Verbindung mit Veronika von Deschnic. 
Eberhard von Windek, der zeitgenössische Ges<^chtsdireiber 
und IM^er K. Sigmunds, kennt sie nur als „Stofweib'' d. L 
als Ooncubine des Grafen; die Gillier Chronik und das Gei- 
racha* Todtenbnch lassen aber die nachträgliche geheime Ehe 
nicht bezweifeln *'). 

Nach diesen Quellen hätten wir die Katastrophe um 1424 
anzusetzen, was sachlich auch besser passt als das Jahr 1422 

— in wdchem, wie wir wissen, Altgraf Hermaim IL sei^ 
neu königlidien Schwiegersohn zum Congresse mit K. Vladislav 
von Polen nach Käsmaiic in der Zips begleitete *% wie das aus 
der Gillier Qironik bervoigeht 



>*) Eberhard Windeck a. a. 0. 

^) Ebenda — „ich weis woU, das man mich morgens bei meinem bem 

tot vindef«. 
*^ Die Gillier Chronik sagt: das allgemeine Gerächt habe den Grafen 

Friedrieb als Mörder beseicbnet. Aucb das Weitere spricbt dafür. 
*>) Im Geiracber Todtenbucbe, dipl Styrie L S. 882 beisst es: 17. Okt 

D. Veronica comitissa Cib'ae. 
**) Eberbards von Windeck Zeitangabe Aber die Anklage des Cilliers in 

Ofen durcb dien Vetter der Ermordeten ist zu genau, als dass sieb 

daran, also an dem Jabre 1424, zweifeln liesse. Anderseits lässt sieb 



— 127 — 

Der Ältgraf hätte vielleicht dem Sohne den Mord seiner 
Gattin eher verziehen als die geheime Ehe, tief unter dem 
Range, nach Hermanns stolzen Begriffen; eine Ehe, der ein 
Verbrechen voranging. — Friedrich mochte wohl das Scfalinunste, 
namentlich für Veronika, befahren, darum barg er sie vor 
dem Zorne des Altgrafen — und entwich an den Hof seines 
königlichen Schwagers nach Ofen, bis der erste Sturm des 
v&terlichen Zornes sich gemildert haben würde **). Hier aber 
trat ihn der Neffe der ermordeten Frau, Hans von Veg^a- 
Modrusch, als öffentlicher Ankläger und Famüienrächer entgegen 
und forderte ihn zum Zweikampfe, obschon, wie er sagte, 
der „Bettmörder" seines Eheweibes, eines solchen Kampfes 
eigentlich unwürdig sei *^). Es gab ^e für K. ^gmund und 
seine Gattin höchst peinliche Scene. Der Zweikampf wurde 
hintertrieben und der vornehmste Gast des Hof lagers, IL Erich 
von Dänemark sollte den bösen Handd richten **). Wir erfahren 
über diese Bichtung nichts, wohl aber bekam das Weitere dem 
Junggrafen von Cilli übeL Er wurde von seinem königlichen 
Schwager als Verbrecher in eiserne Bande geschlagen an 
den zürnenden Vat^r ausgeliefert*'). Dieser warf den Unge- 
rathenen in festes Gewahrsam auf der Burg Ober-Cilli und 
war entschlossen dem Erstgebornen all seine Besitzungen 
und Rechte zu entziehen*^). Um diese Zeit hatte der zweite 
gebome Sohn Hermann HL nach dem Tode saner Gattin 
aus dem Hause Abensberg eine zweite Ehe geschlossen, die 
den Wünschen des Altgrafen vollkommen entsprechen musste. 



schwer uinehmen, dass, wenn 1422 die Ermordung der QrUfin statt- 
fand, zwei Jahre darüber verstreichen konnten. Ueber den Käs- 
marker Congress s. Aschbach in. 8. 178. 

*^). Diese Oombination liegt nahe, wenn man den chronologischen und 
pragmatisdien Zusammenhang der YorfUle in Auge behalt. 

») S. £. Wmd^ek a. a. 0. 

**) Sigmund kehrte von der neuen Hochzeitsfeier WladLslaws von Polen 
im Mai 1424, vom Dftnenkönige Erich begleitet, nach Oüen henn. 

•?) GOl. Chr. Hahn 688-684, Cftsar 49. 

-) Von 1424--1429 verschwindet Graf Friedrich aus den Gülier Ur- 
kunden. Erst s. 1429 wird er wieder genannt. 



— 128 ~ 

Er ehelichte nfimliGh die Toditer des Herzogs Ernst von 
Baiem, die Wittelsbachenn Beatrix**). 

Was lag ntther als dar Gedanke, den Erstgebornen ganz aus- 
zuscUiessen und Hennann HI. die ganze Erbschaft zuzuwenden. 

Aber bald traf den Altgrafen ein harter Schlag, der seine 
Entwürfe kreuzte. 

Sein zweitgebomer Sohn Hermann IQ. starb eines plötz- 
lichen gewaltsamen Todes. Unweit Badmannsdorf, im Krainer 
Lande, starzte er vom Pferde und verschied alsbald (1426, 
30. Juli), in der Vollkraft der Jahre '''*). Er hinterliess keinen 
Sohn, nur eine Tochter Margarethe, die um 1430 den Grafen 
von Mondort »Pfannberg ehelichte und als letzter weiblicher 
Sprösding des Hauses Cilli, zum zweitenmale, mit dem H^- 
zoge von Glogan - Teschai, vermlllt und abermals Witwe ge- 
worden, starb ^% 

So stand denn die ganze Cillier Erbschaft auf vier Augen. 
Auf dem Erstgebornen, dem der Vater noch nicht verziehen 
und auf dem Enkel Ulrich, Sohne Friedrichs und der unglttck- 
licben iSisabeth, ruhte die Zukunft des Cillier Hauses. Das 
mochte den eisern» Sinn des Altgrafen mürber machen, um 
so mehr, als mit dem Testamente Stefens Tvartko, des Königs 
von Bosnien (v. 2. Sept 1427X eine neue bedeutsame Aus- 
sicht, ein Thron in den Suddonauländem, winkte. Dies Testament 
bestellte nfimlich zu Erben des Reiches Hennann H. als Sohn 
einer bosnischen Prinzessin und dessen Nachkommenschaft ^*). 

Aber nicht so rasch konnte der Altgraf die Schmach ver- 
gessen, die sein Sohn auf sich gehäuft hatte. Vielleicht gedachte 
er, mit Umgehung Friedrichs, dessen heranreifenden Sohn Ul- 
rich, Hermann's H. Enkel, zum Erben zu bestellen. 



•^ Der Heiratspakt mit der Wittehbarherin, Toditer H Emst's, Pfalz^ 
grafen, b. R. d. v. 4. Febr. 1424, Salzburg. Apostelen 8, 177. 

"•«:) Der Tod Hermann's III vor 1427, also wobl 1426 steht fest. Vgl 
Frölicbs Genealogia 8. 97. 

*") Der Erbschaftsyerzichtbrief M argaretba's , T. Hermann's III. als 
Gattin des MontfoHers d« v. 6. Mirz 1480. Apostelen 8, 178-479. 

«) Vgl Aschbach UI. 8. 273. 



— I2d — 

Zählte doch Ulrich schon mindestens 17 — 18 Jahre und 
' erscheint um 1428 urkundlich als Verleiher eines Dorfes an 
das Lieblingsstift des Gross vaters, Plettriach in Krain; Aus- 
drücklich wurd diese Ortschaft als Erbe sdner Mutter bezeichnet 
und erw&hnt, sein Vater Friedrich habe sie bereits dahin ver- 
gabt So scheint es denn, als träte Ulrich n. an die Stelle 
seines Vaters'*). 

Doch die verwickelte Sachlage nahm einen andern Aus- 
gang. — Je mehr die Sorge des Altgrafen um sein Haus 
wuchs, desto furchtbarer ward seine Erbitterung gegen Vero- 
nika von Deschnic. Ihr wurde alle Schuld des Unheils aufge- 
lastet; der Altgraf ruhte nicht, bevor er dieses Opfer seines 
Grimmes in Händen hatte. Mit ergreifender, schlichter Leben* 
digkeit berichtet die Cillier Chronik den Schluss der CiUier 
Familientragödie '*). Mit kleinem Dienergeleite irrt Veronika 
von einem Zufluchtsorte zum andern, um den Verfolgungen 
des Altgrafen zu entgehen; selbst in Wäldern sucht sie ein 
zeitweih'ges Versteck. Doch die Späher des Altgrafen entdecken 
sie endlich und zerren sie aus dem letzten Zufluchtsorte bei 
Pettau hervor. Nun ist sie in der Hand des unversöhnlichsten 
Feindes. Sie soll den Tod finden, aber verurtheilt als Hexe, 
Zauberin, die mit unlauteren Künsten den Sinn des Junggrafen 
Friedrich berückt habe. 

Der „Vorsprech" oder Sachwalter wusste jedoch das Nich- 
tige solcher Anklage so klar zu machen, dass die Richter über 
die Angeklagte das Nichtschuldig sprachen. Es gehörte Herz 
und Mannesmuth zu solchem Urtheil, denn der allmächtige 
Grundherr wollte um jeden Preis die Verurth^ung des 
blind gehassten Weibes in dieser Form, um die Schmach von 
dem bezauberten Solme auf die ränkevolle Zauberin zu wälzen. 
Als dieser Streich fehlschlug, gab es nur ein Mittel, die Ilache- 
lust des Altgrafen zu stillen, Veronika's Tod. Sie wurde zu 



") Graf Ulrich von Cilli ividmet dem Kl. Pletrinch das Dorf Wraslas- 
dorf in der Metlik, wie es sein Vater Friedrich gewidmet. 1428 . . . 
(Orig : landsch. Arch. 6175) Als Zeuge erscheint Altgraf Hermann. 

'*) Cill. Chr. b Hahn S 683-C85 Cäsar c. 49-51. • 

9 



österwitz, auf der CQlier Veste des Santhales, im Bade er- 
tränkt Den 28. Oktober „starb Veronika die Gräfin von CiUi" 
heisst es wortkarg im Todtenbuche der einstigen Earthause 
von Geirach^^) in Untersteier, wohin Graf Friedrieb nachmals 
die Reste des heissgeliebten Weibes beisetzen Hess. Das Jahr 
ist nur vermuthungsweise auf 1428 zu setzen. Wenigstens 
stimmt es am besten mit der Chronologie der anderweitigen 
Ereignisse. 

Das war das Ende der steiermärkischen Agnes Bemauer. 
Sie büsste wohl fremde Schuld und als habe das Geschick dies 
Stthnopfer begehrt, um dann gesättigt einzulenken, - verwirk- 
licht sich auch bald die Aussöhnung zwischen Vater und Sohn, 
dessen schwere Erkrankung in der Kerkerhaft — „vor Herz- 
leid** sagt die Chronik — den Altgrafen auch milder stimmen 
musste. Es scheint, als habe der Einfluss &. Sigmunds, viel- 
leicht Barbara's Fürsprache, dem Gefangenen die Kerkerthüre 
geöfibet, — wenn nicht der Ausspruch des Arztes, diese Haft 
würde tödtlich enden, das seinige gethan. Nach der Cillier 
Chronik habe K. Sigmund für den Schwager die Statthalter- 
schaft im fernen Burzen lande Siebenbürgens ausersehen. Graf 
Friedrich sei jedoch zu spät bei dem Könige eingetroffen und 
die Würde bereits vergeben gewesen • •). Urkundlich wissen 
wir, dass Graf Friedrich den 29. April 1429 zu Pressburg 
„wegen seiner vielen Verdienste um die Krone" das Schloss 
Krupa in Slavonien zu erblichen Besitz erhielt ' ^). Er sei dann 
aus Ungarn heimgekehrt; der Vater jedoch nicht sogleich 
bereit gewesen, ihm die entzogenen Güter und Schlösser zurück- 
zugeben. Zwei Jahre habe er in einer Art Verbannung in Rad- 
mannsdorf verlebt '' ^) und sei dann entschlossen gewesen, eine 
Pilgerfahrt nach Rom zu unternehmen, offenbar zur Sühnung 



") 8. 0. Note 62. 

'•) Cill. Chr. — Hahn 686 - 6. Cäsar 51-52. 

'''') 1429, 29. April, Pressbnrg — K Sigmund schenkt wegen r. vielen 

Verdienste (ob multiplicia ipsius merita) — dem Grafen Friedrich 

das castrum Cmppa. — (Apost 8, 179 nro. 65.) 
") Cill. Chr. t a. 0. 



-^ 131 — 

schwerer Schuld. Aber auf der Fahrt gerieth er in die Ge- 
fangenschaft des Markgrafen vonFerrara und musste aus der- 
selben von seinem Schwager, Grafen Heinrich von Görz, gelöst 
werden ' •). 

Der Lebensabend Hermann's II. nach dem furchtbaren 
Gewitter, das sein Haus heimgesucht hatte, lässt sich in kurze 
Daten zusammenfassen. Es fehlte nicht an äusserem Glücke, 
aber der tiefe Missklang in der Familie liess wohl ein behag- 
liches Zusammenleben nicht aufkommen. 1430 den ersten Mai 
erhob zu Pressburg K. Sigmund die drei Grafen von Cälli: 
Hermann H., Friedrich IL und Uhich IL in den Stand der 
ungarischen Reichsbarono ^^). So treten die CiUier immer mehr 
in den Kreis der Interessen Ungarns und dahin neigt sich der 
Schwerpunkt ihrer politischen Bedeutung. Das slavonische 
Banat Hermann's U., die eigenthümlichen Befugnisse und An- 
sprüche, welche die Cillier fortan dem Agramer Bisthum gegen- 
über festhalten, ihr Streben, in dem slavonischen Gebiete die 
tonangebende Rolle zu spielen — findet seine Ergänzung in 
den Ansprüchen auf das bosnische Reichserbe und in der ge- 
wiss noch in Hermann's H. Tage fallenden Verbindung seines 
Enkels Uhrich H., des letzten Cilliers, mit Katharina, der Tochter 
des Fürsten Georg Brankovics von Serbien®*). — So kommt 
es, dass ein vom Hause aus deutsches Adelsgeschlecht, das 
allerdings mit dem Hauptkeme seiner Besitzungen in der 
windischen Steiermark wurzelte, in die Geschicke der südlichen 
Slavenwelt verflochten erscheint, ohne dass jedoch seine national- 
slaviscihe Tendenzpolitik nur im geringsten erweislich wäre. 
Eine solche war damals an sich unmöglich, doppelt unmöglich 
bei den CiUiern, welche bis zu ihrem Erlöschen den Grundzug 



'*») Ebenda. 

w>) Ulk. d. 1. Mfti, 1430 Pressburg. Chmerft Mater. S. 16. 

**) Dies scbeint daraus ersicbtlicb, dass der Tod der beiden Söhne Ul- 
rich's II., Georg's und Hermann's um 1444 - 1452, ja nach einer 
allerdings schlechten Yaiiante, der Cillier Chronik i. J. 1423—1434 sich 
ereignete. Ueberdies zählte ja Ulrich II., als der Grossvater starb 
mindestens 29 Jahre und die Cillier säumten mit der Ehe nicht. 

9* 



— 132 — 

deutsclieii Wesens nie yerläugnen, es war eine rein territoriale 
Frage, die die Cillier im Süden der Denan zu lösen sich an- 
schickten. 

Aber diese Lösung fand auch bedeutende Gegner. In 
Slayonien war man auf die Banalgewalt Hermanns IT. nicht 
gut zu sprechen. Mächtige Familien betrachteten den Macht- 
au&chwung der Cillier nicht ohne Eifersucht, so z. B. die 
Blagaj, deren Fehden mit den Cilliem sich Qber die Zeiten 
Hermann's n. ausdehnten *') ; später das Haus der von ThaDöcz. 
Aber auch die verschwägerten Frangepani, die Herren von 
Yeglia - Modrusch, waren solchen Regungen nicht ganz fremd. 
Einen kitzlichen Punkt bildete auch die Amtsgebahmng des 
CiDiers als Banus. Er scheint ein Freund strammen Regimentes 
gewesen zu sein. Jedenfalls ist eine Urkunde v. J. 1427 
höchst bedeutsam. Darin erklärt K. Sigismund, Graf Hermann, 
sein Schwiegervater, fbhre Beschwerde aber die Beschuldigung, 
dass er als Banus Gewaltmassregeln gegen Adelige und Nicht- 
adelige sich habe zu Schulden kommen lassen, insbesondere 
wider die Blagaj und bitte für jeden Fall um den Schutz und 
Schirm des Königes, den dieser ihm auch gewährte. — Ueber- 
dies grollten so manche ungarischen Reichsstände d^ unge- 
meinen Bevorzugung des Hauses der Cillier durch den König *'). 
Die pfandweisen Vei^bungen Warasdins und der Muraköz 
erschienen als parteiische Verschleuderungen auf der einen und 
unverdiente Bereicherungen auf der andern Seite. So grosses 
Glück musste auch eben so grosse Neider finden und mancher 
Vorwurf war da nicht unbegründet. Unter anderem erscheint 
auch das Verhältniss der Cillier zum Agramer Bisthume un- 
klar und streitig ^^). K. Sigismund wusste jedoch, welche Stütze 



83) 1427, 16. Febr. Taidungs* und Ausgleichsurkunde zwischen Niklas, 

Ladislans u. Anton Gebrfldern von Blagaj, und Hennann von Cflli, 

Ban Yon Slayoniea (Apostelen 8, 827, 9)» 
83) Urk. d. 13. April, FOldvär. Apostelen 8, 236, 66. tört ikr IX. S. 

139—140; nr. 99. 
*^) Es war ein Yogtei-, Patronats- und Coac^juturs^ Verhältniss. Vgl. u. 

Anderem die Urkunde y. 4. April 1425, wonach das Agramer Dom- 



— 133 — 

er an Hermaim IL fand, er wusste, dass die GiUier durch 
das starke Band der Interessen an ihn gefesselt sden, darum 
begünstigte und schützte er sie auch. — An Streitigkeiten 
mit dem Hause Habsburg fehlte es auch nicht, ihr Keim war 
schon durch die oben angedeutete reichsgräfliche Sonderstel- 
lung der Cillier s. 1341—1372 gegeben. Die Habsburger gaben 
wohl 1372 ihren Willebrief dazu, aber in ihren Augen blieben 
die Cillier dennoch Lehens- und Dienstmannen Habsburgs in 
Steiermark, Kärnten und Krain und das waren sie denn auch 
wirklich. So mussten sich denn m diesem gemischten streitigen 
Verhältnisse Zwiste und Händel vorbereiten, wie solche zu Ende 
des 14. Jahrhunderts zwischen den mit Cilli verschwägerten 
Schaunbergem in Oberösterreich und den Habsburgem aus- 
gefochten wurden. Spuren jener Streitigkeiten treten in der 
Epoche Herzog Emst's des Eisernen (1406— 1424, > und in den 
Tagen Herzog Friedrichs IV. (1424 — 1436) uns vor Augen *^j. 
Schon die langwierigen Streitigkeiten mit dem Kloster St Faul 
in Kärnten, mit dem Gurker Bisthum, dessen Lehensträger 
die Cillier waren, mit Bamberg, dem in Kärnten so reich be- 
güterten Hochstifte ~ boten zugleich Anlässe zu Konflikten 
mit den Habsburgem ^% Das Verhältniss der Cillier und Habs- 



kapitel den Grafen Hermann v. Cilli zum „Bruder^ und „ Genossen^ 
aufnimmt (Apostelen 8, 178, 62). Unter Grafen Friedrich II. kam es 
zu immer yerwickelteren Streitpunkten in Hinsicht des Einflusses der 
Cillier auf das Bisthum. 

*^) Vgl. den belehrenden Abschnitt über die Cillier im I. Bde. der Gesch. 
K. Friedrichs lY. und Maximilian s von ChmeL —1425, 25. Febr. Wien. 
Compromiss zwischen Herzog Friedrich Yon Oesterreich und Al- 
brecht y., ausgetragen in Hinsicht der Streitigkeiten Friedrichs mit dem 
Grafen Hermann v. Cilli und dessen Fehde mit Bamberg. 1430, 
24. Febr 1432, 20. Juni, Cüli; 1433, 6. Jänner. 1438, 15. AprU 
Verträge zwischen Herzog Friedrich dem altern, ü Friedrich dem 
Jüngern (V.) auf der einen nnd Hermann II. und seinem Hause auf 
der andern Seite, über frühere Streitigkeiten, Güter und Erbverhält- 
nisse. (Apostelen 8, 237 — 38; nr. 70 -72 u. Chmel an. 0. 1 S. 149 
Bezüglich der Beibungen unter H. Ernst d. £. s. w. u. n. 86.) 

^^ üeber die Streitigkeiten mit S. Paul — s. die Notizen zu den J. 
1408, 1416; 1421 • . io dea Stiftsftnonlen, veröff. ^auszugsweise y. 



— 134 -- 

barger wird gewissennassen zu einer elektrischen Spannung, 
die sich dann nach Hermann's II. Tode der äussersten Grenze 
näherte und in stärkeren Schlägen entlud. 

Im Jahre 1433 wurde sein Schwiegersohn, seit 1419 Erb- 
könig Böhmens — wenn gleich als solcher erst 1435 nach 
dem Austoben der Hussitenkriege allgemein anerkannt, — mit 
der Kaiserkrone geschmückt und sein Enkel Ulrich darf schon, 
wie gesagt, bei Lebzeiten des Grossvaters, als Gemal der serbischen 
Fttrstentochter Katharina gelten, deren Schwester im Harem 
Sultans Murad eme bevorzugte SteUung einnahm"'). 

Immer höher mochten sich die Blicke des Altgrafen 
schwingen, wenn er die glänzenden Verwandtschaften seines 
Hauses und die Fülle von Gutem in der Steiermark, in Kärn- 
ten und Krain, in Ungarn, Slavonien, in Ober- und Nieder- 
Oesterreich überschaute •"). 

Er befand sich eben bei seinem kaiserlichen Eidame zu 
Pressburg, als ihn, den geistig rührigen und körperlich noch 
immer nicht gebrochenen Mann — der Tod — im hohen 
Greisenalter, den 13. Okt. 1435, ereilte '"). 



Ankenhofen im S. J. des Arch. f. G. KUrntens 1856 S. 22-23 . . 
1408 bot Herzog Ernst den LandeBhauptmann Welser gegen die Cil- 
lischen, unter dem Mautenberger Vogte, Ott Pergauer, auf. Von der 
Fehde mit Bamberg handelt die oben citirte Urkunde ▼ 24 Febr. 
1430; vgl. die v. 25. Febr. 1425 n 85 

^') Von der Verwandtschaft der CiUier mit dem Sultan Amurath handelt 
die Stelle der CiUier Chr. b. Hahn 710. 

*") Diese Gftter finden sich, allerdings ftir die Zeit des Aussterbens der 
Cillier, in der Cillier Chronik b. Hahn S. 746-747; Cäsar 142-143 
verzeichnet. Die Hauptbestilnde waren bereits unter Hermann II. 
beisammen. 1894 z. ß. erscheint auch als Besitzer von Mödling 
(Mediich) in N. Oe. Hermann II. (s die Urk in den fontes rer a 
II. A 16 Bd S. 887-88) 1411 -U12 Uebereinkünfte Hermann's II. 
als gewesenen Vormundes seines Schwagers, Hanns von Schaunberg, 
Über eventuelle Erbanfälle; s. Stülz ftber die Schaunbnrger im XII Bde. 
der Denkschrr. bist. ph. S. Regg. z. den J. 1411-1412. 

»•) Cillier Chronik b. Hahn 686—688, Cäsar 52 - 54, nur ist das Jahr 
1434 unrichtig statt 1435 angesetzt. Die Urkunde v. J. 1485 b Ka- 
tona XII. 690,1 ist daftir entscheidend. 



— 135 — 

Die Leiche wurde in seiner Lieblingsstiftung, in der Karth- 
ause Neustift zu Pletriach, im Krainer Lande, beigesetzt. 

Graf Hermann 11. war kein karger Gönner der Kirche. 
Dies beweisen seine frommen Stiftungen, die vor Allem dem 
Karthäuser- und Minoritenorden sich zuwandten und es fehlte 
auch nicht an Anerkennungen dieses kirchlichen Sinnes in so 
mancher geistlichen Urkunde **"). 

Die Zeit, welche so viele Denkmale der Vergangenheit 
zerstört, oder in unnahbaren Verstecken geborgen hält, 
schonte doch einer historischen Quelle — bei allen Mängeln — 
für uns von unschätzbarem Werthe; — es is t di e Chronik 
der Grafen von Cilli^'). In ihrer ursprünglichen Fassung 
unzweifelhaft noch dem 15. Jahrhunderte angehörig und — 
nach Allem zu schliessen — nicht gar lange nach dem blu- 
tigen Ausgange des letzten Cilliers aufgezeichnet, — erscheint 
sie als das Werk eines Mönches der Karthause von Pletriach 
oder noch eher vielleicht des Minoritenklosters in CillL Was 
ihr aber für unsem Zweck einen erhöhten Werth verleiht, ist 
der Umstand, dass der unbekannte Verfasser in der Ein- 
leitung besagt, er habe seine Chronik „zu Eren und zu einer 
Gedechtnus" des Grafen Hermann abgefasst, desselben Cilliers, 
der seine Ruhestätte in Pletriach fand, den die Chronik als 
scharfen Aechter der Juden preist und dessen bewegtes Leben 



^ Ueber die Schenkungen Hermann's IT. an die Klöster der genannten 
Orden b. das Diplom. Styrie — f. die Stifter Geirach, Seiz. Doti- 
rangen für Pletriach z. B. in den Urkk. v. 1429 22. Jänner, 28. März 
(landsch. Arch. Gopien); für die Pfarre S. Stephan z. h. Kreuz b. 
Laudstrass (Marian-Fiedlers Oe. Klerisei 7, 24.— 3) f. die Kirche zu 
Pöltschach in Kärnten (1430, 22. Jänner, landsch. Arch Cop.) .... 
1391, 2. Sept. Seiz. Prior Johann von Chartreuse gewährt den Grafen 
Ilermann und Wilhelm von Cilli für ihre Verdienste um den Karth- 
äuserorden einen Jahrtag in den Klöstern Seiz, Geirach und Fränitz 
in Krain. — 1422, 30. März, Padua (Apostelen 8, 92, 66) gewährt 
der Minoriten - Ordensgeneral Franz Angeli von Siena dem Grafen 
Ilermann die Begtlnstigung, dass er immer zwei Minoriten als Ka- 
plane bei sich haben und einen der Ordenspriester zum Quardian 
des Cillier Klosters bestellen könne. 

*0 Ueber diese wichtige Quelle vgl. die beiden Note 4 und 6 cit. Abh. 



— 136 — 

den Mittelpunkt ihrer Darstellung bildet Er gilt ihr als from- 
mer Mann, als „rechter Sttner und Friedmacher zwischen Armea 
und Reichen« •'). 

Und nicht mit Unrecht erscheint diese CSuronik dem An- 
denken dieses Cilliers gewidmet. 

Denn Hermann n. steht so recht da als der Haupttaliger 
des Gedeihens, der wachsenden MachtfÜUe seines Hauses. Er 
gab ihm den Anstoss und die Mittel zur allgemeinem Geltung. 
Er pflanzte den Baum des Cillierglückes und durfte noch in 
dessen Schatten ruhen. 

Mag uns die ehrgeizige harte Sinnesart dieses Mannes, 
dies rast- und rücksichtslose Ringen nach Ehre und Besitz, 
dies völlige Aufgehen in den Forderungen der Aussenwelt — 
ohne alle sichtliche Weihe zarterer Empfindung — wenig an- 
muthen, ja bis zur Abneigung verletzen; der Zug grosser be- 
harrlicher Thatkraft, der hohe Schwung seiner Lebenspläne, 
das Gewaltige der ganzen Persönlichkeit zwingen doch ander- 
seits zur Anerkennung seines bleibenden geschichtlichen Werthes. 



••) Die betreffenden Stellen der Gillier Chronik b. Hahn. S. 666, 680, 
686. — Das S. 680 über die Verbannung der Juden aus dem Gre- 
biete der Ciüier Gesagte wissen wir nicbt näher festzustellen. -Den 
Nachruf fasst 686 die Gillier Chronik in die Worte zusammen : i,Nach 
dem was grosse klag, dan Er was gar ein frommer Mann und ein 
rechter Süner und Friedmacher, wo er mocht, zwischen Armen und 
Reichen. ** 



— 137 — 



IV. 

Ein Yehmgerichts-Process aus Steiermark. 

Von 

Dr. Ferdinand BischofT. 



Ubgleich die westfälischen Yehmgerichte berechtigt waren, 
unter gewissen Beschränkungen ttber Klagen aus allen deutschen 
Ländern zu richten und von dieser Befugiuss einen sehr aus- 
gedehnten Gebrauch gemacht, ja sich nicht gescheut haben, 
selbst über Klagen ausserdeutscher Unterthanen zu entschei- 
den, fehlt es doch bisher fast gänzlich an Nachrichten über die 
velumgerichtliche Wirksamkeit in den deutsch-österreichischen 
Erbländem*). Am meisten davon besitzen wir aus Tirol, ob- 
wohl längst erkannt worden, dass das s. g. Gericht der Wis- 
senden, von welchem Wigulejus Hund m seinem bairi- 
schen Stammbuch (ü. 410) Erwähnung thut, zu den Yehm- 
gerichten in keiner Beziehung steht Aus den interessanten 
Mittheilungen von J. Ladurner (Archiv f. Gesch. und Alt 
TiroPs, Y, 193 fg.) erfahren wir von Berufungen tirolischer 



*) Ein Zeugniss solcher Wirksamkeit in Wien s. bei Uormaie r, Gesch. 
Wien's, Urkundenbach Nr. 93 ; aach Koch, Chrono]. Gesch. v. Oestr. 
J. 1441; Pfister, Gesch. d. Deutschen, III. 620. Was unter der 
„Feem des Fttrstenthums u. d. Enns** (Koch, a. o. 0. z. J. 1465) 
za verstehen sei, wäre zu ontersachen; keines&lls bedeatet dies: 
westfäL Yehmgerichte. — Die Argumentation Herrn an 's, Gesch. 
V. K&rnten IL 842 für vehmgerichtliches Wirken in Kärnten scheint mir 
wenig überzeugend. — Auch der Umstand, dass im furstbischöfl. La- 
vanter Archive ein Codex mit der Amsberger Reformation sich be- 
findet (s. Beiträge f. Kunde steir, Gesck-Quellen IV, 143) beweist 
nichtSr 



I 



— 138 — 

ünterthanen durch westfälische Vehmgerichte in i J. 1429 bis 
1431,1438,1476 und 1482, wie auch vom Vorhandensein zahlrei- 
cher Vehmschöffen in Tirol, unter welchen sich der Bischof von 
Brixen, der landesfürstliche Landrichter zu Gries, der herzog- 
liche Pfleger auf Hocheppan u. s. w. befanden und erachten 
es hienach für wahrscheinlich, dass Tirol zu jenen Ländern 
gehört, welche zeitweilig recht arg von den Yehmgerichten 
heimgesucht wurden. Dafür spricht auch die von Ladurner an- 
geführte BcsteUung des Albrecht v. Menkcrshusen zu Bomholt 
durch den Herzog mit der Verpflichtung, dessen Ünterthanen, 
falls sie mit den Vehmgerichten zu schaffen haben, hilflich und 
heiständig zu sein, und die von Ladurner Übersehene Urkunde 
K. Friedrich's IIL v. 26. Juni 1475 (Schrötter, Oester. 
Staatsrecht, I. S. 214), in welcher der Kaiser über Be- 
schwerden des Herzogs Sigismund von Tirol 
Vorladungen österreichischer Ünterthanen vor die w. t Vehm- 
gerichte verbietet — was übrigens nicht viel geholfen zu 
haben scheint So dürftig diese Nachrichten aus Tirol sind, so 
sind sie doch — wenn ich nichts übersehen habe — reich- 
haltig im Vergleiche mit den diesbezüglichen bekannten Nach- 
richten aus den übrigen deutsch - österreichischen Ländern. 
Insbesondere aus Steiermark wusste man von einem Her- 
eingreifen der Vehmgerichte bisher gar nichts. Auch das st 
Landesarchiv bot bis in die jüngste Zeit weder in seinen Ur- 
kunden, noch in seinen Handschriften irgend welche Auskunft 
darüber. Erst durch die glückliche Entdeckung und archiva- 
lische Ausbeutung des Formelbuches des Ulrich Klenegker '), 
welchem die steiermärkische Geschichtsforschung auch in an- 
deren Beziehungen sehr werthvolle Bcreichenmg verdankt, ge- 
langte das Landesarchiv in den Besitz von drei Urkunden, 
welche bezeugen, dass auch die schöne Steiermark von dem 
gefürchteten unheimlichen Walten der h. Vehme nicht ganz 
verschont blieb. Sie sind die Grundlage der folgenden Mitthei- 
lungen, finden sich unter den Nummern 6758, 6764 u. 6789 a 



<) Uciträge z, Kunde $teierm. Gesch. Quellen I, 10, 



— 139 — 

des JoanneumS'Archivs und werden von mir als Urk. I, 11, m 
bezeichnet werden *). 

Im Jahre 1459 wurden Hanns Ungnad, Leotold v. Stu- 
benberg, Pankraz Rintscheid, Wolfgang Praun, Lienhart An- 
gerer, die Pfannhauser, der Rath und die ganze Gemeinde 
Aus See von Sigmund Rllntl (oder Reindl), den wir später 
etwas näher kennen lernen werden, vor dem Freistulile des 
Wilhelm von der Zünger, Freigrafen in der »freien Krummen 
Grafschaft" zu Wickede •) schwer verkli^ Ueber jede vor 
den westfälischen Vehmgerichten eingebrachte Klage musste 
zuerst durch rechtes Urtheil erkannt werden, ob dieselbe zur 
Competenz des Gerichtes gehöre oder nicht und so geschah 
es auch hier; es ward zu Recht erkannt, dass die Klage eine 
solche sei, über welche zu richten einem Freistuhle wohl ge- 
bühre. Hierauf lud der Freigraf die oben genannten Beklagten 
in gewöhnlicher Weise zu Recht auf den Donnerstag nach 
dem h. Sakramentstag (31. Mai) desselben Jahres, vor ihm 
ihren Leib und ihre höchste Ehre zu verantworten (Urk. I. 
u. U). Da die erste Ladung in der Regel wenigstens sechs 
Wochen vor dem Verhandlungstage erlassen wurde , so dürfte 
obige Klage um die Mitte des April erhoben worden sein. 

Eine Ladung vor die Vehmgerichte war damals noch keine 
gering zu achtende Sache, über welche man sich einfach lunweg- 
setzen konnte, obwohl diese Gerichte bereits in Folge mass- 
loser Ausschreitungen, Gewaltthaten und anderer Schlechtigkeiten 
vieler Freigrafen und FreischöiFen an Ansehen sehr bedeutend 
eingebüsst hatten. Doch war es meistens, namentlich bei Niclit- 
schöffen des Vehmgerichtes, weniger gefähriich, der Ladung 
keine Folge zu leisten, als derselben zu gehorchen; auch 
mochten die Beklagten die Ladung als unbegründet, als eine 
Verletzung ihrer Gerichtsstandesrechte und Privilegien be- 
trachtet und sich so veranlasst gefunden haben, ihren Herrn 



1) Eine Notiz über diese Urkunden gab Archivar Herschel im An- 
zeiger f. Kde. d. Vorzeit, Band VI, S. 216 n. 255. 

') Ueber die freie krumme Grafschaft s. Thierse h, der Ilauptstuhl 
des westfal. Femgerichtes S. 18. — Voigt, a. a. O.S. 63, Note 7. 



~ 140 — 

und Landesjfbrsten um Abhilfe dag^;en zu bitten, der nicht 
leicht dulden konnte, dass seine eigene Marktgemeinde und 
seine eigenen Amileute vor das auswärtige Gericht geladen 
wurden. Aus den Urkunden I und n ersehen wir, dass die 
Beklagten der Ladung nicht gefolgt waren und dass E. Fried- 
rich dem genannten Freigrafen befohlen hatte, vom gerichtli- 
chen Verfahren bei sonstiger Strafe abzustehen, da die Be- 
klagten vom K&ger Ehren oder Bechtens wegen niemals ge- 
fordert worden sind, ihm diese auch niemals verweigert hätten. 

Diese kaiserliche Zuschrift (in welcher, wie nebenbei bemerkt 
werden mag, der Kaiser also selbst die subsidiäre Gerichtsbar- 
keit des Yehmgerichts auch bezüglich seiner Länder Unter- 
thanen und Amtleute noch anerkannte) erwiderte Wilhelm 
von der ZQnger mit einer „gütlichen Antwort^, welche uns 
zwar ebensowenig als das angefllhrte Schreiben des Kaisers 
vorliegt, aber ihrem Inhalte nach, wie dieses, aus einem an- 
dern Schreiben des Freigrafen an den Kaiser (nämlich aus 
Urkunde I) bekannt wird. Damach schrieb Wilhelm von der 
Zünger dem Kaiser, dass die fragliche Angelegenheit sich an- 
ders verhalte, als der Kaiser sie dargestellt habe. Der Kläger 
habe vor ihm ausgewiesen, dass er seine Klage mit Gerichts- 
urtheilbriefen bereits vor des Kaisers Gericht in Neustadt mit 
Becht gewonnen habe; er habe wohl dreizehn mit dem kaiser- 
lichen Siegel versehene Briefe vorgezeigt, womit der Kaiser 
ihm und seinen Gegnern Bechtstage angesetzt hatte und ob- 
wohl er diesen kaiserlichen Ladungen und allen Bechtstagen 
folgsam gewesen sei, wäre ihm doch . sein Becht nicht wider- 
fahren, sondern durch die Beklagten verzogen worden *). 

Unter so bewandten Umständen hielt der Freigraf sich 



*) Ich Bchliesse mich hier und später bei der Mittheilung des Urkimden- 
inhaltes dem Wortlaute der Urkuiden thunlichst ao. Die Urkonde I 
ist eine Vorstellung des Freigrafen W. v. d. Ztlnger gegen das kaiscrl. 
Jnhibitorium; die Urk. II ein Bericht der Grafen W. v. d. Zanger 
u. Hermann v. d. Kchome an den Kaiser Über die Vorhandlung mit 
der Bitte um Anhaltung der Beklagten zur UrtheilserfQllung ; die 
Urk. III eine Vorstellung des H. t, d. K. gegen kaiserl. Verfügungen. 



nicht verpflichtet, dem kaiserlichen Befehle nachzukommen, 
Hess demselben aber doch insofern Berücksichtigung zu Theil 
werden, als ^ — wie dies von den Freigrafen, 4n ähnlichen 
Fällen gewöhnlich geschah — den zur Verhandlung der Sache 
bestimmt gewesenen Bechtstag auf einen späteren Tag, nämlich 
auf den Montag nach S. Jakob (30. Juli) verlegte. 

Die Beklagten folgten dieser Ladung ebensowenig wie der 
früheren. In ihrer Abwesadieit fand am festgesetzten Tage die 
gerichtliche Verhandlung statt, deren Ei^ebniss wir aus Ur- 
kunde n. ersehen. Weil die Beklagten die Ladung nicht ge- 
achtet haben, sind sie mit Urtheil und Becht dem h. Reich 
und freiem Gericht in Strafe und Brüchte verfaUen und hat 
der Kläger sein Recht auf sie gewonnen nach Recht des Ge- 
richtes. Darauf setzte der Freigraf denselben einen weiteren 
Rechtstag auf den Montag nach S. Jobannis Enthauptung 
(3. Sept), damit sie da dem Gericht und dem Kläger leisten, 
was sie von Ehren und Rechtswegen schuldig sind und auf sie 
gewonnen würde. Thftten sie dies nicht, so müsste er die 
letzte Sentenz und Vollgerieht über ihren L^b und Ehre ge- 
ben, als der freien beinüidien Gerichte Recht ist 

Auch gegen diese Vorschritte des westfUischen Gerichtes 
haben die Beklagten vermuthlich des Kaisers Hufe aufgerufen. 
Aus der Urkunde I erfahren wir nämlich weiter, dass der 
Kaiser dem genannten Freigrafen ein Schreiben gesendet hatte, 
worin ihm befohlen war, das Gericht und das ergangene Ur- 
theil dem Kläger abzustellen und die Parteien vor ihn, den 
Kaiser zu weisen, widrigens aber persönlich oder durch seinen 
volbnächtigen Anwalt am fünf und vierzigsten Tage nach 
^Empfang des Schreibens vor ihm zu erscheinen, wo dann 
über die Einsprachen des Freigrafen gerichtet werden sollte. 
Eine ähnliche Vorladung vor den Kaiser scheint auch dem 
Kläger zugesendet worden zu sein. 

Auf diese k. Zuschrift, welche Wilhehn von der ZOnger 
— - wie er sich ausdrückt — „mit Würden" empfangen, schrieb 
er dem Kaiser am 29. August 1 459, also kurz vor dem zur Rechts- 
verhandhmg angesetzt gewesenen Tage, im Wesentlichen Fol- 



— 142 — 

gendes: Ich bitte Euer kaiserl. Gnaden demüthig zu wissen, 
das8 ich und alle Freigrafen von dem h. Kaiser Karl und 
Papst Leo begnadet und gefreit sind, ttber alle Klagen, die 
vor uns in des h. Beiches obersten fireien Gerichten ^an einen 
freien Stuhl eingebracht und als vor diese Gerichte gehörig 
erkannt werden, um unserer Eide und Aemter wegen zu rich- 
ten, es wäre denn, dass solche Klagen gemäss der Bestim- 
mungen der „zu der Tunnde*' ') und zu[]Arensberg verfassten 
und von dem K. Sigismund, der ein wissender Freischöffe und 
Kaiser war, bestättigten Reformation, aus den freien heimlichen 
Gerichten mit Gelöbniss von Freischöffen, oder mit Urthefl 
und Recht herausgezogen würden, wie es der freien Stühle 
Recht ist. Da demnach Euer k. Gnaden Ladung und Gebot 
gegen die Reformation und gegen E. k. Gn. selbst und das 
h. Reich ist, worüber ich jedoch E. k. Gn. nicht mehr schrei- 
ben darf noch mag, da E. k. Gn. ia den obersten freien heim- 
lichen Gerichten nicht wissender Freischöffe sind, so bitte ich 
demüthig, mir und dem Kläger diese ungebürliche und unbil- 
lige Ladung abzustellen und mich und alle Freigrafen und 
Stuhlherren bei unsem Privilegien und Freiheiten zu erhalten, 
wie Euer k. Gnaden dies dem h. Reiche schuldig sind"). — 
Auch bitte ich, diese Unterweisung nicht ungnädig aufzuneh- 
men, denn falls die Beklagten oder sonst Jemand meinte, dass 
ich mich in dieser Sache ungebührUch verhalten hätte, oder 
E. k. Gn. Ladung und Gebot Gehorsam schuldig wäre, wollte 



') Von einer so bezeicboeten Reformation fand ich nirgends eine Er-> 
wähnnng. Die Urkunden in dem Dresdner Formelbache sind vielfach 
entstellt und scheint auch obige Bezeichnung auf irgend einem Ver- 
sehen zu beruhen. 

') Ueber den Sinn der im Urknndentexte nächstfolgenden Worte bin ich 
nicht ganz sicher, wesshalb ich dieselben hiehcr setze; »vnd somit vnge- 
pttrlichen ladung vnd verpietung vcmichtigen, auf das mein gn. herr 
herczog von Cleue vnd junckherrn von der Marckh ir gnaden frey- 
grauen gericht vnd ander stuelherm vnd freyngrauen nicht verchlagt 
werden wann wir frcigrafen das von vnserr aide vnd ambtswegen 
vnd vnserr herrn von urr gnaden gerichten vnd freyhaiten wegen 
ob das nicht geschieh vnd das dabey lassen mochten . . . 



-. 143 — 

ich gern vor luemem gn. Herrn oder Junker von Clevö uü«l 
der Mark und vor andern Stuhlherren und Freigrafen im Lande 
von Westfalen, an den St&tten, wohin es mir und allen Frei- 
gi-afen in. Recht zu kommen zusteht, untersuchen und erken- 
nen lassen, ob ich mich in der Sache gebürlich verhalten 
habe oder nicht und ob es zu gestatten sei, dass E. k. Gn. 
mir oder andern Freigrafen untersagen, vor die freien heunli- 
chen Gerichte zu laden und nach deren Recht zu richten. 
Doch wie dem auch sei, habe ich E. k. Gnaden zu Ehren, 
Willen und Gefallen das Gericht gegen die oben genannten 
Beklagten verschoben und aufgestellt auf den Montag nach 
dem nächsten S. Dionisentag (15. Oct) dem Gerichte uud bei- 
den Parteien ohne Kachtheil. Könnten und würden dann die 
Beklagten durch ihre Prokuratoren sich gegen die Klage ver- 
antworten und nach freien Stuhles Recht sich aus dem 
Gericht ziehen, wollte ich ihnen em unbefangener Richter 
sein u. s. w. 

lieber den weitem Verlauf des Streites giebt das von 
Wilhebn von der Zttnger und Hermann von dem Korne, beide 
Freigrafen in der freien krummen Grafschaft zu Wickede, am 
letztgenannten Verhandlungstag an denKaiser gefertigte Schrei- 
ben (Urk. n) erwünschte Kunde, dessen Anfang übrigens schon 
bei der obigen Darstellung des Falles berücksichtigt und im 
Wesentlichen mitgetheilt wurde. In diesem Schreiben sagen 
die genannten Freigrafen dem Kaiser, dass an dem bestimmten 
Tage des Klägers volhnächtiger Prokurator vor sie zu Wickede 
in das Gericht gekommen sei und geklagt habe, wie die Be- 
klagten nicht geleistet hätten, was sie ihm von Ehren und 
Rechtswegen und laut seines gewonnenen Urtheilbriefes zu 
leisten schuldig waren und dass er begehrt habe, es sollte 
nunmehr über der Beklagten Leib und Ehre Vc^gericht und 
letzte Sentenz ertheilet werden. Die Erfüllung dieses Begeh- 
rens — heisst es dann weiter - hätte ich vorgenannter Wil- 
helm Freigraf Icraft meines Amtes dem Prokuratur * nach dem 
Inhalt des vom Kläger gewonnenen Urtheilsbriefes nicht ver- 
weigern können, wenn nicht Viele aus der Ritterschaft und 



— 144 — 

den Uinst&ndeiTi des Gerichts den voiigen. Prokurator Utten 
und bewegen geholfen hätten, dass er die begehrte letzte 
Sentenz K k. Gnaden zu Ehren und Willen noch einige Zeit 
lang anstehen liess. Also, gnädigster liebster Herr! habe ich 
das letzte Bedit, dem Gerichte und den Partdra ohne 
Schaden, verschoben bis auf Montag nach S. Antonstag 
(22. Jänner 1460) und jetzt bitten wir K k« Gn. demüthig 
um des h. Reiches und E. L Gn. obersten Freigerichtes we- 
gen, die Verklagten zu ermahnen, dass sie dem h. Reich und 
Freigerichte um Brüchte und Strafe, dem Kläger aber um 
seine Ansprache und sein gewonnen Recht leisten, was sie von 
Ehre und Rechts wegen schuldig sind, damit wir beide oder 
einer von uns auf Anrufen des vorgen. Klägers oder seines 
Prokurators an dem festgesetzten Tage nicht die letzte schwere 
Sentenz und das Yollgericht Ober der Verklagten Leib und 
Ehre geben müssten, was wir lieber verhüthet sdien möchten. 
Und was wir E. k. Gn. hierinn zu Ehren Willen und Gefallen 
thun könnten sind wir schuldig u. s. w. *). 

Auch diese Bemühungen der Freigrafen förderten die 
Sache nicht in der von ihnen gewünschten Weise. Auch Cq 
22. Jänner verstrich, ohne dass Gericht und Kläger Befriedi- 
gung erlangt hätten, oder die letzte Sentenz gefiOlt worden 
wäre. Wie es schemt, hatte eme abermalige Fristerstreckung 
auf Montag nach dem Sonntag Quasimodo geniti (21. April) 
stattgefunden, inzwischen aber der Kaiser, vielleicht in Folge 
von Versuchen des Klägers nach Inhalt des gewonnenen Urtheils- 
briefes zu dem Seinigen zu kommen, neuerdings gegen wei- 
teres vehmricfaterliches Verfahren kräftigen Widerspruch er- 
hoben. An dem genamiten Tage sdirieb nämlich Hermann von 
dem Korne an den Kaiser „von Geriditswegen^, er habe ,,niit 
gebürlicher Würdigkeit*" des Kaisers Brief empfangen, worin 
ihm bei seinen Eiden und Pflichten gegen Kaiser, Reich und 



^) Es ist bemerkenswerth, dass die Freigrafen demEaiser nicht nur nicht ge- 
horchen, sondern demselben, als Obrigkeit der Beklagten, auch noch zn- 
mnthen, diese zur Erfftlinng des vehmgerichtlicben Urtheils anznhalten. 



— 145 — 

Freigrafenamt und mit kaiserlicher MachtyoIIkommenheit ge- 
boten wird, des Richtens in der in Rede stehenden Angelegen- 
heit sich zu entschlagen. Aber er und alle Freigrafen haben 
„mit schweren Huldigungen gelobt, Niemandem billiges und 
gebürliches Recht zu verweigern. Nachdem der Kläger seinen 
Urtheilsbrief mit rechtem Urtheil nach Freistuhlsrecht erlangt 
hat und damit hmauf in seine Hefanat gezogen sei, habe er 
keine Macht, ihm sein gewonnenes Recht zu nehmen 0; er sei 
vielmehr gebunden, Jedermanns Recht zu stärken, und nicht 
zu kränken, und seiner Eide und der Huldigung wegen, die 
er der heimlichen Acht gethan habe, schuldig, das hochheilige 
würdige Gericht der freien Stühle des h. Reiches in ganzer 
Macht und HeiUgkeit zu erhalten, nach allen seinen Kräften, 
wie dies der h. Papst Leo und der L grosse Kaiser Karl m. 
G. geordnet und zu halten geboten hat, worüber er aber dem 
der heimlichen Acht unwissenden Kaiser nicht mehr schreiben 
darf. Doch zweifle er nicht an des Kaisers Willen, gleich sei- 
nen Vorfahren ein Mehrer des Reiches zu sein und das Reich 
bei seiner Macht und HerrUchkeit zu erhalten und dulde der 
k. Majestät zu Ehren, dass die letzte schwere Sentenz bis auf 
den Eritag nach S: Jacob des Apostelstag (29. Juli) aufge- 
schoben werde *). An diesem Tage werde er des Kaisers 
Brief mit Würdigkeit in das Gericht bringen und was dann 
darüber mit rechtem Urtheil erkannt werden wird, daran wolle 
er, wie es sich gebühre, halten.** 

Der vorstehenden, aus dem Zusammenhalten der bezeich- 
neten drei Urkunden geschöpften Schilderung des Verlaufes 
der fraglichen Rechtssache, mögen emige Erörterungen und 
Erläuterungen, durch welche dieselbe in helleres Licht gestellt 



*) Die offenbar yerdorbene undeutliche Stelle lautet: Vnd wann dann 
der klager sein vrtailbrief gewunnen hat . . . vnd damit hinauf an 
sein haymat gezogen Was er ewm gn. schreibt an mich gekchömen 
des hab ich chain macht im sein gewunnen recht ze nemmen. 

*) Die Stelle lautet: Auch ewr k. M. zu eren bis der lest swer sentencien 
dem klager nach eren wirdet ausgegeben ze leiden bis des nagsten 
ertags n. s. J. 

10 



— 146 — 

wird, nachfolgen. Dabei kommt uns sehr zu Statten, dass der 
Abschreiber der Urkunden nicht, wie es bei der Auihahme von 
Urkunden in Formelbacher häufig geschah, die Personen- und 
Ortsnamen und die Datirungen wegliess. 

Als Kläger wu*d in den Urkunden Sigmund Ränntl 
genannt, in der einen mit dem Beisatz : der Veste, in der an- 
dern: der erbar und Teste. In steiermärkischen Urkunden 
aus den Jahren 1454 u. 1455 (s. Göth, Begesten, in den 
MittheiL des histor. Ver. f. Steiermark Vm, 495, 499, 501, 
504) findet sich ein Sigmund Rainntl, auch Reindl, Pfieger, 
Markt- und Geurichter, Pfannhaus- und Gültenbesitzer in 
Aussee. Unzweifelhaft haben wir in ihm den Kläger zu er- 
kennen. 

Auch ttber die Beklagten fanden sich schätzbare Nach- 
richten. Leotold von Stubenberg war in der Zeit des 
Processes steiermärkischer Landeshauptmann; Hanns Un- 
gnad wird in den drei Urkunden selbst als kaiserlicher Kam- 
mermeister bezeichnet Beide gehörten dem steierm. Herren- 
stande an. Pankraz Rintscheit, dem Ritterstande ange- 
hörig, begegnen wir oft im Gefolge des Kaisers; in der Ur- 
kunde m wird er als kaiserlicher Rath bezeichnet; Wolf- 
gang Praun kommt zuerst vor in einer Urkunde v. 21. Febr. 
1435 (Göth, a. 0. 414), laut welcher ihm der Herzog Fried- 
rich der Jüngere zwei durch das Ableben seines Vaters Achaz 
Praun auf ihn gefallene Hallamtsantheile zu Aussee bestand- 
weise innezuhaben und nach dem Herkommen zu verwesen 
verlieh. In Urkunden aus den J. 1450 u. 1455 (Göth 480, 502) 
erscheint er als Besitzer eines Dörrhauses und mehrerer Pfann- 
hausstätten in Aussee. Auch Lienhart Anger er ist urkund- 
lich bezeugt und zwar ebenfalls als Verweser des Salzsiedens 
zu Aussee (Göth, 480, 495, 504) in d. J. 1450, 1454, 1455 
und als gewesener Hauseigenthümer 1462 (Göth, Mitth. IX. 
556). Unter den „Pfannhausem", welche vom Kläger neben 
den eben Angeführten und dem Rath und der ganzen Ge- 
meinde des landesfürstUchen Marktes Aussee belangt wurden, 
sind Inhaber und Verweser der Salzpfannhäuser oder Stätten 



— 147 — 

zu verstehen (s. Franz Kurz, die Salinen in Oester. ob d. E. 
in Hormair's Archiv VII, 631 fg.) 

Also den höchsten Beamten des Landes, daneben zwei 
gleichfalls durch Amt und Stand hervorragende, deq Kaiser 
und Landesherm nahestehende, im ganzen Lande hochange- 

' sehene Männer, femer zwei Verweser landesfOrstlicher Aemter, 
alle Pfannhauser und die ganze Gemeinde eines landesfilrst- 

: liehen Marktes fordert der Pfleger, Richter und Bürger des- 
selben Marktes vor den Bichterstuhl der in jener Zeit in allen 
deutschen Landen nicht minder gehassten als gefbrchteten 
Vehme *). In der Praxis der Vehmgerichte war es freilich 
nichts Seltenes, dass ganze Stadträthe und Gemeinden und 
hohe Amtleute vorgeladen wurden; selbst Landesherren, ja so- 
gar den Kaiser vorzuladen scheuten sich einzelne Freigrafen 
nicht (Gaupp, von Vehmgerichten 58 fg. Wächter, Bei- 
träge z. d. Gesch. 38). In Steiermark aber mochte eine solche 
Ladung bis dahin unerhört gewesen sein. 

Fragen wir imi den Anlass, der den Kläger zur Er- 
greifung dieses ausserordentlichen Mittels trieb, so giebt die 
Urkunde I zur Antwort, der Kläger habe seine Zuflucht zu 
den westfälischen Gerichten genommen, weil er bei seinem 
ordentUchen Richter kein Recht erlangen konnte. Es war einer 
der gewöhnlichsten Fälle, dass wegen Ohnmacht oder Lässig- 
keit des ordentlichen Gerichtes, oder wegen V^idersetzlichkeit 
der Beklagten, die Hilfe des Vehmgerichtes angerufen wurde. 
Rechtsverzögerung und selbst Justizverweigerung kamen im 



•) Besonders drasUsch und in einer die damalige Zeit charakterisirenden 
Weise äusserten diesen Hass gegen Vehmgerichte die Abgeordneten 
der Städte und des flachen Landes in Preussen, welche 1441 den 
Hochmeister um Abhilfe gegen das Vehmgericht gebeten hatten, aber 
zur Antwort erhielten, dass er leider keine erfolgreichen Mittel hiezu 
kenne. Darauf sagten die Bevollmächtigten: Können wii* uns der 
Feme nicht anders entschlageu; so erlaubet uns nur^ dass wir die 
aus der Feme nebst ihren Genossen und Beiliegern ebenfalls wieder 
henken dürfen ; wir wollen zu Abentheuer der ihrigen so viele auf- 
knüpfen und auf die Seite bringen, als sie der unsrigen. Voigt, die 
westfäl. Femgerichte, S. 87, 

10* 



— 148 — 

Mittelalter in Deutschland allenthalben vor. Auch in der Steier- 
mark war es nicht anders. Nur allzu oft, namentlich wenn 
eigene Interessen mit im Spiele waren, griff der Landesfürst 
selbst störend in die Rechtspflege ein, indem er das bereits 
vor dem ordentlichen Bichter zu Ende geführte Verfahren für 
ungQtig erklärte und die Parteien vor sich forderte, oder dem 
ordentlidien Richter, über Bitte eines in seiner Gunst stehen- 
den Beklagten gebot, mit dem weiteren Verfahren stille zu 
halten, oder den nächsten Rechtstag zu verschieben, oft um 
mehrere Monate oder gar um ein ganzes Jahr und darüber, 
unter dem Verwände, dass er den Beklagten zu Diensten be- 
nöthlge u. dgl. Auch abgesehen von solchen Eingriffen der 
Landesfürsten wurden die Bichter, besonders in Zeiten des 
Krieges, der Pest oder anderer Landesnoth, oft genug an der 
Abhaltung der bestimmten Rechtstage gehindert; manchmal 
verzögerten sie selbst durch eigenes Verschulden den Rechts- 
gang. Aber auch von Seite der Parteien kamen Verschlep- 
pungen der Processe, wenngleich nicht in dem Masse, wie 
nach Einführung des s(;^riftlichen römisch - canonischen Ver- 
fahrens, nicht selten vor. Unter dem Vorwand einer Krankheit 
oder eines anderen Hindernisses des Erscheinens vor Gericht, 
oder wegen Unmöglichkeit die zur Beweisführung nöthigen 
Zeugen oder Urkunden am bestimmten Tage vorzuführen, 
oder wegen Abgang eines Fürsprechers u. s. w. wurden 
Fristerstreckungen erwirkt Häufig kam es zu Vergleichs- 
verhandlungen, die aber zu kemem befriedigenden Ergebnisse 
führten und so nur die Beendigung des Streites verzögern 
halfen. — Welcher Art die Verschleppung der Sache Ränntl^s 
gewesen sei, wissen wir nicht, dass sie aber eine sehr bedeu- 
tende gewesen sein müsse, ist aus der angeführten Bemer- 
kung des Wilhelm v. d. Zünger zu entnehmen, laut welcher 
dreizehn kaiserlich gebotene Rechtstage die Befriedigung des 
Klägers nicht erzielten. So wird es begreiflich, warum S. Ränntl 
beim westfälischen Gerichte Hilfe suchte. Denn wo sonst noch 
hätte er sie finden können, nachdem die Sache bereits vor des Kö- 
nigs und Landesherm eigenem Gerichte verhandelt worden war ? 



— 149 — 

lieber die weitere Frage, welche Rechte S. Rftnntl ver- 
geblich vor dem Gerichte zu Neustadt geltend zu machen be- 
müht war, geben die drei Urkunden der Freigrafen keine Aus- 
kunft. Nur so viel dürfte aus denselben entnommen werden, 
dass es sich nicht um Ansprüche aus einem Verbrechen han- 
delte. Ist diese Annahme richtig, wogegen nicht in^s Grewicht 
fällt, dass in der Urkunde I die Klage als eine schwere be- 
zeichnet ist, da diese Bezeichnung von den Freigrafen ganz 
allgemein und häufig auch bei ganz geringfbgigen Elagsforde- 
rungen gebraucht wurde ^), so liegt es nahe, die Gründe der 
Ansprüche des Bännil in. seinen Eigenschaften als Bürger, 
Pfannhauser, Pfleger und Bichter zu Aussee zu suchen und 
da neben dem Rath und der Gemeinde Aussee insbesondere 
noch die Pfannhauser, Pfannhausverweser und der k. Eammer- 
meister beklagt wurden, so wird man kaum fehlgehen, wenn 
man vermuthet, S. Ränntl habe — vielleicht neben anderen 
Forderungen — Rechte verfolgt, welche zu seiner Eigenschaft 
als Pfandhausbesitzer in Beziehung standen. Diese Yermuthung 
wird durch den Inhalt zweier der oben angedeuteten Urkun- 
den, in denen der Name des S. Ränntl vorkommt, unterstützt 
In den Fünfziger-Jahren des XY. Jahrhunderts reorganisirte 
K Friedrich das 1. f. Salzwesen in Aussee und brachte zu 
diesem Zwecke die in fremden Besitz gekommenen Pfannhäuser 
u. dgL wieder an sich (Göth, Regesten dieser Jahre a. a. 0. 
Schmutz, Lexikon I. 83.). So kaufte er auch von Sigmund 
Ränntl im J. 1454 eine diesem und seinem Bruder Paul an- 
gehörige Pfannhausstatt zu Aussee um hundert Pfund Pfennige, 
und im Oktober des nächstfolgenden Jahres um achtundzwan- 
zig Pfund Pfg. eme wöchentliche Gülte von 18 Denaren von 
einer andern Pfannhausstatt des Ränntel. In den darüber aus- 
gefertigten Urkunden (Göth, Reg. 495 u. 504) bestätigte Ränntl 
zwar den Kaui^reis von L f. Verwesern, worunter der Beklagte 
lienhart Angerer angeführt ist, richtig erhalten zu haben; 



1) S. z. 6. Usener, die Frei- u. heiml. Gerichte Westfialens, S. S9, 
66 u. Urk. 63, S. 215. — Diese Bezeichnung ist insofern gerecht- 
fertigt) als jede Klage zur Yenrehmung fUiren konnte. 



— 150 — 

dies schliesst aber nicht aus. dass ans diesen Rechtsgeschäften, 
namentlich dem letzteren, ein Rechtsstreit sich entspinnen 
konnte. Auch stimmt zu dieser Annahme recht gut, dass der 
Process vor dem Hofgericht zu Neustadt verhandelt wurde. 
Wesshalb die Klage beim Yehmgericht auch gegen den ganzen 
Markt Ausee, gegen Hanns Ungnad, den Landeshauptmann 
und P. Rintscheid gerichtet wurde, lässt sich nicht mit Be- 
stunmtheit beantworten, aber sehr leicht mit jener Annahme ver- 
einigen. Möglich wäre auch, dass RännÜ, nachdem er — wie 
Urkunde I bestätigt — seine Klage vor dem königlichen Ge- 
richte gewonnen hatte, das Marktgericht, bez. die Marktge- 
meinde und weiter den Landeshauptmann und den Kammer- 
meister, in dessen Bereich das 1. f. Salinenwesen zweifellos 
gehörte, um Urtheilsvollstreckung vergeblich aufgefordert hatte- 
Uebrigens genügte oft ein sehr unbedeutender Anlass, um vor 
das Yehmgericht geladen zu werden, und verfuhr dieses hiebei oft 
sehr leichtsinnig, wie es auch in unserem Falle die gesetzliche 
Form der Ladungen ganzer Gemeinden nicht befolgt hat 

RännÜ hat seine Klage — ob selbst oder durch einen 
Bevollmächtigten wissen wir leider nicht — vor Wilhelm von 
der Zttnger, Freigraf in der freien krummen Grafschaft zu 
Wickede, eingebracht Eine Freigrafschaft oder einen Freistuhl 
zuWickede habe ich in den bezüglichen Schriften von Kindlinger, 
Kopp, Berck, Wigand, Tross, üsener, Yoigt, Seibertz u. Tobien 
vergeblich gesucht Das in Senckenberg^s Coi^pus iuris 
germ. L pars 2, pag. 83 — 132 abgedruckte, vielleicht um die 
Mitte des XY. Jahrhunderts angelegte Rechtsbuch enthält in 
seinem unrichtig für die Amsberger Reformation gehaltenen 
Theile (1. c. pag. 96) nachstehende auch von Kopp, üb. d. 
Verfassg. der heiml. Ger. in W. S. 123 und von Berck, 
Gesch. der westf. Ger. L 195 mitgetheilte Stelle: „So hat der 
herzog von Qeuen das gericht in der Marck vnd in der herr- 
schaft Willestan. — So hat der von Wickede in der Marck 
vnder dem herzogen von Cleuen acht stuel in der freyn grum- 
men graufschaft". — In einer Urkunde v. J. 1442 ^) erscheint 

') Voigt, a. a. 0. Urk. HI* . S. 190. 



— 151 — 

ein Dieterich von Wickede als Mitstuhlherr des Freistuhls zu " 
Brttninghausen in der freien krununen Grafschaft und war noch 
im J. 1452 im Besitze dieses Freistuhls (Datt, de pace publ. 
772). Da W. V. d. Zünger in seinen Briefen den Herzog von 
Cleve imd Junker von der Mark seine Herren nennt, so dürfte 
der Freistuhl zu Wickede vielleicht einer von den achten in 
der mitgetheilten Stelle sein. Derzeit fehlen mir die zur Lö- 
sung dieser Frage, welche übrigens bezüglich unseres Gegen- 
standes ohne Bedeutung ist, erforderUchen Hilfsmittel. 

Genaueres vermag ich über W i 1 h elm v. d. Zünger nach- 
zuweisen. Ein Freigraf dieses Namens kommt ziemlich oft in den 
von Usener a. a.0. mitgetheilten Urkunden vor, z. B. ürk. 
51, 54, 55, 56, 69, 81 und 82 und zweifellos ist er identisch 
mit dem Aussteller der Urkunden I u. H. Usener sagt zwar 
(S. 302 AnnL), derselbe sei um die Mitte des J. 1459 ge- 
storben. Diese Angabe ist aber gewiss unrichtig und beruht 
auf Missverständniss einer Urkunde (a. a. 0. Urk. 69) und 
auf Uebersehen des Umstandes, dass dieser Freigraf noch in 
andern von Usener selbst a. a. 0. veröffentlichten Urkunden 
aus späterer Zeit vorkonunt (Urk. 81, 82). Er war Freigraf zu 
Dortmund, auf dem berühmtesten aller Freistühle, und zu 
VoUmarstem 1453, zu Waltorp 1456, 1458, 1459, im letzten 
Jahre und 1460 auf dem gleichfalls berühmten Freistuhl zu 
Vilgist (Velgenstein) und, laut unseren Urkunden I u. ü., zu 
Wickede. Er scheint ein sehr rühriger und evocationsbegieriger 
Freigraf gewesen zu seiu, der dem Kaiser mancherlei Aerger- 
niss bereitet hat und wie andere seiner Amtsgenossen, unge- 
achtet immer wiederholter Versicherungen seiner demüthigen 
und dienstwilligen Gesinnungen, doch keinen Anstand nahm, 
gestützt auf wirkhche und vorgebliche Rechte und Verpflich- 
tungen der Freigrafen, den kaiserlichen Geboten den Gehor- 
sam zu verweigern, ja selbst des Kaisers oberste Gerichtsbar- 
keit über sich und andere Freigrafen nicht anzuerkennen. Bei 
Usener S. 89 findet sich ein Bericht eines Boten der Stadt 
Frankfurt, der dem W. v. d. Zünger, Freigraf zu Velgenstein, 
am 7. Dezember 1459 in seinem Hause zu Schwerte eine 



— 152 — 

Appellation der Stadt überreichte, von ihm aber sehr barsch 
abgefertigt wurde. Gegen Ende des J. 1460 wohnte er mit 
einer Tochter auf seiner ländlichen Besitzung im Dorf Hürde 
bei Dortmund (a. a. 0. Urk. 81. S. 250). 

Es war nichts Seltenes, dass vehmgerichtliche Verhand- 
lungen vor mehreren % manchmal selbst vor vielen Freigrafen 
stattfanden, so dass es nicht aufiFällig ist, dem W. v. d. Zün- 
ger noch einen andern Freigrafen, den Hermann von dem 
Korne, beigesellt zu sehen. Ueber diesen aber vermag ich 
keine nähere Auskunft zu geben. In dem Verzeichniss der 
Freigrafen bei Usener a. a. 0. S. 293 wird ein Hermann von 
d. Borne als Freigraf zu Brüninghausen in der freien krum- 
men Grafschaft in den J. 1460 und 1461 angefahrt Ob dieser 
mit H. V. d. Korne identisch und der letztere Name in unsem 
Urkunden unrichtig geschrieben sei, muss ich vorläufig dahin 
gestellt sein bissen. 

Der Verlauf der Verhandlung vor diesen beiden 
Freigrafen war kurz zusammengefasst folgender : Etwa um die 
Mitte des April 1459 wurde die Klage erhoben imd erfolgte 
die Vorladung auf den 31. Mai; sodann über kaiserliches Ein- 
schreiten Fristerstreckung auf den 30. Juli; an diesem Tage 
VerurtheUung der Beklagten in contumaciam und Anordnung eines 
weiteren Tages zur Urtheüserfüllung auf den 3. September 
unter Androhung der letzten schweren Sentenz ; weiters wieder 
in Folge kaiserlicher Zuschrift neuerliche Fristerstreckung auf 
den 15. Oktober, dann Aufschub der letzten Sentenz auf den 
22. Jänner 1460, eine weitere Erstreckung vermuthlich auf 
den 21. April, endlich noch auf den 29. Juli. Ueber den wei- 
teren Verlauf fehlen die Nachrichten. Also weit über ein Jahr 
war die Sache anhängig, ohne zum Abschluss gelangt zu sein, 
und inzwischen war ein Contumazuitheil gefällt worden, welches 
den Beklagten die Leistung von Bussen und Brüchten und des 



^ S. z. 6. üsener, a. a. 0. ürk. 21,22, 61,65 u. v. a. — Tbiersch, 
Yervehmung, ürk. 1. — S. auch Berck, Gesch. d. westfUL Femger. 
IL 283. 



— 153 -*- 

gewonnenen klägerischen Rechts auferlegte, aber nichts von Ver- 
vehmung enthält — Ein solches Verfahren entspricht sehr wenig 
der Vorstellung über die vehmgerichüiche Wirksamkeit, welche 
man sich nach den am meisten verbreiteten und gelesenen Darstel- 
lungen derselben, z. B. in den neuesten Lehrbüchern der deutschen 
Rechtsgeschichte, in den allgemeinen oder rechtswissenschaft- 
lichen Encyklopädien und Wörterbüchern, in der deutschen Cultur- 
geschichte von Joh. Scherr u. a., in Darstellungen der allge- 
meinen und der deutschen Geschichte gebildet hat Denn nach 
diesen Schilderungen konunt man zu der Vorstellung, dass die 
Vehmgerichte sehr kurzen Process gemacht hatten, indem sie 
den vom gesetzten Rechtstag ungehorsam ausgebliebenen Be- 
klagten sofort vervehmten und aufhängen liessen. Die meisten 
der oben angedeuteten Schriften beruhen auf der vor allen 
älteren Schriften über die Vehmgerichte ausgezeichneten Ab- 
handlung über dieselben von C. G. v. Wächter (Beitr. z. d. 
Geschichte) ; aber auch nach dieser konnte man kaum anderer 
Meinung werden, als: der gewönliche Process bei denVehmge- 
richten wäre gewesen , dass Unwissende nur einmal oder 
höchstens zwei- oder dreimal zu sechs Wochen citirt wurden, 
dass sie regelmässig nicht erschienen, weil sie fast sicher 
ihre Ueberweisung durch den wissenden Kläger zu erwarten 
hatten, dass sie sodann in contumaciam verurtheilt wurden, 
dass dieses Urtheil stets in der Vervehmung bestand und 
durch die hiezu eidlich verpflichteten Vehmschöflfen früher 
oder später durch Aufknüpfen des Vervehmten auf den nächst- 
besten Baum vollstreckt wurde. 

Obwohl jeder dieser Sätze in den Gesetzen und anderen 
Normen der Vehmgerichte begründet ist, geben alle zusammen 
doch nur eine unrichtige, mangelhafte, nicht erschöpfende Vor- 
stellung von dem Verfahren und der thatsächlichen Wirksam- 
keit dieser Gerichte wenigstens während des grössten Theiles des 
XV. Jahrhunderts und in der späteren Zeit Zweifellos befolgten 
die Vehmgerichte auch noch in dieser Zeit die oben ange- 
deuteten Prindpien des Verfahrens; aber diese Grundsätze 
galten meist nur für das Verfahren im heimlichen Gerichte 



— 1 54 — 

welchem jedoch gegen Nichtschöffen mehr oder weniger umfassende 
Vorverhandlungen vorhergingen, die häufig zur gänzlichen Befle- 
gung der anhängigen Streitigkeiten oder Beschwerden führten^ so 
dass es zum Verfahren im heimlichen Gerichte gar nicht kam. 
Klagen über streitige Civilrechte gegen Solche, deren 
ordentliche Richter sie nicht waren, gehörten nicht vor die 
Vehmgerichte ; jedoch war allgemein anerkannt, selbst von 
den Bündnissen der Landesherren und Städte gegen diese Gre- 
richte, dass man diejenigen, welche kundlich meineidig, ehrlos 
und treulos handelten oder welche zu Ehren nicht antwoiten 
wollten an den Stätten, wo sich das gebührte, vor das Vehm- 
gericht fordern darf. In Folge einer sehr weiten Auslegung 
dieser in die Amsberger Reformation aufgenommenen Grund- 
sätze und in Folge der Schwäche und sonstigen Mängel der 
königlichen und landesherrlichen Gerichte wurden unzählige 
Klagen vor die Vehmgerichte gebracht, deren eigentlicher Ge- 
genstand civilrechtliche Ansprüche waren, oder welche wenigstens 
mittelbar auf Geltendmachung vermögensrechtlicher Interessen 
gerichtet waren, wie dies ja selbst bei den meisten Klagen 
wegen schweren Verbrechen der Fall war. Ich halte es für 
sehr wahrscheinlich, dass die Erledigung solcher Klagen im 
XV. Jahrhundert die Thätigkeit der Vehmgerichte mehr in 
Anspruch nahm, als die zunächst vor dieselben gehörigen 
Vehmwrogen. In solchen Fällen musste häufig, besonders bei 
geringfügigen Rechtsansprüchen, sowie wenn nicht aus Verschul- 
den des Beklagten die Erledigung des Rechtsstreites vor dem 
ordentlichen Gerichte nicht möglich war, höchst grausam er- 
scheinen, rücksichtslos sofort gegen die ausgebliebenen Be- 
klagten die Vervehmung auszusprechen und die Vollstreckung 
der Todesstrafe zu gebieten. Auch wäre demjenigen, der sich 
an das Vehmgericht gewendet hatte, weil ihm die Herausgabe 
streitiger Güter oder die Erfüllung einer versprochenen oder 
anderen schuldigen Leistung u. dgl. verweigert worden war, 
mit der sofortigen Vervehmung und Hinrichtung des Gegners 
wenig genützt worden. Ueberdies war die Vollstreckung der 
Acht ausserhalb Westfalen in Gegenden, wo es keine oder nur 



~ 155 — 

wenige Vehmschöffen gab, eine oft sehr schwierige Sache und 
bot ein weniger rasches Verfahren den Vehmrichtem wohl 
auch grössere Vorthefle. Auch befolgten der Kaiser und seine 
Gerichte mildere Grundsätze. Aus diesen und vielleicht noch 
andern Gründen verzögerten die Vehmgerichte in solchen Fällen 
die letzte Sentenz so gut es gieng und suchten dem Kläger 
in anderer Weise zu seinem Rechte zu verhelfen. 

So gebot mitunter in Fällen, wo vor den ordentlichen 
Gerichten kern Recht zu erlaAgen war, das angerufene Vehm- 
gericht jenen bei Strafe, den Klägern zu ihrem Recht zu ver- 
helfen, vorläufig streitige Sachen zu arrestiren u. dgL So wurde 
gewönhch schon in der ersten Ladung der Beklagte aufge- 
fordert, sich binnen einer bestimmten Frist mit dem Kläger zu 
vergleichen (Us euer 47; Voigt, 10 u. oft noch); die Frei- 
grafen bestimmten mitunter den Ort und die Zeit der Ver- 
gleichsverhandlung, ja selbst die Personen, welche die Sache 
beilegen sollten, und kamen manchmal persönUch zu solchen 
Verhandlungen. Oder sie ordneten Entscheidung des Streites 
durch Schiedsrichter an, gegen deren Ausspruch Appellation 
an den Kaiser u. a. stattfand. (Usener, 50 fg.) 

Aber nicht blos eine solche den Streit vermittelnde 
Thätigkeit übten die Vehmgerichte. War der (unwissende) Be- 
klagte ohne Rechtfertigung bei der Vergleichsverhandlung oder 
bei dem ersten Rechtstag vor dem Vehmgerichte nicht erschie- 
nen, so begnügte sich dieses nicht damit, den Ausgebliebenen 
in die gewöhnliche Busse von sechzig (oder Sechsundsechzig) 
Schilling alter Königstumosen ') zu verfallen und etwa dem- 
selben einen zweiten und dritten Termin unter Androhung der 
letzten schweren Sentenz zu gewähren, sondern es Uess sich 
am ersten oder an einem der späteren Termine, manchmal 
auch schon vor der Ladung in eine Verhandlung über die An- 

*) S. Zur Werthbestimmung der Tnrnosen (r. J. 1407) im Anzeiger för 
Kunde d. d. Vorzeit, VII. 447. Damach wären zwölf alte grosse 
TumoB gleichwerthig einem Franc ; zwölf kleine T. gleich einem Schil- 
ling, zwanzig Schilling gleich einem Pfund oder einem Franc. — In 
dem Rechtsbuche bei Senckenberg wird ein Königstumos gleich 
anderthalb rheinischen Gulden gerechnet 



- 156 -. 

Sprüche des Klägers, namentlich über den erlittenen Schaden, die 
Kosten u. s. w. ein, erkannte demselben (nach gejftthrtem Beweise) 
sein Recht zu und gebot dem beharrlich ausgebliebenen verurtheil- 
ten Beklagten, dem Gerichte und dem Kläger zu leisten, was 
er von Ehre und Rechtswegen zu leisten schuldig ist und 
dieser auf ihn gewonnen hat ; geschähe dieses nicht, so müsste 
auf weiteres Begehren des Klägers die letzte schwere Sentenz 
und Vollgericht gegeben werden; gewöhnlich fllgte der Frei- 
graf hinzu, dass ihm dies sicherlich leid wäre und er es gern 
verhütet sehen möchte. Ferners wurde in dem ürtheilsbriefe, 
den der Kläger erhielt, diesem und seinem Prokurator die Be- 
fugniss ertheilt, des Beklagten Leib und Gut, wie immer sie 
dazu kommen mögen, im Holz oder im Felde, auf dem Wasser 
oder Lande, in Märkten, auf Strassen, in Städten und Dörfern, 
mit geistlichem oder weltlichem Gericht oder auch ohne Gericht 
zu ergreifen und zu bekümmern und zu besetzen (arrestitren), 
so lange, bis sie vom Gegner volle Befriedigung erhalten hätten. 
Niemand sollte mit diesem eine Gemeinschaft haben, denselben 
hausen, schützen, geleiten. Häufig trugen überdies die Vehm- 
richter den Obrigkeiten des Verurtheilten oder allgemein allen 
Herren, Fürsten, Rittern und Knechten, Amtleuten, Schultheis- 
sen, Bürgermeistern, Schöffen imd Bütteln auf, den Siegern 
bei der Anestirung der Verurtheilten und ihrer Güter zu 
helfen ; oder sie richteten direct an sie den Auftrag, die Contu- 
mazialstrafen einzutreiben und die Arrestirung selbst vorzu- 
nehmen und luden sie zur Verantwortung vor sich, falls sie 
diesen Aufträgen nicht nachkämen. Erst wenn alles die 
nicht zur Befriedigung der Kläger führte, kam es auf weitere 
Begehren dieser zur Vervehmung im heimlichen Gerichte, die 
übrigens häufig auch noch in diesem Stadium durch Gewäh- 
rung einer s. g. Königstagesfrist u. a. verzögert wurde. 

So war das Verfahren der Vehmgerichte in den bezeichneten 
Fällen in seinen Hauptzügen während der zweiten Hälfte des XV. 
Jahrhunderts, und später (vermuthüch auch früher) beschaffen '). 

1) Bei der WillkOrlichkeit, welche sich die Freigrafen in allen Be- 
ziehungen erlaubten, fehlt es nicht an mannigfiachen Abweichongen 



^ 1 57 - 

Belege fllr die Richtigkeit der obigen Darstellung der 
Grundzllge des Verfahrens der Vehmgerichte bieten weniger 
die eigentlichen Rechtsquellen derselben, als die vehmgericht- 
liehen Urkunden. Ich verweise im Allgemeinen namenüich auf 
die Urkunden und urkundlich begründeten Mittheilungen über 
vehmgerichtliche Processe in den obengenannten Schriften von 
U s e n e r und Voigt und insbesondere, anstatt auf viele, nur 
auf Usener S. 69 u. Urk. 66, 46 u. 58, und Voigt S. 103 
bis 109. Drei FäUe sind es, welche da mitgetheilt sind, zu- 
Migerweise alle drei Erbrechtsstreitigkeiten. Im ersten Falle 
V. J. 1469 wurde der ausgebüebene Beklagte in Busse und 
Brüchte von 66 Schilling alter Eönigstumose verfällt und hatte 
der Kläger „sin sache bewiset, beweret, hirwonnen, erstanden, 
zugebroicht vnd vff den gen. H. Henne (einen Frankfurter) mit 
orteyl vnd recht von heubtsache, kosten, tzerung, hinder vnd 
schaden, biss vff datum diss brieffes geUdden, sinen behalt 
gethan, nach fryenstuls recht, so gut vnd hoich als anderhalb 
hundert Rinscher gülden". Demnach gebietet der Freigraf 
dem Rathe zu Frankfurt, dem Kläger zu seinen Sachen zu 
verhelfen und desshalb die beweglichen und unbewegUchen 
Güter des Beklagten festzuhalten u. s. w. — In dem zweiten 
Falle V. J. 1455 (Usener, S. 60 u. UrL 58) gebot der Frei- 
graf Mangolt zu Freienhagen nach vorgängiger Untersuchung 
der klägerischen Behauptungen, den Frankfurtern Arrestirung 
gewisser streitiger Güter und Gewährung des den Klägern 
schuldigen Rechtes. Da die Frankfurter dieses Gebot nicht be- 
achteten, so wurden sie — ausser in die übhche Gerichts- 
busse — verurtheilt, dass sie den Kläger „den rechten suUen 
Widder habende machen der obgerürte guter (nämlich der strei- 
tigen Erbgüter) vnd korung thun der benanten drier dusend 
gülden (d. i. der vom Kläger angesprochene Ersatz für erlit- 

ihres Verfahrens ; es war aber auf diese einzugehen an diesem Orte 
ebensowenig möglich^ wie alle Einzelheiten des geschilderten Ver- 
fahrens genauer zu erörtern. Nur auf die vielfache Uebereinstim- 
mung sowohl der Vermittlungsversuche, als des ger. Verfahrens der 
Vehmgerichte mit dem der kaiserl. Gerichte soll schon hier hinge- 
wiesen werden. 



— 158 — 

tenen Schaden, Kosten u. s. w.), vnd mag en die abe herma- 
nen vor mir demselben gericht oder andern gerichten" u. s.w- 
Das vom Kläger hierauf begehrte Vollgericht wurde verscho- 
ben und die Frankfurter ermahnt, dem Gerichte die Busse 
u. s. w. abzutragen und dem Kläger „willen zu machen vmb 
sine erwisten vnd erwunnen sache der drier dusent gülden 
vnd der sache oberort", widrigens das Gericht über sie er- 
gehen würde. Und als die Frankfurter auch dieser Ermahnung 
kerne Folge leisteten, und die höchste Acht gesprochen wer- 
den sollte, bat der Freigraf um Mässigung dieser Acht und 
wurde sodann fllr recht gewiesen: da die Frankfurter dem 
Kläger zu keinem Recht verhelfen und zu Ehren nicht ant- 
worten wollen an den gebührlichen Stätten, so möge der Klä- 
ger oder Procurator und Beweiser der Sache der von Frank- 
furt Leib und Gut aufhalten, bekümmern und besetzen, bis 
die Frankfurter dem Kläger in seiner erwiesenen und gewon- 
nenen Sache und dem Gerichte Genüge gethan haben, wozu 
ihm alle Herren und Fürsten u. s. w. behilflich sein sollen. 
Demnach gebietet der Freigraf bei einer Strafe von fünfzig 
Goldgulden allen Herren, Fürsten, Bischöfen, Herzogen u. s. w. 
auf des Klägers Begehren die Arrestirung der Frankfurter 
und ihrer Güter vorzunehmen. In dem bei V o i g t a. a. 0. 
mitgetheilten Falle klagte ein Bürger aus Essen gegen mehrere 
Danziger vor dem Freistuhle zu Horeide, weil er im Wege 
langer Unterhandlungen die Herausgabe gewisser Nachlassgüter 
von den Beklagten nicht erwirken konnte. Hierüber bat der 
Freigraf den Hochmeister des deutschen Ordens in Preussen, 
die Danziger zur Herausgabe des Nachlasses anzuhalten, wie 
sie vor Gott und Rechtswegen schuldig sind und gleichzeitig 
erliess er an die Beklagten den Befehl, dem Kläger den 
Nachlass binnen Monatsfrist herauszugeben, wie sie dies billig 
und von Rechtswegen nach ergangenen Sachen schuldig sind, 
widrigenfalls aber vor ihm an einem bestimmten Tage zu er- 
scheinen u. 8. w., er sähe das schwere Gericht lieber verhütet 
Ungeachtet der Hochmeister sich zur Beilegung der Sache er- 
bot und auch mehrere Ausgleichsversuche stattfanden, zog der 



— 169 — 

• Kläger doch unbefriedigt aus Preussen, brachte die Angelegen- 
heit wieder vor den genannten Freistuhl und erlangte nun 
hier em ürtheil, womach der deutsche Orden dem Kläger ver- 
fallen war in dieselbe Summe, die er an die Beklagten zu for- 
dern hatte, dazu auch in die Kosten und Schaden. Begründet 
war dieses Urtheil damit, dass der (inzwischen verstorbene) 
Hochmeister, als Herr des deutschen Ordens, sich selbst mit 
Willen in das Gericht gegeben und durch seinen Gelobbrief, 
laut welchem dem Kläger von seinen Gegnern Recht geschehen 
sollte, diesen also betrogen habe, dass er des Rechtes nicht 
hat gemessen können. Dem Kläger ward durch das Urtheil 
weiters gestattet, den deutschen Orden und dessen üntersassen 
und Güter zu berauben, und aufzuhalten zu Wasser, zu Land 
u. s. w. bis er zu dem Seinigen komme. Der Hochmeister aber 
wurde zu „einem rechten gerichtlichen Pflichtag" vor den 
Freistuhl geladen, ob er da etwas mit Recht gegen dieses Ur- 
theil zu sagen wisse. Würde er sich hierin versäumen, so 
gieng dann des Klägers gewonnenes Urtheil seinen Gang. 

In den hier mitgetheilten drei Fällen kam es vermutlich 
gar nicht zur letzten schweren Sentenz *). Darum möge jetzt 
noch ein mehrfach interessanter Fall kurz erzählt werden, in 
welchem auch diese letzte Sentenz gefällt worden ist*). Kunz 
Hasse und sein Knecht Hanns Fussel von Mummersheim klagten 
vor dem Freistuhle zuMedebach gegen Hanns Ysenkremerzu 
Mainz wegen nicht näher bezeichneter Verhandlung bezüglich 
eines Schneidmessers und desshalb, weil Ysenkremer die Kläger 
ganze Bösewichte gescholten hatte. Diese Scheltworte wurden 
als vehmbrüchig erkannt und der Beklagte auf einen be- 
stimmten Rechtstag vorgeladen, an welchem die Kläger sich 
von jener Beschimpfung reinigen wollten. Der Tag wurde, un- 
geachtet der Abforderung der Sache durch den Mainzer Erz- 
bischof, abgehalten, der Beklagte war nicht erschienen, die 
Kläger schwuren sich von der Beschimpfung los imd wurde zu 
Recht erkannt, dass sie sich der Scheltworte recht verantwortet 

') S. axich Datt, De pace publ. 770 fg. 

^ Usener, a. a. 0. Urk. XVn, S. 138-U2. 



— 160 — 

und eoüedigt haben, dass sie derselben so frei nnd los sein 
soDen, wie am Tage vor der Beschimpfung, dass sie desshalb 
Niemand meiden, hassen u. s. w. möge, sondern sie in Ehren stehen 
sollen, wie dies frommen Leuten gebühre. Femer wurde zu Recht 
erkannt, dass der Beklagte ihnen gegenüber in derselben Stellung 
stehen sollte, in welcher sie gestanden wären, wenn man sie 
schuldig erfunden hätte und dass er ihnen aUen zufolge jener Be- 
schimpfung erlittenen und noch zu erleidenden Schaden zu er- 
setzen habe *). Da ein Ausgleich der Parteien nicht erfolgte, 
klagten jene weiter und erlangten durch Urtheil, „dass sie mit 
öffentlicher Yerkündung undCitation an den Verklagten ihren 
Behalt gethan haben, nämlich K Hasse auf eilfhundert Gulden, 
IL Süsel auf sechzehn Gulden**, dass der Beklagte schuldig 
sei, diesen Behalt zu zahlen ohne Einrede und sie desselben 
Leib und Gut bekümmern mögen zu Wasser, zu Lande, zu Sande, 
u. 8. w., wogegen ihn kein Geleite, kerne Freiheit schützen 
sollte. Ueber weiteren Ungehorsam des Verurtheilten begehrten 
die Kläger die „leste schwer diffamation Sentencie''; doch 
ward dem Beklagten zur Warnung noch eine Königstages- 
frist gewährt, und ungeachtet fortdauernder Rechtsverweigerung 
Seitens des Verurtheilten und Gefangensetzung und Beraubung 
der Kläger durch ihn, begnügte sich der Freigraf, wie es 
scheint, selbst nachdem den Klägern die letzte schwere Sen- 
tenz zugesprochen worden war, zunächst mit einer Warnung 
an die Mainzer, mit dem verachteten Ysenkremer keine Ge- 
meinschaft zu pflegen. Erst als auch dies nicht zur Befriedi- 
gung der Beklagten geführt hatte, erfolgte die Vervehmung, 
wodurch derselbe fllr friedlos, rechts- und geleitslos erklärt 
und in die Gewalt der Kläger gesetzt wurde, mitihmzuhan- 
deln, als sich nach freien Stuhles und der heiligen 
heimlichen Acht Recht gebührt. - Da beide Kläger echte 
und rechte FreischöflFen waren, so ist wohl anzunehmen, dass sie die 
erste gute Gelegenheit benützt haben werden, den Vervehmten aus 
dem Leben zu schaffen. Bemerkenswerth ist, dass dennoch die 



^) Yergl. den von Wig and in den Denkwürdigkeiten, ges. aus dem Archive 
des Eeichskammergerichts S. 120 fg., ndtgetheilten Fall y. J. 1567« 



— 161 — 

Möglichkeit einer Absolution in den letzten Sätzen der Yer- 
vehmungsformel zugestanden ist. DasUrtheil ist vom J. 1523 
und in dieser Zeit sahen sich die Yehmgerichte meist genöthigt, 
bei ihrem grausamen Spiele mit dem Menschenleben zartere 
Saiten aufzuziehen. 

Schliesslich sei noch eines Falles erwähnt, der ziemlich 
derselben Zeit angehört, in welche die Sache Bänntl*s fiel und 
den Nachweis liefert, dass auch in Fällen, in welchen es sich 
um schwere Verbrechen handelte, ebenso verfahren worden ist, 
wie in den oben mitgetheilfeen Fällen. Ueberdies ersehen wir 
aus diesem Falle, dass auch Wilhelm v. d. Zilnger denselben 
Grundsätzen des Verfahrens gefolgt sei, welche die Freigrafen 
in jenen Fällen beobachtet haben *). 

Ein gewisser Wendler hatte gegen Mathias Tietz und 
Genossen vor dem Freistuhle zu Dortmund wegen Mordbrand 
geklagt Die Beklagten, „vor das offenbare Freiding" geladen, 
waren zur Verantwortung nicht erschienen. „Darumb hat der 
Prokurator im Namen des M Wendler sin clage, hovetgut, 
kost vnd schaden vff sie behalden vnd gewunnen, geachtet vnd 
geromet so gut als achtzig overlentische Rynische gülden, 
auch . . . ordel vnd recht gewunnen vnd behalden, dass die 
obgen . . verclagten dem clager die obgen . . summe gülden, 
auch dem freien gerichte die peen vnd bruch bezalen . . sollen, 
bynnen geborlicher zeit . . vnd ob die verclagten das nicht 
täten, alsdann mögen die clager ... die obgen . summa . . . 
wol abemanen, affpfenden vnd affwynnen mit gerichten, geist- 
lichen und weltlichen .... vff sunder gerichte, an iren liben 
vnd guden . . . Auch ist mit vrteil vnd recht erkant ... ob 
die verclagten . . . sich mit dem clager . vnd . . gerichte nicht 
entscheiden in geborlicher zyt . . . dass ich ... als dann voll- 
gerichte vnd die leste swere sententie vber der verclageden 
lip vnd ere geven sol . . ." 

Sämmtliche hier mitgetheilten Fälle, so verschieden ge- 
staltet sie sonst sind, bewähren unwiderlegbar, dass — ab- 



S. Maller, ReichstagBtheater unter K Friedrich Y. Bd. I. S. 495. 
Vgl. auch a. 0. 8. 498 fg. 

11 



— 162 — 

gesehen von den übrigen Vorverhandlungen, auf welche näher 
einzugehen hier nicht möglich ist — vor der letzten schweren 
Sentenz, der Vervehmung, gegen den vom angesetzten Rechts- 
tag ungehorsam ausgebliebenen Beklagten ein anderes Urtheil 
gefült wurde, durch welches dem Kläger seine Sache, sein 
Recht oder Anspruch, Hauptgut, Schaden und Kosten ganz all- 
gemein und meist nach vorhergegangener „Würderungs Verhand- 
lung" dem Werthe nach in einer bestimmten Summe, sowie dem 
Gerichte das Recht auf die vom Beklagten verwirkten Bussen 
und Brachten zuerkannt und gewöhnlich dem Kläger imd dessen 
Prokurator die Befugniss ertheilt wurde, des Beklagten Leib 
und Gut anzuhalten, zu p&nden, zu bekümmern, bis er voll- 
ständig befriedigt worden sei Zugleich ergieng gewöhnlich an 
bestimmte Personen und Obrigkeiten oder allgemein der Be- 
fehl, den Kläger bei der Bekummerung zu unterstützen imd 
weiter das Verbot, mit dem Verurtheilten irgend welche Ge- 
meinschaft zu pflegen, denselben zu hausen, zu beschirmen, 
zu geleiten u. s. w., nachdem nicht selten schon früher der 
Gemeinde, welcher der Beklagte angehörte, geboten worden, 
jede Gememschaft mit demselben abzubrechen, ihn auszu- 
weisen u. dgl. 

Demnach ist der durch ein solches vorläufiges Contumazur- 
theüVerurth eilte bereits ein friedloser geächteter Mann und 
wird auch als ein solcher in den Achterklänmgen ausdrücklich 
bezeichnet, z. B. bei Usener ürk. 64. In der That sind die 
oft in Emzelheiten sehr abweichenden Achtformeln dieser 
Urtheile mitunter denen der eigentlichen Vervehmung so ähnlich, 
dass es zweifelhaft wird, ob es sich um diese oder jene Art 
der Acht handle. Dennoch unterscheiden sie sich wesentlich 
von einander. In den Fällen der ersten Art erlangt der Kläger 
Gewalt über des Beklagten Leib und Gut nur so weit, als 
diess nöthig ist, um sich imd dem Gerichte Befriedigung ihrer 
vermögensrechtlichen Ansprüche zu verschaffen, beziehungs- 
weise den Beklagten dazu zu zwingen. Durch die Verveh- 
mung wird der Geächtete vogelfrei, recht- und friedlos gegen 
Jedermann, nach Vehmgerichtsrecht gleich emem, der beip^its 



— 163 — 

zum Tode verurtheilt wurde. Die Vervehmung ist — kurz 
gesagt — gleich der Reichsoberacht, jedoch in ihren Wir- 
kungen erhöht durch die Pflicht der Vehmschöffen, den Ver- 
vehmten hinzurichten; die gewöhnlich vorhergehende Aech- 
tung des ungehorsamen Beklagten dagegen gleicht der Reichs- 
acht, bei welcher ja auch, neben den sonstigen Wkkungen 
und Folgen der Verfestung, die Verhaftung des Aechters und 
Bekummerung seines Vermögens stattfindet '). Von dieser Folge 
der Achtsentenz, der Bekummerung, Beschlagnahme des Aech- 
ters und seines Gutes, nahm man die Veranlassung, diese 
Sentenz „Kummersentencia" zu nennen*), und weil sie 
der letzten schweren Sentenz vorangieng, nannte man sie auch 
die erste Sentenz. Es bezeugt dieses eine bisher, wie es 
scheint, ganz unbeachtet gebliebene Stelle des bei S e n c k e n- 
berg a. a. 0. abgedruckten Rechtsbuches, welche überdies 
ein trefflicher Beleg für unsere obigen Ausführungen und na- 
mentlich dafür ist, dass unsere, den Urkunden der Vehm- 
richter entnommene Unterscheidung zwischen der ersten und 
letzten Sentenz, oder zwischen Acht und Vervehmung vollkommen 
richtig und auch in den Rechtssatzungen der Vehmgerichte begrün- 
det ist. Der Artikel 2 9 dieses Rechtsbuches (a. a. 0. L p. 2. pag, 109) 
hat folgende Ueberschrift: Von denen die vmb kosten 
und schaden verfiert erfordert vnd verwonnen 
werden, wie sie niendert glait noch kainer sicher- 
hait nit haben sollen, und bestimmt im Wesentlichen: 
„Wann ainer vmb costen .. erfordert .. wirt, das ist der erst 
sententzvnd istsohoch, als in andren weltlichen 
gerichten die acht .... vnd man doch keinem am leben 
darumb nichtes tun sol, der nit höher, dann vmb costen vnd 
schaden erlangt vnd erfordert ist, sondern man sol in niendert 
gelaittn, fryn noch friden" . . . Der folgende Artikel handelt 
aber: „Von denen, die verfiert vnd verfaymet 



^) S. die vortreffliche Erörtening bei Franklin, das Reichshofgericht, 

n. 320 u. fg. 
*) S. üsener a. a. 0. 217 u. a. — Gaupp. Von Fehmger. 81. 89. 

— Kopp, üb. Yerfassg. d. heiml. Ger. 426 fg. 

11* 



— 164 — 

werden . . . letzte swere sentenz." — Auf das 
zweierlei Verfahren und Urtheil weist auch Art 37 hin, in 
der Ueberschrift : „Wie kein Freischöffe niemandes wamung 
tun sol, der mit recht erlangt ist, es sei vmb costen vnd 
schaden oder ganntz verfiert** Das s.g. Osnabrllcker 
Rechtsbuch (bei Mascov, Notitia iuris et iudiciorum Brunsvic 
Anhang S. 47 fg. u. beiTross Sammlung merkw. Urkunden, 
S. 28 fg.) unterscheidet (Tross, S. 53) „brochliche und pein- 
liche" Klagen, d. h. wohl solche, welche auf Verurtheilung zu 
ßrüchte und Busse oder zu peinlichen Strafen gehen, und be- 
schreibt (Tross, S. 31) das Verfahren, womit Jemand sein 
Hauptgut, Kosten und Schaden gegen den Beklagten fordert und 
bewährt *). Einer besonderen Sentenz hierüber, die aber nicht 
zu bezweifeln ist, wird nicht gedacht, jedoch weiter bestinunt, 
dass man einen solchen beklagten und verfolgten Mann, falls 
er die Klage und „Verfolgniss** nicht achten wollte und gegen 
selbe frevelhaft Widerstand leisten zu können meinte, mit 
rechtem Urtheile aus dem offenen Freigericht in die heimliche 
beschlossene Acht ziehen und daselbst über ihn, wie über einen 
Verschmäher und Frevler des Rechtes nach Satzung der heim- 
lichen Acht richten möge. In den weiteren Bestimmungen wird 
der „letzten schweren Sentenz" öfter erwähnt und so also 
auch durch dieses Rechtsbuch die Unterscheidung zweifachen 
Verfahrens und zweifacher Sentenz einigermassen bezeugt. Ob 
die erste Sentenz, welche wir auch nach diesem, wahrschein- 



<) Wigand, das Femgericht Westfalen's, S. 442 N., 47. — Auch 
diesem Schriftsteller, obwohl er der richtigen Erkenntniss öfter sehr 
nahe stand, entgieng, dass die Yehmgerichte zwei Achtsentenzen 
f&llten und diese im WesentUchen im Verhältnisse wie Reichsacht 
und Oberacht zu einander standen. S. seine übrigens sehr unklare 
Darstellung des Contumatialverfahrens a. a. 0. 419 fg. Ebenso kennt 
H. Meyer, Strafverfahren gegen Abwesende, S. 88, auf Grund der 
Darstellungen von Wigand und Wächter, nur eine Acht im Sinne der 
Beichsoberacht. Eichhorn's richtige Vermuthung einer doppelten 
Acht (D. St. u. R. G. S. 421 Note e) wurde von Wächter a. a. 0. 
8. 164 als nicht in den Urkunden begründet abgelehnt 



— 165 — 

lieh ältesten aller Vehmrechtsbücher annehmen zu müssen 
glauben, bereits die Bedeutung einer Kummer- und Achtsentenz 
im oben behaupteten Sinne gehabt habe, überhaupt die Frage, 
seit welcher Zeit eine erste Sentenz von jener Bedeutung bei 
den Vehmgerichten vorkam, kann hier nicht näher erörtert 
werden und dürfte aus dem bis jetzt vorliegendem Quellen- 
material nicht leicht zu entscheiden sein. Zur Erklärung der 
Urkunden über die Sache des Sigmund RännÜ dürfte aus den 
vorstehenden Ausführungen entnommen werden, dass das von 
RännÜ gewonnene Urtheil, dessen diese Urkunden gedenken, 
eine Kummersentencia, oder, wie sie wegen der gewöhnlich 
darin enthaltenen Aufforderung zur Unterstützung des Klägers 
bei der Beschlagnahme auch genannt wurde *), eine Heischungs- 
sentencia gewesen sei. 

Ueber den Ausgang dieses Processes wissen wir nichts. 
Zur letzten schweren Sentenz ist es da, wie in vielen sonst 
bekannt gewordenen Vehmgerichtsprocessen, in welchen die 
Kaiser oder Landesherren sich in's Mittel gelegt hatten, ver- 
muthlich nicht gekommen, so energisch die Freigrafen die Be- 
hauptung verfochten, dass eine Sache, die als vor das Vehm- 
gericht gehörig erkannt worden ist, nur vor einem solchen 
Gerichte zu Ende geführt werden dürfe*), ja sogar vom 
Kaiser in Folge an ihn gerichteter Appellation erlassene Ur- 
theile kassirten*). Wir haben keine Spur, dass jene Sentenz 
im besprochenen Falle erflossen wäre; vielmehr einen Ver- 
muthungsgrund dagegen, oder doch gegen die Vollstreckung 
der etwa dennoch erfolgten Vervehmung in dem urkundlich 
bezeugten Umstände, dass mehrere der namentlich angeführten 
Beklagten noch lange Zeit nach dem Jahre 1460 am Leben 
waren und wie vorher öffentUche Stellen einnahmen. 

Wie es scheint, blieb dieser Process ziemlich vereinzelt 
in Steiermark. Unter den Tausenden mittelalterUcher Urkunden 



1) XJsener, a. a. 0. S. 211 am £nde. 

») S. Thierach, Vervehmung des H. neinrich v. Baiern. S. 127, 

129 u. V. a. 
«) üsener, a. a. 0. S 94. 



— 166 — 

des steiennärkischen Landesarchives fand sich, ausser den 
drei erörterten Urkunden, kein Zeugniss vehmrichterlicher 
Wirksamkeit im Lande ; eben so wenig in andern Quellen seiner 
Geschichte. Keine der mannigfachen Massregeln, welche Kaiser 
und Landesherren, Adel und Städte in anderen Ländern gegen 
die Vehmgerichte ergriffen, kommt in Steiermark vor; nichts 
ist bisher bekannt geworden, was das Vorhandensein von 
Vehmschöffen beweisen könnte. Möglich und nicht ganz un- 
wahrscheinlich ist, dass Sigmund RännÜ Yehmschöffe gewesen 
sei ; aber sonst fehlt jeder Anhalt, anzunehmen, dass es Vehm- 
schöffen im Lande gegeben habe, so merkwürdig dies bei der 
verbreiteten (jedoch nicht erwiesenen) Behauptung, dass es 
mehr als hunderttausend Vehmschöffen in Deutschland gegeben 
habe, ist. Das Land wird diesen Mangel kaum zu beklagen 
gehabt haben, da die nicht in Abrede zu stellende, aber nach 
meiner Meinung vielfach übertriebene, heilsame Wirksamkeit 
der Vehmgerichte von den dem Einzelnen wie dem gesammten 
Rechtszustande höchst nachtheiligen Missbräuchen ihrer zeit- 
weilig allzu grossen Gewalt gewiss weit überwogen wurde. 

Den sonstigen Inhalt der drei Urkunden des st Landes- 
Archives näher zu besprechen ist unnöthig, da dieselben hierin 
wie auch der Form nach von den vielen bekannten und in 
den citirten Werken benützten Briefen der Freigrafen 
nicht abweichen. Erwähnenswerth ist höchstens noch die in 
der Urkunde I enthaltene Bemerkung, dass die s. g. Amsber- 
ger Reformation der Vehmgerichte v. J. 1437 vom K. Sigis- 
mund confirmirt worden sei. Auf die Autorität Wächter's 
(Beiträge S. 137 fg.) hin wird von den Meisten, gegen die 
Meinung Usener's (a. a. 0. S. 14) imd Seibertz' (Ur- 
kundenbuch III. S. 77 in der fast ganz unbeachtet gebliebenen 
Note), das Gegentheil angenommen; ich glaube ohne genü- 
genden Grund- Wächter sagt: „Die Reformation vom 
27. April 1437 wurde an K. Sigismund geschickt, dieser aber, 
der im Dezember 1437 starb, kam nicht mehr zur Erledigung 
der Sache." Letzteres ist nicht unwahrscheinlich, aber m. E. 
ohne Beweis geblieben. Als solchen kann ich wenigstens das 



— 167 — 

von Wächter angezogene Schreiben K. Friedrich's v. J. 1440 
(bei Wigand, a. a. 0. S. 250) nicht anerkennen. Denn die 
Worte in demselben: „Wk haben . . vemumen . . wie du . . 
eyn bequemliche ordenunge . . verainet vnd dieselb . . Kaiser 
Sigmunden . . gesendet habest, der nach dem balde von dieser 
weit abgangen vnd verscheiden sey, davon soliche ordenunge 
nicht viel nutzes bracht habe", schliessen die Möglichkeit 
der Confirmation der Amsberger Reformation durch K Sigis- 
mund keineswegs aus und könnten etwa auch bedeuten: weU 
E. Sigmund bald nach der Abfassung der Reformation gestorben 
ist, habe sie nicht so viel genützt, als sie bei längerem Leben 
des Kaisers vielleicht genützt hätte. Die Reformation war am 
27. April 1437 fertig, K Sigmund starb erst im Dezember 
desselben Jahres ; man hatte also mehr als genügend Zeit, die 
Confirmation zu erwirken. Muss demnach die Möglichkeit der 
Confirmation zugestanden werden, so gewinnen die von ü s e n e r 
a. a. 0. angeführten Stellen, in welchen die Reformation als 
königliche oder als kaiserliche, gegeben von K. Sigismund be- 
zeichnet wird, sowie insbesondere die ganz bestimmte Angabe 
in unserer Urkunde I, die Reformation sei vom K. S i g m u n d 
löbl. Gedächtniss, der der freien heimlichen Ge- 
richte ein wissender Freischöffe undKaiser war, 
confirmiert und bestätigt worden, erhöhte Bedeutung. 
Diese Bemerkung steht in einem an den Kaiser Friedrich III. 
unmittelbar gerichteten Schreiben der Freigrafen, dient zur 
Unterstützung ihres Protestes gegen die kaiserliche Abforderung 
der Sache vom Vehmgerichte und wäre zu diesem Zwecke 
und in so bestimmter Weise wohl kaum gewagt worden, wenn 
sie nicht wirklich begründet gewesen wäre; denn K. Fried- 
rich IIL hatte sich wiederholt mit den Angelegenheiten der 
Vehmgerichte und namenthch mit der Reformation des K. 
Sigismund beschäftigt und musste oder konnte sehr leicht 
wissen und erfahren, ob dieselbe von K. Sigismund bestätigt 



<) Die daselbst citirte SteUe aus der Urkunde 52 kommt hier nicht in 
Betracht uud wurde Yon Usener offenbar missverstanden. 



- 168 — 



worden sei oder nicht Unter so bewandten Umständen er- 
scheint auch die ebenfalls ganz bestimmte Behauptung der 
durch K. Sigmund erfolgten Bestätigung der Amsberger Re- 
formation, welche sich in der betreffenden Ueberschrift und 
am Schlüsse der Reformation der weltlichen Gerichte vom 
Kurfürsten Hermann V. von Cöln v. J. 1547 findet (s. S ei- 
ber tz, a. a. 0. S. 77 Note u. S. 84, Note 163), als ein be- 
achtenswerther Grund für die Annahme, dass die fragliche 
Confirmation in der That erfolgt sei. Ich halte übrigens den 
Streit durch die vorstehenden Bemerkungen keineswegs für 
erledigt und letztere Annahme für erwiesen; aber unläugbar 
sprechen sehr erhebliche Gründe für diese Annahme und 
gegen die Behauptung Wächte r's. Bestimmter wird sich 
diese Frage ohne Auffindung neuer Beweismittel nicht beant- 
worten lassen. Es wäre überhaupt sehr zu wünschen, dass die 
vielen in Archiven liegenden noch unbekannten Urkunden über 
die Vehmgerichte veröffentlicht würden; die noch immer viel- 
fach dunkle Geschichte derselben und ihres Verfahrens würde 
hiedurch gewiss sehr gefördert werden. 



Kleinere Aufsätze 



und 



littlieiliiiigeii. 



— 171 



M. Johann Kepler's Heiratsbrief von 1597. 

(Angezeigt von Dr. R. Peinlich.) 



Eanem glllcklichen Zafalle und einem archivalisch geübten Blicke 
verdankt die vaterländische Geschichte die kürzlich vorgekommene Auf- 
findung einer höchst interessanten Reliquie, nämlich eines Bruchstückes 
vom Heiratsbriefe (Originalurkunde) des weltberühmten Mathematikers 
J. Kepler, welcher 1597 bei Gelegenheit seiner Vermählung mit der 
Witwe des landschaftlichen Bauschreibers Marx Müller ausgestellt wurde. 

Der Chorherr und Archivar des Stiftes Voran, Ottokar Kern- 
st o c k, fand diese wertbvoUe Reliquie in der Bibliothek seines Stiftes als 
Einbanddecke eines Büchleins, betitelt: „Nomenciator Hadriani Junii me- 
dici" (Augsburg, Mich. Manger, 1592), und übergab dieselbe mit Geneh- 
migung seines Stiftsvorstandes dem Landesarchive in Graz. 

Das Deckelblatt ist Pergament, ungeftlhr 25 Gm. hoch und 15*5 
bis 17 Cm. breit Es wurde durch seine Verwendung zum Büchereinbande 
an manchen Stellen beschädigt und lässt auch die Schrift an einselner 
Stelle gar nicht mehr, an anderen nur schwer erkennen. Von der Ur- 
kunde ist über die vordere Hälfte noch etwa ein Siebentel weggeschnitten. 

Der k. k. üniversitäts - Professor Dr. Arnold Ritter v. Luschin 
unterzog sich mit dem schönsten Erfolge der mühevollen Arbeit, durch 
Combination mit ähnlichen Urkunden des 16. Jahrhunderts den fehlenden 
Text zu ergänzen. 

Da Kepler Steiermark bereits im September 1600 mit Frau und 
Kindern verliess und später nur vorübergehend 1601 und 1605, und seine 
Frau 1608, nach Graz kam, um die Regelung ihrer finanziellen Verhältnisse, 
nämlich die Ausfolgung des väterlichen Erbtheiles der Frau und die Er- 
lassung des den Exulanten abverlangten zehnten Pfennigs von den Gütern 
derselben zu betreiben, wobei dieser Heiratsbrief nichts zur Sache hatte, 
so lässt sich das Verbleiben dieser Urkunde im Lande durch die Annahme 
erklären, dass sie sich bei seinem Schwiegervater Jobst Müller zu Mühleck 
befand. 

Wir lassen beides, den Rest der Originalurkunde und die Ergänzung 
von einander geschieden, folgen und bemerken nur, dass Zeile für Zeile 
von Seite 172 auf J73 hinüber zu lesen ist. 



— 172 — 



Jeh M.{agiiter) Johannes Kepler, einer er:{same7») l a:(aHdschafl) in 5: 
mich vnd auch für all mein erben, dass ich meiner lieben hauswirti» j^ 
Bdiaft pamMthreiber witib gegeben und gemacht han zu einer widerlag ihres heyraiguetts * 
etig kreueur oder funfzehen paczen guter lanäeswerung in Stetfer gerechnet. Vf^ 
hundert gülden Beinisch bringt, secz ich meiner lieben frau aü mein hab sie »ei man mg^ 
tuelrug, dass id% vor meiner lieben wirtin fraiien Barbara an leibserben abgiesf i 
Hcrhunderi guidein Beinisch heiratguett und widerlag meiner licocn tcirtin gefallen, i«^ 
aUdanm mus ihrer erstem ehe, mit weiland y. Lorencz noch vorhanden ist f 
Jiegina Lorenczin, vnd aber auch die fahrnuss die ich bei meinen lebzeiten gewiMi' 
tau geiaiU werden, meiner lieben hai^wirtin frauen Barbara und meinen nadisten « 
Lorenetin aigenthumblich haimbfaüen vnd verbleiben, auagenomen leibskleider, p»f<^ 
lieben haus/rauen Barbara allerdings freylediglich Jiaimbfallen vnd unwiderru/flich verbleiben f(^' 
DoA da mir oft ermeUe mein liebe hausfiau über solch mein empfangen heircUftgurt noeki^ 
notwendiger, genuegsamber verschreibung versehen, auf da-f sy oder ir erben sich derhedben f' 
mad^ meinem todüiehen abgang an all mein gelassen hab vnd guet halten mugc vnd anders zu t0 
meinen sdtadenpundt im lande Steyer, als ob desselben clausein, punct vnd artikl AiVra 
diesen heyraibriejf mtt meiner handtschrift und betsehafft verfertigt, auch zu merer bekräftigung han 
und Adamen Nidnaus beede burger in Gracz, fleissiglichen erpeten, da» sie zusamt mir ire nanun « 
4ren naehkomen und allen iren erben an schaden. Der brief ist geben ze Gracz nach Christi geburi ^ 
den 27, tag de» monais ÄrriUs. 

Sebasm 



Jf. Jokan Kepler m. p. 



Adam 



L. 8. 



X. S. 



Asm «rk nag. Dl« ErgSncacg wurde mit Rücksicht Jtnf dl« bekannten Datea aas Kepler*! Leben und (soweit ei *b|^ 
m't Benutzung gleichzeitiger Urkunden and Fonnelbiicher vorgenommen. Dem In der Kepler-Lfterator «obl^ 
kanateii Herrn VerelnsTorstande Dt, R. Peinlich verdanke ich die Nachricht, dass Hans Nldenaos Börf* 
nnd Raftbeverwandter in Onz war, welcher mit Kepler auch noch in späterer Zelt in vertrauter und gts^ 
lieher Bedehnng stand, daher dieser im Jahre 1601 durch die Zelt seines mehrmonatllehen Besaohes ^*^ 
Hanptetadft In seinem Hanse wohnte (nach einem Briefe Keplet's aus Graz, d. 30. Mal 1601 an seine Frtt^ 
Tragj; wie aoeh Nidenaus noch 1607 der Regina Lorentzln lUOO fl. schuldete. (Frisch, Keplor's Werke VUl 
0. 777) and dass «In Adam Nyednaus am 2. Aug. 1600 unter den Qraeer Vorstadtblirgern erscheint, vei<^ 
Ihre Bliekkehr zur katholischen Kirche mit Handschrift und Petschaft zur selben Zelt vorsprachen, als Ke;^ 
wegen d«r Gegenreformation die Steiermark verliess. (H. H. n. Staats-Archiv zu Wien, I. o. HolktB^*^ 
Steitrm. V, Fase. 1590—1618). Aetenauszüge, welche mir gleichzeitig der Herr Vureins-Sehriftfuhrar L. B«c^' 



— 173 — 



Original. 

eyer mathematicus, bekhenn hiemit für 
en Barbara weilendt Marxen Mftllers wolermeldter lanndt- 
enänntlicben zwayhimdert golden Reinisch, yeden derselben zu sech- 
umb solch licyiatguett vnd widerleg so in ainer summa vier- 
verfangne, oder frey verfallene alles mit der bescbaidenbeit, ob sich 
wdiches alles in gottes gnädigen willen steet,) so sollen berüerte 
ist abgercdt vnd beschlossen worden, das in der ihenigen fahmuss weliche 
fall gleich halber thaill irer in dero ersten ehe erzeugten tochter namens 
möcht, solle für ain fahrnuss geschätzt, vnd wideromb in zwen gleiche 
bnen zugleich ; da aber dern khaine vorhanden, alsdan mergemeldter Regina 
vnd was zur mannswehr gehört Mid genennt wirdt, also auch ir meiner 
was ihro von mir oder andern an yeczo oder khunfftig geschenckht wurde 
mehrers wurde zuebringen, daniber f<oU vnd vriU ick 8i£ jederzeit mit 
ter so wol vmb ir beyrath, veimaclit, als vmb ir mehrers zuebringen 
nit schuldig .sein solle. Alles treulich vnd pei verpindung des allgc- 
nen geschriben waren, ongeuerde. Des zue wahrem vrkund hab ich 
Sebastian Spcidl ainer er: la: in Steyer cinnemer, Hannsen Ntdnaus 
dterschriben vnd auch Ire bettschaft hieran gehangen haben ; doch inen 
tausent fünfhundert sibenundneunzigisteu jar 

Speidl m. p. 

Nidnaiis m. p. Hanns Nidnaos m. p. 



LS.) (LS. 




Wldmanstottor zur Verfügung stellte, ergeben, das» entweder nebut dem Rath« 
bürger and Handelsmaoii Hans Nidenaus gleichzeitig noch ein anderer, ganz 
gleichen Namens, bei dar L ö. Karamorbachhaltung in Graz (seit 1575) 1586 als 
RaitdJener, 1599 als Adjunet und 1607 als Amtsverwalter badlenstet war, oder 
was nicht unwahrscheinlich ist, dass beide identisch sind. Sebastian Speidl ist 
ein Bruder des berühmteren Stefan Speidl zu Vattersdorf '(Liebenau), landschafl* 
liehen Secretärs, von woUh' letzterem ein noch heute In Bayern blühendes Frei- 
herrengesohlecht abstammt. Die Unterschrift Keplcr's wurde seinen Gehaltsquittungen 
aus den J. 1597/8 entnommen, deren Originale das steierm Landesarchiv gleich 
dem Helratsbrlefc verwahrt. Das Wort „verfaUena*' in der 5. Zelle v. o. ist aber- 
geschrieben und das darunter stehende ,aJgno* durchstiichen. LiMcbln- 



^v^-- 



— 174 — 



Ein merkwürdiges Flugblatt. ^) 



Das St. Landes- Archiv bewalu*t das Original eines Flugblattes höchst 
eigenthQmlicher Art, welches selbst unter den ungezählten Reihen von 
Zeitungen, Flugschriften und Flugblättern, welche die Bibliotheken und 
Archive des deutschen Reiches und Oesterreichs als grösstentheils noch 
ungehobene Schätze ftlr die Quellenforschung bergen, zu den Seltenheiten 
gehören dürfte. Es ist ein Spottgedicht auf den Winterkönig, Eurf&rst 
Friedrich Y. von der Pfalz, welches ohne Zweifel bald nach dessen Flucht 
aus Prag, also Ende 1620 oder Anfang 1621 entstanden ist Nicht so 
sehr der Inhalt des Gedichtes, welcher in der fast unerschöpflich erschei- 
nenden Flugschriften-Literatur jener Tage nicht vereinzelt dasteht, sondern 
besonders die Art der graphischen Darstellung desselben macht dieses 
Flugblatt zu einer Merkwürdigkeit. Wir finden in den 41 Zeilen des 
Textes eine beträchtliche Anzahl von (52) Worten durch Bilder ersetzt, 
so dass wir es hier zugleich mit einem Rebus oder Bilderräthsel zu thun 
haben, welches wahrscheinlich zu den iUtesten in deutscher Sprache ver- 
fassten gehört. Ueber das Alter der Bilder* Räthsel sind in neuerer Zeit 
gründliche Untersuchungen angestellt worden'^). Vereinzelte Beispiele 
kommen schon bei griechischen und lateinischen Schriftstellern vor. Auch 
den alten Steinmetzzeichen und Eün Stiermonogrammen haftet mehrfach 
ein rebusartiger Charakter an. In Frankreich scheint das Bilderräthsel zuerst 
weitere Verbreitung gefunden zu haben und zu Aufzeichnungen scherzhaften 
Inhaltes verwendet worden zu sein. In den ^Bigareures * des Tabourot wird 
das erste Vorkommen der Rebus in das 12. und 13. Jahrhundert versetzt. 

Zedier spricht vom „Rebus de Picardie** und bemerkt, dass in 
der genannten französischen Landschaft dergleichen scherzhafte Darstel- 
lungen mit „ hieroglyphischen " Zeichen üblich sind und dass sie zu 



') Die 'beiliegende Autographie des im et. Landes- Archive beftndüolien Originales ist ein 
'Wiederabdruck einer im XXII. Jahresberichte der st 1. Obor-Bealschulo zu Gras 
enthaltenen ,Sammlang ron Zeitungen und Flugschriften aus der ersten Hälfte des 
XVIL Jahrhunderts** von Professor Dr. Hans ron Zwiedlnedc-Siidenhorst, wdoher 
von der Direetloi^ der gedachten Anstalt bereitwilligst zugestanden wurde. 

*) Boreuz. Galante Hiero^yphen. Iieipzig 1800. — Dr. Oehmann. Zur Kenntniss der 
Rebus. Programm des Gymnasiums zu Oppeln 1861. — F. R Hoffmann. Grondzugo 
seiner Geschichte des BUder-Rathsels. Berlin I8ß9. (Dies BUchlein war dem Schreiber 
dieser Zeilen bis zum Augenblicke der Drucklegung dieses Aufsatzes leider nicht zu- 
gänglich.) Notizenflnden sich ausserdem im Anzeiger f. K.d.Vzt. Jahrgangl858 und 1859. 



— 175 — 

seiner Zeit (Anfang des 18. Jahrhunderts) von französischen Damen nicht 
selten zur Anwendung kSmen. Es hätten auch etliche Deutsche auf der- 
gleichen Art einen Versuch gethan, unterschiedene Stellen aus der Bibel, 
ja das ganze Corpus juris in hieroglyphischen Figuren abzufassen. 

Jedenfalls war die Anwendung der Bilden-äthsel im 16. und 17. Jahr- 
hundert in Frankreich und Deutschland schon bekannt; denn dafür sprechen 
mehrfache Andeutungen im Dictionaire des M^nages (1650) im Gargantua 
des Rabelais, in Fischarts und Harsdörfers Schriften. — Ein Seitenstflek 
zu dem vorliegenden Rebus findet sich in den Sammlungen des Germani- 
schen Museums. Es ist ein 18 Zeilen langes Gedicht, welches ebenfalls 
den Winterkönig zum Gegenstaude hat und die Ueberschrift führt: ^Gründ- 
liche weiss (Sage)ung. Vom Heydel (Berg) er vermelt was Ihm ein Zi- 
geinerin hat Er (Zelt). Von (Fass) Ihm das vnglückh schnell Erwachsen 
sey mit (zwei gekreuzte Knochen) vnd (Quell).** 

Mit üebertragung der bisweilen ziemlich undeutlichen Bilder lässt 
sich der Text unseres Flugblattes in folgender Weise lesen: 

Die Bettler auss Böhmerlaiid. ') 

Hört zu ir frommen Biderleut, 
Zu diser neuen Karren Zeit 

Was sich hat zugetragen. 
Last euch ein arme Bettlerschar 

Ihr Leid vnd eilend klagen. 

Solen wir euch sagen wer wir seind? 
Wir sein geflohen vor dem Feind. 

Das waiss man leider eben* 
Der Graff von Thum der fein Gesel 

Hats Fersengeld Bald geben. 

In Behem war ein Keller offen. 
Da habn wir zuvil Pier gesoffen^) 

Darumb thet man vns straffen. 
Wir achten nichts was man mit güet 

Geboten oder gschafen. ^) 



*) £• la»st sich au« don vIorFlguroa aieht ersehen, ob damit bestimmte Personlichkoltea 
bexdchnet sein sollen. Es scheint WAhrsoheinUoh, das» nur Im Allyenelnon ein Zog Ton 
Bettlern dargestellt werden sollte; sonst hätte sich der ohnehin nicht sehr artige 
Zeichner kaum versagt, aach die Fraa Pfalzgrafln im Bilde sa Terewigen. YToUten 
wir dennoch vier der pfalzischen Flüchtlinge darunter Termuthen: so liesse sieh der 
Pfalzgraf mit seinem ältesten Sohnlein, Fürst Christian ron Anhalt und allenfalls 
der stets getreue Camararlus nennen. 

*) Dürfte eine Anspielung auf die zahlreichen Hoffeste in Prag sein. 

*) Dieser Passus bezieht sich wohl auf die Friedensvortchläge, welche Maiimilian ron 
Baiem zwei Tage vor der Schlacht am weissen Berg« dem WinterkSnige gemacht 
hat, worin er sofortige Thionentsagung rerlangte. 



f»,.- ■• 



— 176 — 

Dimmb min raz mit khrieg vnd scblacht 
In Eil veijagt vnd fortgebracht 

Hinauss auf frembde Strassen 
Vil Krfige Pier vnd ander guet geschier 

Habn wir binden gelassen*) 

Der Wind der war doch gar nit guet, 
Hat vnss genomen Mantel vnd hat, 

Den Staub vnd sand geblasen, 
Starck wider mss vnd Tnser gsind 

In Augen vnd in d' Nasen 

Von diesem graussam starcken Wind 
Seind wir worden so gar stockblind 

Vnd vnsers gsichts beraubet. 
Was wir verlobren in der Flucht 

Das hat der Feind aufklaubet **) 

Wir hatten zuuor Stadt vnd land 
Das Engellendlsch Hosenband 

Vnd königlichen throne. 
Die Augen jetzt nichts zeigen ^) mehr. 

Khain Scepter noch khain Krone. 

Gott bhQt euch euer liebs gesiebt 
Das noch das vatterland ansieht 

Dass mdessen wir entraten, 
Vnd ohne ainige Zuuersicht 

Im .eilend schwinmien vnd waten. 

Die beiden letzten Strofen entbehren des poetischen Schwunges nicht 
und vereinigen Kraft des Ausdruckes mit Gemüth. Jedenfalls gehört das 
vorliegende Poem, was Form und Gehalt betrifft, nicht zu den unbedeutendsten 
Volksliedern jener vielbewegten Zeit, deren erregten Pulsschlag man ge- 
rade aus jenen literarischen Erzeugnissen am kr&ftigsten herausfühlt, die 
einem plötzlichen Ein&ll, einem vorttbergehenden AjQfect ihr Entstehen zu 
danken haben. Z. v. S. 



*) Da» hier angewondetn, eiomllch schwor xu erkennende Bild soll die Procedor eine« 

AdorlAtces darstellen. 
^) Krone und Kleinodien, Archiv und Kanilei, welche Friedrich Y. und seine hervor- 

ragenden Rithe Fürst Christiaa ron Anhalt und Ludwig Camerariof bei Ihrer Flucht 

In Prag zurSekUessen. 
'; Dm hier befindliche Bild ist sehr schwer su deuten. Dem Schreiber dieser Zellen 

erscheint es als «in Mann, welcher eine Figur zeigt, welch' letztere Thatigkolt damit 

dargestellt werden sollte. 



— 177 



Zur Wiener Weltausstellung 1873. 



Der AusschuBB des historischen Vereines hatte zwar anfänglich 
beabsichtigt, sich an der Weltausstellung in Wien durch eine Exposition zu 
betheiligen, die eine Üebersicht der Ziele, Bestrebungen, Leistungen u. s. w. 
des Vereines geben sollte, allein da in Erfahrung gebracht wurde, dass 
die Österreichischen Vereine Ton gleicher Tendenz jede selbsständige Aas* 
Stellung unterlassen, hielt man es ftkr angezeigt^ in gleicher Weise zu ver- 
fahren. 

Dafür waren einzelne Mitglieder des Vereines bei der Weltausstel- 
lung mit literarischen Leistungen vertreten, von denen namentlich die 
beiden zunächst aufgeführten von so hervorragendem Werthe sind, dass 
ein kurzer Bericht Ober dieselben hier nicht fehlen darf. 

Für das steiermärkische Landesarchiv exponhle der 
Vorstand desselben, Professor J. Zahn. Die Ausstellungsgegenstände 
waren : 

1. Der 1. Band des (sogenannten) Regestenrepertoriums, 
d. h. das Verzeichniss der Urkunden des Archivs vom Jahre 810 bis 
1299.V)asselbe gewährte nicht nur einen klaren Einblick, in welcher Art 
das Inventar der Documente geführt wird und die Nachweise über Her- 
stammung, Fond- und Druckort derselben gegeben werden, sondern auch) 
wie Nachträge bequem ohne Beiming der Chronologie und Beihenfolge 
in den Band eingeschoben werden können. 

2. Der 3. Band der Register der Documente des oben be- 
merkten Zeitraumes, d. i. das Verzeichniss der in den Urkunden desselben 
enthaltenen Namen der Personen, Orte, Sachen und Siegel. Die Ausführ- 
lichkeit dieser Bearbeitung zeigt der Umstand, dass die drei Bände dieser 
Register von c. 8200 Urkunden nicht weniger als 70.000 Daten enthalten. 

8. Ein Modell der Kästen (in sechsfacher Verkleinerung), in 
denen die Documente aufbewahrt werden. Jeder Kasten ist mit Doppel- 
thüren verschliessbar und enthält 5 gleichfalls verschlossene Kistchen, die 
durch Handhaben beweglich und leicht tragbar gemacht sind. In jedem 
Kistchen befinden sich in 8 Fächern zum mindesten 200 Stück Urkunden, 
in der Regel jedoch 300 — 400. Dass die Aussenseite mit den entsprechen- 
den Orientirongssignaturen versehen ist, versteht sich von selbst. 

12 



— 178 — 

4. Diese Objecte waren von einer vom Professor Zahn yerfassten 
Druckschrift begleitet, welche den Titel führt: „Bericht aber Zusammen* 
setzong, Entwicklang, Bestand und Verwaltung des steierm. Landesarchiyes 
zu Graz, vorgelegt bei Abgabe von Proben der Fachkataloge desselben 
zur Wiener Weltausstellung von 1873." — Dieser Bericht enth&lt nebst 
dem referirenden und historischen Abschnitte 32 statistische Tabellen, 
welche einen deutlichen Ueberblick tlber das archivalische Material in 
allen seinen Beziehungen geben. Die 83. Tabelle gewährt eine Uebersicht 
der von den Beamten des Archives in der Zeit ihrer Bedienstung an der 
Anstalt veröffentlichten Druckschriften. £ine werthvolle Beigabe bilden 
zwei Karten, von denen die eine die Uebersicht der Oertlichkeiten gibt, 
aus deren Archiven das Joanneums - Archiv zu Graz (1812—1872) sich 
bildete, die andere den Grad darstellt, in welchem die ehemaligen steierm. 
Patrimonialbezirke in diesem Archive derzeit vertreten sind. 

6. Im Anschlusjse an diese Exposition des Landesarchives befand 
sich auch das Archiv des steierm. Benediktinerstiftes St. Lambrecht 
durch 2 Bände seiner Repertorien vertreten. Dieser Anschluss erhält 
dadurch seine Erklärung, dass der vortreffliche Ordnungsplan des Lam- 
brechter Archives ein Werk und Verdienst des Landesarchivars Prof. 
Zahn ist. 

Waren diese Ausstellungsgegenstände vermöge ihrer Natur kein 
Gegenstand der Bewunderung für das grosse Publikum, umsomehr er- 
regten sie die Aufmerksamkeit und den vollen Beifall der Sachverstän- 
digen. Auch die Preis- Jury votirte für dieselben die Verdienstme- 
daille; allein bei der überstürzten Hast, mit welcher die Anfertigung der 
diesbezüglichen Liste geschah, wurde die Eintragung übersehen. 

Dieser leidige Fehler wurde dadurch ausgeglichen, dass das Landes- 
archiv, respective der Vorstand desselben, Über Antrag des Generaldirectors 
der Ausstellung die Allerhöchste Anerkennung Seiner Majestät 
des Kaisers erlangte. 



Ebendieselbe Auszeichnung erhielt für sein Ausstellungs- 
objekt der k. k. Hauptmann M. Fei ic et ti von Liebenfelss, da es in 
derselben Weise, wie oben erwähnt wurde, um die zuerkannte Verdienst- 
Medaille gekommen war. 

Dieses höchst interessante Ausstellungsobjekt war seine von dem- 
selben entworfene und gezeichnete Wandkarte: ,» Steiermark zur Zeit des 
Regierungsantrittes des Hauses Habsburg 1282*'. 

Den Lesern dieser Blätter sind die musterhaften kartographischen 
und gediegenen historischen Arbeiten dieses Gelehrten in den „Beiträgen 
zur Kunde steiermärkischer GeschichtsqueUen'^ (9. u. 10. Jahrgang) zu 
bekannt, als dass es nothwendig würde, über den hervorragenden Werth 
der bezeichneten Karte besondere Worte zu machen. Der kurze ffinweia 



— 17§ - 

auf den JnhtAi derselben wird genügen, nm bei Freunden der Oeschiclite 
den lebhaften Wunsch zu wecken, dass diese ausgezeichnete Arbeit auch 
ihnen baldigst zugänglich gemacht werde. 

Die Karte — 9 Quadratfuss gross — im Massstabe von 1" = 2000^' 
(1 : 144000) entworfen, enthält eine Darstellung alles dessen, was über die 
politischen, socialen und kirchlichen Verhältnisse im heutigen Steiermark zu 
Ende des 18. Jahrhunderts quellenmässig nachgewiesen, bestimmt und 
graphisch wiedergegeben werden konnte. Man findet daher auf derselben 
▼erzeichnet und deutlich erkennbar: 

1. Die Yertheilung des Besitzes, des landesfürstlichen, des kirch- 
lichen und des herrschaftlichen, u. zw. nicht nur die grösseren Complexe, 
sondern auch deren zerstreut liegende Güter und Beuten; 

2. die Lage von 84 Städten und Märkten und von 1459 Dorf- 
Schäften, femer die Bezeichnung der festen Plätze, der Bergwerke, der 
Culturen u. s. w.; 

8. die politische Eintheilüng mit Unterscheidung der eigentlichen 
Steiermark und des damals noch zu Kärnten gehörigen Theiles ; 

4. die yerschiedenen Gerichtsbezirke, wie Provinzialgerichte, landes- 
fürstliche, Stadt- und Marktgerichte, sowie die Bezirke, welche unter der 
Gerichtsbarkeit von Kirchen und Klöstern oder von weltlichen Magnaten 
standen; endlich 

5. die kirchliche Eintheilüng nach den bischöflichen Diöcesen und 
nach Archidiaconaten nebst den Pfarren und Filialen. 

Es ergibt sich von selbst, dass eine solche wissenschaftliche Leistung 
langjährige mühevolle Studien der ernstesten Art voraussetzt und dass 
ausser der kritischen Bearbeitung und Sichtung der Quellen eine nicht 
geringe technische Befähigung und Fertigkeit für den graphischen Theil der 
Arbeit erforderlich ist Der Yerfertiger unserer Karte vereint das eine mit 
dem anderen in ausnehmendem Grade. 

Die Anregung zu dieser Arbeit verdanken wir dem Ausspruche des 
berühmten Geschichtsforschers Chmel, dass die staatlichen Verhältnisse 
des Mittelalters niemals recht verstanden werden könnten, wenn nicht ge- 
naue Karten hergestellt würden, „auf denen nicht bloss die Orte bemerkt 
sind, sondern auch ihre Eigenschaft, nämlich wem sie gehörten und wie 
sie ihm gehörten**. So wie andere Männer der Wissenschaft durch dieses 
Mahnwort veranlasst wurden, Karten, diesen Bedingungen mehr oder minder 
entsprechend, zu entwerfen, so auch Fe licet ti; aber er ist in derThat 
der erste, der eine Arbeit lieferte, die allen obigen Forderungen in der 
gelungendsten Weise entspricht. Zu diesem Gelingen trug auch der Um- 
stand bei, dass das steiermärkische Landesarchiv nicht nur reichliches hi- 
storisches Material bietet, sondern auch die Benützung und Verwerthung 
desselben durch seine intelligente musterhafte Ordnung in angenehmer 
Weise erleichtert. 



— 18Ö — 

£« stehen daher die beiden aufgeführten AuBStellungsobjecte, das 
Landesarchiv und die Wandkarte, in einer interessanten organischen Ver- 
bindung, indem nämlich die Yortrefflichkeit der letzteren den hervorra- 
genden Werth des ersteren in besonderer Weise illustrirt und bethätigt 

Schulrath Dr. R Peinlich exponirte seine „ beschichte des Oym- 
nasiums in Graz**, aus den Programmaufsätzen der genannten Lehranstalt 
in den Jahren 1864, 1866, 1869, 1870, 1871 und 1872 in einem Band 
zusammengestellt, und eine eigens für die Ausstellung verfasste: „Real- 
nnd Personal - Statistik des k. k. L Staatsgymnasiums in Graz von 1774 
bis 1872**. Beide. Arbeiten waren der Collectivausstellung des k. k. Mini- 
steriums für Cultus und Unterricht angeschlossen, kamen aber nicht vor 
die Jury. Die „Geschichte" hat bereits im letzt jälirigen Hefte der „Mitthei- 
lungen des historischen Vereines für Steiermark** (Seite 95), dio „Statistik'' 
in mehreren Fachbl&ttem eine Würdigimg gefunden ; wesshalb eine nähere 
Besprechung beider bei Seite gelassen werden darf. 

Dr. R. P. 






GEDERKBÜCH 



DBS 



flisTom mmts, ihr stemim. 



(Zufolge BeschloBS des historischen Vereines ftlr Steiermark in der XV. all- 
gemeinen Jahres - Versammlang am 6. Dezember 1864 f&r verstorbene 

verdiente Vereins-Mitglieder angelegt) 



frustav Franz Ritter von Schreiner. 



Von 

Dr. Franz llwof. 



leinen homo novus nannten die Römer einen Mann aus 
einer Familie stammend, von welcher noch kein Glied ein 
höheres Staatsamt bekleidet hatte, einen Mann, der durch eigene 
Kraft zuerst zu einem solchen gelangte und dadurch sich und 
seine Nachkommen in die Klasse der Nobiles versetzte. Sie 
waren dabei ohne Zweifel von dem Gedanken, der sich ihnen 
wohl auch aus der Erfahrung ergeben musste, dm*chdrungen, 
dass es einem Manne, der keine durch Geburt und Stellung 
hervorragenden Ahnen aufzuweisen hat, doppelt und dreifach 
schwer Mt, in dem Kampfe, der unser Leben ist, sich durch- 
zuringen, durch eigene Kraft emporzuschwingen und in dem 
Erkämpften und Errungenen festzuhalten. Ein solcher homo 
novus, ein selbstgemachter Mann ist es, dessen Leben auf den 
folgenden Blättern geschildert werden soll ^). 



^) Als Quelle hiefür dienten mir eine kurze handscfariftliclie Autobiographie 
des Verstorbenen, welche ich ebenso wie mündliche Mittheilungen dem 
Sohne desselben, Herrn Dr. Moriz von Schreiner, verdanke, und end- 
lich mein eigenes Gedächtniss, dieEiinnerung an aU' das, was Schreiner 
seit 1649, da idi als angehender Student der Rechte, ihn kennen 
lernte und sein Schüler wiurde, erlebte und an die vielen Mittheilungen, 
die er mir oftmals gesprächsweise über sein Leben machte. — Eine 
Biographie Schreiner's unter dem Titel „Ein Mann der Wissenschaft" 
in der Grazer Tagespost 1871, Kr. 88—90, beruht auch auf der oben 
erwähnten Autobiographie. — Endlich enthält die juridische zu Pest 
in magyarischer Sprache erscheinende Zeitschrift : „ Jogtadomänyi köz- 
lony^ (1868, 2. Februar, Nr. 5) eine Biographie Schreiner's, welche 
den kgl. ungarischen Justizminister Theodor Pauler zum VerÜEtsser hat. 

1* 



— 4 — 



Gustav Franz Schreiner wurde am 6. Augast' 1793 in 
der königlichen Freistadt Presburg geboren. Sein Vater Franz 
Xaver war dortselbst Barger, Biemermeister, Hausbesitzer, 
zuletzt Mitglied des äusseren Rathes und durch 9 Jahre, nach 
der damaligen Verfassimg der königlichen Freistädte Ungarns, 
StadtYormund (Tribunus plebis), Vertheidiger und Vertreter 
der Bürgerschaft im mneren Rathe (Magistrate) mit dem Rechte, 
des Veto gegen jeden der Bürgerschaft nachtheiligen Beschluss 
des letzteren; er bekleidete somit öffentliche Ehrenämter, zu 
welchen ihn das Vertrauen seiner Mitbürger berufen, obgleich 
er nicht einer altungarischen Familie angehörte, sondern aus 
Brunn in Mähren stammte, von wo sein Vater (also Professor 
Schreiner's Grossvater) nach Presburg ausgewandert war. Seine 
Mutter war eine gebome Zollner, aus Wien gebürtig. Das vä- 
terUche und Geburtshaus Schreiner's, der Ostseite der Dom- 
kirche zunächst gegenüber gelegen, befindet sich noch im Be- 
sitze der Familie. 

Schreiner erhielt in der Taufe die Namen Franz Xaver 
Donat; den Namen Gustav, welcher ihm in der Firmung bei- 
gelegt wurde, gesellte er erst seit dem Jahre 1815 den an- 
deren zu. Seine erste Erziehung und Bildung erhielt er in 
seiner Vaterstadt; da jedoch bereits damals in Ungarn die 
Kenntniss mehrerer Sprachen für jeden Gebildeten eine drin- 
gende Nothwendigkeit war, so wurde er schon als sechsjähriger 
Knabe zur Erlernung der ungarischen Sprache in das auf der 
Insel Schutt gelegene ungarische, von deutschen Kolonisten 
gegründete Dorf Püspöki (Bischdorf) gegeben. Nach der Rück- 
kehr von dort besuchte er in Presburg die Normalschule seiner 
Vaterstadt und die ersten vier Klassen des dortigen, damals 
unter der Leitung weltlicher Lehrer stehenden Gymnasiums. 
Das Schuljahr 18041805 brachte er zum Behufe der Erler- 
nung der slovakischen Sprache zu Trentschin bei einem Edel- 
mann, Namens Borschizky zu, wo er am dortigen Piaristen- 
Gymnasium die erste Humanitätsklasse absolvirte. 

Die Gymnasialstudien vollendete er 1806 zu Presburg^ 
Dem Wunsche semer Mutter folgend, schlug er sodann die 



— 5 — 

geistliche Laufbahn ein und bewarb sich um die Aufnahme 
in eines der Alumnate der Graner Erzdiöcese, der seine Vater- 
stadt angehörte; obgleich er das zum Eintritte in ein solches 
erforderliche Alter noch lange nicht erreicht hatte, wurde er 
doch seiner vorzügüchen Studienzeugnisse wegen und nachdem 
er die vorgeschriebene Aufhahmsprüfung ausgezeichnet bestan- 
den hatte, aufgenommen, zugleich aber auch verpflichtet, durch 
die nächsten drei Jahre sich in dem Presburger Emerichs- 
Seminar dem Studium der lateinischen Klassiker zu widmen. 
Dies geschah auch in den Jahren 1807 und 1808. Während 
dieser Zeit erhielt er von dem Erzherzoge Karl Ambros, 
Primas von Ungarn und Erzbischof von Gran, dem Bruder 
der Kaiserin Maria Ludovika, die Tonsur und die vier niederen 
Weihen. Durch den Krieg des Jahres 1809, in dem die Fran- 
zosen Presburg beschossen, besetzten und das Emerichs-Se- 
minar in ein Spital verwandelten, wurden die zwölf Kleriker 
dieses Alumnates genöthigt, dasselbe zu räumen und sich in 
eines der zwei grossen Seminare zu Tyrnau zu verfügen, und 
als auch diese zu Spitälern verwendet wurden,, sich zu ihren 
Eltern zu begeben. 

Durch die weiteren Kriegsereignisse und ihre Folgen 
wurden die Seminare von Presburg und Tyrnau den Alumnen 
für das nächste Jahr (1810) unzugänglich und so wurde 
Schreiner der Vei-pflichtung enthoben, noch ein drittes Jahr 
im Emerichs-Seminar zu verleben. Um jedoch in seinen Studien 
keine Unterbrechung eintreten zu lassen, erhielt er auf sein 
Ansuchen von seiner geistlichen Oberbehörde, dem General- 
vikariate der Erzdiöcese Gran, da der erzbischöfliche Stuhl 
damals unbesetzt war, die Erlaubniss, das erste Jahr der philo- 
sophischen Studien an der Akademie zu Presburg, an der 
durchaus weltliche Professoren angestellt waren, zu absolviren. 
Im folgenden Jahre (1811) wurden die Alumnen wieder in 
die Seminare berufen; Schreiner kam nach Tyrnau, wo er 
unter Leitung geistlicher Professoren die Gegenstände des 
zweiten philosophischen Jahrganges studirte. - In Wien be- 
stand und besteht noch eine Anstalt, das Pazmaneum (von 



— e - 

Peter Pazman, Erzbischof von Gran, Kardinal und Primas von 
Ungarn, gestorben 1687, gegründet), welches die Bestimmung 
hat, die ausgezeichnetsten Alumnen der Erzdiöcese Gran auf- 
zunehmen und ihnen so Gelegenheit zu geben, an der theolo- 
gischen Fakultät der Wiener Universität zu studiren. Schreiner 
befand sich unter denen, welche 1812 in das Pazmaneum be- 
stimmt waren; da er es aber vorzog, seine kirchliche Lauf- 
bahn im deutschen Theile der Monarchie fortzusetzen, so be- 
warb er sich um die Aufnahme in die Wiener Erzdiöcese. 
welche er auch sofort nach befriedigend abgelegter Aufhahms- 
prüfung erlangte. In Wien besuchte er nun als Zögling des 
Seminars zum heil. Stephan die Vorlesungen des ersten theo- 
logischen Jahrganges der Wiener Hochschule; von seiner 
geistlichen Oberbehörde wurde ihm namentlich atfs Herz ge- 
legt, sich dem Studium der orientalischen Sprachen zu widmen, 
da der Lehrer derselben, Aryda, ein Maronite aus dem Liba- 
non, ihn unter allen seinen Zuhörern besonders bevorzugte, 
wesshalb Erzbischof Graf Hohenwart auch die Absicht hatte. 
Schreiner für das Lehrfach der orientalischen Sprachen aus- 
bilden zu lassen. Im Beginne des zweiten Jahrganges der 
theologischen Studien, November 1812, trat Schreiner, nicht 
ohne bei dem Erzbischofe auf bedeutende Hindemisse zu 
stossen, aus dem geistlichen Stande und in den ersten Jahr- 
gang der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät über. 
Von da an setzte er die juridischen Studien an der Wiener 
Hochschule fort und beendete dieselben im August des Jahres 
1816. Bald nach absolvirten Studien unternahm er in Gesell- 
schaft dreier junger Maler eine ReLse durcli ganz Italien; da- 
durch mag die Anregung gegeben, der Grund gelegt worden 
sein zu der Liebe für die bildenden Künste, insbesondere für 
die Malerei, die ihn durch sein ganzes Leben begleitete, die 
ihn veranlasste, werthvoUe Gemälde zu sammeln und Studien 
in diesem ihm sonst femer liegenden Gebiete zu untemehmen, 
welche ihn zu einem tüchtigen Bilderkenner machten. 

Diese Reise, durch welche sich sein geistiger und 
physischer Gesichtskreis so sehr erweiterte, durch welche 



l 

I 

r 

} 

\ 
\ 

\ 

\ 



— 7 — 

er seine Studien und Kenntnisse über Land und Leute, ins* 
besondere auf dem alten Kulturboden Italiens, so namhaft aus- 
breiten und vermehren und auch fremder Herren Länder kennen 
lernen konnte, war aber ohne Zweifel auf Schreiner auch da- 
durch von grossem Einflüsse, dass sie die in ihm schon mächtig 
lebende Neigung und Vorliebe für das Studium der Staats- 
Wissenschaften nährte und kräftigte. — Die erste Anregung, 
sich diesem Gebiete des Wissens speziell zu widmen, war 
durch die gewaltigen Ereignisse der Zeit erfolgt, in welche 
Schreiner's erste Universitäts-Studienjahre fallen. Die überwäl- 
tigende blendende Höhe von Napoleons L Macht und Herrlich- 
keit, die Katastrophe in Russland, die glorreiche Erhebung 
des deutschen Volkes, der Anschluss Oesterreichs an die gegen 
den französischen Usurpator AUüi'ten, die Biesenkämpfe des 
Jahres 1813, der zweunalige Marsch der verbündeten Heere 
nach Paris, die Friedensschlüsse und der Kongress zu Wien, 
der für einen guten Theil Europa's neue territoriale und Staats- 
rechtliche Grundlagen festzusetzen die Bestimmung hatte, — 
alles Ereignisse, welche Schreiner als junger Mann, an den 
eben die Frage der Berufswahl herantrat, miterlebte und von 
deren letztem er ja selbst Augenzeuge war, mögen mächtig, 
ja gebieterisch bestimmend auf ihn emgewirkt haben, das 
Studium der Staatswissenschaften zu seinem Lebensberufe zu 
wählen. 

Schon während seiner juridischen Studien entwickelte sich 
in ihm von Tag zu Tag mächtiger eine entschiedene Vorliebe für 
diese Fächer und steigerte sich mit jedem Jahrgange der 
Rechte in der Art, dass er sich unter seinen KoQegen, besonders 
in den Fächern der Statistik und Politik, während der Studien- 
jahre so auszeichnete, dass er noch als Studierender die 
Aufmerksamkeit der Professoren dieser Fächer, Zizius und 
Wateroth, auf sich lenkte. Diese beiden, namentlich der letztere, 
ein Schüler Schlözer's und seiner Zeit ein Liebling Kaiser 
Joseph's n., der ihn von Göttingen nach Wien berufen hatte, 
können auch als Schreiner's bedeutendste und auf ihn ein- 
flussreichste Lehrer bezeichnet werden. Diese waren es nun, 



— 8 — 



welche Sdureiner aufforderten, sich dem Lehramte za widmen 
und ihn zu ihrem Supplenten, Wateroth an der Universität 
für Politik, politische Gesetzkunde und die schweren Polizei- 
Uebertretungen, Zizius an der Maria - Theresianischen Ritter- 
akademie fbr dieselben Fächer bestimmten. An der Universit&t 
bekleidete Schreiner diese Stelle in der damals an den öster- 
reichischen Hochschulen üblichen Weise, indem er für den 
Professor, welchem er zugewiesen war, in dessen Verhinderung 
einzelne Vorlesungen abhielt. Am Theresianum aber gestaltete 
sich die Sache für Schreiner bald nach Antritt der Supplenten- 
stelle ganz anders. Zizius, Professor der Statistik an der Uni- 
versität und der Politik am Theresianum, zugleich Mitglied 
und General-Referent der Hofkommission in politischen Gesetz- 
sachen, Advokat und noch mit mehreren anderen Aemtem 
bekleidet, wurde durch diese vielen auf ihm lastenden Ge- 
schäfte in einer seine Gesundheit untergrabenden Weise so 
in Anspruch genommen, dass er sich, besonders um seiner 
Aufgabe in jener Hofkommission entsprechen zu können, ge- 
nöthigt sah, sich als Professor einen Urlaub auf unbestimmte 
Zeit zu erwirken. Zizius hatte daher emen Stellvertreter für 
sich vorzuschlagen und wählte dazu Schreiner, welcher dadurch 
von Ostern 1817 bis ScUuss des zweiten Semesters von 1818 
als supplirender Professor der politischen Wissenschaften am 
Theresianum lehrte. In diesem Jahre kam die Lehrkanzel der 
Statistik, der Politik, des österreichischen Staatsrechtes und 
der österreichischen politischen Verwaltungsgesetzkunde am 
Lyceum zu Olmtttz zur Besetzung; Schreiner unterzog sich 
dem Concurse (der schriftlichen Prüfung) für diese Stelle, und 
dieser fiel so glänzend aus, dass ihm dieselbe, obwohl er in 
dem nachherigen Professor Dr. Franz Fischer einen bedeuten- 
den Mitbewerber hatte, und er noch des Doctorates der Rechte, 
eines wesentlichen Erfordernisses zur Erlangung einer juridi- 
schen Professur ermangelte, mit allerhöchster Entschliessung 
vom 29. Dezember 1819 verliehen wurde. Mit seiner Ab- 
reise von Wien schied er auch aus dem Hause des Grafik 
Philipp von Grttnne, Generals der Cavallerie und Obersthof- 



— 9 - 

meistere des Erzherzogs Karl, wo er unbeschadet seiner Lehr- 
amtsthätigkeit durch drei Jahre als Erzieher ded einzigen Sohnes, 
Karl Grafen von Grünne, jetzt General der Cavallerie und Oberat- 
Stallmeister des Kaisers, gewirkt hatte. 

Die Professur in Olmütz bekleidete Schreiner von 1820 
bis 1828. Während dieser Zeit erwarb er sich in Wien nach 
Ablegung der vier strengen Prüfungen durch die Promotion 
am 4. August 1824 das Doctorat der Rechte. Auch mehrere 
Reisen fallen in diese Zeit, so kleinere durch Ungarn, Sachsen, 
Böhmen imd Preussisch - Schlesien und 1822 eine grössere 
durch Ober-Itatien, die Schweiz, einen Theil Frankreichs und 
durch Süd - Deutschland, auf welcher er den jungen Grafen 
Mittrowsky (Hörer der Rechte am Theresianum, gestorben 
vor wenigen Jahren als kais. Geheünrath und Oberlandesge- 
richts-Präsident i. P.), begleitete, den Sohn des damaligen 
Gouverneurs von Mähren, der ihm als Führer auf dieser Reise 
seinen Sohn anvertraut hatte. Die auf diesen Reisen gesam- 
melten Anschauungen, Erfahrungen und Kenntnisse kamen be- 
sonders seinen statistischen Studien und Vorträgen 'zu gute. 
Im Jahre 1823 winde Schreiner in Olmütz neben seiner Pro- 
fessur die provisorische Leitung der dortigen Lycealbibliothek 
übertragen, welcher er bis zur definitiven Wiederbesetzung der 
Bibliothekarstelle durch ein und ein halb Jahr vorstand. 

Schon während dieser seiner Dienstzeit in Olmütz begann 
Schreiner's vielseitige Uterarische Thätigkeit auf dem Gebiete 
der Statistik, Geographie und Politik, welche er zueret durch 
Arbeiten, die in Wagner's Zeitschrift und Hormayr's Archiv 
erschienen, darthat. 

Im Laufe des Jahres 1828 wurde die Lehrkanzel der 
Statistik und der politischen Wissenschaften an der juridischen 
Fakultät der Universität zu Graz erledigt; Schi-einer bewarb 
sich um diese Stelle und wurde mit a. h. EntSchliessung vom 
19. Juli 1828 zum öfifentl. ordentl. Professor dieser Fächer 
an der Hochschule zu Graz ernannt. Von da an bis zu semer 
um Ostern 1871 erfolgenden Versetzung in den Ruhestand, 



— 10 — 

also durch dreiundvierzig Jahre bekleidete Schreiner dieses 
Lehramt in ausgezeichneter Weise. 

In den Monaten August und September 1830 bereiste 
Schreiner von Graz aus als Begleiter des Grafen Ferdinand 
Attems (Sohn des damaligen Landeshauptmannes Grafen Ignaz 
Attems), jetzt erblichen Reichsraihes, Oberitalien von Venedig 
bis Mailand und bis zu den oberitalienischen Seen ; am längsten 
währte der Aufenthalt in den beiden genannten Städten, und 
Schreiner's gründliche kunsthistorische Kenntnisse trugen nicht 
wenig dazu bei, dem Grafen Attems, welcher damals noch ein 
jugendlicher Studiosus war, den Genuss der reichen Eunstschätze 
Italiens in ausgedehntester Weise und in vollstem Masse zu 
vermitteln *). 

In Graz konnte sich, unterstützt durch die in den hiesigen 
Bibliotheken vorhandenen zahlreichen Hilfsmittel, Schreiner's 
literarische Thätigkeit in umfangreicher Weise entfalten. Zeug- 
niss hievon geben zahlreiche Arbeiten historischen, politi- 
schen, statistischen, topographischen und geographischen In- 
haltes, welche von da an bis in die letzten Lebensjahre 
Schreiner's in zaldreichen Zeitschriften und Sammelwerken er- 
schienen *). 

Im Jahre 1833 trat Schreiner in das Redactions-Comite 
der steiermärkischen Zeitschrift und leitete zuerst mit Vest, 
Thinnfeld und Muchar, später mit diesem, Leitner und Schröt- 
ter die Herausgabe derselben bis zu ihrem 1848 erfolgten 
Aufhören. 

Diese umfassenden literarischen Arbeiten brachten Schrei- 
ner mit mehreren der ersten Gelehrten Deutschlands auf den 
Gebieten der Politik, der Statistik und der Rechtswissenschaften, 
so mit Rotteck, Welcker, Rau, Mitterniaier, Berghaus, Wessen- 
berg, Schubert, Karl Ritter und mit anderen Männern seiner 
Fächer in briefliche, persönliche und freundschaftliche Verbin- 



<) Nach gütigen Mittheüungen der gräflichen Familie Attems. 
') Ein Yerzeichniss seiner sämnitlichen literarischen Arbeiten folgt im 
Anhange. 



— 11 — 

düng. Friedrich Wilhelm Schubert, einer der vorzüglichsten 
Statistiker Deutschlands und Professor der Geschichte und 
Staatskunde an der Universität zu Königsberg, der von den 
sieben Theilen seines grossen Werkes: „Handbuch der allge- 
meinen Staatskunde von Europa * (Königsberg 1839 — 1843)** 
nur dreien eine Widmung vorangesetzt hatte, widmete einen 
derselben Schreiner, „dem gründlichen und wohlverdienten Ar- 
beiter auf dem Felde der Staatskunde als ein Zeichen auf- 
richtiger Hochachtung", eine Auszeichnung, welche Schreiner 
mit ungemeiner Freude erfüllte. 

Als im Jahre 1843 bei Gelegenheit der Naturforecher- 
Versammlung Karl Ritter, der berühmte Geograph, Graz be- 
suchte, wurde ihm vom Erzheraoge Johann speziell Schreiner 
zugewiesen, namentlich um ihm über die Industrie der Steier- 
mai-k eingehende Aufschlüsse zu geben. Ritter gedenkt auch 
dankbar Sclireiner's in einem Briefe 0- 

Von Schreiner's Uterarischen Arbeiten berühren uns hier 
zunächst diejenigen, welche die Steiermark, ihre geschichtlichen, 
geographischen und statistischen Verhältnisse betreffen. Hieher 
gehört der „Allgemeine Kalender für die katholische Geist- 
lichkeit'*, welchen Schreiner in den fünf Jahren von 1832 bis 
1836 in Verbindung mit einem Professor der Theologie, na- 
mentlich für die Priester der Diöcesen Seckau und Lavant 
bestimmt, herausgab. Geographische Merkwürdigkeiten der 
Steiermark schilderte er mit gewandter Feder in den Aufsätzen 
„Oesterreich*s Naturschönheiten" und „Ausflug nach der Höhle 
in der Frauenmauer"; Statistik und wirthschaftliche Zustände 
unseres Landes fanden in mehreren Aufsätzen eingehende Be- 
rücksichtigung, so in „Steiennarks Volksmenge", in „Steier- 
marks Waldstand, Holzreichthum und Forstkultur" in den 
„Statistischen Nachweisungen über die Landwirthschaftspflege 
des österreichischen Kaiserstaates", welche von Oesterreich ob 
und unter der Enns und von Steiermark handeln, und 
endlich in späteren Jahren noch in der ethnographisch-statisti- 



«) Krämer: Karl Ritter (Halle 1870) II. 819. 



A 



'1 



— la- 
schen Abhandlung „die Bewohner des Landes**; die ethno- 
graphischen Verhältnisse der Steiermark behandelt eine Arbeit 
Über die Sprachgrenze zwischen Deutschen und Wenden in 
unserem Lande. 

Ein besonderes Verdienst um Steiermark und speziell 
um Graz erwarb er sich durch das Werk: „Grätz. Ein natur- 
historisch-statistisch-topographisches Gemälde dieser Stadt und 
ihrer Umgebungen*, welches er (Grätz 1843) im Vereine mit 
Muchar, Unger und Weiglein herausgab. 

Wie alle Werke Schreiner's ist auch dieses mit dem 
grössten Fleisse, mit ausserordentUcher Gründlichkeit und 
seinen Gegenstand vollkommen erschöpfend gearbeitet Obwol 
dreissig Jahre seit seinem Erscheinen verflossen, ist es doch 
noch von keiner der späteren über Graz erschienenen Schriften 
weder an Umfang noch viel weniger an innerem Werthe über- 
troflfen worden. 

Gegen die bis dahin allgemein übliche und auch von 
Schreiner in diesem Werke angenommene Schreibung des Na- 
mens der Stadt „Grätz* trat bald nach Erscheinen desselben 
der bekannte Orientalist Hammcr-Purgstall mündlich und 
schriftlich für die Schreibung „Gratz* auf; Schreiner verthei- 
digte seine Ansicht in zwei Aufsätzen: „Ueber die heutzutage 
einzig richtige Schreibung des Namens der Stadt Grätz* und 
„Chronologisches Verzeichniss der gedruckten und unge- 
druckten Urkunden, welche den Namen der Stadt Grätz ent- 
halten* (Steiermärkische Zeitschrift 1844). 

Schreiner*s Thätigkeit beschränkte sich aber durchaus» 
nicht auf dieses üterarische Wirken; auch auf dem Gebiete 
öfifentlicher praktischer Wirksamkeit war er rastlos thätig und 
bemüht, den vielen Anforderungen, welche die Regierung oder 
seine Mitbürger an ihn stellten, vollkommen gerecht zu wer- 
den. Die Regierung benützte sein Wissen mehriach, indem sie 
ihn schon 1832 zum MitgUede der steiermärkischen Provinzial- 
Gommerz-Kommission ernannte und in den Jahren 1632 bis 
1838 ihn mit mehreren die Steiermark betreffenden statisti- 
schen Arbeiten betraute ; und als Erzherzog Johann im Jahre 



— 13 — 

1837 daran ging, aus dem Schoose der auch vor ihm gegrün- 
deten steiermärkischen Landwirthschaftsgesellschaft einen neuen 
Verein, den „zur Beförderung und Unterstützung der Industrie 
und der Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns 
und Salzburg" (jetzt „steiennärkischer Gewerbeverein") ent- 
stehen zu lassen, da war es Schreiner, welcher von dem kai- 
serlichen Prinzen zum Geschäftsleiter und Sekretär des erst 
zu gründenden Vereines berufen wurde, alle Vorarbeiten lei- 
tete, nicht ohne lebhaften Kampf gegen mancherlei Schwierig- 
keiten die Gründung durchführte, sowol den Verein im Ganzen 
als auch die einzelnen Anstalten desselben: die Zeichnungs- 
schule, das Musterwaaren-Eabinet, die Bibliothek und endlich 
auch das steiermärkische Industrie- und Gcwerbeblatt in's Le- 
ben rief und so in der That wegen seiner längjährigen viel- 
fachen Verdienste um diesen Verem neben dem Erzherzog als 
zweiter Gründer desselben bezeichnet werden muss. 

Schreiner's materielle Verhältnisse waren namentlich in 
dieser Periode nicht besonders günstige; der sehr massige 
Professorengehalt reichte nicht hin, eine Familie mit fünf Kin- 
dern standesgemäss zu erhalten und diesen eine entsprechende 
Erziehung angedeihen zu lassen; da mussten literarische Ar- 
beiten das Fehlende schaffen helfen und um diese auf wissen- 
schaftlicher Grundlage aufzubauen, bedurfte es des angestreng- 
testen Fleisses, der angespanntesten Arbeitsthätigkeit von Seite 
Schreiner's; alltäglich sass er um 4 Uhr Morgens bereits am 
Schreibtische, wenn er denselben oft auch erst um Mittemacht 
verlassen hatte, um auf dem Gebiete seiner Wissenschaften 
nicht zurückzubleiben und doch auch literarisch zu produciren. 
Seine rastlose Thätigkeit noch in späteren Jahren war in der 
üniversitätswelt geradezu sprichwörtlich geworden ; kein Viertel- 
stündchen ging unbenutzt vorüber, sogar die viertelstündigen 
Pausen zwischen den einzelnen Vorlesungen verwendete er, 
um in der Universitätsbibliothek seinen Studien, Forschungen 
und Arbeiten obzuliegen. 

So war Schreiner seit Jahren als Forscher, Schriftsteller 
und Lehrer auf dem Gebiete der politischen Wissenschaften 



— 14 — 

thätig und hatte, soweit es unter den damaligen VerhSltoissen 
zul&ssig war, auch den regsten Anthefl an dem öffentlichen 
Leben und an gemeinnützigen Vereinen genommen ; als daher 
die Bewegungen des Jahres 1848 begannen, da war es wohl 
selbstverständlich, dass auch diese ihn in ihre Strömung ziehen 
und auf ihn innerlich und äusserlich mächtig einwirken, ja ihm 
eine Rolle im parlamentarischen Leben geradezu aufnöthigen 
würden. Als unmittelbar nach den Märztagen ein frischerer, 
freierer Geist, als je bisher, auch in die Publicistik eindrang 
und in Folge dessen eine Aenderung in der Redaction der 
offiziellen Grazer Zeitung nöthig wurde, da drang der damalige 
Gouverneur von Steiermark, Graf Wickenburg, mit Bitten und 
Vorstellungen so lange in Schreiner, bis dieser sich halb wider 
Willen bereit erklärte, die Redaction dieses Journals zu über- 
nehmen; die akademische Legion wählte ihn zu ihrem Clief, 
und die Universität zu ihrem Vertreter im verstärkten Land- 
tage, dessen Sitzungen er aber nur kurze Zeit beiwohnen 
konnte, da er inzwischen von drei Wahlbezirken, Weiz, Feld- 
bach und Cilli, zum Abgeordneten in das Frankfurter Parla- 
ment und von der Landeshauptstadt Graz zum Ersatzmanne 
ihres Abgeordneten in dasselbe, des Ritters von Kalchberg, 
welcher Sektionschef im österreischischen Finanzministerium ge- 
worden, gewählt worden war. 

Im Mai- 1848 begab sich Schreiner nach Frankfurt und 
verweilte dort bis Ende April des folgenden Jahres. Im Par- 
lamente sass Schreiner im linken Centrum und schloss sich 
seiner Parteistellung nach jener Fraction an, welche den Namen 
von ihrem Versammlungsorte, dem Württemberger Hofe, hatte, 
der ausser anderen auch Biedeimann aus Leipzig, Fallati aus 
Tübingen, Giskra aus Wien, Hermann aus München, Höfken 
aus Heidelberg (später in Wien), Mittermaier aus Tübingen, 
Robert von Mohl aus Heidelberg, Teilkampf aus Breslau, 
Riesser aus Hamburg, Stenzel aus Breslau, Wydenbrugk aus 
Weimar und Wurm aus Hamburg angehörten. — Er wurde 
von dem Parlamente sogleich in den ersten seiner Ausschüsse, 
in den Mainzer Ausschuss, gewählt, welcher über einen blu- 



— 15 — 

tigen Konflikt zwischen den Bürgern von Mainz und den 
preossischen Besatzungstruppen zu berichten hatte. Sodann 
traf ihn auch die Auszeichnung, in den wichtigsten Ausschuss 
den Yerfassungsausschuss, gewählt zu werden, in welchem die 
bedeutendsten Männer der Versammlung, wie Mühlfeld, An- 
drian, Dahlmann, Heinrich Simon, Tellkampf, Beseler, Beckerath, 
Fürst Lichnowsky, Robert Blum, Ahrens, Waitz, Lassaulx, 
Römer, Droysen, Paul Pfizer, Mittermaier, Welcker, Robert von 
Mohl, Bassermann, Max von Gagem, sassen. — Schreiner nahm 
an den Sitzxmgen und Arbeiten dieser Ausschüsse, sowie an 
allen Verhandlungen des Parlamentes, wie es nach seinem 
Naturell nicht anders sein konnte, den regsten Antheil, und 
war, wenn er auch auf der Rednerbühne selten erschien, im 
Klub und in den Ausschüssen um so thätiger 

Als nach der Wahl des Königs von Preussen zum deut- 
schen Kaiser durch die Nationalversammlung Oesterreich seine 
Abgeordneten zurüclmef, verliess auch Schreiner Frankfurt 
und nahm seine Lehrthätigkeit in Graz wieder auf und zwar 
unter ganz anderen Verhältnissen als er sie im Jahr vorher 
verlassen hatte. Während vor dem Jahre 1848 wenigstens nach 
Wunsch und Willen der Regierung die juridische Fakultät nur 
eine Fachschule zur Heranbildung der für den Staat nöthigen 
Beamten sein sollte, und daher alle Vorlesungen ihrem Inhalte 
und Umfange nach strenge vorgeschrieben waren, so dass an- 
dere Kollegien gar nicht gehalten werden durften und auch 
die Studirenden im Besuche der Vorlesungen unabänderlich 
gebunden waren, so wehte jetzt als eine der wenigen, wenn 
auch nur theüweise erhaltenen Erbschaften der Märztage, der 
Geist der Lehr- und Lemfreiheit in diesen Räumen, und Pro- 
fessoren und Studenten stand jetzt die Wahl der zu haltenden 
und zu hörenden Kollegien frei. Schreiner's Wirksamkeit als 
akademischer Lehrer konnte sich also auch jetzt erst frei 
und ungehindert entfalten, was auch, obwol er damals schon 
im höheren Mannesalter stand, im vollen Masse der Fall war. 
Die Vorlesungen, welche er von da an aUjährlich hielt, na- 
mentlich die über Volkswirthschaftslehre und ihre einzelnen 



— 16 — 

Tbefle, über Finanzwissenschaft, Verfassungs- und Verwaltongs- 
Politik gehörten zu den anregendsten, belehrendsten und best- 
besuchten Kollegien der Universität; der Verfasser dieser 
Biographie und mit ihm gewiss noch viele ältere Schüler 
Schreiner's werden sich mit Vergnügen und Genuss der Vor- 
lesungen erinnern, welche er in den Jahren 1849 — 1852 über 
Nationalökonomie und Ver£etssungspolitik hielt; der grosste 
Hörsaal der juridischen Fakultät war bei jedem dieser Vor- 
träge bis auf seine letzten Sitzplätze besetzt und an der ThOre 
und entlang den Wänden standen noch viele Hörer, welche 
alle mit gespanntester Aufmerksamkeit dem freien Vortrage 
ihres Lehrers folgten. — In den Studieiyahren 1854-1855 
und 1863 — 64 bekleidete Schreiner die Würde des Dekans 
der juridischen Fakultät und un Jahre 1852 53 die des Rek- 
tors der Universität 

Die Zeit der Reaction von 1850 bis 1860 und die dar- 
aus sich ergebenden Zustände lasteten auch auf Schreiner 
schwer; der seiner Anschauung nach aus ihnen mit unver- 
meidlicher Grewissheit sich ergebende Verfall des Staates, 
seine Einbusse an Macht und Ansehen nach Aussen hin, Zer- 
rüttung und Lähmung im Innern erfüllten ihn mit tiefem pa- 
triotischem Schmerze, umsomehr, als er, der Forscher und 
Lehrer auf dem Felde der Staats Wissenschaften, das Hohle, 
das Unhaltbare aller gegen den Geist der Zeit, gegen Recht 
und Selbstbewusstsein der Völker damals geschaiFenen Insti- 
tutionen auf das deutlichste erkennen und die traurigen Folgen 
solcher Staatskunst voraussehen musste. 

Trost und Erhebung boten ihm in diesen Zeiten seine 
umfassende Thätigkeit zur Hebung und Fortentwicklung des 
steiermärkischen Gewerbevereines und eine grosse literarische 
Arbeit, die er damals (1850) begann. Schon frühe, noch wäh- 
rend seiner Studienjahre hatte er seine Aufmerksamkeit dem 
wunderbar herrlichen Lande Italien zugewendet Diese Stätte 
uralter Kultur, diese mit Naturschönheiten und Kunstschätzen 
so reich gesegnete Halbinsel, die im Alterthume, im Mittelalter 
und noch im sechszehnten Jahrhundert so grossartige geschicht- 



i 



— 17 — 

liehe Ereignisse und eine so hohe Eulturblüte auf ihrem Boden 
sich vollziehen sah und jetzt wieder zu neuem Leben zu er- 
wachen scheint — dieses Land und seine Bewohner waren 
schon früher mehrfach Gegenstand seiner Forschungen, Studien 
und literarischen Arbeiten gewesen. 

Unmittelbar nach Vollendung seiner Studien hatte er ganz 
Italien durchreist und in den späteren Jahren unternahm er 
von Graz aus mehrere Beisen dahin, besonders nach Ober- 
italien, als deren Ergebniss man einige Arbeiten in der „Steier- 
märkischen Zeitschrift^ betrachten kann; so „Erinnerungen an 
das österreichische Friaul" (1834), „Reisebilder aus Italien" 
(1834) und die Einleitung zu den von EoUmann übersetzten 
Briefen des Antonio Canova. 

Mehr als alles andere aber zog ihn Venedig, die zaube- 
rische Lagunenstadt, an und er beschloss, diese einstige Meeres- 
königin sich zum Stoffe eines grossen topographischen und 
historischen Werkes zu nehmen. Durch zwei Decennien &st 
aljyährlich verweilte Schreiner zwei Monate in Venedig und 
brachte diese Zeit mit den eingehendsten Studien und Forschun- 
gen über die topographischen, statistischen und wirthschaftlichen 
Verhältnisse, über die politische und Kunstgeschichte dieser 
Stadt zu ; und nach Hause zurückgekehrt arbeitete und forschte 
er die ganze grossartige Literatur über diese Stadt und ihre 
Geschichte auf das fleissigste und gründlichste durch und 
sanunelte sich so ein wahrhaft riesiges Material als Grundlage 
des beabsichtigten Werkes. Nebenbei legte er eine Sammlung 
von Photographien von Venedig an, welche die Zahl von vielen 
Hunderten erreicht und die grösste und vollständigste der- 
artige Sammlung sein dürfte. An die Ausarbeitung des pro- 
jectirten grossen Werkes aber kam Schreiner nicht ; nur zwei 
allerdings umfangreiche Bruchstücke aus demselben, ein Auf- 
satz über „Venedigs Begräbnissstätten" und eine grosse Arbeit 
über Gradiska wurden von ihm dem Drucke übergeben '). 



1} Pas ganze grossartige handschriftliche Material Schreiner's über Ve- 
nedig und die Photographiensammlung befinden sich jetzt im Besitze 
seines Sohnes Dr. Moziz von Schreiner in Graz 

B 



^ I 



— 18 — 



Als Oesterreich seit 1860 allmählich in die Bahnen con- 
stitationeUen Lebens einlenkte, eröffnete sich fUr Schreiner 
wieder das Feld parlamentarischer Thätigkeit; in den durch 
das a. h. Patent vom 26. Februar 1861 auf den 6. April 1861 
einberufenen Landtag wurde er durch den Wahlbezirk der 
Mttrkte Frohnleiten, Gratwein, Deutsch - Feistritz, Uebelbach 
und Passail als Abgeordneter gewählt; er gehörte diesem Land- 
tage bis zu der am 2. Jänner 1867 erfolgten Auflösung an 
und wurde bei den unmittelbar darnach stattfindenden Wahlen 
von demselben Wahlbezirke wieder in die Landesvertretung 
entsendet, deren Mitglied er auch bis zu der am 21 Mai 1870 
stattgefundenen Auflösung derselben war. 

Schreiner's Landtagsthätigkeit war von derselben Hinge- 
bung, demselben Ernste und Eifer getragen, welche er ebenso 
in allen anderen Grebieten seiner Wirksamkeit an den Tag 
legte; er wurde von seinen Landtagskollegen in den Finanz- 
ausschuss und von diesem wieder zum Obmanne gewählt, und 
hatte so trotz seines damals schon hohen Alters eine grosse 
Arbeitslast zu bewältigen, welcher er aber im vollsten Masse 
gerecht wurde und wobei ihm gewiss die parlamentarischen 
Erfahrungen, welche er einst zu Frankfurt gemacht, sehr zu 
Statten kamen. — Mit wahrer Befriedigung und mit Stolz 
konnte Schreiner auf die im Landtagssaala versammelten Man* 
ner blicken, denn mehr als die Hälfte derselben waren seine 
Schüler gewesen, einst im Hörsaale zu seinen Füssen gesessen 
und von ihm in die Grundlehren jener Wissenschaften, welche 
sie nun praktisch auszuüben berufen waren, zuerst eingeführt 
worden ; und mit inniger Freude erfüllte ihn der gewiss seltene 
Fall, dass während der zweiten Landtagsperiode einer seiner 
Söhne, welcher seit 1862 Advokat in Graz war, mit ihm in 
derselben Landesvertretung sass. 

Auch die Regierung, welche ihn lange bei Seite gesetzt 
hatte, begann jetzt wieder, sich seines Rathes zu bedienen, 
indem sie ihn 1866 den Verhandlungen des Unterrichtsrathes 
in Wien beizog. 

In diese Zeit Mt auch der Haupttheil der Thätigkeit 



— 19 — 

Schreiner's im historischen Vereine für Steiermark. Na€hdem 
er demselben, auch einer Schöpfung Erzherzogs Johann, schon 
seit seiner Gründung (1845) als Mitglied angehört hatte, wurde 
er am 25. Juni 1862 von der zwölften allgemeinen Versamm- 
lung desselben zum Ausschussmitgliede gewählt 

Als im März 1869 die Stelle des Vereinsvorstandes in Erledi- 
gung kam, ersuchte ihn der Vereinsausschuss, die Stellvertretung 
bis zur nächsten allgemeinen Versammlung zu übernehmen, welche 
ihn sodann am 30. Juni 1869 zum Veremsvorstande erwählte. 
In dieser Eigenschaft leitete er den Verein bis zum 30. Juni 
1870, an welchem Tage er seine Stelle in der allgemeinen 
Versammlung mit dem niederlegte, dass er eine allfMlige Wie- 
derwahl wegen seines hohen Alters und zunehmender Kränk* 
lichkeit unbedingt ablehnen müsse. So hat sich Schreiner 
um die Geschichtsforschung und Geschichtschreibung unseres 
Landes nicht nur durch seine literarischen Arbeiten, sondern 
auch durch sein Wirken im historischen Vereine und an der 
Spitze desselben verdient gemacht 

Auch dem steiermärkischen Eunstvereine und dem steier- 
märkischen Eunstmdustrievereine gehörte Schreiner in dieser 
Zeit als Ausschussmitglied an. 

So sehr ihn aber seine Schüler verehrten, seine Mitbürger 
achteten, eine Auszeichnung von Seite der Regierung, ein 
äusseres Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste durch 
den Staat, dem er seit fast einem halben Jahrhunderte mit 
aller Hingebung gedient hatte, war ihm noch nicht zu Theil 
geworden. 

Eine Erklärung hiefür kann in den noch immer fortwir- 
kenden Reminiscenzen seiner Frankfurter Parlamentsthätigkeit, 
sowie in seinen allgemein bekannten poUtischen Gesinnungen, 
denen er oftmals sowol auf dem Katheder als sonst im Leben 
Ausdruck gab, gefunden werden. Erst dem Ministerium Beust- 
Hye war es vorbehalten, das Versäumte nachzutragen. 

Durch kaiserliche EntSchliessung vom 27. Dezember 1867 
wurde Schreiner „in Anerkennung seines nahezu filnfzigjährigen 
Wirkens, während dessen sich derselbe durch zahlreiche Ute- 

B* 



— 20 — 

rarische Arbeiten und durch seine sonstige Thätigkeit vielfache 
Verdienste um das ihm anvertraute Lehramt erworben, so wie 
durch sein taktvolles Benehmen und seine ausgebreiteten 
Kenntnisse das Vertrauen semer Mitbürger zu erlangen ge- 
wusst hat", der Orden der eisernen Krone dritter Klasse ver- 
liehen, dem bald darauf durch das kaiserliche Diplom vom 
19. Mai 1868 „den Statuten des Ordens gemäss und in An- 
erkennung seines seltenen Eifers und seiner Hingebung jfür 
die Wissenschaften, sowie seiner stets an den Tag gelegten 
Treue und Ergebenheit an Se. Majestät und das a. h. Kaiser- 
haus" seine Erhebung in den Bitterstand des österreichischen 
Kaiserstaates folgte. 

Noch immer, trotzdem er nicht mehr ferne dem achtzigsten 
Lebensjahre stand, verwaltete Schreiner sein Lehramt mit un- 
geschwächtem Eifer, mit Lust und Liebe; zu Ostern 1867 
waren bereits fünfzig Jahre verflossen, seit Schreiner zum 
ersten Male das Katheder als supplirender Professor betreten, 
im Oktober 1868 waren es vierzig Jahre, dass er ununter- 
brochen an der Universität zu Graz wirkte, und am 29. De- 
zember 1869 feierte er sein fllnfzigjähriges Professoren- Jubiläum, 
denn an demselben Tage des Jahres 1819 war er zum ö. o. 
Professor am Lyceum zu Olmütz ernannt worden. 

Als das Gesetz vom 9. April 1870 über die Pensions- 
behandlung des Lehrpersonales der vom Staate erhaltenen Lehr- 
anstalten erfloss, in Folge dessen jeder Professor, welcher das 
siebenzigste Lebensjahr zurückgelegt hat, von Amtswegen in 
den Buhestand versetzt wird, traf dieses Los auch Schreiner, 
jedoch mit dem, dass ihm durch kais. Entschliessung vom 
7. September 1870 ein ansehnlicher Buhegehalt zuerkannt und 
angeordnet wurde, dass er sein Lehramt noch bis Ende des 
Wintersemesters 1870^71 fortführe. 

Noch eme Auszeichnung war dem würdigen Greise be- 
schieden, welche ihm durch ein seltenes Zusammentreffen der 
dabei obwaltenden Verhältnisse hohe Freude bereitete. 

Der Gememderath der Landeshauptstadt Graz bescUoss 
in seiner Sitzung am IL April 1871 einstimmig, Professor 



X 



i 



- 21 — 

Schreiner „wegen der hohen Verdienste, welche er sich über- 
haupt und um die Stadt Graz insbesondere dadurch erworben, 
dass er sich durch mehr als vierzig Jahre mit einem Eifer, 
der wenig Beispiele aufzuweisen hat, an der hiesigen Univer- 
sität dem öffentlichen Lehramte, namentlich der Heranbildung 
der Jugend in den Staatswissenschaften gewidmet, dass er ein 
ausgezeichnetes topographisch-statistisch-historisches Werk über 
Graz verfasst und dass er durch seme hervorragende Mitwir- 
kung bei der Gründung des steiermärkischen Industrie- und 
Gewerbevereines wesentlich zur Hebung des materiellen Wohl- 
standes in Steiermark und besonders in Graz beigetragen^ — 
die höchste Auszeichnung, über welche die Gemeindevertretung 
verfügen kann, die Würde eines Ehrenbürgers zu verleihen. 

Wenige Tage hierauf wurde Professor Schreiner die Mit- 
theilung von dieser Ernennung durch eine Deputation des Ge- 
meinderathes überbracht, an deren Spitze sein eigener Sohn, 
als damaliger Bürgermeister stand und welcher ausser dem 
Vicebürgermeister noch drei Gemeinderäthe, alle drei einstmals 
Schüler Schreiner's, angehörten. Am 26. Dezember 1871 er- 
folgte durch dieselben Abgeordneten der Gemeindevertretung 
die Ueberreichung des Ehrenbürgerdiplomes. 

Obwol Schremer damals bereits siebenundsiebzig Jahre 
zählte, so war doch zu hoffen, dass er bei seinem regen un- 
geschwächten Geiste, bei seiner zwar nicht starken, aber ge- 
sunden Constitution noch manches Jahr im Kreise seiner Kin- 
der und Enkel m verdienter Ruhe und würdiger Müsse ver- 
leben könne ; umsomehr als er sich, soweit dies eben Menschen 
beschieden sein kann, glücklicher Familienverhältnisse erfreute. 

Er war in erster Ehe mit Katharina Schlegel vermählt, 
aus welcher fünf Kinder, zwei Töchter und drei Söhne stam- 
men, welche letztere schon bei^ des Vaters Lebzeiten hervor- 
ragende Stellungen im öffentlichen Leben bekleideten — Gustav 
Freiherr von Schreiner^ als k. k. österr. Generalkonsul und 
diplomatischer Agent in Kairo, Adolf Bitter von Schreiner 
als Generalsekretär der k. k. Südbahngesellschaft in Wien 
und Dr. Moriz Ritter von Schreiner als Advokat und von 



:< -' 



— 22 — 

1870 — 1873 als BllrgermeLster von Graz. — Nach dem Tode 
seiner ersten Gemalin, deren Verlust er tief betrauerte, da 
er sie heiss geliebt hatte (1836), blieb er zehn Jahre lang 
Witwer und entschloss sich erst 1846 zur zweiten Ehe und 
zwar mit Josefine Mutsclilechner zuschreiten, einer Frau, welcher 
er mit inniger Liebe zugethan war und die auch die sorg- 
samste Pflegerin und Hüterin seiner Greisenjahre bis zu sei- 
nem Tode blieb. 

Denn kurze Zeit, nachdem er von dem Lehramte ge- 
schieden, nahm ein Herzleiden, das sich zwar schon früher, 
aber nie besonders bedenklich gezeigt hatte, immer mehr über- 
hand, steigerte sich im Winter von 1871 auf 1872 derart, 
dass seine Kräfte sichtlich sanken, und führte am 1. April 
1872 seinen Tod herbei 

Ein reiches vielbewegtes Leben war damit geschlossen, 
in weiten Kreisen hin war seine Wirksamkeit durch ihn selbst, 
durch Wort und Schrift, die von ihm ausgingen, und durch 
eine Zahl von Schülern, wie wenige Lehrer eine gleich grosse 
werden aufweisen können, und von denen viele bedeutende 
Stellungen im Leben einnehmen, - ich nenne nur Moriz von 
Kaiserfeld, Rechbauer nnd Stremayr — fühlbar und folgenreich ge- 
wesen ; ein trefflicher Vater und Gatte, ein ausgezeichneter Lehrer, 
ein scharfsinniger Politiker, ein echter Patriot, ein rastlos thätiger 
Arbeiter auf dem Felde der Wissenschaften war in ihm ge- 
schieden und mit dem Verfasser dieser Biographie, der in dem 
VerbUchenen einen väterlichen Freund und Gönner und treuen 
Rathgeber zu verehren hatte, werden gewiss Hunderte, die 
ihn kannten und zu würdigen wussten, noch für lange hin Er- 
innerung und Andenken an ihn im Herzen tragen. 



Nicht ohne Schwierigkeiten und ziemlich mühevoll war 
die Sammlung von Schreiner's in Druck erschienenen Ar- 
beiten, deren Verzeichniss nun folgen soll; sie bestehen mit 
wenigen Ausnahmen aus in Zeitschriften und zwar vielfach 
auch anonym erschienenen Aufsätzen, was deren Auffindung 



— 23 — 

und die Feststellung der Autorschaft ungemein erschwerte, um 
so mehr, als es an Anhaltspunkten hiefür fast gänzlich 
mangelte. 

Schreiner selbst schreibt nämUch in seiner schon oben 
erwähnten Autobiographie über seine literarischen Arbeiten nur, 
dass seine schriftstellerische Thätigkeit in Graz ein reichhal- 
tiges Materiale fand, „deren Ergebnisse er (1.) in der Jenaer 
Literaturzeitung, (2.) m der grossen Ersch'- und Gruber'schen 
allgemeinen Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, 
(3.) in der ersten Auflage von Welcker und Rotteck's Staats- 
lexikon, (4.) in Hormayr's Archiv, (5.) in Wagner's Zeitschrift, 
(6.) in den Annalen von Berghaus, (7.) in der steiermärkischen 
Zeitschrift, (8.) in Hermann Wagener's Staats- und Gesellschafts- 
Lexikon, (9.) in Holtei's Album für den Friedhof der evange- 
lischen Gemeinde zu Graz in Steiermark, (10.) in der Augs- 
burger Allgemeinen Zeitung, (11.) inHlubek's treuem Bild der 
Steiermark, Graz 18G0, in ungemein zahlreichen Artil^eln, 
deren nicht wenige sehr umfangreich sind, niederlegte. Ausser- 
dem wurde ihm auch noch die Bedaction der steiermärkischen 
Zeitschrift von Sr. k. k. Hoheit dem durchl. Erzherzoge Jo- 
hann Baptist anvertraut. Auch war er (12.) Mitarbeiter an der 
achten Auflage des Brockhausischen C!onversations - Lexikons. 
Schreiner arbeitete auch sonst noch mehrere andere selbst- 
ständige Werke aus, dahin gehören (13.) eine historisch-stati- 
stische Topographie von Grätz, (14.) eine Abhandlung über die 
einzig richtige Schreibweise des Namens der Stadt Grätz, fer- 
ner (15.) die deutsche Sprachgrenze im Südosten der Steier- 
mark, ein Beitrag zu Bemhardi's deutscher Sprachkarte. Er 
gab überdies durch mehrere Jahre (16.) einen „Kalender für 
die kathoUsche Geisthchkeit^ heraus, in dem der historischen 
und statistischen Aufsätze mehre von ihm sich vorfinden." 

So weit Schreiner über seine eigene literarische Thätigkeit. 
Die unter 13 und 16 verzeichneten selbstständigen Publika- 
tionen, sowie die in den Zeitschriften und Sammelwerken 2., 
4., 6., 7., 9., 11. enthaltenen Aufsätze wurden hoffentlich sämmt- 
lich ermittelt; was von Arbeiten aus Schreiner's Feder (1.) 



— 24 — 



die Jenaiscfae Allgemeine Literaturzeitung enthält, konnte nicht 
ermittelt werden, weil alle Artikel in derselben entweder 
anonym oder nur mit Buchstaben oder Chiffem unterzeichnet 
erschienen; in (3.) Rotteck und Welcker's Staatslexikon (I.Auf- 
lage) smd eine grosse Anzahl von Artikeln mit S. unterzeichnet, 
die meisten derselben haben jedoch, wie sich aus der 2. Auflage 
ergibt, Wilhelm Schulz zum Verfasser; es erübrigen nur die Ar- 
beiten über Oesterreich, Böhmen, Dalmatien und die Sardinische 
Monarchie, welche Schreiner zuzuschreiben sind, da auch Form 
und Inhalt derselben dafür sprechen. — Die „Zeitschrift (5.) 
für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetz- 
kunde, herausgegeben von Dr. Vincenz August Wagner" (Wien 
1825—40), fortgesetzt vonKudler, Stubenrauch und Tomaschek, 
seit 1846—49 unter dem Titel „Oesterreichische Zeitschrift 
für Rechts- und Staatswissenschaft" enthält nur einen Aufsatz 
(in denJahrgängen 1846 und 1847) statistischen Inhaltes und 
mit Dr. S. gezeichnet, welchen man als aus Schreiner's Feder 
stammend annehmen darf — In den zwei Decennien von 
1830 bis 1850 soll Schreiner ständiger Correspondent für den 
politischen Theil der Allgemeinen Augsburger Zeitung gewesen 
sein; diese Correspondenzen jedoch aufzufinden und yerzeich- 
nen zu wollen, wäre wohl eine fruchtlose Mühe gewesen; es 
wurde daher aus der Allgemeinen Zeitung (10) nur ein wissen- 
schaftlicher Artikel in das folgende Verzeichniss aufgenommen. — 
lieber Schreiner's Theilnahme an (12.) Brockhaus' Conversations- 
Lexikon und an (8.) Wagener's Staats- und Gesellschafts-Lexikon 
wird sich unten im Verzeichnisse ausgesprochen; und was endlich 
die (unter 14 und 15) von Schreiner genannten selbstständigen 
Werke betrifft, so vermochte man dieselben als solche nicht 
aufzufinden, doch wäre es möglich, dass er darunter Separatab- 
drücke gleichnamiger Aufsätze in der Steiermärkischen Zeitschrift 
und in der allgememen Zeitung verstand. 

Nach diesen Vorbemerkungen möge nun das chronologisch 
geordnete Verzeichniss von Schreiner's in Druck gelegten Arbeiten 
folgen. Da der Verfasser desselben angesichts der erwälmten 
Schwierigkeiten bei dieser bibliographischen Zusammenstellung 



— 25 — 

besorge!) muss» dass ihm ein oder der andere aus Schreiner's Feder 
stammende Artikel, besonders wenn er anonym erschienen ist, 
entgangen sein könnte, so erbittet er sich das Recht, allfällige 
diesbezügliche Nachträge m den nächsten Heften dieser Mit- 
theilungen bringen zu dürfen. 

Graz, 6. Januar 1873. 



Verzeichniss von Schreiners Schriften. 

1827. lieber Jenny's Reisehandbuch (2 Bände, Wien 1823). — 
In Hormayr's Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur 
und Kunst Wien 1827. 18. Jahrgang, Nr. 124, 125, 
126, 133, 134 und 185. 

1828. Beiträge zur Beförderung der Landeskunde von Mähren 
und Schlesien. — In Hormayr's Archiv, 1828, 19. Jahr- 
gang Nr. 10, 11, 42, 60, 118, 119. 

1830. A. J. Gross, Handbuch für Reisende durch dasErzher- 
zogthum Oesterreich, Steiermark, Salzburg etc. München 
1831. Angezeigt von S. (Schremer) inHormayr's Archiv 
1830, Nr. 76. 

1832—1836. Allgemeiner Kalender für die katholische Geist- 
lichkeit (Vom 3. Jahrgange an auch u. d. T. : Ein Jahr- 
buch für kirchliche Statistik und Topographie, Kirchen- 
geschichte, kirchliche Biographie, Liturgie, Kunst und 
Gesetzkunde, Bibelstudium und biblische Archäologie, 
Homfletik, Kirchengeschichte der Akatholiken, Schul- 
und Erziehungswesen etc.) In Verbindung mit einem Pro- 
fessor der Theologie herausgegeben von Dr. Gustav 
Franz Schreiner. 1.— 5. Jahrgang 1832—1836. Grätz 
im Verlage bei Damian und Soi^e. — (üeber diesen 
Kalender schreibt Schreiner in seiner Selbstbiographie: 
„Er (Schremer) gab überdies durch mehrere Jahre einen 
, Kalender für die katholisehe Greistlichkeit'' heraus, in 
dem der historischen und statistischen Aufsätze mehre 



1^5.!- 



— 26 — 

von ihm sich befinden^. (Welche Aofeätze dieses Kalen- 
ders jedoch aus Schreiner's Feder geflossen, kann nicht 
festgestellt werden, da alle in demselben enthaltenen 
Artikel ohne Namen der Verüasser abgedruckt sind.) 

1833—1837 erschien die achte Originalauflage der „Allge- 
meinen deutschen Real-Encyklopädie für die gebildeten 
Stände. (Conversations-Lexikon). In zwölf Bänden. Leipzigs 
F. A. Brockhaus ^, an welcher Schreiner als Verfasser 
zahlreicher, namentUch statistischer Artikel theilnahm und 
auch als Mitarbeiter (im 12. Bande, Schlusswort S. XXI) 
genannt wird ; da jedoch in diesem Conversations-Lexikon 
alle Aufsätze ohne Namen der Verfasser erschienen, so 
lässt sich nicht feststellen, welche Artikel desselben aus 
Schreiner's Feder stammen. 

Von 1833 an führte Schreiner gemeinsam mit Vest, Thinn- 
feld und Muchar die Redaction der steiermärkischen 
Zeitschrift (erste Folge) 11. u. 12. Heft (1833 u. 1834), 
dann mit Muchar, Leitner und Schrötter derselben Zeit- 
schrift neuen Folge I. IL IH IV. V. VL Jahrgang, mit 
Muchar und Schrötter VIL Jahrgang I.Heft, mit Muchar 
Vn. 2., VIIL und IX. (letzten) Jahrgang, (Grätz 1834 
bis 1848. Im Verlage der Direction des Lesevereins am 
Joanneum und in Gommission bei Damian und Sorge.) 

1834. Erinnerungen an das österreichische Friaul. Bruchstücke 
aus einem Tagebuche. — In^Steierm.Ztschft.*' 12. Heft, 
(Grätz 1834) S. 39—64. 

1834. Oesterreich's Naturschönheiten. Ein Vorwort zur steier- 
märkischen Zeitschrift. — Steierm. Ztschft N. F. L Jhrg., 
L Heft Graz 1834. S. 1-18. 

1834. Reisebilder aus Italien: L Die Fahrt nach Venedig. — 
steierm. Ztschft N.F. L Jahrg. L Heft (1834), S. 87-111. 

1834. Ausflug nach der Höhle in der Frauenmauer. Mit einem 
Plane der Höhle. — Steienn. Ztschft N. F. I. Jahrg^ 
II. Heft. (1834) S. 3—26. 

1835. Einige vertraute Briefe des Antonio Canova. Aus dem 
Italienischen übersetzt von Ignaz KoUmann. Mit einem 



— 27 ~ 

Vorworte über den berühmten Bildhauer und seine 
Kunstleistungen von Dr. Gustav Franz Schreiner. — 
Steierm. Ztsch. N. F. H. Jhrg. I. Heft(1835), S. 132—141. 
1835. Steiermarks Volksmenge in Vergleichung mit jener der 
übrigen österreichischen Provinzen. Aus ämtlichen Quel- 
len geschöpft. — Steierm. Ztschft. N. F. II. Jhrg. 
n. Heft (1835). S. 134—181. Dieser Aufsatz ist auch 
vollinhaltUch in den „Annalen der Erd-, Völker- und 
Staatenkunde", herausgegeben von Heinrich Berghaus 
(Berhn) HI. Reihe, 2. Band, 1836, S. 1—49 abgedruckt — 
In demselben Bande, S. 522—527, dieser Annalen be- 
findet sich eme ohne Namen des Verfassers erschienene 
ziemlich ausführliche Anzeige der „Steiermärkischen 
Zeitschrift", neue Folge, I. Band, 1. und 2. Heft, von 
welcher zu vermuthen ist, dass sie aus Schreiner's Feder 
stammt 

1835. Böhmen. (Von S.) Im Staatslexikon oder Encyklopädie 
der Staatswissenschaften, herausgegeben von Carl von 
Rotteck und Carl Welcker. Erste Auflage. Altena 1835, 
H. 654—668. — In der 2. Auflage des Staatslexikons 
(1848) X. 389—408 abgedruckt und mit ge- 
zeichnet 

1836. Steiermarks Waldstand, Holzreichthum und Forstkultur 
mit steter Berücksichtigung aller übrigen Provinzen des 
österreichischen Eaiserthums, durchaus nach amtlichen 
Erhebungen. — Steierm. Ztschft N. F. III. Jhrg. I. Heft 

(1836) S. 127—168. — Auch abgedruckt in „Berghaus 
Annalen" HI. Reihe, 4. Band, S. 34-72 (1837). 

1837. Dalmatien. (Von S.) In Rotteck - Welcker's Staatslexikon 

(1837) IV. 166 178. — Auch in der 2. Aufl. (1846) 
n. 656 663 enthalten und mit S. gezeichnet 

1841. Oesterreich, Kaiserthum mit Inbegriff von Ungarn, Sie- 
benbürgen u. s. w. — In Rotteck und Welcker's Staats- 
lexikon (1841), 12. Band, S. 125—235. — In der 
2. Auflage (1848) X. S. 282—389 fast gleichlautend 
abgedruckt und mit gezeichnet 



:% 



28 — 



1843. Sardinische Monarchie. (Von S.) In Rotteck- Welcker's 
StSÄtslexikon, 1848, XIV, 214- 232. — In der 2. Aufl. 
(1848) XI. 765-778 anonym abgedruckt 

1843. Grätz. Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Ge- 
mälde dieser Stadt und ihrer Umgebungen. Im Vereine 
mit Dr. A- v. Muchar, k. k. ö. o. Professor der Philolo- 
gie, Dr. Fr. ünger, ö. o. Professor der Zoologie und Bo- 
tanik am st st Joanneum, Dr. der Heilkunde Chr. Weig- 
lein, von Dr. Gustav Schreiner, k. k. öffentL ordentL 
Professor der Staatenkunde. Mit vielen Stahlstichen, einem 
Plane der Stadt und einer geognostischen Karte der 
Umgebungen. Grätz 1843. Verlag der F. Fersti'schen 
Buchhandlung. XVI und 570 S. 

1844. Ueber die heut zu Tage einzig richtige Schreibung des 
Namens der Stadt Grätz. — Steierm. Ztschft N. F. 
VIL Jhrg. IL Heft (1844). S. 123—207. 

1844. (Chronologisches Verzeichniss der gedruckten und unge- 
druckten Urkunden, welche den Namen der Stadt Grätz 
enthalten. — Steierm. Ztschft N. F. Vn. Jhrg. IL Heft 
(1844). S. 280—272. 

1844. Die deutsche Sprachgrenze im Südosten der Steiermark. 
— (Augsburger) Allgemeine Zeitung, Beilage vom 26. u. 
27. September 1844. 

1846—1847. Statistische Nachweisungen über die Landwirth- 
schaftspflege des österreichischen Kaiserstaates. (Von 
Hm. Dr. S.) (Handelt von Oesterreich ob und unter der 
Enns und Steiermark.) In „Oesterreichische Zeitschrift 
für Rechts- und Staatswissenschaft", herausgegeben von 
Dr. Jose* Kudler, Dr. M. v. Stubenrauch u. Dr. Ed. To- 
maschek. (Wien.) Jahrgang 1846, L Band, S. 478—487; 
Jahrgang 1847, IL Band, S. 129—136 und & 227—235. 

1848. Von Nr. 43, 16. März 1848 bis Nr. 134 vom 
31. Juli erscheint Schreiner als verantwortlicher Re- 
dacteur der Grazer Zeitung; wie sich aus seiner Er- 
klärung in Nr. 133 ergibt, führte er die Redaction bis 
zu seiner Abreise nach Frankfurt selbst und von da an 



— 29 — 

bis letzten Juli fahrten dieselbe unter seiner fortwäh- 
renden Mitwirkung und vollen Verantwortlichkeit seine 
Söhne Adolf und Moriz Schreiner. 

1857. Venedig's Begräbnissstätten. (Bruchstücke, eines grösseren 
noch ungedruckten Werkes über Venedig). — In dem 
Album : „Für den Friedhof der evangelischen Gemeinde 
in Gratz in Steiermark". Braunschweig, Wien und Gratz 
1857. S. 595—666. 

1859—1867. Von 1859 bis 1867 erschien das „Neue Con- 
versations - Lexikon. Staats- und Gesellschafts-Lexikon. 
In Verbindung mit deutschen Gelehrten und Staatsmän- 
nern herausgegeben von Hermann Wagener. 23 Bände, 
Berlin 1859—1867**. — Schreiner war Mitarbeiter an 
diesem Werke, welche Artikel desselben jedoch ihn zum 
Verfasser haben, konnte nicht ermittelt werden, da bei 
keinem derselben ein Automamen verzeichnet ist 

1860. Die Bewohner des Landes (Steiermark). Fünfter Ab- 
schnitt des Werkes: ;,Ein treues Bild der Steier- 
mark, herausgegeben von der k. k. steiermärkischen 
Landwirthschafts-Gesellschaft durch ihren Sekretär Dr. 
F. X. Hlubek. Gratz 1860. S. 47-66. 

1864. Der Grabensee (1. in Salzburg.) (2. in Kärnten). Ersch' 
und Gruber's allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften 
und Künste: L Section, 77. Band. S. 217. 

1864. Gradisca (1. im Küstenlande, 2. und 3. in Italien, 4. und 
in der Militärgrenze.) — In obiger Encyklopädie: 
L Section, 77. Band. S. 331—332. 

1864. Gradisca, die gefürstete Grafschaft. (Geschichte derselben.) 
InErsch' und Gruber's Encyklopädie : L Section, 77. Band, 
S. 332-480. 

1864. Gradiscaner Krieg. Ebenda, L Section, 78, Band, S. 
1—15. 

1864. Gradistje in Siebenbürgen. Ebenda. L Section, 78. Band, 
S. 15. 

1864. Gradlitz in Böhmen. Ebenda. L Section, 78. Band, S. 15 
bis 16. 






— 30 — 

1864. Grado. (Topographie.) Ebenda. I. Section, 78. Band, 

S. 40—43. 
1864. Grado (Geschichte). Ebenda: L Section, 78. Band, S. 

391 - 467. 
1 868. Gratz (in Steiermark). Ebenda : L Section, 88. Band. S. 

161 — 163. 



^ 



» 



n 



f 



} 



\ 



^% 



MITTHEILUNGEN 




DBS 



STORISCHEN VEREINES 



FÜR 



STEIERMARK. 



Herausgegeben 
von dessen A-usschiasse. 



. HEFT. 



CommiBsion der k. k. Universitäts-BucMiandlung 

Leuschner & Lubensky. 




Graz, 1874. 

Im Selbstverlage. 




MITTHEILUNGEN 



DES 



mSTOBISCHM VMEESHS 
\ 

PUB 

STEIERMARK. 



Herausgegeben 
von dessen A-nssohnsse. 



^^11- HEFT. 



Gtm, 1874. 

Im Selbstverläge. 



In Gommission der k. k. Ümvenitäts-Buchhaiidliing 

Leuschner & Lubensky. 



Inhalt. 



A. Vereinfi-Angelegeiüieiten. 

Gesch&ftB-üeberBicht — Chronik des Vereines. 

Seite 

Bericht an die 26. JahresYersammlnng am 3 Febmar 1678, Ver- 
handlungen IQ derselben, Vorträge: des Grafen Gnndacker 
Wurmbrand Ober prähistorische Fnnde in Gleichenberg, 
des Professors Dr. Bidermann über die steierm. Ver- 
ÜBtssungskrisis um 1790 III 

Vorträge in der Quartalyersammlung vom 28. April 1873, Pro- 
fessor V. Käferbäck über den Tattermann, Oberliente- 
nant L. Beckh-Widmanstetter Ober Grabdenkmale 
zu Teuffenbach in Obersteier IX 

Vortrag des Professors Dr. Krone s über Graf Hermann n. 

Yon CiUi in der Quartalversammlung vom 10. Juli 1873 . Xni 

Die erste Wanderversammlung des Vereines zu Leoben am 12. 
und 18. October 1873 mit den daselbst gehaltenen Vor- 
trägen des Directors Sprung, Professors Dr. Bider- 
mann, Professors Dr. v. Luschin, Sohnlrathes Dr. 
Peinlich, Werksarztes Au st und Oberlieutenants Beckh- 
Widmanstetter xin 

Bericht an die 26. Jahresversammlung am 30. Jibmer 1874, 
Verhandlungen in derselben, Vorträge des Pfiirrers Dr. 
Enabl über die Ausgrabungen in Retznei, des Schulrathes 
Dr. Peinlich über den Zustand von Handel und Gewerbe 
im 16. Jahrhunderte XXI 

Verzeichniss der Ortschronisten XXIX 

Veränderungen im Personalstande XXX 

üebersicht der Einnahmen und Ausgaben XXXIV 

Erwerbungen. 

Für die Bibüothek XXXVI 

Für das Archiv XLVIH 

Für die Kunst- und Alterthums-Sammlung LXVn 



fi. Abhandlungen. 

S«iU 

1. Die Verkehnbesiehiuigeii der Stadt Leoben zu den westlichen 
Alpenl&ndem vom 16. bis zum 19. Jahrhunderte. Von Dr. H 
J. Bidermann 8 

n. InnerOsterreichische Religions-Grayamina aas dem 17. Jahr- 
hundert. Ein Beitrag zur Geschichte der Gegenreformation in 
InneröBterreich. VonDr.Hansy. Zwiedineck-Südenhorst 37 

in. Die Herrschaft König Ottokar's II. von Böhmen in Steiermark. 
Ihr Werden, Bestand und Fall (1252—1276). Von Dr. F. 
Krones 41 

1. Die Vorgänge in den Jahren 1246—1254 bis zum O&er 
Frieden 43 

2. Die Vertreibung der Ungarn aus der Steiermark und die 
dauernde Begründung der Herrschaft Ottokar's im Lande. 
Ende 1259—1267, sammt den einleitenden Verhältnissen 

seit 1254 o 65 

8. Die Adelsyerschwörung von 1268. Die Eftmtner Frage. — 
Seifried von M&hrenberg. — Salzburg. — Rudolfs I. 
Eönigswahl. — Der Sturz der böhmischen Herrschaft 
(1274—1276) 76 

4. Regesten von Urkunden als Belege des Textes .... 109 

G. Kleinere Anfsätze nnd ICttheilnngen. 

I. Steiermärker auf auswärtigen Hochschulen. Von Professor Dr. 

Franz Ilwof 149 

n. Zur Biografie des Rottenmanner Notars Ulrich Elenneker. Von 

P. Florian Einnast , 155 

Literatur 156 

Register 

über die vorkommenden Personen, Orte und Sachen 161 



^mt^ 



A. 



Vereins- Angelegenheiten. 



Geschäfts-Uebersichi 



Chronik des Vereines. 

Am 3. Februar 1873 wurde im Joanneum unter dem 
Vorsitze des derzeitigen Vorstandes, Landesarchivar's Professor 
J. Zahn, die 25. Jahresversammlung des historischen Vereines 
für Steiermark abgehalten, in welcher der Vereins-Schriftführer 
folgenden Bericht erstattete: 

„Durch die in der letzten 24. Jahresversammlung am 
24. Juli 1872 beschlossene, dann von der hohen steier- 
märkischen Statthalterei mit Erlass vom 5. October 1872^ 
Z. 12.262, genehmigte Statutenänderung wurden die Jahres- 
versanunlungen in die Winterszeit verlegt Es erscheint daher 
die gegenwärtige 25. Jahresversammlung insofeme als eine 
ausserordentliche, als der Zeitraum, über welchen berichtet 
werden soH, nur ein halbes Jahr umschliesst, welches der 
Abwicklung früher eingeleiteter Arbeiten und Unternehmungen 
angehörte. 

Von dem Berichte über das Gedeihen der vom Vereine 
in's Leben gerufenen Ortschroniken abgesehen, welcher be- 
sonders erstattet werden wird, beehrt sich der Ausschuss mit 
der Mittheilung, dass von den heuer fälligen Vereinsschriften 
der IX. Jahrgang der „Beiträge" zur Zeit theilweise schon ver- 
schickt ist, das XX. Heft der „Mittheilungen" hingegen des man- 
nigfachen Inhaltes wegen, erst Mitte Februar vollendet werden 
dürfte. Für das Jahr 1873 ist die Herausgabe des X, Jahr- 
ganges der „Beiträge" mit einer kostspieligen historischen Karte 
der Steiermark ausgestattet. 

Das vollständige Orts-, Personen- und Sachen-Register 
der bisher erschienenen XX Hefte „Mittheilungen" ist in Aus- 
sicht genommen. 

Das Register von Muchar's Geschichte der Steiermark 
ist abgeschlossen und gegenwärtig in Revision und Vorbe- 

m 

Mltthell. d. hist. Veretnii f Stoiermark. XZTI. ncft» 1874. A* 



- IV - 

reitung für den Druck ; das steiermärkische Urkundenbuch ist 
im Uinfange von 44 Druckbogen im Reindrucke voDendet und 
der Index dazu gegenwärtig in Arbeit begriffen. 

Der Stand der Mitglieder beträgt mit Ende des Jahres 
1872 305 ordentliche, 36 Ehren-, 20 correspondirende Mit- 
glieder und 24 Bezirks-Correspondenten. 

Die von der letzten Versammlung zu Ehren- und corre- 
spondirenden MitgUedem ernannten Herren: Excellenz Graf 
Rudolf Stillfried-Rattonitz in Berlin, Hofräthe Ritter 
V. Arneth und Aschbach, Professor Dr. A. Jäger und 
Archivsadjunct M. Pangerl, sämmtlich in Wien, haben jeder 
einzeln ilu-en Dank für diese Ernennung ausgedrückt 

Als verstorben hat der Verein zwei verdiente Ehrenmit- 
glieder zu beklagen, den Reichshistoriographen Jodok Stülz, 
Abt zu St. Florian, welcher am 28. Juni 1872 zu Hofgastein 
verschied, dann den k. k. Regierungsrath und jubihrten Di- 
rector des k. k. Hof-, Münz- und Antikencabinets, Dr. Josef 
Ritter v. Bergmann, welcher am 29. Juli 1872 zu Graz in 
hohem Greisenalter sein fllr die Geschichtsforschung frucht- 
bares Leben endete. 

Der Schriftentausch wird gegenwärtig mit 190 fachver- 
wandten Gesellschaften und einheimischen Lehranstalten unter- 
halten. Neu zugewachsen sind die königl. preussische Univer- 
sitätsbibUothek zu Königsberg und die k. k. Staatsoberreal- 
schule zu Graz. 

In Hinblick auf den in der vierten Quartalversammlung 
vom 27. Jänner 1871 gegebenen Bericht über die Seitens des 
Vereines eingeleiteten Schritte, durch welche eine bessere Ver- 
wahrung der inneröst Kammeracten in der Statthaltereiregistratur 
erzielt werden sollte, ist der Vereins-Ausschuss in der Lage 
mitzutheilen, dass diese Angelegenheit in Folge der thätigen 
Verwendung Sr. Excellenz des Herrn Statthalters im Spät- 
sommer 1872 ihre günstige Entscheidung fand. Es sind seit- 
her diese für die Finanzgeschichte der inneröst Länder vom 
16. — 18. Jahrhunderte wichtigen Acten wieder im Vorauerhofe, 
wo sie auch schon früher einmal waren, entsprechend unter- 
gebracht worden. 

Von den Bezirkscorrespondenten haben die Herren : 
Kaplan A. Meixner in St Veit am Vogau, über Funde aus 
der Römerzeit in der Umgebung seines Stationsplatzes und 
im Stiefingthale, Dr. J. K r a u t g a s s e r in Mureck, über Auf- 
findimg einer Römennünze, dann einen vom Grafen Platz 
zu Freudenau in Oberschwarza entdeckten wohlerhaltenen 
Bömerstein Berichte eingesendet Herr Pfarrer Karner über- 



— V — 

reichte geschichtliche Notizen über die Pfarre und Umgebung 
seines Geburtsortes Wundschuh bei Wildon. 

Als Geschenkgeber sind dankend zu nennen : Frau Gräfin 
Anna v. Säur au, geb. Gräfin v. Goess, Stemkreuzordens- 
und Palastdame in Graz, dann die Herren: Anton Au st, 
AVerksarzt und Bezirkscorrespondent zu Gaal bei Knittelfeld; 
Ernst V. Destouches, Archivar und Chronist der Stadt 
München; Georg Göth, Dr. und jubilirter Studiendirector in 
Graz; Adolf Kofi er, k. k. Hof- Weinlieferant und Realitäten- 
besitzer in Pettau; Franz Krön es, Dr., k. L Universitäts- 
Professor in Graz; Anton Meixner, Kaplan und Bezirks- 
Corrcspondent in St Veit am Vogau; Carl Woldemar Neu- 
mann, k. baier. Hauptmann, correspondirendes Mitglied in 
Kegensburg; Johann Parapat, Kaplan zu Rabensberg bei 
Stein in Krain ; Ignaz S c h 1 a g g, k. k. Bezirksrichter und 
Bezirkscorrespondent in Obdach; Mauriz Strachwitz, Graf^ 
k. k. Kämmerer und Gutsbesitzer zu Schloss Pichl im Mürz- 
thale; Thassilo Weymayr, k. k. Gymnasialprofessor in 
Graz; endlich Herr Franz Ninaus, Magister der Chirurgie 
in Graz, welcher sich durch Uebergabe eines in Oel gemalten 
Portraitbildes besonders verdient machte. Dasselbe betrifft den 
1660 in der Steiermark geborenen berühmten Contrapunktisten 
und Hof-Obercapellmeister der Kaiser Leopold L, Josef I. und 
Carl VI., Johann Josef Fux (t 1724), dessen Lebens- 
geschichte erst jüngst der kais. Rath L. v. K ö c h e 1 in Wien 
in einem stattlichen Buche abhandelte." 

Von geschäftlichen Angelegenheiten dieser Versammlung 
betrifft der Bericht des Kassiers zunächst die Rechnung 
pro 1872, in welcher an Einnahmen (unter Hinzurechnung 
des Uebertrages per 1902 fl. 6 kr.) 4555 fl. 62 kr. figuriren, 
welchen 2196 fl. 82 kr. Ausgaben, zumeist für Druckarbeiten, 
gegenüberstehen. Der Rest per 2358 fl. 80 kr. und noch meh- 
rere kleine Einnahmeposten, welche jedoch durch die bis- 
herigen Ausgaben völlig erschöpft werden, ergibt den gegen- 
wärtigen Kassastand mit 2351 fl. 90 kr., von welchen 2300 fl. 
fruchtbringend angelegt sind. Die bedeutenden Zahlungen für 
Druckarbeiten, welche in diesem Jahre fällig werden, nöthigen 
den Cassier zur Mahnung, es mögen die gegenwärtig mit 
988 fl. aushaftenden MitgUeder-Beiträge coulant berichtigt 
werden. 

Für die gehabten Auslagen bei Anfertigung neuer styl- 
gemässer Diploms-Blanquette wird die Indemnität angesprochen 
und ertheilt, gleichzeitig auch über Antrag des Ausschusses 



— VI — 

die Einhebung einer Taxe von 2 fl. für Ausfertigung der 
Diplome an neuaufgenommene Mitglieder und die dem ent- 
sprechende Aenderung der Statuten genehmigt; den älteren 
Mitgliedern Neuausfertigungen von Diplomen gegen Erlag der 
halben Taxe gewährt. Dr. Luschin spricht den Wunsch aus, 
dass der Ausschuss für das Jahr 1873 nicht nur allein den 
Register der bisherigen XX Hefte „Mittheilungen**, sondern auch 
ein Heft mit geschichüichen Aufsätzen herausgebe; ebenso 
meint er, dass sich die beträchtlichen Auslagen für Inserate 
gelegentlich der öflFenÜichen Versammlungen durch räumliche 
>5usammcndrängung und Verminderung der Insertionen herab- 
drticken lassen dürften ; beiden Wünschen verspricht der Aus- 
schuss Rechnung zu tragen. 

Bei der thcilweisen Neuwahl des Ausschusses wurde der 
wieder wählbare Cassier, Herr Ernst Fürst, in seiner Function 
bestätigt, dann die Herren: Schulrath Gynmasialdirector Dr. 
Richard Peinlich zum Vorstande, Professor Dr. Hermann 
Jgnaz Bidermann zum Vorstand-Stellvertreter, Major Graf 
Heinrich von Attems, Archivsadjunct Dr. Arnold Luschin 
und Realschuldirector Heinrich Noö zu Ausschüssen, dann 
für den Fall einer Wahlablehnung, welche dann auch wirklich 
von Seite des Grafen Attems einlief, Professor Dr. Ferdi- 
nand Bischoff zum Ausschuss-Ersatzmanne mit zweijähri- 
ger Functionsdauer, Professor Ignaz Schrotter und Cassier 
Carl Burghardt zu Revisoren der Rechnung pro 1873 
erwählt 

Ueber Antrag des Schulrathes Dr. R. Peinlich voürt 
die Versammlung den abtretenden Ausschüssen, zumal dem 
bisherigen Vorstande Landesarchivar J. Zahn den Dank, 
worauf der Letztgenannte im Namen der so Geehrten erwidert 

Ueber die nun zum Abschlüsse gelangte Angelegenheit 
der Einführung von Ortschroniken wii'd folgender Bericht ver- 
lesen : 

* 

„Die Generalversammlung vom 24. Juli 1872 hat dem 
Ausschusse und dem Comite für Einführung von Ortschroniken 
freie Hand innerhalb gewisser gestellter Grenzen gegeben, das 
Unternehmen aus dem damals vorgelegten Stadium der Be- 
rathung in die Wirkhchkeit zu übertragen. 

Bei dem Umstände, dass daran die Interessen des Ver- 
eines in höherem Grade geknüpft sind, hält sich der Vereins- 
Ausschuss immerhin für verpflichtet, der Generalversammlung 
von der Art der Ausführung eingehender Mittheilung zu er- 
statten. 



— vn ~ 

Wie schon dargelegt worden, richtet sich der Zweck der 
Ortschroniken mehr auf die Gegenwart und Zukunft, als nach 
der Vergangenheit Desshalb theilt sich die Form derselben in 
zwei Theile, in die Ortsbeschreibung und in die eigentüche 
Orts- oder Tageschronik. Es war Sache des Comite's, diese 
Theile in ihren nothwendig bedingten äusseren Formen, sowie 
betreffs ihres Inhaltes klar erscheinen zu lassen. Diess konnte 
nur mittelst gewisser Rubriken und Muster geschehen, welche 
das Ciomite anlegte und worin nach MögUchkeit darauf geachtet 
wurde, den künftigen Chronisten die Fahrung so ersichtUch, 
leicht und bequem zu machen, als nur immer wünschenswerth. 

Die Formularien, auf welchen die Ortsbeschreibungen 
und Chi'oniken eingetragen werden sollen, sind sonach von 
mehreren Beilagen begleitet. Diese haben den Zweck, einzu- 
füluren in die Aufgabe und durch Beispiele sie zu erleichtem. 
Die Vorrede setzt das Ziel auseinander, das dem Ausschusse 
vorschwebte ; die zweite Beilage stellt die Rubriken fest, welche 
bei Ortsbeschreibungen wesentlich zu berücksichtigen seien; 
die dritte Beilage gibt eine wirkhche Ortsbeschreibung, u. z. 
von Moskirchen, welche annähernd nach den Forderungen der 
zweiten Beilage gearbeitet ist und eigentlich so verdeutschen 
sollte, wie die allgemeinen Regeln in's Positive, sozusagen 
übersetzt, sich ausnehmen ; die vierte BeOage gibt das Beispiel 
einer Ortschronik, zwar von einem fingirten Orte und mit fin- 
girten, allein aus dem Leben gegriffenen Thatsachen, und die 
letzte endUch enthält die Berichtcoupons, welche jährlich an 
den Ausschuss zur Evidenzhaltung der Cluronikenführung ein- 
gesendet werden sollen. 

Das Comite hat es sich sonach nicht verdriessen lassen, 
aUe geistigen und materiellen Mittel aufzuwenden, um die 
Sache lebensfähig zu gestalten. Es hat so gehandelt in der 
festen Ueberzeugung, dass mit der blossen Anregung, dies 
oder jenes habe zu geschehen, gar nichts geholfen, sondern, 
dass es geboten sei, die Wünsche und Bedüi&isse so deuüich 
als möglich zu veraugenscheinlichen, damit dem unklaren Ver- 
ständnisse nachgeholfen. Fehlem und Entschuldigungen vor- 
gebeugt und ein möglichst entsprechendes Resultat erzielt 
werde. Aehnliche Vorarbeiten und gleiche Hilfe hat nach dem 
Wissen des Ausschusses in solcher Erschöpfung kein Verem 
seinem Lande geboten und der Ausschuss kann mit gewisser 
Befriedigung die Angelegenheit in Lauf bringen, dass, was von 
seiner Seite nöthig, nicht vemachlässiget, sondem eher bis zum 
Aeussersten vorbereitet worden sei. 

Muster der besagten Schriftstücke liegen Ihnen vor. Die- 



— Vffl -^ 

selben werden nächstens, als vom Vereine zu beheben, in 
Verlaatbaning gebracht werden, und es wird dann Sache der 
Männer, die sich des Zweckes annehmen wollen, sein, sie zu 
beheben und so zu benützen, wie 4ie Unterrichts- und anderen 
Beispiele der besagten Beilagen es dariegen. 

An die Generalversammlung aber apellirt der Ausschuss, 
dass deren Theilnehmer für das Unternehme wiricen, dass 
sie dafOr Arbeiter gewinnen helfen. Denn nur von solchen 
lässt sich die Krönung der Arbeiten des Comite's erwarten. 
Und der Ausschuss rechnet, wenn auch nicht auf strömende 
Mitwirkung, so doch mehrfeiche, da es nicht veikannt werden 
kann, dass das Unternehmen für die Landesgeschichte von 
Gewinn und fbr den Mitarbeiter ehrenvoll ist Unter allen 
Umständen aber hält der Ausschuss seine Aufgabe als für 
dermalen erlediget und legt sie in die Hände jener patriotisch 
denkenden Persönlichkeiten, welche mit den Bestrebungen des 
Vereines sympathisiren. Es würde dem Ausschusse ein Moment 
besonderer Genugthuung sein, könnte er im Jahre 1878, wo 
die Einberufung und Prämünmg der bestgeführten Chroniken 
stattfinden soll, auf eine Anzahl derselben hinweisen, die ihr 
Entstehen seiner Initiative verdanken. Dann würde Steiermark 
unter den österreichischen Kronlanden nicht allein das erste 
sein, welches mit solchen Mitteln des Unternehmens sich 
annimmt, sondern auch das mit Resultaten auf solchem Gebiete 
hervortritt Dann hat sich der Zweck des Vereines in dieser 
Richtung erfüllt, denn das ist wohl nicht zu bezweifeln, dass 
die Sache, wenn einmal in den Gang gebracht, sich selbst 

helfen und vorwärts bringen wird." 

I * 

Hierauf gelangen die Vorträge an die Reihe und es hält 
Se. Erlaucht Herr Graf Gundacker Wurmbrand-Stuppach 
seinen von Demonstrationen begleiteten Vortrag über die 1872 
zu Gleichenberg gemachten prähistorischen Funde. 

Anknüpfend an einen Feuilleton-Aufsatz des Med.-Dr. 
M. Macher in der Abendausgabe der Grazer „Tagespost" 
vom 24. September 1872 vertritt er die Ansicht, dass die 
Gebrauclizeit der auf dem südwestlichen Abhänge des Hügels 
der Villa Wickenburg in Gleichenberg gefundenen Schalen und 
Scherben, dann fünf Stück Steinwaffen (letztere zum Theile den 
von Professor U n g e r bei Radkersburg gefundenen ähnlich) nicht 
auf Jahrtausende zurückgeschoben werden könne, wie Dr. 
Macher meint, sondern kaum einige Jahrhunderte vor unsere 
Zeitrechnung zu setzen seien. Graf Wurmbrand sieht durch 
diesen Fund eine Ansiedlungsstätte der kymerischen Kelten 



— IX - 

der nahverwandten Gallier und der Germanen belegt, welche 
sich in diesen Gegenden uiederliessen, nachdem sie die Einge- 
bomen unterworfen hatten. 

Der nun folgende Vortrag des Herrn Professor Dr. H. 
J. Bidermann behandelte die steierische Verfassuugskrisis 
zur Zeit der ersten französischen Revolution und wurde mit 
Hinzugabe einiger interessanter ActenstUcke in das XXI. Heft 
der „Mittheilungen" S. 15 — 105 aufgenommen. 

Beide Vorträge en-egten lebhaftes Interesse und wurden 
mit Beifall aufgenommen. 

Die Versammlung währte von 7*6 — 8 Uhr Abends. 



Unterm 2. März 1873 bescheinigt die h. steierm. Statt- 
halterei die in der letzten Jalu'es Versammlung beschlossene 
Statutenänderung. 

Am 10. April wird mit der historischen Section der pol- 
nischen Akademie der Wissenschaften m Krakau der Schrif- 
tentausch eingeleitet. 

Am 26. April beschliesst der Ausschuss mit Rücksicht 
auf den in der letzten Jahi'esversammlung ausgesprochenen 
Wunsch, auch im Jalu*e 1873 ein geschichtliche Aufsätze ent- 
haltendes Heft der „Mittheilungen'' mit angeschlossenem Re- 
gister für dieses Heft herauszugeben. Der Register der bisher 
erschienenen XX Hefte „Mittheilungen" soll in zwei bis drei 
jahreweisen Abtheflungen abgesondert ausgegeben und mit der 
Ausgabe der vom Archivsadjnncten Dr. Luschin bearbeiteten 
Uebersicht aller in den Schriften des Vereines erschienenen 
Aufsätze begonnen werden. 

Die Auflage der Vereinsschriften wird auf 650 Exemplare 
erhöht 

Am 28. April hält der Verein seine 11. Vierteljahresver- 
sammlung, bei deren Beginn der Vorsitzende Schulrath Dr. 
Peinlich sich als neugewählter Vorstand einfahrt, dann einen 
Nachruf den zwei jüngst verstorbenen vielverdienten Ehren- 
mitgliedern des Vereines, den beiden Topographen Director 
Dr. Georg Göth (gcst 69 Jahre alt, Graz, 4. März) und Carl 
Schmutz (gest 87 Jahre alt, zu Linz, 20. April) widmet 

Professor Virgil Käferbäck besprach die in Deutsch- 
land allgemein, auch in Graz bestandene und aus der heid- 
nischen Zeit stammende Sitte, zur Sommer-Sonnenwende Feuer 
im Freien anzuzünden und Strohmänner oder andere Figuren 



— X — 

dabei zu verbrennen. Da wurde am Vorabende des Johannis- 
tages, 23. Juni, eine riesige, bekleidete Strohpuppe an einer 
langen Stange befestigt durch die Stadt gctiagen, aiu Sonnen- 
wendfeucr in der Kailau angezündet und dann noch brennend 
in die Mur geworfen. 

Diese Puppe hiess der Tattermann ! Die Bedeutung dieses 
Namens stammt vom Worte tattern, zittern, daher Tattermann 
in Steiennark eine Vogelscheuche und einen feigen willenlosen 
Menschen bezeichnet 

Bei dieser Volksbelustigimg entstanden aber oft bedauer- 
liche Exccsse, so dass die bewaffnete Macht nicht selten ein- 
schreiten musste, um Ruhe und Ordnung zu schaffen; ja es 
kam sogar im Jahre IG 99 zu förmlichen Kämpfen zwischen 
dem Civile und dem Militär, so dass man sechs Todte und 
eine gi'osse Anzalil Verwundeter zählte. Auch gab das Volk 
bei dieser Festlichkeit oft seinem Aerger über sociale Ver- 
hältnisse Ausdruck, so prangte einst bei einer Erhöhung der 
Fleisch- und Kerzenpreise der Tattermann auf seiner hohen 
Stange ganz jnit Wursteln und Kerzen behängt Diess gab 
dann oft zu Tunmlten Veranlassung, so dass sich die Regie- 
rung genöthigt sah, diese Sitte abzuschaffen, aber trotz wie- 
derholter Verbote erhielt sie sich noch fort, bis ihr endUch 
die Unruhen vom 23. Juni 1773, wo abermals Militäi- ein- 
schreiten musste und der Buchhaltungsoffidal Hu eher durch 
einen Schuss das Leben verlor, mehrere Soldaten aber durch 
Pistolenschüsse und Steinwürfe verwundet wurden, für immer 
ein Ende machten. Unter energischen Drohungen verbot nun 
die Regierung diese Festhchkeit für immer und erliess eine 
Reihe von Massregeln, jeden Versuch emer Erneuerung der- 
selben sogleich zu unterdrücken. 

Der Vortragende verwies hiebei auch auf einen Aufsatz 
von Professor II wof, welcher schon fiüher die Ansicht Wink- 
lern 's und auf letzteren gestützt Gebier 's widerlegte, als 
stanmie dieser Gebrauch von der Verbrennung eines Tartaren. 

Der Voilrag des Oberlieutenants L. Beckh-Wid- 
manstetter hatte den beklagenswerthen Zustand vieler 
mittelalterlicher Denkmäler zum Gegenstande, welche nicht 
selten auf Kosten völüg interesseloser Ueberbleibsel aus der 
Römerzeit vernachlässigt werden. Ein Beispiel kaum glaubücher 
Rücltsichtslosigkeit stützt diese Thatsache durch die bisherige 
Verwahrlosung der Denkmale des uralten, durch rühmUche kile- 
gerische Leistungen ausgezeichneten Herrengeschlechtes der 
Teuffenbach zu Teuffenbach und Massweg, in der 
durch sie gegründeten Margarethen-Ffarrkirche ihres Stammsitzes 



- xr — 

zu Teuffenbach in Obersteier. Am Fussboden der Kirche, theils 
durch Betstühle verdeckt, theils den Schuhnägeln der bäuer- 
lichen Besucher preisgegeben, oder in der Umfassungsmauer des 
Kirchhofes, waren die hin und wieder nicht nur in geschichtUcher, 
sondern auch in künstlerischer Beziehung interessanten Denk* 
mäler in Bruchstücken zerstreut emgemauert, mit Bezug auf 
die Friedhofinauer mehrere eben nur als einfaches, in kleine 
Stücke zerklopftes Steinmateriale, bei Ausbesserungen vei-wendet 
worden. Diesen Verwüstungen leistete übrigens eine zu Ende 
vorigen Jahrhunderts erschienene Kreisamts- Verordnung, welche 
die Verwendung der alten Grabsteine bei Kurchenreparaturen 
anordnete, Vorschub. 

Der historische Verein nahm sich auf den Bericht des 
Vortragenden der Sache an, und schöpfte daraus den Anlass, 
im Allgemeinen die Angelegenheit einer besseren Versorgung 
der Kirchendenkmäler bei den beiden Landesbischöfen, u. z. 
mit erfreuUchem Erfolge anzuregen. HinsichtUch der bescheiden 
dotirten Pfarrspfründe zu Teuflfenbach musste aber auf die 
Beisteuer der nächsten Interessenten, die Sprossen der auf 
den Denkmalen genannten Geschlechter gewiesen werden. Von 
ihnen (den P. T. Frauen : Theresia Gräfin von Herberstein- 
Dietrichstein in Wien, Anna Gräfin von Saurau-Goess 
in Graz, AmaUa Freiin Teuffenbach-Thurn und Antonia 
Freiin v. Formentini-Teuffenbach in Görz; den P. T. 
Herren: Alfred und Ernst Fürsten zu Windisch-Grätz 
in Wien und Graz, Sigmund Freiherr v. Pranckh, königl. 
bäirischen Kriegsminister in München, Albin und Arthur Frei- 
herren von Teuffenbach-Teuffenbach in Wien und 
Görz) wurden auch die Kosten der bisher durchgeführten 
Denkmal-Umstellungen gedeckt 

Die Umstellung zweier mächtiger Grabsteine, welche 
später als Altartische in Verwendung genommen wurden, er- 
fordert weitere Verhandlungen mit der Kirchenbehörde, welche 
erst durchgeführt werden müssen. Aber selbst das, was bisher 
bereits geschehen ist, Uefert ein erfreuliches Resultat und con- 
statut für das unscheinbare Kirchlein zu Teu£fenbach eine so 
grosse Anzahl von Denkmälern einer und derselben Familie, 
wie eine solche wenige andere Kirchen in Oesterreich ent- 
halten dürften. Während eine Inventur des Jahres 1780 nur 
acht sichtbare Denkmale ergab, wurden bis nun vom Mau- 
rermeister Clonfero in Murau unter der Leitung des die 
Arbeiten rastlos fördeniden Ortspfarrers Herrn Anton Zugs- 
b r a 1 1, 1 8 die Teuffenbacher betreflfende Denkmale zusammen- 
gestellt und sämmtliche im Innern der Kirche iintergebracht 



- xn - 

Diese Denkmale, deren ältestes dem Jahre 1480 ange- 
hört, das jüngste aus der Zeit zwischen 1G09 — 1620 stammt, 
werden vom Sprecher beschrieben, zugleich aber auch die ihm 
anderwärts bekannten Fundstätten Teuifenbach'scher Denkmale 
erwähnt Nicht minder gedenkt er der Bedeutung des Ge- 
schlechtes für die Steiennaik, wodurch das Interesse für diese 
Erinneningsmale eigenthch gehoben wird und betont schliess- 
lich jene Namen von geschichtlichem Klange, welche aus 
ihnen heraus zu uns sprechen. Es sind dies: Regina, Ge- 
mahlüi Hansens v. Teuffenbach (t um 1510), deren Name 
uns an ihren berühmten Bruder Sigismund von Dietrich- 
stein erimiert ; der als Stifter des Spitals zu Sauerbrunn bei 
Judenburg wie als Krieger hochverdiente erste Freiherr Franz 
von Teuffenbach (f 1578); und Heinrich Mathias Graf von 
T h u r n, der unermüdliche und unglückliche Parteigänger der 
protestantischen Sache im 30jährigen Kriege, welcher als Genial 
der Tochter des reichen Offo von Teuffenbach auf dem 
prachtvollen Grabmale des letzteren genannt ist 

Weil aus der Zeit, der die Denkmale angehören, sämmt- 
Uche in der Stammtafel vorkommende männUche Teuffenbach 
in dieser Weise geehrt wurden, bis auf den vierten Genial 
der bekannten 1623 verstorbenen Herrin von Murau, Anna 
Gräfin zu Schwarzenberg, geb. Neuman von Wasser- 
leo n b u r g, diese aber allen ilu*en Gatten Denkmale widmete, 
so hoflPt der Vortragende, in einer der zwei Altartischplatten 
das Denkmal CarFs von Teuffenbach noch zu finden. 

Nachdem über Antrag des Vorsitzenden beiden Bednem 
der Dank der Versammlung votirt wurde, erfolgte der Schluss 
der Sitzung. 

Am 10. Juli hält der Verein, diesmal im Landtagssaale, 
unter dem Vorsitze des Vereinsvorstandes Schulrathes Dr. K. 
Peinlich seme 12. Vierte^jahresversammlung. 

Professor Dr. H. J. Bidermann begründet den von 
ihm im Ausschuss eingebrachten und da acceptirten Antrag, 
die nächste Quartalversammlung als Wanderversammlung in 
einem erst zu bestimmenden Orte abzuhalten und die Ver- 
sanunlung gibt die hiezu statutengemäss nöthige Einwilligung. 
In späteren Berathungen des Ausschusses wird die Stadt 
Leoben in Obersteier gewählt und die mit ihr diesfalls ge- 
pflogenen Verhandlungen führen zmn erwünschten Abschlüsse. 

Notar J. C. Hof rieht er aus Windischgraz beantragt, 
der historische Verein möge sich beim Grazer Gememderathe 
verwenden, dass eine der neu zu benennenden Gassen nach 



-^ xm -^ 

der ältesten Dynastie der Steiermark Traungauergasse benannt 
werde. Angenommen. 

Hierauf hält Professor Dr. Krön es einen sehr beifällig 
aufgenommenen Vortrag über den Altgrafen Hermann H. 
von Cilli, welcher dann in das XX. Heft „Mittheilungen", 
S. 106 — 144, aufgenommen wurde. 



Am 14. Juli beschliesst der Ausschuss die Kürzung der 
Administrativberichte in solcher Form, dass nur was von 
allgemeiner Wichtigkeit und von besonderem Interesse ist, 
zum Drucke komme, weiters die Annahme der Antiquaschrift 
als der für wissenschaftliche Publicatioiien immer mehr in 
Aufiiahme kommenden, für die „Mittheilungen*'. 



Am 8. October berichtet der Schriftführer im Ausschusse 
über die gelegentlich seiner Anwesenheit in Linz mündhch 
gepflogenen Verhandlungen mit den Erben nach dem ein- 
heimischen Topographen Carl Schmutz, nach welchen die 
Ueberkommung der von dem genannten fleissigen Forscher 
gesanunelten Styriaca als sicher gelten darf. 

Das k. k. österreichische Museum für Kunst und Industrie 
tritt in literarischen Tauschverkehr mit dem Vereine. 

Der Antrag des Bezirkscorrespondenten Dr. J. Kraut- 
gasser in Mureck, die Volksschulen jener Landestheile, m 
welchen häufig Münzenfunde aus der Römerzeit gemacht 
werden, mit Duplikaten von öfters vorkommenden Münzen zu 
betheilen, um dadurch die SammeUust im Landvolke zu er- 
wecken, wird an das Münzen- und Antikenkabinet am Joan- 
neum zur Amtshandlung abgetreten. 

Der Ausschuss beschliesst, sich petitionsweise an den h. 
steierm. Landtag mit der Bitte um Uebemahme der Druck- 
kosten für das Register zu Muchar zu wenden, weil die 
ersten fünf Bände dieses Werkes völlig auf Landeskosten her- 
ausgegeben wurden, und der Verein ohnehin die Herstellung 
des Manuscripts in seinem Kreise besorgte. 



Am 12. October versammelten sich zu Leoben die Theil- 
nehmer der 13. Vierteljahres-, zugleich ersten Wander- 
Versammlung des historischen Vereines für Steiermark, von 
welchen die aus Graz zumeist mit dem Postzuge um 12 Uhr 
16 Minuten in Leoben eintrafen und daselbst von dem Leobner 
Fest-Comit^, bestehend aus den Herren: Anton Lutz, Bür- 
germeister zu Leoben, Wilhehn F a i 1 h a u e r, k. k. Postmeister, 
Dr. Gregor Fuchs, Director des Realgymnasiums, Frans 



— XlV — 

Kupetwieser, Professor an der k. k. Montan-Akademie, 
Josef Meyer, Gemeinderath, Franz S a v e t z, Hauptschullehrer 
und Gemeinde-Ausschuss, und Franz Sprung, Director der 
Innerberg'schen Gewerkschaften zu Donawitz bei Leoben, auf 
das Freundlichste bewillkommt wurden. 

Von Graz waren eingetroffen; 

Se. Excellenz der Herr Statthalter Freiherr v. K ü b e c k, 
(der Herr Landeshauptmann und Ehrenpräsident Dr. Moriz von 
Kaiserfeld sprach in einem Schreiben an den Vereins- 
Vorstand sem Bedauern aus, durch Beru&geschäfte an der 
Theilnahme gehindert zu sein). Vom Ausschusse: Der 
Vereinsvorstand Schulrath Dr. Richard Peinlich, Vorstand- 
Stellvertreter Professor Dr. H. J. B i d e r m a n n, Schriftführer 
L. Beckh-Widmanstetter, Professor Dr. A. v. Luschin, 
Schuldirector N ö. Mitglieder: Gustos Dr. A. Jeitteles, 
kais. Rath Pfarrer Dr. Knabl, Professor Korp, Professor 
Dr. Franz Krön es, Professor Dr. Georg Lucas, Professor 
Macun, Professor J. Reich el, Oberlandesgerichtsrath Jo- 
hann Reicher, Professor Johann Rogner, Dr. Medicinaß 
Senior. Gäste: Die Philosophen Johann Ebner und 
Kümmel, Medianer Victorin Rogner, magistratlicher Cassier 
Carl Schneiderlechner mit Gemalin, — aus Judenburg 
Dr. P i 1 1 m a y e r, aus Gaal bei Knittelfeld JBezirkscorrespondent 
Werksarzt A. A u s t, aus Obdach Bezirkscorrespondent Bezirks- 
richter Ignaz Schlagg. 

Nachdem „beun Mohren ** das Mittagmal gehalten war, 
wurde der vormals von Eggenwald'sche Garten besucht, in 
dessen Pavillon General Bonaparte am 18. April 1797 
den Präliminarfrieden von Leoben mit • Oesterreich unter- 
zeichnete, dann die Wanderung nach dem aufgehobenen ältesten 
Benedictinerinnen-Kloster in Göss auf dem Umwege über die 
Ruinen des Schlosses Massenberg und den Aussichtspunkt 
„Bellevue" angetreten. In G^ss besahen die Anwesenden, vom 
Ortspfarrer Andreas Gschirts geleitet, die Stiftskirche, ein 
neu aufgefundenes Gemälde, die Kirchenparamente, dann die 
Grabdenkmale der Aebtissmen ausser der Kirche; den Schluss 
machte ein kürzerer Aufenthalt im Brauhause zu Göss, welcher 
zu mehreren Begrüssimgen durch Trinksprüche den Anstoss 
gab. Nach Leoben rückgekehrt wurde das Abendessen im 
grossen Speisesaale des „Mohren" eingenommen, während das 
Absenger'sche Terzett sich produzirte. 

Am 1 3. October Morgens 8 Uhr machte über Einladung 
des Herrn Werksdirectors Franz Sprung ein grösserer 
Jheil der Gesellschaft einen Ausflug nach der vormals Frei- 



- XV — 

hert V. Mayr, nun Innerberg'schen Gewerkschaft Donawitz. 
Dort zeigte Herr Director Sprung die in einzelnen Theilen, 
namentlich der schönen Decke noch gut erhaltenen Reste 
einer kleinen römischen Grabkapelle, auf welche die Arbeiter 
vor circa zehn Jahren gelegentUch der Umlegung des Tro- 
faiachbaches stiessen und die dann auf seine Anordnung aus- 
gegraben wurde. Die Fundstätte wurde besucht, dort die 
Genesis des Fundes vom Herrn Director Sprung erörtert 
und noch andere kleinere Fundstücke vorgezeigt 

Von 10 Uhr Vormittags bis nahe 1 Uhr Mittags wurde 
im grossen Bathssaale der Stadtgemeinde Leoben die Haupt- 
versammlung abgehalten, welcher ausser den bereits Vorge- 
nannten noch die Mitglieder: Güterbesitzer Freiherr Franz 
Mayer von Meinhof, Postverwalter Martin Reitsamer, 
Landesgerichts-Rath Ludwig Sprung, Professor Johann 
Tschanet, die Gäste: Hochwürden Alois S e e 1 i n g, Stadt- 
pfarrer in Leoben, Franz T e c h e t, Vorstadtpfarrer in Waasen, 
Andreas Gschirts, Pfarrer in Göss, Hoffath Peter Ritter 
von Tunner, Landtagsabgeordneter Freiherr von Zschok, 
Staatsanwalt Eugen Mihurko, pens. Finanzrath Alois Fail- 
hauer, k. k. Notar Franz von Aichelberg, Advocat Dr. 
Josef Gmeiner, Med.-Dr. Homann, Dr. Steyrer, Land- 
wehr-Major H e r z n e r, Postofficial Ritter von Seh er er, wei- 
ters acht Damen, Bürger der Stadt, Studirende der Berg- 
akademie, im Ganzen 112 Personen beiwohnten. 

Vorsitzender Schulrath Dr. Richard Peinlich eröfinet 
die Versammlung mit einer einleitenden Rede über Zweck und 
Bedeutung der Wanderversammlung und gibt von dem Pro- 
gramme Kenntniss, worauf der Schriftführer den Geschäfts- 
bericht mit besonderer Betonung der sich stets mehrenden 
Anmeldungen für Ortschronikenführungen und ebenso für den 
abwesenden Cassier den Cassenbericht (Emp^nge einschliess- 
lich des Uebertrages vom Vorjahre 3969 fl. 70 kr., Ausgaben 
1913 fl. 83 kr., Rest 2055 18. 87 kr.) vorträgt 

Dann ersucht Vorsitzender Namens des Ausschusses um 
Ertheüung der Indemnität hinsichtlich der durch die tagende 
Versammlung verursachten Kosten, welche ertheüt wird. 

Schriftführer referirt über den Vorschlag des Ausschusses, 
die ordentlichen Mitglieder : Herren Ludwig J o s s e k, k. k. 
Bezirkshauptmann in Rann, Hermann Puff, k. k. Hauptmann- 
Auditor in Marburg, und Johann Erainz, Volksschullehrer 
in Oberwölz, dann den Herrn Franz Tiefenbacher, k. k. 
pens. Finanzbeamten in Fehring, zu Bezirkscorrespondenten 
zu ernennen. Der Vorschlag wird genehmigt, ebenso jener des 



— XVI - 

Vorsitzenden, die Herren: Professor Dr. Krones, Professor 
Dr. Geoi^ Lucas und Oberlandesgerichtsrath Reicher zu 
Ratificatoren des Sitzungsprotokolls zu wählen. 

Ueber die Aufforderung des Vorsitzenden, etwaige Wünsche 
und Anträge kund zu geben, meldet sich Niemand zum Worte, 
es wird daher zu den Vorträgen geschritten. 

I. Professor Dr. H. J. Bidermann bespricht die Han- 
delsbeziehungen der Stadt Leoben zu den westlichen Alpen- 
ländem vom 16. bis zum 19. Jahrhunderte, hebt die Bedeu- 
tung des Eisenhandels, durch welchen Leoben seine BerOhmtheit 
erlangte, hervor, schildert mit Zugrundelegung tirolischer Ar- 
chivaren den regen Verkehr, welcher zwischen Tirol und jener 
Stadt besonders im 16. Jahrhundert bestand und verbreitet 
sich dabei auch über andere Wechselbeziehungen. Er begrOsst 
damit die Stadt und schliesst mit emer Aufforderung zu kräf- 
tiger Unterstützung der Zwecke des historischen Vereines. 
(Sem Vortrag wurde ohne die Kürzungen, die er vornahm, in- 
dem er ihn hielt, als Festschrift ausgegeben und erscheint 
auch in diesem XXH. Hefte der Mittheilui^en des histori- 
schen Vereines.) 

n. Der zweite Vortragende, Professor Dr. Arnold Bitter 
V. Luschin, ging von dem Gedanken aus, dass die mittel- 
alterlichen Anschauungen vom Wesen und Zwecke der Münze 
von den heutigen mannigfach abwichen und dass diese zur 
Auffassung des Münzwesens als einer blossen Finanzquelle 
hinleitete. Nachdem er sodann das daraus für den Münzberech- 
tigten abgeleitete Recht der Münzverrufung und Verschlechte- 
rung geschildert, wandte er sich der gedrängten Darstellung 
des Münzwesens in Steiermark während des Mittelalters zu, 
besprach die im Lande umlaufenden Sorten, versuchte deren 
Circulationsgebiet zu begrenzen und die Münz- und Wechsel- 
stätten namhaft zu machen. Mit einem Hinweis auf die Finanz- 
krise des 15. Jahrhunderts, die Zeit der Schinderlinge, in 
welcher der Grazer Bürger und Münzmeister Balthasar 
Eggenberger eine wenig gerühmte RoUe spielte, sdüoss 
der durch Vorweisung der einzehien Münzsorten erläuterte 
Vortrag nach halbstündiger Dauer 0- 

ni. Der dritte Vortrag des Schuh*athes Dr. R. Peinlich 
behandelte das Rathsstuben-Regiment der steier. Landstädte 
im 16. Jahrhunderte mit besonderer Berücksichtigung von 
Leoben. 



*) Der Vortrag wurde seither im Jännerhefte der Zeitsctirift ftir deutsclie 
ColturgeBchichte, Jahrgang 1874) S. 19 ff. veröffentlicht. 



— xvn — 

Nach einigen einleitenden Worten über die Reichhaltigkeit 
nnd Mannigfaltigkeit des Stoffes, folgten Andeutungen ttber 
die autonome Stellung der Gemeinde, über den Wirkungs- 
kreis der Stadtbehörde, deren Zusammensetzung und Glie- 
derung, sowie über die Wahl derselben und die Stellung gegen- 
über der Bürgerschaft Annäherungsweise wurde die Zahl der 
Bewohner von Leoben und einiger anderer Orte für das Jahr 
1528 und die Zahl der rücksässigen Bürger von Leoben im 
Jahre 1572 bestimmt Hieran schloss sich die Au&flhlung 
der in- und ausserhalb des Bathes mit städtischen Aemtem 
zu Leoben betrauten Männer, femer Angaben über die Raths- 
ordnung in Betreff der Sitzungen und die Massregeln gegen 
Säumige zu Leoben und an anderen Orten. Bei der Bespre- 
chung der städtischen Agenden in Beziehung auf den Landes- 
fürsten, wurde die Behandlung der landesfürstlichen Generalien 
im Rathe dargelegt und die Art der Publicirung an die Be- 
wohner des Ortes. Als Beispiel diente eine Polizeiverordnung 
vom Jahre 1530 und ein Steckbrief vom Jahre 1579. Dann 
folgten einzelne Daten über das Land- und Banngericht zu 
Leoben, über die Seltenheit von Verbrechen, welche die Todes- 
strafe verdient hatten, über die Stelle, wo der Galgen stand, 
über Fälle, wo die Regierung die Urtheilssprüche des Stadt- 
gerichtes 1573 und 1575 unzulänglich fand und daher Reas- 
summhiing der Untersuchung verlangte, femer ein Process 
wegen heimlich von Goldwäschem aufgekauften Goldes (1600), 
wo das Stadtgericht wegen Umgehung seines Rechtes durch 
landesfbrstliche Beamte die Schuldigen unbestraft liess, endlich 
aus den Injurien- und Raufhändeln ein Beispiel sonderbarer 
Rechtspflege (1595), wo die gröbüche Antastung des Bürger- 
meisters, als er bei einer Rauferei von Amtswegen dazwischen- 
trat, ungeahndet blieb. An den Bericht über die Erledigung 
der Beschwerden der Bürgerschaft von Leoben durch den 
Raul in öffentlicher Versammlung 1591, schloss sich eine 
kurze Hindeutung auf die gelegentlichen Festmahlzeiten der 
Rathspersonen. Die Verlesung eines bei festlichen Gelegen- 
heiten üblichen „Menü" von 18 Gerichten machte den Beschluss. 

Die vorgerückte Stunde veranlasst den Vorsitzenden die 
Versammlung zu befragen, ob sie geneigt sei, auch noch die 
zwei kurzen Mittheilungen anzuhören, welche erst heute Morgens 
dem Ausschusse angemeldet wurden ; über die darauf ertheilte 
Zustimmung verliest 

IV. Herr Bezirkscorrespondent A u s t aus Gaal bei Knit- 
telfeld einen warm empfundenen Nekrolog des am 10. No- 
vember 1786 zu Schwanberg geborenen und am 27. April 1872 

Mllthatl. d. hUL Verein* f. Stelenaurk. XXII. Heft, 1874. B 



— XVIII — 

yerstorbenen Grossindustriellen Andreas Top per. Dieser 
machte sich dadurch besonders bemerkbar, dass er 1818 za 
Scheibs in Niederösterreich die erste österreichische Neubruch- 
Stahlwaareufabrik in Oesterreich gründete und in Flor brachte. 
Er vergass aber auch nicht an seinen Geburtsort Schwanberg 
in Steiermark, für welchen er mehrere wohltbätige Stiftungen 
errichtete, dort auch am Kirchhofe seinen verstorbenen Elt^m 
Andreas (t 1806) und Ursula Topp er (f 1809) em Denkmai 
widmete. Der Umstand, dass Topp er nach Beendigung sei- 
ner Wanderschaft 1811 eine Knittelfelder Büi^erstochter geeh- 
licht hatte, veranlasste den Redner, diese Blume der Erinne- 
rung für den Verstorbenen zu pflücken. 

V. Endlich bespricht der Vereins-Schriftführer Ob»- 
lieutenant Leopold Beckh - Widmanstetter das am 
Tage vorher dem Archive des Schlosses Liechtenstein*) bei 
Judenburg entnommene, in seiner guten Ausstattung und 
Erhaltung vorgewiesene Hauptbuch des kaiserlich befreiten 
Handelsherrn Hanns Pagge m Wien, die Jahre 1646 und 47 
umfassend. Indem Redner aus dem Buche ziifermässig nach- 
weist, dass der Wiener Kaufherr in circa 500 Posten mit 
beiläufig IGO Orten in Oesterreich, Steiermark, Kärnten, Ungarn, 
Mähren, dann aber auch mit Städten wie Nürnberg, Danzig etc. 
in Verbindung stand, dass zu seinen Debitoren Personen jeden 
Standes vom deutschen Kaiser bis zum Krämer herab ge- 
hörten, legt er das Hauptgewicht auf den Umstand, dass die 
Famüie Pagge's mit der Steiermark und weiters auch mit der 
Stadt Leoben in näherer Berührung stand. Schon vor mehr 
als 100 Jahren wurden die Pagge unter den geadelten handel- 
treibenden Familien von St Veit in Kärnten genannt, von wo 
sie sich nach dem salzburgischen Lungau und Obersteier ver- 
breiteten. Franz war um 1600 des Erzherzogs Ferdinand Rath 
und Stadtanwalt in Leoben, Daniel etwas später innerösterr. 
Regierungskanzler. Unseres Pagge Mutter war eine Tochter 
des reichen Judenburger Handelsherrn und Stadtrichters Bal- 
thasar Hainricher, gestorben um 1600, dessen Söhne Hans 
und Hermann den Thorhof bei Judenburg zum Schlöss- 
chen Hainrichsperg umschufen, dann mit kaiserlicher Bewilli- 
gung sich darnach nannten, ein grosses Vermögen sammelten^ 
aber ohne Kindersegen blieben. Letzterer Umstand veranlasste 
den Hermann Hainricher von Hainrichsperg 1644 seinen 



*) Vom EigenthOmer, Sr. Divcblaucbt dem Herrn Generalen der Ca- 
vallerie Fürsten Friedrich zu Liechtenstein dem Vereine zur 
Verfügung gestellt 



— XIX — 

Schwestersohn Hanns Pagge zu adoptiren, der um 1 646 dann 
auch völlig den Namen Hainrichsperg annahm, bald darauf 
Wien verliess und sich gänzlich nach Judenburg zog, wo er 
bis zu seinem Tode 1676 als Bui^graf waltete und durch 
die Erwerbung namhafter Landgüter um Judenburg seinem 
Sohne zur Grafenwttrde den Weg bahnte. Als Bürger von 
Bedeutung, wussten die Grafen Hainrichsperg sich im neuen 
Stande aber nie zu einer ihrem nunmehrigen Range ent- 
spredienden Geltung zu bringen, erioschen übrigens auch 
sdion 1783. 

In dem Hauptbuche unseres „Hanns Hainricher von und 
auf Hainrichsperg zum Weyer, sonsten Pagge genannt*', be* 
gegnen wir manchem für die Handelsgeschichte Innerösterreichs 
wichtigen Namen, so Inzaghi (später Grafen), Haubt, De- 
crignis, sämmtlich in Graz — Egger (nun Grafen) in 
Leoben — Lis cutin in Judenburg; wir vermissen dann 
allerdmgs auch dubiose Forderungen nicht, aber mit Rücksicht 
auf die einkommenden hohen Summen in so unnennbaren 
Beträgen, dass wir daraus eine hohe Meinung von der Soli- 
dität der Pagge'schen Handelsverbindungen schöpfen. 

Nachdem nun die Tagesordnung völlig erschöpft war, 
schloss Vorsitzender Schulrath Dr. R P e i n 1 i c h um 1 2 V« Uhr 
Mittags, nachdem er den Anwesenden für ihr Erscheinen und 
ihre Theilnabme den Dank ausgesprochen, die Versammlung. 

Unmittelbar darnach vereinigte sich der grössere Theil 
der in der Hauptversammlung anwesenden männlichen Per- 
sönhchkeiten zu einem gemeinsamen Festmahle beim „Mohren". 
— Den ersten Trinkspruch brachte hiebei der Vereinsvorstand 
Schulrath Dr. Peinlich auf die GastfreundUchkeit der Ge« 
meinde und des Bürgermeisters der Stadt Leoben aus, welchen 
Gruss Bürgermeister Lutz mit einem „Hoch'' auf die aus 
der Entfernung herbeigekommenen Mitglieder des Vereines, 
die Gäste Leobens erwidert Darauf toastirte Scbulrath Dr. 
R. Peinlich auf Se. Excellenz den Herrn Statthalter, Pro- 
fessor Dr. H. J. Bi der mann auf den Ehrenpräsidenten des 
Vereines, den würdigen Staatsmann aus der Heimat, nun- 
mehrigem Landeshauptmann Dr. Moriz von Kaiserfeld, 
Professor Dr. Arnold von Luschin brachte dem Leobner 
Festcomitä sein „Hoch* und Professor Dr. Franz Krön es 
gedachte, indem er in einem humorgewürzten Rückbhcke die 
Erlebnisse der letzten zwei Tage Revue passiren liess, der 
Frauen von Leoben. Noch erhob Freiherr von Mayer- 
Meinhof sein Glas, um den 84jährigen „Nestor" des histo- 
rischen Vereines, kais. Rath PfaiTcr Dr. Richard KnabI, zu 

B* 



— XX — 

begrüssen und erntete herzliche Erwiderung von dem Greise. 
Werksdirector Sprung schloss die Trinksprüche mit einem 
solchen auf den Yereinsvorstand, womach sich die Gesellschaft 
trennte, die Anwesenden aus Graz, begleitet vom Leobner 
Festcomite zur Eisenbahn fuhren und mit dem beOftufig 3 Uhr 
nach Brück und Graz abgehenden Zuge nach Graz rück- 
kehrten. 



In der Ausschuss-Sitzung am 1 4. October behandelte der 
Aussc^uss theils vertrauliche, theils noch nicht abgeschlossene 
Gegenstände, welche die Elarlegung der Beziehung des Aus- 
schusses zu dem Comite fbr Herausgabe steiermfiridscher 
Geschichtsquellen betreffen. 



In der Ausschuss-Sitzung vom 14. November bescfaliesst 
der Ausschuss an Se. Majestät den allergnädigsten Kaiser an- 
lässlich des Regierungsjubiläums eme im Entwürfe zugleich 
vorgelegte Adresse zu richten. Dieselbe wurde sodann am 
Festtage von einer Deputation des Ausschusses Sr. Excellenz 
dem Herrn Statthalter überreicht 

Schriftführer L. Beckh-Widmanstetter berichtet 
über die Beendigung der seiner persönlichen Obsorge über- 
lassenen Grabmal-Bergungen in der Pfarrkirche zu Teufen- 
bach ') in Obersteier und der damit durch die Widmung eines 
Geldbetrages in Verbindung stehenden Umstellung eines am 
Fussboden der Yerreibung preisgegebenen, fbr die Genealogie 
der Fürsten zu Windisch-Grätz wichtigen Denksteines in der 
Franziskanerkirche zu Graz. Derselbe besitzt ausser dem com- 
binirten Wappen der Windischgrätz-Wolfsthaler folgende In- 
schrift : 

In sand Jacobs kapelln 
im kloster cze grac habe 
n die windischgracz au 
ch die wolfthaler. ir. greb 
nns Tnd ligt da . taman 
wolfthaler der lest 1474. 



In der Ausschuss-Sitzung vom 1 6. December wird die Mit- 
theilung des Bezirkscorrespondenten Krainz verlesen, nach 
welcher die StadtverU'etung von Oberwölz auf seine Anregung 
beschlossen hat, circa 20 Original-Pergamenturkunden gegen 



») Die wichtigeren Daten über die Teufenbacher Denkm&ler sind der 
Skizze des darQber in der 11. Quartalversammlung gehaltenen Vor- 
trages S. X zu entnehmen. 



— XXI — 

Einlieferung von vidimirten Abschriften derselben dem Vereine 
in die Verwahrung zu überlassen; ein Anerbieten, welches 
der Ausschuss mit Dank annimmt 



Die 26. allgemeine Jahresversammlung des Vereines 
wurde am 30. Jänner 1874 in Anwesenheit des Herrn Ver- 
einspräsidenten, Landeshauptmann Dr. Moriz v. Kaiserfeld 
und unter Leitung des Vorstandes, Schulrath Dr. R. Pein- 
lich im Joanneum abgehalten, wobei der Schriftführer, Ober- 
lieutenant L. Beckh-Widmanstetter Namens des Aus- 
schusses Folgendes berichtete: 

* * 
«Zum ersten Male seit dem Bestände des Vereines ist 

der Ausschuss heute in der 26. Hiuiptversammlung in der 

Lage, über ein mit dem Kalendeijahre zusammenfallendes 

Vereinsjahr zu berichten. 

Ausser der Herausgabe der gewöhnlichen Vereinsschriften, 
als dem XXL Hefte der „Mittheilungen**, welche in Hinkunft, um 
einem mehrfach ausgesprochenen Wunsche zu begegnen, mit 
Anüqualettem gedruckt werden sollen, und dem X. Jahr- 
gange der «Beiträge", war der Ausschuss auch bemüht, die 
Veröffentlichung zweier seit längerer Zeit vorbereiteter Weike 
einzuleiten. 

Die .Druckl^ung des vollständigen Registers zu den 
bisher ausgegebenen XX Heften „Mittheilungen" wurde zwar 
durch die Erkrankung des mit der HersteUung der Zettel- 
auszüge beschäftigten Herrn und andere Umstände verhindert^ 
dagegen als eine Abschlagszahlung eine „Uebersicht aller in 
den Schriften des historischen Veremes bisher veröffentlichten 
Aufsätze, femer der historischen oder die Steiermaik betref- 
fenden Artikel in der steiermärkischen Zeitschrift" ausgear* 
beitet und dieselbe als erste Lieferung des nun abgesondert 
und abtheilungsweise erschemenden Registers der ersten Reihe 
unserer „Mittheilungen", gleichzeitig mit den pro 1873 fälligen 
Jahresgaben des Vereines an die Mitglieder versendet; von 
nun an wird jedem einzelnen Hefte ein R^ister beigegeben 
werden. 

Die Herstellungskosten der Vereinsschriften sind zwar, 
von den allgemeinen Ursachen abgesehen, auch noch durch 
die in den beiden letzten Jahrgängen der „Beiträge" enthaltenen 
Karten über die Gestaltung unseres Heimatlandes im frühen 
Mittelalter einigermassen gestiegen. Allein der Ausschuss recht- 
fertigt diese Mehrauslagen mit dem Bestreben, sich durch ähn- 
liche Publicationen nicht von anderen Vereinen überflügeln zu 



~ xxn — 

lassen und meint, dass der Mehrbetrag durch den inneren 
Werih des Gebotenen reichlich aufgewogen werde. 

Der Index zu Muchar's Geschichte der Steiennark wurde 
in den Druck gegeben und ist diese schwierige Arbeit, Dank 
der auf sie verwendeten rastlosen Muhe und der uneigen- 
nützigen Opferwilligkeit mehrerer Yeremsmitglieder, welche 
die Revision übernahmen, bereits bis znm 16. Bogen fertig 
gedruckt Es kann somit die völlige Vollendung desselben 
im Verlaufe des Jahres 1874 nicht mehr angezweifelt werdea 
Weil die ersten fünf Bände des Muchar' sehen Geschichts- 
werkes vollständig aus Landesmitteln herausgegeben wurden, der 
Verein dagegen die weiteren drei Bände mit gi'ossen Opfern be- 
sorgte, auch das Manuscript des Index beschaffte, so hat sich 
der Ausschuss an die Munificenz des h. steierm. Landtages mit 
der Bitte gewendet, die Druckkosten des Index entweder ganz, 
oder doch zum Theile auf das Landesbudget zu übernehmen. 
Der hohe Landtag hat auch in Würdigung dieser Umstände 
einen Beitrag von 1000 fl. zu diesem Zwecke bewilligt, wofür 
demselben der Dank des Vereines durch diese hochgeelule 
Versammlung noch ausgesprochen werden möge. 

Vom ersten Bande des Urkundenbuches sind nur mehr 
der Index und die Vorrede zu drucken. Um jedoch die nach- 
folgenden Publicationen in keiner Weise zu verzögern, hat 
der Ausschuss schon jetzt die Inangriffnahme des zweiten 
Bandes der steiermärkischen Gescliichtsquellen in Aussicht 
genommen, er überträgt aber das Votum über die Zulässig- 
keit dieses Vorgehens, eventuell die Genehmigung der Kosten 
auf eine hochgeehrte Versammlung. 

Das Unternehmen der Ortschronikenführungen, welches 
der Vereins-Ausschuss in der letzten Jahresversammlung mit 
vollendetem Entwürfe einbrachte, erfreut sich im Lande bereits 
vielfadier, immerwährend steigender Theilnahme. Wie sehr die 
Wichtigkeit erkannt wird, dadurch ein treues Spiegelbild des 
in einem Orte sich abwickelnden Lebens der Zukunft zu be- 
wahren, beweist die Zahl der Orte, welche bisher Chroniken 
anlegten, sie beträgt dermal 24 und vertheilen sich dieselben 
auf die 16 Gerichtsbezirke Leibnitz mit 5, Oberwölz mit 3, 
Amfels und Umgebung Graz mit je 2, Brück a. M., Deutsch- 
landsberg, Feldbach, Fehring, Fürstenfeld, Kindberg, Kirchbach, 
Knittelfeld, Neumarkt, Pettau, Tüffer und Wfldon mit je einem 
Clu*onisten. 

Die Namen der Ortschronisten enthält eine Beilage. 

Die grössere Betheiligung des Bezirkes Leibnitz und der 
Kachbargegenden ist der Intervention des Herrn Landesschul* 



-^ XXIII — 

Inspectors J. AI. R o z s e k zu verdanken, welcher gelegentlich 
der Augast-Lehrerversammlung zu Leibnitz acht Theilnehmer 
derselben zur Uebemahme des Chronistenamtes zu ermuntern 
wusste. 

In verwandter Richtung erwies sich die Bezirksvertretung 
von Leibnitz entgegenkommend, welche einen Beitrag von 
50 fl. votirte, zum Falle eine druckfiüiige Ortsbeschreibung 
und Chronik zu Stande gebracht wüi-de, die dem Unter- 
richte der Ortskunde in den Schulen zweckdienlich wäre, 
Ortsbeschreibungen hat auch eine Anzahl von Schülern des 
L Staatsgymnasiums im Jahre 1873 geliefeit, u. z. fllr St Anna 
am Aigen Alois Stradner, Arnfels Anton Liebisch, Göss 
Adolf StoUowski, Gollrad bei Mariazeil Franz Hasenauer, 
Gusswerk bei Mariazeil Camillo v. Ruttner, Mariazell 
Josef Wiederhof er, Palfau J. Tomofski, Preding J. Prettner 
und Kobenz Y. Kaitner. 

Das Vorhaben des Ausschusses, eine Betheiligung des 
Vereines an der Weltausstellung eintreten zu lassen, scheiterte 
an den im Artikel: „Zur Wiener Weltausstellung 1873" 
(XXL Heft „Mittheüungen'' S. 177) geschilderten Hindernissen, 
ebenda kann aber entnommen werden, welchen Antheil das 
steiermftrkische Landesarchiv, das Archiv der Benedictmer- 
Abtei ~St Lambrecht und das Vereinsmitglied M. v. Feli- 
cetti an der Ausstellung genommen haben. 

Schon im Jahre 1872 gedachte der damalige Vereins- 
Vorstand Landesarchivar Zahn die in den Statuten vorge- 
dachte Einführung der Wanderversammlungen zu versuchen. 
Obgleich derselbe die zu einer zweckmässigen, den Erfolg 
sichernden Abhaltung der Versammlung nötbigen Andeutungen 
zusammengestellt hatte, so stand doch in jener Zeit die dama- 
lige Eintheilung des Vereinsjahres und der öffentlichen Ver- 
sammlungen diesem Vornehmen hinderlich im Wege. Es blieb 
diesem abgelaufenen Jahre vorbehalten, diese in Deutschland 
allenthalben und auch in Niederösterreich mit Vortheil erprobte 
Institution in's Leben zu führen. Das industriereiche, durcli 
eine überaus gastfreimdliche Bewohnerschaft ausgezeichnete 
Leoben wurde für diesen ersten Versuch ausersehen und der 
schönste Erfolg belohnte denselben, welcher sich zumeist in 
einem namhaften Zuwachse von Mitgliedern aus dieser Stadt 
äusserte. Der Verein ergreift diese Gelegenheit, um sowohl 
der Stadtgemeinde als dem um das Zustandekommen beson- 
ders verdienten Mitgliede, Gymnasialdirector Dr. Gregor Fuchs 
den besonderen Dank zu sagen. 

Von den Bezirkscorrespondenten, welche nach einem Be- 



~ XXIV — 

Schlüsse der Lcobner Wanderversammlung durch die Herren 
Bezirkshauptmann Ludwig Jossek fttr Rann, Hauptmann- 
Auditor Hermann Puff für Marburg, pens. Finanzbenmten 
Franz Tiefenbacher für Fehring imd Lehrer Johann 
Krainz für Oberwölz vermehrt erscheinen, erwies sich zumal 
der letztere sehr thätig. Er veranlasste die Gemeindevertretung 
der Stadt Oberwölz zu dem Beschlüsse, die noch in ihrem 
Besitze befindlichen circa 20 Original-Urkunden dem Vereme 
gegen Besorgung beglaubigter Abschriften abzutreten. Ausserdem 
machten sich die Herren Bezirkscorresp. Meixner und Kraut- 
gasser durch Beriditlegungen um das Vereinsinteresse verdient. 

Die vom Bezirkscorresp. Kaplan A. M e i x n e r in St Veit 
am Vogau angeregten Nachgrabungen in Reznej bei Ehrenhausen, 
führten zur Blosslegung einer römischen Villa und wird Herr Pfarrer 
K n a b I heute über die Entdeckungen daselbst näher berichten. 

Auch aus Murau hatte Herr Bezirksadjunct v. Rieben 
von dem Vorkommen vermuthlich römischer Baureste im 
Königreiche, d. i. in der Gegend nächst dem Bade Einöd bei 
Neumarkt an der steirisch-kämtnischen Grenze, aufmerksam 
gemacht; der darüber eingeholte Bericht des Herrn Bezirks- 
corresp. P. Cölestin Kodermann in St Lampredit ergab 
jedoch keine Handhabe für eine weitere Verfolgung der Sache. 

Die dem Vereins-Schriftführer L. Beckh-W.idman- 
stetterzur eigenen Besorgung überlassenen Umstellungen der 
freiherrlich Teuffenbach'schen Familiendenkmäler in der gleich- 
namigen Pfarrkirche ihres SUimmortes in Obersteier wurden 
(in Verbindung mit der Erhaltung eines solchen das fürstliche 
Geschlecht Windisch-Grätz l)etreffenden Denksteines vom Jahre 
1474 in der Franziskanerkirche in Graz), vollzogen und dürfte 
nun das lürchlein in Teufenbach mit seiner grossen Anzahl 
von gut geborgenen Denkmälern einer und derselben Familie 
ein Beispiel zur Nachahmung an anderen Orten geben. 

Schon im vorigen Jahre hatte So. Durchlaucht, der Herr 
General der Cavallerie, Fürst Friedrich zu Liechtenstein, sein 
Archiv im Schlosse zu Liechtenstein zur Auswahl des histo- 
risch Werthvollen zur Verfügung gestellt Im jüngst abgelau- 
fenen Monate November kam dasselbe nach vorheriger flüch- 
tiger Auswahl dem Vereine in neun Kisten im Gewichte 
von 22 Centnem zu. Soweit sich bei der vorgenommenen 
ersten Scheidung dieser Archivalien übersehen hess, enthalten 
dieselben eine stattliche Reihe von Stiftregistem der Herr- 
schaften Liechtenstein, Weyer und Rieggersdorf (Gabelkhov^), 
dann mehrerer Gülten nächst Judenburg vom 17. Jahrhun- 
derte herwärts, eine sehr grosse Anzahl von Urkunden und 



— XXV — 

Acten, die vormaligen Unterthanen jener Güter betreffend, 
dann auch besonders yiel Materiale über die einst auf den 
genannten Gütern sesshaft gewesenen Adelsgesclilechter Gabd- 
khoven und Hainrichsbei^ 

Als Gescbenkgeber gebührt m erster Reihe dem b. steienn. 
Landtage bezüglich der auch für das Jahr 1873 gewährten Sub- 
vention von 525 fl. der Dank des Vereines, der Grossindustrielle 
und Güterbesitzer Franz Freiherr Mayr v. Meinhof wen- 
dete dem Vereine als besondere Gabe 20 fl. zu; Herr Carl 
Gottfried Bitter v. Leitner widmete das ihm zugefallene 
Honorar per 157$ fl. für sdnen im XX. Hefte abgedruckten 
Gedenkbuch- Aufsatz über den Archivar Josef Wartinger 
zum seinerzeitigen Ankaufe einer eigenen Grabstelle für W a r- 
tinger und wurde dieser Betrag bis zur Verwendung auf 
ein besonderes Sparcassebuch angel^ Auch intervenirte Herr 
V. Leitner in dankenswerther Weise bei Erwerbung eines 
Portndtbildes unseres heimatlichen Dichters Johann Georg 
Fellinger. Frau Josefine Göth gab aus dem Nachlasse 
ihres verewigten Gemals Dr. G. Göth das Manuscript zu 
dessen ungedruckt gebliebener Topographie des Grazer Kreises 
sammt der bezüglichen C!orrespondenz, einen von Dr. Göth 
mühsam zusammengestellten Zettelkatalog steirischer Orte und 
Personen mit literarischen Verweisungen nebst emer Partie 
Bücher. Ausserdem wurde der Verein durch die unter den 
Erwerbungen ausgewiesenen Geschenke erfreut 

Im Mitgliederstande sind namhafte Veränderungen zu 
Gunsten des Vereines zu verzeichnen und mit Rücksicht auf 
die sich fortwährend erhöhenden HersteOungskosten aller 
Druckarbeiten wäre es nur zu wünschen, dass die Zahl un- 
serer Theilnehmer noch weiters sich erhöhe. Es sind 71 ordent- 
liche Mitglieder eingetreten, entgegen 26 ausgetreten oder 
gestorben, so dass der dermalige Stand der Mitglieder, aus 
355 ordentlichen, 30 Ehren- und 16 correspondirenden Mit- 
gliedern, dann 26 Bezirkscorrespondenten, die Zahl der durch 
Schriftentausch verbundenen Gesellschaften 170 betr&gt 

Der Tod brachte dem Vereine empfindliche Verluste. Von 
den Ehrenmitgliedern starben die zwei ehemaligen Statthalter 
der Steiermark, kais. geheimen Käthe Moriz Freiherr v. 
Burger undMichael Graf zu Strassoldo-Graffenberg 
— der einstmalige Vorstand des germanischen Museums in 
Nomberg Dr. Johann Freiherr v. Aufsess, — der jubilirte 
illyrische Gubemial-Vicepräsident, geheimer Rath Carl Graf 
Welsperg-Baitenau, dann die beiden Topografen der 
Steiermark, Carl Schmutz, pensiou. Secretär der oberöster- 



— XXVI — 



reichischen Landwirthschafts-Gesellschaft, und Dr. Georg G o t h, 
jub. Stndiendirector in Graz. — Von den correspondirenden 
Mit^iedem schieden der Regiemngsrath und langjährige Prä- 
sident der kais. Akademie der Wissenschaften, Theodor Ritter 
V. Karajan in Wien und der Geschichtsforscher Dr. Wolf- 
gang Menzel in Stuttgart aus dem Leben. Von den Ter- 
storbenen ordentlichen Mitgliedern verdient der durch eine 
lange Reihe von Jahren in Graz ihätige jubilirte Gubemial- 
Vicepräsident Josef Fell n er besondere Erwähnung. 

Andereraeits wurde von den lebenden und thätigen Ge- 
schichtsforschern unseres Vereines, Professor Dr. Adam Wolf 
zum wirklichen, Landesarchivar Professor Josef Zahn zum 
corresp. Mitgliede der kais. Akademie der Wissenschaften, 
unser Ausschussmitglied, der vormalige Adjunct am steierm. 
Landesarchive, Dr. Arnold Ritter v. Luschin zum ausser- 
ordentlichen Professor der hiesigen Universität ernannt 

Der Bericht des Cassiers betrifft die im Anhange abge- 
druckte Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben des Ver- 
eines im Jahre 1873, worauf der Jahres veranschlag für das 
Jahr 1874 vorgetragen und genehmigt wird. 

Die Anträge des Ausschusses, dem hohen steiermärkischen 
Landtage fbr düe grossmüthige Subventionirung des Registers 
zum Mudiar^schen Geschichts werke den Dank der tagenden 
Versammlung zu votiren, — Herrn Adolf Berg er, Vorstand 
des ftlrstlich Schwarzenbei^'schen Centralarchives in Wien, 
zum corresp. Mitgliede und Herrn Dr. Gregor Fuchs, Director 
des Realgymnasiums in Leoben, zum Bezirkscorrespondenten 
zu ernennen, — die Honorare des Hilfsbeamten auf 1 5 fl., 
des Vereinsdieners auf 8 fl. monatlich zu erhöhen, — unge- 
achtet der L Band der steiermärkischen Geschichtsquellen 
noch nicht abgeschlossen werden konnte, doch sofort mit dem 
Drucke des H. Bandes (das Steiermark. Landrecht enthaltend) 
zu beginnen: werden insgesammt ohne Debatte angenommen. 
Ebenso wird der vom Herrn Landesarchivar Professor Zahn 
gestellte Antrag, der Verein solle am 21. Juni d. J. das Jubiläum 
seines 2 5 jSlirigen Bestandes festlich begehen, acceptirt und votirt 
die Versammlung die zur Ausfllhrung nöthigen Geldmittel *). 



*) Weil gpätere genaae Erhebungen ergaben, dass der GrQndungstag 
des historischen Vereines für Steiermark auf den 27. April 1843 
flült, am 21. Juni 1849 derselbe nur den Verband mit dem bestan- 
denen historischen Vereine für Innerösterreich löste und sich selbst- 
Btändig erklärte, unterblieb die projectiite Feier. 



- XXVII — 

Bei der Üieilweisen Erneuerung des Ausschusses werden 
der wieder wählbare Schriftführer Oberiieuteuant Leopold 
Beckh-Widmanstetter mit Acclamation für seine bis- 
herige Function wiedergewählt, die Herren Professoren Dr. 
Ferdinand Bischoff zum Vorstand-Stellvertreter, Professor 
Dr. Carl Gross und Oberlandesgerichtsrath Johann Reicher 
zu Ausschüssen; Professor Ignaz Schrotter und Ober- 
rechmmgsrath Franz Z ei dl er zu Revisoren der Jahresrech- 
nung pro 1874, Hauptmann Moriz v. Felicetti, Feldmar* 
schall-Lieutenant Florian Freiherr v, M a c c h i o und Professor 
Johann Rogner zu Ratificatoren des Sitzungs-Protokolles 
gewählt 

Nachdem so der geschäftliche Theil des Programmes 
erschöpft war, hielt der HeiT kais. Rath Pfarrer Dr. Richard 
K n a b 1 in viertelstündiger freier Rede eine Besprechung der 
bisherigen und noch nicht abgeschlossenen Ausgrabungen in 
Retznei, einem in geringer Entfernung nördlich von Ehren- 
hausen gelegenen Dörfchen, welches von der Stätte der ein- 
stigen Römerstadt Flavia Solva etwa V« Stunde entfernt ist. 
Die im Juli 1873 bei Urbarmachung einer Bodenstrecke auf- 
gedeckte Fundstätte legte antike Grundmauern blos, mit theils 
zusammenhängenden, theils getrennten Gemächern und Kammern, 
wovon eim'ge mit hübschen Wandmalereien und einförmigen 
Mosaikböden ausgestattet waren; nicht minder fanden sich 
Spuren von Badekammem mit Wasserabzugscanälen, dann 
Reste von Bleiröhren, Beheizungsherden und einige wenige 
Anticaglien vor. Aus dem bisher Aufgedeckten schloss man 
auf die Reste einer einst hier bestandenen römischen Villa, 
wodurch sich Redner veranlasst fand, das Wesen der römi- 
schen Villen zu erörtern und zur Nachforschung nach anderen 
dergleichen Landhäusern in der Nähe der bedeutenderen 
römischen Ansiedlungen in der Steiermark, namentUch Pettau 
und CiUi anzuregen. 

Der Vortrag des Herrn Schulrathes Dr. R. Peinlich 
behandelte den Stand ' der Gewerbe, des Handels und der 
Industrie im 16. Jahrhunderte in der Steiermark. Derselbe 
war durch verschiedene Gefährdungen seit dem 13. Jahr- 
hunderte im Rückschritte begriffen und im 1 6. in einer ziem- 
lich kläglichen Lage. Nach Aufzälilung und kurzer Charak- 
teristilc der wichtigsten Handelsstädte wurden die hervor- 
ragendsten Produkte, welche em landesfürstliches Privilegium 
erlangt hatten, femer die bedeutendsten Montanprodukte, vom 
Eisen auch der Umfang des Verkehres angegeben. Von den 
Hindernissen für den commerdellen und industriellen Auf- 



— xxvni — 

Schwung wurden angeflüirt die Lage des Landes, die gerin- 
gere Ausdehnung der geschlossenen Städte, die Verheerung 
durch Feuersbrünste (vom 13. bis 16. Jahrhundert), die Folg» 
der Einschliessung durch Wall und Graben (mit zwei Bei- 
spielen Yon strenger Ahndung bei Umgehung der ThorsperreX 
die Beschränkung durch das Zunftwesm und die Monopoli- 
sirung und selbst durch die eigenen städtischen Handelsrechte, 
womit der Vortrag wegen YorgerQckter Zeit mit Uebei^hung 
der weiteren h^nmenden und drückenden Verhältnisse um 
8 Uhr schloss. 



— '^)(§r 



— XXIX — 



Orte-Chronisteii. 

Die P. T. Herren : 

Aust Anton, Werksarzt (Bezirkscorresp.), Air Gaal, Bezirk 

Knittelfeld. 
Böser Friedrich, Schullehrer, für Fürstenfeld. 
D iens tler Georg, SchuUebrer, fbr Wolfsberg, Bezirk Kirchbach. 
Fels Julius, Fabriks-Chemiker, für Hrastnik, Bezirk Tüffer. 
Frodl Carl, Schullehrer, fÜJ- Schönberg, Bezkk Oberwölz. 
Grub er Filipp, Schullehrer, für Strass, Bezirk Leibnitz. 
Hirschmann Virgil, Pfetrrer, fttr StüboU, Bezirk Umg. Graz. 
Kahr Franz, Schullehrer, für Leibnitz. 
Kappel Franz, Schullehrer, fllr Gleinstätten, Bezirk Amfels. 
Krainz Johann, Schullehrer (Bezirkscorresp. \ für Oberwölz. 
Künstner Jakob, Grundbesitzer und Gemeindevorsteher, fbr 

Winklem, Bezirk Oberwölz. 
Kurzmann Michael, Schullehrer, für St. Nicolai ob Dnussling, 

Bezirk Leibnitz. 
Mikusch Alois, Schullehrer, für Zeierling, Bezirk Deutsch* 

Landsberg. 
Nepel Adolj^ SchuUehrer, für Leutschach, Bezirk Amfels. 
Noest Ignaz, Postofficid, für Steinbrück, Bezirk Tüffer in 

Untersteier. 
Orth Cajetan, Schullehrer, für Ehrenhausen, Bezirk Leibnitz. 
Pezlederer Anton, Apotheker und Büi^ermeister , für 

Kindberg. 
Pirker Franz, Schullehrer, für Wildon. 
R a i s p Ferdinand, Gutsverwalter (Bezirkscorresp.), für Pettau. 
Schmid Ernst, Wundarzt, für St Marein am Pickelbach, 

Bezirk Umgebung Graz. 
Stopp ach er Oswald, Schullehrer, fttr Perchau, Bezirk Neu- 
markt in Obersteier. 
Strohmayer Ferdinand, Wundarzt, für Kegersburg, Bezirk 

Feldbach. 
Tiefenbacher Franz, k. k. pens. Finanzbeamter (Bezu*ks- 

corresp.), fttr Fehring. 
Vo gl sang Alois, Gutsbesitzer, für St. Lorenzen im Mürzthal, 

Bezirk Brück a. M. 
Zinn au er Marcus, Schullehrer, für St Nicolai im Sausal, 

Bezirk Leibnitz. 



— XXX — 



Veränderungen 



im 



TMi 1. ligut 1S72 Ut hk ües Jakrei WZ. 



Neu aufgenommene ordentliche Mitglieder. 

Die Frau: Khünburg, Therese Gräfin, gebome Gräfin 
G ö » s, k. k. Kämmererswitwe und Stemkreuzordenfidame in 
Graz. — Die Herren: Aichelberg Franz von, k. k. Notar 
in Leoben. — Gampi Edier zu Montesanto Louis von, 
Gutsbesitzer zu Cles in Sudtirol. — Cum an o Constantin, 
Dr. und Privatier in Connons. — Failhauer Alois, k. k. 
Finanzrath in Pension in Leoben. — Failhauer Wilhelm, 
k. k. Postmeister und Realitätenbesitzer in Leoben. — F e 1- 
berbauer Leopold, iürstbischöflich geistlicher Rath, Dechant 
und Pfarrer in Schwanberg. — Forheimer Eduard, Pri- 
vatier in Wien. — Friess Gottfried Edmund, Gapitular 
des Benedictinerstiftes Seitenstetten und Professor der Ge- 
schichte am Obei^mnasium dortselbst. — Friesach Carl, 
Dr. d. Phil, k. k. Regierungsrath und a. o. Professor der Ma- 
thematik an der Carl-Franzens-Universität in Graz. — G m ei- 
ne r Josef, Dr. d. Rechte und Advocat in Leoben. — G r i e s s 1 
Anton, Stadtpfarrkaplan und Katechet in Leoben. — Gschirts 
Andreas, Pfarrer in Göss bei Leoben. — Guggenberger 
Josef, Professor am 1. Realgymnasium m Leoben. — Haim 
Johann, Stadtpfarrkaplan imd Katechet in Leoben. — Has- 
linger Carl, Gemeindesecretär in Leoben. — Hauslab Franz, 
Ritter von, k. k. geheimer Rath, Feldzeugmeister und lebens- 
länglicher Reichsrath m Wien. — Hebenstreit Alois, Or- 
der Theologie, päpsü. Kämmerer und Domvicar in Graz. — 
Ho ff er Franz, Dr. und Advocat in Leoben. — Janiss Franz, 
Cooperator an der Vorstadtpfarre Waasen in Leoben. — J o s s e k 
Ludwig, k. k. Bezu*kshauptmann in Rann. — Karabacek Josef, 
Dr., Docent für orientalische Paläografie in Wien. — Kern- 



— XXXI — 

stock Ottokar, Chorherr und Archivar des Augustinerstiftes 
zu Vorau. — K 1 i n g e r Franz, Dr., k. k. o. ö. Professor der 
Theologie, f. b. geistLßath in Graz. — Kof 1er Adolf, Hofwein- 
lieferant und Realitätenbesitzer zu Pettau. — Korp Franz, 
Professor am k. k. I. Staatsgymnasium in Graz. — Krainz 
Johann, Volksschullehrer in Oberwölz. — Krzyzanowski 
de Wola-Sienienska Stanislaus, Dr^ correspondirendes 
Mitglied der polnischen Akademie der Wissenschaften in Erakau. 
— Kupelwieser Franz, k. k. Professor an der Bergakademie 
in Leoben. — Leitner Friedrich Ritter von, Dr., L k. Statt- 
haltereiconcipist in Graz. — Linken höller Carl, Kaplan 
m Hatzendorf bei Fehring. — Lucas Geoi^, Dr. der Philos. 
und Professor am k. k. L Staatsgymnasium in Graz. — Lutz 
Anton, Bürgermeister in Leoben. — M a c c h i o Florian Fra- 
herr von, k. k. Feldmarschali-Lieutenant im R in Graz. — 
Macun Johann, Professor am L Staatsgymnasium in Graz. — 
Mayer Josef, Glasermeister und Hausbesitzer in Leoben. -^ 
Mayr Carl, k. k. Statthaltereirath in Graz. — Mihurko 
Eugen, k. Il Staatsanwalt in Leoben. — Mittarsch Josef, 
Pfarrer in Veitsberg bei Leoben. — M ü 1 1 n e r Alfons, k. k. 
Professor an der Lehrerbfldungsanstalt in Marburg. — Ober- 
strasser Josef, Beaütätenb^itzer in Leoben. — Osterer 
Johann, Gutsbesitzer in Leoben. — Pal tauf Christian Sig- 
mund, Dr. der Med. und Chirurgie, Magister der Geburtshilfe 
und Director des 1. Bades Neuhaus in Graz. — Parapat 
Johann, Cooperator in Rabensberg bei Stein in Krain. — 
P i c h 1 e r Alois, bürgerl. Handelsmann, Haus- und Realitäten- 
besitzer in Oberwölz. — P ö 1 z 1 Franz, Dr., k. k. o. ö. Pro- 
fessor des Bibelstudiums in Graz. — Prem Simon, Professor 
am 1. Realgymnasium in Leoben. — Puff Hermann, k. k. 
Hauptmann- Auditor in Marburg. — R a c h o y Franz, Bergver- 
walter in Leoben. — R e i c h e 1 Josef, Professor am L Staats- 
gymnasium in Graz. — Reicher Johann, k. k. Oberlandes- 
gerichtsrath in Graz. — Reitsamer Martin, k. k. Postverwalter 
in Leoben. — Rogner Johann, Dr., k. k. Director und st 
I. Professor m Graz. — Schachner Ambrosius, Kaufmann 
in Leoben. — S chin dler Heinrich, Oberlehrer und Bezurks- 
Schulinspector in Leoben. — Schott Johann von, k. k. Artil- 
leriemajor in Pension in Leoben. — S e e 1 i n g Alois, fürstbisch, 
geistl. Rath, Dechant und Stadtpfarrer in Leoben. — Seunig 
Eduard, Dr. der Rechte in Laibach. — Spielberger Georg, 
k. k. Steuereinnehmer in Oberwölz. — Spork Eugen, Re- 
dacteur des „Steirerseppel" in Graz. — Sprung Franz, 
Director der Innerberg'schen Gewerkschaften in Donawitz bei 



— xxxn - 

Leoben. — Sprung Ludwig, Dr. d. R. und Landesgerichts- 
rath in Leoben. — Stelz er Dominik, Secretär der städti- 
schen Sparcasse in Leoben. — Stern Andreas, Dr. und Vor- 
steher des Wirthschaftsamtes in Leoben. — S k u h a I a Johann, 
Kaplan an der Hauptpfarre St Georgen in Gonobitz. — 
Tech et Franz, Vorstadtpfarrer in Waasen zu Leoben. — 
Tschanet Johann, Professor am 1. Realgymnasium und Be- 
zirksschulinspector in Leoben. — Tunner Peter Bitter von, 
k. k. Hofrath und Director der Bergidcademie in Leoben. — 
Uran itsch Anton, Dr., Hof- und Gerichtsadvocat, Gemeinde- 
rath in Graz. — Valentinitsch Franz, Professor an der 
k. k. Staats-Oberrealschule in Graz. — Wilhelm Anton, 
BechnungsfOhrer der Innerberger Gewerkschaft in Seegraben 
bd Leoben. — Winter Gustav, Dr., Concipist im k. k. ge- 
heimen Haus-, Hof- und Staats-Archive in Wien. — Wohlfarth 
Carl, Buchhändler in Graz. — Wucherer von Huldenfeld 
Peter Freiherr, k. k. Kämmerer und Hofirath im Ruhestande 
in Graz. — Wünscher Eduard, Gasthofbesitzer in Leoben. 
Zeidler Franz, Oberrechnungsrath der k. k. Statthalterei in 
Graz. 

Ausgetretene ordentliche Mitglieder. 

Die P. T. Herren : Bernhard Lewis, Journalist in Wien. 

— Bonar Ernst Freiherr von, Gutsbesitzer inDobl. — Gaup- 
mann Rudolf, Professor am Realgymnasium in Pettau. — 
Gleispach Carl Graf von, k. k. Kämmerer, geheimer Rath 
und lebenslänglicher Reichsrath in Graz. — Grub er Philipp, 
Bürgerschullehrer in Hartberg. — G o 1 d e n b 1 u m, Dr. A. J^ 
Schriftsteller in Odessa. — H e n n Carl, Badedirector in Toifer. 

— Hönisch Johann, Dr., k. k. Oberstabsarzt im Ruhest in 
Graz. — Hub er Heinrich, Journalist, ehedem in Graz. — 
Hugelmann Carl, Dr. der Rechte und Privatdocent an der 
Universität in Graz. — K o n ö n i k Peter, Professor in Pettau. 

— Maresch Anton, Landesschulinspector in Troppau. — 
Pogatschnigg, Dr. Valentin, k. k. Professor an der Militär- 
Akademie in Wr.-Neustadt — Seh äff er Heinrich, k. k. 
Hauptmann im 47. Lin.-Infant-Regimente in Klagenfurt — 
Tomasche k Carl, Dr., k. k. Universitätsprofessor in Wien. — 
Weiss V. Teuffenstein Carl Freiherr, k. k. Sectionschef 
a. D. zu Schloss Harmsdorf bei Graz. — Z e i 1 i n g e r Franz, 
Sensengewerk in Uebelbach. 



— XXXIII — 

Gestorben die P. T. Herren : 

Aufs es s Johann Freiherr von, Dr. Juris, königl bairischer 
Kämmerer, Johanniter-Ordensritter , Gründer und erster 
Vorstand des germanischen Museums in Nürnberg, Eliren* 
mitglied, zu Münsterlingen bei Constanz am 6. Mai 1872, 
71 Jahre alt. 

Burger Moriz Freiherr von, k. k. geheimer Rath, ehe- 
maliger Statthalter von Steiermark, später Marineminister, 
Ehrenmitglied, zu Wien am 2. October 1873, 69 Jahre alt. 

Cuman^ Constantin, Dr. und Privatier zu Cormons, im 
Jahre 1873 zu Cormons. 

Dajnko Peter, geistl. Rath, Dechant und Pfarrer zu Gross- 
sonntag, am 2. März 1873, 86 Jahre alt 

F e 1 1 n e r Josef, k. k. jub. Statthalterei- Vicepräsident, zu Graz 
am 19. Mai 1873, 83 Jahi-e alt 

Göth Georg, Dr., jub. Studiendirector und Gustos am Joan- 
iieum, ehemaliger Vereins- Vorstand und Schriftführer, Ehren- 
und ordentliches Mitglied, zu Graz am 4. März 1873, 
69 Jahre alt 

K a r a j a n Theodor Ritter von, Dr., k. k. Professor und ehe- 
maliger Präsident der kais. Akademie der Wissenschaften 
in Wien, corresp. Mitgüed, zu Wien den 28. April 1873, 
64 Jahre alt 

Menzel Wolfgang, Dr., Geschichtsforscher, corresp. Mitglied, 
zu Stuttgart am 23. April 1873, 74 Jahre alt 

P i s 1 r Johann Ritter von, Gutsbesitzer, ehemaliger st st Aus- 
schussrath, zu Radkersburg am 4. Mai 1873, 86 Jahre alt 

Schmutz Carl, Secretär der oberösterreichischen Landwirth- 
schaftsgesellschaft, steiermärkischcr Topograph, Ehrenmitglied, 
zu Linz am 20. April 1873, 87 Jalire alt 

Strassoldo Michael Graf, k. k. geheimer Rath und Statt- 
halter der Steiennark un Ruhestande, Ehrenmitglied, am 
26. December 1873, 74 Jahre alt 

Welsperg-Raitenau und Primör Carl Graf, k. k. geh. 
Rath und Kämmerer, Ehren- und ordentliches Mitglied, zu 
Wien am 12. October 1873, 95 Jahre alt 



— s.\M-^' 



ICittlicil. d. hlst. Vereins f. Steiermark. XXIT. lieft, 1674. 



— XXXIV - 



U e b e r- 

der Einnahmen und Ausgaben 



Einnahmen 



Eluela 



fi. kr. 



2«- 



fl. kr. 



Kaisarest mit Schluss 1872 



Interessen von den angelegten Capitalien . 



Beiträge. 
Die ordentlichen Mitglieder haben eingezahlt . 1112 

Anssergewöhnliche Spende des Franz Freiherm ; 
Mayr v. Meinhof in Leoben ,i 20 



42 
12 



Jahres-Subvcntion der h. Steiermark. Landschaft . — 

Für verkaufte Yerlagsartikel 

Ft\r verkaufte alte Inventarsgegenstände . . . 

Taxen für ausgestellte Diplome 

Widmung des Ehrenmitgliedes Carl Gottfried 
Ritter v. Leitner zum seinerzeitigen Ankaufe 
einer eigenen Grabstelle für den Archivar Josef 
Wartinger . . 



— '2368 

-ii 130 



80 



21 



1132 



— ! 625 — 



50 



54 
91 



-I 15 



50 



50 



Zusammen 



• • 



Werden die jenseits nachgewiesenen Ausgaben 
abgezogen mit * . . . . 



bleibt Uebertrag für das Jahr 1874 



— 14307 



2349 



84 



1959 71 



von welchem 1615 fl. 50 kr. in der steierm. Sparkasse angelegt sind. 



I 



-- XXXV 

Sicht 

für das Kalenderjahi 1873- 



Qehalte: Honorar fflr den HilfebcamleD . 
Entiohnunp; ftlr don Verpinsdiencr . . . 
ItemimeratioDCn an die VereinskeilienstcUn 



Kanzleierfordernisae: Papier, gewöhnliche 
Porti, Spesen, Austragen unü Veraendung der 
Vereins Schriften durch die Buehhondlunft . , 

Veipftckung nnd Transport der vom Schlosse Liech- 
tenstein erhaltenen Aichivalien 

HerBtellnnfi des neuen Diplomes 

Für die kalligi'aphische Aiisrcrtif^ting von Diplomen 

Adresse an Se. M^esiät den Kaiser anlässlich 
der 25jührigen Kegieninge- Jubelfeier .... 



Oeffentlich 6 Vereins- Veraammlungen: ; 
Kosten der Inserate, Eniladtmgen u s, w. . . . ' 
Beiträge: An das germ. Naiional -Museum in 

KQmberg 

„ an den Gesammtieretn der dentsclien 1 

histor, Vereine in Darmstadt, 5 Thlr, j 

Ankäufe von BOchem und einem Porträt des i 

fiteierm. Dichters Fellinger |l 

Ortschroniken: Druck des Unterrichtes nnd , 

FonnuUnen ftlr Chroniken . , .' l 118 

Einbinden derselben 



Pablicatfonen: 

„Miltheilungen" 20. Heft 

21. Heft anf die lithogr. Beilage 

FQr das Begister zu den 20 Heften ,Mitthei- 
langen", Vorarbeiten 

Druck der „Uebersichf der in den bisher er- 
schienenen Verein Escluiften enthaltenen Aufsätze 

„Beilräge" zur Kunde Steiermark. Geschichfa- 
qiiellen, 10 Jahrgang, Teit 593 fi. 40 kr., die 
Karte 170 fl. — kr., zusammen 

Urkiindenbuch, I. Dand, Theilbetrag des Honorars 



_l 




= 


261 


98; 




951 
701 
10 




70 

1 


S41 



743 40 

aoj- 



— — 2349 34 



> 



— XXXYI — 



li 
I 



h 



Den Sammlungen des Vereines 

sind im Jahre 1873 zugekommen: 



JL. Für aie Bibllothels. 

I. Dvroh Sohenkung. 

3434. Aust Anton, Bezirkscorresp« zu St Gaal bei Knittelfeld : 
a) Erbrechtsordnung vom Jahre 1787; b) 14 Ansichten 
der vorzüglichsten Städte Griechenlands. 

3435. Berger Adolf, Archivar des fürstl. Schwarzenberg'schen 
Central-Archives in Wien, sein Werk: Die Archive 
des fttrstl. Hauses Schwarzenberg, ältere Lmie. (Bei- 
träge zur Geschichte und Statistik derselben), 1873, Wien. 

3430. Göth Josefine, Witwe des jub. Studiendirectors Dr. Geoi^ 
Göth in Graz, aus dessen Nachlasse: Alte steierm. 
Zeitschrift, Jahrg. 1821—1828, N. F. Jahrg. 1834 bis 
1848; — Fuchs Gregor, Prof., Geschichte des Bene- 
dictinerstiftes Admont, 1859, Graz; — Graf J., Bür- 
germeister in Leoben, Nachrichten über Leoben und 
Umgegend, 1824, Graz; — Kalchberg Wilhehii Frei- 
herr von, Schlosscommandant in Graz, Der Grazer 
Schlossberg und seine Umgebung 1856, Graz; — 
Peinlich, Dr., Benno Kreil, Abt zu Admont (Nekrolog), 
1863, Graz; — Polsterer A, J., Dr., Graz und seine 
Umgebungen, 1827, Graz; — Pra§U W. W., Dr., 
Gleichenberg in semer allmähligen Entwicklung zu 
einer Curanstalt, 1850, Graz; — Kamsauer Ignaz, 
Topograf.-staüstische Darstellung des Bezürkes Umge- 
bung Graz m Steiermark (litJ^^g.), 1868, Graz; — Stur 
Dyonis, k. k. Bergrath, Geologie der Steiermark, 1871, 
Graz; — Wartinger Josef, Archivar, Kurzgefasste Ge- 
schichte der Steiermark, 1815, Grätz; — - Winklem 
Joh. Bapt V., Pfarrer, a) Biografische und literarische 
Nachrichten von den Schriftstellern und Künstlem in der 
Steiermark, 1810, Grätz; — b) chronologische Geschichte 
des Herzogthums Steiermark," 1820, Grätz. 



— xxxvn — 

3437. Grenser Alfred, Buchhändler in Wien: Die Kaiserstein, 
Geschichte des Hauses Pusikan, 1873, Wien. 

3438. Helfert, Alexander Freiherr von, k. k. Geheimrath in 
Wien, sein Werk: Maria Louise, Erzherzogin von 
Oesterreich, Kaiserin der Franzosen, 1873, Wien. 

3439. Hofrichter J. C., k. k. Notar in Windischgrätz : a) Prü- 
fling aus der Ziffer- und Buclistaben-Rechnung des 
Lyceum in Grax, 1794; — b) drei Schülerverzeich- 
nisse des Grazer Gymnasiums aus den Jahren 1790 
bis 1793; — c) Zeitungsblatt und Theaterzettel aus 
dem Beginne des 19. Jahrhunderts; — d) einige Zei- 
tungsaufsätze geschichtlichen Inhalts in Ausschnitten. 

3440. Dg Adalbert, Dr. und Custos am Museum in Wien, sein 
Werk: Heraclius, von den Farben und Künsten der 
Römer. Originaltext und Uebersetzung, 1873. Wien. 

3441. Kohn Natan, Dr., Adjunct am Münzen- und Antiken- 
cabinete des Joanneums in Graz, seine Abhandlung: 
Der angebliche Votivaltar des Tribunen Scudilo, 1873. 

3442. Krones Franz, Dr., k. k. Universitätsprofessor in Graz, 
seine Schriften: a) Cillier Chronik. Kritische Unter- 
suchungen ihres Textes und Gehaltes, 1873, Wien; — 
b) Die Grafen von Cilli (Skizzen als Separatabdruck 
aus der Grazer „Tagespost"), 1873, Graz; — c) Stu- 
dien über Bedeutung und Ursprung deutscher Orts- 
namen der Steiermark, 1872; — d) Die österreichische 
Chronik Jacob Unrest's, 1872, Wien. 

3443. Krzyzanowski de Wola Sienienska Stanislaus R v., Dr. 
der Philos. und a. o. Mitglied der Akademie der Wissen- 
schaften in Krakau, seine Schriften : a) Tulczyn, Mono- 
grafia, 1862, Krakau; — b) Pamiatki polskie (von Grab- 
denkmälern), 1863, Kiew; — c) Silva rerum ksiedza 
szymona Krzysztofowicza (Chronik von 1763 — 1808), 
Odessa, 1864; — d) KoScioc N. Maryi Panhy w Mohy- 
lowie nad Dniestrem. (Die S. Marienkirche in Mohilow 
am Dniester), Krakau, 1867; — e) Listy Jana de Witte 
(Briefe des Generals Johann de Witte), Krakau, 1868 ; 

— f) Skorowidz miejscowosci b. wdztwa bradawskiego 
(Topografie der Ukraine), Krakau, 18G9; — g) Rocznik 
dla archeologöw, numizmatykow i bibliografow polskich 
rok 1869. (Jahrbuch für polnische Archeologen, Numis- 
matiker und Bibliographen). Krakau, 1870; — h) Slo\vnik 
heraldyczny. (Heraldisches Wörterbuch). Krakau, 1870; 

— i) Grobowcach (von Grabdenkmälern), Krakau, 
1870; — k) De Simonis Okolscii monachi ordini Sancto 



I — xxxvm — 



r 



i 

■ ■ 
■ 



Doiuiiiico sacro addicti vita et scriptis historids. (Ueber 
das Leben des Simon Okolski.) Krakau, 1870; — 1) Sta- 
nislaus Dunin Karwicki de ordinanda republica. (Sta- 
nislaus Dunin Karwicki, über die Grundsätze der Re- 
giening eines Staates.) Krakau, 1871 ; — m) Materialy 
do monograüi Bodu Krzyzanowskich z Woli Sienienskiej 
i Krzyzanowic herbu Debno. 

3444. Lavant, das Ordinariat des Bisthums: Personalstand 
pro 1873. 

3445. Macher Mathias, Dr. Med. und jubilirter k. k. Bezirks- 
Ärzt, seine Schrift: Das Anna-Einderspital und der 
Kinderspitalsverein in Graz von 1844—1872, Graz, 1873. 

3446. Maschek Ludwig, kais. Rath in Zara, sem Werk: Ma- 
nuale del regno di Dalmazia, 2. und 4. Jahrg. 1872 
und 1873. 

3447. Peinlich R, Dr., k. k. Schulrath in Graz, Ortsreper- 
torium des Herzogthums Steiermark, Graz, 1872. 

3448. Rast Ferdinand Freiherr von (Pseudonym Hilarius), in 
Marburg: die Nr. 54 und 55 der „Marburger Zeitung" 
vom 4. und 7. Mai 1873 mit seinem Aufsatze: Aus 
Marburgs Vorzeit Die Gründung des hiesigen Bttrger- 
spitales. 

3449. Reyer Constantin, Turnlehrer in Graz, seine Abhand- 
lung : Vorarbeit zu einer Statistik der deutschen Tum- 
vereme des XV. Tumkreises (Deutsch-Oesterreich), Graz, 
1873. 

3450. Seckau, das Ordinariat des Bisthums: geistlicher Per- 
sonalstand, 1873. 

3451. Stillfried-Rattonitz Rudolf Graf, Dr., kais. deutscher 
Geheun-Rath und Oberceremoniemneister in Berlm, 
sein Werk: Zum urkundlichen Beweise über die Ab- 
stammung des preussischen Königshauses von den 
Grafen von HohenzoUem. (Separatabdruck aus dem 
zweiten Bande der HohenzoUer'schen Foi*schungen.) 
Berlin, 1873. 

3452. Tiefenbacher Franz, k. k. pens. Finanzbeamter zu Feh- 
ring: a) Johann Weikhard Freiherr von Valvasor's 
„Topographia ducatus CamioliaB modenia;'* 1G79; — 
b) Incoronazione di S. M. J. R. A. Ferdinande I. e Ile del 
regno lonibardo-vcncto, 6. Settembre 1838, von Ale- 
sandro Sanquirico. 



— XXXIX — 

2. Im Schrfftentausch mit fachverwandten Akademien, Vereinen und 

Geeellsoliaflen. 

3453. Agram, südslavische Akademie der Wissenschaften: 

a) Bad jugoslavenske Academije znanosti i um- 
jetnosti, Heft 20 bis 22; — b) Acta conju- 
rationem Bani Petri a Zrinio et Comitis a Fran- 
gipani, 1873. 

3454. — der Verein für südslavische Geschichte: Arkiv, 

Knjiga, 1872. 

3455. Amsterdam, die königl. Akademie der Wissenschaften: 

a) Jaarbock van de koninklyke Akademie van We- 
tenschappen, 1871 ; — b) Verslagen en Mededeelingen 
der koninklyke Akademie Affdeeling Letterkunde, tweede 
reeks, twede Deel, 1872; — c) Verslagen en Mede- 
deelingen Affdeeling Naturkunde, tweede reeks, zesde 
(6) Deel, 1872; — d) Processen-Verbaal, Affdeeling 
Naturkunde, Mai 1871 bis Ende April 1872. 

3456. Ansbach, histor. Verein ftür den kön. bair. Regierungs- 
bezirk Mittelfranken: 38. Jahresbericht, 1871 — 72. 

3457. Bayreuth, histor. Verein für Oberfranken : Archiv, 12. Bd., 
1.— 2. Heft, 1872-1873. 

3458. Berlin, königl. preuss. Akademie der Wissenschaften: 

a) Monatsbericht vom November 1872 bis incl. 
December 1873; — b) phiL und histor. Abhand- 
lungen aus dem Jahre 1872, gedruckt 1873. 

3459. — Verein für die Geschichte der Stadt Berlin: 

a) Chronik; — b) Urkundenbuch ; — c) Ver- 
einsschriften, Jahrg. 1865, 1871 und 1873; — 
d) Jahresberichte 1869, 1872 und 1873. 
34G0. — Verein „deutscher Herold" : Monatsschrift, 3. Jahr- 
gang 1873. 

3461. Bern, histor. Verein des Cantons: Archiv, 8. Bd., 
2. Heft 1873. 

3462. Bistritz, das evang. Obergymnasium: Programm des 
Schuyahres 1872—1873. 

3463. Bozen, der christliche Kunstverein: Kunstfreund, 2. Jahr- 
gang 1873. 

3464. Breslau, schles. Gesellschaft vaterländischer Cultur: 

a) 49. Jahresbericht für 1871 ; — b) Abhand- 
lungen der Naturwissenschaften und Median pro 
1869 — 1872; — c) Abhandlungen, phil.-histor. 
Abtheilung, 1871. 

3465. — Verein für Geschichte und Alterthum Schlesiens: 

a) Zeitschrift, 11. Bd., 2.Heft, 1872 ; — b) Scrip- 



— XL ~ 

tores rerum süesicanim, 8. Bd., 1873; — c) Jah- 
resberichte 1871 und 1872. 

3466. Brunn, histor.-stat Section der mähr.-scides. Gesellschaft 
zur Beförderung des Ackerbaues, der Naturkunde etc. : 

a) Schriften der Section, 20. Bd., (Geschichte der mähr.- 
schles. Gesellschaft von Chr. Ritter d'Elvert, Brunn 1870; 

— b) 21. Bd., Geschichte der Musik in Mähren und 
Schlesien, von demselben, Brttnn 1873; — c) C. Diebl, 
Landwirthschafts-Reminiscenzen und Conjuncturen im 
hunderten Grttndungsjahre der Gesellschaft, Brunn 1870; 

— d) Notizenblatt der Gesellschaft vom 2. bis inclusive 
18. Jahrg., 1856 bis incl. 1872. 

3467. Brüssel, königl. Akademie der Wissenschaften: 

a) Bulletins deTAkademie, 2. Serie, 31.— 34. Bd, (39., 
40. u. 41. Jahrg.), 1871 u. 1872; — b) Annuaire (38. u. 
30. Jahrg.) 1872 und 1873; — c) Centieme annivereaire 
de fondation (1772 1872), 2 Bde., 1872 ; — d) Tables 
de Mortalite et leur developpement, von Ad. Quetelet, 
1872. 

3468. Chambery, sociöte savoisienne d'histoire et d'archeologie 
M mou^s et documents, 12 Bd., 1872. 

3469. Christiania, Yerem zur Erhaltung und Aufbewahrung 
nordischer Vorzeitdenkmäler : 

a) Foreningen, 1872; b) Beretning om den al- 
mindelige Udstilling for Tromso Stift, 1872 ; — c) Lieb- 
lein, J., Recherches sur la Chronologie Egyptienne, 1873. 

3470. Darmstadt, histor. Verein für das G. H. Hessen : Archiv 
für hessische Geschichte und Alterthumskunde, 13. Bd., 
I.Heft, 1872. 

3471. D^on, Kommission des antiquites du departement de la 
Cote d'Or: 

a) Memofres, 8. Bd., 2. Liefrg., 1872; — b) Voies 
romaines du departement de la Cote d'Or, 1872. 

3472. Donaueschingen, Verein für Geschichte und Naturge- 
schichte: Schriften, 2. Heft, 1872. 

3473. Dorpat, gelehrte estnische Gesellschaft: a) Verhand- 
lungen, 7. Bd., 3. und 4. Heft, 1873; — - b) Sitzungs- 
berichte, Jahrg. 1872. 

3474. Dresden, königl. sächsischer Alterthumsverein : Mitthei- 
lungen, 23. Heft, 1873. 

3475. Elberfeld, Bergischer Geschichts- Verein : Zeitschiift^ 
8. Bd., 1872. 

3476. Emden, Gesellschaft für bildende Kunst und Alterthümer 
Jahrbuch, Heft 1. 1872. 



— XLI — 

3477. Ei-furt, Verein fllr Geschichte und Altevthumskunde : 

a) Mittheihingen, G.Heft, 1878; — b) Hermann K., 
Bibliotheka Erfurtina, 18f)3. 

3478. Frankfurt a. M., Verein für Geschichte und Alterthums- 
kunde : 

a) Archiv, N. F. 6. Bd., 1872; — b) Mittheilungen, 
4. Bd. Nr. 3, October 1872 ; — c) Neujahrblatt für 1872. 

3479. Frankfurt a. d. Oder, histor. statistischer Verein: Mit- 
tlieilungen, 9. bis 12. Heft, 1873. 

3480. Frauenfeld, histor. Verein des Cantons Thurgau: Bei- 
träge zur vaterl. Geschichte 11., 12. und 13. Heft, 
1870, 1872 und 1873. 

3481. Freiberg in Sachsen, Alterthums-Verein : Mittheilungen, 
10. Heft, 1873. 

3482. Freiburg im Breisgau, Verein zur Beförderung der 
Geschichtskunde: Zeitschrift 2. Bd., 3. Hefl^ 1872, — 
3. Bd., 1—2. Heft, 1873. 

3483. St Gallen (Schweiz), histor. Verein: Mittheilungen zur 
Vaterland. Geschichte, 13. (N. F.) 3. Heft, 1872. 

3484. Görlitz, Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften : 
Neues Lausitzisches Magazin, 49. Bd., 2. Hälfte, 1872, 
r»0. Bd., I.Heft, 1873. 

3485. Göttingen, königl. Gesellschaft der Wissenschaften: 
Nachrichten 1872. 

3486. Graz, Carl Franzens-Üniversität : 

a) Die Entstehungszeit des österr. Landrechtes 
(kritische Studie von Dr. A. Ritter v. Luschin) ; — 
b) Personalstand ftlr den Sommersemester 1873; 
— c) Programm für den Wintersemester 1873, 74. 

3487. — technische Hochschule am Joanneum: Programm 

pro 1873/74. 

3488. — Joanneum: 61. Jahresbericht, 1872. 

3489. — n. Staatsgymnasiimi : Jahresbericht 1873. 

3490. — st landschaftl. Oberrealschide : 22. Jahresbericht, 

1873. 

3491. — k.k. Staats-Oberrealschule : I.Jahresbericht, 1873. 

3492. — Verein der Aerzte in Steiermark: Sitzungsberichte 

des 10. Vereinsjahres 1872 73. 

3493. — christlicher Kunstverein der Diöcese Seckau: Kir- 

chenschmuck, Jahrgang 1873. 

3494. — akadem. Leseverein : 6. Jahresbericht, 1873. 

3495. Greifswalde, die Gesellschaft für Pommer'sche Geschichte 
und Alterthumskunde : Pommer'sche Genealogien, 2. Bd. 
2. lieft, 1873. 



— XLU — 

3496. Halle, thüringisch-sächsischer Veieiii für Erforschung des 
vaterl. Alterthums : Neue Mittheilungen aus dem Gebiete 
histor.-antiquarischer Forschung, 18. Bd., 2. Heft 1871, 
3. Heft 1873. 

3497. Hamburg, Verein für hamburgische Geschichte: Ham- 
burg's Bürgerbewaffiiung von C. F. Gaedechens, 1872. 

3498. Hanau, Bezirksverein für hessische Geschichte und 
Alterthumskunde : Mittheüungen Nr. 4, 1873. 

3499. Hannover, histor. Verein für Niedersachsen: Zeitschrift, 
Jahrgang 1871. 

3500. Hard, Vorarlberger Museumsverein, 13. Rechenschafts- 
bericht, 1873. 

3501. Hermannstadt, Verein für siebenbürgische Landeskunde : 

a) Jahresbericht pro 1871/72; — b) Archiv, N. F. 
X. Bd., 2. und 3. Heft, 1872; — c) Programm des 
Gymnasiums in Hermannstadt, 1871/72; — d) Pro- 
gramm des Gymnasiums in Schässburg, 1871/72. 

3502. Hohenleuben, Voigtländisch-alterthumsforschender Verein : 

a) Mittheüungen aus dem Archive; — b) Jahres- 
berichte, 41., 42 und 43. 

3503. Innsbruck, Ferdinandeum : Zeitschrift, 3. Folge, 17. Heft, 
1872. 

3504. Klagenfurt, naturhisL Landesmuseum: Jahrbuch, ll.Hft, 
20— 21. Jahrg., 1871—1872. 

3505. Köta, histor. Verein für den Niederrhein: Annalen, 
24. Heft, 1872. 

3506. Königsberg, königliche und Üniversitäts-Bibliothek: Alt- 
preussische Monatsschrift, neue Folge, 9. Bd., 7. und 
8. Heft;, 10. Bd. 1. bis 8. Heft, 1872—1873. 

3507. Kopenhagen, königl. dänische Gesellschaft für nordische 
Alteithumskunde : 

a) Aarboger, 1872, 2,— 4. Heft, 1873, I.Heft; — 
b) Tillaeg til Aarboger, Jahrg. 1872; — c) Memoires, 
Nouvelle Serie, 1872. 

3508. Krakau, histor. Commission der königl. poln. Akad. der 
Wissenschaften : 

Scriptores rerum polonicarura, 1. Bd., 1872. 

3509. Lausanne, Society de la Suisse romande: Memoires 
et documents, 27. und 28. Bd., 1872—1873. 

3510. Leeuwarden, Friesch (Jenootschap van Gescliied-, Oud- 
heid*en Taalkunde. 

a) De vrye Fries, Mengelingen, 12. Deel (Nieuwe 
Reeks, 6. Deel, 3) 1872; — b) 44 Verslag der Han- 
delingen, over het Jaar 1871 bis 1872; — c) Friesche 



— XLIU — 

Oiidheden. Afbeehlingen van merkwardige Voorwerpen 
van Wetenschap en Kunst 3. Aflevering, 1872. 

3511. Leipzig, königl. Sachs. Gesellschaft der Wissenschaften: 

a) Berichte über die Verhandlungen der Ge- 
sellschaft 1870 und 1871; — b) Lange Ludwig, 
der homerische Gebrauch der Partikel Ei, 1872; 
— c) Philippi Adolf, über die römischen Trium- 
phalreliefe und ihre Stellung in der Kunstgeschichte, 
1872; — d) Voigt Georg, die Geschichtsschrei- 
bung über den Zug Carl's V. gegen Tunis 1535, 
1872; — e) Voigt Moriz, über den Bedeutungs- 
^vechsel gewisser die Zeitrechnung und den öko- 
nomischen Erfolg einer That bezeichnender tech- 
nischer lateinischer Ausdrücke, 1872. 

3512. — Verein für Geschichte Leipzigs : Schriften, 1. Bd., 

1873. 

3513. — deutsche morgenländ. Gesellschaft: Zeitschrift, 

26. Bd., 3. und 4. Heft, 1872; — 27. Bd., 1. bis 
3. Heft, 1873 und Register zum 11.— 20. Bd., 1872. 

3514. — füi-stlich Jablonowski'sche Gesellschaft: Preis- 

schriften, 17. Bd., 1873. 

3515. Leoben, landschaftl. Realgymnasium: 7. Jahi'esbericht, 
1873. 

3516. Linz, Museum Francisco-Carolinum : 

a) 31. Jahresbericht nebst 26. Lieferung der Beiträge 
zur Landeskunde von Oesterreich ob derEnns, 1873; — 
b) das Museum (Darstellung seiner 40j&hrigen Wirk- 
samkeit gelegentlich der Weltausstellung), 1873. 

3517. Luxembui^, Society archeologique: Publications, 27. Bd., 
(5. der neuen Serie), 1873. 

3518. liuzem, histor. Verein der fttnf Orte Luzem, üri, Schwyz, 
Unterwaiden und Zug: Geschichtsfreund, 28. Bd., 1873. 

3519. Mitau, kurl&ndische Gesellschaft für Literatur und Kunst: 
Sitzungsbericht pro 1872. 

3520. Mons, societe des sciences, des arts et des lettres du 
Hainaut : 

a) Memoires et Publications, 7.— 8. Bd., 1872, 1873; — 
b) Programm des für das Jahr 1873 ausgeschriebenen 
Coiicurses. 

3521. Montb^liard, la Societe d'emulaüon: Memoires, 2. Se- 
rie, 4. Bd. 

3522. München, königl. bairische Akademie der Wissenschaften : 

a) Sitzungsberichte, Hefte 2 bis 5 von 1872, 
1 bis 3 von 1873; — b) Inhalts- Verzeiclmiss der 



— XLIV — 

Sitzungsberichte vom Jahre 1860 — 1870; — 
c) Gedächtnissrede auf Friedrich Adolf Trendelea- 
bürg, Yon Dr. Carl v. Prantl, 1873; — d) Mit- 
gliederverzeichniss der Akademie ; ~ e) Rede von 
J. V. Döllinger, gehalten am 25. Juli 1873 zur 
Vorfeier des Geburtsfestes Sr. Majestät des Königs 
Ludwig n., Manchen, 1873. 

3523. — histor. Verein von und für Oberbaiem: 

a) 32. und 33. Jahresbericht, 1869—1870; — 

b) Archiv, 32. Bd., 1. Heft. 

3524. Monster, literarischer Handweiser: Nr. 129 bis 146, 
12. Jahrg., 1873, 

3525. Nürnberg, germanisches Museum: 
a) Anzeiger, 19. Jahrg., 1872; — b) Die Aufgaben 

und die Mittel des germanischen Museums. (Eine Denk- 
schrift) 1872. 

3526. Paderborn, Verein für Geschichte und Alterthumskunde 
Westphalens: Zeitschrift, 29. — 31. band (in 5 Heften), 
1871—1873. 

3527. Paris, histor. Institut für Frankreich: LHnvestigateur, 
38. Jahrg. von Juli bis Ende December 1872, 39. Jahr- 
gang 1873. 

3528. Pettau, Realgymnasium: 3. Jahresbericht 1872. 

3529. Pest, die königl. ungar. Akademie der Wissenschaften: 

a» Almanach, 1872 und 1873; b) Ertesitö (Sitzimgs- 
berichte), 5., 6. Jahi^., compL, dann vom 7. die Hefte 
1—7, 1871—1873; c) Magyar törtenelmi tar (ung. 
I Geschichtsquellen), 2. Jahrg., 16.— 18. Bd., 1871—1872; 

I — d) Ertekezesek a törteneti (Mitth. a. d. Gesclüchts- 

wissensch.), 2. Bd., Hefte 1—9, 1872/1873; — e) Török 

magyarkori törtenelmi emlekek (Geschichtsdenkmäler 

I aus der ungarisch-türkischen Zeit) 7. und 8. Bd., 1871 

und 1872; — f) Monumenta hungarifle histor, (Magyar 
törtenelmi emlekek) vom 8. Bde ein Nachtrag, Diarium 
i von 1663—1674, 1871 dann 17.Bd., l.Abth., 1872 und 

j 24. Bd., 1873; — g) Archivum Räköczianum II. Rä- 

I köczi Ferencz leveltara (Briefe von Franz Rakoczi) 

I 1. und 2. Abth., je der 1. Bd. 1872/73; — h) Magyar- 

I orszäg helyrajzi törtenete (topografische Geschichte 

Ungarns) 2. Bd. 1872; — i) A hazai es klllföldi isko- 
lazas, 1873; — k) A regi Pest Tötäneti tanulmany 
I 1873. 

3530. Poitieres, Gesellschaft der Alterthumsforscher des west- 
lichen Frankreich: Bulletin, 3. und 4. Quai-tal 1872. 



— XLV — 

3531. Prag, königl. böhmische Gesellschaft der Wissenschaften : 

Sitzungsberichte, Jahrg. 1871 und 1872 comp!., 
1873, Nr. 1 bis 8 ; — Abhandlungen, 6. F., 5. Bd., 
1872. 

3532. — Verein fllr Geschichte der Deutschen in Böhmen: 

a) Mittheilungen, 9. Jahrg. Nr. 7 und 8, 10 
und 11. Jahrg. complett, 12. Jahrg. Nr. 1 und 2 
(1871—1873); — b) Jahresberichte, 9, 10 u. 11 
(1871, 1872 und 1873); — c) Mit^eder-Ver- 
zeichniss pro 1872/73; — d) Lippert, Geschichte 
der Stadt Leitmeritz (Abth. 3 der Beiträge zur 
Geschichte Böhmens), 1871 ; — e) Dr. Laube, aus 
der Vergangenheit Joachimsthals, 1873; — {) Dr. 
Leeder, Beiträge zur Geschichte von Aman, 1872. 

3533. — Lese- und Redehalle der deutschen Studenten : 

Jahresbericht pro 1872/73. 

3534. Reval, ehstländisch-literarische Gesellschaft: Beiträge 
zur Kunde Ehst-, Liv- und Kurlands, l.Bd. 4. Heft 1873. 

3535. Riga, Gesellschaft für Geschichte und Alterthumskunde 
der Ostseeprovinzen Busslands: 

a) Mittheilungen, 10. und 11. Bd., 1. bis 3. Heft, 
180 5; — b) Luther an die Christen in Livland zur 
Feier des 50jähr. Amtsjubiläums des evangel. Bischofes 
Dr. C. C. Ullmann in St Petersburg, 1866. 

3536. Salzburg, Gesellschaft für Salzburger Landeskunde: 
Mittheilungen, 12. Vereinsjahr, 1872. 

3537. Schwerin, Verein ftlr meklenburgische Geschichte und 
Alterthumskunde, Jahrbuch, 37. Jahrg., 1872. 

3538. Sigmaringen, Verein ftlr Geschichte und Alterthumskunde 
in Hohenzollem : Mittheilungen, 11. Jahrg., 1872/73. 

3539. Stade, Verein für Geschichte und Alterthümer der Her- 
zogthümer Bremen und Verden: 

a) Altarschrein der Kirche zu Altenbruch, von H. Almers, 
1873; — b) Catalog der Bibliothek des Vereines, 1873. 

3540. Stettin, Gesellschaft für Pommer'sche Geschichte und 
Alterthumskunde: Baltische Studien, 24. Jahrg., 1872. 

3541. Strassburg, la Societe pour la conservation des monu- 
ments historiques d'Alsace : Bulletin, 2. Serie, 8. Bd., 
1872. 

3542. Stuttgart, königl. statistisch-topogr. Bureau: Wttrttem- 

bergisdie Jahrbücher für Statistik und Landes- 
kunde, Jahrg. 1871. 

3543. — württembei^fischer Alterthumsverem : Jahreshefl, 

2. Bd., I.Heft, 1873. 



M 



— XLVI - 

3545. Tettnang, Verein fbr Geschichte des Bodensee's und 
seiner Umgebungen: Schriften, 1. bis 4. Heft, 18C9 
bis 1873. 

3546. Trier, Gesellschaft für nützliche Forschungen: Archeo- 
logische Funde in Trier und Umgegend, Festschrtft, 1873. 

3547. Ulm, Verein für Kunst und AlterÜmm in Ulm und Ober- 
schwaben: Verhandlungen, neue Reihe, 5. Heft;, 1873. 

3548. Utrecht, de histor. Genootschap: 

a) Kroniek, 6. Serie, 2. und 3. Theil, 27. u. 28. Jhrg., 
1872 und 1873; — b) Werken, neue Serie Nr. 17, 18, 
19, 1872—1873, (Rogge's Briefe von Johann Wten- 
bogaert und v. Vloten Onderzoek) ; — c) Catalogus der 
Boekery, 1872. 

3549. Weinsberg, histor. Verein für das württembergische 
Franken: Zeitschrift, 8 Bd., 2. und 3. Hft., 9. Bd. 1. Hft, 
Jahrgänge 1869, 1870 und 1871. 

3550. Wernigerode, Harz-Verein ftlr Geschichte und Alter- 
thumskunde: Zeitschrift, 5. Jahrg., 3. und 4. Heft, 1872, 
6. Jahrg., 1. und 2. Heft 1873. 

3551. Wien, kais. Akademie der Wi&senschaft;en : 

a) Sitzungsberichte phil.-histor. Classe, 70. Bd., 
Heft 1 bis 3, 1872; 71. Bd., Heft 1—4, 1872; 
72. Bd., Heft 1; 73. Bd., Heft 1—3; Register VH 
zu den Bänden 61 bis 70, 1872; — b) Denk- 
schriften, 21. Bd.; — c) Archiv für Kunde österr. 
Geschichtsquellen, 48. und 49. Band complett, 
50. Bd., 1. Hälfte; — Fontes rerum austriacarum 
36. Bd., 2. Abth.; 37. Bd., 2. Abth.; Diplomataria 
et acta. 

3552. — k. k. Central-Commission zur. Erforschung und Er- 

haltung der Baudenkmale *. Mittheil., 18. Jahrgang, 
1873. 

3553. — k. k. statistische Central-Commission: Mitthei- 

lungen, 19. Jahrg., 4. Heft, 1872; — Statistik 
des Judentimms in Oesterreich-Ungam, 1873. 

3554. — österr. Museum für Kunst und Industrie: 

a) Gatalog der Omamentstich-Sammlung des 
Museums, 1865; — b) Catalog der ehemaligen 
Bock'schen Sammlung von Webereien und Sticke- 
reien des Mittelalters und der Renaissance, 1865; — 
c) die Kuustindustrie auf der Ausstellung zu Dublin 
(Bericht des Custos J. Falke, 1865) ; — d) Catalog 
der Bibliothek des Museums, 1869; — e) Catalog 
der österr. Kunstgewerbe- Ausstellung 1871; — 



— XLvn — 

f) die Ausstellung österr. Kunstgewerbe vom 
4. November 1871 bis 4. Februar 1872; — 

g) Wegweiser durch das k. k. Museum 1873. 

3555. Wien, k. k. geographische Gesellschaft: Mittheilungen, 

15. Bd. (5. der N. F.), Jahrg. 1872. 

3556. — Verem für Landeskunde in Niederösterreich: 

a) Blätter N. Folge, 6. Jahrgang, 1872; — 
b) Topographie von Niederösterr., 4. Heft, 1871. 

3557. — heraldisch-genealogischer Verein Adler : Zeitschrift, 

Jahrg. 1873. 

3558. — deutsch-österr. Alpenverein: Zeitschrift, Jahrg. 

1872, Heft 1—4. 

3559. — der Tourist, Jahrg. 1873. 

3560. — Leseverein der deutschen Studenten: 2. Jahres- 

bericht 1872/73. 

3561. Wiesbaden, Verein für Nassau'sdie Alterthumskunde und 

Geschichtsforschung: Annalen, 12. Bd., 1873. 

3562. Würzburg, histor. Verein für Unterfranken und Aschaffen- 
bui^: Archiv, 22. Bd., 1. Heft;, 1873. 

3563. Zürich, allgemeine geschichtsforschende Gesellschaft der 
Schweiz: Archiv, 18. Bd., 1873. 

3564. Zwickau, Verein zur Verbreitung guter und wohlfeiler 
Volksschriften : 

a) 31. Jahresbericht 1871/72; — b) der deutsche 
Volkskrieg gegen Frankreich, 1870/71, von Dr. Otto 
Kammel, 3. Bd., 2. Abth., 1872; — c) Schlichte Ge- 
schichten von Rudolf Müldener, 1872; — d) die Ver- 
kehrsmittel der Gegenwart, von Oskar Friedrich, 1. 1872; 
e) Apologetische Vorträge, 1872; — f) Sonnenblumen, 
von F. Schmid-Schwarzenberg, 1873; — g) Zugabe 
zum Kalender 1873. 

3. Durch Ankauf. 

3565. Bauer, Dr. Ludwig, Director des grossherz. hessischen 
Haus- und Staatsarchives : Hess. Urkunden, 5. Bd., 1873. 

3566. Darmstadt, Gesammtverein der deutschen Geschichts- und 
Alterthumsvereine : Correspondenzblatt, Jahrg. 1873. 

3567. Mainz, römisch-germanisches Centralmuseum : Die Alter- 
thümer unserer heidnischen Vorzeit von Dr. L. Linden- 
schmit, 3. Heft des 3. Bd., 1873. 



— XLvm — 



IB. FCkr das jALrchiv« 

I. Urkunden und Acten. 

Die Stadtgemeinde Oberwölz überliess mit Vorbehalt 
des Eigenthumsrechtes folgende in ihrem Besitze befindliche 

Urkunden : 

1468. 1358, St Gallustag, o. 0. — Bischof Albrecht von 
Freysing bestätigt den Bfirgem zu Oberwölz ihre alten 
Stadtrechte. Orig. Pgmt., 1 hgd. Siegel. 

14G9. 1447, Montag nach Oswald, Graz. — Hans von Stu- 
benberg, Hauptmann in Steyer, befiehlt dem Richter 
und Rathe von Oberwöl?, den Erhart Heurissel in 
Empfangnahme des ilun zustehenden Erbes nach der 
seel. Kathrey HueiSschmidin zu Oberweltz nicht zu 
liindem. Orig. Pap., rückw. aufged. S. 

1470. 1473, 24. April, 0. 0. — Richter, Rath und die Ge- 
meinde der Stadt Oberwölz überlassen dem Meister 
Balthasar Bader und seiner Hausfrau die städtische 
Badestube kaufreclitsweise unter dem Siegel der Stadt 
Orig. Pgmt, 1 hgd. zerb. S. 

1471. 1511, Montag nach Matthäus, Graz. — Die steierm. 
Landschaft mahnt den Richter und Rath von Oberwölz, 
einen Steuerausstand von 80 Pfund Pfennige bis zum 
Sonntage nach dem Martinstag zu bezahlen. Orig. Pap., 
4 aufged. PetsclL 

1472. 1525, 13. Jänner, Wien. — Ferdinand, Prinz in Spa- 
nien, Erzherzog von Oesterreich, bestätigt über die Bitte 
des Cliristof Weltzer, bischöfl. Freysing'schen Pflegers 
zu Weltz, den Bürgern zu Oberweltz und St Peter (am 
Kammersberg) die ihnen schon von den Herzogen 
Wilhehn und Albrecht ertheilten Freiheiten. Orig. Pgmt, 
1 hgd. S. 

1473. 1528, Mittwoch nach St Blasius, o. 0. — Christina, 
ehel. Tochter des Benedict Anprant, hat sich mit ihrem 
bisherigen Dienstgeber Meister Lienhart Schneider, 
Bürger in Oberwölz, über ihre Forderungen vei^lichen 
und gibt Verzicht Sigler Michael Mabilla, Stadtrichter, 
und Mai-x Frostl, Bürger zu Oberwölz. Orig. Pap., 2 Petsch. 

1474. 1531, Freitag nach Florian, Oberwölz. — Hieronyraus 
Auer quittirt für seine Hausfrau Agnes dem Wolfgang, 
einem Sohne des Lienhart Schneider, Bürger zu Ober- 



— XLIX — 

wölz, einen schuldigen Lidlohn. Sigler: Konrad Khin- 
tinger, Stadtrichter zu Oberwölz. Orig. Pap., 1 aufged. 
Petsch. 

1475. 1550, 27. Jänner, o. 0. — Peter Domner zu Hintereck 
in der Pfarre Weltz beurkundet seine Verehelichung 
mit Jungfrau Katharina, Tochter des Hans Hugent (?) in 
der Pöla. Orig. Pgmt. 2 hgd. Petsch. 

1476. 1567, 20. Jänner, o. 0. — Franzischkh von Teuffen- 
bach, Ritter etc., bescheinigt den Bürgern von Ober- 
wölz den Besitz einer Urkunde, Kraft welcher am Mitt- 
woch nach Domine longo in der Fasten 1419, Wülfing 
von Stubenberg dem Hanns von Teuffenbach, damaügen 
Hauptmann der Herrschaft Rottenfels und Oberwölz, 
eine IS Joch grosse Wiese im Burgfried von Ober- 
wölz verkaufte. Diese letztere Urkunde ist inserirt. 
Orig. Pgmt 

1477. 1Ü67, 6. November, Graz. — Erzherzog Carl vonOester- 
reich-Steiermark bestätigt den Bürgern zu Oberwölz 
und St Peter am Kammersberg ihre Privilegien. Orig. Pgt. 

1478. 1582, 1. September, o. 0. — Richter und Rath der 
Stadt Oberwölz verkaufen der Frau Regina, Witwe 
nach Gregor Thalhammer (evang.) Pfarrer zu Frauen- 
burg, einen Garten an der Welz, rainend an die Gärten 
der Oberwölzer Bürger Wolf Derflinger und Florian 
Leitner am Wege nach St Pongratz, unter dem Siegel 
der Stade. Orig. Pgmt 

1479. 1600, 7. Juli, Freising. — Ernst, Churfürst und Erz- 
bischof von Köln, Administrator des Stiftes Freising, 
bestätigt den Bürgern zu Oberwölz im Aiibetrachte, 
dass sich dieselben wieder zum rechten Glauben be- 
kehren liessen, ihre städtischen Privilegien. Orig. Pgmt, 
1 S. 

1480. 1617, 10. Februar, o. 0. — Gesellenbrief der Fleisch- 
hauer von Oberwölz für Martin Ofedler. Orig. Pgmt, 
4 hgd. P. 

1481. 1620, 27. Mai, Freismg. — Bischof Veit Adam von 
Freising bestätigt den Bürgern von Oberwölz ihre 
städtischen Privilegien. Orig. Pgmt., 1 S. 

1482. 1639, 3. März, Wien. — Kaiser Ferdinand UI. bestätigt 
den Bürgern zu Oberwölz und St Peter am Kammers- 
berg ihre Freiheiten. Orig. Pgmt, 1 S. 

1483. 1648, 24. April, o. 0. — Vergleich zwischen der Stadt 
Murau einer-, der Stadt Oberwölz und der Hofmark 
St Peter unter dem Kanmiersberg andererseits, durch 

jfitthell. d. "biMt, yer«iu f. Btoienaark. XXII. Heft, 1874. D 



\ 



welchen mit Rücksicht auf die befreite Niederlage in 
Murau die Verführung der Kaufmannswaaren auf den 
umliegenden Strassen und Wegen geregelt wird. Sigler 
Johann Adolf Graf zu Schwarzenberg, Herr zu Murau^ 
Herr Adam Jocher, Pfandinhaber auf Rothenfels, und 
die beiden Städte, wechselweise an den zwei ausgefer- 
tigten Urkunden. Orig. Pgmt mit dem Siegel des Grafen 
und der Stadt Murau. Dabei ein Nachtrag auf Per- 
gament mit dem Siegel von Murau. 

1484. 1656, 17. März, Freising. — Bischof Albrecht Sigmund 
zu Freising bestätigt den Bürgern der Stadt Oberwölz 
und der Hofmark St Peter ihre hergebrachten Frei- 
heiten. Orig. Pgmt, 1 S. 

1485. 1660, 25. Jänner, Judenburg. — Gesellenbrief der 
Fleischhauer von Judenburg für den Hans Abstorifer. 
Orig. Pgmt 

1486. 1674, 12. Jänner, Wien. — Kaiser Leopold I. bestätigt 
den Bürgern von Oberwölz und St Peter unter dem 
Kammersberg ihre hergebrachten Freiheiten. Orig. Pgmt, 

1 Siegel. 

Geschenkt haben die Herren : 
Johann Krainz, Yolksschullehrer und Bezirks-Correspondent 

in Oberwölz: 

1487. 1494, 8. Juli, o. O. — Verbrüderungsurkunde der 
Bäcker und MüUer zu Judenburg, Murau, Neumarkt 
und Oberwölz. Sigler: die Brüder Ulrich und Sigmund 
Welzer, Pfleger und Anwälte zu Oberwölz. Orig. Pgmt, 

2 hgd. S. — dann ein Yidimus des Jahres 1706 auf 
Papier. 

1488. 1509, 2. September, Oberwölz, und 

1514, 21. Juli, ebenda — die Bäcker und Bäckerknechte 
zu Oberwölz verkünden ihren Handwerksgenossen, dass 
sich Andrä Weinberger und Ulrich Preynner in ihre 
Bruderschaft aufnehmen Hessen. Zwei Orig. Pgmte., das 
ältere zeigt Spuren eines aufgedrückt gewesenen Sie- 
gels, am jüngeren ist das Siegel erhalten. 

1489. 1543, 3. JuU, o. 0. — Hans Khamrer zu Khrumeckh 
verkauft dem Michael Prantl, Bürger zu Oberwölz ein 
Grundstück daselbst. Sigler: Peter Schwinger, Stadt- 
richter, Hans Oeller am Püchl, Zechmeister der St Mar- 
tinskirche in Oberwölz. Orig. Pgmt, 2 hgde. S., beide 
beschädigt 

1490. 1602, 29. April, 0. O. — Georg Grienauer, Rathsbürger 



— LI ~ 

zu Oberwölz beurkundet seine Verehelichung mit Jung- 
frau Agnes Gotfridt Mitsiegler: Vincenz HoflFer, Stadt- 
richter zu Oberwölz. Orig. Pgmt, zwei hgde. S. ifehlen. 

1491. 1611, 25. Juli, 0. 0. — Anna Freiin zu Teuflfenbach, 
Frau zu Murau, gebome Neuman von Wasserleonburg, 
verkauft dem Bürger Willibald Monetschein zu Murau 
das Burgrecht auf dem wäUischen Streckhammer an 
der Kanten nebst zugehörigen Gründen. Einfache Ab- 
schrift 

1492. 1635, 22. Juli, Frauenburg. — Wolf Herr von Stuben- 
berg Erbschenk in Steyer, kais. Rath und Kämmerer, 
belehnt seinen Pfleger Andrä Geyer für sich und seine 
Ehefrau Katharina, geb. Muehrer, mit der sogenannten 
Bauemfeind-Hube zu Mainhardsdorf in der Lackhen bei 
Oberwölz und anderen benannten Stücken. Emfache 
Papierabschrift. 

1493. 1649, 16. December, Graz. — Die Zechmeister des 
Leinweber-Handwerks in Graz gestatten den Leinen- 
webem in Oberwölz, sich der von ersteren errichteten, 
vom Kaiser Ferdinand KT. ddo. Wien, 21. Juli 1649 
bestätigten Zunft- und Handwerksordnung zu unter- 
werfen und stellen die letztere wörtlich ihrer Bewilli- 
gung voran. Orig.-Pgmt in Buchform, 1 hgd. S. 

1494. 1651, 26. Februar, Oberwölz. — Mathias Luegj, Bürger 
und Fleischhauer zu Oberwölz spricht den Andreas 
Gressing zum Gesellen. Orig. Pgmt, 3 hgd. S., abge- 
rissen. 

1495. 1651, 20. September, Friesach. — Dr. Nicolaus Battaglia, 
Propst zu Friesach und Erzpriester in ünterkämten, 
und Michael Zauchenperger, Salzburg. Vicedomamts- 
Verwalter in Friesach, verkaufen als verordnete Inspec- 
toren des Collegiatstiftes St Bartholomä in Friesach, 
dem Bürger und Handeismanne Georg Mayer zu Murau 
zwei Zehente in der Pfarre St. Georgen ob Murau. 
Vidim. Papier-Abschr. 

1496. 1676, 12. October, Zeiring. — Thomas Langanger, 
Stift Admont'scher Verwalter und Zehentbestandmann 
des Gutes Mainhardsdorf bei Oberwölz, überträgt dem 
Benedictinerstifte Admont das Eigenthums-, Yogtei- und 
Patronatsrecht über die von ihm erbaute Kapelle Maria- 
Altötting in Winklem. Einf. Pap.-Abschr 

1497. 1696 — 1700. — Drei Regierungsdecrete an und ein 
Gesuch von den Bäckern und Müllern in Oberwölz in 
Zunftsachen. Orig. und Abschr. 



— LH «- 

1498. 1706, 7. Juli, Graz. — Die Zechmeister des Leinweber- 
Handwerks in Graz iheilen den verbundenen Lein- 
webern in Oberwölz, die den ersteren vom Kaiser Josef L 
ddo. Wien 9. November 1705 bestätigte Handwerks- 
ordnung in extenso mit. Orig. Pgmt in Buchform, 1 hgd. S. 

1499. 1709, 20. November, Graz. — Die Hauptlade des Mül- 
lerhandwerkes in Graz übermittelt dem Müllerhand- 
werk der Stadt Oberwölz ein Transumpt der den 
ersteren vom Erzherzoge Ferdinand von Innerösterreich 
ddo. Graz 1. November 1608 ertheflten, 20 Artikel 
umfassenden Handwerksordnung. Orig.*Pap. in Buchform 
mit Pergamenteinband und 2 hgd. S. 

1500. 1710—1740. Zehn Stück Kaufrechtsbriefe von den 
Zechpröpsten der Kirchen St Martin und St Sigismund 
in Oberwölz an Unterthanen der beiden Gotteshäuser. 
Orig. Pap, mit aufgedr. Petschaften. 

1501. 1716, 20. Juli, Murau. — Adam Franz Fürst zu Schwär- 
zenberg belehnt die Freifrau Sabina Theresia Putterer, 
geb. Freiin Weisersheim, Witwe nach Franz Josef Frei- 
herm Putterer, als Notgerhabin ihres minderjährigen 
Sohnes Franz Gottlieb Freiherm Putterer mit einer 
Hube am Pichel bei Schöder. Orig. Pgmt 1 hgd. S. 

1502. 1720, 17. Juli, Murau. — Franz Sigmund von Monsperg, 
Kathsbürger und Handelsherr zu Murau, beurkundet, 
dass ihm sein Bruder Carl Anton von Monsperg als 
Universalerbe der von ihrem Vater Johann Wilhelm 
von Monsperg hinterlassenen Hammerwerke zu Murau 
und Fresen, seinen mütterlichen und väterlichen Erbs- 
antheil völlig bezahlt bat, unter seinem und dem Siegel 
der Stadt Murau. Vidim. Pap.-Abschr. 

1503. 1724, 28. März, Graz. — Kaiser Carl YL dehnt durch 
den innerösterr. geheimen Rath die den Leinwebern 
in Graz ddo. Wien 26. October 1712 ertheilte Zunft- 
und Handwerksordnung auch auf die Leinweber der 
Stadt Oberwölz aus. Orig.-Pgmt in Buchform gebimden 
mit 1 hgd. S. 

1504. 1725, 15. September, Murau. — Kaufvertrag zwischen 
Herrn Johann Rudolf Egger, Rathsbürger, kais. Kammer- 
gutsbeförderer und Hammerherm zu Murau an der 
Ranten als Verkäufer, und dem Herrn Carl Anton von 
Monsperg, kais. Kammergutsbeförderer und Hammer- 
herm an der Fresen und Murau als Käufer des an der 
Ranten ausser Murau liegenden Wälschhammers sammt 
Haramerhaus, Garten, den anstossenden Gründen, des 



— LHI — 

Hauses zu Murau am Erchtagplatz sammt Stadel und 
Garten etc. Eaufschilling 2400 fl. Zeugen : Johann Mi- 
chael Fundo, Verwalter der Herrschaften Gstatt und 
Strechau, Franz Leopold Winkhler, Schwarzenberg'scher 
Eisenverweser, Franz Michael Kolb und Franz Anton 
Steyerer zu Murau. 

1505. 1746, 3. December, Graz. — Die Zechmeister der Lein- 
weber von Graz theilen der verbundenen Weberknap- 
penschaft in Oberwölz, das von der Königin Maria 
Theresia neu ertheilte Handwerks-Privilegium ddto. 
5. Juli 1745 in extenso mit. Orig. Pgmt in Buchform. 

1506. 1747, 4. Februar, Graz. — Königin Maria Theresia 
dehnt durch den innerösterr. geheimen Rath die den 
Leinwebern in Graz ddo. Wien 5. Juli 1745 ertheilte 
Handwerksordnung auch auf die Leinweber der Stadt 
Oberwölz aus. Orig.-Pgmt in Buchform, 1 hgd. S. 

1507. 1749, 2. Jänner, Augsburg. — Josef, Landgraf zu 
Hessen, Bischof zu Augsburg etc. verleiht dem Johann 
Peter GarzaroU von Garzarolshofen den Hofrathscha- 
rakter. Vid. Abschr., Pap. 

1508. 1759, 12. Jänner, o. 0. — Mathias Gottlieb Praunseys, 
Unterthan der Herrschaft Waydhofen an der Ybs und 
Zerrenhammermeister in der Gross-Mendling, verkauft 
dieses sein Hammerwerk um 7000 fl. dem Johann 
Schröckenfuchs, Zerrenhammermeister zu Hollenstein und 
seiner Ehefrau Katharina ; zugleich Uebergabs-Inventar. 
Orig. Pap. 

1509. 1769, 22. April, ünzmarkt. — Kasper Anton Welz und 
seine Gattin Maria Josefa, geb. von Garzarolli, ver- 
schreiben sich gegenseitig ihr ganzes Vermögen, sollten 
sie jedoch mit Kindern gesegnet werden, so habe diese 
Verschreibung nur auf die eine Hälfte ihres Besitzes 
Bezug, die andere gehöre den Kindern. Sigler: Carl 
Philipp Rauch, Landger.-Verwalter in Frauenburg und 
Johann Josef Egger, Syndicus in Unzmarkt — Zwei 
abgesonderte Urkunden, erstere in vid. Abschr., letztere 
Original. 

1510. 1772, 26. Mai, Murau. — Eva Clara, in erster Ehe 
vermählt mit Franz Steyrer, nun Witwe nach Carl von 
Monsperg, errichtet zu Gunsten ihrer Kinder erster Ehe : 
Franz Steyrer und Elisabeth, verehelichte Hueber, ihren 
letzten Willen. Einf. Pap.-Abschr. 

1511. 1780, 25. August, Murau. — Fürst Josef zu Schwar- 
zenberg etc., gibt den zur Herrschaft Murau gehörigen, 



— LIV — 

an der Kanten bei der Brücke gelegenen sogenannten 
wälschen halben Hammer sammt gemauerten Stock und 
Garten etc., wie ihn ehemals Herr Franz Steyrer inne 
hatte, nun der Frau Katharina Zinner kaufrechtsweise. 
Orig. Pap. 

1512. 1782, 1. Juli, Graz. — Frau Maria Theresia Pucher, 
geb. Mayer, verkauft ihre dem CoUegiatstifte in Friesach 
dienstbaren, um Murau liegenden Zehente für 4000 fl. 
dem Herrn Peregrin Zinner. Einf. Pap. Abschr. 

1513. 1787—1817. — 28 Stück Schulprüfungs- und Dienst- 
zeugnisse für Leopold Lucas Müller, geb. zu Bischoflak 
in Oberkrain, zuletzt bis 1817 durch vier Jahre bi- 
schöflich Gurk'scher Verwalter der Herrschaften Rasten- 
feld und Mayerhofen in Kärnten. Orig. Pap. 

1514. 1803, 20. Juni, Murau. — Richter und Rath der Stadt 
Murau verkaufen dem Herrn Peregrin Zinner, fürstüch 
Schwarzenberg'scher Oberverweser in Murau, einen 

* Stadel ausserhalb dem Wagbrückenthor kaufrechtsweise. 
Orig. Pap. 

1515. 1809, August. — Correspondenz mit dem Hammer- 
werke Pachem, die Aufbringung einer französischen 
Kriegscontribution betreffend. 

1516. 1850, 6. November, Stift Admont. — Abt Benno und 
der Convent der Benedictinerabtei Admont cediren die 
ihnen eigenthümliche Kapelle Maria Altötting in Wink- 
lem sammt den dazu gehörigen Gründen, Vogtei- und 
Patronatsrechten und Pflichten in das Eigenthum der 
Gemeinde Winklem. Einf. Pap. Abschr. 

1517. 1760—1828. — 17 Stück diverse Schriften, die Lein- 
weberzunft zu Oberwölz betreffend. 

1518. — 16 Urkunden und Acten verschiedenen geringfü- 
gigen Inhaltes. 

Carl Ritter v. Pichl-Gamsenfels, Gutsbesitzer und Bezirks- 
Correspondent zu Schloss Eggenwald bei Radkersburg: 

1519. 1807, 12. April, Augsburg. — Lehrbrief für den Lust- 
und Blumengärtner Johann Georg Adelwerg aus Unter- 
hausen. 0. Perg. 

1520. 1808, 6. December, Marburg. — Intimat des Kreisamtes 
Marburg, die Vereinigung mehrerer Gülten zu einer 
Herrschaft unter dem Namen Neuweinsberg betreffend. 
O. Perg. 



— LV — 

Michael Eundegraber, Caplan zu St Georgen a. d. Stiefig n- 

1521. 1772, 26. Juni, Wien. — Kaiserin Maria Theresia be- 
stätigt den bürgerl. Fleischhackern zu Marburg die ihnen 
1638 vom Kaiser Ferdinand HL gegebene Handwerks- 
ordnung. Abschr. 

Frau Johanna P eitler, k. k. Notarswitwe und Gutsbesitzerin 

zu Schloss Wildbach: 

1522. 1582, . . Juni, St Andrä im Lavantthale. — Bischof 
Georg V. Seggau und Lavant überlässt seinem Pfleger 
zu Twimberg, Andrä Weiss, zur Belohnung seiner Dienste 
benannte stiftische Wein-, Getreide- und Hirsch zehende 
zu St Florian a. d. Lassnitz bestandweise gegen jähr- 
liche 300 Pfund Pfen. auf 12 Jahre. 0. Perg. 

II. Handschriften. 

Sämmtlich Geschenke, u. z. von den Hm. Bezirkscorrespondenten : 
Johann Krainz, Schullehrer in Oberwölz: 

490. 1682—1780, Meisterbuch der Bäcker und Müller zu 
Oberwölz. Pap. in Pgmt geb. 4". 

491. 1683 — 1791, Gesellen- und Lehrjungenbuch der Bäcker 
und Müller zu Oberwölz. Pap. in Perg. geb. 4". 

Anton Meixner, Kaplan in St Veit am Vogau: 

492. Medicinbuch, Handschrift von c. 1700 des Georg Saupt- 
mann, Laboranten zu Deutmansdorf (aus dem Archive 
des Schlosses St Georgen a. d. Stiefing). 

493. Das „Paradeiss-Gspiel", eine Parabel, welche zu Hitzen- 
dorf und Umgebung jährlich (im Fasching) zur Auf- 
führung kommt Copie eines Manuscripts aus Hitzendorf. 

494. Lieder, Sagen, Mythen und Märchen als Fortsetzung der 
früheren einschlägigen Einsendungen (s. Handschr. 484). 

495. Auszüge aus der Pfarrchronik von St. Georgen a. d. 
Stiefing, milde Stiftungen betreffend. 

Carl Ritter v. Pichl- Gamsenfels, Gutsbesitzer zu Schloss 

Eggenwald : 

496. Acten mit genealogischen Aufschlüssen über die aus Strass- 
burg am Bhein stammende, nach Steiermark eingewan- 
derte Familie v. Schaumberg des einfachen Adelstandes. 

Frau Josefine Göth, geb. Prandstätter, Studiendirectors -Witwe 

in Graz: 

497. Das Manuscript der ungedruckt gebliebenen Topographie 
des Grazer Kreises von weiland Director Dr. Georg 
Göth, sammt den darauf Bezug nehmenden Correspon- 
denzen des Verfassers. 17*/, Pfd. 



'I 



i 



— LVI — 

498. Ein Zettelkatalog von steiennärkischen Orts- und Per- 
sonennamen mit literarischen Verweisungen, zusammen- 
gestellt von t Director Dr. Georg Göth. Circa 1850. 

Endlich gestattete Se. Durchlaucht der Herr k. k. geheime 
Rath, General der Cavallerie und lebenslängliche Reichsrath, 
Friedrich Fürst von und zu Liechtenstein, aus seinem 
Archive im Schlosse Liechtenstein bei Judenburg das für ge- 
schichtliche Zwecke verwendbare auszuwählen, was im Herbste 
1873 geschah und darauf eine Anzahl von Handschriften, Acten 
und Urkunden im Gesammtgewichte von 22 Centnem nach 
Graz geliefert wurde. 

Aus dieser Sendung, zumeist die vordem vereinigt gewe- 
senen Herrschaften Liechtenstein, Rie^ersdorf (Gabelkhoven) 
und Weyer, dann die Spitalsgült heil. Geist, sämmtlich in und 
um Judenburg gelegen, betreffend, sind hervorzuheben: 

Eine Sammlung aller im Judenburger Kreise und für den- 
selben ergangenen Gurrenden und Verordnungen der Landes- 
und Ereisbehörden, dann des Appellationsgerichtes, die Jahre 
1784, 85, 90, 91, 92, 95, 97, 98 1802, 6, 7, 9 bis inclus. 
43 umfassend, theilweise gebimden und auch hin und wieder 
doppelt vorhanden. 

Urbare: 

Der Herrschaft Liechtenstein vom Jahre 1702 (Or.) 
und ddo. 21. Juni 1714, Abschrift; der Spitalsgült Heilig en- 
geist in Judenburg von 1608 und 1666; der Euchel- 
aigengült vom Jahre 1567; des dem Kloster Seiz gehörig 
gewesenen Kallwangeramtes im Paltenthale in Ober- 
steier ddo. 7. Mai 1598. 

Stiftregister, u. z.: 

Herrschaft Liechtenstein mit 105 Jahrgängen aus 
den Jahren 1650 - 1837. 

Hschft. Riegersdorf, 79 Jahrgänge aus der Zeit von 
1660—1820. 

HschfL Weyer, 74 Jahrgge. aus der Zeit von 1660—1837. 

Gült heil. Geist, 124 Jahrgge. aus der Zeit von 1650 
bis 1848. 

Ausserdem mehrere Stiftregister, kleinere Gülten und ein- 
zelne Aemter aus der Umgebung von Judenburg betre£fend. 

Eine Reihe von Geld- und Naturalien-Rechnungsbüchem, 
auf diese Güter bezüglich. 

300 Packete mit Urkunden, Verlassabhandlungen und an- 
deren Acten, Bauerngüter der genannten Herrschaften betre£fend. 

Nahezu 1 400 einzehie Pergament-, dann circa 400 Papier- 



— Lvn - 

Urkunden, Kauf-, Schenkungs-, Heirats- oder Schirmbriefe flir 
XJnterthanen der Herrschaften Liechtenstein, Riegersdorf, Weyer, 
Spielberg, der Spitalsgtilt heil. Geist, der Kuchelaigengült etc., 
durchweg Originalien, weiters fünf grosse Packete mit unge- 
zählten derlei Urkunden, Yerlassabhandlungen, Schätzungen 
und anderen aus dem Unterthanenverhältnisse fliessenden 
Amtshandlungen derselben Grundobrigkeiten vom 16. Jahr- 
hunderte herwärts. 

Ueber 800 Verlass- und Uebergabsinventare über Bauern- 
güter vom 16. Jahrhunderte herwärts. 

Mehrere Packete mit Gerichtsacten aus dem laufenden 
Jahrhunderte. 

Ein Packet mit Acten über die Greisenegg'sche Spital- 
stiftung zum heil. Geist in Judenburg. 

Ein Packet über die Zach-, dann Moshardt'schen Euchel- 
aigengülten. 

Ein Packet über die Herrschaft Liechtenstein aus der 
Zeit, als dieselbe die Freiherren von Königsbrunn besassen, 
1719 bis 1814. 

Ein Packet über die Herrschaft Eiegersdorf aus der Zeit 
des Besitzes der zuletzt gräflichen Familie Gabelkhoven, 1569 
bis 1775, dann der nachfolgenden Besitzer bis 1814. 

Ein Packet über die Familie der Grafen von Hainrichs- 
perg*) und ihre Herrschaft Weyer. 

Ein Packet über die milden und frommen Stiftungen der 
Heinrichsperg in Judenburg. 

Ein Packet über den Passhammer an der Pols bei Judenburg. 

Zwei Handelsbücher des Kaufinannes Johann Pagge (nach- 
mals Freih. v, Hainrichsperg) in Wien, aus dem 1 7. Jahrhdte. 

Schliesslich folgende für die Local- und Geschlechterge- 
schichte von Judenburg und Umgebung wichtige Urkunden: 

1421, 16. October, Graz. — Herzog Ernst von Oester- 
reich und Steiermark schenkt dem von seinem Kammenneister 
Hans Greyssnegkher gegründeten Armenspitale in Judenburg 
die ihm von den Judenburger Fleischhackem jährUch zu lie- 
fernden zwei Ochsen im Werthe von sechs Pfd. Pfen. Abschr. 

1424, 26. October, Liechtenstein. — Rudolf und Otto v. 
Liechtenstein belehnen den Hans Lobnynger mit einem Gute 
zu Czeltweg. Abschr. 

1429, 9. Juli, 0. 0. — Hans Wildonier, Bürger zu Juden- 

*) Ueber die Grafen v. Hainrichsperg, vorher Bürger Hainricher in Ju- 
denburg, siehe unter den Erwerbungen für das Archiv, Mittheilungen 
XIX. Heft 1871, Seite LXVII, Nr. 1878—1382, ebenfaUs aus dem 
Archive zu Liechtenstein. 



I 



— Lvm — 

bürg, verkauft sein Apothekerhaus in Judenburg dem dortigen 
Bürger Stefan Scheller um 32 Pfd. Pfen. Or. 

1430, 17. September, Liechtenstein. — Anna, Witwe Ru- 
dolf s, Mutter Leonhard's von Liechtenstein, begabt den Andrä 
Kemer mit dem Gödleynsacker ob Judenburg kaufrechtsweise. 
Abschr. 

1441, 16. April, 0. 0. — Heinrich Lantschacher verleiht 
dem Michael Lackner das Poppelgut im Salachgraben bei 
Oberwölz kaufrechtsweise. Or. 

1445, 10. März, o. 0. — Alex, Sohn der f Sighartün bei 
der Murbrücke zu Judenburg, verkauft benannte Aecker da- 
nächst dem Hans Smydel, Bürger zu Judenburg. Or. 

1455, 8. Jänner, o. 0. — Hans Layer zu Strettweg ver- 
kauft einen Acker im Spitalfeld bei Judenburg dem dortigen 
Bürger, Meister Andrä dem Goltsmid, genannt Marchhouer. Or. 

1458, 14. September, o. 0. — Benannte Meister, Gesellen 
und Jünger des Schmiedehandwerks der St^dt Enittelfeld und 
Umgebung vereinigen sich zu einer Bruderschaft. Abschr. 

1460, 4. Juni, o. 0. — Michael Lackner in SaJach ver- 
sichert das Heiratsgut seiner Ehefrau Margaretha auf seiner 
Pöppelhube. Gleichz. PgmtschfL, ob Orig.? 

1489, 28. März, o. 0. — Berman Frangkh, Bürger zu 
Judenburg, verkauft sein Burgrecht an einer Fleischbank in 
Judenburg dem Cristan Amering. Or. 

1491, 24. April, 0. 0. — Barbara v. Paynn, Aebtissin des 
Claraklosters im Paradeis nächst Judenburg, verleiht dem Juden- 
burger Bürger Cristan Amering einen Garten in der Stadt 
burgrechtsweise. Or. 

1500, 14. Juli, Judenburg. — Heinrich Doss, Rathsbürger 
zu Judenburg verkauft seinem Schwiegervater Cristan Amering, 
Rathsbürger daselbst, benannte Gründe in der Nähe der Stadt Or. 

1502, 27. Februar, o. 0. — Der Zechmeister der Niklas- 
Pfarrkirche zu Judenburg, Rathsbürger Cristan Hatzes, begabt 
den Rathsbürger Cristan Emering mit dem Burgrechte auf zwei 
Krautgärten bei der Stadt Or. 

1509, 28. Februar, o. 0. — Die Kinder und Erben nach 
dem i Ciistan Emering beurkunden, dass ihnen die Witwe 
ihres Vaters resp. Schwiegervaters, Frau Mai^areth, das ge- 
sammte väteriiche Hab' und Gut völlig abgetreten hat Or. 

1 509, 9. März, o. 0. — Die Kinder des t Cristan Eme- 
ring überantworten ihrer nun verwitweten Mutter, Frau Mar- 
gareth, einen Stadl und Baumgarten nächst der Stadt Or. 

1512, 10. März, o. 0. — Appolonia, des y Judenburger 
Rathsbürgers Cristan Aemering Tochter, nun des Andrä Freydl, 



— LIX — 

Bürgers zu Wolfeberg Hausfrau, quittirt ihrem Bruder Ruprecht 
Amering den Empfang- ihres väterlichen Erbes. Or. 

1514, 13. November, o. 0. — Cristan Weyland, Bürger 
zu Yillach und seine Hausfrau Ursula, des f Cristan Amering 
zu Judenburg Tochter, vereinbaren sich hinsichtlich ihres väter- 
lichen Erbtheiles mit ihrem Bruder Ruprecht Amering, Bürger 
zu Judenburg. Or. 

1515, 3. April, o. 0. — Benedict und Adrian die Gloyacher 
verkaufen dem Knittelfelder Bürger Bemhardin Gerolt ihren 
frei eigenen, mit 1 2 Pfd. Herrengült beansagten Hof zu Pöls- 
hofen. Or. 

1516, 15. Juni, o. 0. — Meister Bemhardin Amering, 
Chorherr und Pfarrer zu St Stefan bei Stainz, Sohn des f 
Judenburger Rathsbürgers Cristan A., quittirt seinem Bruder 
Ruprecht A. den Empfang seines väterlichen Erbtheiles. Or. 

1521, 29 September, o. 0. — Der Rath der Stadt Juden- 
burg tauscht Namens der Nicolaus-Pfarrkirche daselbst mit 
• dem edlen Christof Prancker von Pranckh benannte nächst der 
Stadt gelegene Grundstücke. Or. 

* 1522, 24. April, o. 0. Hans NeydtarflF, Bürger zuMurau, 
verkauft mehrere näher benannte Besitzungen zu St Georgen 
ob Murau, theils von dem Landesfürsten, theils von den Liechten- 
steinern zu Lehen, dem Judenb. Bürger Ruprecht Embring. Or. 

1525, 9. Februar und 7. April, o. 0. — Franz Tonhauser, 
Ritter, Hauptmann und Vicedom zu Friesach, verleiht auf Be- 
fehl des Cardinais Matthäus zu Salzburg dem Judenburger 
Bürger Ruprecht Amering zwei Grundstücke nächst Vohnsdorf 
bei Judenburg kaufrechtsweise. Beide Pap. Abschriften. 

1527, 9. Mai, o. 0. — Christof Welzer v. Eberstein d. Aelt, 
Ritter, verkauft seinem Vetter Christof Pranngkher von Prannghk 
sein freieigenes Haus und Hofmarch in der Stadt Judenburg. Or. 

1527, 11. Juli, Judenburg. — Die Kinder des Heinrich 
Toss, welche er mit seiner f Ehefrau Catharina Ambring hatte, 
quittiren ihrem Vater bei nunmehr erreichter Volljährigkeit 
den Empfang des ihnen nach ihrem Grossvater Cristan Ambring 
zugefallenen Erbes von 171 Pfd., 4 Schil. Pfen. Or. 

1531, 8. Juni, o. 0. — Ruprecht Ambring, Rathsbürger 
zu Judenburg, vertauscht mit dem Kaplan der Johanns-Kapelle 
im Schlosse Liechtenstein, Johann Gastromair, mehrere benannte 
Gründe. Or. 

1533, .... 0. 0. -- Meister Leonliart (sonst Bemhardin 
genannt) Ambring, Pfarrer zu Judenburg, verwechselt mit sei- 
nem Bruder Ruprecht Emering mehrere um Judenburg gele- 
gene Grundstücke. Or. 






I 

t 

i 



LX — 



1534, 12. October, o. 0. — Die vier Kinder Bach dem 

Judenburger RathsbUi^er Heinrich Toss aus seiner Ehe mit 

I Emtraut Retzer verkaufen benannte ererbte Grundstücke für 

180 Pfd. Pfenige dem Augustin Körbler, Pfleger zu Frauen- 
burg. Or. 

1534, 6. September, Judenburg. — Ruprecht Emering, 
d. z. Bürgermeister zu Judenburg überlässt seinem Unterthan 
Yincenz RingshüeÜ das Kaufrecht an der RingshüeÜhube. Or. 
I 1539, 30. Juni, Gräcz. — Ursula, Witwe nach Hans Zeller, 

I Bäcker und Bürger zu Graz, nun Ehefrau des Hans Stain- 

t perger, Bäcker und Bürger zu Graz, überantwortet Namens 

l ihrer Zeller'schen Kinder zwei dem Grazer Stadtpfarrer Dr. 

Johann Emnst unterthänige Weingärten in der Langwiesen, 
dem Grazer Bürger Hans Kämpf und seiner Schwester Eli- 
sabeth, um damit die von ihrem früheren Manne contrabirten 
Schulden theüweise zu tilgen. Or. 

1544, 10. März, Judenburg. — Hans Aindlitzhofer, Bürger 
zu Judenburg, verkauft dem dortigen Bürger Michael Mayer 
einen Garten sammt Stadl im Burgfried der Stadt Or. 

1544, 15. Juni, o. 0. — Eustach Branckher v. Pranckh 
zu Rieckhersdorf verkauft seinem Bruder Ruprecht Branckher 
V. Pranckh sein freieigenes Haus sammt Zugehör in der Stadt 
Judenburg. Or. 

1545, 14. Jänner, Judenburg. — Ruprecht Emering er- 
sucht brieflich die Herren Georg und Otto von Liechtenstein 
zu Murau, ihm das als Peutllehen gegebene Gschöllergut zu 
St Martin, nun wo er vom König Ferdinand in den Adel- 
mannsstand erhoben wurde, als Ritterlehen zu verleihen. Or. 

1545, 3. Juli, Trofaiach. — Christof Puchler, Pfarrer zu 
Trofeiach und Conunissär des Erzpriesterthumes in Obersteier, 
fordert den Pfarrer zu Pols Veit Zesar vor sich, damit er 
über die wegen gemachter Schulden und ausgestossener Schmach- 
worte vom edl und vesten Ruprecht Ambring in Judenburg 
wider ihn vorgebrachte Klage Rede stehe. Gleichz. Pap. Abschr. 

1554, 26. Juni, Judenburg. — Der Gültensinhaber am 
Pölshofe bei Judenburg, Hans Brauch in Judenburg, löst für 
750 Pfd. Pfen. das Kaufrecht an benanntem Hofe von dem 
derzeitigen Inhaber Georg zu Pölshofen ein, worauf am 
29. September d. J., Georg Pölshofer die Ablösung dieses seines 
Kaufrechtes durch den Hans Brauch beurkundet Beide Or. 

1555, 26. November, Judenburg. — Simon Grien, Bürger 
zu Judenburg, verkauft dem Rathsbüi^er daselbst, Marx Plue- 
macher, sein Haus, Mühle etc. am Purbache nächst dem win- 
dischen Stadtthore. Or. 



— LXI — 

1558, 30. Jänner, o. 0. — Clemens Körbler zu Juden- 
burg verkauft dem Oswald Einpacher am Passhammer imter 
Pols seinen mit vier Pfd. Herrengült beansagten Hofanger zu 
Dietersdorf. Or. 

1559, 11. November, Judenburg. — Der Ritter Franzischk 
V. Teuffenpach, kais. und steierm. landsch. Kriegsrath an den 
windischen und croatischen Grenzen, beurkundet für sich und 
seine Brüder Walthasar, Deutschordenscomthur, Erasmus und 
Bemhai'd einen Tausch um mehrere Gülten mit seinem Schwager 
Ruprecht Branckher v. Pranckh. Or. 

1561, 24. April, o. 0. — Georg Werth begibt sich mit 
seinem bisher frei besessenen Acker im Purkfelde ob Pols 
unter den Schutz des Judenburger Rathsbürgers Hans Brauch 
als dessen nunmehriger Unterthan und der letztere schirmt 
diesem seinem neuen Unterthan seinen Acker ddo. 1561, 
29. September. Beide Or. 

1 56 7, 23. Mai, o. 0. — Dorothea, des f Judenburger Bürgers 
Hans Gollawitzer Tochter, nun des Judenburger Bürgers und 
Maurers Josef von Camersee Hausfrau, verkauft einen Garten im 
Burgfriede der Stadt Judenburg dem Michael Maier, Bürger 
daselbst. Or. 

1570, 19. Februar, Murau. — Christof v. Liechtenstein, 
Herr zu Murau, oberster Erbkämmerer in Steier und Land- 
marschall in Kärnten, als des Namens der Aelteste und j^ der- 
zeit regierender Herr", belehnt die vier Söhne des verstor- 
benen Franz Gapelhouer, Wolf, Georg, Abraham und Maxi- 
milian mit dem Whmbler- und dem Pambkircherhofe zu St. 
Georgen ob Murau. Or. 

1573, 28. November, Judenburg. — Der Rath dieser 
Stadt verkauft Namens der St Barbara-Bruderschaft daselbst 
dem Rathsbürger Jacob Mayer einen Krautgarten vor dem 
Landthore. Or. 

1585, 31. Jänner, Judenburg. — Georg Bernhard Ursen- 
peckh zu Potschach, Obersterblandstabelmeister in Steier, über- 
läset seinen Thorhof bei Judenburg kaufrechtsweise dem 
Georg Salzmann, Rathsbürger zu Judenburg und Hammer- 
meister im Murboden und Pölsthal. Or. 

1585, 17. Juni, o. 0. — Maria, Tochter des f Juden- 
burger Rathsbürgers Hans Brauch, nun Gattin des Grazer 
Bürgera Christof Lechner, verkauft ihrer Schwester Anna, jetzt 
Hausfrau des Judenburger Bürgers Balthasar Hainricher, einen 
Acker. Or. 

1589, 19. März, Pux. — Hans Sigmund von Greisenegg 
zu Eberstein und Homberg, Erzherzogs Carl von Oesterreich 



I 



— Lxn — 

Truchsess, verkauft seine Güter im salzburgischen Longau 
dem Pfleger zu Werfen, Christof v. Khuenburg zu Khuenegg. 
Or. Concept 

1589, 5. September, o. 0. — Maximilian Gablkhouer ver- 
! kauft seinem Bruder Abraham benannte Gtdten. Or. 

1591, 24. März, Judenburg. — Die Witwe Anna v. Prankh 
geb. Zach schenkt ihrem Sohne Romanus die sogenannte 
Rosenegkhube und einen Weingarten im Teufenpach. Or. 

1592, 1. Jänner, Judenburg. — Balthasar von Pranckh, 
landsch. Rittmeister im Viertel Judenbui^ und Ennsthal, voll- 
zieht mit seinem Vetter Romanus v. Pranckh einen Gülten- 
tausch. Or. 

1594, 24. April, Judenburg im Pranckh'schen Hause. — 
Romanus v. Pranckh schenkt seiner Gemalin Susanna geb. 
TJeberacker, anlas sUch ihrer jüngst stattgehabten Hochzeit, 
anstatt der landes gebräuchigen ihrem Stande angemessenen 
goldenen Kette seine Hube am Roseneckh. Or. 

1595, 10. April, Judenburg. — BalÜiasar Hainricher, 
Rathsbtirger zu Judenburg, überlässt dem Obdacher Bürger 
Michael Huber die Rüdenleiten bei Obdach kaufrechtsweise. Or. 

1595, 18. Juni, Judenburg. — Christof Gablkhouer der 
Mittlere beurkundet seine Verehelichung mit Jungfrau Judith, 
Tochter des kais. Oberhauptmannes zu Kreuz, Jörg Ambros 
Wätnickh und versichert das Heiratsgut seiner Frau und die 
etwaige Witwenversorgung. Or. 

1596, 4. Mai, Judenburg. — Die Brüder von Pranckh 
verabreden sich mit dem Christof Gablkhouer dem Aelteren 
wegen Verkauf ihres Schlosses Rieggersdorf nächst Judenburg. 
Kaufschilling 11.000 fl. und 50 Ducaten. Or. 

1596, 17. December, Judenburg. — Katharina Haydn geb. 
V. Pranckh verkauft dem Walthasar Hainricher, Rathsbürger 
und Handelsmann zu Judenburg, Hammermeister im Pölsthal, 
benannte Herrengülten. Or. 

1597, 10. Mai, o. 0. — Ursula Schaffinann geb. ToDin- 
ger verkauft benannte Herrengülten dem Walthasar Hain- 
richer. Or. 

1597, 29. September, o. 0. — Carl Freih. zu TeufFen- 
bach auf Offenburg etc. belehnt als Gewalts- und Lehensträger 
seiner Gemalin, Freiin Anna, Frau zu Murau, geb. Neuman 
V. Wasserleonburg, den edl und vesten Christof Gabelkhouer 
mit dem zur Herrschaft Murau lehenpflichtigen Hofe zu Rieg- 
gersdorf an der Pols. Or. 

1598, 8. October, o. 0. Wühehn Rauhenperger zu Han- 
feiden verkauft mit Einwilligung der Eigenthümer des Stiftes 



— Lxni — 

zum heil. Geist in Judenbiirg, Adrian und Hans Franz Vet- 
tern y. Greisenegg, dann des gegenwärtigen Sazinhabers dieser 
Stiftung AdatQ v. Gallenberg zum Gallenstein, Erbvogtes zu 
Münkendorf, dem Zeiringer Bürger Walthasar Pühler sein Kauf- 
recht an einem Anger zu Oberwinden. Or. 

1603, 21. Jänner, Graz. — Der steirische Landesver- 
weser Hans Sigmund Wagen v. Wagensperg fordert die Erben 
nach Hans Sigmund v. Greissenegg auf, dem Judenburger 
Rathsbürger Georg Salzman eine Forderung von 212 fl. zu 
bezahlen. Or. 

1606, 12. September, Graz. — Die steierm. Verordneten 
überantworten benannte in Folge von Steuerausständen ge- 
pfändete Unterthanen der Spitalstiftung zum heU. Geist in 
Judenburg, dem Georg Wucherer zu Drasendorf satzweise. Or. 

1607, 13. Februar, Graz. — Erzherzog Ferdinand von 
Oesterreich übergibt die zerrüttete Greisenegg'sche Spitals- 
stiftung zimi heil. Geist in Judenburg dem JesuitencoHegium 
in Graz mit der Widmung der Einkünfte für das Ferdinan- 
deum daselbst Or. 

1607, 11. Mai, Graz. — Der steirische Landesverweser 
Hans Sigmund von Schrottenpach überantwortet benannte 
Gallenberg'sche gepfändete Gülten, den Brüdern Hans, Hör- 
man und Balthasar Hainricher. Or. 

1608, 2. September, Judenburg. — Hans Gtebmhofer zu 
Judenburg verkauft 8 Pfd. Geldes steirischer Herrengült dem 
Rathsbürger Georg Salzmann in Judenburg. Or. 

1609, 10. Juli, Judenburg. — Christof Ruprecht von 
Prangckh zu Poppendorf verkauft dem Christof Gablkhouer 
zu Riegersdorf einen Unterthan zu Dietersdorf. Or. 

1612, 10. Juli, 0. 0. — Paul von Kraussnegg Freih. zu 
Hollnegg und Frauenburg, des verstorbenen Kaisers Rudolf IL 
gewesener Hofkanmierpräsident, gibt die seiner (wahrschein- 
lich pfandweise innegehabten) Herrschaft Frauenburg unter- 
thänige Haselöde am Zizenbach kaufrechtsweise dem Bartlmä 
Zizmayr. Or. 

1616, 24. Jänner, Klagenfurt. — Freih. Christof David 
Ursenpeckh, Landeshauptmann in Kärnten, schenkt seinen mit 
6 Pfd. steirischer Herrengült beansagten Thorhof (Schlösschen 
Heinrichsperg bei Judenburg) den Brüdern Hans und Hennan 
Hainricher, in Anerkennung ihrer dem Geschenkgeber gelei- 
steten Dienste. Or. 

1617, 21. März, Judenburg, — Hans Adam v. Pranckh 
verkauft dem Judenbürger Rathsbürger Emreich Salzmann die 
Gült an der Schindtierhube in der Rastatt. Or. 



— LXIV 



1617, 12. Mai, Judenburg. — Der Rath der Stadt Juden- 
burg gibt Revers über eine mit 300 fl. doürte wohlthätige 
Stiftung der Brüder Hans und Hennan Hainricher. Or. 

1618, 2. Mai, Grosslobming. — Christof Schaffman zum 
Hemerless und Grosslobming verkauft dem Judenburger Bürger 
Emreich Salzmann seine Gült an der Wolfgerhube in Oberweg. Or. 

1621, 9. April, Jndenburg. — Die drei Brüder Wolf 
Adam; Hans Alban und Daniel von Gallenberg zum Gallen- 
stein, Erbvögte zu Minkendorf, verkaufen, um die Schulden 
ihres Vaters bezahlen zu können, sechs benannte Unterthanen 
in der Umgebung von Judenburg dem Herman Hainricher, 
Inhaber der Herrschaft Liechtenstein. Or. 

1621, 18. November, Judenburg. — Christof Friedrich 
Zach zu Lobming verkauft dem Jesuitencollegium in Graz 
einen Acker zu Strettweg. Or. 

1622, 16. Juni, Riegersdorf. — Maximilian v. Gablkhoven 
löst benannte um 2680 fl. versetzte Güter von seinem Vetter 
Christof Gablkhouer zu Riegersdorf wieder ein. Or. 

1626, 24. Februar, Judenburg. — Hans Jacob Putterer 
zum Aigen und auf Liechtenstein verkauft mehrere seiner 
Gülten dem Herman Hainricher von und auf Hainrichsperg. 0. 

1627, 28. Mai, Murau. — Graf Georg Ludwig zu Schwar- 
zenberg, als nach Ableben seiner Gemalin Anna geb. Neumann 
V. Wasserleonburg in Kraft einer Schenkung Eigenthümer der 
Herrschaft Murau, belehnt den Reichart Gabelkhouer mit dem 
Hofe zu Rieggersdorf. Or. 

1628, 27. März, Lobming. — Christof Adam von und zu 
Teuffenpach auf Massweg, Spielberg und Hart bestätigt den 
Brüdern Reichart und Franz Christof v. Gablkhouen ihr Kauf- 
recht an zwei Vogteigründen. Or. 

1628, 10. April, Judenburg. — Der Rath der Stadt Juden- 
burg beurkundet die Erweiterung der im Jahre 1617 durch 
die Brüder Hans (mittlerweile f) und Herman Hainricher ge- 
machten Stiftung per 300 fl., bis auf 1100 fl. durch Herman 
von und auf Hainrichsperg und verpflichtet sich zur Einhaltung 
der Bestimmungen des inserirten Willbriefes. Or. 

1628, 22. September, Judenburg. — Susanna, geb. Praun- 
falckh. Gemahn des Freih. Georg Heinrich von Dietrichstein, 
verkauft 70 Pfd. 4 Seh. 7 '/. Pfen. Geldes ihrer Herrengülten 
in Obersteier dem Herman von und auf Hainrichsperg. Dabei 
das betreffende Urbar. Or. 

1629, 30. März, Graz. — Freih. Hans Friedrich von und 
zu Teuffenbach verkauft 29 Pfd. 21 Pfen. Geldes Herren- 
gülten um Judenburg für 3164 Gulden und 30 Ducaten dem 



— LXV — 

Herman H. von und auf Hainrichsperg. Dabei das betreffende 
Urbar. Or. 

1629, 30. August, Graz. — Kaiser Ferdinand II. belehnt 
die Brüder Reichhardt und Franz Christof Gablkhover mit 
einem Fischwasser an der Pols. Or. 

1629, 30. August, Judenburg. — Philibert Schrantz auf 
Schranzenegg und Forchtenstein verkauft benannte Gülten, 
Alpen und den „schönen Wald'' in Banach für 2240 fl. dem 
Herman Hainricher von und auf Hainrichsperg. Dabei das be- 
zügl. Urbar. Or. 

1630, 28. April, Judenburg. — Sigmund Friedrich Zach 
zu Grosslobming verkauft seine mit 46 Pfd. HerrengUlt bean- 
sagte Kuchelaigengült seinem Vetter Christof Friedrich Zach. Or. 

1630, 20. November, Regensburg. — Kaiser Ferdi- 
nand n. verkündet, dass er sich das Fischereu-echt in der 
Mur von der Thalheimer bis zur Judenburger Brücke als ein 
freies Eigenthum angeeignet und dem Burggrafen zu Juden- 
burg Hörman Hainricher die Inspection über die Fischerei 
anbefohlen habe. Or. 

1637, 5. Juni, Schloss Weyer. — Bürgermeister, Richter 
und Rath der Stadt Judenburg reversiren über eine, nach dem 
eingeschalteten Willbriefe vom gleichen Tage, durch Hörman 
Hainricher von und auf Hainrichsperg zum Weyer, kais. Burg- 
grafen in Judenburg, zu Gunsten verarmter Bürgersleute er- 
richtete Stiftung per 1000 fl. Or. 

1638, 3. September, Judenburg. — Emreich Salzman, 
Rathsbürger in Judenburg, verkauft dem Hermann Hainricher 
von und auf Hainrichsperg benannte Gülten. Or. 

1640, 12. December, Schloss Weyer. — Der Rath der 
Stadt Judenburg gibt über eine weitere, mit 600 fl. zu Gun- 
sten verarmter Bürgersleute aus Judenburg dotirte Stiftung 
des Judenburger Burggrafen Hörman Hainricher von und aiä 
Hainrichsperg Revers. Or. 

1641, 1. März, Graz. — Hans Ernst der Aeltere Freih. 
von Pranckh auf Pux, verkauft der Frau Maria Elisabeth von 
Pranckh geb. Zehetner einen Weingarten zu Neudorf. Or. 

1642, 8. Februar und 1644, 1. August, Schloss Weyer, — 
Hörman Hainricher von und zum Hainrichsperg etc. überlässt 
das Kaufrecht an benannten Gründen dem Georg Hueber, 
derzeit Bürgermeister zu Judenburg. Beide Or. 

1648, 18. April, o. Ö. — Anna Weger geb. Hainricher 
am Passhammer, verkauft ihrem Bruder Hörman Hainricher 
etc. 2 Pfd. Herrengülten. Or. 

1 649, 3. Mai, Passhof. — Anna Weger, geb. Hainricher, 

MittheU. d. htot. Yarciu f. Bt«lennark. XZII. Heft« 1814. E 



I ■ 



_ LXVI — 

verkauft dem Hauptmanne Mathias Pölchinger zu Waschhofen 
ihr freieigenthttmliches Gut Passhof sammt dem Hammer, der 
Mühle und Säge etc. für 1700 fl. und 10 Ducaten. Or. 

1650, 12. April, Judenburg. — Der Rath der Stadt 
Judenburg beurkundet den Empfang von 500 fl., welche der 
t Judenburger Burggraf Hörman Hainricher von und auf Hain- 
richsperg zu einem Gottesdienste in der durch ihn erbauten 
Capelle bei der Pfarrkirche gestiftet hat, welchen Betrag nun 
die Schwester und Allodialerbin, Frau Salome Pagge, geb. 
Hainricher, erlegte. Or. 

1651, 17. Juli, Weyer. — Johann Hainricher von und auf 
, Hainrichsperg zum Weyer, Pagge genannt, kais. Bath und 

Burggraf zu Judenburg, als in dem Fideicommiss-Testamente 
ddto 28. Jänner 1646 eingesetzter Erbe seines f Vetters 
Hörman Hainricher von und auf Hainrichsperg zum Weyer, 
kais. Burggrafen zu Judenburg — überantwortet eine von dem 
letzteren der Barbara Philippitsch geb. Pagge (Schwester des 
Ausstellers) vermeinte Hube, der Beschenkten. Or. 

1652, 14. August, Prag. — Kaiser Ferdinand HI. schenkt 
seinem Rathe und Burggrafen zu Judenburg, Johann Hain- 
richer von und auf Hainrichsperg zu Weyer, Pagge genannt, 
eine bisher kais. Jagd in dem Bezirke der Herrschaft Weyer. Or. 

1652, 31. December, o. 0. — Urbar über 30 Pfd. Her- 
rengült in Obersteier, welche Frau Sidonia Vegelin geb. Mayr, 
Witwe zu Pichelhofen, dem Judenburger Burggrafen Johann 
v. Hainrichsperg-Pagge verkauft hat Or. 

1653, 26. April, Weyer. — Die Bruderschaften der Stadt- 
pfarrkirche zu Judenburg vollziehen mit dem Johann von Hain- 
richsperg einen Gültentausch. Or. 

1655, 19. August, 0. 0. — Hans Georg Moser von imd 
zum Münzgraben verkauft dem Freih. Zacharias v. Gabel- 
khoven zu Riegersdorf eine Gült. Or. 

1657, 2. März, Weyer. — Johann Hamricher von und 
auf Hainrichsperg etc. begabt die Frau Magdalena Liscutin in 
Judenburg mit benannten Grundstücken. Or. 

1657, 28. October, Neumarkt. — Wolf Andrä v. Pichl, 
kais. Einnehmer zu Neumarkt, verkauft dem dortigen Raths- 
bürger Gregor Aeckherl benannte Besitzungen in Neumarkt Or. 

1660, 21. December, St Oswald ob Pols. — Die Zech- 
leute der St Wolfgangs -Bruderschaft zu St Oswald in Ober- 
steier, verkaufen ihre schon nahezu 100 Jahre verpfändeten 
28 Pfd. Herrengülten dem edlen Johann Paris von Rehlingen 
zum Goldenstein. Or. 

1662, 5. November, Passhammer. — Mathias Pölchinger 



— Lxvn — 

am Passhammer, Hauptmann, tlberlässt dem Sensenschmied 
Hans Moser ein Haus am Passhammer kaufirechtsweise. Or. 

1665, 16. Juni, Schloss Eppenstein. — Gregor Ignaz v. 
Sidenitz, Edler Herr zu Eppenstein etc., und Johann v. Hain- 
richsperg etc. verwechseln benannte Gülten. Or. 

1666, 24. März, o. 0. — Reichardt v. Gablkhoven zu 
Rieckersdorf begabt den derzeit. Stadtrichter zu Judenburg, Adam 
Ferdinand Felber, mit dem Kaojfrechte auf drei Aecker. Or. 

1667, 27. April, Riegersdorf. — Die Schwestern Anna, 
Maria und Johanna Margaretha v. Gabelkhoven überlassen 
ihrem Vetter Zacharias Freih. v. Gabelkhoven ihre Antheile 
an dem Gute Riegersdorf geschenkweise. Or. 

1670, 20. März, Schloss Weyer. — Der Judenburger 
Rathsbürger und Maurermeister Mathes Leuthner, überlässt 
sein Kaufrecht auf einer Keusche im Purbache dem Sebastian 
Rützmayr, Flossmeister zu Judenburg. Or. 

1676, 22- Juli, Graz. — Die Witwe Sophia Eleonora 
Freiin Schätzl, geb. Freiin v. Eibiswald, verkauft ihren er- 
erbten Antheil an der Herrschaft PurgstaQ der Marie Eleonora 
Freiin v. Eibiswald, Gemalin des Grafen Otto Wilhelm v. 
Schrottenpach, für 6500 fl. Or. 

1679, 22 Jänner, Graz. — Sidonia Constantia Freün v. 
Gabelkhoven, geb. Freiin v. Prankh, vergleicht sich mit ihren 
drei Söhnen Johann Seifrid, Georg Christian imd Johann Za- 
charias hinsichtUch ihrer Witwenansprüche. Or. 

1688, 6. Mai, Judenburg. — Johann Christof Lischkutin, 
kais. Hof handelsmann und Tabakpächter in Graz, verkauft dem 
Fräulein Maria EUsabeth Gräfin v. Gleispach sein Kaufrecht 
an einer Keusche sammt Garten in Judenburg. Or. 

1690, 21. Juni, Graz. - Kaiser Leopold I. belehnt den 
Freih. Johann Seifried von Gabelkhoven mit einem Fischwasser 
im Pölsflusse. Abschr. 

1690, 20. September, Graz. — Kaufsabrede über vom 
Zacharias Freih. v. Gablkhoven seinem Bruder Johann Sei- 
fried verkaufte 28 Pfd. 5 Schil. 20 Pfen. Herrengülten in 
und um Neumarkt. Or. 

1697, 20. Jänner, Wien. — Heiratsabrede zwischen dem 
Freih. Johann Seifried v. Gabelkhoven und der Maria The- 
resia Freiin v. Gienger. Or. 

1707, 8. April, Riegersdorf. — Vertrag zwischen Johann 
Zacharias und Johann Philipp Anton Freih. v. Gabelkhoven, 
vermöge welchem ersterer dem letzteren das Gut Riegersdorf 
gegen Vorbehalt lebenslängUcher Versorgung am Schlosse 
übergibt Or. 



— Lxvm — 

1711, 27. März, Judenburg. — Johann Sigmund Zach 
zu Grosslobming, Yarrach und Ainödt, verkauft aus seinen 
EuchehugengUlten mehrere Unterthanen dem Moriz Anton von 
und zu Mosshardt auf Dttmberg. Or. 

1717, 26. Juni, Judenburg. — Urbar über c. 61 Pfd. 
Herrengülten, welche die Witwe des Freih. Raimund v. Reh- 
lingen an den Freih. Johann Franz v^ Königsbrunn ver- 
kaufte. Or. 

1724, 1. Juli, Graz. — Johann Filipp Anton Graf von 
Gabelkhoven verkauft dem Georg Balthasar Grafen v. Chri- 
stallnigg ein Haus in Elagenfurt Or. 

1729, 27. JSnner, Seckau. — Franz Albrecht Zach zu 
Grosslobming, Yarrach und Ainödt, überlässt einen Untorthan 
seinem Yetter Freih. Moriz Anton von und zu Mosshardt Or. 

1730, 8. August, Herrschaft liechtonstein. — Johann 
Franz Freih. v. Königsbrunn, Herr auf Liechtenstein, verleiht 
dem Jacob Setznagl die Kollerhube in Niederwölz. — Weiters 
an demselben Tage dem Baron Kainbach'schen Mautheinnehmer 
zu Zeiring Ben^iard Reicher benannte Gründe bei Unter- 
zeiring kaufrechtsweise. Beide Or. 

1734, 31. März, Herrschaft Murau. — Eieonora Amalia, 
verw. Fürstin zu Schwarzenberg, geb. Fürstin zu Lobkowitz, 
als Yormünderin ihres Sohnes, Erbprinzen Josef Adam zu 
Schwarzenberg, Herzogs zu Crumau, belehnt den Grafen Jo- 
hann Philipp Anton von und zu Gabelkhoven mit dem zur 
Herrschaft Murau lehenpflichtigen Hofe zu Biegersdorf an der 
Pols, Pfarre Fohnsdort Or. 

1736, 20. August, Weyer. — Die Grafen Carl, Ignaz, 
Anton und Josef von und zu Hainrichsberg, Herren der Herr- 
schaften Weyer, Spielberg, Rottenbach und Neudorf, verleihen 
dem Elias Weinmeister benannte Wiesen nächst Möderbruck. Or. 

1758, 8. April, Weyer. — Anton Josef Yictorin und Franz 
Josef Grafen v. Hainrichsperg etc., beide kais. Hofkriegsräthe, 
verleihen dem Herrn Johann Dival und seiner Hausfrau Mag- 
dalena einen Garten sammt Keusche in Judenburg kaufrechts- 
weise. Or. 

1762, 19. Juni, Marburg und Graz. — Yertrag zwischen 
Anton Seifried Freih. v. Mosbard und Franz Anton Freih. v. 
Königsbrunn, vermöge welchem ersterer dem letzteren die 
sogenannte Kuchelaigengült in Obersteier um 2500 fl. ver- 
kauft;. Or. 



— LXIX 



O* Für cito Kunst- und A.ltert1iiims-Sainiii1un|2f. 

1122. Porträtbild des steierm. Dichters Johann Georg Fel- 
linger. Gekauft. 

1123. Vierzehn Stück Münzen aus der Römerzeit. Geschenk 
des Herrn Adolf E o f 1 e r, k. k. Hofweinlieferanten und 
Bealitätenbesitzers in Pettau. 

1124. Ein Richtschwert der ehemaligen Herrschaft Eothenfels. 
Geschenk des Herrn Schullehrers Johann Krainz in 
Oberwölz. 

1125. Zwei kleine Silbermünzen auf die dem Kaiser Fer- 
dinand I. 1837 dargebrachte Huldigung in Siebenbürgen 
und die 1838 stattgehabte Krönung in Mailand. Geschenk 
des Herrn Franz Tiefenbacher, pens. k. k. Finanz- 
beamten in Fehring. 

1126. a) Zwei Holzversteinerungen von Eichen- und Erlenholz, 
gefunden 1872 zu Hochgrasnitz in den windischen Bü- 
heln; b) eine in Eisen gegossene Miniaturbüste des 
Kaisers Franz von Oesterreich ; c) ein Cameol mit ein- 
gravirter Rose und der im Halbbogen darüber ange- 
brachten Inschrift „LAMOIJR" ; d) 20 Stück verschie- 
dene Siegelstöcke und Petschafte. Geschenke des Herrn 
Anton Meixner, Caplans in St. Veit am Yogau. 



Beriehligong. 

In der Üebersicht der Einnahineii und Ausgaben für das Jahr 1873, 
S. XXXIV und XXXY wurden bei den Ausgaben für Publicationen, die 
Ziffern der Summe Terwechselt; letztere ergibt sich bei Addition der 
einzelnen Posten mit 1454 fl. 12 kr., die Totalsumme der Ausgaben dann 
mit 2347 fl. 84 kr. 



\ 



B. 



Abhandlungen. 



— 3 — 



Die Verkehrsbezieliunpn der Stadt Leoben 

zu den 

westlichen Alpenländern 

vom 10. bis zum 19. Jahrhunderte.' 

Von 

Dr. H. J. Bidermetnn. 



Yieljähriger Aufenthalt in Tirol hat mir Gelegenheit 
verschafft, in dortigen Archiven nach Spuren der Handelsbe- 
ziehungen zu forschen, welche zwischen Steiermark und den 
westlichen Alpenländern in früheren Jahrhunderten bestanden. 
Den Antrieb zu dieser Nachforschung empfing ich durch die 
Erinnerung an das Land, in dem ich nun wieder lebe und das 
ich zuerst als Student, dann wieder während der Mussestunden 
meines lehramtlichen Tirociniums kennen und schätzen gelernt 
hatte. So oft mir bei meinen tirolischen Archivstudien auf 
Steiermark Bezügliches unterkam, notirte ich es mir, ohne seiner 
Verwendung sicher oder auch nur darüber mit mir selber im 
Klaren zu sein. Dieser YorUebe verdanke ich die Möglichkeit, 
heute der Stadt zu Ehren, in welcher der historische Verein 
für Steiermark seine erste Wanderversammlung abhält, aus 
fernab liegenden QueUen Geschöpftes als Tribut, den die Wissen- 
schaft ihrer Vergangenheit zollt, zu verkünden.*) 

Mein Bericht hat, wie sich bei Leoben von selbst ver- 
steht, zumeist das Eisen zum Gegenstatid. 

Das Eisen ist der unentbehrliche Behelf, mit dessen Hilfe die 



* Nachstehendes wurde mit üebergehung von Einzelnheiten in der 
Sitzung des historischen Vereines für Sieiermark, welche dieser im 
October 1878 (anlässlich seiner ersten Wanderversammlung) in 
Leoben hielt, vorgetragen. 



MltthaU. d. hM. Yerciiu f. Steleraartc. XXU. Heft, 1874. 



— 4 — 

Menschheit das Gebäude ihrer heutigen Civilisation, Künste und 
Wissenschaften nicht ausgenommen, aufgebaut hat und wo- 
durch sie dasselbe erhält; es ist das wirksamste Mittel, rohe 
Völker ftlr die Segnungen der Kultur empfänglich zu machen 
und zwar nicht sowohl durch gewaltthätige Anwendung, als viel- 
mehr durch Hintanhaltung der beständigen Noth, 
mit der solche Völker, so lange ihnen der Gebrauch des Ei- 
sens versagt ist, ringen, welcher Kampf eben ihre Rohheit be- 
dingt; es vermittelt die Verkörperung von Gedanken, die im 
Kriege wie im Frieden von der grössten Tragweite, ja epoche- 
machend sind; es fixirt Erfindungen (und ist deren Träger), 
ohne welche die Welt zur Stunde kaum halb so mächtig, kaum 
halb so reich wäre, als sie ist; sein Verbrauch gibt einen 
Gradmesser für das wirthschaftliche Gedeihen der Völker ab ; 
seme Hervorbringung überragt an Bedeutung die jedes anderen 
Metalles (schon als deren natürliche Voraussetzung und vennöge 
der grossen Anzahl Menschen, welche sie beschäftiget); der 
Handel damit kommt sonach Bedürfhissen entgegen, welche zu 
den wichtigsten nicht nur, sondern auch zu den edelsten zählen, 
nach deren Befriedigung die Menschheit sich sehnt ^). 

Eine Stadt, welcher gerade dieser Handel zu einer Be- 
rühmtheit verhalf, wie wenige Handelsplätze in der Vorzeit 
sie genossen, darf stolz sein auf diese ihre Stellung im Welt- 
verkehr und das Bewusstsein davon mag Alle durchdringen, 
welche — sei es als femblickende, scharf calculirende Han- 
delsherren, sei es als gewissenhafte, berufeeifrige Ge- 
nossen und Diener — das grosse Werk vollbringen oder 
deren Voreltern es vollbrachten. Nicht minder darf sich freilich 
auch der Berg- und Hüttenmann seines massgebenden An- 



*) Käber ausgeftihrt und mit Beispielen aus der Gheschichte aüer Zeiten 
belegt Bind diese Gedanken in der Bro schüre des Dr. E. Schweick- 
hardt: „Das Eisen in histor. und national-Ökonom. Beziehung", 
Tübingen 1841. Vgl. auch Prof. Mi schler's Werk über das deutsche 
Eisenhüttengewerbe, die yon Fr. G. Winck herausgegeb. Deutsche 
Gewerbs-Zeitung, 17. Jahrg. (1851), S. 255 und Zippe's Ge- 
schichte der Metalle S. 142—144. 



ML. 



— 5 — 

thefles an dem Ruhme freuen, den die Stadt Leoben sich erwarb. 
Ohne i h n hätte der hiesige Eisenhandel nie erblühen können. 
Aber ebensowenig hätte ohne diesen Handel er in Leobens 
Umgegend ein lohnendes Feld der Thätigkeit und opferwillige 
Gönner seines geistigen Fortschrittes gefunden. 

Das ist der — nicht neue — Standpunkt, von welchem 
aus ich den geschichtlichen Rückblick wage, der das soeben 
Gesagte rechtfertigen, mindestens es erläutern und durch Bei- 
spiele, die keine Gemeinplätze sind, verdeutlichen soll 



Vergegenwärtigt man sich die Gebirgsreihen, durch welche 
das Innthal von den Thälem der Mur und der Enns 
geschieden ist, kennt man den weiten Umweg, welchen schwere 
Frachtfuhren vor der chausseemässigen Herstellung der Pass- 
thum-Strasse einschlagen mussten, um aus diesen beiden Thälem 
ins Innthal zu gelangen, so ist man von Vorne herein gewiss 
nicht geneigt, einen in den Beginn der neueren Zeit zurück- 
reichenden, regen Verkehr zwischen jenen Gegenden auch 
nur als mögUch vorauszusetzen. Und doch bestand ein solcher 
im 16. Jahrhunderte bereits. Er bestand nicht nur der natürlichen 
Hindemisse ungeachtet, sondern auch trotz den mannigfachen 
Erschwerungen, welche Stappel- und sonstige Vorkauferechte 
Mauthschranken und s. g. Widmungssysteme ihm bereiteten. 

Freilich hinderten derlei Einrichtungen nicht allein den 
fraglichen Handelszug. Der Vertrieb des kärntnischen 
und des innerbergischen Eisens kämpfte mit den gleichen 
Schwierigkeiten und die dadurch geschaffenen widernatürlichen 
Verhältnisse waren es eben, welche dem Leobner (oder Vor- 
deraberger) Eisen den Weg nach Tirol bahnten, das naturge- 
mäss mit dem Ankaufe dieses Artikels an Kärnten als an das 
unmittelbare, durch's Pusterthal leicht zugänghche Nachbarland 
gewiesen ' war. — Das kärntnische Eisen durfte nämlich bis 
zu den Tagen Kaiser Joseph's H. blos in südlicher Richtung 
über die Grenzen des Landes hinaus abgesetzt werden. Der 
Ausgang durch's Pusterthal und auf den paralell laufenden. 



— 6 — 

nach Tirol fahrenden Gebii^wegen war ihm so gut verwehrt, 
als dem innerbergischen Eisen der Absatz südlich, östlich oder 
westlich vom steiermärkischen Erzberge. 

Diese Absatzgebiete waren vielmehr (mit geringer Aus- 
nahme) dem Leobner Eisen reservirt, das nach Tirol entweder 
ttber Aussee, Ischl, Salzburg, Reichenhall und Wörgl, sodann 
den Inn entlang aufwärts oder (um der verbotenen Concur- 
renz mit dem kärntnischen Eisen, dessen Hauptstappelplatz 
vom 15. Jahrhundert herwärts St. Veit war, auszuweichen) 
über Murau, Tamsweg, den Katschberg, Gmünd, Sachsenburg, 
Greiffenburg und Oberdrauburg , ausnahmsweise wohl auch 
durch's MöUthal, gelangte. 

Der Ausgangspunkt dieses Handels war, wie gesagt, d i e 
Stadt Leoben, welche dies ursprünglich allerdings weniger 
der Rührigkeit ihrer Bürger als vielmehr der Gnade des Lan- 
desfürsten verdankte. Denn durch eine vom österreichischen 
Herzoge Friedrich HI. getroffene Verfügung ) erhielt die Stadt 
das Recht, alles in Vordemberg erzeugte, für WäUischhämmer 
geeignete Roheisen an sich zu ziehen und an die Hammer- 
meister sowohl, als an die Eisenhändler zu verkaufen. Dasselbe 
durfte die Strasse über Rottenmann erst dann einschlagen, 
nachdem die Leobner vom Zwischenhandel ihren Gewinn ge- 
zogen und die Erlaubniss zur Verfrachtung in dieser Richtung 
ertheilt hatten, wo es blos an dem in der Murauer Gegend 
erzeugten Eisen einen Concurrenten hatte. Daher begegnen 
wir dem Vordernberger Eisen allenthalben unter dem 
Namen des Leobner. Wenn nun gleich diese Bezeichnung 
der Stadt eine Berühmtheit verschaffte, auf welche sie vor- 
mals nur als privilegirte Vermittlerin Anspruch hatte, so fiel 
ihr doch die eben erwähnte Rolle nicht ohne vorgangiges Ver- 
dienst zu; die ihr erwiesene Gnade der Landesfürsten war 
kein unmotivirtes Geschenk, kein Ausfluss autokratischen Be- 
liebens. Die Stadt übernahm, indem sie besagtes Recht an- 



2) Zuschrift an die von Trofaiach und Vorderuberg ddo. Graz, 12. Mär« 
1314. (Abschrift im steierm. Landes* Archive.) 



— 7^ — 

trat, oder wenigstens bald nachher den Vordemberger Schmelz- 
werksbesitzem gegenüber, welche späterhin Badmeister hiesseni 
gewisse Verpflichtungen. Die Erfüllung dieser setzte ein nam- 
haftes Vermögen, Pünktlichkeit und Umsicht voraus. Die Roh- 
produzenten sollten der Sorge für den Absatz überhoben, stets 
Yorschussweise mit hinreichendem Betriebskapitale versehen 
und durch raschen Vertrieb ihrer Erzeugnisse zu beharrlicher 
Ergänzung der Vorräthe ermuntert werden. Schon das in die 
Leobner Bürgerschaft diesfalls gesetzte Vertrauen.beweist, dass 
der Begünstigung, die es derselben eintrug, ein achtenswerthes 
Streben voranging, aus dem der echte kaufmännische Sinn zum 
Frommen aller Betheiligten sich entwickelte. 

Es geschah nicht ohne Anwendung dieses Sinnes, dass 
mit Anfang des 16. Jahrhunderts das Leobner Eisen 
in Tirol das böhmische, oberbaierische und fränkische oder 
vielmehr die hieraus verfertigten Werkzeuge und Waffen ver- 
drängte. Die „Passbriefe*', welche in den mit „Entbieten und 
Bevelch'' überschriebenen Eopeibüchem des tirolischen Statt- 
halterei- Archivs erhalten sind, weisen schon für das Jahr 1513 
einen im October des vorhergehenden Jahres von der tiroli- 
schen Kammer verfügten Bezug von 485 Säm Eisen aus Leoben 
nach. Diese Quantität, in deutschen Gentnem ausgedrückt deren 
1087 Vi, war für's Innsbrucker Zeughaus, die dortige „Plattne- 
rei** (d. h. Hamischschmiede) und für das dortige Hauskam- 
meramt des Landesfürsten bestimmt In späteren Jahren er- 
scheint auch die Haller Saline unter den mit Leobner Eisen 
bedachten landesfürsflichen Anstalten. Die bezogene Menge 
schwankte von Jahr zu Jahr. So betrug sie 1518: 280, 1521 : 
188, 1522: 143, 1523: 675 Säm. Im letzgenannten Jahre 
bezifferte sich der Bedarf der Haller Saline allein auf 125 
Säm = 312% Ctr. „allerlei Eisens"; dem Innsbrucker Zeug- 
hause wurden 350 Ctr. Kugehi uad 200 Ctr. Stabeisen zuge- 
führt Vom Jahre 1530 an sank die Bedarfiszififer , alle In- 
stitute zusammengenommen, nicht mehr unter 500 Säm, nach- 
dem sie im Jahre 1 528 wegen Herstellung einer neuen Pfanne 
im Haller Salzsudhause, wozu 403 Säm benöthiget wurden, 



^ /^■' ^ 



— 10 — 

verarbeitet ward. Tirol selber dagegen lieferte in älterer 
Zeit so wenig Eisenwaare, dass kaum ein paar kleine Bezirke 
der Zufuhr entbehren konnten. Eisenerz ward zwar im frühen 
Mittelalter auf dem Berge Malegnon zwischen Folgaria und 
Vicenza, zu Fursill im Grödnerthale, bei Orsana im Sulzberge 
und im Unterinnthale bei Wattens gegraben. Doch aberdauerte 
keiner dieser Bergbaue das 1 5. Jahrhundert und die Ausbeute 
war nie eine namhafte. Die an ihre Stelle getretenen Unter- 
nehmungen zu Predazzo im Meimserthale und zu Buchenstein, 
wo der Brixner Bischof als Landesherr eine Zeit lang das 
nach dem Wappen seiner Kirche Ferro d'Agnello benannte 
Roheisen erzeugen liess, gelangten so wenig, als das Eisen- 
bergwerk im Thale Primör, womit Kaiser Ferdinand I. 1550 
den Ritter Simon Botsch belehnte, zu nachhaltiger Blüthe; 
das letztgenannte schon desshalb nicht, weil Erzherzog Ferdi- 
nand von Tirol, als er im Jahre 1 568 dessen Verkauf an den 
Freiherm Christof von Welsperg ratificirte, dem neuen Besitzer 
ausdrückUch zur Pflicht machte, das gewonnene Eisen nur nach 
Venedig und sonst in's italienische Ausland, überhaupt in Gre- 
genden abzusetzen, „wo es dem Leobnischen Eisen an 
dessen Ausgang keinen Schaden bringen mag^ ^. 

Die landesfürstliche Kammer zu Innsbruck, auf deren 
Antrag ohne Zweifel diese Beschränkung verhängt wurde, liess 
es auch an sonstiger Rücksichtnahme auf die steiermärkische 
Eisenproduction nicht fehlen. 

So verwendete sie sich unterm 6. October 1597 beim 
Erzherzoge Ferdinand, dem damaligen Beherrscher Inneröster- 
reichs, um Nachsicht zu Gunsten des Hammerwerksbesitzers 
Wolfgang Hertz zu Leoben, damit dessen Hammer von der 
drakonischen Unterdrückung ausgenommen werde, welche der 
Erzherzog damals in Ansehung aller Hammerwerke zu Leoben 
und 5 — 6 Meilen im Umkreise um diese Stadt verfügt hatte, 
um das von denselben consumirte Holz den Radgewerken zu- 



^ Bezüglich des hier über die tirolische Eisenindustrie der Vorzeit Ge- 
sagten verweise ich auf y. See gor's oben citirte Abhandlung. 



i 



— 11 — 

zuwenden. Aus dem bezüglichen Schreiben der Innsbrucker 
Kanuner ') erfahren wir , dass Hertz seit 30 Jahren Lieferant 
des Bedarfes der Hailer Saline an steiermärkischem Eisen war. 
Jüngst erst hatte die Kammer den Lieferungsvertrag mit ihm 
auf weitere 5 Jahre erneuert und zwar über ein jährliches 
Quantum von 700 SäUL Der Betrieb der Saline, sagt die 
Kammer, käme in Aufliegenheit, wenn der Erzherzog das frag- 
liche Hammerwerk nicht fortbestehen hesse. 

Den Transport besorgte damals der „oberste Eisenhandels- 
Verwalter" Augustin Eyperger. Wenige Jahre später, im April 
1603, begegnen wir in den Acten des tirolischen Statthalterei- 
Archives der zu Kaufbeum (zwischen Augsburg imd Reutte in 
Tirol) ansässigen Firma „Mathias Precheler tmd Mitverwandte" 
als Vermittlerin bei Deckung jenes Bedarfes. Die Salinenver- 
waltung zu Hall schickte sich eben an, Versuche mit neuen 
Sudpfannen zu machen, welche freilich gar kläghch verliefen ''), 
und benöthigte dazu eine riesige Menge Eisen. Jene Firma 
übernahm die Beistellung u. z. „allerlei Eisens: kleiner und 
grosser Flammen, Stabeisens, Stahl, Thürpleche u. s. w.", je- 
doch „allein aus Teutschen Hämmern, als von Rotenmann vnd 
den Hammerwerken daselbst". Noch war indessen seit dem 
Abschlüsse des Lieferungsvertrages kein Jahr verflossen, als 
dieselbe bei der Innsbrucker Kammer um eine Aulbesserung 
der Lieferungsbedingnisse ansuchte, weil der Preis des steiri- 
schen Eisens inzwischen gestiegen, auch der Fuhrlohn theurer 
geworden und manche andere Auslage gewachsen sei, so dass 
die grosse Kapitalsanlage, welche in dem Eisenhandel steckt, 
ihr fast keinen Zinsengenuss mehr gewähre. Die Vergünsti- 
gung, welche sie sich ausbat, bestand in der beim Kaiser zu 
erwirkenden Erlaubniss, zu jeder Linzer Messe den Eisenmaga- 
zinen der Stadt Steyer gegen diejenige Bezahlung, welche an- 
dere ausländische Handelsleute dafür leisten, 800 Ztr. Stahl 



T) „MisBiven am Hof« im tirol. Statth.-Arcli., Jhrg. 1697, S. 277. 

^) Ghmel, Oesterr. Geschichtsforscher, IL Bd, 2. Hft, 8. 338. Vgl. 
Guarinoni's „Gräuel der Verwüstung", S. 372. 



— 12 — 

und Eisen entnehmen zu dürfen. Und in der That befürwortete 
die Innsbrucker Kammer dieses Anliegen '') ; ein Beweis, wie 
viel ihr an der Zuhaltung des Vertrages lag, zugleich aber 
auch eine Andeutung, dass die Eisenhändler der Stadt Leoben 
zu Anfang des 1 7. Jahrhunderts durchaus nicht die alleinigen 
Gebieter auf dem tirolischen Eisenmarkte waren, sondern den 
Erlös filr das, was sie dahin absetzten, zum Theile wenigstens, 
der Ueberlegenheit ihrer Concurrenz, beziehungsweise der 
Vortrefiflichkeit des Vordemberger Eisens verdankten. 

Weitere Belege hiefür bietet das Innsbrucker Stadt- 
Archiv. Zu meiner nicht geringen (Jeberraschung fand ich 
dort ein Actenconvolut, welches weitläufige Verhandlungen über 
die Zulassung des Leobner Eisens in Tirol enthält *°). 

Damach herrschte hier im Jahre 1624 empfindlicher 
Mangel an brauchbarem Eisen. Zwar existirte nun seit Kurzem 
ein Eisenschmelzwerk zu Kleinboden am Fusse des St Pan- 
krazenberges, unweit Fügen, also nahe am Eingang in's Ziller- 
thal, und es scheint, dass diesem Unternehmen zu Liebe da- 
mals die Einfuhr des Eisens über die Grenzen Tirols sogar 
einem hohen Zolle unterlag. Allein gerade in dieser vernunft- 
widrigen Fürsorge lag auch bereits das Geständniss, dass mit 
dem Zillerthaler Schmelzwerke dem Lande wenig gedient seL 
Schon auf dem Landtage vom Jahre 1619 beschwerten sich 
die Stände Tirols über die Sperre der Eisenzufuhr aus Kärnten ^ % 
womit nicht etwa die Zufuhr kärntnischen Eisens, sondern 
die des steiermärkischen, das von Murau über Tamsweg und 
durch Kärnten ging, gemeint war. Und wenn auch der « Ziller- 
thaler HandeP die ärarischen Industrieanstalten um einen 
Gulden per Saum billiger, als es von Leoben aus geschah, mit 
Stahl und Eisen zu versehen sich erbot, so genügte doch 
seine Erzeugung kaum diesen, geschweige denn, dass sie nach 



') „Missiven an Hof^, Jhrg. 1608, S. 230. 

<<>) Es trägt die Signatur: I. Abth. Nr. 872 und begreift auch als Bei- 
lage die Nummer 464, so wie den Fascikel 872 Vt in sich. 

<>) Hist Statist Archiv fllr Süddeutschland, H. Bd. (1808), S. 328. 



— 13 — 

Qualität und Quantität dem Begehr der Privatindustrie des 
Landes entsprochen hätte. Die sich mehrenden Klagen bewo- 
gen die oberöster. Regierung zu Innsbruck, welche Behörde da- 
mals die Landespolizei handhabte, mittelst eines unterm 1 0. Oc- 
tober 1624 an alle Obrigkeiten Tirols gerichteten Rundschrei- 
bens Erkundigungen über die Grösse des Bedarfs anLeobner 
Eisen einzuziehen. Vorher schon hatte sie den Statthalter von 
Innerösterreich um Aushilfe angegangen und von diesem die 
Antwort erhalten: es könne nur durch Leobner Eisen die 
Noth gelindert werden. Welche Bedarfismengen von den Obrig- 
keiten einberichtet wurden und was zunächst verfügt wurde, 
um diesen Wünschen Rechnung zu tragen, ist mir nicht be- 
kannt Ich weiss nur aus anderer Quelle, dass im Vmtschgau 
der Jammer anhielt ^'). 

Trat auch vorerst eine Milderung der Prohibitivmassregeln 
ein, welche das Uebel verschuldeten, so kehrte die Regierung 
doch bald wieder zu dieser verfehlten Wirthschafts - Politik 
zurück. Ein Rundschreiben vom 9. October 1664 verpflichtete 
alle tirolischen Eisenhändler, zwei Drittheile ihres Be- 
darfs beim Zillerthaler Eisenwerke einzukaufen, dessen 
Besitzer, der o. ö. Regierungsrath Joh. Karl Fieger, Freiherr auf 
Friedberg, erklärt hatte, das Werk auflassen zu müssen, wenn 
ihm nicht solcher Gestalt unter die Arme gegriffen würde. 
Dem wollte sich kein Eisenhändler fügen. Die Stände baten 
den Kaiser Leopold auf dem Huldigungs-Landtage von 1665, 
Fieger's Privatvortheil den Forderungen des Gemeinwohles 
unterzuordnen und Jedem, der Eisen braucht, zu gestatten, 
dass er es sich dort hole, „wo man selbiges am Besten und 
Nutzbarlichsten bekommen kann** ^ '). Der Magistrat der Stadt 
Innsbruck remonstrirte dagegen unterm 17. Oktober und 
27. November 1665. In seinen Vorstellungen betonte er na- 
mentlich, dass das Leobner Eisen, gegen dessen Einfuhr 



<^) Ephraim Kofi er, handschfU. Gesch. von Gdflan in der tiroliscnen 
Musealbibliothek, III. h. 32. 

*') Acten im Archive der Tiroler Landschaft 



.rr 



— 14 — 



jenes Mandat die Spitze kehre, trotz der weiten Fracht um 
1 fl. 40 kr. per Saum billiger zu stehen komme, als das merk* 
lieh schlechtere ZDlerthaler Product Die Regierung hatte mittler- 
weile zu Hall eine Niederlage für letzteres in's Leben gerufen, 
aus welcher der Gentner zum Preise von 15 fl. 40 kr. be- 
zogen werden konnte. Allein Niemand beruhigte sich dabei. 
Erst im Wege der Abfindung gewann Fieger Abnehmer und 
gelangte so jener Regierungsbefehl theilweise zum Vollzüge. 
So liessen sich Andrä Pranger und Karl Aschauer, die hervor- 
ragendsten Metallhändler Tirols, mit Beginn des Jahres 1666 
herbei, jährhch 1800—2000 Säm Zillerthaler Eisen käuflich 
unter der Bedingung zu übernehmen, dass sie daneben jähr- 
lich 600 — 800 Säm ausländisches (das wül sagen: steiermar- 
kisches) Eisen m Verschleiss bringen durften. 

Während dies m Tirol vorging, säumten auch die drei 
Vordemberger „Eisenglieder", wozu die Stadt Leoben als Ver- 
leger des Vordemberger Eisens gehörte, nicht, ihr gekränktes 
Interesse zu wahren. Doch richteten sie vorerst wenig aus. Der 
Konflikt zog sich mehr als 20 Jahre lang hin. Als un Jahre 
1678 der zu Leoben ansässige Freiherr Viktor von Prandtegg 
um die Erlaubniss einschritt, durch 5 Jahre jährlich 400 Ctr. 
Leobner Eisen in's Unterinnthal zu freiem Verkaufe importiren 
zu dürfen, ward ihm dies rundweg abgeschlagen. Wie wenig 
tröstlich auch derartige Bescheide für die steiermärkischen 
und tirolischen Schicksalsgenossen lauteten, so gaben doch 
diese die Sache, für die sie eingetreten waren, nicht verloren. 
Sie verbündeten sich fömdich zu gemeinschaftlichem Vorgehen 
und schickten wiederholt Abgeordnete an's kaiserhche Hoflager, 
deren vereinte Bemühungen endlich auch Erleichterungen er- 
wirkten, obschon das fragliche Mandat der Hauptsache nach 
in Geltung büeb. Und selbst das Wenige, was sie erreichten, 
kostete viel. So verehrte die Stadt Innsbruck allein, um ge- 
neigtes Gehör zu finden, dem Hofrathe der Hofkanzlei Adam 
Remich 300 fl. Ein Bedienter des Hofkanzlers erhielt 6 fl. 
Ausserdem wurden für ein silbernes „Geschirr** auf des Inns- 
brucker Magistratsrathes Schmelzel Ordre 45 fl. ausgelegt und 



— 15 — 

vorher schon ^aren 629 19. 30 kr. in dieser Angelegenheit 
aufgewendet worden. Der Repräsentant des „Zillerthaler Han- 
dels" hatte eben pfiffiger Weise einen Landsmann des Hof- 
vicekanzlers Freiherm von Buccelini, welcher in Verhinderung 
des Hofkanzlers Grafen Strattmann zumeist die Sache in die 
Hand nahm, nämlich den Wiener Advokaten Romanini zum 
Rechtsfreund erkoren und gegen einen solchen Anwalt war 
schwer aufzukommen. Aber auch die Vertreter der Stadt Inns- 
bruck, welche sich da in's Mittel legten, Uessen sich ihre Dienste 
aus dem städtischen Säckel theuer bezahlen. Ein Herr Jakob 
Christof Wagner prätendirte an Diäten ftir 121 Tage, die er 
am kais. Hoflager zu Wien, Linz und Wiener-Neustadt zu- 
brachte, 726 fl. und f(lr seine Mühewaltung obendrein eine 
Remuneration von 450 fl. nebst einem ^Trühele". Im Ganzen 
opferte die Stadt diesem Zwecke über 2000 fl. Um den Einfluss 
zu paralisiren, welchen der Zillerthaler Repräsentant, Peter Täsch, 
dadurch zu gewinnen suchte, dass er in der Person eines Abbate 
Ferrari einen zweiten (geheimen) Agenten am Wiener Hofe 
bestellte, steckte sich die Stadt hinter den Hyeronimitaner-Mönch 
P. Hyppolit aus Pergine, der als Prediger in Wien lebte. 

Tirolischer Seits betheiligten sich an diesem Kampfe 
für unbehinderte Zulassung des Leobner Eisens in Tirol 
ausser der Landeshauptstadt noch die Städte Meran, Bozen 
und Hall, femer die Landesviertel an der Etsch, Burg- 
grafenamt, Ober- und Unter-Innthal. Eine von diesen AUen 
unterfertigte Eingabe wanderte im Jahre 1685 nach Wien. 
Die Gegenpartei schüchterte nun freilich den Einen und An- 
deren, der da als Unterzeichner füngirt hatte, dergestalt ein, 
dass hintendrein Widerrufe erfolgten. So stellten ein Schwager 
des Zillerthaler Repräsentanten Peter Täsch, welcher als Ver- 
treter des Viertels Unterinnthal da mitgethan hatte, und der 
Mandatar der Stadt Hall, Dr. Paprian, ihr Mitwissen nach- 
träglich in Abrede. Daraus kann auf die Stärke der Agitation 
geschlossen werden, welche in den Bergen Tirols damals des 
Leobner Eisens halber stattfand. 

Die Vordemberger „Eisenglieder", deren vornehmster 



— 16 — 

Wortfllhrer der Gewerk Joh. Paul Egger war, nahmen zur 
Presse ihre Zuflucht und da in jener Zeit noch keine Tag- 
blätter zur YerfQgung standen, liessen sie ihre Erwidenmg 
auf eine vom Zillerthaler Gewerken Fieger am 22. September 
1685 in Innsbruck producirte Yertheidigungsschrift unter dem 
Titel einer „Information' abgesondert m den Druck legen. 

Aus diesen beiden Streitschriften ist zu ersehen, dass 
vor dem Jahre 1664 der Absatz des Leobner Eisens nach 
Tirol, dem Allgäu, GraubUndten und der oberen 
Schweiz jährlich 6000 bis 7000 Säm, deren jeder 2Vt Ctr. 
wog, betrug. In Hall kostete der Centner desselben 15— 15 Yt fl^ 
während das Zillerthaler Eisen damals „beim Stockh' d. h. 
am Erzeugungsorte auf 15 fl., in Hall aber auf 16 fl. 40 kr. 
zu stehen kam. Seither war der Preis des letzteren fOr die 
Haller Niederlage auf 1 5 fl. herabgesetzt worden und um den 
Zwang zur Abnahme weniger gehässig erscheinen zu lassen, 
lag hier im Jahre 1685 ftlr den „gemeinen Mann' Leobner 
Eisen zum Preise von 14 '/a fl. per Ztr. bereit, welche 
klug berechnete Einrichtung zugleich dazu diente, den Werth 
des Leobner Eisens in den Augen der tirolischen Bevöl- 
kerung immer tiefer herabzusetzen. Fieger war mit dem 
Aerar dahin übereingekommen, dass dieses statt der Bergfrohne 
von ihm jährlich Eisen bis zum Werthbetrage von 2000 fl. 
unentgeltlich übernahm, womit die Haller Saline und der 
Bergwerkshandel zu Schwaz dotirt wurden. Von der genannten 
Pfannhaus-Verwaltung, vom Controlor des kais. Zeughauses in 
Innsbruck und vom Stubaier Richter Christof Kapferer brachte 
er auch Zeugnisse bei, dass das Zillerthaler Eisen besser sei, 
als das Leobner. Die Aussage des Stubaier Richters unter- 
stützten die Huf- und Sensenschmiede dieses gewerbsamen 
Thaies mit der drastischen Versicherung, dass sie „beim 
Leobner Eisen nit fortkhommen khunten, sondern verderben 
miessten". Hackenschmiede gaben die gleiche Erklärung ab. 
Dem entgegen behaupteten die Vordemberger in ihrer „Mor- 
mation"* : das Leobner Eisen sei um ein Drittel dauerhafter, 
als das ZiUerthaler ; die Haller Salzpfannen müssten, seit man 



— 17 — 

letzteres dazu verwende, um ein Drittel dicker gemacht wer- 
den, was zur Folge habe, dass man nun um ein Drittel mehr Holz 
zu ihrer Erhitzung benöthiget und die Salzkruste an der in- 
neren Kesselwand sich stärker anlegt Die Freunde des Leob- 
ner Eisens widersprachen auch den über dessen Theuerung 
vorgebrachten Angaben. Im Nothfalle, meinten sie, werde das- 
selbe zum Preise von 12 fl. pr. Ctr. nach Innsbruck gestellt 
werden können. Der Hauptsitz des Handels damit war aber in 
Tirol die Stadt Hall, deren Bürgermeister Jakob Wenzl da- 
mals dessen Vertrieb sich höcWich angelegen sein liess. Fieger 
erbUckte in diesem Eaufmanne den vornehmsten Gegner seines 
Unternehmens. Um zu zeigen, wie wenig Beachtung dieses 
Handelshaus und jedes Seinesgleichen verdiene, wies er auf 
die Gefahr hin, die für's ganze Land Tirol entstände, wenn 
aus Anlass eines Krieges oder einer Seuche die Zufuhr des 
Leobner Eisens suspendirt werden müsste und sodann im In- 
nern des Landes kein ergiebiges Eisenwerk vorhanden wäre. 
Er rechnete der Regierung vor, wie viel an Steuern und 
Zinsungen sie von den Zillertlialer Eisenarbeitem, an Zoll für 
Waffen und Sensen von den durch diese mit Rohmaterial ver- 
sehenen Schmieden des Landes jährUch einnehme. Er vindicirte 
sich auch noch viel andere Verdienste um's Aerar und hoffte, 
damit am ehesten durchzudringen. 

Allein die Wiener Centralstellen beurtheilten die Sach- 
lage minder einseitig und wenn sie auch das Zillerthaler Eisen- 
werk nicht dem Verfalle preisgeben wollten, so nahmen sie 
doch auf die Consumenten einigermassen Bedacht Eine kais. 
EntSchliessung vom 18. Februar 1686 erhöhte daher die Ziffer 
des Leobner Eisens, das nun wieder jährlich in's Inn- und 
Wippthal gebracht werden durfte, auf 1500—2000 Säm. 
(Für's Puster- und Etschthal war die fragliche Beschränkung 
ohnehin nie in Kraft getreten.) Allein die Verlautbarung dieses 
Zugeständnisses verzögerte sich bis zum Hochsommer. Die 
Stadt Innsbruck führte darüber unterm 10. Juli 1686 Klage. 
Ihr war der Entgang des Leobner Eisens so schmerzlich ge- 
fallen, dass sie in ihrem Bestellungsdrange jene a. h. Ent- 

MittheU. d. bist Tereins f. gtelanuark. ZXU. Heft, 1874. 2 



— 18 — 

Schliessung gar nicht abwartete, sondern bereits am 26. Januar 
1686 mit dem Murauer Eisenobmanne Gressing einen auf 
200 Zentner lautenden Lieferungsvertrag schloss. Der Reprä- 
sentant des Zillerthaler Eisenwerks erhielt hievon Eenntniss 
und veranlasste die Sequestrirung von 172 Zentnern, welche 
in ErfÜUung des Vertrages zu Eastengstadt abgelagert wurden. 
Die Stadt beschwerte sich nun neuerdings beim Kaiser, der 
unterm 2. October 1686 die vorerwähnte Klage damit er- 
ledigte, dass er die tirolischen Landesstellen anwies, seinen 
früheren Befehl zu exequiren. Als Fieger wahrnahm, dass er 
dies nicht länger mehr zu hintertreiben im Stande sei, er- 
frechte er sich, vom Leobner Eisen zu Battenberg im Unter- 
innthale eine Mauthgebühr von 36 kr. per Saimi eigenmächtig 
einzuheben. Ein kaiserliches Mandat vom 5. April 1687 unter- 
sagte diesen Unfug; doch Fieger kehrte sich nicht an das 
Verbot und beim Schlüsse der Verhandlungen, welche in den 
von mir benutzten Innsbrucker Stadtacten verzeichnet sind, 
dauerte die Bedrückung des Verkehres durch den gewaltthä- 
tigen Zillerthaler Gewerken fort 

Welche Bewandtniss es mit der Zeugenschaft der Stubaier 
Schmiede hatte, auf die Fieger, um das Leobner Eisen als un- 
brauchbar hinzustellen, sich berief, lehrt ein Gesuch eben dieser 
Eisenarbeiter an ihre Gerichtsherrschaft vom Jahre 1 700, wo- 
rin dieselben das Zillerthaler Eisen genau so qualifidren, wie 
sie früher das Leobner verdächtiget hatten. Sie drangen auf 
Verbesserung des Rohstoffes, weil sonst die Stubaier Waare 
allen Credit zu verlieren Gefahr liefe. 

Ich stiess auf diese Eingabe im Stubaier Gerichts- 
archive und fand neben ihr dort eine zweite aus dem Be- 
ginne des Jahres 1702, in welcher die Schmiede des Thaies 
um die Erlaubniss bitten, kärntnisches Eisen aus der 
gräflich Lodron'schen Hütte zu Gmünd beziehen zu dürfen. 

Inzwischen fristete das Zillerthaler Eisenwerk seine er- 
künstelte Existenz. Es bezog die Erze aus dem gegen den 
Inn abdachenden Oexlbachthale über's JocL Als das Aerar das 
nämliche Spatheisensteinlager in Angriff nahm und zu dessen 



\ 



j 



— 19 — 

Verwerthimg im Jahre 1774 das Eisenschmelzwerk zu Jenbach 
in Betrieb setzte, fühlte sich die Meger'sche Gewerkschaft 
dieser einheimischen Concurrenz schon gar nicht gewachsen. 
Sie trat daher ihren ganzen Montanbesitz an's Aerar ab, wel- 
ches kurz zuvor auch den Pillerseer Eisenhandel an sich ge- 
kauft hatte und nun eine sehr rationelle Thätigkeit entfaltete '^). 
Diese wurde dem Leobner Eisen bald gefährlicher, als ihm die 
von der Regierung zum Schutze des Zillerthaler Werkes er- 
griffenen Massregeln gewesen waren, zu deren Umgehung ge- 
wiss auch Schmuggler die Hand boten. 

Das Eisenzeug - Abgabssystem der beiden Haupteisen- 
kammer-Güter Inner- und Vordemberg vom 25. November 1769 
bescheert noch den „Handelsfreunden^ in Tirol jährliche 4000 Ctr. 
Stahl, Mock und grobe Streckwaare *'). Wenige Jahre später 
überstieg auch dieser herabgeminderte Ansatz den reelen Be- 
darf, ungeachtet die alten Beschränkungen immer laxer gehand- 
habt wurden. 

Hatten die Eisenconsumenten in Tirol früher sich beklagt, 
dass sie zum Ankaufe emheimischen Eisens gezwungen würden, 
so klagten sie nun über die Kargheit, womit das landesfürst- 
liche Bergwesens-Directorat zu Schwaz die bei ihm einlaufenden 
Bestellungen auf Eisen und Stahl befriedigte. 

Dieser Zurückhaltung aDein war es mehr zu danken, dass 
z. B. die Stubaier Schmiede um das Jahr 1785 durchschnitt- 
lich neben 500 Ctr. tirolischen Stahls noch 19 Ctr. steirischen 
und 70 Ctr. Blech gleichen Ursprunges neben 62 Ctr. kärntni- 
schen Eisens und 1875 Ctr. tirolischen Stabeisens verarbeiteten ' ^). 

Dafür aber nahm die Durchfuhr steiermärkischen Eisens 
durch Nordtirol damals grosse Dimensionen an. Und damit 
gelange ich zur Besprechung der Yerkehrsbeziehungen, in wel- 



<^) An t Fächer, der tirolische k. k. u. mitgewerkschaftliche Eisen- 
handel, im Berg- u. Hüttenmännisch. Jahrbuch der k. L Montan- 
Lehranstalt zu Leoben, IV. Band (1854) S. 220 ff. 

«5) Codex Austriacus, VI. Band, S. 1226. 

i<^) Handschriftl. Bericht des Gub.-Bathes y. Sardagna in derBibl. Tiro- 
lensis zu Innsbruck. 

2* 



— 20 — 

eben insbesondere aucb Leoben — zunächst was das Eisen 
anbelangt — zu Südtirol und den übrigen Alpenländem 
im Westen stand. 

leb will mich diesfalls kurz fassen, nicht blos der vorge- 
schrittenen Zeit halber, sondern auch wegen der Zerstreutheit 
der einschlägigen Quellen. 

Schon in dem Befehlschreiben Kaiser Maxmilians L vom 
25. Januar 1507, womit dieser die herkömmliche Vertheilung 
des steiermärkischen Eisens in Erinnerung brachte ^^), werden 
als Absatzorte für das Leobner Eisen das Land an der 
Etsch, Salzburg, Baiern und Schwaben bezeichnet. 
240 Jahre später wiederholte Maria Theresia diese Widmung *^). 
Das Land an der £ t s c h erhielt seinen Eisenbedarf zumeist 
auf der Strasse über Murau, Tamsweg, Gmünd und Oberdrau- 
burg. Dieser weite Transport unterlag den mannigfachsten Be- 
schwernissen. Der Abgaben nicht zu gedenken, die davon zu 
entrichten waren, war für ihn die Benützung sogenannter Rott- 
fuhren vorgeschrieben, d. h. einer Vorspannseinrichtung mit 
Pferdewechsel gegen Bezahlung gewisser Taxen. Um dieser 
Bedrückung auszuweichen, schlössen am 7. December 1751, 
wie ich aus den Acten des Regierungs-Archives zu Klagen- 
furt weiss, die Eisenhändler Dierling und Holzer zu Bozen 
Gastinger zu Mühlbach, Sagmeister zu B r i x e n, Oberhuber, 
und Kranz zu Lienz mit der Gemeinde Oberdrauburg einen 
Vertrag, durch welchen diese sich verpflichtete, das Fuder 
Eisen (zu 15 Ctr.) von Greiffenburg in Kärnten bis Lienz um 
3 fl. zu liefern und die Fracht in Drauburg höchstens 3 Tage 
lang liegen zu lassen. Auch gestattete die Gemeinde, dass so- 
genannte Adritura-Fuhren zur Weiterbeförderung des Eisens 
ohne besondere Abfindung von da an benützt werden duiilen. 
Das Niederlags- und Rottführ-Privilegium der Greiffenburger 
in Ansehung des ihren Markt passirenden Eisens und Stahls 



^^) Abschrift im Moshardt'schen Mapt-Kodex des steierm. Landes-ArchiTS, 
Bl. 72b —73. 

«^) Codex Austriacns V. Bd., S 872. 



— 21 — 

sowie der Nägelldsten datirte aus dem Jahre 1454, wo Kaiser 
Friedrich es ihnen verlieh. So alt, ja gewiss älter noch war 
also jene Zufuhr. Als das Privilegium im Jahre 1782 aufge- 
hoben ward, gab es in Greiffenburg nicht weniger als 43 Rott- 
iühr-Gerechtsame, deren jede einen Preis von 50 bis 100 fl. 
hatte. Was Salzburg betrifiFt, so unterhielten die Leobner 
Hammermeister im Vereine mit den meisten Berufsgenossen 
der oberen Steiermark in der Hauptstadt dieses Namens eine 
ansehnliche Niederlage von sogenanntem „geschlagenen Zeug'', 
deren Rentabilität aDerdings mitunter zu wünschen übrig Hess. 
Kriegswirren und Contumaz- Anstalten beeinträchtigten dieselbe 
besonders in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Aber 
noch im Jahre 1769 glaubte man dieser Niederlage, beziehungs- 
weise dem Fürstenthume Salzburg 920 Ctr. Bruch- und Streck- 
eisen und 3080 Ctr. Stalil, Mock- und Grobeisen zuweisen zu 
sollen ' ^). Des Eisenhandels, der die S c h w e i z mit Steiermark 
verband, wird m der 1793 gedruckten „gründlichen Vorstel- 
lung der Beschaffenheit des teutschen Gomerciiwesens" ge- 
dacht Dort ist S. 24 ein kais. Patent vom 6. November 1693 
citirt, welches bestimmte, dass Eisen und Stahl und die Sensen, 
welche sonst nach der Schweiz importirt zu werden pflegen, 
höchstens nach den von der französischen Grenze entfernten 
Kantonen gebracht werden dürften, nicht aber nach Basel, Frei- 
burg, Solothum, Genf u. s. w. 

Lindau am Bodensee, damals noch eine unabhängige Reichs- 
stadt, wurde zur Controlstätte bestimmt und eine Niederlage 
für Waaren, welche dem Feinde beim Kriegführen Vorschub 
leisten könnten, daselbst etablirt Die im Spätherbste des Jahres 
1690 zu Konstanz am Bodensee für den Sensenhandel aus 
Oesterreich nach der Schweiz publicirten Sperr - Massregeln 
riefen Beschwerden in Menge hervor; doch scheint es, dass 
österreichischer Seits das ZiUerthaler Eisenwerk davon am 
meisten betroffen wurde. Tieferen Einblick in diese Verkehrs- 
beziehungen gewährt die Correspondenz des Handelshauses 



>*; Codex Austriacus, VI. Bd., S. 1225. 



— 22 — 



„Mathias Eöglers Erben ^ zu Hall in Tirol. Die mehrere hun- 
dert Geschäftsbriefe, welche in den Anfang des 18. Jahrhun- 
derts zurückreichen, umfassende Gorrespondenz '^) enthält solche 
von den Firmen „Zässleins Wittwe^ in Basel, „Rauschenbach", 
„H. Ott** in Schaffhausen und „J. H. Frohn*' in Frankfurt am 
Main, welche Sensen, Sicheln und Stahl zum Gegenstande haben. 
Insbesondere betont der Frankfurter Kaufmann Frohn in einem 
Briefe aus dem Jahre 1744: er beziehe Sensen und Sicheln 
aus Steiermark über Hall, Bregenz und Schaffhausen, um 
sie nach Genf weiter zu senden. 

Waren das auch nicht ausschliesslich Leobner Handels- 
güter, so befanden sich doch ohne Zweifel solche darunter. 

Bisher war vom Eisen die Rede. Damit sind aber die 
älteren Verkehrsbeziehungen Tirols zu den westlichen Alpen- 
ländem nicht erschöpft 

Die Approvisionirung Tirols, namentlich der Bergwerke 
und grösseren Städte, machte nicht selten Zufuhren von Le- 
bensmitteln nöthig, deren Einkauf auch in der Umgegend von 
Leoben stattfand. Im 16. Jahrhunderte kamen Fleischhauer 
aus Innsbruck und Schwaz regelmässig zu diesem Ende hie- 
her imd die Ochsentriebe, welche sie heimschickten, kreuzten 
sich unterwegs mit langen Zügen von Saumthieren, auf deren 
Rücken Lodenstücke, Handschuhpäcke, Körbe mit Glas und 
Kupferrollen ruhten. Auch Wachs und metallische Farbstoffe 
trug die Gegenströmung des Verkehres aus Tirol nach Leoben 
oder führte sie wenigstens hier durch. 

Und richtet man den Blick über den Tausch der Sach- 
güter hinaus ; fasst man den Wechselverkekr der Personen in's 
Auge, so ditogt sich einem eine kaum zu bewältigende Fülle 
von Wahrnehmungen auf, die ich dem gegenwärtigen Vortrage 
einzubeziehen, selbstverständlich verzichten muss. 

Nur des Wasserbaumeisters Hanns Gasteiger, des 
Kammergrafen Anreiter v. Ziernfeld und des Jesuiten- 



*^) Sie wurde mir durch die Güte des dennaligen Chefs dieses Handels- 
hauses, Herrn Jos. Christof Feistenberger, zugänglich. 



— 23 - 

Rectors Gentilotti sei hier gedacht^ welche drei aus Tirol 
stammenden Männer, der Erste vermöge seiner Bauten ^ *), na- 
mentlich durch den schon im Jahre 1567 privilegirten Vor- 
schlag, am Erzberge eine Eisenbahn zu bauen, der Zweite ver- 
möge seiner Amtirung, wie nicht minder vermöge seines Grund- 
besitzes *') und der Dritte als Gründer der nach seinem Orden 
benannten Kirche in Leoben ^*) zu dieser Stadt in nähere Be- 
ziehung getreten sind. Hinwider hat Leoben manchen tüchtigen 
Bergmann an Tirol abgegeben und bis in die neueste Zeit 
herauf währte, durch die Anziehungskraft der Bergakademie 
begünstigt, dieser Wechsel. 

So finden wir, wie weit wir auch umerhalb der Grenzen, 
die ich meinem heutigen Vortrage steckte, um uns blicken, 
allenthalben Anknüpfungspunkte und Fäden, um daraus ein 
Bild der Regsamkeit zu weben, welche ernst die Stadt Leoben 
und deren Umgegend mit den westlichen Alpenländem verband. 

Das Eisen zumal, das ihre Bürger schmieden Hessen 
oder als „rauhe" Waare von den Radgewerken erhandelten, 
um Tiroler Kundschaften damit zu versehen, griff belebend in 
jene Wechselbeziehungen ein. Während es Einzelne bereichem 
half, nützte es noch weit mehr der Volkswirthschaft im All- 
gemeinen. Wie die daraus gefertigten Klammem Bindeglieder 
im Kleinen sind, so umspannte es im Grossen räumlich aus- 
einander liegende Interessen. In Farbe und Kupfer verwandelt 
kehrte es henn. Als Brechstange und Schlägel bahnte es mensch- 
lichem Fleisse die Wege in's Innere der Tiroler Berge und der 
reiche materielle Segen, der diesen entströmte, der Au&chwung, 
der sich daran knüpfte — sie waren zum Theile das Resultat 



'0 Alb. y. Muchar, a. a. 0. S. 54—66 u. in seinem Aufsatze : „Die 
ältesten Erfindungen und die frühesten Privilegien f&r industrieUen 
Fleiss in Innerösterreich'' und im 4. Jhrg. der n. F. der Steiermark. 
Zeitschrift (1887), 2. Hft., S. 11. Gasteiger war, als er nach Steier- 
mark kam, Bürger von München, jedoch nicht von Geburt, son- 
dern Kraft besonderer Verleihung des Bürgerrechts an ihn. 

s<) Josef Graf; Nachrichten über Leoben, Graz, 1824, S. 118—124. 

><) Ebenda S. 124. 



— 24 — 



i: 



H « 






H: 



i \ 



M\ 



der Bemühungen hiesiger Bürger. Wenn die Silberausbeute 
Tirols im 16. Jahrhunderte mehr oder minder den Preisstand 
auf allen europäischen Handelsplätzen beeinflusste, wenn sie 
Luxusbedürfhisse weckte, denen die Möglichkeit ihrer Befriedi- 
gung zur Seite ging, wenn sie solcher Gestalt ungezählten 
Arbeitskräften eine lohnende und, was mehr sagen will, den 
Lebensgang rechtzeitig fördernde Beschäftigung sicherte: so 
durfte über all' den rauschenden Wirkungen als eine der Ur- 
sachen das steiermärkische Eisen nicht vergessen werden, das, 
mit dem vaterländischen Dichter Karl Gottfried von Leitner 
zu reden, „aussen schlicht und innen stark" dieser Bezeich- 
nung sich da in Wahrheit würdig erwies. Und wenn die Frachter 
Tirols mit ihren schwer belasteten Fuhrwerken der im Getriebe 
des Weltverkehres ihnen zugefallenen Aufgabe nachgingen, wenn 
der dortige Bauer, hinter seinem beschlagenen Pfluge einher- 
schreitend, die Erdschollen wendete, welche ihn nähren sollten, 
wenn er, seine Wiesen mähend, der Viehzucht oblag: dann 
hatte abermals Leobner Eisen seinen Antheil daran. 

Wenn die Haller Saline Ueberschüsse an Salz producirte, 
welche einen Ausfuhrartikel nach der Schweiz bildeten und zu 
einem lebhaften Stichhandel mit vorarlbergischen Milchproducten 
Anlass gaben, wenn demzufolge das ferne Oberinnthal seme 
stiefmütterliche Ausstattung mit Nahrungsquellen leichter ver- 
schmerzte, die Schweizer Viehzucht blühte und der Gütertrans- 
port in jener Richtung durch gesicherte Rückfracht erleichtert 
ward, vollzog sich damit nur eine Metamorphose, deren Kern 
das Leobner Wappen trug. 

Und mit dem gleichen Rechte kann der Schauplatz sol- 
chen Ineinandergreifens von Ursache und Wirkung in dem ge- 
gebenen Falle nach den Kantonen der Schweiz, in's salzbur- 
gische Gebirgsland und an's nördliche Gestade des Bodensees 
verlegt worden. 

Ueber der Grossartigkeit der Rundschau, die sich uns da 
öfihet, mögen die Schatten, welche seinerzeit die monopolistische 
Stellung der Leobner Bürgerschaft warf, wie die Flecken an 
der Sonne hier unbeachtet bleiben. Sie waren auch nicht so 



— 25 — 

dunkel, als ihr Reflex auf der Netzbaut gewisser Theoretiker 
welche in schrankenloser Bewegung das einzige Heil der Volks- 
wirthschaft erblicken und an alle Culturstufen den gleichen 
Maasstab legen. 

Sei dem übrigens wie immer; — dass die geistige Ein- 
kehr bei den Boten der Vergangenheit nicht blos Staub auf- 
wirbelt, sondern auch erfrischend wirken kann, glaube ich ge- 
zeigt zu haben. Es ist das ein Verdienst des Stoffes und nicht 
dessen, der sich dafür begeistert. Derartige Schätze zu 
heben, soll Niemand sich gereuen lassen, dem 
sie zugänglich sind; am wenigsten Derjenige, 
der sie selber verwahrt, etwa gar sein Eigen 
nennt 

Die Umgegend von Leoben birgt sicherlich noch manchen 
Urkundenschatz, wozu nicht blos steife Pergamentblätter ge- 
hören. Die meisten Gewerksinhaber, deren Familien in die Ge- 
schichte des Vordemberger Eisenwesens verflochten sind, dürf- 
ten unter ihren Privatpapieren Aufzeichnungen von allgemeinem 
Interesse bei sich versperrt halten. Und manche Gemeindetruhe, 
mancher alte Kanzleikasten strotzt vielleicht noch von derar- 
tigem Inhalte. Alte Rechnungen, Correspondenzen, Tagbücher 
und was dergleichen anschemend unwichtige Schriften mehr 
sind, verdienen dem Stillleben, welchem sie als Staffage dienen, 
entrissen zu werden; sei es nun dadurch, dass der Besitzer 
selber sie zu einer geschichtlichen Skizze verarbeitet und sein 
Elaborat dem historischen Vereinig zur Verfügung stellt, oder 
dass er die ihn daheim höchstens belästigenden Papiere dem 
Landesarchiv zur Einverleibung anbietet, wobei 
er nicht nur in Bezug auf Familiengeheimnisse der grössten 
Discretion versichert sein kann, sondern auch eine bessere 
Unterbringung erzielt 

Einzelner löblicher Anläufe ungeachtet kam noch immer 
keine Gesammtdarstellung der Geschichte des steiermärkischen 
Eisenwesens zu Stande. Mein heutiger Beitrag füllt nicht so- 
wohl eine Lücke in der Reihe der Vorarbeiten aus, als er viel- 
mehr zu erkennen gibt, wie viel es da noch nachzutragen gälte. 



— 26 — 

Wäre es nun nicht ein dankbares oder mindestens ein dankens* 
werthes Beginnen, wenn durch Ergänzung dessen, was Mu- 
char, Göth und Graf geleistet haben, über die Vordem- 
berger Industriegruppe ein Geschichtswerk geschrieben werden 
wollte, wie es kürzlich der Oberbergverwalter Friedrich Mü- 
nichsdorfer in Ansehung des Htittenberger Erzbei^es ge- 
Uefert hat und wie in Ansehung der Eisenindustrie der u n- 
garischen Länder ich vor 16 Jahren emes zu Stande brachte? 

Solltees eine yergebliche Erwartung sein, wenn man 
sich mit der Hofihung trägt, dass geschichtskundige Praktiker, 
wie der Gubemialrath Franz Ritter v. Ferro, welcher die 
Geschichte der Innerberger Hauptgewerkschaft schrieb, und der 
imi Kärntens Montangeschichte vielverdiente Inspector Jakob 
Scheliessnigg waren, Nachfolger auf diesem Gebiete finden 
werden ? 

Die Arbeiten Beider zieren die Jahrbücher der montani- 
stischen Lehranstalt zu Vordemberg, welche der damalige Pro- 
fessor und nunmehrige Hofrath Peter Tunner, selber ein Stück 
Geschichte und zwar von epochaler Bedeutung, zu redigiren 
angefangen hat Sie wären aber in den Schriften der histori- 
schen Vereine der Länder, welche sie angehen, nicht minder 
am Platze gewesen. 

Lassen Sie mich mit der Moral dieser Bemerkungen schUes- 
sen. Sie lautet: der historische Verein für Steier- 
mark, m dessen Namen ich hier zu sprechen mich berech- 
tiget fühle, erwartet, dass seine Wanderversammlung in 
Leoben ihm und dem Landesarchive, das seine Rüst- 
kammer bildet, erfreulichen Zuwachs einträgt, Zuwachs an thä- 
tigen, mindestens Geld für die kostspieligen Vereinszwecke 
spendenden Mitgliedem, an Au&ätzen geschichtUdien Inhaltes 
und an Stoff zur Ausarbeitung solcher. 



^>SSS3<B^ 



J 



— 27 — 



InneröslerreichischeReliiions-Cravamina 

aus dem 17- Jahrhuiidert. 
Ein Beitrag zor Gesdiichle der fiegenrefonnatioo io loiierüslerreidi 

I>r. Hans von Zwiedineok-Süden hörst. 



Uie Grazer Universitäts-Bibliothek bewahrt unter den 
zahkeichen Flugschriften, von welchen ich allein aus der 
ersten Hälfte des XVII. Jalirhunderts bisher 130 Nummern 
aufzählen und namhaft machen konnte ')) in einem Bande '), 
in welchem zwölf verschiedene Druckschriften aus jener Zeit 
zusammengebunden sind, auch ein sieben Quartbogen starkes 
Büchlein, welches m semem Titel folgende Inhaltsangabe 
enthält : 

I. Siebentzig wichtige Motiven, Warumben die kön. 
Mayest in Polen, Senatores vnd der Adel derselben Cron, 
wider Vngam, Böhem, vnd die confoederirte Länder, dieser 
zeit mit femdlichem Vberzug, oder sonsten in andern weg 
zu entgegen nichts handeln, noch dem angenommenen De- 
fensionwerk sich widersetzen sollen: 

n. Beständige Ablaynung der Vrsachen, welcher willen 
die kön. Mayest. in Franckreich wider Vngam, Böhem vnd 
die vereinigte Länder htilfF zu laysten ersucht worden; 

Beydes aus Polnischer vnd respective frantzösischer 
Sprachen inn das Teutsche übergesetzt 



Zeitungen und Flogschriflten aus der ersten Hälfte des XVII. Jahr^ 
hunderts. I. Sammlung. Graz 1878. 

*) Sign. 51/26 b. 



— 28 — 



ni. Gravamina Religionis der löblichen Evangelischen 
Stände in Steyer, Eämdten vnnd Crain etc. Darauss die über 
grosse Gewissens Bedrangnussen männigkhch zu vememen 
hat Gedruckt im Jahr MDCXX. 
An die zweite Schrift ist noch angefügt: 
Der Theologischen Facultät zu Wittenberg Bedencken 
auff die Frag: Ob der Rom. Eayserlichen Majestät, die 
Evangelischen Fürsten vnd Stände im Krieg wider jhre 
Evangelische Religions Verwandten, mit gutem Gewissen 
hülffliche Assistenz laysten können vnd sollen. 
Die dritte Schrift, mit welcher wir uns hier etwas ein- 
gehender beschäftigen wollen, ftlhrt den besonderen Titel: 
ReUgions-Gravamina, der dreyen Landen Steyer, Eämdten 
vnnd Crayn, so viel deroselben Mitglieder, als die mehreres 
der alleinseligmachenden Evangelischen Religion zugethan 
sind; wider die Religions Persecutions Conmiissarien etc. 
Nach einer kurzen Einleitung, in welcher gesagt wu-d, 
dass die „Religions- und Gewissens- Beschwerungen Land-, 
Reichs- ja Weltkündig*- seien, werden in 21 Punkten haupt- 
sächlich folgende Thatsachen hervorgehoben: Schliessung der 
Hauptministeria und Gymnasia zu Grätz, Judenburg, Elagen- 
ftirt und Laibach; Schliessung und Sprengung vieler Pfarren 
und anderer Kirchen, Verjagung der Seelsorger, Prediger und 
Schuldiener; Zerstörung von Friedhöfen, Beschimpfung und 
Beraubimg von Leichen der Evangelischen, Verbrennung hei- 
liger Bücher. 

Als „Jammer über alle Jammer" wird bezeichnet, dass 
viele tausend Bekenner der evangelischen Wahrheit zu schänd- 
licher verdammlicher Verläugnuss ihrer christlichen „Religion" 
genöthigt wurden. 

Eingehend wird in den Punkten 14 — 18 das Verfahren 
kritisirt, welches gegen die „beständigen Bekenner" einge- 
leitet wurde. Diese seien gezwungen worden, „theils in sechs 
Wochen, drey tagen, theils in acht tagen, theils bei Sonnen- 
schein, theils auch im harten Winter vnd starcken Vngewitter 
das Landt zu uerlassen, da doch der Reichs Religionsfrieden 



— 29 — 

de Anno 1555 denen Vnterthanen auss jhrer Herrn vnd 
andern herrschaften Gebiet der Religion halben zu ziehen, 
allein auff jhr freye Willkür stellet, wie die formalia lauten. ** 
Es sei ihnen durch ein Spedaledict verboten worden, „ihre in 
der Eile vnverkauften Güter bestandsweis anderen zu ver- 
lassen** (in Pacht zu geben), „damit sie dieselben um einen 
Spott hergeben und gleichsam verschenken müssen.** Ausser- 
dem habe man ihnen von ihrem gesammten Vermögen den 
zehnten Pfennig als „Nachsteuer** abgenommen und sich dabei 
auf das Beispiel der Beichsfürsten und den oben erwähnten 
Beligionsfheden berufen. Dieser aber bezöge sich nur auf das 
an jedem Orte bestehende Herkommen und davon sei in 
diesen Landen nichts bekannt Zur Zahlung der „Nachsteur** 
habe man „richtige vnd gar Hoffschalden per modum com- 
pensationis** nicht angenonunen, sondern ihnen den letzten 
Nothpfennig abverlangt Eine „infamia** sieht die Beschwerde- 
schrift darin, dass die Verbannung bei Leib- und Lebensstrafe 
auf ewig „extendirt** wird, „dass einer nicht mehr hindörflfe, 
da seine in Gott ruhende Eltern vnd er viel Jahr redlich vnd 
ohne alle klag gehauset, da doch der vom Gegentheil ange- 
zogene BeUgionsfried aussdrücklich vermeldet, das solchs eines 
jeglichen der Beligion halben willkürlicher Auss vnd Abzug 
denselben allen vnd jeden an jhren Ehren vnnachtheilich vnd 
vnuerkleinerlich seyn soll.** Den evangelischen Herren und 
Landleuten, wird weiter behauptet, seien die Ehrenämter ent- 
zogen oder wenn sie für solche von Einer Ehrsamen Land- 
schaft vorgeschlagen worden, seien andere an ihrer Stelle 
berufen worden. Ja man habe sogar solchen Personen, die 
mit eigenem Willen ausser Lands gezogen sind, die Zahlung 
des 10. Pfennigs aufgetragen imd ihnen die Beligionsübung 
ausser Landes untersagt, „dahin doch Ihrer Durchlaucht Juris- 
diction sich nicht erstreckt vnd niemandt de jure extra terri- 
torium suum etwas zu schaffen oder zu straffen hat''. 

Von besonderem Interesse und für die Beurtheilung der 
besprochenen Schrift von Wichtigkeit sind die letzten zwei 
Punkte, deren Wortlaut hier folgen boU: 



- 30 — 

„20. Vnd was bey diesen hauptbeschwerongen bey 
jedem punct vai gongten ittr al^onderliche höbe excess, 
Vofug, gewalttbätige attentata vnnd Bedraognusaen, hauffen- 
weiss fürgelaufTeii, welche doch einsthefls zu verschmertzen, 
wann nur noch eine Linderung vnd Besserung zu hoffen 
were; Noo aber wil vns alle derogleichen hofihung mit 
Ihrer Fürstl. Durchl. Jüngst den 8. December dieses 1609. 
Jahrs, eitbeilten ungnädigsten Resolution allerdings abge- 
schnitten seyn, inn deme hOchstgedachte Ihre FOrstL Durchl. 
sich categorice rund vnd lauter einmal vor alles dahin er- 
kläret: bei Ihrer meynui^ biss in jhre Gruben zu ver- 
harren ; Item, dass sie zu keiner andern Besolution zu 
bringen vnd za bewegen, sondern lieber alles vnnd jedes, 
so sie von den Gnaden Gottes betten, in die Schantz vnnd 
witligklicb darzosetzen, als von Ihrer meynung im wenig- 
sten zu weichen gedencken; Item, bedrohen, den Ständen 
gleichwohl vnuerhofite widrige erzeigungen nit vngerochen 
verbleiben, sondern obgelegen seyn zu lassen, was zu er- 
haltung jhrer Gerechtigkeit seyn möchte. 

21. Vnd was schliesslicheD zum allerbeschwerlichsten, 
dass Dir FürsU. Durchl. dero getrewe Landstftnde inn BeU- 
gionssachen nicht mehr hören wollen, sondern perpetuum 
Silentium nunmehr öfFters als 30. September Anno 1598. 
Den 5. Maij Anno 1599 den 5. Martü Anno 1601. Vnd 
jUngstlichen bemelten 8. December Anno 1609 mit grossen 
Vngnadeo vnd schweren comminationen imponirt, vnnd dass 
sie keine derogleichen Rehgions- und Beschwerschrifft mehr 
annehmen wollen, Inmassen sie albereit den 3. Febr. Anno 
1599 ein Schrift vmb dass kein GeisÜicher bey vorge- 
habter prsesentirung gewesen, von denen Evangelischen 
Herren und Landleuten nicht angenommen, welches dann 
dnra & acerba vox regnantis est, non velle audire, & scripta 
accipere, contra qnam vetula iUa objiciebat Regi Macedonum 
Fbilippo audientiam recusanti: si non vis audire, noli ergo 
regnare, da doch dergleichen beschwerungen in Religions- 
sacben, vnd m spede wider die Geisüidien nichts newes, 



— 31 — 

sondern je vnd allezeit vorgelauifen, so williglich von denen 
LandsfUrsten vnd regierenden Herren angenommen vnd ge- 
bürlich in Sachen gebraucht worden, wie wir in der Stey- 
rischen Landesvest (Fol. 31) ein schön Exempel haben, das 
noch Anno 1518 als Lutherufi die Oberhand bekommen, 
Kayser Maximilian dem Ersten die Lande wider die Geist- 
lichen vnnd PriesterschaSt einen gantzen Catalogum vielerley 
beschwerungen, Anordnungen vnnd saumnuss der Clerisey 
in Handlungen jhrer Benefiden, Gottesdiensten, Stifitungen, 
Seelsorg, in administration der Kirchen und Pfarrlichen 
Rechten, Praelaturen, Probsteyen, Abteyen, Canonicaten, 
Pfründen, Gommenden vnnd andern Courtisanischen Sachen 
zu beschwerung der Land, übergeben, Ihre Kays. Mayest. 
vmb abwendung zu soUicitiren, sondern auch was Ihro als 
Herren vnnd Landesfürsten gebürte, ein einsehen zu haben, 
allergnädigist versprochen; Derogleichen remedirung man 
jetzo ebenfaUs in weit mehrem terminis (da das übel über- 
hand gar, vnnd viel zu viel genommen, ita ut vix spes sit 
salutis) bedörfftig. 

Von PoUtischen obgedachter dreyer Stände vnnd Landen 
Beschwerungen were gleicher gestalt viel zu sagen vnnd 
klagen, davon bey anderer Gelegenheit meidung beschehen 
solle.« 
Ueber die Entstehung und Bedeutung dieser Be- 
schwerdeschrift lässt sich mit Berücksichtigung der bisher über 
die Verhandlungen zwischen Erzherzog Ferdinand und den 
protestantischen Ständen bekannt gewordenen Actenstücke 
Einiges festsetzen, welches ich im Folgenden zusanmienfasse : 
Was zunächst die Zeit der Entstehung betrifft, so scheint 
mir aus dem Texte zweifellos hervorzugehen, dass man ftlr 
dieselbe die letzten Tage des Jahres 1609 ansetzen muss, da 
die in den letzten zwei Punkten besonders hervorgehobene 
„ungnädige Resolution« Ferdinands vom 8. December dieses 
1 609. Jahres datirt wird, welche Bezeichnung genau wörtlich 
zu nehmen ist und ausserdem noch durch die nachträgliche 
Erwähnung im 21. Punkte als „jüngstlich" bestätigt wird. 






— 32 — 

Es lag nahe, die Landtagshandlungen dieses Jahres zu 
Rathe zu ziehen und dieselben erwiesen, dass sich die Land- 
schaft allerdings gerade damals besonders eifrig um die Erle- 
digung ihrer Beschwerden angenommen hatte. Die Verord- 
neten-Belation ') erwähnt darüber Nachstehendes : 
„Beschwär Artid erledigung betreflfend. 
Letztlichen berichten ain Ers. Landschafit wir auch hiemit 
gehorsambUch, das wir auf derselben im Landtag yberge- 
bene Politische Beschwär Articl biss dato yber öffteres viel- 
faltiges sollicitiren vnd anhalten ainige resolution nicht er- 
langen mügen. Welches an ihme selbst nicht ein geringe 
beschwärung ist, alls berürte Articl samenüich, dann da 
sich iemandt billich beschwärt befindet, denselben aber 
nicht geholfen wierdet, da man Ihme doch zuhülff khommen 
khan vnd solle, ist es sodann die grösste vnd maiste be- 
schwärung, sonderlich aber ist dises hochzubeUagen, das es 
nunmehr ganz vnd gar zu ainer gewohnheit khommen, das 
solche ainer Er: La: Gravamina gemännigkUch ybers Jahr 
zu hofif vngeacht berürtes sollidtim vnd anhaltens, vner- 
ledigter aufgehalten werden!^ 
Der Landtag legt desshalb seine Gravamina nochmals vor, 
welche auch im Anhange zu der Relation vollinhaltlich auf- 
geführt werden. Dieselben behandeln die Anlagen, Einlagen, 
wie auch die Ausstände der Städte und Märkte. Die Hof- 
kammer-Anticipationes, die alten und neuen Reichshilf Aus- 
stände, die Yerkaufung der Landgttlten, sowie eme „Beschwä- 
rung, das die Herrn vnd Landleuth alhie zu Grätz kheine 
Bürgers-Heuser khauffen noch darauf leihen sollten'. Aehn- 
liche Beschwerden kehren in den Landtagshandlungen. von 
1611, 1613, 1615 wieder und erstrecken sich ausser den ge- 
nannten Gegenständen auch auf die Eisensteigerung, Salz- 
ringerung, die „Vngarische Traitfuhr", das Lehenrecht und 
den Prsßcedenzstreit, welchen die Innerösterreichischen Stände 
mit den oberösterreichischen seit dem Linzer Generalconvent 



') Steierm. Landes- Archiv. Landtagshandlung 1609. pag. 190. 



\ 



— 33 — 

von 1614 wegen des Vortrittes und der Votirung führten. 
Die religiösen Verhältnisse werden in allen diesen Beschwerde- 
schriften nicht berührt; es hat überhaupt den Anschein, als 
sei mit Absicht zwischen poUtischen und Rehgions-Beschwer- 
artikeln (gravamina) unterschieden worden, wenigstens fllhren 
die zuletzt erwähnten, offidell vom Landtage aufgestellten 
stets die Bezeichnung „politisch" bei sich, während der Titel 
der uns vorliegenden Flugschrift den Ausdruck „Religions- 
Gravamina" an der Spitze trägt Die Erklärung für diesen 
Umstand ist im Texte unserer Gravamina selbst gegeben. Es 
ist nämlich sehr einleuchtend, dass die steirischen Stände dem 
Erzherzoge imd dessen Regierung jeden Vorwand nehmen 
woQten, womit die Nichtbeachtung ihrer Beschwerden hätte 
begründet werden können. Nachdem Ferdinand, wie hier er- 
wähnt wird, sich mehrmals standhaft geweigert hatte, irgend 
welche Beschwerden in Religionsangelegenheiten anzunehmen, 
war vorauszusehen, dass seine Regierung jede derartige Ein- 
gabe unberücksichtigt lassen würde, sobald auch nur irgend ein 
Punkt sich auf religiöse Dinge bezog. Man nannte daher die 
Beschwerden, die sich auf Steuern und Rechtsangelegenheiten 
bezogen, „politische", um ihren Unterschied von den ver- 
pönten Religionsbeschwerden sofort kenntUch zu machen. 

Aber nicht nur, dass diese Gravamina selbst in den 
Landtagshandlungen nicht erwähnt werden, es findet sich 
sowohl in diesen, wie auch in den Protokollen über die 
Sitzungen der Verordneten, sowie in den landesftLrstlichen 
Patenten nicht die geringste Andeutung über die Entschlies- 
sungen des Erzherzogs Ferdinand, welche im 21. Punkte der 
Gravamina erwähnt und vom 30. September 1598, 5. Mai 
1599, 5. März 1601 und 8. December 1609 datirt werden. 
Dennoch sind uns dieselben nicht ganz unbekannt; es ist 
kaum zu zweifeln, dass die Resolution vom 30. September 
1598 mit der Ausweisung der evangelischen Priester aus 
Graz, welche am 28. d. M. stattfand, zusammenhängt. Die 
Resolution vom 5. Mai 1599 dürfte wohl identisch sein mit 
der von Hurter reprodudrten „Hauptresolution ueber der 

ICltthell. d. bist. Yeroina f. SUlermark, ZXII. Heft, 18T4. 8 



— 34 — 

Herrn und Landleuth in disen dreyen Erblannden Steyr, 
Khämdten vnd Crain, der Augspurgerischen Confession zuge- 
than, eingebrachte Religions-Beschwärungen" ^ j. Dieselbe wurde 
den zum Landtage von 1599 (Jänner bis April) versammelten 
steirischen Herren evangelischen Glaubens zugestellt, welchen 
sich zahlreiche Abgesandte aus Kärnten und Erain ange- 
schlossen hatten, um in zwei Beschwerdeschriften vom 22. Jänner 
und 8. Februar gegen die vorangegangenen Gewaltacte des 
Erzherzogs zu protestiren und Beligionsfreiheil zu verlangen. 
Die Hauptresolution enthält den Schlusspassus: „So wollen 
sich demnach die Herrn vnd Landleuth Augspurgerischer Con- 
fession in dem Namen Gottes nunmehr zu rhue begeben, in 
Ir Durl. etc. weitter nit sezen, Sich auch nicht vnderstehen, 
Irer DurL was solliches verrer zuezumuetten, dadurch Sy Ir 
wissen vnd gewissen zum höchsten onerierten vnnd entlichen 
die vnhuldt Gottes yber sich zu Ehewigem verderben laden 
soUen. Vnd diss ist also Irer Für. Durl. enntliche gewisse 
Resolution, will vnd mamung, darbey Sy biss in Ir grueben 
zuuerharren vnd sich auf ainiche widrige mainung, durch 
khainerley mitü (mit Gottes Beyständiger Hilff) dauon bringen 
vnd bewögen zulassen für allzeit gnedigist endtschlossen.'' 
Das Datum dieses sehr umfangreichen Actenstückes ist 
der letzte April 1599. Für Jedermann, der in Ferdinand und 
seinen Käthen nicht ausschliessUch die muthigen Kämpfer für 
eine erhabene, das Glück des Volkes begründende Idee sieht, 
wie der im Zustande reUgiöser Extase geschichtsschreibende 
Herr von Hurter, ist hinter dem Gemische von Drohung und 
Bitte, welches dieses Actenstück durchdringt, hinter dem eif- 
rigen Bemühen, die Verfassungswidrigkeit der von den Stan- 
desherren eingeleiteten Schritte nachzuweisen, die Verlegenheit 
der Kegierung leicht ersichtlich. Die gepriesene Festigkeit 
hätte Ferdinand wenig genützt, wenn die Stände ebenso fest 
und unerschrocken gewesen wären. Ihr Rückzug ist aus d^ 
bisher bekannten Thatsachen kaum erMärUch und man wird 



^) Hurter, Geschichte K. Ferdinands und seiner Eltern. IV 496. 



— 35 — 

versucht, dem uns leider nicht geschilderten Spiele hinter den 
Coulissen mehr Bedeutung beizulegen, als den officjellen Acten- 
stücken. Für den 5. März 1601 enthält Hurter's Darstellung 
kemerlei Erwähnung; die Resolution vom 8. December 1609 
ist die Antwort auf eine Eingabe der evangelischen Herren, 
welche manche Anklänge an die Gravamina enthält; wie z. B. 
die Beschwerde wegen Ausschliessung von sämmthchen Aem- 
tem. Die Antwort enthält nach Hurter's Mittheilung auch die 
in den Gravamina citirte Stelle: „rund sage er (der Erz- 
herzog) es heraus, dass er eher alles, was er von Gottes 
Gnaden besitze, in die Schanzen schlagen, als von dieser 
Ueberzeugung im geringsten weichen wollte.^ Eine nochmalige 
Antwort auf diese Resolution erschien den in Graz versam- 
melten innerösterreichischen Standesherren offenbar gänzlich 
aussichtslos und sie mochten daher, erbittert durch die Hart- 
näckigkeit der Begierung, wohl daran denken, ihre Klagen 
anderswo vorzubringen und die Aufinerksamkeit jener Kreise 
auf sich zu ziehen, welche begierig jede Gelegenheit ergriffen, 
um der Opposition gegen das Habsburgische Haus und seine 
Begierungsmethode neue Nahrung zu verschaffen. 

Unter dem unmittelbaren Eindrucke, welchen die Reso- 
lution vom Jahre 1609 auf die damals in Graz versammelten 
evangelischen Standesherren hervorgerufen hat, entstanden 
die Gravamina, In Verbindung mit den Verhandlungen dieses 
Jahres steht auch ein anderes Schriftstück, dessen Bespre- 
chung ich später mir anzufügen erlauben werde. Eine erreg- 
tere Stimmung scheint bei Abfassung der Gravamina über- 
haupt vorgewaltet zu haben. Wenigstens deutet die Bezie- 
hung auf den Tod Philipps von Macedonien mit Citirung der 
Phrase: „si non vis audire, noli ergo regnare", so ziemhch 
die äussersten Gedanken der durch die FnichÜosigkeit ihrer 
Bemühungen verletzten und aufgeregten Herren an. 

Was den Inhalt der Gravamina betrifft, so finden sich 
unter den Beschwerden mehrere Thatsachen erwähnt, welche 
sehr wohl geeignet sind, das Halbdunkel theilweise zu erhellen, 
in welches die Vorgänge während der Gegenreformation noch 

8* 



— 86 — 

gehallt sind. Dahin gehören namentlich die Chicanen gegen 
die zur Auswanderung gezwungenen Protestanten, die bei 
ihrer berechneten Härte es uns erklärlich machen, dass sehr 
Viele, die ursprünglich zur Auswanderung geneigt waren, end- 
lich doch lieber eine Abschwörung ihres Glaubens erheu- 
chelten, als dass sie ihre ganze Habe aufs Spiel setzten ^). 
Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 wird in zweifacher 
Bichtung benutzt, um das Vorgehen des Erzherzoges als un- 
gesetzlich darzustellen. Zunächst wird behauptet, dass die 
Ausweisung der Religion wegen an und fbr sich gegen dai 
Religionsfrieden Verstösse, welcher es Jedermann freistelle, 
ob er wegen der Religion auswandern wolle oder nicht Es 
ist nun ganz richtig, dass sich in der bezogenen Constitution 
kein Passus vorfindet, der den einzelnen Reichs-Ständen das 
Recht der Ausweisung wegen des rehgiösen Bekenntnisses 
ausdrücklich zuschreibt Der auf die Auswanderung bezüg- 
liche §. 24 bestimmt nur die Modalitäten, welche im Falle 
einer Auswanderung zu beobachten sind, ohne irgend welche 
Fälle anzugeben, in welchen dieselbe erzwungen werden konnte"). 
Gerade der Inhalt dieses Paragraphen gibt jedoch erst dem 



^) Was Harter an Belegen für die Milde der Regierung zuBammentr&gt, 
verschwindet gegen die colossalen Strafen, welche Dimits in seiner 
Urkundensanunluog allein von Erain auÜEfthlt 

*) Der hier einschlägige §. 24 lautet : « Wo aber unsere, auch der Chur- 
ftlrsten, Fürsten und Ständen ünterthanen, der alten Religion oder 
Augsburgischen Confession anhängige, von solcher ihrer Religion 
wegen, aus unsem, auch der Churfürsten, Fürsten und Ständen dee 
Heil. Reichs Landen, Fürstenthttmer, Städten oder Flecken, mit 
ihren Weib und Kindern an andere Orth ziehen, und sich nieder 
thnn weiten, denen soll solcher Ab- und Zuzug, auch Yerkaufiiing 
ihrer Haab und Güter, gegen ziemlichen billigen Abtrag der Leib- 
eigenschafit und Nachsteuer, wie es jedes Orts von altersher fibUdi 
hergebracht und gehalten worden ist, unverhindert männigliches, 
zugelassen und bewilliget, auch an ihren Ehren und Pflichten aller 
Ding unentgolten seyn. Doch soll den Oberkeiten an ihren Gerech- 
tigkeiten und Herkommen der Leibeigenen halben, dieselbigen ledig 
zu zehlen oder nicht, hiedurch nichts abgebrochen oder benom- 
men seyn ** 



i 



— 37 — 

§. 15, welcher die Hauptgnmdsätze des Uebereinkommens 
feststellt, jene verhängnissvolle Deutung, welche in dem mon- 
strösen Satze: cujus regio, ejus reUgio gipfelte. Denn, wenn 
auch der erste Theil des §.15 die Religionsfreiheit nur den 
Reichsständen zuspricht, so lässt sich doch der letzte Absatz 
desselben derart auslegen, dass jeder gewaltsame Act gegen 
wen immer in Sachen des Religionsbekenntnisses als verpönt 
erscheint, nachdem es da heisst: „und soll die streitige Reli- 
gion nicht anders, dann durch christliche, freundliche, friedliche 
Mittel und Wege zu einhelUgem christlichem Verstand und 
Yergleichung gebracht werden." Es wäre nun kaum irgend 
einem Reichsstande möglich gewesen, die Ausweisung semer 
andersgläubigen Unterthanen als ein „freundliches und fried- 
liches Mittel für die Vergleichung" zu erklären, wenn nicht 
§. 24 selbst stillschweigend eme solche Subsumption noth- 
wendig machen würde. Denn wozu brauchte es Bestimmungen 
über die Auswanderung der Religion wegen, wenn eine solche 
überhaupt nicht erzwungen werden könnte? Wer wird aus- 
wandern, so lange man ihn nur „friedlich und freundlich*' 
behandelt? 

Die unehrliche Gesinnung der einen der pads- 
cirenden Parteien, welche die Zweideutigkeiten und Wider- 
sprüche dieses unseligen Friedensinstrumentes hervorrief gab 
den Erben dieser Gesinnung die Mittel an die Hand, eine 
formelle Basis für religiöse Intoleranz imd Gewaltacte zu 
finden, die nimmermehr im Sinne der Sieger von 1552 gelegen 
waren und in grösserem Masstabe auch nur einseitig von der 
katholischen Partei zur Anwendung gebracht wurden. 

Wenn demnach auch die erzherzogliche Regierung bei 
den von ihr vorgenommenen Ausweisungen der Akatholiken 
die formelle Berechtigung aus dem Augsburger Frieden ab- 
leiten konnte und der Widerspruch der Betroffenen nicht von 
evidenter Richtigkeit war, so scheint doch die zweite Anklage 
von der Ungesetzlichkeit der Einhebung des 10. Pfennigs, als 
einer m Innerösterreich nicht bestehenden Gewohnheit, be- 
gründet zu sein, nachdem die Regierung in den bis jetzt 



— 38 — 



bekannt gewordenen Acten nirgends den Nachweis versucht» 
die Gesetzmässigkeit ihrer fiscalischen Verordnung historisch 
zu belegen. Sehr bezeichnend für die Kanzleitaktik der inner- 
österreichischen Bäthe ist auch die im 21. Punkte der Grava- 
mina erwähnte Thatsache, dass eine Beschwerdeschrift aus 
dem Grunde nicht angenommen wurde, weil bei der Präsen- 
tirung kein Mitglied geistlichen Standes zugegen gewesen, 
sowie der im 19. Punkt erhobene Vorwurf, dass selbst das 
dem Landtage zustehende Vorsclilagsrecht für Ehrenämter un- 
berücksichtigt bUeb, ausschliesslich um die Protestanten zurück- 
zusetzen und in der richtigen Erwartung, dass gekränkter 
Ehrgeiz am ehesten geeignet sei, Gewissensscrupel zu be- 
siegen und den Adel, dem man mit offener Gewalt doch 
nicht beikonnte, — katholisch zu machen. 

Es erübrigt noch die Beantwortung der Frage, wie denn 
diese „Gravamina" 10 Jahre nach ihrer muthmassUchen Ab- 
fassung dazu gelangt seien, fem von dem Orte ihrer Ent- 
stehung, in Prag, in der Gesellschaft von polnischen und fran- 
zösischen Angelegenheiten das Licht der Publicität zu erblicken. 
Eine wenig gewagte Combination gibt die Erklärung. Es wird 
für die historische Flugschriftenliteratur kaum ergiebigere 
Jahre geben, als die Jahre 1619, 1620, 1621, wo sowohl 
von protestantischer als katholischer Seite die Presse als 
Agitationsmittel ganz ungewöhnlich in Bewegung gesetzt wurde. 
Die Häupter der Union Uessen in Augsburg, Hanau, haupt- 
sächüch aber in Prag eine Flugschrift nach der andern er- 
scheinen, welche theils zur Vertheidigung der eigenen Politik, 
theils zur Anklage wider die Gegner bestimmt waren. Zu 
einer solchen hat nun eme Persönlichkeit, welche entweder 
selbst zu den evangelischen Herren der Steiermark zählte, 
oder doch denselben sehr nahe stand, willkommenes Material 
geliefert, indem sie die anno 1609 abgefassten Gravamina zur 
Verfügung stellte. Die Betheiligung innerösterreichischer Pro- 
testanten an der böhmisch-pfälzischen Action habe ich ander- 
wärts nachgewiesen ^), das Vorhandensein von Verbindungen 

"') Christian von Anhalt und seine Beziehungen zu Innerösterreidi. 
Graz, Leuschner 1874. 



— 39 — 

zwischen steirischen Baronen und Christian von Anhalt, Thurn, 
Tschernembl u. A. lässt es glaublich erscheinen^ dass man 
durch die Publication der besprochenen Gravamina einerseits 
die Wahrscheinlichkeit einer Erhebung der innerösterreichi- 
schen Protestanten bei den unirten Fürsten in Aussicht stellen 
und andererseits in Innerösterreich selbst die Gemüther er- 
regen und fbr die Gemeinsamkeit der Religionsinteressen 
nord- und südwärts der Donau empfängUch machen wollte. 

Im innigen Zusammenhange mit der eben besprochenen 
Beschwerdeschrift steht nach meiner Anschauung jene „Voll- 
machts- imd Vereinigungs-Urkunde der unkatholischen Land- 
leute Cäxnihens", welche Hurter im Anhange des VI. Bandes 
(pag. 643) seines mehrmals erwähnten Werkes abdruckt Die- 
selbe trägt ebenfalls das Datum von 1619, enthält jedoch im 
Texte von vorneherein die Erklärung, dass sie nur als eine 
Erneuerung einer schon am 29. August 1609 entstandenen 
Urkunde zu betrachten ist, in welcher sich die evangelischen 
Standesmitglieder der drei Lande auf Edelmannswort gegen- 
seitigen Schutz und Beistand zusagen, falls einem von ihnen in 
Folge von Religionsangelegenheiten ein Unrecht zugefügt würde. 

Die früher berührten Vorgänge im Landtage von 1609, 
die Theilnahme von Parteigenossen aus Kärnten und Krain, 
die unwillige, gereizte Antwort des Erzherzogs sind die Folge 
des vorher geschlossenen Bündnisses, welches durch die 
Urkunde vom 29. August 1 609 formell abgeschlossen wurde 
und höchst wahrscheinUch eine noch weitergehende Bedeutung 
hatte, als der Text der Urkunde selbst verräth. 

Man muss sich vergegenwärtigen, dass 1609 das Jahr 
des Msgestätsbriefes ist, dass in demselben Jahre ein Prinz 
des Hauses Oesterreich, Mathias, der ständisch-evangelischen 
Opposition in Oesterreich und Mähren die Hand gereicht und 
mit ihr im Bunde seine Ziele erreicht hatte, um das Vor- 
gehen des innerösterreichischen Adels vollkommen würdigen 
zu können. Ebenso wird man aber auch aus dem Zusanunen- 
hange der gesammtösterreichischen Verhältnisse die Ueber- 
zeugung schöpfen, dass die beste Zeit für eine erfolgreiche 



— 40 — 

ständiscbe Action bereits yorübergegangen war, dass die Iimer- 
österreicher mit ihrer Conföderation zu spät gekommen waren 
und überhaupt viel zu ehrlich und loyal gehandelt hatten, um 
gegenüber der JesuitenpoUtik einen Yortheil erringen zu können ^. 

So blieben denn die Gravamina in dem Pulte des evan- 
gelischen Ausschusses liegen, um gleich der ständischen Oppo- 
sition selbst einen zehnjährigen Schlaf zu halten und nach 
ihrer Wiedererweckung sofort für immer gegenstandslos zu 
werden. Die Conf&derationsurkunde wurde 1619 ebenfalls er- 
neuert; doch kemeswegs, wie dies 1609 ohne Zweifel der 
Fall war, auf einer allgemeinen Versammlung, sondern im 
Wege schriftlichen Verkehres. Es geht dies aus der Schluss- 
formel hervor: „beschehen im Landtage den 20. Febrajj zu 
Gratz, 4. Marzi zu Elagenfurt, hernach in Labach, davon 
tägüch der Succurs erwartet wird". 

Von einer Wirkung dieser Wiederemeuerung der inner- 
österreichischen Conföderation ist mir nichts bekannt ge- 
worden ; es lässt sich auch das Gebahren des evangelischen 
Ausschusses der drei Länder kaum beurtheilen, seine That- 
losigkeit schwer erklären, so lange nicht weitere Materialien 
dafür an das Tageslicht gebracht werden. Dass die darauf 
gerichtete Forschung nicht ganz aussichtslos sein dürfte, dass 
eine auf Grundlage erweiterter Kenntnisse fussende Darstel- 
lung der Gegenreformation aus dem Stadium des frommen 
Wunsches noch zu weiteren Phasen gehoben werden konnte, 
ist nur durch meine bisherige Beschäftigung mit den Geschichts- 
quellen jener Zeit nahezu zur Gewissheit geworden. 

Graz, Mai 1874. 



"> Erzherzog Ferdinand rühmte diese Ehrlichkeit selbst in einem 
Briefe an seine Mutter (Hurter Y. 257), als er Eenntniss erhielt, 
dass die steirischen Verordneten die Aufforderung Mathias, sich 
ihm anzuschliessen, uneröfifhet zurückgesendet hatten. Wenn die 
evangelischen Herren dabei auf Dank und Anerkennung und endliche 
Gewährung ihrer bescheidenen Forderungen gerechnet hatten, so 
legten sie dabei eine Eurzsichtigkeit an den Tag, über welche ihre 
Gegner nicht wenig Vergnügen empfunden haben mdgen. 



— 41 — 



Die Herrschaft König Ottob's II. von Böhinen 

in Steierraark. 
Ihr Werden, Bestand und Fall (1252 — 1276) 



Dr. F. Krones. 



Qoeilen-HilfsmitUl.*) 

a) Qnellenschriftsteller. 

Ottokar's Reimchronik, h. v. Pez in den scrr. rer. 
aostr. UL Bd. — Annales Aastrise, h. v. Wattenbach im 
XI. Bde. der Monum. Germania) (vgl, die A. b. Pez and Rauch 
nnd Stögmann's bezügliche Zusammenstellung im IX. Bde. des Arch. 
f. E. ö. G.) Annales Ottocariani im XI. Bde. der M. G. 
Contin. magni presbyt. Reichersperg, Hermanni Altah. ann. Mon. 
Germ. XVII. — Die Compilation: Chron. Australe o. Historia 
australis b. Freher-Struve Corp. scrr. rer. germ. p. 431 — 490 aus 
dem 14. Jahrb. (vgl. 0. Lorenz: Deutschlands Gesch. Q. im M. A. 
S. 268). Joannis abb. Yictoriensis, Chron. h. v. Böhmer 
in den Fontes rer. germ. L, in diesem Thcile der Rheimchronik 
nachgeschrieben; desgl. Mathsei cujusdam vel Gregorii Hageni 
gennanicum Austriae chronicon b. Pez scrr. I. 1043 — 1158; Eben- 
dorfer von Haselbach Chron. austr. ebda.: — Anon. Leob., h. 
V. Pez L Bb. der scrr. vgl. Zahn's Ausgabe Graz 1865. — Keza 
Chron. Hnng. Endlicher Mon. Arpad. I. und Thuroczy Chron. Hung. 
b. Schwandtner scrr. rer. Hung. I. (liefern so gut wie nichts), ünrest 
K&mtn. Kronik b. Hahn Coli, monum. I, (schreibt der Reimchronik 
Ottokars nach), s. 

b) Urkundensammlungen. 

Gerbert uud Bodman Cod. epist Rudolfi I. 1772 f. u. 1806. 
Dolliner: Codex epist regis Premislai Ottocari Vienn. 1803. — 
(Pusch und Fröhlich), Diplomataria sacra ducatus Stj- 
riae, 2 Bde. 1796. Palacky Formelbücher 1842. Bärwald: Baimi- 
gartenberger Formelbuch fontes rer. ausir. 2. A. XXV. 1866. — 



*) Die mit gesperrtem Satze gedi-uckten Titel bedeuten vorzugsweise 
oder am h&ufigsten gebrauchte Werke. 



— 42 - 



Boczek Cod. dipL epist Morayi» m., lY. Bd. 1836 f.; Erben 
nnd Em 1er Reg. BoL Moravi» diplomatica Pars prima et se- 
cunda (Vol. L II.) 1855—1873. — Fejir Cod. diplom. Hang. 
IV, 2. — Böhmer Kaiserregesten (Regesta imperii 1198 — 1254 
und 1246—1313 et Addit I. IL 1844—1857 Urinindenbach des 
Landes o. d. Enns 1852 ff. III. Bd. Urkunden z. Gesch. v. Oest, 
Stm., Kämt., Krain, Görz, Istr., Triest, Tirol v. 1246 — 1300, L v. 
Chmel (1849) im I. Bde. der Fontes rer. anstr. erste Abth. — 
Bianchi: Documenta bist Forojol. ssecoli XIII. 1206 — 1299 snm- 
matim regesta. Arch. f. K. ö. G. 22. Bd., 373 ff. (1267 ff.) 

c) Bearbeitungen. 
Ph. Lambacher: Oesterr. Interregnum u. s. w. 1773, 4^ 
Rauch: Oest Gk^chichte (begonnen von Schrötter) in.Bd. ( — 1280). 
F. !^urz, Oesterreich unter Ottokar u. Aibrecht I. 1. — 2. Bd. (Urkdn.) 
Lichnowski, Geschichte des Hauses Habsburg I. Bd. 1836. 
Wiener Jahrbacher f. Litt <& Kunst 108. Bd. A. v. Chmel 
über Lichnowski's Geschichte des Hauses Habsburg u. s. w. 
(urkundl. Material z. Salzburger Kirchenstreite.) (Vgl. K o c h- 
Sternfeld 's Beitr. z. Gesch. Salzb. etc. IH. Bd. u. s. Anfe. 
in den Abb. der kön. bair. Akad. d. W. IV, 2.) 
Palacky, Gesch. Böhmens H. 1, A. (u. d^ini H, 1.) 
Kopp, Gesch. d. eidgenöss. Bünde L, H. Bd. 
0. Lorenz, Erwerbung Oesterreichs 1857. Deutsche Geschichte 
im 13. und 14. Jahrb. I. H. Bd. 1864 und dessen frühere Ab- 
handlung über den Salzburger Kirchenstreit im 33. Bde. der 
Sitzungsber. bist. phil. Kl. 
Dudik, Gesch. Mährens, 5. Bd. 1870. (1197—1261.) 
Fessler, Gesch. der Ungarn, neu bearb. v. Klein, I. Bd. 
Hirn, K. Rudolf L Wien 1874. 

Für steierm. u. innerösterr. Gesch. insbesondere. 
C&sar, Ann. duc. Styri» L Bd. 1768. 
Muchar, Gesch. das Herz. Steiermark 5. Bd. (vgl. 2, 3.) 
K. Tan gl, Handb. der Gesch. des Herz. Kärnten. IV. 1. A. 
Tangl, die Grafen von Pfaunberg; die Grafen v. Heunburg im 

XVn., XVm., XIX., XXV. Bde. des Arch. f. K. ö. G. 
J. Falke, Gesch. des Hauses Liechtenstein I. Bd. 1868. 
Manzano, Annali del Friuli HL Bd. 1860/ 
(Kleinmeyem) luvavia, 1784. 
Zauner, Chronik von Salzburg, 2. Bd. 
A. Pichler, Landesgeschichte von Salzburg, 1866. 
Krön es, Quellenm&ssige Vorarbeiten z. Gesch. und Quellenkunde 
des mittelalt Landtagswesens der Steiermark, im 2. Jahrg. der 
Btr. z. K der stm. G. Q. 



— 43 — 

d) Handschriftliches. 

Die wesentliche Gmndlage meiner Arbeit bildeten die Urknn- 
densammlung, die Regesten und Repertorien des musterhaft ge- 
ordneten steierm. Landesarchives. 



Des Ranmerspamisses willen und im Interesse der lieber- 
sichtlichkeit wurden sämmtliehe Urkundenbelege, die wenigen im 
Texte untergebrachten abgerechnet, einem eigenen Anhange einver- 
leibt und dem Texte die laufenden Nummern dieser Regesten in 
Klammern eingefügt Ueberdies vermied der Verfasser so viel als 
möglich alle Citate und nur, wo dies unausweichliche Nothwen- 
digkeit war, erscheinen solche unter dem Texte. 



i Die Vorgäoge in den Jahren 1246— 13S4 bis zum Ober Frieden. 

Der streitbare Friedrich, des Hauses Babenberg letzter 
männlicher Sprosse, hatte sein Ende in der Lejtaschlacht 
(1246, 15. Juni) gefunden, durch Feindeshand, oder, wie ein 
schlimmeres Gerücht besagte, durch die tückische Waffe ge- 
heimer Widersacher im eigenen Heeresgefolge. 

In der Fülle blühender Manneskraft war er dahin ge- 
schieden und galt er auch bei Lebzeiten als harter, launen- 
hafter Fürst, dessen Lebenselement die Fehde und der Sin- 
nengenuss waren, der mit allen Nachbarn im Streite lag und 
ebensowenig den Säkel und die Wehrkraft der Lande als ihre 
Rechte und Freiheiten schonte, so vergass man jetzt dieser 
Schattenseiten und gedachte lieber seines kräftigen Annes, 
mit dem er Willkür und Gewaltthat der Mächtigen im Lande 
gezüchtigt, seiner reckenhaften Tapferkeit,, die er mächtigen 
Gegnern und Landesfeinden verspüren liess und beklagte in 
ihm das Erlöschen enies vielgerühmten kerndeutschen Für- 
stenstammes ^). 



) Ganz bezeichnend heisst es darum im Yictoriensis A. in Böhmer's 
Fontes rar. germ. L, S. 282. Hie (Fridericus) eine berede decessit, 
quod terram plus quam ejus interitus perturbavit. 

Vgl. Cent Garst. Mon. Germ. XI, 598 Austria et Styria quasi una 
sedet in pulvere trisMs et gemebunda. 



. I 



— 44 - 

Mehr als ein halbes Jahrhundert stand auch unser Land 
unter babenhergtscher Herrschaft und wie sehr es auch, trotz 
dieser fiusserlichen Verbindung mit Oesterreich, seine innere 
E^enständigkeit und verfassungsmässige Autonomie behauptet 
hatte, so verkn&pfte doch beide Lfiader das Buid der Per- 
sonalonion und setzte den PulsscUag ihres politiscbeii Lebens 
in gleichifinuige Bewegung. 

Nicht ungetrübt war das Verhältoiss der Steiermärker 
zu dem letzten Babenhei^er; schwer empömd die St&nde- 
BChaft den Druck von Massr^ehi des kriegslustigen Fürsten, 
die ihre verbiieften Rechte und Freiheiten krankten und sie 
säumt« nicht, als Kaiser Friedrich U. den trotzigen Herzog 
geächtet, von ihm gleich den Oesterreichem abzufallen und 
der unmittelbaren Herrschaft des Reiches und des Kaisers 
anzugehören. Aber der letzte Babenberger war grösser durch 
Thatkraft als sein Missgeschick, er gewium das Verlorene 
wieder, da der Kaiser selbst den Aus^eich suchte, und gerofter 
an Erfahrung,- klüger an Einsicht waltete er nun des Fttr- 
stenamtes in der Stäermark zu allgemeinerer Zufriedenhdt 

Und so war denn sein vorzett^er Tod ein fühlbarer 
Verlust auch für die Steiermark ; man sah sieb an der SchweBe 
einer unerquicklichen, emer herrenlosen Uebei^fangszeit, deren 
schwere Noth Herzog Friedrich's Waffengeuosse, unser ritter- 
licher Sänger Ulrich von Liechtenstöi beklagt, und die sich 
in der geschichtlichen Dichtung des Rebndironisten Ottokar 
abspiegelt 

Nach dem klaren Wortlaute der babenbergischen Hand- 
feste V. J. 1156 (1215 neu bestätigt) und dem im Reiche 
geübten Lehenrechte mussten Oesterreich und Steiermark in 
Folge der Lejtaschlacbt des J. 1246 als heimgefallene Reichs- 
lehen gelten. Selbst wenn das angebliche Testament des 
letzten Babenbergers in Anschlag gebracht wird, wonadi die 
binterlassenen Herzogthumer der Fürsorge des rßmisdien 
Stuhles empfohlen wurden, lässt sich von dieser Rechtsan* 
schauung nicht abgehen ond ebensowenig verkennen, dass sie 
in der Steiermark weit mehr iu's Gewicht fiel, als die Ge- 



— 45 — 

neigtheit für das natürliche Erbrecht der ttberlebenden weib- 
lichen Seitenverwandten des Herzogs, seiner Schwester Mar- 
garethe, verwitweten römischen Königin, und der Nichte Grertrud, 
um deren Hand sich nicht lange zuvor der Kaiser selbst 
beworben hatte, die aber dem böhmischen Königssohne Wla- 
dislav Hemrich, Markgraf von Mähren, zu Theil wurde. 

Denn wie sehr sich auch des Kaisers grösster Gregner, 
der willensstarke Papst Innocenz IV., zu Gunsten dieses weib- 
lichen Erbrechtes abmühte, um die beiden Lande der Hand 
des Kaisers zu entwinden, — in der Steiermark fand der 
Günsthng des römischen Stuhles, Herrmann von Baden, Ger- 
truden's zweiter Gatte, keine Anerkennung'), deren er im 
Lande Oesterreich auch nur in beschränktem Masse genoss 
(9). Wohl aber wandten sich die Steiermärker an den Staufen- 
kaiser wiederholt mit der Bitte, dem herrenlosen Zustande ein 
Ende zu setzen, denn die Reichsverweserschaft des Ebersteiners, 
dann des Görzer Mainhard, galt doch nur als Nothbehelf. 

Der Kaiser aber, in unheilvollem Kampfe für seinen 
Machtbestand auf wälscher Erde verwickelt und durch sein 
Verhängniss entfremdet dem deutschen Reiche, woselbst ein 
Gegenkönig um den Ändern das Ansehen seines Sohnes, des 
römischen Königs Konrad lY. bekämpfte, hatte weder Müsse 
noch Willen, die schwierige Frage im Smne der Steiermärker 
zu lösen. -—Er starb den 13. December 1250, mit ihm der 
Glanz und die Grösse seines Hauses und so floss das öster- 
reichisch-steiermärkische Zwischenreicb mit dem gemein- 
deutschen zusammen. Dem Reiche fehlte die einigende Kraft; 
darf es uns da Wunder nehmen, wenn an seiner Peripherie, 
in den südlichen Donaualpenländem besonders, das politische 
Leben eigene Bahnen einzuschlagen begann und das Testament 
des Kaisers *) für diese Länder wirkungslos blieb ? 



*) Den Titel dux Austri» et StyriiB führte er allerdings. 

*) Lambacher (Interr. S. 40 1) hält es ftkr erdichtet, doch kann seine 
Echtheit nicht entscheidend bestritten werden. Vgl. über das Testa- 
ment die Angaben in Potthast's Begg. pontit z. J. 1250, December 
18-17. 



— 46 — 

und doch hätte gerade Ktiiser Friedrich's ü. letzter WSe 
die beste, naturgemässe Vereöhnung der Gegensätze herbei- 
führen können, da er seinen gleichnamigen Enkel, den Sohn 
der I'abenbergerin Margaretba und König Heinrich's VII^ des 
unglücklichen Sproseen des Kaisers, zum Erben Oest^rächs 
und Steiermarks einsetzte. 

Aber das Testament blieb, wie gesagt, virkungsloa, Über- 
dies verscholl alsbald dieser Enkel — wie das GerQcht be- 
sagte, von seinem Halboheime Manfred durch Gift aus dem 
Leben gescbnflFt — und die Zeit war gekommen, wo an die 
Steiennärker und Oesterreicber die gebieterische Nothwen- 
digkeit herantrat, die Entscheidung ihrer Zukunft in eigene 
Hand zu nehmen. 

"Ea war hohe Zeit, dass sich die Steiermäriier tun einen 
LandesfÜrsten umsahen, denn es war zu besorgen, ihre Heimat 
wUrde der Tummelplatz der Raub- und Fehdelust, der gemem- 
schädlichen Farteileidenscbaft und gerade die „Besseren und 
Edleren" TerlOren das Gefühl für das Beste und die Ehre 
des Landes^). 

Hatte doch der Sponbeimer Phihpp, des Kfimtoer Herzogs 
Bernhard jQngerer Sohn, damals Erwählter von Salzbui^ ein 
Mann, dessen ganzes Wesen mit dem geistlichen lErtenamte *) 
im grellsten Widerspruche sich bewegte, — jene schlimmen 
Neigungen zur Fehde um Gewinn bei so manchem steiriscben 
Edelherm auszunfitsen Gelegenheit gefunden, — als er, der 
Gegner des Kaisers und vor allem der ghibellinisch gesinnten 
Görzer, in das Ennsthal einbrach und unter dem Aushänge- 



*) Ulrich von LiechteDBtem im Fraaendieiut A. Lachmann's pg. 630: 

nun roDbt diu lutt naht unde tec 
dft Ton Til dörfer wflesie lac. 
dje reichen wurden sA gemaot 
daz si den armen nAmn ir guot." 



>) üeber s. geiatlichOB Vorleben TgL Dadik, GeRchichte Mährens 5, 



— 47 — 

Bchilde der Züchtigung der unrechtmässigen Träger salzbur- 
gischer Hochstiftslehen das entschiedene Streben verrieth, das 
ganze Thalgelände bis zum Rottenmanner Tauem von der 
Steiermark loszureissen. Da dienten ihm um Sold und andern 
Gewinn Glieder der steirischen Ständeschaft, deren Namen 
vom besten Klange sind und noch oft an erster Stelle sich 
finden, wo die wichtigsten Landesangelegenheiten zur Sprache 
kommen % Es sind die Grafen von Pfannberg, Bernhard und 
Heinrich, Dietmar der Weissenecker, Ulrich von Marburg, 
Wulfing von Treuenstein, Albert von Wildhausen und auch 
Herr Ulrich von Liechtenstein (10) fehlt dabei nicht ')• Dieser 
bezeugt urkundlich, als treuer Dienstmann des Erzbischofe, 
keinen deutschen Kaiser als den rechtmässigen anerkennen 
zu wollen, den nicht der Papst und Deutschland's staufen- 
feindliche Kirchenftlrsten als solchen betrachten würden. Tragen 
wu* aber den thatsächlichen Verhältnissen Rechnung und 
vergessen wir nicht, wie wenig Ernst man damals wie zu 
zu allen Zeiten mit solchen urkundlichen Versicherungen und 
Redensarten machte, — so erscheint uns dieses Benehmen 
des Liechtensteiners ebenso begreiflich als belauRlos für seine 
prinzipielle Parteistellung, die überhaupt in solchen Zeiten all- 
gemeiner Unsicherheit und widerstreitender Rechtsanschauungen, 
wo auch die Besseren nicht immer wussten, was Rechtens 
sei und wem man gehorchen solle, der wechselnden Partei- 
nahme aus persönlichen Beweggründen des greifbaren Vor- 
theils und äusserlichen Ansehens den Platz stets räumen muss. 
Veranschlagen wir nämlich den gesammten Bodenbesitz 
der Salzburger Kirche in der Steiermark, wie er sich im 
eilften Jahrhunderte entwickelt darstellt, so zeigt derselbe einen 
Umfang, der dem Allodial- und Lehenbesitze der Traungauer 
mindestens gleichkam. Immerhin blieb derselbe trotz späterer 



*) Vgl. über diese Verhältnisse die Abhandlung Ottokar Lorenz' im 
33. Bde. der Sitzungsb. der bist. pbil. Kl. und die Darstellung in 
seiner deutsehen Gesch. L 73—80. 

^ Die Daten über den bisherigen Lebensgang und Aemterbesitz des 
Liechtensteiners s. Falke a. a. 0. 104—112. 



— 48 — 



Wandlungen bedeuteud genug. Die Grafschaft des Ennsthales, 
wenngleich ein Bestandtheil der karantanischen Mark, später 
des Herzogtimms Steier, bestand fast durchwegs aus salzbur- 
gischen Gütern im eigenen Bestände oder in den Hflnd^ 
adeliger Lehensträger des Hochstiftes (1—4, 6, 8), vor Allem 
aber der Landesherzoge, unter denen der letzte Babenberger 
Vieles dessen, was er vom Hochstiftie zu Lehen trug, an After- 
lehensträger vergabte. Hier also, dann am obem Murboden, 
wo die Kammerfeste Yonstorf einen wichtigen Mittelpunkt 
salzburgischen Besitzes bildet, in der Gegend Mittelsteiermark^s 
mit dem Vororte Leibnitz und in der unteren Mark, allwo 
Pettau als eine Hofetatt des Erzstiftes bestand, fand sich an 
stattlicher Kreis Salzburger Vasallen aus der steiermärldschen 
AdelschafL Darf es uns da Wunder nehmen, dass in den 
Tagen der Unsicherheit, als die Steiermark eines Landes- 
fürsten entbehrte, so mancher Edelherr Gunst und Verdienst 
bei dem mächtigen Inhaber des Hochstiftes und Bruder des 
Kärntner Herzoges suchte und Angesichts des Umstandes, 
dass es im Reiche kein allgemein anerkanntes Oberhaupt gab, 
Verbindlichkeiten einging, die der Kirche das Entscheidungs- 
recht in der Königsfrage einräumten? Der Liechtensteiner 
und seine Standesgenossen in gleicher Lage dachten darum 
nicht um Haarbreite päpstlicher als Andere, höchstens eigen- 
nütziger. 

Anderseits begreifen wir aber auch ganz gut, dass der 
Erwählte von Salzburg die günstige Gelegenheit nutzen wollte, 
das zersplitterte Lehensgut des Hochstiftes in der Steiermark 
zurückzugewmnen (5) und für alle Begegnisse einer ausgie- 
bigen Vasallenhilfe sich zu sichern bemüht war, wie die Hof- 
tage Philipp's im Februar und Jimi 1260 zu Vonstorf an- 
deuten (11). Willfährige Lehensmannen. wie namentlich die 
Pfannberger, fehlten nicht; Dienstverträge wurden geschlossen, 
die denn doch irgend ein Hinterpförtchen offen Hessen (12, 
13) und der Erzbischof war nicht der Mann auf halbem Wege 
stehen zu bleiben, wie die Rheimchronik andeutet An Wil- 
lenskraft und kriegerischer Tüchtigkeit gebrach es ihm kei- 



— 49 — 

neswegs, me bald darauf sein glücklicher Kampf mit dem 
Görzer und Tiroler Grafen (1252) bewies. 

Da trat denn an die Steiermärker die verhängnissvolle 
Frage heran, wen sie zum LandesfUrsten erküren mochten. 
Unter den Oesterreichem hatte sich eine starke Partei für 
den Sohn des Böhmenkönigs Wenzel, Premysl Otokar, Mark- 
grafen von Mähren, Gertruden's Schwager und Verwandten 
des Sponheimers Philipp gewinnen lassen. Denn vorderhand 
gab es keine die Vergabung fälliger Reichslehen entscheidende 
Kaiser- oder Königsgewalt in Deutschland, und der böhmische 
Thronfolger, verwandt mit den Babenbergem und dem Kärntner 
Herzogshause, auch bei dem römischen Stuhle gut ange- 
schrieben, in der Fülle der Jugend und Kraft, erschien als 
der geeignetste und mächtigste Bewerber, freigebig im Lohnen 
und nicht karg mit Versprechungen und freundlichen Worten. 
Ueberdies war er entschlossen, der betagten Margarethe, der 
Schwester des letzten Babenbergers und Schwiegertochter 
Kaiser Friedrich's H, die Hand zu reichen, nachdem er im 
Spätherbste des Jahres 1261 *) Oesterreich und auch Wiener- 
Neustadt**), das Bindeglied zwischen Oesterreich und Steier- 
mark, zur bedingten Anerkennung seiner landesfürstlichen 
Gewalt gebracht hatte. Endlich darf man auch nicht über- 
sehen, dass Philipp, der Erwählte von Salzburg, dem die 
Ungarn alle seine Errungenschaften in der Steiermark ab- 
drangen, in Gemeinschaft mit seinem Bruder, dem Kärntner 
Herzoge Ulrich, sein mö^ichstes that, um die Ungarn bei 
Ottokar anzuklagen *") und den premyslidischen Verwandten 
zur Annexion der Steiermark aufzumuntern. 



») Vgl. Lorenz, Erwerbung Oesterreich's durch Ottokar v. Böhmen, 
1857, S. 11 ff. 1251, 21. Nov. fand bereits der Huldigungstag in 
Klostemeuburg statt, s. Urkdb. des L. o. d. E. III. 178. 

9) Vgl. Erben's Regg. I 612 Nr. 1326. 
^^) Beimchr. Cap. 22. 

^^TCr chlagt Im ser den Gewalt 
den Im der Chunig Welan 
hie ze Steyr het getan" 

BKIttlicil. '• Ust y«reiaa f. BMtmftrk. ZZn. Heltf 18T4. 4 



^ I 



— So- 



lu der steiermärkischen Ständeschaft äusserte sich nun 
eine Parteispaltung, denn mit klaren Besitzrechten oder be- 
rechtigten Ansprüchen hatte die damalige Sachlage ninmier zn 
schaffen. Es war die Zeit der Annexionen und Usurpationen 
gekommen, die Zeit, in welcher die Stäermärker ent- 
schlossen waren, sich den Herrn selbst zu wählen und man 
wäre versucht, eben diesen Zeitpunkt ftür den auffälligen 
Zusatz von späterer Hand in den landrechtlichen Satzungen 
der Georgenberger Urkunde vom Jahre 1186 verantwortlich 
zu machen. Ein Theil der steiermärkischen Landherren 
dachte an ein Zusammengehen mit dem Schwesterlande und 
stimmte für Ottokar's Anerkennung. Ob der Führer dieser 
Partei, Ulrich von Liechtenstein, sein Bruder Dietmar auf 
Ofienberg, der Treuensteiner, Ehrenfelser u. A. einzig und 
allein von dem Grundsatze geleitet wurden, „es sei Rechtens, 
dass Oesterreich und Steierland Einer Hand unterthänlg bleibe^, 
— und nicht auch andere greifbare Beweggründe von der 
böhmischen Annexionspolitik aufgeboten wurden, — lässt sich 
nicht sicher entscheiden. Immerhin wollen wir annehmen, dass 
dabei der Liechtensteiner »witzig und männlich' dachte; 
überdies gab die nächste Zukunft dieser Partei Recht. 

Anders aber dachten, Dietmar von Weisseneck an der 
Spitze, Friedrich von Pettau, Ulrich und Leutold, die Wil- 
donier, Wulßng von Stubenberg, Heinrich von Pfannberg, Sei- 
fried von Mährenberg, die Ramensteiner, der Kranichsberger, 
Kolo von Seldenhofen, — gewiss die stärkere Partei. Sie 
kam den Wünschen der Witteisbacher, Herzog Heinrich's, des 
Bruders Pfalzgrafen Ludwig's, entgegen. Dieser musste aber 
bald das willkommene Angebot fallen lassen. 

Denn sein Schwiegervater, König Bela IV. von Ungarn, 
war nicht gesonnen, dem Eidame mit Rath und That be- 
hilflich zu sein, ihn gelüstete selbst nach dem Besitze der 
benachbarten Steiermark. Bald gelang ihm die Ausnützung 
der wittelsbachischen Partei zu ungarischen Annexionszwecken 
und die Babenbergerin Gertrude, inzwischen wieder aus ihrer 
Zurückgezogenheit aufgetaucht, wurde schon aus Verdruss 



— 51 — 

über die Wendung der Dinge in Oesterreich seine Verbündete. 
„Mit Boten und Briefen/ erzählt die Reimchronik, „übergab 
sie all' ihr Recht auf Oesterreich und Steierland heimlich^ 
dem Ungamkönige, der ihr als Entgelt den dritten Gatten, 
Roman von Halitsch, seinen Neffen auserkor. So dienten beide 
Babenbergerinen, Margarethe und Gertrud, der politischen 
Annexion als brauchbare Rechtstitel, wenngleich Gertrudens 
bezügliche Cession thatsächlichen Einflusses so gut wie ganz 
entbehrte. 

Da Ottokar jedoch, seit Februar 1252 Verlobter und 
zwei Monate später Gemahl Margarethen's, sich nicht bloss 
Herzog von Oesterreich, sondern auch von Steiermark schrieb, 
überdies alles aufbot, um die Gunst der Steiermärker zu ge- 
winnen ; da er im Sommer des genannten Jahres einen Güter- 
vertrag mit Dietmar von Steier abschloss (15) und Urkunden 
als Herzog der Steiermark aussteUt, ja persönUch in das 
Land gekommen zu sein scheint, — während die Ungarn 
einen verheerenden Einfall nach Oesterreich und Mähren voU- 
fbhrten, — so liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, Bela IV. habe 
damals noch nicht über die wittelsbachische Partei in unserem 
Lande verfügt und die Occupation der Steiermark besten Falles 
im Herbste und nur unvollkommen durchzuführen vermocht. 
Ja wir begegnen noch im Mai und Juni des nächsten 
Jahres (1253) dem böhmischen Thronfolger als „Herzoge 
Oesterreichs und Steiers" in unserem Oberlande, zu Leoben, 
von einem stattlichen Kreise steiermärkischer Adelsherren 
umgeben. Auch Dietmar von Weisseneck und Wulfing von 
Stubenberg finden sich (16) — aufiMlig genug — darunter, was 
auf eine ungamfeindliche Haltung Einzelner von der wittels- 
bachischen Partei schliessen liesse. Ueberdies spricht die 
Beimchronik von der Vertreibung des ungarischen Haupt- 
mannes Ainbold. Wir bewegen uns somit innerhalb urkund- 
licher Thatsachen und verworrener Ueberüeferungen, die kei- 
nerlei klare und sichere Ansicht ermöglichen. 

Jedenfalls werden wir sicher gehen, wenn wir uns dem 
Geleite der Reimchrbnik nur mit grosser Vorsicht überlassen 

4* 



— 52 — 

und folgenden Gang der Ereignisse als den wabrschdnlicfaen 
hinsteUen. Der erste Zeitabschnitt der ungarischen Annexion 
fäDt in den Spätsommer und Herbst des Jahres 1252, zwei- 
felsohne in Verbindung mit dem verwüstenden Ein&lle Bela'sIV. 
nach Oesterreich, der den Ungamkönig um den 20. Juni im 
Lager vor Wien erscheinen lässt Ottokar's Anwesenheit in 
der Steiermark ist für damals auf urkundlichem Wege nicht 
genau erweislich ' '), aber thatsächlich annehmbar. 

1253 kam es zu einer Beaction gegen diese Anfii^e 
der ungarischen Herrschaft in unserem Lande, deren ümÜBuig 
wir eben so wenig als die sie leitenden Persönlichkeiten klar 
zu erkennen vermögen. *^) Wahrscheinlich hatte sie sich an- 
fiüiglich einer Maske bedient, als vertrete sie nur das Inter- 
esse des Witteisbachers und lüftete sie erst allgemach. Diese 
Reaction benutzte Ottokar und so begreifen wir dessen 
Anwesenheit im Mai des genannten Jahres zu Leoben im 
Oberlande und die (Gegenwart zweier ansehnlicher Vertreter 
der wittelsbachischen Partei, insbesondere ihres Führers Dietmar 
von Weisseneck, neben Ottokar's Hauptanhänger, Ulrich von 
Liechtenstein (16). 

Ungarns Angriff auf Oesterreich und Mähren im Juni 
1253 war mit einem bald erfolgenden Einfalle der Baiem 
nach Oesterreich combinirt und da Ottokar von seinem Vater 
selbst, trotz der Grösse dieser Kriegsgefahr, aus Groll und 
Argwohn im Stiche gelassen wurde, hatte er den Aufwand 



11) Bei Lambacher findet sich Anh. 81—82 Nr. XXI eine ürkmide 
Ottokar's vor, die seine Anwesenheit zu Graz L J. 1252 bezeoft, 
aber ohne jede n&here Zeitangabe. 

*>) Reimchronik, Gap. 21, 22. Joan. Victor, a. a. 0. I. B. 4. Gap. der der 
Reimchronik nachschreibt, fitsst dies in nachstehende Worte zusammen : 
Ungari autem terre presides populum inconsuetis angariis qipri- 
mentes nobiles et plebeios nimium perturbabant. Gonsiderantea igitor 
ex hoc, quod omnes Ottocaram afifectarent et oottidie eins patro- 
dninm implorarent, formidantes et natantes vacillantibas aaimis ad 
propria redieront. Qmbns (üngaris) eliminatis et de terra egressb 
Ottokarus advocator et occnrente sibi populo de singulis civitatibos 
cum laude princeps Styrie potentialiter est effectas. 



:t. 



— 53 — 

all^ seiner Kräfte nöthig, um Oesterreich und Mähren zu 
retten. Thatsächlich musste er also die Steiermark preisgeben 
oder richtiger gesagt der Selbstvertheidigung überlassen. Jene 
Aenderongen somit, welche unser Reimchronist, die einzige 
Quelle dieser steiermärkischen Geschichtsepoche, an die erste 
Annexion der Ungarn knüpft und durch Ottokar bewirken 
lässt, nämlich die angebliche Vertreibung des ungarischen 
Hauptmannes Ainbold (Ompud?) und die Uebertragung der 
Landeshauptmannschaft von Witigo auf Heinrich von Pfann- 
berg, müssten in die Zeit von 1252 — Mai. Juni 1253 ge- 
stellt werden. Aber ihr Detail hält der urkundlichen Kritik 
nicht Stand. 

Ainbold's Vertreibung müssen wir aus Mangel an ander- 
weitigem Quellenmateriale unerörtert lassen. Aber bezüglich 
Witigo's ist die Reimchronik im Irrthum; er war nie Landes- 
hauptmann, sondern Landschreiber der Steiermark; ebenso- 
wenig begegnet uns eine urkundliche Spur dar von dieser 
Quelle behaupteten Landeshauptmannschaft des PÜEumbergers, 
die besten Falles nicht lange währen mochte, da auch 
Hartnid's von Pettau, Wulfing's von Stubenberg, Leutold's 
von Stadek und WuliSng's von Treuenstein in gleicher Eigen- 
schaft gedacht wird ''). Nun aber entsteht die wichtige Frage: 
hielt Ottokar den factischen Besitz der steiermärkischen 
Herrschaft bis 1254 fest? Dass der Angriff der Ungarn 
zurückgewiesen wurde, scheint aus den allerdings sehr unbe- 
stimmten Andeutungen der Quellen hervorzugehen. Mitte Sep- 



*') Vgl. Reimchronik a. a. 0. S. 34—35. Im Victoriensis a a. S. 
287—8 (I. Buch, 4 Gap.), der in diesem Theile seiDer Chronik ein 
Auszug der Reimchronik genannt werden darf, werden die Ereignisse 
übersichtlicher geordnet, ohne dass wir jedoch klarer darin sähen. 
Tangl in seinen Abh. über die Pfannberger, II. Abth. Arch. f. K. 
ö 0. 18. Bd., S. 127, hält sich wohl bezüglich des Pfannbergers 
an die Reimchronik — muss sich aber (128) aus Mangel ander- 
weitiger Belege mit der Doppelannahme helfen, dass er „entweder 
Landeshauptmann^ oder „ oberster Landesrichter^ war und auch in 
letzterer Hinsicht ist die von ihm angezogene Gösser Urkunde vom 
12. October 1254 ein magerer Behel£ 



- 54 — 

tember d. J. treffen wir den Sohn WenzeFs I. zu Krems, wo 
er dem apo&folischen Sendboten, Cardinalbischofe Guido, die 
feierliche Zusage gibt, den König Wilhelm zu unterstutzen 
und aus dessen Hand persönlich Oesterreich und Steiermark 
als Keichslehen entgegenzunehmen. Ueberdies besitzen wir 
eine Urfiunde Ottokar's vom 17. December 1253, zur Zat, 
wo sein Vater bereits verstorben (22. September) und er 
selbst Böhmenkönig geworden wu*, in welcher er sich offenbar 
als Landesherr der SteiermM-k geberdet, da er Witigo, dem 
Laadschreiber der Steiermark und dessen Bruder Ruotger die 
Etiaubniss ertheilt, das Schloss Haldenrain (Halbenrein) in der 
Gegend von Radkersburg zu verkaufen (17), 

Ottokar führt auch, nachdem die seit Juli 1253 durch 
den Cardinallegaten Guido im päpstlichen Auftrage versuchte 
Friedensvennittlung zu einem Waffenstillstände gedieh, den 
Titel eines Herrn oder Herzogs von Steiermark weiter und 
wemi auch aÄf solche Titel wenig Gewicht zu legen ist, so 
ist es dennoch bemerkenswerth, dass uns keine einzige Urkunde 
überliefert blieb, welche für die Zeit von 1253 bis 3. April 
1254 das landesherrliche Walten der Ungarn in unserem 
Lande bezeugt So bleibt uns denn kein anderer Ausweg, als 
die auch von den damaligen Chroniken unterstützte Annahme, 
die Ungarn seien bis zum letztem Zeitpunkte nicht als Herren 
der Steiermark zu betrachten, Ottokar habe dagegen als 
Inhaber landesfürsüicher Gewalt allhier zu gelten. Denn auch 
das Ofher Friedensinstrument verräth deutlich, dass in Bezug 
der Steiermark Ottokar die Abtretung '*) vornimmt und dafür 
durch ein seiner österreichischen Herrschaft zu Gute kom- 
mendes GebietsstUck entschädigt wird, überdies der Arp^enhof 
für die Befriedigung der „Herrin von Impirg", d. i. Gertruden's, 
zu sorgen hat (18). Was letzteren Funkt betrifft, so bleibt 
der Name „domina de Impirg", worurtfer man Gertrude ver- 
stehen muss, allerdings ein sonderbarer Fund, der sich aber 

**) Daher heiagt ea auch io den gleichzeitigen Anualeg ADStrife z. B. 
Mellic. Cont Predicat. Tindob. Sancruc. II. Eodem aimo Ottokarui 
Duz AuBtriee aBsignavit Bele rägi Ungarin Stjriam. 



— 55 — 

einfach auf ein Schreibversehen statt: Judenburg zurück- 
führen lässt. So heisst in einer ottokarischen Urkunde vom 
Jahre 1261 Friedrich, Gertruden's Sohn, Friedericus filius 
dominae G. ducissse de Judenburch *'). Durch die ßeim- 
chronik erfahren wir auch, dass Gertruden als Leibgeding: 
Leoben, Enittelfeld, Judenburg am obem Murboden, Grazlupp 
bei Neumarkt . und YoiJbsberg mit Tobl im Eainachgelände 
Mittelsteiermarks zugewiesen wurden. *•) — EndUch haben 
wir noch ein paar Worte über das in jenem Frieden an 
Ottokar überlassene Gebiet zwischen dem Südufer der Donau 
and der Wasserscheide des Murflusses zu bemerken. Dass 
zunächst der Traungau und die ehemalige Püttner Mark an 
Oesterreich fiel, unterhegt keinem Zweifel '^). Doch auch das 
ganze Ennsthal gehörte demzufolge nicht zu dem von den 
Arp&den erworbenen Steierlande und müssen wir bei dem 
»Schlosse Schwarzenbach" an das heutige Schwarzenbach im 
Bottemnanner Bezirke denken, das sich Ungarn als Grenz- 
punkt seines Antheiles aufs angelegentlichste sichern wollte, 
so griffe die damalige Ländermarke in's Paltenthal hinein, 
das allerdmgs ausserhalb der Wasserscheide der Mur liegt. 



IL Die Terireibong der ÜDgarn aus der SleJerinark und die dauernde Be- 
gründung der Herrschall OUokar^s im lande. E. 12S9 — 1267 samml den ein- 
leitenden Verhältnissen seil Uli 

Die ungarische Herrschaft in Steiermark hatte mit dem 
Olher Frieden vom Jahre 1254 ihre Feststellung gefeiert^ 
aber einen bleibenden Schatten geworfen. Bela lY. willigte nämlich 



«) Palacky II, 1, S. 187, Note 259. 

") Reimchronik, 26. Cap. 

*'') Ziemlich genau verzeichnen auch die Ann. Mellic. die Begrenzung 
durch den Ofoer Frieden : s. Monum. Germ. XI. S. 509 — in denen 
als Grenzmarken der Berg Semtirich (Semering) und Agmund (Ad- 
mont) genannt werden und im Victor, a. a. 0. S. 288 heisst es: 
positisqne metis terras distinguentibus, scilicet montibus Semernich 



— se- 
in eine Gebietsabb-etung an Ottokar, velche die Steiennfiricer 
Qbel vermeticen nLUBeten, denn sie geschah auf Kosten der 
alten Landesgrenzen. Schon die Anfänge der irptldischen 
Aonexion 1252/1253 hatten nur sehr getheilte S]rmpathien 
unter den Stfinden des Landes finden mQss«L An einer 
Ottokar immerdar befremideten Partei wird es nicht gefehlt 
haben, wenn sie sich auch ruhig verhielt und die ungarische 
Herrschaft äusseriich anerkannte. Ueberdies gedachte so Mancher 
besserer Tage, als noch Steiermark und Oesterreich in eiaex 
Hand lagen und mochte die Wiedervereinigung der Schwester- 
laude in der Person OttokarX des Gatten der Babenbeigerin 
Margarethe, berbeiwonsdien. 

Anderseits befand sich noch eine Babenbergerin im 
Lande, Gertrud, welche von ihrem dritten Gatten, einem Köder 
ungarischer Politik, getrennt, sich fUr ihre eigene Person in 
dem Stülleben zurechtfinden mochte, — immerhm aber 8uf 
ihren Leibgedingsitzen Gegenstand der Aufinerksamkeit jener 
Elemente der adeligen Landschaft blieb, wdche in ihr die 
Inhaberin emes Erbrechtes gegenüber der politischen Annexion 
oder Usurpation des Landes erblickten. 

Dass sich ihr Sohn zweiter Ehe, Friedrich, der nach- 
malige Schicksalsgenosse des letzten Sprossen vom eriaucht«D 
Hause der Stanfen, des Titels „Herzog von Oesterreich und 
Steiermark" bediente, gerade wie Beine Mutter dies noch 
fortan that, dieselbe Frau, welche man in dem O&er Frie- 
densinstrumente vom Jahre 1254 wohl nicht ohne Abgeht 
mit dem aospruchaloseren Titel Herrin von Impirg(Judea- 
burg) abgefertigt wissen wollte, — war gewiss der ungari- 
schen Herrschaft nicht sonderlich willkommen. 

Auch ist es nicht ganz bedeutungslos, dass jener Land- 
schreiber der Steiermark, Witigo, der in seinem Amte so 
manchen Wechsel der Zeiten überdauert hatte, der schon um 

et fiaiperch . . . Bezeichnend sagt der Bog. Aoon. Leob. (a. a. 
125S) ünde ezortoin est, ut iiti in nova civitate et circnm 
qaaque dicniitar Anttralee, cum tarnen eadem cifitaa 
Sita lit in terra Styrie. 



— 57 — 

1244 unter dem letzten Babenberger auftaucht*^, 1248 „von 
Reiches wegen ** (sacri imperii per Styriam) bestellt erscheint, 
in der ersten Epoche der ungarischen Herrschaft, dann unter 
Ottokar und wieder in den ersten Tagen der neu begründeten 
Arpidenherrschaft seine wichtige Stelle bekleidete, gerade im 
Jahre 1265, in welchem er (10. Jänner) von Gertrud als 
„Herzogin von Oesterreich und Steiermark" (17) sich neuer- 
dings sem Besitzrecht auf das Schloss Halbenrain bestätigen 
lässt, zum letzten Male als Landschreiber erscheint und 
dieses Postens ledig, alsdann in Diensten Ottokar's als Land- 
schreiber Oberösterreichs auftaucht, wo er als Opfer der 
Privatrache 1256 im Kloster S. Florian den Tod findet 

Aber es ist gerathener, den schlüpfrigen Boden der halben 
Thatsachen und Yermuthungen zu meiden und dem Nächst- 
liegenden nachzuspüren. 

Die ungarische Fremdherrschaft, an deren Spitze wu* 
seit der zweiten Hälfte des Jahres urkundlich den Ban 
(„Herzog") von Croatien-Slavonien Stefan, aus dem Geschlechte 
der Subi6 (nachmals Zrinyi), zunächst mit dem Sitze auf der 
Barg zu Graz vorfinden, darf durchaus nicht in so schwarzen 
gehässigen Farben gedacht werden, wie sie die Beimchronik 
wählt Schwieriger erscheint die Beantwortung der Frage, ob 
die Ungamherrschaft Losreissungen steiermärkischen Landes, 
etwa im Süden der Drau zu Gunsten der Vergrössemngen 
des slavonischen Banates versuchte ^\ Die ärp&dische Re- 
gierung, des Banus Stefan Verwaltung war und musste vor 
Allem die Herrschaft der gesetzlichen Ordnung werden, sie 
musste mit den Auswüchsen der gesellschaftlichen Zustände, 
mit dem rechtsverletzenden Uebermuthe Einzelner und mit 
der allgemeinen Unsicherheit aufräumen und da sie selbst 
keinen festen. Bechtsboden unter den Füssen ftkhlte, den Halt 
dabei in der Gunst eines Standes suchen, der besonders über 
Verletzungen sefaier Besitzrechte zu klagen hatte, nämlich der 
Glerus, die geistlichen Körperschaften im Lande. 

1«) Meiller'8 Babenb. Begg. 177 (181), 180 (146). 
iv\ Vgl. Lorenz a. a. 0. I S. 188. 



— 58 — 

Gleich im ersten Zeiträume begegnen wir einer ürknnde vom 
Jänner 1255, worin der Landesrichter der Steiermark, Gott- 
fried von Marburg und der Landesmarschall, Friedrich der 
Jüngere von Pettau, über Auftrag des Königs von Ungarn 
und seines Statthalters, des Banus Stefan, Güterstrafrai aber 
eine Reihe von Edeln verhftngon, die sich an d^n Besitze 
der Deutschordenskirche in Graz vergriffen. Weitere Schied- 
und Urtheilssprüche drehen sich um die Besitzrechte und 
Schadenansprüche der Kirchen Seckau, St Lambrecht, Göss *^ 
Admont, Rein, Vorau u. s. w., wobei die Edelherren und Mini- 
sterialen von Massenberg, Wulfing von Stubenberg, Herrand 
von Wildon, Wulfing von Treuenstein, Ekkehard von Dobr^[ige, 
Heinrich Graf von Pfannberg, Gottschalk von Neuberg u. s. w^ 
also Namen von Ansehen im Lande als sachfUlige Verge- 
waltiger kirchlichen Gutes und Rechtes erscheinen (21.) 

Auch das kirchliche Leben litt an inneren Störungen. 
Am schlimmsten muss es diesfalls im Kloster Admont aus- 
gesehen haben, wenn wir der inhaltschweren Bulle P. Inno- 
cenz lY. vom 13. April 1252 gedenken und darin lesen, dass 
es im State „einige Mönche und Laienbrüder *" gab, die ge- 
waltsam Hand an einander legten, sich am Klostereigenthum 
vergriffen, jeden Gehorsam verweigerten, Parteiung und Auf- 
ruhr säeten und trotz des Bannfluches ihres Abtes den geist- 
lichen Verrichtungen oblagen. Der Papst empfiehlt Ottokam 
um dieselbe Zeit den Schutz des bedrängten Stiftes und eben 
solchen Schirmbriefen (14, a, b, 19, 22) begegnen wir 1254 
den 8. Aprfl und 1 5. Juli, ohne dass jedoch Admont's Ver- 
hältnisse in ein besseres Geleise kamen. Denn es lag in einem 
Gebiete, das durch den Oiher Frieden ausdrücklich von der 
Steiermark geschieden war, der Salzbui^er Territorialhoheit 
unterordnet erscheint und durch die Salzburger .Wirren in ein 
Wirrsaal von Bedrängnissen gestürzt wurde. Das Ennsthal 
gleichwie der Lungau erscheinen während der ganzen Epoche 



^) In der Urk. v. M. Oct Graz 1256 (LA.) überantwortet der Landes- 
richter Gottfried Ton Marburg der Aebtissin die Guter des Wttlfing 
von Treuenstein und des Ekkehard von Dobrenge. 



— 69 — 

seit dem Interregnum bis zum Schlüsse der ungarischen Herr- 
schaft in der Steiermark als Tummelplatz verheerender Fehden. 

Und so müssen wir denn auch des Salzburger Bisthums- 
Streites - *) in Kurzem gedenken, da er uns den Einblick in 
Verhältnisse erleichtert, welche schliesslich die ungarische 
Herrschaft aus den Angehi hoben. Der „Erwählte** Philipp, 
den das Decret Papst Alexander's IV. aus dem Gefühle der 
Sicherheit aufgeschreckt hatte, war einer der entschiedensten 
Widersacher der Arpädenpolitik, seit deren 1252 unter wit- 
telsbachischer Firma vorübergehend begründete Herrschaft im 
Steierlande die ganzen territorialen Errungenschaften Salzbutg's 
bedrohte. Philipp „klagte darob sehr" bei Ottokar, erzählt 
die Reimchronik, und hielt um so fester die Partei des Pre- 
misliden. — Der Ofaer Frieden vom April 1264 rettete offenbar 
die Occupationen Philipp's und er sowie sein Bruder Ulrich, 
der Kärntner Herzog, wurden zweifellos durch Ottokar in 
diese Uebereinkunft mit König Bela IV. eingeschlossen. 

Der Salzburger Erwählte war den Ungarn ein Dom im 
Auge und wir können dem Ausspruche der gegen ihn 1256 
von den bairischen Bischöfen, dem Freisinger, Passauer, Begens- 
burger, Chiemseer und Lavanter beim römischen Stuhle ein- 
gebrachten Klageschrift beipflichten, wenn es darin heisst, dass 
Philipp „vielerlei Fehden des Ungarnköniges mit 
den Vornehmen der Steiermark und desselben 
Königs mit dem von Böhmen veranlasst habe**. 
Als nun sein Kampf mit dem Seckauer Uhrich um das Hoch- 
stift Salzburg losbrach, stand er mit Ottokar bereits im engen 
Bttndniss. Die Sponheimer Brüder, Herzog Ulrich und der 
genannte Philipp schlössen überdies zu Liecbtenwald an der 
Save, einem Schlosse des Salzburger Hochstiftes, eine Erb- 
theSung und ein festes Bündniss. 



'*) Ueber den Salzburger Bisthumsstreit s. Hundt Metrop. Salisb. Hans iz 
Germ, sacra II, Zauner Chronik von Salzburg, Lorenz cit Abb. 
Deutsche Gesch., Pichler Landesgesch. v. Salzburg; die wichtigsten 
Actenstücke sanunelte Chmel im 108. Bde. der Wiener Jahrbücher 
f. Litter.; das Material auch theüweise b. Muchar 6. Bd. 



— 60 



Umsomehr konnte sich nun der gewaltthätige Sinn und 
unbeugsame Trotz des Erwfthlten von Salzburg wider sdnen 
Rivalen und dessen Anhang kehren, und die salzburgischeii 
Besitzgrttnde im eigentlichen Hochstifilande so gut wie im 
Baierischen, in Kärnten und m der Steiermark nicht minder 
als in Oesterreich, wurden zum Zankapfel der Parteien und 
zum lockenden Gewinne rftuberischer Selbstsucht 

Dass der üngamkönig die Partei des Seckaums nahm, 
ist um so begreiflicher und gewiss suchte sich Ulrich dieser 
Gönnerschaft zu yersichem, bevor er das gefiihrliche Wagniss 
unternahm, dem seine Persönlichkeit eben so wenig gewachsen 
war als sein materielles Vermögen. In der That sollte die 
Halleiner Wahl Ubich's (1256) zum Erzbischofe der Fluch 
seines Lebens werden und der Mann, der, aus schlichten 
Lebensverhältnissen hervorgegangen, als Schreiber, dann Notar 
und Protonotar der herzogliche^ Kanzlei es endlich zum 
Seckauer Bischöfe gebracht, hätte sich als guter Theologe 
und gewissenhafter Seelsorger mit dieser Lebensstellung be- 
gnügen sollen, statt mit seinen mittelmässigen Fähigkeiten, 
seinem schüchternen Wesen und fohlbaren Geldmangel iea 
Kampf gegen den Bruder des Kämtnerherzogs und Ver- 
wandten des Böhmenkönigs au&unehmen. Dem Seckauer war 
in der That ein domiger Pfad bitterer Enttäuschungen und 
Demttihigungen aufgespart und gerade von Seiten der päpst- 
lichen Curie, auf die er die meisten Hofihungen setzte, traf 
ihn der herbste Schlag. 

Eben zur Zeit, als er in Rom wdlte, um seine Ange- 
legenheiten persönlich zu fördern (1258), kam es in Stdermark 
zu Ereignissen, die wir als Anzeichen bedrohlicher Art fbr 
die Ungamherrschaft in's Auge zu fassen haben und sicher 
nicht ausser aller Verbindung mit dem schwebenden Salz- 
burger Handel denken dürfen. Die Hauptrolle erscheint dabei 
dem Mährenberger zugewiesen. 

Seifrid von Mährenberg, ein Sohn Albert's und der 
Gisela, erscheint um das Jahr 1251 neben seiner Mutter als 



— 61 — 

Stifter des Klosters der Dominikaner-Nonnen zu Mfthren- 
berg'*). 

Wir haben ihn dazumal schon im reifsten Mannesalter 
zu denken, da in derselben Urkunde sowohl der aus seiner 
Ehe mit Bikardis entsprossenen Tochter Anna, Gattin Liutold's 
von Stadeck, als auch der Enkel Hermann und Anna Er- 
wähnung geschieht 

Seifrid von Mfthrenberg war einer der angesehensten 
Adelsherren im Steierlande, allhier und im Kämtnerlande reich 
begütert, als Dienst- und Lehensmann des Herzogs von Steier, 
des Kärntner Landesfbrsten und — wie uns eme spätere 
Urkunde lehrt — Mmisteriale der Prinzessm Grertrud. Wir 
begegneten ihm 1252 als Parteigänger der wittelsbachischen 
Adelsfraction, die sich dann zur Anerkennung der Arpäden- 
herrschaft bequemte oder bequemen musste. 

Dass diese Herrschaft in ihrem Vertreter, Banus Stefon, 
bei den stdermärkischen Adelsherren durchaus nicht beliebt 
war, haben wir bereits angedeutet Dass jedoch auch die 
Sponheimer und Ottokar vor Allem nicht ruhig zusahen, son- 
dern vielmehr die Unzufriedenheit zu schüren beflissen waren, 
unterliegt keinem Zweifel, denn das legte der Parteistand- 
punkt im Salzburger Handd nahe und gebot die Annexions- 
politik des Böhmenkönigs, der die Rückerwerbung der Steier- 
mark fest im Auge behielt 

Wir sind über die Sachlage nur sehr oberflächlich unter- 
richtet und erÜAhren nur, dass der ungarische Statthalter den 
Mährenberger zur Verantwortung nach Graz vorlud, und als 
der Angeklagte nicht erschien, ihn auf seinem Burgsitze be- 
lagerte. Da fiel jedoch Hartnid vonPettau mit den aufständischen 
Adeligen des Drauthales über Stefan und seine Mannschaft her, 
schlug sie und nOthigte den Statthalter zur schleunigen Flucht 
nach Ungarn. So schien die Arpädenherrschaft wie mit emem 
Schlage beseitigt Doch so leichten Kaufes wollte sie König 



st) Machar 5, 238. Die Copie derselben Urkunde im Landesarchive der 
Steiermark 



~ 62 — 

Bela IV. nicht preisgeben. Er schickte seinen Thronfolger 
Stefan mit starkem Heere in^s Land und dieser belagerte den 
Pettauer in der gleichnamigen Stadt und Feste salzbui^chen 
Besitzes. 

Gerade damals war Erzbischof Ulrich aus Born zurück- 
gekehrt und in das ungarische Lager vor Pettau geeilt 
Hartnid hatte die Aufiforderungen zur Uebergabe mit der 
Erklärung zurückgewiesen, er werde darin nur dem recht- 
mässigen Erzbischof von Salzburg willfahreui Anderseits erwi- 
derte Prinz Stefan auf die Bitten Ulrich's, man möge der Stadt 
schonen und abziehen, er müsse Hartnid als Bebellen strafen. 
Der Erzbischof, dem Alles an einem festen Bündnisse mit der 
ungarischen Herrschaft wider Philipp gelegen war, fand nun 
keinen andern Ausweg, als die Verpfändung Pettau's an die 
Ungarn, gegen ihr Versprechen, Kriegshilfe zu leisten und die 
Baarzahlung der Pfandsumme von 3000 Mark. 

Hartnid übergab nun die Stadt, Prinz Stefan nahm mit 
seiner Gattin kumanischen Stammes den Sitz zu Pettau und 
alles schien in's beste Geleise zu kommen. Denn der Kampf 
um Salzburg lenkte die Blicke nach Aussen ab. Unter der 
Führung des Liechtensteiner's Ulhch zogen die Kampfgenossen 
des Seckauers, um guten Sold und noch reichere Beute, die 
Offenbei^er, Wulfing von Stubenberg, Hartnid von Ort, Herrand 
der Wildonier und Andere in den Lungau ; auch Hartnid von 
Pettau fehlte nicht dabei 

Aber die Unternehmung scheiterte kläglich, obgleich ihr 
die Arpädenpolitik durch einen Angriff auf Kärnten nachhalf; 
bald lesen wir von der Flucht Ulrich's heimwärts und von seinem 
trüben Stillleben zu Piber als gebannten Schuldners der Curie. 
Sein Bivale Philipp gebot über die Streitkräfte seines Bruders 
und die Kriegshilfe des Böhmenköniges, welcher dreimal reisige 
Schaaren auf den Kriegsschauplatz sandte. Und noch einmal 
wagte sich der Seckauer aus seiner Zufluchtsstätte hinaus, 
allerdings ohne Heer, in Verkleidung. Doch als er in's Enns- 
thal gekonmien, erkannten ihn Admonter Klosterleute; Heinrich 
von Botenmann jagte ihm nach und bald fand Ulrich unfrei- 



J 



— 63 — 

willige Müsse, auf dem Schlosse Wolkenstein über den Wechsel 
der Dinge nachzusinnen. Er war Gefangener seines Rivalen 
geworden, der mächtiger und trotziger sich geberdete als 
zuvor (E. 1259). 

Dieser Ausgang des Handels, insbesondere die Niederlage 
des stdermftrkischen Heergefolges bei Badstadt £. 1258 warf 
denn auch einen Schatten auf die Ungamherrschalt, unter 
deren Anspielen der Feldzug unternommen wurde. Und dieser 
Schatten verlängerte sich, da ihre eigene Unternehmung wider 
Kärnten im Frtthsommer 1259 keinen Erfolg hatte. 

Der Einfall der Ungarn in's Eämtnerland muss in den 
Juni des Jahres 1259 gestellt werden; wenn nämlich die 
Heimzahlung dieser Feindseligkeiten seitens der Kärntner 
und ihrer böhmischen Hil&schaaren Ende Juni und Anfang 
Juli sicher steht Denn Ende Mai noch befand sich der 
jüngere König von Ungarn, Stefan, als Herzog der Steier- 
mark zu Graz, in offener Gerichtsversammlung, die in einer 
gleichzeitigen Urkunde als „erste des Herrn Stephan** be- 
zeichnet wird ; umgeben von imgarischen Magnaten und steier- 
märkischen Edelherren (26). Damals war auch der auf Wol- 
kenstein gefangen gehaltene Erzbischof Ulrich durch Ottokar's 
kluge Vermittlung längst frei geworden und verwendete sich 
in jenen Tagen für die Vereinigung des verfallenen Spitals 
im Cerewalt am Semering mit der Seizer Karthause. 

Die Action der Arpäden gegen Kärnten fiel ungünstig 
aus; Uhrich und Philipp, die Sponheim'schen Herzogsbrüder, 
deren Ersterer, nebenbei erwähnt, A. Mai 1269, mit dem 
Heunburger, Weissenecker u. A. im Gefolge, zu Göss im 
ältesten Kloster der Steiermark, als (rönner desselben ur- 
kundlich auftaucht (24), warfen bald die Ungarn zurück und 
vergalten die Feindseligkeiten mit allem Nachdruck. 

Diese Ereignisse mussten für die Unganiherrschaft im 
Steierlande verhängnissvoll werden. — Wir haben oben des 
Unmuthes einer wachsenden Partei gedacht Diese Partei 
hatte im Jahre 1258 einen Erfolg gegen das Begiment der 
Ungarn gewonnen. Sie wurde durch das Erscheinen des Königs- 



— 64 — 

Sohnes mit Heeresmacht etwas eingeschüchtert, aber nicht ge- 
brochen. Die Schlappe Erzbischofs UUch v. E. 1259 war 
gewissermassen auch eine Schlappe der Arp^enpolitik, die 
erfolglose Unternehmung gegen Efimten geradezu aber eine 
Demüthigung der ungarischen Waffen. Das Ansehen der Fremd- 
herrschaft erlitt so Stoss auf Stoss und jetzt gerade im Hoch- 
sommer 1259, wurde der beliebtere Eönigssohn heimberufei 
und Banus Stefan, der einst vertriebene und mit dem Thron- 
folger Bela's IV. wieder auftauchende Statthalter unseres Landes, 
in sein früheres Amt eingesetzt Wir wollen allerdings die 
poetischen Uebertreibungen der Reimchronik nicht nachbeten, 
wo Yom „Martern und Würgen'' der ungarischen Gewalt- 
herrschaft die Rede ist Aber es ist nicht unwahrschemlich, 
dass der „Herzog von Agram ^ das „doppelte^ von dem that, 
jfWas er einst gethan' und mit eiserner Hand eingreifen wollte, 
um das mit Schrecken zu festigen, was schon im bedenklichen 
Schwanken begriffen war. Und auch an der Ungarn i^Hoffarth' 
mOgen wir gerne glauben. 

Diese Massregeln brachten aber gerade den Stein in^s 
RoQen, sie waren das Signal zur Erhebung der ungamfeind- 
lichen Partei, die wir eben so gut die Ottokarische oder die 
Unionspartei nennen können, imd diese Partei muss allgemach 
die alleinherrschende geworden sein. 

Dass Ottokar mit dieser Partei in wachsenden Bezie- 
hungen blieb *')) dass er ihr Aufetreben begünstigte und dass 
diese Partei sich vor dem Losschlagen seiner Hilfe als künf- 
tigen Landesherm versichern wollte — das Alles li^ so 
nahe, dass wir es der Reimchronik unbedingt glauben mOg». 
— Zunächst war jedoch der Aufstand der Steiermärker ein 
Act der Selbsthilfe und dass, wie es heisst, im December des 
Jahres 1259 binnen eilf Tagen die ungarische Herrschaft 
aus dem Lande gejagt wurde und blos noch Pettau festhielt, 
spricht für die treffliche Vorbereitung des Au&tandes und 



*>) 1255, 24. Mftns, Steier — befand sich in Ottokar'B Umgebung Wulfing 
von Stubenberg, s. Anh. Begg. Nr. 28. 



— 65 — 

anderseits fbr die Sorglosigkeit des Banus-Statthalters, oder 
doch für eine Ueberschätzung seiner Machtstellung im Lande. 

So hatte die Ungamherrschaft schmählich geendet, aber 
noch war Pettau in ihrer Hand und die dringende Gefahr in 
Aussicht, dass die Arp&den alles aufbieten würden, um diese 
Schmach zu rächen und ihre Herrschaft das dritte Mal mit 
Grewalt der Waffen zu begründen. Die Steiermärker von der 
Bewegungspartei hatten nun die Brücken hinter sich abge- 
brochen und auch für die Andern, welche halb widerwillig 
mitgezogen wurden, gab es nun keine andere Wahl mehr als 
die Anerkennung Ottokar's. Darauf hatte der Böhmenkönig 
gewartet, man musste ihm entgegenkommen und Adel und 
Städte ihn zur Bettung des Landes vor der Rache der Ui^am 
einladen •*). 

Als die Ungarn unter Herzog Stefan im Frühjahre 1260 
über die rebellische Landschaft wieder herfallen wollten, fanden 
sie die Grenze wohl verwahrt, den Heerbann der Stände und 
das von Ottokar gesendete Hilfsheer unter des Hardecker's 
Führung stark genug, den Angriff abzuwehren. So mussten 
denn die Würfel der Entscheidimg auf einem anderen Kampf- 
platze endgiltig fallen. 

Dass sich Ottokar seit dem Früly'ahre 1260 urkundlich 
als Landesherr der Steiermark geberdet, ist sichergestellt 
Man braucht nur seme in Wien am 10. März d. J. für das 
Eloster Bein (27) ausgefertigte Urkunde in Betracht zu ziehen. 
Eben so sicher ist es, dass er für die oberste Verwaltung 
des Landes Sorge tmg. Die Beimchronik lässt zunächst den 



'^y Daher findet sich in den Ann. Otacariani z. J. 1260 die Stelle (Mon. 
Qerm, XI. 182) „ad instantiam Styriensium nobilium et 
civitatum, de consilio indyti comitis Ottonis de Hardek et quo 
rundam Au0tralium et perpaucorum admodum deMorayia(I) 
dictuB dominos regni Bohemi«, Styrienses in suam protec- 
tionem recepit" Diese Worte liessen darauf schliessen, dass vor- 
zugsweise Österr. Ständeführer dafür waren, bei den M&hrem dagegen 
die Sache wenig Anklang fand. Ob Bruno, der wichtigste Bathgeber 
Ottokar's, sich in dieser Frage mehr passiv als activ verhielt, l&sst 
sich nicht durchblicken. 

MHthdl. d. htot. VoNfau f. BtelwBMrk. ZZILH«ft, 1874. 5 



— 66 — 

staatsklngen Bischof von Olmtltz, Bruno, als Stellvertreter des 
Königs dahin abgeben, bald jedoch wieder das Land veriassen, 
da die böhmisch-ungarische Verwicklung seine Anwesenheit 
bei der Person König Ottokar's erheischte. Urkundlich ist 
dies nicht verborgt, wohl aber die zweite Thatsache, dass 
die Statthalteischafl der Steiermark, Heinrich, ans dem 
österreichischen Hause der Liechtensteiner, 
Ottokar's bekannter Parteig&nger und Gfinstling (seit 1251) 
— spfttesteos seit dem K Mai des J. 1260 den Posten eines 
Landeshauptmannes der Steiermark bekleidete (28). 

Die Anwesenheit der hervorragendsten Herren der Stei^- 
mark im U&rz 1260 zu Wien, m des Königs Umgebung, des 
Stnbenbergers, Stadekers, Liechtensteiners, Wildoniers, des 
von Ort, Pettau, Bamenstein, Marburg .... l&sst zwanglos 
darauf schliesseo, dass wir es mit der damaligen Vertretung 
des Landes bei dem neuen Herrn und mit dem Zei^unkte zu 
thon haben, in welchem die Oefohr des Ungareinbruches in 
die Steiermark Überstanden sein mochte. 

Aber auch in der blutigen Entscheidung vor Krotssm> 
brunn (12. Juli 1260) am Marchfelde fodit der Heerbann der 
Steieimfirker und ihr Banner, »grün wie das Gras, darin ein 
blanker PanÜier schwebte, ^eichsam als lebte er", fbhite der 
alte Wildonier Uhich, Herrand's und Hartnid's Vater*'). 

DafQr dankte denn auch Ottokar den Steiermärkem, wie 
die ßeimchronik erz&Mt, .äeissiglichen'' und gelobte, ihre 
Bitten zu erfüllen und ihr Verdienst mit Hulden zu lohnen. 
Die Kroissenbrunner Schlacht ") zerstörte alle auf Steiermari^s 
Wiedergewinnung gerichteten Hofihungen der Arpäd^ aber 
sie bewirkte noch mehr, sie festigte Ottokar'B grosse UaÄht- 
Stellung im Donaugebiete. 

Aber der „goldeneKömg", wie ihn eine böhmische Chronik 
nennt, konnte mit der Neige des Jahres 1260 auch nicht 
säumen, sich in der Landeshauptstadt der Steiermark einza- 
■0 S. Beimchronik 8. 76. 
") Ihre Beichreibaiig b. LoreDz deaUchB Gegch, I und Dndik G. H 6, 

451 ff. beg. 455-6. 



— 67 — 

finden und hier die Huldigung entgegenzunehmen, eine That- 
sache, die da und dort unkritischer Weise bereits E. 1259 
angesetzt erscheint Eine Keihe von Urkunden verbürgt 
diesen Aufenthalt und wieder sind es geistliche Würdenträger 
und Körperschaften, welche uns darin als theilhaftig der Huld 
und des Schutzes Ottokar's begegnen: Bischof Eonrad von 
Freising, die Klöster Yiktring, S. Paul in ihrem Streite mit 
den Pfannbergem, Seckau, S. Lambrecht, Bein (30 — 37). 

Auch der Böhmenkönig hat so gut wie die ungarische 
Herrschaft mit der Ordnung der zerrütteten Rechtsverhältnisse 
beginnen müssen und die Kirche säumte nicht, ihr Recht und 
ihren Vorthefl zu wahren. — In zweien dieser Urkunden 
(34, 35) für das Stift Seckau und das zu Rein, erscheint 
zum erstenmale der Witigone Woko von Rosenberg, böh- 
mischer Landesmarschall, vormals Landesrichter ob der Enns, 
der Sprössling des mächtigsten Adelsgeschlechtes in Böhmen, 
— als Landeshauptmann der Steiermark ■'), — derselbe, dessen 
Stoss auf das Kumanenheer in der Kroissenbrunner Schlacht 
viel zu deren glücklicher Wendung beitrug. Heinrich von 
Liechtenstein muss ihm also den Platz geräumt haben. 

Woko von Rosenberg war im Gefolge des Böhmenkönigs 
nach Steiermark gekonmien, wohin auch Bruno von Olmütz, 
der Prager Oberstburggraf Jarosch, Smil von Leuchtenburg, 
Zdislaw von Stemberg, Cei von Budweis und andere Stände- 
herren Böhmens und Oesterreichs dem Premysliden das Geleite 
gaben. 

Die politischen Verhältnisse der Steiermark waren nun 
zu einem neuen Abschluss gediehen. Die Ungarn hatten auch 
Pettau aufgeben müssen, so war das ganze Land dem Böh- 
menkönige unterthan und die Worte der Reimchronik: „Da 
nnterwand sich der wackere König Otaker von Beheim des 
Landes Steier, was auch Zorns und Aergers König Bela darum 



*'') Vgl ober Wok yon Rosenberg Pangerl's fieissige Abhaadlong im 
9. Jalirg. der MittheiL des Yer. f. Gescb. der Deutschen in Böhmen, 
1., 2. Heft) und seine akademische PnbUcation Ober die Witigonen 
im 51. Bande, 2. HiUfte des Arch. f. K österr. Gesch. 

6* 



— 68 - 



Htt, darum liess er es doch nicht" — mögen die damafige 
freudige Stimmung der Steiermärker aber den Wechsel der 
Dinge ausdrücken. Legt ja doch dieselbe Quelle dem ein« 
Boten des Landes an Ottokar, zur Zeit des Ab&lles von den 
Ungarn, die Bede in den Mund:' 

„Herr, thut nicht, wie es früher geschah, als ir uns 
den Ungarn gabt; damit habt Ihr uns, Herr, gewaltigen 
Schaden zugefügt*" ""). 

Das Werk der Union mit dem Lande Gestenreich war 
neuerdings gelungen. Aber die Steiermfirker soQten auch bald 
empfinden, dass diese Wiedervereinigung in den Augen des 
neuen Gebieters wenig galt, dass er das Steierland ein£EU2fa 
als Glied eines grossem Staatssystems ansah. Und dieser Ein- 
tritt in ein grösseres Staatssystem bedingte auch Leistungen und 
Opfer, die bald das Unbehagen der Autonomisten weckten. 

Steiermark ward eine Provinz des BOhmenreiches und 
so trat auch ein Böhme an die Spitze der Landesverwaltung 
und die wenigen Urkunden aus .seiner kurzen Amtszeit be- 
weisen eben nur wieder, dass es der neuen Herrschaft um 
die Herstellung der zerrütteten Rechtssicherheit im Lande 
und um die Sympathien der Kirche und des conservativen 
Elementes in der Landschaft zu thun war. 

Inmitten dieser Urkunden begegnet uns auch eine, die 
beweist, wie lebendig denn doch das Gefühl für die familien- 
rechtlichen Ansprüche der Babenbergerinen Margarethe und 
Gertrud auf die Länder Oesterreich und Steier war. König 
Ottokar hatte dem um ihn hoch verdienten Rosenberger die 
Herrschaft Rabs in Oesterreich geschenkt Woko liess sich 
darüber nicht blos von der Herzogin Margarethe, sondem 
auch von Gertruden einen Bestätigungsbrief ausstellen (39). 

Nicht lange waltete Herr Woko seines beschwerlichen 
Amtes. *^ Schon den 3. Juni 1262 schied er zu Graz aus dem 



2>) Reimchronik S. 67. 

2') Die Reimchronik äussert sich über die Daner der Landethanpt- 

mannschaft Woko's (8. 85) : „dem war man dienstes vndertao — 

durch seinen wiUen wol ain jar.'' 



— 69 — 

Leben und Tags darauf datirt die officielle Ausfeitigung 
seines letzten Willens, worin neben seinen Hausbeamten auch 
des Pettauer Minoritenpriors, des Grazer Minoritencustos und 
zweier Dominikanermönche als Zeugen gedacht wird (42). 

Der Tod Woko's machte die Eronbeamtenschaft Ottokar's 
um einen bedeutenden Mann ärmer, aber für das Grosse und 
Ganze war der Verlust nicht entscheidend, denn die Seele 
desselben war Bruno, der Bischof von Olmtttz, der erste 
Staatsmann des Böhmenköniges, und dass dieser Persönlichkeit 
gerade die Landeshauptmannschaft der Steiermark übertragen 
wurde, beweist am besten, wie wichtig dies Amt und das 
Land in den Augen Ottokar's bUeb. 

Es gibt wenig Persönlichkeiten , die sich mit so viel 
Treue •*') und Geschick neben einer bedeutend angelegten, 
eigenwilligen und leidenschaftlichen Herrscherpersönlichkeit als 
deren erste Rathgeber einflussreich zu behaupten verstehen 
und mit staatsm&nnischem Talente das Geschick verbinden, 
ihren Einfluss dem Begenten nicht lästig zu machen, seine 
Eifersucht, seinen Verdacht zu vermeiden. Wenige Kirchen- 
fbrsten haben einen so weiten Blick für die grossen politi- 
schen Fragen bekundet und vermochten es so wie Bruno, 
ohne das Standesmteresse zu verläugnen, über dem Parteige- 
triebe unangefochten Stellung zu nehmen. Ein Gnmdzug der 
Natur des Bischofis von Ohnütz, den das Geschick von der 
deutschen Nordküste südwärts geleitet ^ ^), um ihm, dem Grafen 
von Schaumburg, einen grossen Wirkungskreis zu erschliessen, 
war praktische Tüchtigkeit in diplomatischen, juridischen und 
administrativen Geschäften, rastlose Arbeitskraft, Schnelligkeit 
und imponirende Würde, eine seltene Mischung theologischer 
und weltmännischer Bildung, welche letztere nie verkennen 
liess, dass er aus reichsgräflichem Hause stammte. Die Ur- 
kunden dieses Zeitraumes zeigen, dass er nie an der Seite 



'^ Damm sagt auch die Bheimcbronik (S. C8) : 

„Dem muost er (Ottokar) wol getrawen. Wami er sich nie gen 
in vergaz, dacz Grecz er mit house sas/* 
^0 Vgl. die Vorgeschichte Bruno's in Dudik's Gesch. Mährens 5. 342 fi. 



— 70 — 






'i Si 



des Königs fehlte, wo es bedeutende Unternehmungen, wichtige 
Staatsactionen galt, und doch bUeb ihm bei diesen verwickeltea 
Aufgaben der Politik Müsse genug, den Pflichten der Landes- 
verwaltung obzuliegen und fllr die geistlichen Geschäfte als 
Eirchenfllrst, iQr den Rechts- und Culturzustand seines 01- 
mtttzer Bisthums zu sorgen. Hoch angesehen beim römischen 
Stuhle, ein gewandter und geachteter Schiedsmann zwischen 
streitenden Herrschern, ward er auch als Statthalter seines 
Königs geachtet und verfolgte mit sicherem Blick die rich- 
tigsten Wege, um die materiellen und rechtlichen Grundlagen 
der Landeshoheit zu festigen. Wohl mögen die steiermftrki- 
schen Adelsherren in der BesteQung des Böhmen Woko als 
Landeshauptmann eine vorübergehende Massregel Ottokar's 
erblickt haben, vielleicht begehrten sie, dass fürder kdn 
„Gast^ des wichtigen Amtes walte, aber gegien Bruneis Be- 
stallung wagten sie keinen Widerspruch und an acht Jahre 
bekleidete der Olmützer Bischof unangefochten diese Stelle, 

— allerdings oft und auf lange aus dem Lande an Ottokar's 
Hoflager abberufen. 

Bereits im August des Jahres 1262 erscheint (44) Bruno 
als Inhaber der Landeshauptmannschaft. — Wir wollen nur 
kurz der Urkunden gedenken, welche — leider spärlich gesäet 

— auf seine früheste Thätigkeit hinweisen. Wieder sind es 
Gabbriefe an Klöster, Schiedsprüche zu Gunsten bestrittener 
Bechte und Nutzungen geistlicher Körperschaften (44 — 49) 
und eine darunter von besonderem Werthe, da sie die städtische 
Gründung Bruck's a. d. M. betrifft, wobei die Güterverhältnisse 
der arg zerrütteten Abtei Admont in Mitleidenschaft gezogen 
erscheinen (46). Man hatte die grosse Wichtigkeit dieser 
Stadtgründung an dem Einflüsse der Mürz in die Mur in 
strategischer und commerzieller Beziehung nicht verkannt 

Ueberhaupt dürfen wir nicht unbeachtet lassen, dass 
wir es mit der Begierung eines Herrschers und eines Staats- 
mannes zu thun haben, die in den Stammlanden premysUdi- 
scher Herrschaft das Ansiedlungs- und Städtewesen 
nach deutscher Art mit Vorliebe und kluger Erwägung hegte 



— 71 — 

und pflegte und wie dies namentlich Ottokar's Verhalten 
Wien gegenüber an den Tag legt, Alles aufbot, um auch in 
den neu erworbenen Ländern auf die politischen Sympathien 
des Bürgerstandes rechnen zu können. Wie kärglich auch die 
urkundlichen Anhaltspunkte für die Steiermark dies begründen, 
wir besitzen solche aus Ottokar's Zeit nur für Brück als neue 
Schöpfung und Judenburg als Metropole des Handels, so 
beweist eme spätere Aeusserung der Reimchronik die Popu- 
larität der Herrschaft des Böhmenkönigs in den Kreisen des 
Bürgerthums im Steierlande; ihre Beliebtheit bei den 
Nichtadeligen. 

Während des Jahres 1264 blieb der Ohnützer Bischof 
unserem Lande fem, Geschäfte hatten ihn nach Oesterreich, 
Mähren und Böhmen entführt — Wir können dies als einen 
Buhepunkt betrachten, um als Episode den Ausgang der auch 
für unser Land wichtigen Salzburger Fehde zu sdzziren. 

Erzbischof Ulrich war noch im Jahre 1259, der Gefan- 
genschaft entlassen, nach Piber zurückgekehrt Auf ihm lastete 
der Bannfluch der Kirche, da er ausser Stande war, die der 
Curie schuldigen 4000 Mark zu bezahlen und die wälschen 
Geldmäkler, seine ungeduldigen Gläubiger, zu befriedigen. Da 
versuchte er nochmals sein Heil mit einer Reise nach Bom 
und verliess den stillen Ort freiwilliger Verbannung. 

Im November 1261 äussert sich die Thätigkeit Ottokar's, 
dem Alles daran lag, einen Ausgleich zwischen dem Salz- 
burger Domcapitel und seinem Vetter Philipp herbeizuführen. 
Es kam zu einem solchen, aber das eingeschüchterte Dom- 
capitel suchte sich in einer Klausel ein Hinterpförtchen offen 
zu halten. Da kehrt Ulrich mit dem päpstlichen Legaten Thomas 
von Squillace wieder nach Salzburg zurück, sammt Empfeh- 
lungsbriefen des Papstes an Ottokar, worin diesem die Schutz- 
vogtei Salzburg's übertragen wird. Dem will nun aber Baiern 
begegnen, das gern die Wege des Böhmenkönigs kreuzt und 
um Ottokar's Intervention zu hindern, für Uhich gegen Philipp 
entschieden Partei nehmen zu woQen scheint; in der That 
aber nur die Vogteigewalt ungetheilt anstrebt 



Heizog Heinridi, Otto's jfiDgerer Sohn, brach in's Salz- 
btu^he verwOstend eio, steckte die „kleine Stadt" Salzburg 
vor den Augen des Legaten in Brand und wirthschaftete im 
Lande wie der Feind. Der L^at sprach nun neuerdings den 
Bannfluch Ober den ui^Ucklichen Ulrich ans und mied das 
Land. Philipp kehrt nach dem Abzog der Baiem, in deren 
Hitte Ulrich das ErzbisUnun Terlassen, nach Salzburg zurOd: 
and Ottokar, dem der r<}misdie Stuhl abermals die Vogta 
fibertragen, schreckt den Baiemherzog das Jahr darauf (1263) 
mit einem Heeresznge, so dasa Hmrich über Hals und Kopf 
das mit Waffenmacht betretene HochstifUand rSumL Zu 
diesem Kriege hatte König Ottokar ^die Herren zu Steier 
und Oesterreich" aufgeboten")- Neuerdings empfahl nun die 
Curie, Papst Urban VI., Ottokam und dem OhnQtzer Bischöfe 
die Bescbirmui:^ Salzburg's und der Böhmenkönig besetzte 
zn eigenstem Vortheile alle diesseits im Steiermfirkischen go- 
ldenen SdilöBser und Orte der Metropole. 

Aber PhiUpp, den Ifti^t die Carie aufg^eben hatte und 
wider welchen eine starke bairische Partei im Lande i^iürte, 
konnte sich doch nicbt langer halten. Er muss das Salzbur- 
gische meid«i und mit Beginn des Jahres 1261 erscheint sein 
Rivale Ulrich wieder im Gefolge des Baiemherzogs Heinrich. 
Aber auch der rielgetäuschte Ulrich bekommt bald die traurige 
Rolle einer Puppe in der Hand der Witteisbacher satt, ver- 
l&SBt das Land, begibt sich wieder in sein steiermarkisches 
Asyl und richtet endlich ein definitiTes Abdankungsschreiben 
an die Curie. Papst Urban IV. war aber soeben gestorben und 
da erst 1265, 5. Februar, ein neues Oberhaupt der Kirche, Cle- 
mens IV. die Tiare erwfu-b, verflossen Monde, bevor (1265 
1. September) Ulricb's Resignation bestätigt, die Excommuni- 
cation aufgehoben und die Entscheidung gefällt wurde, dass 
Ulrich das Bisthum Seckau und die Pfarre Fiber behalten 
könne. 

Dies war der Ausgang der Salzburger Bisthumsfebde und 
in dem letzten Jahre ihrer Entscheidung begegnen wir dem 
") Reimehronik 8. 66. 



— 73 — 

Böhmenkönige wieder einmal auf dem Boden der Steiermark. 
Mit dem Beginne des Frühjahres war Ottokar von Prag auf- 
gebrochen und nach Oesterreich gekommen. Von Ende März und 
Anfang April des J. 1265 datiren Wiener Urkunden, vom 
21.— 23. April Bestätigungsbriefe und Entscheidungen Ottokar's 
für das Kloster Garsten, Stift Seckau, Bisthum Freising, zu 
Graz, in unseres Landes Hauptstadt, ausgefertigt (51 — 53). 
Doch nur kurze Zeit weilte da der Böhmenkönig; schon drei 
Tage nach dem Datum der letzten in Graz ausgestellten 
Urkunde treffen wir ihn jenseits des Semerings (54) in der 
einstigen Püttner Mark, zu Neunkirchen, und der Hochsommer 
zeigt ihn m Böhmen vielbeschäftigt 

Dagegen war Bruno in unserem Lande zurückgeblieben 
und ergriff wieder mit fester Hand die Zügel der Landesver- 
waltung. Es gab da Vieles auszugleichen, Rechte zu schützen 
und Anmassungen zurückzuweisen. — Auch der römische 
Stuhl liess es an Geboten zu Gunsten gestörter kirchlicher 
Ordnungen nicht fehlen. Wir lesen Bullen und Breve's, m 
welchen Papst Clemens TV. die Frevler an Klöstern und 
Kirchen der Dominikaner mit dem Bannfluche bedroht (56), 
und den Bischof Bruno mit der Rückverschaffung der ent- 
fremdeten Güter des Stiftes Seckau beauftragt (57, 58. 65). 

Insbesondere macht sich die Fürsorge des Oberhauptes 
der Kirche ftür das arg verfallene Kloster Admont geltend 
(60 — 63). Eine der auffälligsten Weisungen des apostolischen 
Stuhles bleibt das Breve vom 8. Juli 1265, worin Bischof 
Bruno und der von Gurk mit der feierlichen Bannung des 
Priesters Ulrich von Hauzenbichl (Haucepuel) beauftragt werden, 
da dieser an dem Kloster Seckau als Räuber gehandelt habe (64). 

Zu den bemerkenswerthesten Streitigkeiten dieser Zeit., 
die tinser Landeshauptmann zu schlichten hatte, zählt auch 
der Frocess des vielgeplagten Exmetropoliten Ulrich, Bischofs 
von Seckau, um die Pfarre Piber mit dem Priester Wemher 
(67, 68). Bruno's bezügliche Urkunde vom 9. November zeigt 
diesen aber auch schon fem den Marken unseres Landes, zu 
Freistadt in OberOsterreich. 



Ti 






?P 



;!• 



■a 



— 74 — 

Drei Jahre nahezu sollte die Steiermark den bischöflichen 
Landeshauptmann nicht sehen, aber die Verwaltung und das 
Rechtswesen bewegte sich innerhalb der von ihm befestigten 
Schranken, auf den von ihm gebahnten Wegen. 

Während dieser Jahre spielte sich der wüste Salzburger 
Handel zu Ende. Ottokar's Krieg gegen Baieni, wobei ebea- 
sowohl das Heer des Königs, als das unter Bruno's Befdde 
(1266, August) vom Missgeschicke verfolgt war, der von der 
Curie vermittelte Ausgleich mit dem Witteisbacher und die 
Wahl des Prinzen Wladislav von Teschen, Ottokar^ Ver- 
wandten, zunächst zum Passauer, dann zum Erzbischofe von 
Salzburg, während sein Lehrer Peter von Breslau auf jenen 
bischöflichen Stuhl erhoben ward, — diese Ereignisse übten 
auch ihre Rückwirkungen auf die Steiermark. Vor Allem 
musste diese Lösung der Salzburger Frage Ottokar^s Unmuth 
über Philipp^s Depossedirung dämpfen, denn auf die gute Gre- 
sinnung des neuen Erzbischofes durfte er mit Bestimmtheit 
zählen. Anderseits ersparte Wladislav's friedliebende, recht- 
licher Sinn der Steiermark eine Wiederholung der früheren 
wüsten Fehden. 

Während der entsetzte und weiterer Gegenbestrebungen 
müde Philipp auf seinen Kärntner Gütern ein unfreiwilliges 
StiDleben führt, ist ein solches auch semem Rivalen Ulrich in 
der Steiermark beschieden, bis der Tod (6. Juli 1268) ihn 
von einem Leben kränkender Enttäuschungen und Demüthi- 
gungen befrdt 

Aber noch einer Thatsache müssen whr gedenken, einer 
Friedensthat — von hohem Werthe für ihre Zeit und alle 
Zeiten, die allein genügen würde, um Bruno's Landeshaupt- 
mannschaft zu verewigen; das sprechendste Zeugniss für eine 
Herrschaft, die nicht angestammt, sondern erworben, strenge 
Rechnung in ihrem Hause liebt und genau festzustellen bemüht 
ist, was Eigenthum und Nutzrecht der herzoglichen Gewalt seL 
Und es fehlte nicht an Anlässen, die Gaben des Landes m 
Anspruch zu nehmen. Als Ottokar 1264 im October die 
prunkvolle Vermälung seiner brandenburgischen Nichte mit 



~ 75 — 

dem irp^dischm Prinzen beging, gab er den Auftrag, was sie 
an Ess- und Futterbedarf in Oesterreich nicht auftrieben, aus 
Steiermark und Mäihren zu holen. Und der Reimchronist 
gedenkt der fbnf Futterhaufen, deren jeder grösser war „als 
der Kirchthurm von Salchenau'' ''). 

Bischof Bruno übertrug dem Notar Helwig aus Thüringen 
die Zusammenstellung aller genau zu erhebenden landesfürst- 
liehen Eammergüter, EammergeMe und Rechte in einem 
sogenannten Hub-, Gefällen-, Rent- oder Raitbuche (Ratio- 
narium). 

Heibig brachte die Arbeit 1265 fertig und es konnte im 
Jänner 1267 bei Anwesenheit des zu Graz weilenden Böhmen- 
königes Ottokar auf dieser Grundlage durch Bischof Bruno 
die Bestallung und möglichst hohe Belastung der herzoglichen 
Nutzungsämter (ofßda) im Lande erfolgen. Das Gesammter- 
trftgniss der landeslQrsflichen Renten erscheint auf 7334 Mark 
Pfennige beziffert, von denen nach Abzug bestimmter Ausgaben 
beiläufig sechsthalb Tausend Mark erübrigten. 

Jene chronologische Angabe bringt uns in einige Ver- 
legenheit, den Grazer Besuch in Ottokar's Itinerar einzureihen. 

Denn am 4. December 1266 treffen wir Ottokar noch 
in Oberösterreich, den 30. December zu Prag und am 
20. Jänner 1267 bei Laa, von Wien aus, wir müssten somit 
in die kurze Zwischenzeit des Jahreswechsels die Hin- und 
Rückreise Ottokar's in und aus der Steiermark ansetzen '^). 

Das Rationarium Styrise ist die werthvollste mittelalter- 
liche Topographie der Steiermark und zugleich eine Fundgrube 
für die Kenntniss der damaligen ürbarialleistungen in Geld und 
Naturalzins, anderseits der Landesculturen und üblichen Maasse. 



'*) Reimchr. 8. 78. Sollte das ein Wink sein, sprechend fflr die 
Heimat des Reimchronisten? 

^) Anderseits findet sich eine aus Graz 1266 (ohne nähere Zeitangabe) 
datirte Urkunde Ottokar's zu Gunsten des Hochstiftes Freising, die 
nicht minder schwierig in das Itinerar Ottokar's eingepasst werden 
kann. S. Zahn Cod. dipl. aust Frising. fontes rer. austr. XXXf. Bd. 
S. 283—4. 



— 76 — 

Die Arbeit fand ihr Seitenstack an dem Rationarium AnstiuB, 
späterer, gleichartiger Abfassung, die wir der habsburgischen 
Zeit und Herrschaft vindiciren mtissen ''^). 



ID. Die AddsrerschwfriiDg tm \iKL Die KanlMr Frage. — Seüiried 
labreiberg. — Siizbvg. — ladelTs L Küigswalil. — Dar Sin 4er 

b9biDi8die& Hemchaft (W4— 1S7(). 

Als König Ottokar und Bruno, fem der Steiennark, im 
Kreuzzuge wider die Preussen und Letten standen, gaben 
ihnen auch steiermftrkische Edle mit ihren Reisigen das Geleite 
auf der Heerfahrt, so der junge Liechtensteiner Otto, Uhich's 
Sohn, der, wie die Reimchronik erzählt, den „Rotten'^ aus der 
Steiermark als Marschall vorgesetzt wurde. 

Es gab da viel Ungemach und den König „gereute es 
viel hart, dass die Steierer auf der Fahrt die Furt verkosteten, 
dass das Eis unter ihnen borst, viel Uebles geschah, der 
Leute und Rosse viel ertrank, dass man von diesem Herzleid 
noch immer im Böhmerlande Mähren erzält**, lauten die Worte 
dieser Quelle"). 

Aber sie berichtet noch bedeutsamere Dinge, die sich 
1268 in der Steiermark zugetragen haben sollen und deren 
bessere Würdigung einiger Vorbemerkungen bedarf. 

Die E[roissenbrunner Schlacht und der ihr bald gefolgte 
Friede mit Ungarn hatten Ottokar's Machtstellung gefestigt 
Im Gefühle dieser Machtstellung wagte er den Schritt, die 
lästige, unfruchtbare Ehe mit Margarethe zu lösen und dn 
neues Eheband zu knüpfen, das semer Neigung und d^ 
Hoffnungen auf einen legitimen Leibeserben besser entsprach. 



*') Bei Rancb scrr. rer. austr. IL 114 — 204, findet sich das Ration. 
Styriie abgednickt. Daselbst findet sich aach das Rationarium Austris 
yeröffentlicht, das aus habsburgischer Epoche stammt, jedoch an 
einem Hubbuche aus Ottokar's Tagen (C. 1275) seinen Yorl&ufer 
hatte. S. Chmel im Notizenbl. der Akad. d. Wiss. 5. 6d 838 ft Eine 
kurze Skizze des Inhaltes des Ration. Stir. b. Muchar III 19—22. 

>•) Reimchronik S. 94. 



— 77 — 

Die Ehescheidung Ottokar's, wieder ein Beweis, wie fügsam 
sich die Curie gegen ihren mächtigen Günstling benahm, 
Margarethen's abgeschiedenes Leben auf ihrem Leibgedinge 
zu Krems und die prunkvolle Hochzeit des Böhmenköniges 
mit Bela's IV. Enkelin, Eunigunde — waren jedenfalls Ereig- 
nisse von Belang, die in wdten Kreisen Au&ehen machten. 
Immerhin wäre es abereilt, jene Ehescheidung, Margarethen's 
Yerstossung, als eine Thatsache hinzustellen, welche alsbald den 
Credit der Herrschaft Ottokar's in Oesterreich oder gar in der 
Steiermark erschlittert habe. Viel später erst, als bereits 
die Babenbergerin verstorben war, findet sich in einer ein- 
zigen, in dem ZwetÜer EQosteijahrbuche, die Bemerkung : Mar- 
garethen's Tod habe das Land seiner wahren, rechtmässigen 
Erbin beraubt'^). Anders aber musste es werden, sobald die 
Unzufriedenheit mit der Fremdherrschaft in die Gemüther 
einzog und Alles mit dem scharfen Auge des Grolles aufge- 
griffen wurde, was die Usurpation Ottokar^s in ungünstigem 
Lichte erscheinen lassen musste. 

Die häufigen und kostspieligen Heereszüge Ottokar's 
nahmen die Geld- und Truppenaufgebote der Oesterreicher 
und Steiermärker nicht wenig in Anspruch; anderseits zog 
die Fremdherrschaft die Zügel immer straffer an und im 
Jahre 1265 hörte man, wie streng und hart Ottokar mit dem 
Meissauer, einem der angesehensten Edeln Oesterreichs, ver- 
fuhr, wie er so manche Burg da und im Böhmerlande ge- 
brochen haba 

So begann denn auch besonders im Gefolge der Salz- 
burger Wirren und der Kämpfe mit Baiem eine schwüle Luft 
dies- und jenseits des Semerings zu wehen und auch andere 
Erscheinungen verstärkten das Gewitterhafte der politischen 
Stimmung. 

Die Entsittlichung des kirchlichen Lebens spiegelt sich 
in den Satzungen der Wiener Synode, welche CardinaDegat 



'"O Ann. Zwettl. Monum. Germ. XI. a. a. 1266. Obiit domina Marga- 
retha verus heres terrae et 8ic terra vero berede orbata est. 



— 78 — 

Guido 1267 '^ abhielt, sie spiegelt sich in den Weisungm 
und Massr^eln der Curie und der geistlichen Vorsteher (63, 
70), sie bietet endlich mit einen ScUtlssel zur ErUannig 
jener dgenthomlichen Schwärmerei des Geissler- oder Fla- 
gellantenthums, welche in erster Linie eine chronische Eultor- 
krankheit, von den Eindrücken elementarer Erscheinungen '^ 
des Misswaches und namentlich des Erdbebens beeinflusst wird, 
da der Zorn des Himmels Sohnung zu veriangen schien. 

Gab es doch 1267 im Monate Mai in der Steiermaik 
ein solches Erdbeben, dass die Burg Kindberg zusammoi- 
stOrzte und die Eirchen^ocken vor ErschQtterung zu l&utai 
begannen *"). 

„Dies Jahr^O kam es zur gemeinen Bussfedut,' erzählt 
die gleiche Quelle,* die in Sidlien begann und die Lombardei, 
Eftmten, Erain, die Steiermark, Oesterreich, Böhmen und 
Mähren mit Geisselui^en und Bussgesängen durchzog, was 
fbr ein gross Wunder gehalten ward. Eine Menge Menschen, 
Arme, Reiche, Ministerialen, Bitter, Bauern, Greise und jQng- 
Unge gingen Qber dem Gürtel nackt einher, den Kopf blos 
mit einem Linnentuch bedeckt; mit Fahnen, brennenden Kerzen 
und Geissein in der Hand, mit denen sich einige bis aufs 
Blut schlugen. Sie sangen demQthige Lieder und zogen Ton 
Land zu Land, von Stadt zu Stadt, von Kirche zu Kirche. 
Viele, die das sahen, wurden erschüttert und weinten, warfen 
sich auch mit dem ganzen Körper nackt auf die Erde, in den 



*^ Vgl. Lorenz, deutsche Gesch I 399 ft Die SynodalbesdüllBBe 

finden sich auch in der gleichzeitigen Gontin. ^Hndobon. Annal. Mettic 

— Monom. Germ. XI. S. 699—703. 
**) Schottwien ging 1. Aug. 1266 durch einen Wolkenbruch £ut ganz 

zu Grunde. S. Anon. Leob. A. ▼. Zahn S. 18. 
^ Anon. Leob. a. a. 0. S. 19 ~ 20. 
^*) Die Jahresangaben schwanken zwischen 1260 — 1261 — s. Henii. 

Altah. z. J. 1260 „de Flagellatozibus'' ; Ann. Mellic. z. J. 1260, Ann. 

S. Rudberti Salisburg z. J. 1260. Gont. Sancruc. n. z. J. 1261, Gontin. 

Prsedicat. Yindob. dsgl. wo sich auch der Eingang des deutschen 

Bussgesanges findet. Unsere Stelle ist dem Anon. Leob. a. a. 0. 

S. 14 entnommen, z. J. 1261 



— 79 — 

Schnee so gut wie in den Roth und jeder beharrte in dieser 
Busse 33 Tage, zweimal des Tages, am Morgen und Abend/ 

Im Grefolge der keineswegs günstig gearteten Preussen- 
fahrt tritt im politischen Leben unseres Landes ein Ereigniss 
zu Tage, dessen Eenntniss wir keiner einzigen Urkunde, son- 
dern nur dem dramatisch geftrbten Berichte der Reimchronik ^^) 
verdanken. Immerhin bleibt der historische Kern unanfechtbar 
und auch von anderer Seite werden uns Andeutungen ge- 
boten, die an dem Geschichtlichen dieser Vorgänge nicht 
zweifeln lassen. 

Friedrich von Pettan erscheint darin als der Denundant 
einer Adelsverschwörung wider die böhmische Herrschaft, als 
deren Urheber der Püannberger Graf Bernhard und Hartnid 
der Wüdonier, als Mitwisser und Theilnehmer Ulrich von 
Liechtenstein und Wülfing von Stubenberg beinzichtigt waren. 
Die Angeklagten wurden m das Lager vor Breslau beschieden 
und der Pettauer allhier aulgefordert, seine heimliche Anklage 
öffentlich vorzubringen. Er wiederholte sie ihnen in's Gesicht, 
nur den Püannberger Heinrich, der sich auch hatte einfinden 
müssen, sprach er der Mitwissenschaft ledig. Die Beschuldigten 
erklärten den Pettauer für einen Lügner, forderten ihn zum 
Zweikampfe heraus ; König Ottokar aber gestattete dies nicht, 
sondern nahm Alle in Haft, liess als Gefangene den Grafen 
Bernhard von Pfannberg auf Burglein, dessen Bruder Hemrich 
auf die Feste Frain (Fren) in Mähren, den Liechtensteiner Ulrich 
auf Elingenberg in Gesellschaft des Stubenbergers und den Wil- 
donier Hartnid nach Eichhorn in Mähren, schaffen. Aber auch 
der Pettauer Friedrich hatte sich nicht besser gebettet, da 
auch ihm das Loos der Haft zu Eichhorn bescbieden ward. 

Die Haft der Herren aus Steierland währte 26 Wochen ^') 
in ihrer ganzen Härte. Doch gestattete der König nicht, dass 

*<) Beimchroiuk 56. Cap. S. 96—98. Das Chron. Joaim. Victor., das den 
Reimchronisten Ottokar ben&tzte, hat S. 297 (I. Buch, 9. Gap.) Dur 
wenige Zeilen. YgL aach Tangl's Aufs. 0. die Pfannberger 18. Bd. 
des Arch. f. K Ost. G. 189 ff. 

^^ Bei Lorenz deut. G. I. finden sich zufolge offenbarem Versehens 
26 Monate angegeben. 



— 80 — 

man die Habe der Grefangenen plündere, beliess ihnen je dnen 
Diener und sandte das andere Gefolge heim. Den Pfumberger 
Heinrich zog er überdies bald an seinen Hol Die Andern 
mussten zur Erlangung ihrer Freiheit dem Pettauer Urfehde 
schwören und eine Reihe ihrer Burgen ausliefern, die dann 
der König brechen liess. So verloren die P&nnberger : Pfaim- 
berg, Peggau, St Peter, ICaisersberg, Strasseck und Löschen* 
thal, der Liechtensteiner : Murau, Liechtenstein und die Frauen- 
burg, der Stubenberger : Stubeaiberg, Kapfenberg, Katsch und 
Wulfingstein, der Wildonier: Premaresburg und Gleichenberg 
und selbst der Pettauer Wurmberg und Schwanberg. Zum 
Schlüsse — erzählt die Reimchronik — sprach Ottokar zu 
den von der Haft Erlösten^ „Thut Euch gütlich, da ich Euch 
durch meine Gnade reich machen und den Schade vergüten 
will, den ich angerichtet Wer sich aber von mir mit bösem 
Gebahren entfernt, der wisse fOrder, dass er nicht wieder 
dessen sich erfreuen wird, was er einbüsste.^ Der König ver- 
theilte an sie Kleinode, Silber und Gewand, dann entliess er 
sie heim. 

Wir haben in Kürze das Wesentliche der ausführlidien 
Erzählung des Reimchronisten entnommen. Drei Punkte jedoch 
bedürfen einer genaueren Prüfung und zwar das chronolo- 
gische und locale Moment der Erzählung und die Motivirung 
des Ganzen. 

Der Reimchronist lässt die genannten Edelherren aus d^ 
Steiermark dreimal durch Boten und Briefe nach Breslau 
entbieten; er lässt sie 26 Wochen in strengem Gewahrsam 
halten und zu Prag „an dem Palmtag** (1268, 1. April) 
der Haft erledigen. 

Die Haft müsste also Mitte October 1267 b^onnen 
haben; somit lange vor der Preussenfahrt, welche erst im 
December 1267 angetreten wurde, wie aus Ottokar's und 
Bruno's Urkunden ersehen ^^) und schon mit Jänner 1268 
beschlossen gewesen sein muss, da wir Ottokar zu Prag berdts 
16. Februar d. J. urkundlich vorfinden. 



^) Emier Begg. Nr. 571, 576, 577, 592. 



— Si- 
lin April 1268 befand er sich allerdings zu Prag, min- 
destens vom 24. April an. Dagegen lässt sich aber sein angeb- 
licher Aufenthalt zu Breslau filr Mitte October 1267 in keinerlei 
Weise belegen, denn die vorhandenen Urkunden zeigen blos 
Ottokar 19. Sept. 1267 in Prag, 6. Nov. in Brllnn und seinen 
ersten Minister Bruno 3. Oct in Mähren**). Ueberdies ist 
ein Aufenthalt Ottokar's zu Breslscu ausser aller Verbindung 
nüt der Preussenfahrt nicht gut denkbar. 

Versuchten wir es nun, diese Begebenheit in das Jahr 
1268—1269 zu versetzen*'), da z.B. die Klostemeuburger 
Annalen ihrer z. J. 1269 kurz gedenken *') und der Victringer 
Abt Johannes in seinem Geschichtswerke die Begebenheit 
dem Tode Herzog Ulrich von Kärnten (1269, 27. Oct.) mit 
den Worten „in diesem Jahre" anreiht, so kämen wir 
mit den Zeit- und Ortsangaben des Reimchronisten noch 
schlechter weg und ebensowenig ist eine weitere Verlegung 
in ein späteres oder früheres Jahr statthaft. Wir sind somit 
genöthigt, wenn wir der Reimchronik folgen wollen, die ganze 
Begebenheit in die Zeit vom Jänner bis April 1268 zusam- 
menzudrängen und zwar die Vorladung so gut wie die Zeit 
der Haft. Schwierig lässt sich da allerdings die Heimreise der 
Herren nach der Preussenfahrt und ihre dreimalige Vorladung 
nach Breslau chronologisch combiniren. Aber im Gebiete that- 
sächlicher Unmöglichkeiten bewegen wir uns immerhin nicht. 
Ueber die Motive der That des Pettauers bleiben wk 
ganz im Unklaren. Jedenfalls war sein Lohn schlecht. — Der 
Schluss der Erzählung, die Handlungsweise des Königs gegen- 
über den freigelassenen Herren würde besagen, dass Ottokar 
seine That als eine Uebereilung gut machen wollte. 



*5) Emier Nr. 618, 558, 568—9, 560-1. 

*•) Tangl in seiner fleissigen Abh. ü. die Pfannberger versetzt irrthttm- 
lich die ganze Sache in's Jabr 1468—1469 (S. 142 f.), da er den 
Kreazzng viel später ansetzt, als er in der That vor sich ging. 

*') Contin. Claustroneob. IV. Mon. Germ. XI, S 648. „Comites de Phan- 
berg et nobiliores St}Tise a rege Bohemie captivantor et eoram castra 
meliora destruuntar, sed destructis castris a captivitate relaxantur.^ 

a 

MiUhcI]. d. hiit. Vereins f. Bteiermurk. ZZII. Heft, ltT4. ^ 



— 82 — 

Aber eine Angelegenheit im Ganzen der Erzählung bietet 
einen praktischen Gesichtspunkt der premyslidischen Politik, 
und zwar die zwangsweise Beseitigung oder Besetzung jener 
Burgen der mächtigsten Geschlechter, welche in ihrer wach- 
senden Zahl als Stützpunkte adeliger Opposition für ein 
strammes monarchisches Regiment bedrohUch werden mussten. 
Dass femer der Pettauer, ohne dass wir seine DenunciantenroUe 
billigen können, seine Beschuldigungen nicht ganz aus der Luft 
griff, und dass die genannten Herren nicht gut auf die böh- 
mische Herrschaft zu sprechen waren, liegt gleichfalls nahe. 

Der Böhmenkönig griff nun einmal mit eiserner Hand in 
die steiermärkische Adelschaft, um die Angesehensten hervor- 
zuholen und ihnen das zu entwinden, was er sonst mit grös- 
serem Eraftaufwande hätte erobern müssen. 

Nirgends aber in der ganzen Erzählung geschieht des 
vornehmsten Rathgebers der Krone, des bischöflichen Landes- 
hauptmannes der Steiermark, Bruno's, Erwähnung und doch 
muss angenommen werden, dass gerade diesem die Sachlage 
und Stimmung im Lande trotz längerer Entfernung bekannter 
war, als dem Könige selbst*^). 

Doch scheiden wir von dieser Episode. Alles scheint bald 
in's alte Geleise zu kommen, vergeben und vergessen zu 
sein, wie dies urkundliche Zeugnisse schon 1269 nahe legen. 
An eine thatsächliche Opposition Ulrich's von. Liechtenstein 
mögen wir selbst nicht recht glauben; er scheint deren am 
wenigsten mit Recht beschuldigt worden zu sein. Dm, den 
Stubenberger und Bernhard von Pfannberg finden wir bald 
wieder in der Umgebung des Königs, auch ausserhalb des 
Landes *•) (80). 



^^ Lorenz hat die politische Bedeutung dieser Händel (I. 270 f.) richtig 
gezeichnet Kur in chronologischer Beziehung unterlief das Versehen 
einmal, dass er die Verhaftung der Adelsherren mit der Heise 
Bruno's in die Steiermark (Späljahr 1268 !) combinirt und, obschon 
er die Haft mit 26 Monaten ansetzt, die Befreiung doch (S. 272) 
am „Pahntag 1268*^ geschehen l&sst. 

^') Vgl. auch Tangl's erwähnte Abhandlung S. 148 £ 



— 83 — 

Bruno's Rückkunft in die Steiermark haben wir erst seit 
1. December 1268 urkundlich (72) verbürgt Doch können 
wir ihren Zeitpunkt viel früher ansetzen. Neben ihm taucht 
Herbord von Füllenstein^ sein Lehensmann und Truchsess, auf, 
eine Persönlichkeit von Einfluss, die alsbald 1269 als Landes- 
richter der Steiermark und als Stellvertreter Bruno's zu gelten 
hat (73, 78, 79). 

Dieser, in unaufhörUcher Bewegung von und zimi Hoflager 
des Premysüden — muss im Frühsommer 1269 die Steier- 
mark wieder verlassen haben; in einer Urkunde (16. April, 
Graz) Herbord's von Füllenstein wird seines und des könig- 
lichen Mandates, das Seckauer Hochstift betreffend, gedacht 
(78). Den 13. Juni des gleichen Jahres finden wir ihn und 
den Premysüden in Gesellschaft des Freisinger, Passauer, 
Brixner und Seckauer Bischof es '**^). 

Fünfzehn Tage später schlichtet er jedoch wieder auf stei- 
rischem Boden, im Unterlande, zu Radkersburg, einen Streit des 
Bischofs von Seckau mit dem Adeligen Ortolf von Stretwich und 
den 20. August d. J. sehen wir ihn zu Graz in offener Land- 
schranne als Richter in dem Güterhandel des St. Pauler Klo- 
sters mit Heinrich von Rohitsch (81, 82 vgl. 71). Das letzte- 
mal begegnen wir ihm hier in der Ausübung seines wichtigen 
Amtes * ^), umgeben von einem stattlichen Kreise steirischer 
Prälaten und Landherren. — Noch einmal, in Ottokar's Ur- 
kunde für S. Lambrecht vom 29. Jänner 1270, geschieht seiner 
als „damals Landeshauptmaim der Steiermark** Erwähnung 
(88, vgl. 83). Dabei wird aber auch Otto's von Haslau gedacht, 
„welcher damals für eine Zeit der Hauptmann desselben Landes 
war," wie wörtlich darin zu lesen. Und dass nach Bruno's 
Abgange, im Herbste 1269, für wenige Monate der Haslauer 
die Verwaltung führte, bezeugt eine zweite Urkunde von Ende 
Jänner, worin des Schiedsspruches Otto's in einer Streitsache 



«0 Emler Nr. 663. 

^1) Letztere Urkunde (82) deutet mit ihrer langen Zeugenreihe auf eine 
StändeTersammlung hin. 

6* 






— 84 — 

Wichards von Ramenstein mit dem Kloster St Lambrecht gedacht 
erscheint (40). Näheres über die Dauer seiner interimistischen 
Amtsgewalt wissen wir nicht, auch taucht er in keiner steiermär- 
kischen Urkunde als Landeshauptmann oder Verweser aal 
Dagegen wissen wir, dass einer der hervorragendsten 
Männer im Kreise der Kronbeamten Ottokar's, Burkhard von 
Klingenberg (74), bereits im Herbste des Jahres den Postoi 
eines Landeshauptmannes der Steiermark angetreten haben 
muss, da er Anfangs October zu Marburg als solcher einer allge- 
meinen Gerichtsversanmilung, einem Landtaiding, vorsass (94). 
Der Grund der Enthebung Bruno's vom Posten eines 
Landeshauptmannes der Steiermark, den er, wie sein alter 
Biograph sagt, gestrenge verwaltete * '), ist sicherlich ebenso- 
wenig in dem Misstrauen des Königs als in einem Proteste 
der Steiermärker gegen die Amtsfühnmg des Olmützer Bischöfe 
zu suchen. Denn bis zum Tode des Premysliden behauptete 
Bruno, trotz zeitweiliger Gegenströmungen am Hofe, die sich 
gewiss nicht in Abrede stellen lassen^*), den ersten Platz 
im Rathe der Krone und zu einem solchen Proteste fehlte 
jeder Anlass, er ist emfach undenkbar. 

Im Gegentheile, das GefQhl der Machthöhe und Sicherheit 
veranlasste Ottokar zu einer solchen Yerwaltungsmassregel. 
Der Bischof-Minister war als Landeshauptmann der Steiermark 
entbehrUch, dagegen bei der wachsenden Fülle verwickelter 
Staatsgeschäfte in des Regenten nächster Nähe nicht leicht zu 
missen. Wir können aber diesen Zeitpunkt als kurze Haltstelle 
benutzen, um einen RückbUck auf wichtige Vorgänge zu werfen, 
die einen bedeutsamen Einfluss auf die Steiermark üben 
mussten. 



^^) Ducatom Stirie rexit et strenue gubemavit Lorenz, deutsche Gesch. 
I, 260 Note 1. 

^^ Ist es Zufall oder Beweis für soltJie Gegenströmungen, dass Bischof 
Bruno's Name in den königlichen Urkunden dieser Zeit fast gar 
nicht auftritt, dass z. B. nicht er, sondern der böhmische Kanzler 
Peter, Propst von Wischegrad, bei dem Abschlüsse des wichtigen 
Podiebrader Erbvertrages (s. w. u.) anwesend war? 



— 85 — 

Im Spätjahre 1268 treffen wir im Böhmerlande, auf der 
Kronherrschaft Podiebrad, den Kärntner Herzog Ulrich, Otto- 
kar's Vetter, den kinderlosen Gemahl der Grossnichte des 
letzten Babenbergers, Gertruden's Tochter. Unter Zeugenschaft 
des Grafen Albert von Görz-Tirol, des Meisters Peter, Prop- 
stes von Wissegrad, Kanzlers des böhmischen Reiches, Ulrich 's, 
des Grafen von Heunburg, Heinrich's Grafen von Hardeck, 
des Freien von Cauriaco, Ulrich's von ReifFenberg und Anderer 
erklärt Herzog Ulrich, für den Fall seines kinderlosen Ab- 
sterbens, Ottokar zu seinem Erben. 

Des Bruders Philipp, des abgedankten Gewählten von 
Salzburg, geschieht keine Erwähnung**). Man will ihn der 
Erbschaft ferne halten, doch auch für seine anderweitige Ver- 
sorgung muss gehandelt werden. Die Handhabe bietet sich in 
der Erledigung des Patriarchenstuhles von Aquileja. 

Ohnedies hatte seit der entschiedenen Besitzergreifung 
vom Steierlande (1260) der Böhmenkönig als Herr des aquile- 
jischen Lehens Pordenone, seme Hand im Friauler Lande. 
1263 nahm Bruno von Olraütz als Stellvertreter Ottokar's 
das Lehen des Schenkenamtes von Aquileja entgegen. — Im 
Kampfe der Görzer mit dem Patriarchen Gregor von Monte- 
longo sah der Premyslide nicht mtissig zu •''). 

Als nun Patriarch -Gregor den 8. September 1269 starb, 
beeilte sich Ottokar, die Wahl Philipp's zum Patriarchen 
durchzusetzen und sie fand bereits den 23. September statt, 
um so leichter, da sein Bruder, der Kärntner Herzog, den 
14. d. M. zum „Gemeinen Hauptmann" (capitano generale) 
oder Landesverweser Friaul's erkoren wurde. Philipp wusste 



^^) Die Urkunde vom 21. März 1249 s. Anh. Begg. Nr. 7 ist offenbar 
unecht. Bei dieser Gelegenheit sei einer Urkunde von 1251, 17. Juni, 
Neuss, gedacht, in welcher König Wilhelm von Deutschland dem 
Bischof Ulrich die Freiheiten des Bisthums Seckau bestätigt. (L. A. 
Nr. 663 Cop.) 

**) Bianchi Regg. im 22. Bde. des Arch. f. K. öst. Geschichtsquellen. — 
Vgl. Manzano, Ann. del Friuli III. 1860 S. 45 f. — Tangl, Hdbch. 
der Gesch Kärntens IV, 1, S. 3 f. 



— 86 — 

aber alF dies dem Böhmenkönig zu schlechtem Danke, denn 
der Beweggrund war ihm klar und sein Blick unverwandt auf 
das Kärntner Erbe gerichtet*'). 

Als daher den 27. October 1269 Herzog Ulrich zu CSvi- 
dale starb, säumte keinen Augenblick der Erwählte von Aglei, 
seinem böhmischen Vetter in Erain und Kärnten zuvorzu- 
kommen, der einerseits auch nicht zögerte und den gewandten 
Probst von Brunn, Conrad, in die genannten Länder sandte. 
Wenn der Brief Ottokar's an. Philipp dem Frühjahre 1270 
eingereiht werden darf — und es sprechen gewichtige Gründe 
dafilr — so bemühte sich der Böhmenkönig, dem trotzigen 
Vetter den Kopf zurecht zu setzen; denn er war ihm sehr 
unbequem geworden. Rasch hatte Philipp seine Wahl zmn 
Generalcapitän von Friaul durchgesetzt, den Kärntner Her- 
zogstitel angenommen und sich mit „Ottokar's Feinden" ver- 
bunden, worunter unschwer die kämtnisch-krainische Partei 
der Gegner der böhmischen Occupation und wohl auch Ungarns 
neuer König Stefan, Sohn des Anfangs Mai 1270 verstorbenen 
Bela IV., zu verstehen ist. 

Dagegen hatte der Premyslide einen Bund mit den 
Friauler Ständen (1. Mai 1270) geschlossen*'), auch konnte er 
auf die alten Gegner Philipp's, die Görzer Grafen, und auf die 
in Bj-ain und Kärnten mächtigen Ortenburger und Stemberger 
zählen. Unter solchen Umständen konnte er hoffen, seinen 
Rivalen, den das Aquilejer Capitel als abgesetzt erklärte, zu er- 
drücken. Bald schob sich der ausbrechende böhmisch-ungarische 
Krieg dazwischen und auf ihn setzte Philipp als Bundesge- 
nosse Stefanos V., seine besten Hoffnungen. Doch sie wurden ge- 
täuscht, Stefan zum Waffenstillstände genöthigt, zu dessen Ver- 
handlung noch im Spätsommer Anstalten getroffen wurden. 
Philipp wurde in denselben unter der Bedingung aufgenommen, 
dass er sich ruhig verhalte und bis zum Gallustage (16. Oc- 
tober) Bevolhnächtigte sende. In der endgiltigen Ueberein- 



^) Manzano a. a. 0. S. 88 f. 
*"*) Manzano a. a. 0. 87. 



— 87 — 

kunft, die der Stillstand vom Gallustage bis 11. November 
1272 festsetzte, wird von Philipp ganz abgesehen, da er diese 
Bedingung nicht eingehalten habe **). 

Dies war ein harter Schlag fQr die Aussichten des iso- 
lirten Sponheimers, dem es nun wenig half, dass der eigene 
Vollmachtträger des Böhmenkönigs, Probst Conrad, angelockt 
von den Versprechungen imd Philipp's anfänglichen Erfolgen, 
Verräther an des Königs Sache wurde und zur Partei des 
Sponheimers übertrat 

Ottokar honnte nun persönlich mit überlegener Waffen- 
macht den Rivalen angreifen. Den 28. October 1270 (91) 
treffen wir ihn noch zu Wien, woselbst er den 2. Februar 
mit dem Freisinger Bischöfe Conrad über die Kärntner Hoch- 
stiftslehen einen Investiturvertrag geschlossen hatte, wahr- 
scheinhch auch noch am 1. November. Rasch muss er nun 
den Heereszug durch Steiermark in's Bjrainer Land bewerk- 
stelligt haben, denn schon am 24. November^*) ist seine Anwe- 
senheit beim Klosterorte Sittich verbürgt Der Marsch muss 
ihn damals über Windischgraz geführt haben, von welchem 
Orte zwei Urkunden datiren (97); denn der Annahme, er habe 
diesen Ort erst am Rückmarsche berührt, steht die Thatsache 
entgegen, wonach er den Weg aus Kärnten von Villach gegen 
Obersteier, nach Judenburg, einschlug. In die Zeit vom 24. No- 
vember bis 6. December fällt der Marsch von Sittich gegen 
Laibach, wo sich Ulrich von Liechtenstein als Marschall des 
Steierlandes eingefunden hatte und der Zug durch das „Stein- 
geschirr** des Canalthales zwischen Amoldstein und Tarvis, 
das den „Böhmen'* so bange gemacht haben soll, in's Kärntner 
Land. Offenbar musste der König den Weg über Krainbiu-g, 
Radmannsdorf und Weissenfeis und das Gebirge eingeschlagen 
haben **•). Für 12 Tage in der That ein schweres Stück 



*») Emier S. 279-281 Nr. 722-726, Palacky II, 2, 208, Tangl S 17 

fr. Lorenz I, 321 ff. 
") Emier Kr. 719, 727, 728. 
*") üeber diesen Marsch vgl. die ausftilirlichen Erörterungen TangPs 

a. a. 0. S. 28-85. 



— 88 — 

Arbeit ! Denn schon am 6. December finden wir den König 
zu Yülach und die bezügliche Urkunde für Viktring (95) lässt 
uns als Zeugen die steirischen Edelherren von Pfannberg, den 
Pettauer, Seifiid von Mäbrenberg und Ulrich von Liechten- 
stein erkennen/ Es waren dies sämmüich Persönlichkeiten, die 
auch in Kärnten allodial oder lehensmässig begütert waren, 
den Liechtensteiner ausgenommen ' '). 

Wo jene von der Reimchronik angedeuteten Verhand- 
lungen mit Philipp stattfanden, denen zufolge dieser ge- 
zwungen ward, auf Kärnten, Krain und die Mark Verzicht zu 
leisten, sich mit den Einkünften des Gerichtes und der Mauth 
der niederösterreichischen Stadt Krems begnügen und seinen 
ständigen Sitz als Intemirter zu Pösenbeug nehmen sollte, ist 
unbekannt. Dass sie sich jedoch äusserst schwer diesem Zeit- 
punkte einpassen lassen, ist eben so sicher als die Thatsache, 
dass Philipp noch im Jahre 1271 als Gegner dem Premysliden 
gegenübersteht, also keineswegs das Leben eines Intemirten 
im Oesterreicher Lande führte und factisch nicht fuhren konnte. 
Aber lassen wir diese Angelegenheiten bei Seite, die uns auf 
ein anderes Feld der Untersuchungen verlocken könnten, um 
uns einer zweiten Thatsache zuzuwenden, welche mit den 
innerösterreichischen Verhältnissen im wesentlichen Zusammen- 
hange steht. 

Es ist dies Ottokar's Zusammenkunft mit dem neuen 
Erzbischofe von Salzburg, Friedrich von Walchen, zu Juden- 
burg, worüber uns die Taidungsurkunde (96) vom 12. De- 
cember 1270 vorKegt Ein halbes Jahr zuvor, den 28. April, 
war Metropolit Wladislav, Ottokar's Verwandter, der milde, 
friedfertige Mann gestorben, aus dessen Thätigkeit in den 
steiermärkischen Kirchenverhältnissen wir nur die Reformation 
des Seckauer Stiftes hervorheben woUen. Wladislav stand mit 
Ottokar auf bestem Fusse und verstand sich auch zu fdgen. 
In dem neuen Erzbischofe lebte ein energischer selbststän-^ 
diger Wille, den freilich erst später der König verspüren 



•») Vgl. Tangl a. a. 0. S. 36. 



— 89 — 

sollte, das Gefühl, dass der Augenblick abzuwarten sei, um 
sich gegen die Uebermacht des Böhmenkönigs in den Alpen- 
ländem zu stenunen. 

Zunächst musste der Salzburger mit dem PremysUden 
auf gutem Fusse bleiben. Die bezüglichen drei Urkunden 
handehi 1. von den Salzburger Lehen der Herzoge Oesterreichs 
und Steiermarks in den vier Landen, 2. von der Rückver- 
schafiFung der dem Salzburger Erzstifte seit Wladislav's Tode 
entfremdeten Güter und Zehenten, 3. von dem Ausgleiche 
der strittigen Gegenansprüche, der zu Wien den L Mai 1271 
stattzufinden habe. — Als Schiedsgerichts-Obmann erscheint 
Bischof Bernhard von Seckau, gleichfalls eine Persönlichkeit, 
der wir mit einigen Worten gedenken müssen "*). 

1268, den 6. Juni war der vielgeplagte und getäuschte 
Exmetropolit von Salzburg, der Seckauer Bischof Ulrich ver- 
schieden. An seine Stelle trat Bernhard, Dompropst von 
Passau, der auch für einige Zeit die Lehrkanzel des kanoni- 
schen Bechtes an der Paduaner Hochschule versah; ein 
scharfer, gewandter, mund- und federtüchtiger Kopf, der seine 
Erhebung dem Premysliden verdankte und bis zur entschei- 
denden Krise des Jahres 1275/6 der getreue Schildknappe 
seiner Politik blieb (72, 77, 78, 81, 85, 94). So war die 
Occupation des Kärntner und Krainer Landes gelungen und 
die Verhältnisse zum Salzburger Hochstifte leidlich geschlichtet, 
als Ottokar die Murstrasse aufwärts zog, um dann den 
gewohnten Weg durch's Mürztbal über den Semmering ein- 
zuschlagen Da kam ihm aber die böse Botschaft zu, der 
Ungamkönig habe den kürzlich geschlossenen Waffenstillstand 
gebrochen, ein gewaltiges Heer nach Oesterreich geworfen 
und wolle bei Schottwien dem heimziehenden Gegner eine 
schlimme Falle berdt halten. 

Da bahnte sich Ottokar, um den feindlichen Plan zu 
kreuzen, trotz winterlicher Fährlichkeiten und Beschwerden 



•*) Vgl. die ürkimdenregesten im Anhange Nr. 77, 78, 81 über die Ange- 
legenheiten des Seckauer Hochstiftes in Bernhardts »Tagen. 



— 90 — 

den Weg über das Gebirge gegen Lilienfeld, also muthmass- 
lieh über Aflenz, Mariazeil und Tumitz ••), und der getäuschte 
Ungamkönig kohlte den Aerger über den misslungenen Plan 
durch unmenschliche Verwüstungen des österreichischen Landes. 

Ottokar zahlte dies im AprQ des nächsten Jahres (1271) 
auf ungarischem Boden durch anftngliche Erfolge blutig heim. 
Doch musste er aus Proviantmangel an den Rückzug denken. 
Der nun folgende Angriff des Ungamkönigs war mit dem 
neuen kriegerischen Auftreten des Sponheimer's Philipp und 
mit dem vereinbarten Einfalle Heinrich's von Niederbaiem in's 
oberösterreichische Land combinirt. Allerdings konnte Philipp 
an Erfolge zunächst nur im Friaulischen denken, denn in 
Krain und Kärnten scheint Ottokar wohl vorgesorgt zu haben. 
Dort führte Ulrich von Habsbach (Hausbach), hier Albrecht 
von Fren (Frain) die Landeshauptmannschaft Letzterer brachte 
dem Böhmenkönige auch den Kärntner Heerbann zu und fand 
in den Kämpfen auf ungarischer Erde den Tod, oder wurde 
nach dem ungarisch-böhmischen Kriege seiner Landesverwe- 
sung enthoben, denn er taucht nicht wieder in dieser Rolle auf. 

Ottokar aber ging aus dem Kampfe mit entschiedenem 
Erfolge hervor, denn der Pressburg-Prager Friede vom 3. — 13. 
Juli 1271 •*) — ein Werk des Kalocsaer Erzbischofes und 
sechs ungarischer Bischöfe, anderseits des Salzburger Erzbi- 
schofes und der Bischöfe von Prag, Olmütz, Passau, Freising 
und Seckau, darlegt (98). 

An den Verzicht auf alle Ansprüche zu Gunsten des 
Böhmenkönigs — Kärnten, Krain und die Mark betreffend, 
knüpft Stephan V. das Versprechen, sein BUndniss mit Philipp 
aufzulösen und ihm seinen Schutz gänzlich zu entziehen. Von 
besonderem Interesse erscheint jedoch der Schluss des fünften 
Artikels, denn er verbürgt dem Premysliden, dass er die zu 
ihm geflüchteten Adeligen, Wflhelm von Scherffenberg und 



• ) Vgl. Tangl a. a, 0. S. 51. 

<^) Emier Nr. 758. Vgl. Lambacher Ost. Interregnum S. 51 Nr. 36 
Palacky I?, 1, 216 f. Lorenz I, 880. . . 



-' 91 ~ 

Niklas von Löwenberg (jenen der Krainer, diesen der Kärntner 
Landschaft angehörig), aus seinem Reiche verweisen werde. 

Wir haben es also mit politischen Unzufriedenen, mit 
Widersachern der böhmischen Herrschaft und offenbar mit 
Befreundeten Philipp's zu thun, die nun der ungarisch- 
böhmische Friede preisgab. — Dagegen fochten in den Reihen 
des böhmischen Herrschers Herren der Steiermark und 
Heinrich von Pfannberg soll, als der König die Schaaren 
musterte, ihn gemahnt haben, die seit 1268 von Ottokar be- 
setzten Burgen zurückzugeben, ^ damit es sie gelüste, desto 
mehr um seine Ehre zu kämpfen,*' worauf der Premyslide 
ermunternd geantwortet habe: „Nu seid wacker und bieder 
im Streite, ich sage Euch hier Eure Burgen, Euer Erbe 
ledig *^).' So hätte denn der ungarische Feldzug die letzten 
Nachwehen des Jahres 1268 weggetilgt. 

In die Zeit zwischen dem Abschlüsse dieser wichtigen 
Taidung und dem Herbste, vom 13. Juli bis 1. September, an 
welchem Tage wir Ottokar in Prag wieder finden, — und 
mit mehr Wahrscheinlichkeit als in die vom 1 . September und 
13. October begrenzte Frist, oder gar in die vom 24. November 
bis 30. December 1271 laufenden Tage — müssen wir die 
Heerfahrt des Böhmenkönigs ansetzen, deren Ziel das Kärntner 
Land war**). 

Es lag auch nahe, dass Ottokar in Folge des Press- 
burger Friedens die Angelegenheiten eines von Gegenbestre- 
bungen durchwühlten Landes endgiltig ordne. Dass er 1271 
diesen Zug unternahm, ist urkundlich angedeutet und mit dem 
tragischen Ausgange Seifried's von Mährenberg in einem prag- 
matischen Zusammenhange, der keine andere chronologische 
Unterbringung ermöglicht 

Der Zug ging muthmasslich durch Obersteier nach 
Kärnten, denn das war der gewohnte Heerweg, überdies 
machte Ottokar die Rückfahrt an der Drau abwärts in's 



•») Reimchronik pg. 107. 

••) Emier S. 804 Nr. 758; 8. 307 Nr. 765; S. 307 ^t. 767. 



— 92 — 

Steierland und wird daher umsoweniger von Untersteier ans 
nach Kärnten gezogen sein, da er zweimal den gleichen Weg 
hätte nehmen müssen. Noch mehr spricht dafür die Besetzmig 
von Friesach •^), was am Wege lag, der aus dem Oberlande 
Steiermarks in das innere Kärntens führte. 

Als Landeshauptmann Kärntens nach dem Ableben oder 
zufolge der Enthebung Albrechts von Fren haben wir damals 
Ulrich, den Grafen von Heunburg, zu denken, ohne Frage ein 
Ftüirer der Partei in Kärnten, welche dem Podiebrader Erbver- 
mächtniss getreu, fbr Ottokar^s Sache einstand imd dafbr entlohnt 
werden musste. Diese Persönlichkeit, reich begütert hier zu 
Lande so gut wie in der Steiermark, wohl angesehen und 
geachtet, gewann durch die von König Ottokar wahrscheinlich 
1270 schon verfügte Heirat mit der 19jährigen jugendlichen 
Witwe des Kärntner Herzogs Ulrich, Agnes, Gertruden's 
Tochter, eine neue Bedeutung. Man hat m dieser Verfügung 
des Böhmenkönigs nicht mit Unrecht eine politische Massregel 
gesucht ^®), die darauf hinauslief, die Grossnichte des letzten 
Babenbergers zur Frau eines reichsmittelbaren Dienst- und 
Lehensmannes zu machen ^') und damit einer zweiten Heirat 
der verwitweten Kärntner Herzogin vorzubeugen, welche un- 
liebsame Länderan Sprüche eines mächtigen Gemalils hervor- 
rufen könnte. 

Diese Anschauung gewinnt an Gewicht, wenn man die 
spätere urkundliche Erklärung der beiden Eheleute vom Jahre 
1279 berücksichtig^^) , welche überdies einen werthvollen 



«^) lieber Friesach's Besetzung vgl Tangl S. 81. 

«8) Vgl. auch Taugrs Abh. über die Heunburger i Arch. f. K öst. G. 
25. Bd S. 175 ff. 

«•) Die Reimchronik Cap. 28 spricht zunächst nur von der gegenseitigen 
innigen Liebe des Ehepaares. Später erst findet sich in dem soge- 
nannten Anon. Leob., in dem compil. Chron. austr. die dem Könige 
in den Mund gelegte Aeusserung, er habe es „in depressionem ge- 
neris", d. i. des Babenberger Geschlechtes — gethaa. 

'0) D. et actum apud Judenburch XI. Kai. NoYembris anno D. mill. 
duc. septuag. nono b. Herrgott Numotheca. 11, I pag. 250; Lambacher 
Anh. Urk. S. 171~176. 



— 93 — 

Aufechluss über den Stand der Einkünfte Gertruden's gewährt, 
Denn da heisst es wörtlich: „Was wir nur irgend mit dem Böh- 
menkönige abmachten oder im Vorhergehenden vereinbarten, 
das Alles erpresste von uns seine gewaltthätige Unredlichkeit 
und die uns erregte Furcht" .... Dass aber diese Grewalt- 
acte erst Platz griffen, als Ulrich, dem Könige offenbar miss- 
liebiger, die Landeshauptmannschaft an einen Andern abgab — 
und nicht gleichzeitig mit dem Heiratspacte eintreten konnten, 
ist selbstverständlich. 

Man hat nun von verschiedenen Seiten diese Angelegenheit 
mit einer gleichzeitigen Verbannung Gertruden's aus der 
Steiermark in Verbindung gebracht. Jedenfalls erscheint dieser 
Zeitpunkt, 1270 — 1, angemessener, als das von anderer Seite 
hiefilr angenommene Jahr 1261, oder die Combination, Ottokar 
habe Gertruden 1261 das erstemal und um 1271 das zweite - 
mal verbannt. Schon der Umstand, dass die Babenbergerin 
durch die Ehe ihrer Tochter mit dem Kärntner Herzoge Uh-ich 
(t 1269), einem Verwandten Ottokar's, diesem gewisse Rück- 
sichten fllr die Mutter, der Kärntner Herzogin, auferlegen 
musste, fiUilt in's Gewicht. Aber auch die Chronologie urkund- 
licher Zeugnisse widerspricht dem letzteren. — Abgesehen 
davon, dass die Reimchronik diese Verdrängung Gertruden's 
mit der Landeshauptmannschaft Bruno's, des Olmützer Bi- 
schofes, in Verbindung setzt, welche erst im Hochsommer 

1262 ihren Anfang nahm, finden wir die Babenbergerm ur- 
kundlich (39, 46) noch Anfang März 1261 und 5. Jänner 

1263 zu Voitsberg sesshaft, überdies wird ihr im Rationarium 
Styrisß'^) von 1267 nicht blos der Titel Ducissa, Herzogin, 
sondern auch ein Einkommen jährlicher 400 Mark aus den 
landesftlrstlichen Renten zuerkannt. 

Endlich sagt auch die Reimchronik ausdrücklich, dass 
Gertrude zu dieser zweiten Ehe ihrer Tochter — freiwillig 



^0 Rauch scrr. rer. austr. n. 1748 S. 116: Ex hiis autem tollit domina 
Dadssa CGCC marcas denariorum (von der Gresammtsomme im Be- 
trage von 7834 Mark Pf.). Das Dudssa passt auf Niemand anderen 
als Gertrude. 



~ 94 — 

oder gezwungener Weise — ihre Einwilligung gab und wir 
sie dabei naturgemäss noch im Lande und nicht als Ver- 
bannte im Meissner Lande denken dürfen. — So viel steht nur 
fest, wenn wir auch dem letztem Argumente keine Beweiskraft 
beilegen wollen, Gertrude sei nicht 1261, sondern erst nach 
1267 und zwar um das Jahr 1271 aus der Steiermark ent- 
fernt und genöthigt worden, bei ihren Meissner Verwandten ein 
Asyl zu suchen. Nach dem Berichte der Reimchronik finden 
wir sie anfängUch nach (W.-) Feistritz verbannt mit „kaum 
100 Mark Gülf* Einkommen. Aber auch da durfte sie nicht 
lange weilen und in gewitterschwerer Nacht das Land meiden. 
Als Scherge des königlichen Willens erscheint der i, Probst 
von Brunn" '*). Sie lebte noch 1288 im Kloster zu Suselitz "«). 
— Ob, wie der Reimchronist erzählt, der herzlose Probst 
von Brunn, Conrad, des Königs Vollmachtträger, mit dieser 
Verdrängung Gertruden's zu schaffen hatte, lassen wir uner- 
örtert; wohl aber unterstützt dieser Umstand unsere chrono- 
logische Annahme nicht wenig, da Conrad erst 1269 — 1270 
in dieser Rolle auftritt. Ja, wir halten dies Moment mit Rück- 
sicht auf die Erzählung der Reimchronik für die Chronologie 
des Ereignisses geradezu für entscheidend. 

Aber auch das tragische Ende Siegfried's von 
Mährenberg, zu dessen kritischer Betrachtung wir uns 
jetzt wenden, steht damit in unläugbarem Zusammenhange, 
denn der Reimchronist betont vor Allem die Verdächtigung 
seitens der Gegner des Mährenbergers, er sei ein entschiedener 
Anhänger der Herzogin. 



''*} Beimchronik S. 69. 

t^) Palacky a. a. 0. 11, 2, 384. Ihr Sohn Friedrich, Gonradms des 
letzten Staufen SchicksalsgenosBe, wird 1261, 28. Mai in einer Urkunde 
Ottokar's d. Pisek als Zeuge angeführt: Fridericus filins domin» 
6. ducisB» de Judenburch; bald darauf aber Yon Ottokar verbannt 
, (licentiatas). P. Clemens IV. sagt von ihm in einem Schreiben vom 
2. März lk68 ^ er nenne sich Herzog von Oesteireich, obschon er 
nicht einen Fussbreit Landes dort besässe. Palacky a. a. 0. 188, 
Note 269. 



— 95 — 

Nehmen wir nun den Faden der Erzählung von Ottokar's 
Kärntner Fahrt wieder auf. Die Occupation Friesach's erscheint 
thatsächlich als ein Schritt, um die zerrütteten Besitz- und 
Bechtsverhältnisse des Salzburger Erzstiftes zu ordnen, kei- 
neswegs als Act der Feindseligkeit gegen Erzbischof Friedrich, 
mit welchem damals der Böhmenkönig auf gutem Fusse stand. 
Aus einer Urkunde des zum Kastellan oder Burggrafen Frie- 
sach's bestellten Dietrich von Fulmen (Fulen) entnehmen wir, 
dass sich im Gefolge des Böhmenkönigs Bruno von Ohnütz und 
Herbord von Füllenstein befanden, mithin der einstige Landes- 
hauptmann und der gewesene Landrichter der Steiermark. 
Es mag dies auch darauf hindeuten, dass Ottokar sich bei der 
Ordnung der innerösterreichischen, also auch steiermärkischen 
Angelegenheiten der Erfahrung zweier bewährter Kenner der- 
selben bedienen wollte. Es wäre dies zugleich die letzte Angabe 
von der Anwesenheit des Olmützer Bischofes und Staatsmannes 
in diesen Gegenden (108). 

Ueber das sonstige Walten des Böhmenköniges im Kärntner 
Lande fehlt uns jede genauere Angabe. Lange konnte er hier 
nicht verweilt haben. Er zog dann die Drau abwärts in die 
Steiermark. Am Landesgemärke begrüsste ihn ein grosser 
Theil der Adelschaft. Nur der Mährenberger, an dessen Burg 
Ottokar vorbeizog, habe gefehlt, denn Krankheit fesselte ihn 
an das Lager. Der Böhmenkönig nahm dies als Verwand übel 
au£ (Jeberdies hätte er Klagen vernommen über des Mähren- 
berger's Gewaltthaten imd seine Parteinahme für Gertrude. 
Groll im Herzen zog er weiter. Als er gen Marburg kam, 
„ward er hochgeehrt von dem Landvolk gemein", ein Ge- 
ständniss des Reimchronisten, das für die Popularität des 
Böhmenkönigs bei dem gemeinen Volke ein günstiges Zeug- 
niss ablegt Und diese Beliebtheit zeigt sich auch in der 
bürgerlichen Bevölkerung der landesfilrstlichen Städte, ein 
Moment, das beweist, dass sich der Premyslide nicht blos 
auf den Clerus, sondern auch auf den dritten Stan^d zu stützen 
suchte und die Verstimmung gegen seine Herrschaft auf den 
Adel beschränkt war. 



— 96 — 

Denn in jeder Stadt, wo er einzog, berichtet die Reim- 
chronik weiter, „da musst er beschauen, all' die Frauen, die 
da angesessen waren ... in jeglicher Stadt blieb er an drei 
Tage und vertrieb sich die Zeit mit Reigen und Tanzen." 
Mit ;,so getanen Schwänzen (Spässen) kehrt er über (Graz) 
den Hartberg, so dass er nicht zur Arbeit, sondern nur zur 
Kurzweil Zeit hatte" — ironisirt unsere Quelle weiter. 

üeber Wien nach Prag heimgekehrt, habe Ottokar dem 
Dümholzer entboten, den Mährenberger gefangen zu nehmen. 
Ortolf von Windischgrätz lockte diesen im Auftrage des 
Dümholzer's auf sein Schloss, Seifrid wurde beim Mahle über- 
fallen, geknebelt und als Gefangener dem Dümholzer ausge- 
liefert, der selbst ihn nach Prag geleitete. 

Ulrich von Dümholz, ein mährischer Hochadeliger aus 
dem angesehenen Stamme der Kaunitze, erscheint urkundlich 
(102, 106, 107) im gleichen Jahre als Hauptmann von 
Kärnten, Krain und der Mark genannt. Ulrich von 
Heunburg und der Habsbacher müssen ihm also bald den 
Platz geräumt haben. Dies deutet auch auf Misstrauen Ottokar's 
gegen den Schwiegersohn Gerlruden's, Agnesen's zweiten Gemahl. 

Der unglückhche Mährenberger, von Ottokar als Haupt 
einer weitverzweigten Verschwörung angesehen — wurde den 
äussersten Folterqualen unterzogen, die ihm jedoch kein Ge- 
ständniss erpressen konnten und nach entsetzlichen Martern, 
die das Mitleid Aller erweckten, durch den Kolbenschlag eines 
^Zupan's", der bei dem Gequälten Wache stand, zweitl^ger 
Leiden erlöst 

So lautet der schaudererregende Bericht des Reimchro- 
nisten '"^) und wie misstrauisch man auch diese Erzählung einer 
dem Böhmenkönige entschieden abgeneigten Quelle aufiiehmen 
mag, namentlich die Einzelheiten der Prager Tragödie, im Allge- 
meinen wird sich die Thatsache dieser tyrannisch geschärften 
Hinrichtung nicht in Abrede stellen lassen. 



''^) Reimchronik 99. Cap. nach ihr Joan. Yictor in kurzen Worten a. a. 
0. S. 298 (I, c. 10). 



— 97 — 

Versuchen wir nun die Beweggründe Ottokar's aufzu- 
spüren : 

Bis zu diesem Zeitpunkte begegneten wir nie dem Mäh- 
renberger als Parteiführer oder Theilnehmer an politischen 
Complotten gegen die böhmische Herrschaft, so weit uns eben 
die spärlichen Zeugnisse jener Epoche blicken lassen. Auch 
im Jahre 1268 spielt er keine Rolle; ja noch kurz vor der 
Katastrophe, Ende 1270, finden wir ihn" im Heeresgefolge 
Ottokar's, als dieser nach Kärnten zog. 

Es muss also ein schwerer Verdacht gegen diesen steier- 
märkischen und auch im Kärntner Lande begüterten Adeligen 
in der Seele Ottokar's unmittelbar vor dem unseligen Ereig- 
niss wach gerufen worden sein, — wie dies auch die Reim- 
chronik in ihrer drastischen Weise angibt 

Seifrid von Mährenberg stand in erster Reihe des inner- 
österreichischen Adels, sein namhafter Besitz spiegelt sich in 
den reichen kirchlichen Stiftungen, durch welche er und seine 
Frau Richardis in der Klostergeschichte einen hervorragenden 
Platz einnehmen. Früher hatte er auch die Landesverwesung 
Kärntens geführt, wie dies uns Herzog Ulrich's Schutzbrief 
vom Jahre 1263 für das Kloster S. Paul im Lavantthale ver- 
bürgt"). Aber gerade in dieser Stellung erlaubte er sich Be- 
drückungen, deren diese Urkunde gedenkt und was wir der 
Reimchronik an Klagen über seine Gewaltthaten entnehmen, 
Klagen, die diese Quelle allerdings nur als solche und nicht 
als gerechtfertigte Beschuldigungen vorbringt, spricht nicht zu 
seinen Gunsten. Doch dies ist kein Moment von entscheidender 
Bedeutung, da wir doch so häufig damaligen Ausschreitungen 
dynastischer Willkür begegnen. Aber er wurde als Partei- 
mann imd Kämpe der Sache Gertruden's politischer Umtriebe 
beschuldigt, die Ottokar mehr als je in Harnisch bringen 
mussten, politischer Umtriebe, die vielleicht auch hn Kärntner 



''») Anh. Regg. Nr. 48. 1264, 27. April verleflit ihm H. übich „conside- 
rantes devotionem et senicia, que devotus noster Si&idus de 
Merenberch nobis fideliter exhibuit et impoBtemm exhibebit . . .** 
Patronatsrechte. Fontes rer. anstr. 2. A. I. 59 Nr. 4 YIII. 

MitthcU. d. bist. Varciai f. 8t«lonn«rk. XZn. Heft. 18T4. 7 



— ^98 — 

Lande sich regteiL Waren ja doch der Scherfenberger und 
der Yon Löwenberg als Malcontente kurz zuvor nach Ungarn 
entwichen. Und dass Seitrid geMrlich werden konnte, beweist 
sein Conflict Yom Jahre 1258 mit der ungarischen Herrschaft 
im Steierlande. 

Leicht mochte sein Nichterscheinen vor dem Könige als 
Gefühl schwerer Schuld oder trotzigen Uebermuthes gedeutet 
werden nnd die — gewiss fragliche EränkUchkeit — als nich- 
tiger Vorwand erscheinen. 

Was Ottokar von Prag aus verfügte, die Gefangenneh- 
mung des Mährenbergers — lässt sich aus politischem Gesichts- 
punkte begreijßich finden, die Folterqual und der martervolle 
Tod jedoch, welche dort Seifrid ereilten, gestatten keine Recht- 
fertigung und wir begreifen, dass die Reimchronik diese That 
Ottokar^s am meisten ausbeutet, dass sie den Fall des Böh- 
menkönigs in der Marchfelderschlacht mit besonderem Nach- 
druck als Blutrache fUr den Mährenberger darstellt. 

Wir haben nur noch einige Worte über die Chronologie 
dieser Vorgänge zu sprechen. Ottokar dürfte Ende August 
1271 aus Innerösterreich nach Prag zurückgekehrt sein. Den 
Mährenberger finden wir noch Anfang December 1271 in 
Freiheit; 1272, 26. Februar, wird seine Gattin Rikardis oder 
Reikart bereits Witwe genannt (103 — 105). Seine Gefangen- 
nehmung und Hinrichtung fällt somit in die Zeit vom 6. De- 
cember 1271 bis 26. Februar 1272. Dies schiene allerdings 
für den herbstlichen Zeitpunkt der innerösterreichischen Heer- 
fahrt des Premysliden zu sprechen, aber dem steht, wie bereits 
oben angedeutet, Ottokar's lünerar entg^en, das den König 
am 16. October bereits in Prag, den 24. November in Bres- 
lau ^^) weilen lässt und jenem Zuge in's Alpenland in der 
Herbstzeit keinen rechten Raum gibt 

Zwei Jahre noch hatte das Geschick dem Böhmenkönige 
seine Gunst ungeschmälert bewahrt. Unangefochten bleibt 
seine Herrschaft, die vom Quellenlande der Elbe bis an die 



'«) Emier Nr. 761 ff. 



— 99 — 

Küste Istriens und in das Friauler Land sich dehnt und drei 
Nationalitäten: Slaven, Deutsche und Wälsche umfasst Es 
war ein gewaltiger Griff in den deutschen Reichsboden, welchen 
Ottokar versucht hatte und das Gefühl, es sei nothwendig, 
einen Rechtstitel zu erwerben, bestimmte ihn, König Richard^s 
Belehnung mit Oesterreich und Steiermark nachzusuchen (1262), 
die auch erfolgte. — Mit der Macht wuchs auch das Selbst- 
gefühl, Ottokar schien der Belehnung mit Kärnten und Krain 
entbehren zu können und als der Schattenkönig englischer 
Herkunft starb (1272, April), mochte den Böhmenkönig der 
Gedanke beherrschen, dass er tiber die Zukunft des deutschen 
Thrones gebieten dürfe. 

Doch kam dies anders und die Wahl des Habsburgers 
(September 1273) war die erste Mahnung des Geschickes, 
dass es müde sei, die Fahne des Premysliden emporzuhalten. 

Wohl liegen noch drei Jahre zwischen diesem Ereigniss 
und dem Wiener Novemberfrieden 1276, der Ottokar's Herr- 
schaft in den Alpenländem beseitigt und ihm den Lehenseid 
als Vasall des neuen Königs aufhöthigt, — aber wie in der 
Peripetie eines Drama beschleunigt sich von Jahr zu Jahr der 
Fall der Premyslidenherrschaft in den Alpenländem und die 
Phasen dieses Vorganges wollen wir an der Hand der magern 
Zeugnisse jener Epoche prüfen. 

Die Verwaltung unseres Landes lag noch im Spätsommer 
des Jahres 1271 in den Händen des Klingepiberger's, doch 
finden wir schon neben ihm als Landschreiber einen gewissen 
Conrad genannt (99), der seit 1272 immer mehr in den Vor- 
dergrund tritt (109, 110, 117). Schon im April 1272 gebot 
Ottokar ihm und dem Dümhohser als Hauptmann von Kärnten, 
Krain und der Mark, — in dessen Amtskreis auch der Bezirk 
von Windischgraz gehörte ''), das Marien-Nonnenkloster zu 
Mahrenberg, Seifrid's Stiftung, zu beschirmen (125). 



''^) Ganz deutlich ergibt sich dies aus einer Urkunde, in welcher Ulrich 
der Schenk von Habspach als „Hauptmann des Landes Krain, der 
Mark und von Windischgraz" bezeichnet erscheint; s. Urk. vom 
28. Juni 1275. 



— 100 — 

Im September d. J. 1272 war der Elmgenberger zu Wien 
anwesend; er begegnet uns in einer Urkunde Ottokar's zu 
Ounsten des Klosters in Studenitz, doch führt er da nur den 
Titel „Marschall von Böhmen'' und nicht mehr den eines 
Landeshauptmannes der Steiermark (107); später erscheint 
er in gleicher Eigenschaft in Oberösterreich bestallt (126). 
Neben dem Landschreiber Conrad, der bis Ende 1274 eine 
Bolle spielt (117), findet sich in emer Decemberurkunde des 
Jahres 1273 Bischof Bernhard von Seckau als Schiedsrichter 
in einem Streite zwischen den Spital am Semmering und den 
Gebrüdern Yon Massenberg (110). 

Der Seckauer Bischof stand sehr in der Gunst des 
Böhmenköniges und blieb auch sein zähester Anhänger. Auch 
der Gurker, Dietrich, war ihm verpflichtet und die Bischöfe 
Conrad von Freising und Berthold von Bamberg bewarben 
sich eifrig um die Freundschaft des mächtigen Herrschers, 
insbesondere der Erstere, der viel Selbstsucht und Wohldie- 
nerei an den Tag legte. 

Dagegen wartete der Metropolit Friedrich auf den 
günstigen AugenbUck, sich dem Machtbanne des Premysliden 
entziehen zu können und dieser Augenblick schien mit der 
Eönigswahl des Habsburger^s vorbereitet zu werden. 

Im Spätjahre 1272 mochte E. Friedrich zur Romfahrt 
um das Pallium sich gerüstet haben. 1273, vom 12. August 
datirt eine Urkunde, die ihn zu Admont sein lässt und die 
ausdrückliche Bemerkung enthält: „auf der Rückreise von 
Rom"'*). Seine Stellung war dornenvoll und so mancher 
Adelige hielt angesichts der Sachlage die Hand auf dem 
Besitze der Salzburger Eurche (138). 

Im Besitze des PaUiums wurde Friedrich seiner erz- 
bischöflichen Stellung bewusster und als der Habsburger 
gewählt war, beeilte sich der Metropolit, im Februar 1274 zu 
Hagenau, am Reichshoftage Rudolfs, zu erscheinen (111), um 
ihm zu huldigen und den Schutz des Königs anzusuchen, was 



»•) Tangl a. a. S 78. 



— 101 — 

auch Rudolf in bündigster Form gewährte. (1274, 20. Febr.) 
Ueberdies suchte Friedrich durch die ihm anhangenden Bi- 
schöfe im bairischen Sprengel auf die loyale Haltimg des Adels 
und der Ministerialen zu wirken (139). 

Von Hagenau begab sich Friedrich nach Lyon und wohnte 
dem Concile bei, woselbst unter Anderem der für Ottokar 
kränkende Beschluss gefasst wurde, man solle behufs des 
Eeichsfriedens zur Vorbereitung eines allgemeinen Kreuzzuges 
(140) Alles versuchen, um Ottokar's Unterwerfung unter das 
'neue Reichsoberhaupt auf friedlichem Wege herbeizuführen, 
sollte dies aber nicht gelingen, sie mit Waffengewalt durch- 
zusetzen trachten. 

Denn der Premyslide war nicht gewillt, den Habsburger 
anzuerkennen, dessen Wahl, ohne dass Ottokar's Kurrecht be- 
rücksichtigt wurde, ihm als Schmach und Kränkung er- 
schien. 

Für die Lyoner Sommerbeschlüsse wirkte nun der Salz- 
burger mit aller Entschiedenheit auf der Salzburger Provin- 
zialsynode vom October 1274'®) und er fehlte nicht am 
Nürnberger Novemberhoftage, wo der für Ottokar verhäng- 
nissvolle Beschluss gefasst wurde, dass alle seit dem Beginne 
des deutschen Zwischenreiches getroffenen Vergabungen von 
Reichslehen null imd nichtig seien. 

Ottokar gewahrte in den Lyoner Beschlüssen und in dem 
Vorgehen des Metropoliten eine Gefahr, der er begegnen 
müsse. Daher verbot er im Umkreise seiner Alpenländer 
aufs strengste die Vollziehung der Condlverordnungen so gut, 
wie die der Salzburger Synodalmassregeln und sein ganzer 
Groll blieb dem Salzburger aufgespart. 

Die Nürnberger Fürstensatzimg war jedoch von nicht 
minder grosser Tragweite, denn sie liess seinen Besitz Oester- 
reichs, Steiers, Kärntens und Kralns als sachf&Uige Usur- 
pation erscheinen. 

Da hiess es denn die landesftürsüiche Autorität in diesen 



^*) Hansiz Genn. sacra IL pag. 873— S79. 



— 102 — 

Ländern wahren und die drohenden Anzeichen innerer Gäh- 
rung durch Gegenmittel beschwören. — Eine wichtige Stütze 
seiner Regentengewalt im Kärntner, Krainer Lande, in der 
Mark und im Gebiete von Windischgraz war Ottokar*s Ver- 
wandter, Uhich von Dümholz. Er hatte eine wahrhaft fürst- 
liche Hothaltung eingerichtet und besass in seinem Schreiber 
Rudolf einen Günstling, der wegen seiner Schädigung des 
Klosters zu Mahrenberg den 7. März 1273 von Herbord, 
dem Bischöfe von Lavant®"), in den Kirchenbann gethan 
wurde. Ulrich von Dümholz mag auch unzweifelhaft einen 
wesentlichen Einfluss auf die auffallende Entschliessung 
Ottokar's geübt haben, wonach der Böhmenkönig den unbe- 
quemen Störefried Herzog Philipp, den Exmetropoliten von 
Salzburg und Expatriarchen von Aquileja, an dessen Herr- 
schaft im Friaulischen Friedrich von Pinzano zum Verräther 
geworden war, Ende 1272 oder Anfangs 1273 zum Vicar von 
Kärnten, allerdings unter der Aufsicht des Dümholzers, als 
eigentlichen Landesverwesers bestellt hatte, um ihn auszu- 
söhnen und die eigene Herrschaft im Kärntner Lande be- 
liebter zu machen, da an ihrer Spitze nunmehr ein Bruder 
des letzten Sponheimer Herzogs figurirte ® ')• 

Philipp aber fühlte wohl wenig Dapk und desto mehr 
versteckten Groll im Herzen und er beeilte sich, gegen den 
Böhmenkönig zu wühlen und bald an dessen Rivalen, König 
Rudolf, eine Stütze zu suchen. Philipp war ja auch nur als 
Puppe oder Strohmann in der Kärntner Regierung verwendet 
worden und es hatte sich darin nichts geändert, als Ulrich 
von Dümhok in der Ungamschlacht bei Laa gefallen (1273 
Ende Juli oder Anfangs August) war, denn dieser erhielt den 
Tiroler, Ulrich von Taufers, zum Nachfolger, während Krain 
und die Mark nebst dem Windischgrazer Bezirke dem Habs- 
bacher, Ulrich, verliehen wurdeT — Die „beständige Haupt- 
mannschaft" Kärntens, wie sie Philipp 1273 — 4 urkundlich 



«») Vgl. Tangl S. 113—114. 
•«) Tangl a. a. 0. S. 117 ff. 



— 103 — 

im Titel führt, war daher mehr Schein als Wahrheit und seit 
Juni 1274 finden wir ihrer nicht weiter gedacht. Wohl aber 
beweist König Rudolfs Urkunde, datirt zu Nürnberg vom 
27. Februar 1275, dass sich Philipp bald um die Gunst des 
neuen Königs beworben hatte, dass er gegen Ottokar klagbar 
aufgetreten war und seine Ansprüche auf Kärnten, Krain und 
die Mark geltend machte; denn der Habsburger belehnt ihn 
darin von Reiches wegen mit den genannten Ländern aus 
königlicher Machtvollkommenheit ^^). — Das waren, wenn auch 
vorläufig papieme Massregeln, dennoch bedenkliche Vorzeichen 
und auch die Haltung des neuen Patriarchen Raymund von 
Torre (1274) in der Lehensfrage musste den König be- 
denklich machen. Da beschloss König Ottokar in der Person 
des Grafen Heinrich von Pfannberg den Kärntnern einen im 
Lande begüterten Hauptmann zu geben und dieser nimmt 
seit 1275 den Platz Ulrich's von Taufer's ein, dem wahrschein- 
lich Ottokar verübeln mochte, dass er das Entweichen Phi- 
lipp's aus Kärnten an den könighchen Hof des Habsburger's 
nicht vereitelt habe. — Aber bald begann im Kärntner Lande 
Ottokar's Sache zu wanken. 

Wenden wir uns der Steiermark zu. Dem Könige schien 
wohl die Reise dahin hoch an der Zeit, um sich wieder als 
Landesfürst zu zeigen. Wir begegnen ihm zu Graz im April 
des Jahres 1274 und es ist das letztemal, dass er den Boden 
der Steiermark betritt — Wieder sind es Urkunden zu 
Gunsten klösterlicher imd kirchlicher Rechte, die seine Anwe- 
senheit bezeugen, denn mehr als je lag es dem Premysliden 
daran, mit der inländischen Kirche auf gutem Fusse zu stehen 
(112—116, vgl. 90, 92, 101, 106, 107). Es entsteht nun 
die Frage, wem Ottokar in wachsend schwieriger Zeit die 
oberste Landesverwaltung übertragen habe. 

Die Urkunden belehren uns, dass 1274—1275 Milota 
von Diedic und Beneschov, Bruder des hingerichteten Benesch, 
in die Landeshauptmannschaft der Steiermark eingetreten sein 



•«) Tangl a. a. 0. S. 167—8. 



— 104 — 

inuss. Bis mindestens über den Spätsommer des Jahres 1271 
führte das wichtige Amt der Elingenberger, sodann tritt der 
Landschreiber Conrad in den Vordergrund, neben ihm Bern- 
hard, Bischof von Seckau. Jedenfalls lässt sich die Angabe 
der Reimchronik ®'), wonach Milota im Sommer 1271 das Land 
verwaltet habe, urkundlich durchaus nicht rechtfertigen**). 
Von andern Amtsleuten des Böhmenkönigs in der Schluss- 
epoche ottokarischer Herrschaft lernen wir in der Umgebung 
Müota's urkundlich den Marschall Breweco, den Notar Iring, 
Ekkehard von Dobrenge, den Burggrafen auf Offenberg und 
Landrichter, Dietrich von Fulen, und den Landrichter an der 
San, Hartnid von Cilli, kennen (118, 119, 121, 123, 127). 

Wir müssen mm aber, bevor dieser Schlussphase gedacht 
wird, eine Thatsache erwähnen, die von einer und der andern 
Seite als Symptom einer politischen Verschwörung gegen 
Ottokar's Regiment, ja als förmliche Ständeversammlimg zur 
Berathung eines gemeinsamen Vorgehens wider dieselbe 
aufgefasst wurde. Vom Klosterorte Göss im Oberlande, wo in 
der That eine grosse Versammlung der Ministerialen des 
Landes Ende Juli 1274 tagte (117), führt sie den Namen 
des Gösser Ständetages. Unsere ganze diesfäUige Kenntniss . 
beschränkt sich auf eine Urkunde vom 27. Juli 1274, worin der 
damals noch beamtete Landschreiber Conrad mit der Aebtissin 
des Nonnenklosters zu Göss, Herburgis und der Dechantin 
Wentala emen Gütertausch abschliesst Aus dem langen Zeu- 
genverzeichnisse, worin fast alle bedeutenderen Familien des 
Landes neben Vertretern anderer Stände uns begegnen, lässt 
sich aber unschwer der Schluss ziehen, dass wir es wohl mit 
einem Ständetage zur Berathung der schwierigen Sachlage, 
aber keineswegs mit einer damaligen Verschwörung zu thun 
haben können. 

An der Spitze der Zeugen erscheint ja Qttokar's ent- 



>*) Reimchronik Cap. 91. 

»*) S. Anh. Regg. Nr. 87. — Vgl. dagegen die Yom 26. Jänner 1275, 
Wien, datirte ganz identische Urkunde — Nr. 119. 



— 105 — 

schiedenster Anhänger, Bischof Bernhard von Seckau, neben 
ihm der Pfannberger Heinrich, der wackerste Kämpe im Heere 
Ottokar's vom Jahre 1271, als berühmter Fechtkünstler, zu 
Salemo mid Paris geschult, von Ivan, dem Güssinger Grafen 
zum Zweikampfe gefordert ^% und noch 1275 von Ottokar zum 
Landeshauptmanne in Kärnten ausersehen. Der erste unter 
den Zeugen des ßitterstandes ist Ekkehard von Dobreng, 
1275 unter den böhmischen Landesbeamten genannt, ihm 
folgen Alhoch, Hauptmann auf Badkersburg, mehrere landes- 
fürstliche Pfleger und auch Bürger von Wien. 

Also von einer Gösser Verschwörung werden wir als 
einem Unding absehen müssen ®"), schon mit Rücksicht darauf, 
dass der damalige Leiter des ottokarischen Regimentes, Land- 
schreiber Conrad, sich all' der Versammelten als Zeugen 
bedient. 

Wohl aber mochte schon in manchem Gemüthe der Ver- 
sammelten die Sehnsucht nach einer Aenderung der Sachlage 
Platz greifen, manche Verwünschung gegen das böhmische 
Herrschaftswesen laut werden, war ja doch der Stubenberger, 
Liechtensteiner, waren vor Allen die Wildonier anwesend, die 
gewiss der Schmach vom Jahre 1268 nicht vergessen hatten. 
Wir aber haben nicht mit Vermuthungen, sondern mit That- 
sachen zu rechnen und die angeführte Urkunde hat eben nur 
für uns insofeme Werth, da sie uns eine Ständeversammlung 
als wahrscheinlich nahe legt und zum erstenmal darin eine 
genaue dassenmässige Scheidimg der Zeugen Platz greift, der 
wir die damalige Gliederung und Rangordnung der Stände 
entnehmen können. 

Den Reigen eröfinet em Bischof, ihm folgt ein Graf, 
diesem die Herren, die Ministerialen, die Pfarrer, 
die Ritter, die adeligen Dienstmannen (cUentes); 



«») S. daraber die Beimchromk S. 107. 

^^ Tangl i. s. n. Abh. S. 149 sagt daher mit Recht: „Von einer poli- 
tischen Verhandlung oder gar einer Verschwörung findet sich darin 
nicht die geringste Spur.*" 



— 106 — 

Bttrgerliche und landesfflrstL Amtslente oder Pfleger 
(officiales) machen den Schluss"*). 

Wir sagten, wir mOssten mit Thatsacben reebnen und in 
der Tbat war die wirkliche Sachlage einer ständischen Er- 
hebung der Steiermark gegen die ottokarische Herrschaft 
noch keineswegs günstig. Noch wurzelte sie fest in überl^ener 
Macht, wie die bangen Briefe des entschiedensten Widersachers 
Ottokar's, des Salzburger Erzbischofes beweisen. In Oester- 
reich scheinen zunächst entschiedene R^nngen zu Gunsten 
Rudolfs stattgefunden zu haben. Gegen Ende des Jahres 
1274 erschien allda Ottokar „mit starker Kriegsmacht, WiUens 
die zu vernichten, — welche bei der königlichen Gnade ihre 
Zuflucht suchten'', heisst es im Briefe des Metropoliten. Noch 
habe er ihn nicht mit Krieg überzogen und mit keiner Be- 
lagerung geängstigt, aber nahezu allen Lebensbedarf abge- 
schnitten. König Rudolf möge sich beeilen, seinen Getreuen 
in Oesterreich und Steier Trost zu bringen, sonst könne er 
überzeugt sein, dass Alles, was der Erzbischof in Kärnten 
und Steiermark vorbereitet habe, gänzlich zu nichte werde 
(120). Und im Frühjahre 1275 schreibt der Metropolit an 
den Habsburger: „Wir müssen Euerer Hoheit mit Klagen und 
Zähren anzeigen, dass der Böhmenkönig, nachdem er fast 
alle Gegner besiegt, Uns und unserer Kirche baldigen Unter- 
gang und nahes Verderben droht** In der That Hessen die 
Feindseligkeiten nicht lange auf sich warten. Im April oder 
Anfangs Mai 1275 stürzte sich Herr Milota im Auftrage seines 
Herrn auf die Besitzungen des Erzstiftes in Steiermark und 
Kärnten, belagerte Friesach, den Vorort der salzburgischen 
Herrschaft im letzteren Lande, imd verwandelte den tapfer 
vertheidigten Ort in eine Stätte des Brandes und schonungs- 
loser Plünderung. Auf 40.000 Mark Silber wird der Schaden 
geschätzt, der damals dem Hochstifte zugeftlgt wurde ""). 

*^ Vgl m. Quellenm. Vorarb. z. Gesch. des mittelalt. Landtagswesens 
der Steiermark. 2. Jahrg. der Beitr. z. Ede. stm. G.-Q. 

"^ Reimchronik 120. Cap. Vgl. die Contm. Pnedic '^dob. Mon. 
Germ XI. S. 729 z. J. 1275; — vgl. Tangl a. a. 0. 172-8. 



— 107 — 

Der Schrecken sollte einschüchternd wirken und vielleicht 
ho£fte Ottokar, auf diesem Wege den Erzbischof mürbe fcu 
machen. Es begannen nun Verhandlungen Ende Mai 1275, 
ein Schiedsgericht wird eingesetzt, als dessen Mitglieder auf 
königlicher Seite unter Andern zwei gewesene Landeshaupt- 
leute der Steiermark, Bischof Bruno und Burkhard von Klin- 
genberg erscheinen. Den Vorsitz führte als Obmann der 
Seckauer Bischof (124). 

Und dieser redefertige Parteigänger Ottokar's war es, 
der Mitte Mai auf dem ersten Augsburger Reichstage des 
Jahres 1275 statt des vorgeladenen Böhmenköniges als Send- 
bote erschien und in schwülstiger lateinischer Rede nicht bloss 
seinen Herrn zu rechtfertigen, sondern auch die anwesenden 
Fürsten, ja sogar das Reichsoberhaupt zu schmähen sich er- 
kühnte und als man den des Lateinischen Unkundigen seine 
anmassende beleidigende Rede verdolmetschte, einen solchen 
Sturm der Entrüstung wachrief, dass schier sein Leben be- 
droht war. 

Auf demselben Reichstage oder in der zweiten Augs- 
burger Reichsversammlung sollen sich österreichische und 
steiermärkische Edle, übereinstimmend werden der Wolkers- 
dorfer und Hartnid von Wildon, von andern auch Friedrich 
der Pettauer genannt, — eingefunden haben, um vor dem 
Reichsoberhaupte über die Willkühr und Härte Ottokar's zu 
klagen und einen allgemeinen Aufstand in Aussicht zu stellen. 
Ottokar habe sie auch als Parteigänger des Königs von 
Deutschland mit Güterverlust und Landesverweisung bestraft. 

Ueberhanpt mehren sich die Beschwerden einzelner öster- 
reichischer Chroniken über Ottokar's Tyrannei, wenn wir auch 
mit Recht bezweifehi müssen, dass Anschuldigungen derart, 
wie sie eine Quelle vorbringt, — Ottokar habe die als Geisehi 
ihm übergebenen Kinder mit Wurfinaschinen den Eltern vor das 
Antlitz geschleudert, mehr als abgeschmackte Histörchen seien. 

Aber an Massregeln des Terrorismus Hess es wohl 
Ottokaar dem aufetandslustigen Adel gegenüber nicht fehlen, 
w&hrend er anderseits um so mehr die Rechte der Kirche 



— 108 — 

zu schätzen bestrebt war und mit Gunstbezeugimgen nicht 
kargte. Ja selbst Salzburg gegenüber versuchte er Schritte 
der Aussöhnung, Friedrich war jedoch ein entschiedener Cha- 
rakter und hatte längst seine Stellung genonunen. Als einer 
der eigennützigsten und charakterlosesten Bischöfe benahm 
sich der Freisinger Conrad. 

Die meiste Huld war natürlich dem Seckauer Bernhard 
zugewendet, der aufs entschiedenste dem Salzburger Metro- 
politen entgegenarbeitete und selbst mit Schmähschriften gegen 
Rudolf loszog. Erst in der letzten Stimde bewarb er sich um 
die Verzeihung des Habsburgers und erhielt sie auch (130, 
4-5). 

Ottokar ist geächtet und der Reichskrieg wider ihn be- 
schlossen ; der Salzburger beeilt sich Ottokar's ünterthanen des 
Eides der Treue zu entbinden. Die Entscheidung naht TJeberall 
hin nach Oesterreich schickt der Böhmenkönig seine Boten, 
desgleichen nach Steier, Kärnten, Erain und in die Mark, um 
die Stände zum gemeinen Aufgebote zu mahnen, aber er ist 
nicht mehr Herr der Sachlage. Seine letzte landesfürstliche 
Urkunde für unser Land datirt vom Jahre 1276 Sept (136 
vgl. 93). Und als man im Steierlande erfährt, dass die Görzer 
Rudolfs Verbündete, nach Kärnten einbrächen, um es von 
Ottokar's Herrschaft zu befreien, versammeln sich den 
19. September des Jahres 1276 die Edelsten des Landes im 
Kloster Rein; voran Ottokar's Kärntner Hauptmann, Heinrich 
Graf von Pfannberg, Graf Ulrich von Heunburg, der Pettauer, 
Stubenberger, Hartnid von Wildon, Hartnid von Stadeck, Otto 
von Liechtenstein — sein Vater Ulrich war bereits 1275 ver- 
storben — und viele Andei:a zum festen Bunde für den deut- 
schen König wider den Böhmen (137). 

Rasch sind die Burgen Eppenstein, Neumarkt, Offen- 
burg, Kaisersberg und andere den böhmischen Castellanen 
entrissen, Heinrich von Pfannberg erobert Judenburg; endlich 
fällt auch Graz ; — mit Mühe und Noth entkonunt der Landes- 
hauptmann Milota und bald lesen wir von den Kriegsschaaren, 
die der Pfannberger, Friedrich von Pettau und Hartnid von 



— 109 — 

Wfldon den Görzem auf ihrem Anmärsche gegen Wien zu- 
führen«'). 

Der Novemberfriede 1276 entscheidet über die Sachlage, 
die Steiermark und ihre Nachbarlande gehen dem BGhmen- 
kOnige unwiderbringlich verloren, sie folgen dem mächtigen 
Zuge der deutschen Beichsidee. — Und als der Böhmenkönig 
zwei Jahre später zu den Waffen greift, um würdig seiner Ver- 
gangenheit das Schicksal herauszufordern, kämpft auch die 
Steiermark die Entscheidung mit und steirische Edle kühlen 
ihren GroU an dem todeswunden, gewaltigen Könige. 



Regesten tob Urkunden als Belege des Textes. 

1. 1247, 1. Juni, Werfen. 

Philipp, Erwählter von Salzburg, verheiratet die Tochter 
seines Ministerialen Conrad von Goldeck, Eunigonde, an den 
jungen Ulrich von Liechtenstein und weiset ihr 10 Pfd. 
Pfennige jährlicher Einkünfte aus Hallein zur Aussteuer an. 
Wiener Jhb. 108. Bd. (Chmel) Regg. S. 156 n. 

2. 1248, 21. Febr., Leibnitz. 

Philipp u. s. w. schenkt dem um das Salzburger Hochstift 
verdienten Seckauer Bischöfe mehrere Hörige des erzbischöf- 
lichen Dominimns. 

Im Landesarchiv d. Stm. Gopie des 14. Jahrh. Nr. 622. 
Zauner Chronik v. Salzburg H. 266. Vgl. Muchar, 
5, 210. (20. Febr.); 21. April befand sich PhiUpp 
in Rann L.-A. Cop. Nr. 623*. 

3. 1248, 10. Aug. Friesach. 

Derselbe stellt dem Liechtensteiner Ulrich drei Bürgen für 
die Zahlung der von seinem Vorgänger Erzb. Eberhard schul- 
diggebliebenen Summe von 270 Mark Pf. 

Wiener Jahrb. 108, Regg. S. 156, L.-A.-Copie Nr. 625«. 



**) Reimchromk 124, 125 Gap. VgL die Charakteristik der Sachlage 
b. Lorenz. Deutsche Oesch. H. 138—140 u. Tangl i. d. erwähnten 
Abb. S. 150-^152. 



— 110 — 

4. 1248, 20. Sept, Friesach. 

Derselbe übergibt dem Seckauer B. Ulrich die Pfarre St 
Georg in Stiven, nachdem er ihm schon froher mehrere Lehen 
überlassen. 

Dipl Styr. I. 318, 319. Wiener Jahrb. a. a. 0. S. 157. 
Vgl. Muchar 5, 210. Copie des 14. Jhh. im L.-A. 
Nr. 627. 

5. 1248, 24. Sept. 

P. Innocenz lY. bestätigt die durch Philipp Erw. v. S. vap* 
fügte Einziehung der salzburgischen Lehen, welche durch Herzog 
Friedrich's Tod in Oesterreich und Steier erledigt worden. 

Hanthaler, fasti Gampililienses I. 932 — 35, Wiener Jhb. 
a. a. 0., Muchar 5, 218. 

Hauptstelle: Cum castra, vasalli, possessiones redditus ac 
alia bona, quse quondam Dux Austrie et Stirie etc. ab Salz- 
burgensi tenebat in feodum, ad ins ipsius ecclesiae re- 
dierint, nullo ex eo legitime berede superstite, 
qui succedere in feodum debeat, remanente, auc- 
toritate praesentium districtius inhibemus, ne infeo4are vel 
alienare vel distrahere quoquo modo, irrequi- 
sitoRomano pontifice, de caetero presumatis'' . . . 

6. 1249, 6. Jänner, Rann. 

Erzb. Philipp's Bestätigung einer Schenkung Friedrich's 
von Pettau an den deutschen Orden. 

Dipl. Styr. ü. 211. Cop. i. L.-A. 631*. 

7. 1249, 21. März, bei Neuss. 

Angebliche Urkunde E. Wilhelm's, worin in einem even- 
tuellen Lehensbriefe für die Söhne Herzog's Bernhard von 
Kärnten — Ulrich und Philipp — zu Gunsten des Letzteren die 
besondere Bestimmung getroffen wird, dass derselbe im Falle 
des erbenlosen Absterbens seines Bruders Ulrich, die Erb- 
schaft des Herzogthums Kärnten dennoch antreten könne, 
wenn er auch als Erwählter von Salzburg zum Priester geweiht 
werden sollte. 

Kleimayem's Juvavia p. 380 (Auszug), wo es aber be- 
merkt wird, der Ausstellungsort (apud Nussyam) passe 



— 111 — 

nicht in E. Wilhelm's Itinerar und eher müsse man 
die Urkunde 1256 ansetzen. Böhmer Eaiserregg. 
2. A. S. 12 Nr. 58 h&lt sie für echt, Chmel Wiener 
Jhb. 108, 159 n. mit Grand für falsch uid anter- 

■ 

schoben. 

8. 1249, 25. Jani, b. Rotenmann. 

Pfandschaftsrevers Hartnid's von Pettaa für den Erwählten 
von Salzburg, Philipp, aasgestellt 

Orig. im H. St Arch. z. Wien. Chmel in den Wiener 

Jhb. a. a. 0. S. 159/160 L.-A. Cop. Nr. 636«. 
Unter den Zeugen: B. Ulrich von Seckau, Wulfing von 
Stubenberg, Rudolf von Stadeck. 

9. 1249. 21. Sept, Wien. 

Urkunde Markgrafen Hermann's von Baden „dux Austrie 
et Styrie'^ für das Kloster Zwettl. 

Linck Ann. Claravall. I. 335, Lambacher Anh. S. 25 
bis 26, Nr. XIV. 

10. 1250, 20. Jänner, Graz. 

Graf Mainhard von Görz bestätigt in offener Gerichtsver- 
sammlung eine Schenkungsurkunde für das Elstr. St Lambrecht 
V. J. 1243. (Nos Meinhardus — mandato Friderici Imperatoris 
Austriae et Styriae capitaneus.) 

Zeugen : Ulrich, Bischof von Seckau, Witigo, Landschreiber 
von Steiermark, Ulrich und Leutold von Wildon, Er- 
chenger von Landesere, Wulfing von Stubenberg, 
Ulrich, von Liechtenstein. Cop. L L.-A. 643'. (Muchar 
5, 229—30). 

11. 1250, 10. Febr., Vanstorf. 

Erzb. Philipp's zwei Urkunden für das Bisthum Seckau. 
Wiener Jhb. 108, S. 160, Orig. in L.-A. Nr. 644 und 
Cop. von der andern 645*. 

12. 1250, 12. Mai, Salzburg. 

Ulrich's von Liechtenstein Dienst- und Lehensvertrag mit 
Philipp dem Erwählten von Salzburg, betreffend die Heeres- 
folge, die Offenhaltung seiner Schlösser, die Yerehelichung seines 
Sohnes Ulrich mit der Tochter des salzb. Vasallen Conrad von 



— 112 — 

Goldeckke und die Yerpftndung des Schlosses Marau. Haupt- 
steile : Er yerspricht dem Erzbischofe Philipp and dessen Nach- 
folgern mit 100 Bewaffiieten in Steiermark nnd Kärnten Heer- 
folge zu leisten, und gälte es Friaul, Oesterreich nnd Baiem, 
noch mit mehr Reisigen and zwar wider Jedermann, ,,eo ex- 
cepto, qui Imperium de iure regere dinoscitur, 
seuqnem ecclesia verum Caesarem esse reputat, 
excepto etiam vero domino terre Stirie, qui ad 
hoc legitime fuerit institutus, et preter cives 
de Judenburch, quos promitto domini mei gratia reformare, 
exceptis tarnen Ulis ciuibus, qui domino meo dampna specialia 
intulerunt, que etiam illi specialiter emendabunt^ 

Chmel a. a. 0. 160—162; Cop. i. L.-A. 644*. (Hier 
findet sich auch unter d. gl. Datum eine Abschrift 
der Urkunde, worin Wulfing von Trewenstein sich 
dem Erwählten von Salzburg gegenüber verpflichtet, 
ihm mit 24 Bewaffiieten zu dienen und nach dem 
eventuellen Tode seiner Frau nur eine salzb. Mini- 
sterialin zu heiraten (Nr. 644''). Vgl. die Abdrücke 
dieser Verträge in Eoch's, Stemfeld's Aufs, in den 
cit Abh. der bair. Akad. d. Wissensch. 
13. 1250, 1. Juni, Vanstorf (Fohnsdorf). 

Dienstvertrag der Grafen Bernhard und Heinrich von Pfann- 
berg mit dem Erwählten von Salzburg und dessen Nachfolgern 
im Erzbisthum. 

1. Gelöbniss der Diensttreue („ad nostre vitse tempora 
fidelibus adherere obsequiis contra omnem hominem, excepto 
vero domino terre Styrie, pro nostris viribus 
atque posse, nee eidem terre Styrie domino contra 
dominum nostrum electum Salzburgensem vel suos 
sucessores aliquod prsestabimus auxilium, si ipsum dominum 
Electum vel successores ipsius conaretur indebite aggravare*'). 

2. Als Bürgen werden die „Milites^ der Grafen: de Chay- 
sersperge, Chunradus de Torseule, de castro nostro 
Leuben, Heinricus de Yischseren, Heinricus de Padel, Otto 
judex de Phannenberch, Ottocharus, Chunradus de Schoeneche, 



— 113 -- 

... de Ramenstein, Sifridns de Alpe et Sivridas filins saus de 
Lossental (Lö6chenthal), Berhtoldas de Tunowe, de Hemerberch 
Radolfüs et Fridericus. — Doch h&tten sie bei dieser Bürg- 
schaftsleistung „capitales inimicicise'^ nicht zu befahren. Der 
Geldwerth der Bürgschaft sind 1000 Mark Silber. 

3. Quod etiam fratres nostri qui nunc temporis per 
dominum Popp onem dePeckach et dominum Wilf in gum 
de Stubenberch detinentur, cum a uinculis liberati faerint, 

se ad premissos articulos teneantur obligare 

Mitsiegler : B. Ulrich von Seckau, Conrad Graf von Plaien, 
Ulrich von Liechtenstein, Gebhard von Velwen, Wulfing 
und Hartnid, Brüder von Libenz (Leibnitz) . . Actum in 
Vanstorf. 

Koch Stemfeld's Btr. III. 83, Chmel i. d. Wiener Jhb. 
108. Bd. S. 162/3; Cap. im L.-A. Nr. 644'. Ueber 
die angegebenen Pfannberger Vasallen vgl. Tangl's 
Abb. über die Pfannberger 11. Abth. im 18. Bde. des 
Arch. f. Ede. öst Gesch. S. 125; desgl. 126. 

14. 1252, 13. April, Perugia. 

a) P. Innocenz IV. befiehlt dem Abte von Admont den ein- 
zuhaltenden Vorgang, betreffend einige Raufbolde und Diebe 
unter den Mönchen, dann anderer, welche wegen ihres 
Ungehorsames wider den Abt in Bann gethan, dennoch 
den geistlichen Verrichtungen nachgehen u. s. w. 

Landsch. Arch. Cop. Pag. 669*, vgl. Muchar 5, 256 — 7. 
16. April, Perugia. 

b) Derselbe empfiehlt Ottokam, dem Herzoge von Oesterreich 
u. s. w. den Schutz und Schirm des Klosters Admont 

Ebenda Cop. Pap. 669^ 

15. 1252, 30. August 

Vertrag Ottokar's mit Dietmar von Steier über die tausch- 
weise Abtretung der Stadt und Burg Steier gegen Losenstein. 
Preuenh. Ann. Styr. pg. 31. Lambacher Interr. Urkk. 
S. 30—1 Nr. XX, ürkdb. des L. o. d. E. lU. 184. 

16. 1253, 17. Mai, bei Leoben. 

Ottokar 'Verspricht dem Bischof Ulrich von Seckau die von 

MiitbQll. dca bist. Yeralns f. Btoitnnark, XXII. Heft, 1874. 8 



— 114 — 

den Grafen von Piain mn Leabentz (Leibnitz) nnd StluTen als 
Pfandschaft oder Lehen besessenen Güter abzulösen nnd der 
Seckauer Kirche zu übertragen; das Dorf Revssentz wendet er 
ihm als erblichen Besitz zu. Urkunde, welche die Anwesenheit 
Ottokar's in der Steiermark bezeugt. Doch findet sich auch eine 
Urkunde d. Graz 1252, leider ohne n&here Datirung, bei Lam- 
bacher Anh. S. 31 — 32 Nr. XXI vor. (S. o. den Text und die 
bez. Anmerkung), nach der Indiction war dies nach Sept Unter 
den 12 angeführten Zeugen erscheinen : Witego „scriba Styriie^, 
N. V. Habsbach, Wilfing von Stubenberg, Dietmar von Weis- 
seneck, Ulrich von Lichtenstein .... 

Dipl. Styr. L 325—6. Erben Regg. Premysl. a. a. 1253. 
Muchar 5, 253. Vgl. Palacky dejiny I, 2, 113. Cop. 
des 14. Jahrh. im L.-A. Nr. 685. 

17. 1253, 17. Dez., Prag. 

K. Ottokar gestattet dem Landschreiber der Steiermark, 
Witego und dessen Bruder Ruotger das Schloss Haldenrain za 
verkaufen. 

Fontes rer. austr. U, 1, S. 34 Nr. 29. Emier Regg. Boh. 
et Mor. S. 4 Nr. 6. Landsch. Arch. Cop. 69 1». 
(1255, 10. Jänner, Voitsberg. Gertrude bestätigt als ducissa 
Austrise et Styrise dem Brüderpaar diesen veräusserlichen 
Besitz.) 

L.-A. Cop. 711» (Chmel Notizbl. z. Arch. f. K. öst G. 
1853, 71; Muchar, 5, 258). 

18. 1254, 3. April, b. Ofen. 

Friedensschluss zwischen E. Ottokar und K. Bela lY. 

Hauptstelle: quod dominus noster rex Hungarise et sui 
heredes ducatum StyTiae cum omnibus attinentüs suis et iuribos 
possidebunt iure perpetuo et tenebunt usque ad terminos infra 
scriptos, scilicet a summitate montis, qui dicitur Sememyk, se- 
cundum quod eodem montana pro diversitate locorum adiacien- 
tium, diversis nominibus nuncupata, ab Hungaria in Bavariam 
protenduntur et in Bavaria terminantur, cursu aquarum versus 
Muram ab eadem summitate montium decurrentium tenninos 
distingnente, hoc adiecto, quod si castrum Suarchumpach se- 



— 115 — 

cnndiim decursum aquse non cederet in partem ducatus Stiri», 
domino nostro regi prsefati nnntii et arbitratores domini P. 
regni Bobemise assnmpserunt super se, obtinere cmn effecta a 
domino suo prsedicto, qnod in partem domini nostri regis trän- 
seat com omnibus snis attinentiis et iuribas et assignetor 
perpetuo possidendmn. Ab eadem autem snmmitate montinm 
secundom corsam aqaaram versus Danubinm fluentium ülam por- 
tionem Stiriae cum toto ducatu Austris prsedictus P. (d. i. Pre- 
mysl Otakar) dominus cum suis beredibus iure perpetuo cum 
omnibus attinentiis suis et iuribus possidebit etiam et tenebit, 
ita insuper, quod dominus noster rex de parte illa, quam ipse 
possidebit, dominae de Impirg satisfaciet, ut contra prse- 
dictum P. dominum materiam non habeat conquerendi, nichil 

propter hoc de ducatu Austrise retentura 

Unter „der domina de Impirg^ muss Gertrude von Mödling, 
die Nichte des letzten Babenbergers, verstanden werden. 

Die Urk. in Kurz ; Oest. unter Ottokar und Albrecht I. 
n, 171 ; Boczek Cod. dipl. et epist Mor. IE, 181, 
Urkdb. d. L. o. d. E. IE, 204. Emier S. 12—13 
Nr. 24. Cop. i. L.-A. 696 •. 

19. 1264, 8. April. 

„ 15. Juli. 

P. Innocenz IV. fordert den Erwählten von Salzburg, Phi- 
lipp, und den Bischof von Chiemsee, Heinrich, auf, alle ent- 
rissenen, vorenthaltenen und durch gewaltsam abgedrungene 
Verträge entfremdeten Gtlter und Renten des Stiftes Admont 
wieder in dessen rechtmässigen Besitz zu bringen. 
Muchar V, 257. 

20. 1254, l.,Mai, Wien. 

Ottokar, K v. B., „dux Austrise et Styriae^, Mkgf. v. 
Mähren, verleiht mit Einwilligung seiner Gattin Margaretha dem 
Bischof Ulrich von Seckau das Patronatsrecht über die Kirche 
in Mutensdorf. 

Dipl. Styr. I. 326, Emier 14, Nr. 31, Cop. des 14. Jhh. 
im L.-A. Nr. 697. Vgl. Muchar, 6, 249—50. 



8* 



— 116 — 

21. 1255, 11. J&nner, Graz. 

Gottfried V. Marburg, Landesrichter and Friedrich der Jün- 
gere von Pettan, durch königliche Bestallang (regio mandato) 
Marschall des Steiererlandes, verkündigen aaf Befehl des Königs 
von Ungarn und des Bans (Stephan) als Landeshauptmannes der 
Steiermark : über Klage der deutschen Ordenskirche in Graz — 
dem Heinrich von Puchheim, dem Gottschalk von Stange, dem 
Ludwig von Kapfenstein, dem Ott von Berchtoldstein bei Obern- 
dorf, dem Ulrich von Winkel in der Rabau, dem Bernhard von 
Haus in der Buchau, dem Gebhard Chuningersdorf, dem Gott- 
schalk von Neutberg (Neuberg) und dem Wulfing von Freystein, 
dass ihre näher bezeichneten Güter als Schadenersatz der er- 
wähnten Kirche zugewiesen bleiben, bis von ihrer Seite der 
zugefügte Schaden beglichen sei. 

Dipl. Styr. H, 184, Fej6r Cod. Dipl. Hung. IV, 2, 286 

bis 287 (vgl. Muchar 5, 260/1). Cop. L L.-A. 712* 

(vgl. da 711'' u. 712). 

22. 1255, 24. Februar. 

P. Alexander's lY. Schirm- und Schutzbrief für das von 
allen Seiten hart bedrängte Stift Admont. 
Muchar 5, 259, Cop. i. L.-A. 714». 

23. 1255, 24. März, Steier. 

K. Ottokar bestätigt die Rechte und Freiheiten des Spitals 
St Mariens am Fusse des Berges Pyhm. Unter den Zeugen 
erscheint auch Wulfing von Stubenberg. 
Lorenz deutsche Gesch. L 446 — 448. 

24. 1259, 12. Mai, Göss. 

Gnadenbrief Herzog Ulrich's von Kärnten für das Qösser 
Nonnenkloster. 

Unter den Zeugen: Ulrich Graf von Heunburg, Dietmar 
V. Weisseneck, Niklas v. Lebenberg, Conrad v. Helfenberg . . . 
Dipl Styr. I. 39—40. 

25. 1259, 19. April, Judenbnrg. 

Herzog Friedrich (Gertruden's und Hermann's von Baden 
Sohn) „dux Austri« et Styri»^, stellt einen Willebrief über die 
Schenkung des Judenburger Stadtbtürgers und Fleischers (camifex) 



— 117 — 

an das dortige Minoritenkloster St. Johann in der Wüste aus 
und nimmt Haus und Kloster in seinen Schutz und Schirm. 

Als Zeugen erscheinen die Ritter: Dietmar, Conrad und 
Ortolf Ton Stretwich, Otto v. Pfaffendorf, Conrad und Ernst von 
Lobming und mehrere Judenburger Stadtbttrger. 

Plac. Herzog, Cosmogr. Austr. Francisc. pag. 397, Lam- 
bacher 44 — 46 Nr. XXXl. Im Eingange heisst es: „ad 
quos (int nos Dnx Austrise et Styrise) terra utraque 
pertinet hsereditatis iure et successionis, a nostris 
progenitonbus ex antiquo allodiis et aliis iuribus et 
privilegiis nihilominus ab anla imperiali multipliciter 
prsedotatis, licet Reges conterminales con- 
finium nostrorum eam in praes entiarum 
detineant per potentiam violentam .... 
Im L.-A. 4 Copien Nr. 772. 

26. 1259, 26. Mai, Graz. 

Gnadenbrief Stephan's, Herzogs von Steiermark, des jün- 
geren Königs von Ungarn, für das Kloster Rein. 

Unter den Anwesenden: Stephan, Ban von Slavonien, 
Yaas, Magister tavemicorum, Dionys, mag. dapiferorum und Graf 
V. Szalavar, Hauptmann zu Pettau, Niklas, judex curise . . 
Wulfing V. Stubenberg, judex provincialis StyriaB, Bernhard und 
Heinrich Grafen v. Pfannberg, Uhich v. Liechtenstein, Wigand 
v. Massenberg .... 

Dipl. Styr. H, 24, L.-A. 774*. 

27. 1260, 10. März, Wien. 

Ottokar, König v. Böhmen, bestätigt dem Kloster Rein alle 
Privilegien, besonders aber die Immunität von allem Yogteizwange. 

Als Zeugen erscheinen: Ulrich, Domherr von Freising, 
Kanzler von Steiermark, Heinrich von Liechtenstein und 
die Steiermärker : Wulfing von Stubenberg, Rudolf und Leutold 
von Stadeck, Ulrich von Liechtenstein, Herrand von Wildon, 
Hartnid von Ort, Friedrich von Pettau, Hartnid von Ramenstein, 
Gottfried von Marburg. 

Dipl Styr. H, 26, Emier 94 Nr. 246. Orig. in Rein — 
Cop. im L.-A. 779 \ 



- 118 — 

28. 1260, 24. Mai, b. Linz. 

Derselbe empfiehlt dem Heinrich von Liechten- 
stein, Hauptmann der Steiermark, das Kloster Rein 
nnd trägt ihm auf, das genannte Kloster im Besitze des Schlosses 
Helfenstein zu schützen. 

Ebenda ü, 26, Emier 96 Nr. 255. Gop. im L.-A. nach 
dem Reiner Orig. Nr. 779*. 

29. 1260, Dec. (4.— 20.), Wien. 

Derselbe verleiht dem Kloster Rein viele Freiheiten gemäss 
des diesem Stifte von Stephan, dem jüngeren Ungamkönige, ver- 
liehenen Freiheitsbriefes. 

Landsch. Arch. Cop. Pap. Emier 107—8 Nr. 279. 

30. 1260, 21. Dec, Graz. 

Derselbe bestätigt dem Kloster Yiktring die Gnadennr- 
knnde Herzog Friedrich's von Oesterreich nnd Steiermark (ddo. 
1243, Leoben, 1. Sept). 

Testes mnlti Styrii, Aastrales et Boemi, darunter anch 
Woko von Bosenberg. 

Landsch. Arch. Cop. Pap. Nr. 782*». 

31. 1260, 23. Dec, b. Graz. 

König Ottokar's Privilegium für B. Ch. (Conrad) von Frei- 
sing, betreffend dessen Recht, sich überall, wo sich auf seinen 
Besitzungen Gold, Silber oder Salz vorfände, sich desselben 
regalienmässig nnterwinden zu können. 

Unter den Zeugen: Bruno, Bischof von Ohnütz, Geras, 
Woko und Benesch, Bohemi, Meister Arnold, Meister TJlrich 
„tunc tempore nostrii notarii*' , Stizlo von Stemberg, Otto v. 
Meissau, Ch. von Zeckingen, Otto v. Haslau und Andere. 

Zahn, Cod. dipl. austr. Fris. Fontes rer. A. H A. XXXT, 
210. Emier 108, Nr. 281. 

32. 1260. 24. Dec, b. Graz. 

König Ottokar entscheidet den zwischen dem Kloster 
St Paul und den Grafen Heinrich und Bernhard von Pfannberg 
herrschenden Streit über die von diesen beanspruchte Yogtei- 
gewalt 

Muchar 5, 307. Emier 108 Nr. 282; vgl. Cop. L.-A. 783. 



— 119 — 

33. 1260, 24. Dec, b. Graz. 

Urkunde Bischofs Ulrich von Seckan. 

Coram inclyto Boemie Rege domino Anstrie et Styrie in 

generali placito apud Grsez constitatis 

Actam apnd (xrsez in cimiterio ecclesie parochialis in indicio 
pnblico, — in vigilia nativit D. n. J. Chr. 

Landsch. Arch. Cop. Pap. vgl. m. Beitr. z. G. des Ldtgsw. 
Beitr. z. K st G. IL Urk. Nr. 55. 8. 

34. 1260, 25. Dec, Graz. 

Derselbe befiehlt demHanptmanne der Steiermark, 
Woko von Rosenberg, die Rechte der Kirche von Seckau 
auf die Kirche von Gradwein zu schützen. 

Landsch. Arch. Cop. des 14. Jhh. Nr. 784. Dipl. St}T. 
I, 218, Emier 108—9 Nr. 284. 
36. 1260, 25. Dec, Graz. 

Derselbe bestätigt dem Kloster Rein die ihm von Kaiser 
Conrad 11. gemachten Schenkungen in Stübing und Gaistal, 
sodann die des Markgrafen Otakar von Steier bezQglich des 
Allods in Seding und das Legat der Elisabet von Guetenberg, 
betreffend AlpengrOnde in Netzthal ; desgleichen verleiht er dem 
Kloster gewisse Einkünfte aus den Salinen zu Aussee .... 

Unter den Zeugen: Bruno v. Olmfttz, Ulrich, Herzog von 
Kärnten, Woko von Rosenberg, Hauptmann der 
Steiermark, die Notare Meister Wilhelm und Arnold; Benesch 
von Mähren, Heinrich von Liechtenstein . . . • unter den Steier- 
märkem vertreten : Stubenberg, Liechtenstein, Teuffenbach, Saurau, 
Offenberg, Stadeck, Pettau, Wildon, Marburg, Massenberg. 
Cop. i. L.-A. Nr. 784". 
36. 1260, 25. Dec, Graz. 

Derselbe bestätigt dem Kloster Rein den Gnadenbrief 
Herzog Friedrich's von 1246, 1. März, Hintperch. 

Landsch. Arch. Cop. 784% Emier 109 Nr. 286. 
87. 1260, c 26. Dec, Graz. 

König Ottokar verleiht dem Kloster St. Lambrecht, gelegen 
im erzb. salzburgischen Kirchensprengel, im Friesacher Gaue, 
im Walde jenseits des Tajawassers, die Erneuerung und Be- 



— 120 — 

Et&tigang des Gnadenbriefes Herzog HeinricVs von K&mten, 
Sohnes Markward's (v. £ppenstein), des Elosterstifters. 

Unter den Zeugen: B. Bruno, B. Dietrich von Gurk, 
Dietmar von Weisseneck, Heinrich von Liechtenstein, Wulfing 
von Stubenberg, Ulrich von Liechtenstein, Rudolf und Liutold 
von Stadeck, Dietmar von Offenberg, Conrad und Dietmar von 
Stretwich (Schetwich bei Lorenz), Conrad, Pfleger von Seckau, 
ganz abgedruckt bei Lorenz a. a. 0. 456 — 460. 

Landsch. Arch. Cop. 785. Emier 108 Nr. 283. Vgl. 

Muchar 5, 286 ; Ankershofens Regg. Arch. f. E. öst. 

Gesch. 5 Nr. 183. 191. (Vgl. über die von Ottokar 

in Graz ausgestellten Urkk. Muchar 5, 286 — 287 und 

Böhmer Additam. Regg. H, S. 436.) 

38. 1260, 0. d. Pettau. 

Gerichtstaiding des Landrichters Wulfing von Stubenberg 
(coram nobis in iudicio provinciali apud Petoviam''). 

Cop. im landsch. Arch. 789^ nach e. Orig. im Eist Rein. 

39. 1261, 1. März, Graz (Voitsberg). 

Gertrud, Herzogin von Oesterreich und Steier, bestätigt dem 
Woko von Rosenberg die ihm von Ottokar und dessen Gattin 
Margaretha gemachte Schenkung der Grafschaft Ratz (Rabs). 
Geschehen zu Voitsberg, gegeben zu Graz. 

Eurz, Oest. u. Ottok. u. Albr. H, 177; Emier S. 117 
Nr. 314. 

40. 1261, 16. und 17. Juli, Marburg. 

Gerichtstaiding Woko's von Rosenberg in Angelegenheit 
des Besitzstreites zwischen dem Eloster Rein und den Grafen 
von Pfannberg, Bernhard und Heinrich, die Burgherr schalt Hel- 
fenstein betreffend und Entscheidung zu Gunsten des Ersteren. Acta 

sunt haec coram nobis c^terisqne provincialibus apud 

Marchburch in placito generali XV. und XVL Ea\. AugustL 

Als eidliche Zeugen erschienen Ulrich von Liechtenstein, 
Gottfried von Marburg und Herrand von Wildon, und als Tai- 
dinghelfer; Siegfried von Mährenberg, Cholo von Seldenhofen, 
Friedrich von Pettau, Heinrich von Scherfenberg, Wigand von 
Massenberg, Leutold von Stadeck, Wilfing von Emfels, die von 



— 121 — 

Pnlsgan, Rohatsch (Robitsch), Lewenberg und Yolkmar, Stadt- 
richter von Graz (index grsecensis). 

Diplom. St IT, 27—28, Cäsar Ann. d. St U. 532—3, 
Muchar V, 293, Emier 130 Nr. 341 (Orig. zu Rein.) 
Cop. im landsch. Arch. z. 15. Juli 793 ^ 

41. 1262, 1. Mai, Wien. 

König Ottokar's Schenkung Nikolsbnrg's an Heinrich von 
Liechtenstein. 

Unter den Zeugen (de Stjrria): Friedrich von Pettau, 
Hartnid von Ort, Wolfgang (Wulfing) von Stnbenberg, Bernhard 
Graf von Pfannberg und sein Bruder, Ulrich von Wildon und seine 
Söhne (Herrand und Hartnid), Rudolf und Liutold von Stadeck, 
Erchenger von Landesere, Truchsess; Gundaker, Mundschenk. 
Bocek m, 335, Emier S. 139—40 Nr. 363. 

42. 1262, 4. Juni, Graz. 

Testament des (3. Juni) gestorbenen Landeshauptmannes 
der Steiermark, Woko von Rosenberg; abgefasst vor dem 
4. Juni, in Gegenwart seiner Getreuen: Prechtlin von Ried, des 
Amtmannes Conrad von Tnrdelinge, der E&mmerer Kojata und 
Grillo und des Notars Rfldiger, sodann des Minoritenpriors von 
Pettau, des Custos der Minoriten zu Graz und zweier Domini- 
kanermönche Gottfiried und Otto. 

Pangerl Urkdb. v. Hohenfnrt in den Fontes rer. austr. 

n. A. 23, 17, Emier S. 143—5 Nr. 371. — Vgl. 

auch Pangerl's Abh. im 9. Jahrg. 1., 2. Heft der Mitth. 

d. Y. f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen. Sep.-Abdr. 

S. 26 . . Cop. im L.-A. auszugsw. 798 \ 

43. 1262, 25. Juli, Wr.-Neustadt 

Ottokar's Urkunde fOr Sedcau. 
Dipl Styr.L 219-220, Emier 147 Nr. 178. L.-B. 799 Cop. 

44. 1262, August, Marburg. 

Bischof Bruno von Olmütz, capitaneus Styrie, 
Woko's Nachfolger im Amte, entbietet den Leobnem, vier grosse 
oder zehn kleine Lasten Eisens, dem Geiracher Kloster von 
weiland Herzog Leopold zur Jahresgabe bestimmt, ohne Maut« 
zwang zufbhren zu lassen. 



— 122 — 

Dipl. Styr. H, 141. Emier S. 148—9 Nr. 381. L.-A. 
nr. 800, Cop. 

45. 1262, 10. Dec, Graz. 

Bnmo's Schiedsprach „in generali placito sive iudicio*' zn 
Gunsten der Rechte des Seckauer Probstes auf die Grfinde im 
Erzwalde bei Waldstein. 

Eilf Zengen, darunter die bekannten Namen: Pfannberg, 

Stnbenberg, Liechtenstein, Stadeck, Pettau, Marburg, Offenberg, 

Massenberg, Emfels, Dietmar, Conrad, Ortolf von Stretwich . . . 

Dipl. Styr. I, 220, Emier 153 Nr. 397. L.-A. 802 Cop. 

46. 1263, 5. Jänner, Yoitsberg. 

Herzogin Gertrad von Steier ermächtigt den Seiftied von 
Mfthrenberg zu beliebigen Yergabnngen and Yerschenkungen 
an Eigen, Lehen und Gütern, welche zom Herzogthnme Steier 
gehören und die er von ihr aus besftsse. 

Dipl. Styr. H, 323, Lambacher ürkd. S. 43 Nr. XXX. 

Fontes rer. austr. austr. 11, A. 1, S. 53 Nr. 62 L.-A. 

804 Cop. 

(Haaptstelle : Quod nos Gertradis Dacissa Styri» fideli 

ministeriali nostro Sivrido de Merenberg concedimos per pre- 

sentes, quatenus de omnibas proprietatibas et feudis ad da- 

catam Styrise pertinentibus, que a nobis possidet, ordinandi, 

conferendi, legandi, pront salati suo ac proximoram viderit ex- 

pedire, liberam habeat facultatem . . .) 

47. 1263, 7. Februar, b. Graz. 

Bruno, Bischof von Olmütz, schlichtet den Streit zwischen 
Wulflng von Stubenberg und Bischof Conrad von Freising in 
Hinsicht der durch ersteren und seine Leute den Hochstafts- 
leuten bei Welz und St Peter (am Eammersberge) zugefügten 
Schäden. Acta apud Gretz, in domo domini plebani a. d. MCC, 
LXin. sept id. Febr. quo anno et die et mense d. nostri Otta- 
chani illustris regis Boemie vices in partibus Styrise gerebamus. 
Zahn Cod. dipl. Fris. Fontes H, 31. Bd. 236, Emier 
159 Nr. 411. L.-A. 804»» Cop. 

48. 1263, 21. Mai, St Veit 

Herzog Ulrich's von Kärnten Schirmbrief fbr das Kloster 



— 123 — 

St. Paul im Lavantthal zufolge der Beschwerde des Abtes Ger- 
hard über Seifried von Mahrenberg's Bedrückungen in 
der Zeit, als dieser der Kärntner Landeshauptmann- 
Schaft vorstand. (Quod cum nobilis vir Sifridus de Memberch 
per terram Carinthise vices nostras gereret pr»- 
dictum abbatem et conventum ad quorundam instructionem f ati- 
gare indpiens et artare.) 

L.-A. 810, Cop. Muchar 5, 301—2. (Vgl. Fontes rer. 
a. 2 A. I. S. 56 ; vgl. auch die Urkunde Seifried's v. 
M. d. 9. Juni 1251, worin er erklärt, dass er lange 
widerrechtlich die von seinen Yoreltem auf Eloster- 
eigenthum von St Paul gewaltthätig erbauten Schlösser 
Truchsen in Kärnten und Merenberg in Steier- 
mark mit Zugehör und den Yogteien vom Berge 
Kemsnich und Wolff^bach besessen, jetzt aber dem 
Abte Leutold von St Paul zurückgestellt habe, der 
sie ihm und seiner Gemalin Richardis als Lehen 
lebenslänglich verlieh. Fontes rer. austr. 2. A. L S. 26 
Nr. XXn.) 

49. 1263, 26. Juli, b. Wr.-Neustadt 

König Ottokar bestätigt die Schenkung der Witwe Richer's 
von Gutenstein an die Nonnen von Seckau. 

Dipl. Styr. I, 221,. Emier 164 Nr. 428. (Muchar 5, 
302—25. Juli). L.-A. 813 Cop. 

50. 1263, 17. August, b. Graz. 

Bmno's, Bischof von Ohnütz, Urkunde über die Neu- 
gründung der Stadt Brück a. d. M. (Novella plantacio 
oppidi de Brücke), mit Bezug auf den Act vom 1. September 
1262 (in placito siue iudicio generali . . . personaliter in Grsez 
intrantibus Kalendis Septembris prsesedimus.) 

Als Zeugen erscheinen die Aebte von St Paul^ St Lam- 
brecht, der Probst von Seckau, der von Voran, der Abt von 
Heia, — die Pftmnberger, der von Stubenberg, Liechtenstein, 
Stadeck, Offenberg, Wulfing von Leybenz (Leibnitz), Herrand 
von Wüdon, Wulfing, Otto und Gottschalk von Ehrenfels, W, 
von Massenberg, Wulfing und Ortolf von Treuenstein, Ortolf von 



— 124 - 

Stretwich, Conrad von Sauran, Hermann und Otto von Eroten- 
dorf, Gebolf V. Kindberg nnd viele Andere. 

Admonter Saalb. Cop. in landsch. Arch. 818. Die Urk. 
deutsch b. Mucbar 5, 297—299.*) 

51. 1265, 21. April, Graz. 

König Ottokar bestätigt die Bechte und Freiheiten des 
Klosters Garsten. Zeugen: Bruno, Bischof von Olmütz, Meister 
Heinrich, Probst von Friesach, Bernhard und Heinrich Grafen 
von Pfannberg, Wulfing von Stubenberg, Friedrich von Pett^, 
Ulrich von Liechtenstein, Leutold von Stadeck, Ditmar von 
Offenberg, Herrand von Wildon, Uhich und Gundaker von Habs- 
pach, Otto von Haslan, Perchtold von Engelschalkfeld, Wichard 
dessen Bruder, Erchenger von Landesere, Wulfing von Emfels, 
Wulfing von Treuenstein, Hartnid von Stadeck und Andere. 

Actum et dat in Gretz per manus Ulriciprothonot curiee nostre. 

Kurz, Btr. z. G. d. L. o. d. E. H 560, Urkdb. d. L. 

0. d. E. m, 333, Emier 185, Nr. 480. L.-A. 840 Cop. 

52. 1265, 21. April, Graz. 

König Ottokar bestätigt dem Kloster St. Maria zu Seckaa 
die ihm von seinem Vorfahren Herzog Ottokar VI. von Steier- 
mark verliehenen Rechte und Freiheiten (ddo. in foro Grsetze 
1182, 29. November). 

Zeugen: Ulrich, Erzbischof von Salzburg, Bruno, Bischof 
von Olmatz, Henko, Marschall von Böhmen, Wilhelm von Phrim- 
berg (Primda), Heinrich Supan von Weitra, Marschall von Böhmen, 
Heinrich von Liechtenstein und viele Edle der Steiermark. 

Dipl. Styr. I, 227, Notizenbl. 1856, 323, Emier 186 
Nr. 481. L.-A. 830 Orig. 

53. 1265, 23. April, Graz. 

König Ottokar gebietet den Hauptleuten der Steiermark 



*) Die Urkunde, welche Muchar 5, 307—308 zum 24. December cit, 
als habe damals Ottokar zu Graz „in cemeterio ecclesis parochialis 
in judicio publico*^ einen Streithandel zwischen St. Paul und den 
Pfannberger geschlichtet, ist falsch reprodudrt, denn sie ist identisch 
mit der von demselben S. 807 «. J. 1260 gestellten. (S. o. Nr. 82 o. 
m. Btr. z. G. u. Qkde. d. Landtagsw. Beitr. 1>, S. 70 Nr. 52 Anm.) 



— 125 — 

und den anderen Pflegern, dass sie filr die Vogtei der Gründe 
zu Welz und St Peter blos das einfache Vogtrecht einheben 
sollen, da er die Leute des Bisthums Freising „ab exactionibus, 
pemoctationibus, herbergariis vexacionibas" also von allen solchen 
Belästigungen befreit wissen wolle. 

Zahn Cod. dipl. austr. Fris. a. a. 0. 259, Emier 186 
Nr. 482. 

54. 1265, 26. April, Neunkirchen. 

Ottokar, König von Böhmen bestätigt, dem Kloster Garsten 
alle von weiland Herzog Ottokar verliehenen Rechte und Frei- 
heiten. 

Zeugen: Bruno, Bischof von Olmütz, Erkenger von Lan- 
desere, Truchsess, Wulfing von Stubenberg, Friedrich von Pettau, 
Wemhard, genannt Präusslein (Prausselinus), Gundaker von 
Habspach und Andere. 

ürkdb. d. L. o. d. E. EI, 339, Emier 186 Nr. 483. 
L.-A. 841 Cop. 

55. 1265, 1. Mai, Judenburg. 

Bruno's Gerichtssitzung, betreffend die Ansprüche Admont's 
in Hinsicht seiner Entschädigung für die zur Bestiftung Bruck's 
a. d. M. abgegebenen Stiftsgüter. 

Landsch. Arch. Cop. 842. Muchar 5, 308 — 9. 

56. 1265, 9. Mai, Perugia. 

Papst Clemens IV. bedroht die Frevler an Klöstern und 
Kirchen der Dominikaner mit dem Banne. 
Cop. im landsch. Arch. 842 Cop. 

57. 1265, 25. Mai, Perugia. 

Derselbe beauftragt den Bischof Bruno von Olmütz mit der 
Rückstellung der dem Kloster Seckau widerrechtlich entfrem- 
deten Güter. 

Cop. im landsch. Arch. 

Zwei gleiche Mandate ebda, in Cop. 843 Cop. Vgl. Fontes 
rer. austr. IL A. 1. 62. 

58. 1265, 13. Juni. 

Derselbe an denselben und an den Friesacher Probst zu 
St Virgil, mit dem Auftrage, den Güter- und Zehendstreit zwi- 



— 126 — 

sehen dem Kloster Seckau und Wigand von Massenberg zn 
entscheiden. 

Orig. im landsch. Arch. 847. 

59. 1265, 23. Juni, Marburg. 

Bruno, Bischof von Ohnatz^ bezeugt „in generali judido 
apud Marcburch^, dass das Schloss Hörberg im Streite zwischen 
Heinrich von Schärfenberg und der Frau von Lengburg dem 
Ersteren zugesprochen wurde. 

Fontes rer. austr. II A. I. 64. Emier 188 Nr. 490. 
landsch. Arch. Cop. 851'. 

60. 1266, 30. Juni, Perugia. 

Papst Clemens IV. bestätigt die Rechte und Freiheiten des 
Klosters Admont. 

Cop. im landsch. Arch. 852 •. 

61. 1265, 30. Juni, Perugia. 

Derselbe betraut den Abt von Reitenhaslach mit dem Schutze 
des Klosters Admont gegen Frevler an dessen Privilegien. 
Cop. im landsch. Arch. 852**. 

62. 1265, 1. Juli, Perugia. 

Derselbe an denselben in gleicher Angelegenheit. 
Cop. im landsch. Arch. 852''' *. 

63. 1265, 1. Juli, Perugia. 

Derselbe gestattet dem Abte von Admont die Lossprechung 
seiner Mönche und Conversen von bestimmten Vergehen. 
Cop. im landsch. Arch. 852 «« 

64. 1265, 8. Juli, Perugia. 

Derselbe beauftragt den Bischof Bruno von Olmütz und 
den von Gnrk mit der feierlichen Excommunication des an dem 
Kloster Seckau zum Räuber gewordenen Priesters Ulrich von 
Hauzenbichl (Haucepuel). (In eadem ecclesia ad [preposituram 
ipsius intrudi temere procuravit dictamque ecclesiam nonnullis 
privüegüs omamentis (ecclesiasticis) et rebus aliis ausu sacrilego 
spolians alias eisdem proposito et capitulo in terris posses- 
sionibus et aliis bonis ejusdem ecclesise damj^na gravia per se 
ac suos complices irrogavit . . .). 

' Orig. im landsch. Arch. 853. 



— 127 — 

65. 1265, 11. Juli, Perugia. 

Derselbe empfiehlt dem Schutze des Böhmenkönigs das 
Kloster Seckau wider die Gewaltthaten des ehemaligen Erz- 
bischofs von Salzburg, Philipp. 

Orig. im landsch. Arch. 855. 

66. 1265, 14. Oct., Graz. 

Herbord von Füllenstein, Truchsess des Bischofs von Olm&tz, 
verbrieft die Rechte von Admont. 

Muchar 5, 309, L.-A. Cop. 858. 

67. 1265, 5. Nov., Freistadt (in Oesterreich), 

Bruno, Bischof von Ohnfitz, ladet den Erzbischof Ulrich 
von Salzburg in Sachen seines Streites mit dem Priester Wemher 
um die Kirche in Pyber auf den 21. J&nner 1266 nach Graz 
vor. (Vgl. 6. Nov. die bezaglichen Instructionen für den Gurker 
Propst.) 

Cop. im landsch. Arch. 863*. 

68. 1266, 21. Jftnner, Graz. 

Der Gurker Bischof entscheidet den Streit zwischen Erz- 
bischof Ulrich und Priester Wemher um die Pfarre Pyber. 
L.-A. Cop. 863'. 

69. 1266, 5. Juni. 

Gottschalk von Neidberg und Erkenger von Landesere be- 
stimmen im Auftrage König Ottokar's neuerdings die Grenzen 
^ der Besitzungen der Klöster St. Lambrecht und Lilienfeld in 
der Mariazeller Gegend. 

Cop. im Idsch. Arch. 867*. Vgl. Cäsar Ann. St. 11. 277. 

70. 1266, 8. Sept., Pyber. 

Bischof Ulrich von Seckau befiehlt dem Probste von Seckau, 
das dortige Nonnenkloster f&rder nimmer von weltlichen Per- 
sonen betreten zu lassen. 

Orig. im Idsch. Arch. 871. Dipl. Styr. I. 229—230. 

71. 1267, 17. Dec, Viterbo. 

Papst Clemens IV. empfiehlt dem Böhmenkönige den Schutz 
des Klosters St Paul gegen die Anfeindangen der Grafen Hein- 
rich und Bernhard von Pfannberg. 
Cop. im landsch. Arch. 882. 



— 128 — 

72. 1268, 1. Dec, Graz. 

BroDO, Bischof von Olmatz, spricht zafolge der Entschei- 
duDg „in provinciali placito sabbato post festum Andrse proxime 
habito^ dem neuen Bischöfe Ton Seckau, Bernhard, die von wei- 
land Erzbischof Ulrich widerrechtlich entzogenen Güter des 
Stiftes Seckau zu und gebietet die Einsetzung des erstgenannten 
in den Genuss derselben. 

Cop. im landsch. Arch. 900. Emier S. 245 Nr. 628. 

73. 1268, 2. Dec, Graz. 

Bezügliches Schreiben seines Truchsess Herbord von 
Füllenstein in seiner Eigenschaft als Judex provincialis 
Styriaß" an Albert von Homeck. 

Cop. im landsch. Arch. 901. Emier S. 246 Nr. 629. 

74. 1269, 24. Febr., Podiebrad. 

König Ottokar's Bestätigung der Elostergründung St Maria 
im Thal, bei B.-Brod. 

Unter den Zeugen Burkhard, Marschall von Böhmen, 

Ulrich von Dürnholz, Milota, Bruder des 

Benesch Mag. Ulrich, Protonotar von Oester- 

reich und Steiermark. 
Emier S. 248 Nr. 635. 

75. 1269, 3. Mftrz, Prag. 

Ottokar bestätigt Bruno's Urkunde für Seckau (ddo. 1. Dec. 
1268, Graz.) 

L.-A. 901 Cop. 

76. 1269, 5. März, Prag. 

Derselbe verbietet den Judenburgem, den Bischof Bernhard 
von Seckau unter dem nichtigen und unwahren Yorwande, als 
wenn Kirchen und Prälaten Häuser und Gründe üi Städten oder 
Märkten nach Burgrecht nicht besitzen könnten oder dürften, 
im Besitze der von seinen Vorgängern innegehabten Häuser 
und Gründe zu Judenburg auf irgend eine Weise zu stören. 
L.-A. 907 Cop. 

77. 1269, 11. März, Prag. 

Schutzbrief desselben für Bischof Bernhard von Seckan, 



— 129 — 

weil er sieb als Vogt der langeher verfaUenen and bedruckten 
Kirche desselben wirksam annehmen wolle. 

Cop. im landsch. Arch. 908, Cop. Vgl. Dipl Styr. I, 330, 
Emier 249 Nr. 636 und 638, 250 Nr. 643. 

78. 1269, 16. April, Graz. 

Herbord, Tnichsess von Füllenstein, „jadex per Styriam 
generalis,^ erklärt zufolge landesgerichtlichem Schiedsspruches 
und Mandates König Ottokar's und Bischof Brono's die Gil- 
tigkeit des Besitzrechtes Bischof Bernhardts von Seckau auf die 
einst von Bischof Ulrich widerrechtlich ver&usserten Güter, be- 
sonders in St Stephan, Kirchbach, Wolfsberg und Jftgersberg, 
die dem Gundaker von Gleitsau verpftndet waren. 

Cop. im landsch. Arch. 913. Emier S. 252 Nr. 646. 

79. 1269, 25. April, Leoben. 

Herbord von Wellenstein (Füllenstein) spricht dem Kloster 
Admont die von Heinrich von Trofaiach beanspruchten Gereute 
und Zehenden zu. (Anwesend Graf Heinrich von Pfannberg.) 
Cop. im landsch. Arch. 914, vgl. Muchar 5, 332. 

80. 1269, 12. Juni, Znaim. 

K. Bestätigung der Freiheiten des Klosters Gleink (vom 
6. September 1239). — Unter den Zeugen: Bruno, Bischof 
von Olmütz und Hauptmann der Steiermark ... Wulfing 
von Stubenberg, Bernhard Graf von Pfannberg, 
Ulrich von Liechtenstein. 

Kurz, Btr. z. Gesch. d. L. o. d. E. III, 351, ürkdb. 
d. L. 0. d. E. m. 365, Emier 253 Nr. 650. 

81. 1269, 28. Juni, Radkersburg. 

Bruno, Bischof von Olmütz, schlichtet den Streit zwischen 
Bernhard, Bischof von Seckau, einerseits und Ortolf von S tret- 
wich anderseits über das Dorf Bäusentz. Als Besiegler : Conrad, 
Probst von Brunn, übrich von Liechtenstein und Herbord von 
Folnstein. (Testes Styrü nobiles et milites multi.) 

Landsch. Arch. Cop. 927. Emier S. 255 Nr. 655. 

82. 1269, 20. Aug., Graz. 

Derselbe bestätigt „in placito generali, in domo Tolkmar 
judicis Graecensis" dem Kloster St Paul die Gerechtsame über 

MittbcU. d. hlst. Teralaa f. Staicnaark. XZII. lieft, 1874. 9 



— 130 — 

die Grflter za Lorenzen und legt deshalb dem Heinrich von 
Bohatsch (Bohitsch) Schweigen auf. 

Als Zengen erscheinen: Bernhard, Bischof von Seckao, 
Albert» Abt von Admont, Probst Ortolf von Seckan, Conrad« 
Probst von BrOnn, die Grafen Heinrich nnd Bernhard Ton Pfann- 
berg, Ulrich von Stemberg, Ulrich von Hennbnrg, Wnlfing von 
Stabenberg, Friedrich von Pettan, liatold von Stadeck, Ulrich 
von Liechtenstein, Siegfried von M&hrenberg. Herbord von Ffll- 
lenstein, Herbord von Traberg (Unterdraabnrg), Gholo von Mar- 
burg, Cholo von Saldenhofen, Herrand von Wildon, Wigand von 
Massenberg, Wemher von Hans. 

Gop. im landsch. Arch. 925. Mnchar Y. 333. 

83. 1269, 7. Oct, Sazga. 

König Ottokar bestätigt den Vergleich zwischen Mathilde« 
d^r Hinterlassenen Hadmar's von Schönberg, nnd deren Söhnen 
Beimbert nnd Hadmar anf der einen nnd dem Capitel von 
Seckan anf der andern Seite. Dat in Sazga. Unter den 
Zengen: Bruno, Bischof von Ohntttz. 

Fontes rer. austr. H. A. I. 99. Emier 258 Nr. 665. 
L.-A. 929 Orig. 
(Vgl die Entsagnngsnrknnde Mathilden's vom 15. Angnst 
1269. Dipl Styr. I 233.) 

84. Die Urkunde vom 7. October, datirt in Graz — Gop. im landsch. 
Arch. Emier 258 Nr. 666 — ist nur im Auftrage des damals 
nach Mähren verreisten Bischof Bruno ausgestellt worden und 
bezieht sich auf den am 20. August gefällten Bechtsspruch (in 
placito generali Grsecii fer. HL infra octauam assumptionis b. 
Yirginis se prsesidente celebrato a^judicatum . . .) 

85. 1270, 26. Jänner, Wien. 

König Ottokar gebietet seinen Amtsleuten, das Seckauer 
Kloster in keiner Weise zu beirren. 
Gop. im landsch. Arch. 

86. 1270, 27. Jänner, Wien. 

König Ottokar erneuert die der Salzburger Kirche von 
den österreichischen Herzogen gewährte Mauthfreiheit bezüglich 
der Zufuhr von Wein und Lebensmitteln. 



— 131 — 

Horm. Taschenbach vom Jahre 1840 S. 463. Emier 265 
Nr. 682. 

87. 1270, 26. Jftnner, Wien. 

König Ottokar's Befehl an Milota, den Landes- 
hauptmann der Steiermark nnd andere Amtsleate, sich 
keine Eingriffe in die Seckauer Gerichtsbarkeit zwischen den 
Flasschen Lttsing (Levsnich) nnd Graden (Grada) zu erlauben. 
Cop. im landsch. Arch. (Diese Urkunde, identisch mit 
der von 1275, 26. Janner, Wien, Nr. 119, gehört 
auch zu letzterem Jahre, da 1270 ebensowenig an 
Milota's als an Dietrich's von Fulen Amtsgewalt in 
der Steiermark gedacht werden kann. Ueberdies findet 
sich auch im Originale der Urkunde kein Jahres- 
datum angesetzt Chmel Fontes rer. austr. I. I. S. 
4 XXm. Nr. VI nimmt mit Recht als wahrschein- 
liches Jahr 1275 an. (vgl w. u. Nr. 119), 

88. 1270, 29. J&nner, Wien. 

Derselbe bezeugt, dass St Lambrecht's Convent und Abt 
in dem Grazer Taiding erwiesen und zuerkannt erhalten habe 
das Gut im Lungau bei St Martin gelegen, im Tausche für 
einen Grund der Stadt und des Schlosses Yoitsberg, laut 
Uebertragung weiland Herzogs Leopold von Oesterreich, der 
diese Stadt gegründet. 

Darin erscheint „Bruno venerabilis Olomucensis episcopus 
tunc Capitaneus Styrie et Otto de Haslowe, 
qui tunc pro tempore eiusdem capitaneus terre 
fuit, — sodann als Wahrheitszeugen: Ulricus de Liech- 
tenstein et filius suus, Ditmarus de Streckwitz, Ortolphus et 

Ditmarus de Streckwitz (!) 

Lorenz, deutsche Gesch. im 13. und 14. Jahrh. I, 461, 
Emier 265 Nr. 6 »4. 

89. 1270, 30. J&nner, Wien. 

Derselbe best&tigt die Gerichtsgewalt des Klosters Admont 
auf den demselben vonB. Bruno von Olmtttz zuerkannten Gründen. 
Böhmer, Addit U. ad regg, imp. 444, Emier 265 Nr« 
685. Cop. im landsch. Arch. 

9* 



— 132 — 

90. 1270, 30/1. Jänner, Wien. 

L König Ottokar best&tigt denSdiiedsprachOtto's vonHaslaa 
in der Streitsache zwischen dem Kloster St Lambrecht und 
Wicharden von Ramenstein. 

Als Zeugen erseheinen: Otto von Haslan, Wichard von 
Ramenstain, Wnlfing von Stobenberg, Ulrich von Liechtenstein, 

Reinbert von Chranichberg (Lorenz: Chranchberg), (de 

Styria) Herrand von Wildon, die Grafen Bernhard nnd Heinrich 
von P&nnberg, Conrad von Sorowe (Sanran, Lorenz: Sorone), 
Heinrich von Spigelneld (Spielfeld), Ortolf von Stretwich, Albert 
von Stein. 

• Abgedr. b. Lorenz (nach einer Abschr. im St-A.) a. a. 0. 

462—464. Emier 266 Nr. 687, Gop. im landsch. 

Arch. 935*. 

n. König Ottokar bestätigt unter gleichem Datnm drei 

Urkunden von Schenkungen, die Herzog CFlrich von Kärnten 

der Kirche in Spital 1264, 14. October, 1269, 16. 22. Mai 

ausgestellt hat 

Lorenz a. a. 0. I, 483 (Ausz.), Emier 265 Nr. 686, 
Cop. im landsch. Arch. 936'"*. 
9 1 1270, 2. Februar, Wien. 

Ottokar's Lehensvertrag mit Conrad, Bischof von Freising, 
betreffend die ihm von weiland Herzog Ulrich von Kärnten ver- 
erbten Feudalgüter. Unter den Zeugen Bernhard und Heinrich 
Grafen von Pfannberg und die beiden Liechtensteiner Ulrich 
und Otto (dessen Sohn), ferner in der zweiten, vom Bischöfe 
ausgestellten Gegenurkunde auch noch Wulfing von Stubenberg. 
Zahn Cod. dipl. austr. Fris. fontes rer. a. XXXI. 309 
bis 310. Emier S. 266—7 Nr. 688 und 689, vgl. 
Fontes rer. austr. H, I. Bd. S. 1 05. 
92. 1270, 3. Februar, Wien, 

Derselbe gebietet den Landrichtern in Steiermark, sich 
der Gerichtsbarkeit über die Gründe und Unterthanen des Hoch- 
stiftes Freising zu enthalten. 

Zahn Cod. dipl. austr. Frising. fontes XXXI, 311, Emier 
267 Nr. 690 L.-A. 936*. 



— 133 — 

93. 1270, 7. Februar, Wien. 

Derselbe gebietet, dass die Bürger der Stadt Jadenborg 
bei ibrem Waarenhandel von und nacb Wr. -Neustadt ihren Frei- 
heiten entsprechend behandelt und zur Mauthgabe nur in Wr- 
Nenstadt, Salchenau und Neundorf verhalten werden sollen. 

Fontes rer. austr. I, 106, Emier S. 267 Nr. 691, Idsch. 
Arch. 937 Orig. 

94. 1270, 8. (7.) October, Marburg. 

a) Burkhard von Klingenberg, Marschall von 
Böhmen, Landeshauptmann der Steiermark, 
weist in öffentlicher Gerichtsversammlung (in generali pla- 
cito Marburge f. HL ante f. b. Djonisii celebrato = 7. Oct) 
unter Beisitz des Landschreibers Conrad die Klage Hartnid's 
von Ramenstain gegen das Stift Seckau, Güter im Erz- 
walde betreffend — zurück, da sie jedes Rechtsgrundes 
entbehre. (1 6 Zeugen.) 

Dipl. Styr. L 234, Fontes rer. austr. n, I. 115 Nr. 101. 
Emier 278 Nr. 717. landsch. Arch. 937. Orig. 

b) (1270, 28. October, Wien.) 
Ottokar's Bestätigungsurkunde. 

Emier 279 Nr. 721. Orig. im landsch. Arch. 950. 

95. 1270, 6. Dec, Vi 11 ach. 

König Ottokar bestätigt vier Privilegien des Kärntner 
Stiftes Yiktring von 1 253— 1 256 und begabt es mit Mauthfreiheit. 
Unter den Zeugen: Heinrich und Friedrich Grafen von 
Ortenburg, Ulrich Graf von Heunburg, Ulrich Graf von 
Stemberg, Heinrich und Bernhard Grafen von Pfannberg, 
Friedrich von Pettau, Seifried von Mälirenberg, 
Heinrich von Scherfenberg, Ulrich von Liechtenstein, 
Otto von Haslau, Meister Heinrich von Laak (Lonk), Land- 
schreiber Krain's und der Mark. 

S. Marian Fiedler Austria sacra YH pag. 369, Tangl 
a. a. 0. S. 35 — 36 exe. nach dem Orig. im Archiv 
des kämtn. Gesch.- Ver. in Klagenfnrt B. Lorenz I, 
484 kurzer Auszug; daraus das Regest b. Emier 
S. 282 Nr. 729. L.-A. 951 Cop. 



~ 1 34 — 

96. 1270, 12. Dec, Jndenburg. 

König Ottokar verspricht die mit Erzbischof Friedrich von 
Salzburg vereinbarte Zusammenkunft bei Wien zur Begleichung 
der schwebenden Besitzh&ndel abhalten zu wollen. Als Zeitpunkt 
der 1. Mai 1271 angesetzt. Zwei andere gleich datirte Ur- 
kunden, deren zweite die Schiedsmänner (als deren eventuellen 
Vertreter den Bischof Bernhard von Seckau) und die Form 
der Taidung behandelt. 

Die ersten zwei Urkk. in Ausz. bei Emier S. 282 — 3 
Nr. 730, 731 ; die dritte ganz abgedruckt ebenda 
S. 283— 5 Nr. 732 nach dem Wortlaut in den Wiener 
Jahrb. der Litt. 108, S. 183. Muchar 5, 340, stellt 
diese Urkunde irrthümlich zum 12. October. 

97. 1270, Windischgraz. 

Zwei Bestätigungsurkunden König Ottokar's für das Kloster 
Seiz (einmal Siths, das andere Mal Seytz geschrieben). 

Vgl. Muchar 5,341, neuester Abdr. b. Lorenz a. a. 0. S. 469 
bis 47 1 . Ldsch. Arch. Cop. Emier 285 Nr. 734 a. b. Vgl. 
Tangl Hdb. d. Gsch. d. Hz. Kärnten IV. 1. A. S. 29—30. 

Als Zeugen erscheinen in beiden Urkunden: Ulrich von 
Dtlmholz (Landeshauptmann fOr Kärnten), Friedrich von Pettau, 
Otto von Haslau, Otto von Perchtoldsdorf, Erchanger, Truch- 
sess von Landesere, Gundaker Schenk von Habspach (Hauchs- 
pach), Heinrich von Hownfeld, Ulrich von Habspach, Friedrich 
von Pettau (nochmals), Heinrich von Helfenberg, Friedrich von 
Graz und dessen Bruder Ortolf, Chrasto, Pfarrer von GraZ; Ortolf 
von Gurkfeld „und viele Andere . . .^ (Nach TangVs ziemlich zu- 
treffender Ansicht gehört die Urkunde in den November des J.) 
98. 1271, 3/13. Juli, Prag. 

Friedensurkunde zwischen Ottokar und König Stefan V. 
von Ungarn (böhmisches Instrument). 

Exclusit etiam rex Ungarisd supradictus Wilhelm um 
de Scharfenberch et Nicolaum.de Leumberch 
(Lewenberg) terrarum nostrorum profngos a suo servitio gratia 
et favore, promittens in defendendis et detinendis castris ip- 
sorum eos contra nos et nostros homines non juvare. 



— 135 — 

Insuper dominus Stephanns rex üngarise rennntiaYit omni 
juri et actioni, qnod et qnsß sibi videbantnr competere sen etiam 
competebant in dncatibnsStyriae, Cannthise et dominus 
Carniolse, Marchise, nnllam de cetero suo vel heredmn snonmi 
nomine contra nos et heredes nostros super iUis motnras ma- 
teriam qnestionis ) 

Emier S. 295 — 301 Nr. 753. Das ungarische Instrument 
dat vom 3. Juli „in castris apud Posonium^. 

99. 1271, 13. August, Bein. 

Yolkmar, Bürger von Graz, widmet dem Kloster Rein die 
Schenkung von zwei Theilen salzburgischer Zehenten in Strass- 
engel, Yelgowe und der NeubrQche bei Rein, gemeinhin Loch 
genannt, damit davon den Conventherren an der Elostertafel 
wöchentlich einmal Wein nach dem kupfernen Masse (potu, 
quod dicitur cuprea mensura) gereicht werden könne. (Pur- 
chardus de Chlingenberch, tunc capitaneus Styrie, gener 
suus, dominus ... de Baruth, dom. Dietricus de Fulen, 
dom. Herm. de Windischgrsez, Liupoldus dictus Wackerzil, 
Ghunradus Yenter (Bauch) Oetschlo, Otto dictus Oechsel, Al- 
hardus de Sancto Petro et al. q. 

Gop. im landsch. Arch. Muchar 5, 350 setzt die Urk. 
irrig z. J. 1272. 

100. 1271, 25. Aug. (1. Sept.) Graz (St Thomascapelle.) 

Urkunde des Landeshauptmannes, Burkhard von Elingen- 
berg, für d. Kl. Rein. 

Cop. im Idsch. A. Emier 303 Nr. 757. Ygl. Muchar 6, 345. 

101. 1271, 13. Oct, Prag. 

König Ottokar bestätigt dem Kloster Rein eine vom Grazer 
Borger Rüdiger gemachte Schenkung. 

Dipl. Styr. 11, 28; Emier 305 Nr. 761 Orig. im landsch. 
Arch. 965». 

102. 1271, 27. Oct, Laak. 

Ulrich von Dümholz, Hauptmann von Kärnten, Krain 
und der Mark, stellt eine Urkunde zu Gunsten der deutschen 
Ordenscommende in Laibach aus. 



— 136 — 

Fontes rer. anstr. n, I. S. 128, LXn, Tangl a. a. 0. 
S. 82, L.-A. 967 Cop. 

103. 1271, 11. Nov 

Seifried's von Mfthrenberg Widmnngsnrknnde für das von 
ihm gestiftete Mfthrenberger Fraaenkloster. 

Orig. im landsch. Arch. 968. (Vgl Muchar 5, 346 UrL 
vom 20. Juü 1271). Vgl Tangl a. a. 0. S. 91—92. 

104. 1271, 6. Dec, Windeck. 

Seifrid von Mährenberg stellt der Bamberger Kirche alle 
vom Bischöfe Berthold verpfändeten Güter zarflck. 

Cop. im landsch, Arch. 971. Ygl. Tangl a. a. O. 92. 
lOB. 1272, 26. Febr. 

Urkunde der Witwe Seifried's von M&hrenberg, 

Rlchardis, f&r das Nonnenkloster in M. (In deutscher Sprache.) 

Fontes II, 1, 1 32 Nr. 115. Vgl. Tangl 93. L.-A. 977 Orig. 

106. 1272, 22. April, Prag. 

König Ottokar gebietet dem Ulrich von DOmholz (capitaneo 
Karinthise, Kamiolse et Marchise) und dem Conrad (scrib® 
Styris) das Nonnenkloster der heil. Maria in Mährenberg 
zu schätzen. 

Dipl Styr. E, 325, Emier 311 Nr. 777. Vgl. Muchar 
5, 355 z. J. 1273. L.-A. 980 Orig. 

107. 1272, 7. Sept, Wien. 

Ottokar's Urkunde zu Gunsten des Klosters Studenitz and 
zwar in Bezug seiner Einkflufte in K&mten und bei Marburg. 

Zeugen: Graf Ulrich von Heunburg, Graf Ulrich von 
Stemberg, Friedrich Graf von Ortenburg, Graf Heinrich von 
Pfannberg, Burkhard von Klingenberg, Marschall des 
Reiches Böhmen, Ulrich von Dürnholz, Hauptmann von 
K&mten, Ulrich von Liechtenstein, Friedrich von Pettau, Wul- 
fing von Stubenberg, Herrand von WOdon . . . 

Lorenz a. a. 0.1,472, Emier 320 Nr. 799. L.-A. 984 Orig. 

108. 1271, (o. 0. u. 0. Z.) (Friesach?) 

Dietrich von Fnlmen, Castellan von Friesach, bezeugt, dass 
Ulrich von Zeltschach bei Grelegenheit der Besetzung Frie- 
sachs durch den König von Böhmen, von dem Bi- 



— 137 — 

Bchofe von Olmütz (Bruno) und dem Herrn Herbord, 
dessen (nämlich Bruno's, nicht wie Tangl meint, des Königs) 
Tmchsess, vor vielen Edeln nnd dem Probste von Salzburg 
jene Güter nm Althofen erhalten habe, welche früher der 
Tmchsess von Ereig gewaltthätig an sich gerissen hatte, wor- 
über nun ihm, dem Castellane, die Yogtei übertragen worden sei. 
Tangl a. a. 0. S. 65 — 66 nach einem ürknndenregest 
Hermann's im Arch. des bist. Yer. in Elagenfort 

109. 1272, 1. Juli, Graz. 

Der Landschreiber der Steiermark, Conrad, beurkundet 
die klösterliche Gerichtsbarkeit des Abtes von Rein über das 
bewegliche Vermögen der Stiftsleute. (Dieser Conrad wird bereits 
in einer Urkunde vom 13. Juli 1271, also zur Zeit der Landes- 
hauptmannschaft des Klingenberger's „Landschreiber der Steier- 
mark*' („tunc scribe Styrie") genannt. 

S. Fontes rer. austr. II, 1, S. 126. 

110. 8. Dec, Graz. 

Bischof Bernhard von Seckau und Meister Conrad, Land- 
schreiber der Steiermark, entscheiden den Streit zwischen dem 
Spital am Semmering und den Gebrüdem von Massenberg. 
Orig. im landsch. Arch. 1000^. 

111. 1274, 20. Febr., Hagenau. 

König Rudolf L nimmt den Erzbischof Friedrich von Salz- 
burg in seinen und seines Reiches besonderen Schutz und ver- 
bietet aUen Getreuen, den Metropoliten an seinen Besitzungen 
nnd Eigenleuten zu schädigen. 

Böhmer's Regg., Tangl Handb. d. Gesch. K&rnt. IV, 1, 160. 

112. 1274, 13. April, Graz. 

König Ottokar's Schutzbrief für das Kloster Viktring gegen 
die UebergrüBfe Friedrichs von Pettau nnd Meinhard's von Cinz- 
leinsdorff. 

Cop. im landsch. Arch. 1003. Vgl. Muchar 5, 359, Emier 
S. 358 Nr. 868. 
118. 1274, 16. April, Graz, 

Desselb^ Schutzbrief für das Obemburger Benedictiner- 
kloster. 



— 138 — 

Origin. im landsch. Arch. 1004. — Dipl Styr. U, 294, 
Emler 358 Nr. 869. 

114. 1274, 17. April, Graz. 

E. Bestätignngsbrief für Freising. 
Zahn Cod. Fris. a. a. 0. 328, Emier 358 Nr. 870. 

115. 1274, 21. April, Graz. 

E. Bestätigangsbrief einer Schenkung des Grazer Borgers 
Yolkmar an das Spital im Zerwald. 

Cop. im landsch. Arch. 1004, Emier 359 Nr. 871. 

116. 1274, 25. April, Graz. 

E. Bestätigangsbrief fOr die Earthanse Seiz (1185). 
Orig. im landsch. Arch. 1007, Emier 359 Nr. 873. 

(Vgl. über den Aufenthalt Ottokar's in Graz Böhmer's 
addit. n. S. 451.) 
\\7. 1274, 27. Juli, Göss. 

Urkunde eines Gütertausches der Nonnenabtei Göss (Aeb- 
tissin Herburgis und der Dechantin Wentala) mit dem Land- 
schreiber der Steiermark, Conrad. 

Die ungemein zahlreichen Zeugen nach folgenden Eate- 
gorien geordnet: 

1. Bischof Bernhard von Seckau; 2. Graf Heinrich 
von Pfannberg; 3. Die Herren Wulfing von Stubenberg und 
Ulrich von Liechtenstein; 4. Ministerialen' Herrand und 
Hartnid von Wildon, Otto der Jüngere von Liechtenstein, Hartoid 
von Stadeck, Wulfing und Ortolf, Gebrüder von Treuenstein, Otto 
von Perneck, Meiohard von Zemilsdorf (Stemmelsdorf), Otto und 
Heinrich von Ernfels, Heinrich von Puchheim und dessen Sohn 
Albero. Die Pfarrer: Iring von Pöllau, Ulrich von Strassgang, 
Wemher von RapotenJdrchen, Ritter (milites) des Steier- 
landes und andere vornehme Ritterherren (milites 
domini): Ekkard von Dobrenge, Wemher von Haus, Alhoch, 
Hauptmann auf Radkersburg, Henulo von Tuln, Arnold und Otto 
Gebrüder von Luttenberg, Dietrich und Leupold, Gebrüder von 
Friedberg, Ortolf und Dietmar, Gebrüder von Stretwich, Her- 
mann, Otto und Herwik, Gebrüder von Erotendorf, Conrad und 
Walther, Gebrt^er von Thal (de Valle), Wolfger von Ehegel, 



— 139 — 

Hugo von Donnerstein, Heinrich von Stübing^ Ulrich „dictas 
monachas (^der Mönch"), Niclas von Lengenberg. Adelige 
Dienstmannen (clientes): Otto Graf („comes*') von St Peter, 
Heinrich, Wigand und Albert, Gebrüder von Massenberg, Ge- 
bolf von Eomberg und dessen Sohn Diepolt ; Hertel von Leoben, 
Dietmar von Mur, Otto von Passail (Puzuil), Otto von Ealln- 
berg, Rnger von Linsperg, Ingerich von Tuln, Eonrad von Her- 
tefnsdorf, Heinrich von Judenau (nicht Judemayn, wie bei 
Muchar 5, 362 zu lesen), Walchun Von Strombach. Bürger 
(cives): „Dominus" Yolkmar von Graz, Dietrich und Martin 
Rivierarii (nicht de Riverarii), Ulrich und Leutold Wakall, 
Eonrad „Venter" (Pouch), Sniterinus, Leo von Wenil, der 
Schreiber Pölzlo, Ludwig Albnär, Emest, Leobman und JausUn, 
Bürger de Winna (Wien ? oder vielleicht Schottwien — Schad- 
winna?). Pfleger (officiales): Hermann, Pfleger zu Göss, Hein- 
rich Bawarus (Baier) von Hafrnng (nicht Hefnarn), Ulrich von 
Judendorf, Luitold von Gösse, Friedrich der Eellner und 
Andere. 

Die Urkunde verfasste der Landschreiber Conrad. 
Dipl. Styr. L 90—93. Vgl. Muchar 5, 361—362. L.-A. 
1012 Cop. 

118. 1274, 10. Dec, Eobenz. 

Dietrich von Fulm (Fulen), Landrichter (judex provincialis) 
zu Offenberg, gebietet nach rechtlichem Erkenntniss, dass die 
eisernen Eetten und Verhaue, womit die Söhne Wigand's von 
Massenberg, Heinrich und dessen Brüdör, alle Wege in das 
Feistritzthal um Prank herum sperrten und dem Seckauer Stifte 
• die Benützung der Wälder daselbst wehrten, wegzuschaffen 
seien. (Die Gerichtsverhandlung fand vor der Earche zu Eobenz 
im October statt.) 

Cop. im landsch. Arch. Vgl. Muchar 5, 360. 

119. 1275, 26. Jänner, Wien. 

Eönig Ottokar's Befehl an Milota, Landeshauptmann der 
Steiermark, er möge dem Burggrafen in Offenberg, Dietrich von 
Fulm und den andern Burggrafen und Landrichtern gebieten, 
sich jedes Gerichtszwanges über die Seckauer Unterthanen zwi- 



— 140 — 

Bclien den FL Levernich imd Chnden zn enfbalteii und die ver- 
brieften Crerechtsamen des Stiftes zn achten. 

DipL StTT. 236, L Fontes rer. anstr. I, 175, Ender 390 
Nr. 938. Copie und Orig. im steienn. Lds.-Arch. 
Nr. 934*. Statt „LeTendch" mass Levsnich ge- 
lesen werden, d. L Lflsing. LOsing nnd Graden sdiieden 
die Gerichtsgrenze des Seckaner Stiftes von der lan- 
desgerichtlichen (nach von Felicetti's gtktiger Mitthei- 
long), üeber das Jahresdatom v^ o. Nr. 87. Ueberdies 
sei hier noch bemerkt, dass IGIota's Landeshanpt- 
mannschaftConrad'sAmtBwiiksamkeitals Landschreiber 
ablöste, denn erst als dieser in den Urkunden ver- 
schwindet, taucht Mflota anl 
120. (1274 Dec— Mftrz 1275.) 

Schreiben des Erzbischofs Friedrich Ton Salzborg an König 

Rudolf 

Tribnlatio et angostia intumescunt adyersus ülormn fidelem 
promptitndinem, qni sab certe spei confidentia se 
Yestrsß Celsitudini in partibns Stjri« et Austri» 
snbmisernnt — Ad partes Austri« yenit rex prsedictus 
cum multitudine armatorum, Tolens eos subvertere, qui ad re- 
fngii Yestri gratiam diverterunt Hoc tempore hjemali dictas 
rex nee obsidione, nee exercitu pubhco nos iuTasit, sed solum 
victualia nostra fere omnia occnpavit Gonsilium nostmm est, 
ut devotos vestros in Austria et Stjria consolatoriis vestris 
affatibus visitetis. Hoc interdpite, alias sdstis pro &mo, quod 
qnidqnid concepimns in partibns Earinthise et 
Stjriffi, penitns dissolvetur. 
(1275, Mftrz.) 

Magnificentiffi Yestra exponere cogimur lacrjmose vel quera- 
lose, quod rex Bohemis victis aliis quasi omnibns 
sibi adversantibus solum nobis et ecclesi» 
nostrse extermininm in proximo comminatur. 

Bodmann, Cod. epist Rud. pag. 13 — 13. VgL Palacky 
n, 1, 241 Nr. 311. 



— 141 — 

121. 1275, 26. Jänner, Wien. 

König Ottokar von Böhmen gebietet dem Dietrich von Folm, 
Burggrafen zu Offenberg, und der Bfirgergemeinde von Chnatel- 
felde (Enittelfeld), die Gerechtsamen des Klosters Seckau in 
dem Dorfe Feistritz bei Prank nicht zu stören. 

Gop. im landsch. Arch. 1022. Emier 390 Nr. 937. 

122. 1276, 6. April, Brunn. 

König Ottokar nimmt das Kloster St Lambrecht und dessen 
Leute, desgleichen die Kirche zu Hof in seinen Schatz, indem 
er die Yogtei sich and seinem Landeshaaptmanne in der Steier- 
mark vorbeh&lt and dem Barggrafen za Grazlob (Grazlapp) jed- 
wede Belastung des Klosters verbietet 

Gop. im landsch. Arch. 1026. Emier 397 Nr. 963. 
128. 1275, 6. Mai, Wini-Landsberg. 

Hartnid von Cilli, Landrichter an der San, beorkandet die 
Bedingungen, unter welchen Gundacker von Königsberg aus der 
Haft des Bischofs Dietrich von Gurk zu entlassen seL 
Landsch. Arch. Cop. 1026'. 
124, 1275, 29. Mai, Prag. 

König Ottokar verspricht die Austragung seines Streites 
mit dem Erzbischofe Friedrich von Salzburg einem Schieds- 
gerichte zu überlassen, dessen Ausspruche er sich in Allem 
fügen werde. 
„ 29. Mai, Prag. 

Derselbe verspricht dem Metropoliten von Salzburg, dass 
er keine Widersacher und Feinde desselben, wess Ranges und 
Standes sie auch wären, in den Schlössern, Testen, Stftdten und 
Märkten seiner Länder aufiiehmen, noch deren Aufnahme dulden 
werde u. s. w. Ueberdies werde er jede Schädigung der Salz- 
burger Kirche durch seine Leute hintanzuhalten suchen. 

ürkk. im Wiener H. H. u. St-Arch. Tangl a. a.0. 174—6. 
126. 1276, 28. Juni. 

Ulrich, der Schenk von Habspach, Hauptmann des 
Landes Krain, derMark und Windischgraz, bestä- 
tigt die Freiheiten des Klosters in Obernburg in Bezug auf 
Gericht und Vogtei. 



— 142 — 

Orig. im landsch. Arch. 1027. Marian Austr. sacra VII. 
262 Nr. 6. 

126. 1275, 15. Ang., Burg Steier. 

Burkhard von Elingenberg, Marschall des Königreiches 
Böhmen, Hauptmann an der Enns (das ist des Landes 
Oesterreich ob der Enns) bestätigt das Patronatsrecht des Klosters 
Gleink auf die Kirche zu Hadershofen. 

Kurz Beitr. z. Gesch. des L. o. d. E. m, 355, ürkdb. 
d. L. 0. d. E. in. 431, Emier 408 Nr. 975. 

127. 1276, 19. August (Graz). 

Schiedspruch Ekkebard's von Dobrenge, des Notars Iring 
und des Marschalls Breweco, im Auftrage des Landeshaupt- 
mannes Milota, den Feistritzer Holzungsstreit zwischen dem 
Kloster Seckau und den Edeln von Massenberg betreffend. 

(Quod cum . . . prox. f. sec. post assumpt B. Yirg. i^ud 
Grsetz in cemeterio sancti Egidii iudicio prsesideremus.) 
Dipl. St}T. L 236—7. L.-A. 1028 Cop. 

128. 1276, 30. Aug., Eichhorn. 

König Ottokar beauftragt den Landeshauptmann von Steier- 
mark, Milota, dem Abte von Bein, in dessen Besitze die Ans- 
seer Saline sich befände, die daffir jährlich entfallenden 50 Marie 
zukommen zu lassen. 

Cop. im landsch. Arch. 1029, Emier 409 Nr. 978. 
Muchar 5, 369. 

129. 1275, 24. Nov., Nürnberg. 

König Rudolf gebietet allen ünterthanen, der Salzbnrger 
Kirche und deren Suffraganen Beistand bei deren Bedrängnissen 
durch die Feinde des Reiches zu leisten. 
L.-A. 1032 Cop. 

130. (1275—2276). 

1. Schreiben des Erzbischofes an König Rudolf, worin er 
die traurige Lage aller dem König und dem Reiche Getreuen 
in Steiermark, Oesterreich und Kärnten und die Nothlage der 
Salzburger Kirche, die Verwüstungen der Salzburger Besitzungen 
durch Ottokar's steiermärkischen Landeshauptmann, insbeson- 
dere in Kärnten, darstellt und erwähnt, dass man seine Stadt 



— 143 — 

;iqae qaondam caput Styri» fuit*' bis auf den Grand zer- 
stört habe. 

Bodmann Cod. epist Rnd. 136, Gerbert Cod. cp. Rad. 70. 

2. König Badolf vertröstet den Salzbarger Erzbischof and 
darch ihn aUe Getreaen, dass ihm darch eine Botschaft hinter- 
bracht warde, man sei gewillt, sobald die Eriegserklärang gegen 
den Böhmenkönig erfolgt, entschlossen, ihn von der E&mtner 
Seite anzagreifen. 

Lambacher ürkk. 100 Nr. LXV. 

3. Schreiben des Erzbischofes yon Salzbarg, worin dieser 
den König Rudolf auffordert, wider den ttbermüthigen und trotzi- 
gen Bischof von Seckau als Yer&chter des Kaisers und des 
Papstes einzuschreiten. 

Lambacher 106 Nr. LXIX. 

4. König Rudolf nimmt die Entschuldigungen des Seckaners 
in Bezug der diesem zngemutheten Schmähschriften gegen den 
König gnädig auf. 

Ebenda 107 Nr. LXX. 

5. Schwtdstiges Dankschreiben des Bischofs ?on Seckau. 
Ebenda 108 Nr. LXXI. 

131. 1276, 26. Febr., Prag. 

König Ottokar von Böhmen bestätigt dem Bischof Dietrich 
Ton Gurk den Besitz des Schlosses Anderburg, das Siegfried 
von Mflnchendorf sich zugeeignet. 

Cop. im landsch. Arch. 1036, Emier 419 Nr. 1001, 
(Muchar 5, 174 — 24. Febr.) 
182, 1276, 1. Mai, Brunn. 

König Ottokar entbietet allen Hauptleuten, Richtern und 
Pflegern in Oesterreich, Steiermark, Kärnten, Krain und in der 
Mark, dass, nachdem sich der Bischof Konrad von Freising, 
laut dessen vertraulicher Mittheilungen an den König, wegen 
gewisser schwieriger Geschäfte nach Baiern zurückgezogen habe 
und an ihn das Ersuchen stellte, sich seiner Besitzungen anzu- 
nehmen, der König seinen Kaplan Heinrich von Lak, Propst 
von Werdense, zum Verweser derselben bestelle. 

Zahn Cod. Fris. 331, Emier 424/5, Nr. 1016. 



— U4 — 

133. 1276, 3. Mai, Brüun. 

König Ottokar bestätigt den Rechtsspruch Ekkeharfs Ton 
Dobreng (1275, 19. ^ngust, s. o.) in dem Seckan-Massenberger 
Handel. 

Gop. im landscb. Arch. 1037, Emier 425 Nr. 1017. 

134. 1276, 3. Juni, Znaim. 

König Ottokar zuerkennt dem Hochstifte Salzburg das 
Eigenthumsrecht auf die drei Töchter Ekkehard's von Dobringen 
(Dobreng), seines Getreuen, der als Dienstmann der Salzburger 
Kirche eine Frau ehelichte, die dem König hörig war und mit 
ihr Knaben zeugte, die wieder dem Könige zugehörten. 

Hormayr Tschb. 1840, 603. Emier 426 Nr. 1022. 

135. 1276, 2. Aug., Prag. 

König Ottokar von Böhmen bestätigt die Privilegien des 
von weiland Leutold von Wildon neu gegrtLndeten St Kathrein- 
Klosters in Stainz und erklärt sich als dessen BeschQtzer. 
Cop. im landsch. Arch. 1041. Emier 432 Nr. 1037. 

136. 1276, 7. Sept, Prag. 

König Ottokar verleiht den Jndenburgem die Gnade, dass 

die dahin Waaren bringenden Lombarden oder Italiener (Latmi) 

dieselben ausschliesslich den Bürgern zu verkaufen schuldig seien. 

Horma}Vs Arch. 1818, 533; Abschr. im landsch. Arch. 

1043. Emier 432 Nr. 1039. 

137. 1276, 19. Sept, bei Rein. 

Die steirischen Adeligen; Ulrich von Heunburg, Heinrich 
von Pfannberg (comites), Friedrich von Pettau, Wulfing von 
Stubenberg, Herrand von Wildon, Heinrich von Stadeck, Otto 
von Liechtenstein, Gottschalk von Neuberg, Heinrich und Ulrich 
Schenken von Ramensteiii, Otto von Teufenbach, Cholo von 
Seldenhofen, Wühehn und Heinrich von Scherfenberg, Gottfried 
von Truchsen (Trixen), Cholo von Marburg, Hartnid von Leibnitz, 
Wilhehn und Heinrich von Schärfenberg, „ceterique ministeriales 
Styrise et Carinthise meliores** erklären, als getreue Yasalien des 
Reiches, dem König Rudolf ^^ einstimmig eidlichen Gehorsam ge- 
lobt zu haben **, auf alle Gefahr hin. Jeder Yerletzer dieses 
BOndnisses sei fär meineidig, rechtlos und verflucht zu halten. 



— 145 — 

Gerbert Cod. epist Radolphi Dipl. 199. Ranch öst Gesch. 
560, Böhmer Beichssachen 123; Regesten von 1254 
bis 1318 S. 360. Mnehar 5, 376—7. L.-A. 1043* Cop. 

Ergänzungen z. J. 1274: 

138. 1274, 11. Juli, Lyon. 

Papst Gregor X. beauftragt den St Pauler Abt mit der 
Untersuchung und Entscheidung der Klage des Salzburger Erz- 
bischofes Friedrich wider folgende Adelige: Graf Heinrich von 
Pfannberg, Albert von Prukperch, Friedrich von Pettau, 
Conrad von Schrankpaum, Albert genannt Zeysel, Ortlieb von 
Walde, Grimold von Prisingen, Heinrich von Taufkirch, Alblo, 
Wigand und Heinrich von Messenberch (Massenberg), welche 
einige Häuser, Grundstücke, Besitzungen und andere Gegenstände 
im Pfände halten, obschon sie davon übergrossen Gewinn zogen. 
L..A. 1010* Cop. 

139. 1274, 4. Aug., Hagenau. 

König Rudolf beauftragt die Bischöfe von Salzburg, Passau 
und Regensburg in ihren Kirchensprengeln Vorkehrungen mit 
dem Adel und den Ministerialen zu Gunsten der Wiederher- 
stellung des Reichsansehens zu treffen. 
Monum. Germ. Leges H. S98. 

140. 1274, 17. Sept, Lyon. 

Papst Gregorys X. ausführliche Weisungen an den Salz- 
burger Metropoliten in Hinsicht des projectirten Kreuzzuges; 
unter Andern bezüglich des Wucherzinses, der Juden und des 
Hundertsten der geistlichen Einkünfte. 
L.-A. 1013 b Cop. 



E X c u r s 

über die chronologischen Schwierigkeiten in der Erzählung der Reim- 

chronik von der angeblichen Verschwörung der steiermärki- 

schen Herren und König Ottokar's bezüglichen Massregeln. 

(Vgl. den III. Abschnitt des Textes.) 

Der Böhmenkönig trat die zweite Preussenfahrt im December 
1267 an, vermittelte zu Kulm am 3. Jänner 1268 den Friedens- 
ausgleich zwischen dem Pommernherzoge und dem deutschen Orden 

llltthell. des hlst. Yareina f. Bteiermark) XXlI. H^ft, 1874. 10 



— 146 — 

und mnss, laut einer Urkunde vom. 16 Febmar 1268, um diese 
Zeit nach Prag bereits heimgekehrt gedacht werden. (Vgl. Lorenz 
D. G. I. 266 — 6). Wahrend er bei der ersten Prenssenfahrt (1265) 
nnr fünf Wochen etwa gebraucht haben soll, um bis Königsberg 
vorzudringen, diesen Ort zu erobern und den Rückzug abzuthnn, 
brauchte er jetzt an sechs Wochen (3. J&nner bis 1 6. Februar), 
um die Hälfte des Weges im Yerhältniss zu dem damaligen Marsche 
zur&ckzulegen. 

Diese längere Frist käme also den von der Reimchronik 
berichteten Ereignissen, dem Lager bei Breslau, der Vorladung 
jener steiermärkischen Herren und ihrer Verhaftung — zu Gute. 
Es lässt sich nun zweieriei annehmen t Entweder hatten die Be- 
schuldigten den Kreuzzug nicht mitgemacht und wurden im Wege 
dreimaliger Vorladung aus der Steiermark entboten — oder hatten 
sie ihn mitgemacht und wurden auf der Heimfahrt dorch Eilboten 
vor den König gefordert. Für das Letztere spricht die Wahr- 
scheinlichkeit und die Logik der Thatsachen. Denn die Reim- 
chronik spricht nicht gegen diese Annahme ; sie selbst sagt (pag. 94) 
zu dem Kreuzzuge „warn auch die Herrn chomen vonSteyr 
vnd von Oesterreich** und da kann man denn doch nicht leicht 
die Vordersten der steiermärkischen Adelsschaft, die Pfannberger, 
den Stubenberg, Wildonier und Ulrich von Liechtenstein abwesend 
denken. Ebensowenig gilt als ein Beweis dagegen die Angabe der 
gleichen Quelle, Ulrich's Sohn, Otto von Liechtenstein, sei bei der 
Prenssenfahrt „Marschall der steiermärkischen Rotten^ gewesen. 
Das Zurückbleiben des Pettauers in der Umgebung des Königes, 
seine Denundation, die Vorladung der heimreisenden Adelsgenossen 
durch Eilboten in das Lager u. s. w., lässt sich dann chronologisch 
ganz anders begreifen, als wenn man von der erstem Ansicht 
ausginge, wonach der König im Lager vor Breslau so lange hätte 
liegen müssen, bis (in der Winterszeit!) die dreimalige (!; Voiia- 
dung in die Steiermark erging und die Vorgeladenen aus diesem 
Lande nach Breslau kamen. Ein Verlegen des Ereignisses in die 
Zeit von 1268 — 9 würde dagegen alle Ortsangaben der gat 
unterrichteten Reimchronik über den Haufen werfen. 



Yerbeiifrangen. 

S. 48, 2. 2 V. u. statt: Rheimchronik ). Reimchronik; S. 80, Z. 3 v. 
u. statt: ersehen 1. zu ersehen. 



c. 



Kleinere Aufsätze 



und 



Mittlieiluiigen. 



10* 



149 



Steiermärker auf auswärtigen Hochschulen. 



»Studiren jetzt viel Deutsche von Adel zu Bologna?*' l&sst Goethe 
im Götz ^von Berlichingen** den Bischof von Bamberg fragen; und Olearius 
erwidert ihm : „Vom Adel- und Bürgerstande, und ohne Kuhm zu melden, 
tragen sie das grösste Lob davon. Man pflegt im Sprichwort auf der 
Akademie zu sagen: So fleissig wie ein Deutscher von AdeL Denn indem 
die Bürgerlichen einen rühmlichen Fleiss anwenden, durch Talente den 
Mangel der Geburt zu ersetzen, so bestreben sich jene, mit rühmlicher 
Wetteiferung, ihre angeboine Würde durch die glänzendsten Verdienste 
zu erhöhen;^ und fährt dann fort: „Ja, sie sind die Bewunderung der 
ganzen Akademie. Es werden ehestens einige von den Aeltesten und Ge- 
schicktesten als Doctores zurückkommen. Der Kaiser wird glücklich sein, 
die ersten Stellen damit besetzen zu können.^ — So war es auch in der 
That, wie es Goethe schildert Die Zahl der Deutschen, welche nament- 
lich im 16. Jahrhundert italienische Hochschulen besuchten, war eine 
grosse. Mehrere Forscher, wie Savigny, Stobbe, Stintzing, Tholuck u. a. 
haben bereits gelegentlich mehrfach auf dieses Vorkommniss hingewiesen; 
neuerdings handelt Adolf Stölzel in seinem rechtsgeschichtlichen Werke: 
„Die Entwicklung des gelehrten lUchterthums in deutschen Territorien^ 
(2 Bände, Stuttgart i872) im § 2: »Beziehungen Deutschlands zu aus- 
ländischen Hochschulen'^, von der Verbreitung deutscher Studirender auf 
auswärtigen, besonders italienischen und französischen Universitäten und 
führt eine grosse Zahl solcher aus den verschiedensten Städten und 
Ländern Deutschlands vom 18. bis zum 17. Jahrhunderte an. 

Aus diesen werthvoUen queUenmässigen Nachweisungen mögen hier 
diejenigen Angaben hervorgehoben werden, welche Steiermark betreffen. 

^Die ersten Deutschen, '^ sagt Stölzel (L 44)» welche nachweisbar 
italienische Bechtsschulen bezogen (um 1280 bis 1270), sind Theologen, 
die zur Stütze ihrer Eeuntniss des canonischen Bechtes mit dem römi- 
schen Rechte an der Quelle sich vertraut machen oder die auch lediglich 
in ihrem Specialfache, in der Theologie, sich vervollkommnen wollten. In 

diese Kategorie gehört der Abt von Admont (in Steiermark), 

welcher um 1270 neun Jahre lang in Padua Logik, Philosophie und 
Theologie hörte." — Dieser Abt von Admont ist Engelbert, zngenannt 
„Pötsch", welcher im achten Jahrzehent des 18. Jahrhunderts zu Prag 



— 150 — 

und sp&ter zu Padua bei dem berOhmten Lehrer Wilhelm zu Bresda phi- 
losophischen nnd theologischen Stadien oblag and es zu hoher wissen- 
Bchaftlicher Bildung brachte. Nach dem Tode des yielgenannten Abtes 
Heinrich, Landeshauptmanns ^ and Landschreibers in Steiennark anter 
Herzog Albrecht L, wurde im Juni 1297 Engelbert durch einstimmige 
Wahl der Stiftspriester zum Abte Ton Admont erhoben; er zeichnete sich 
sowohl durch seine Gelehrsamkeit und seine zahlreichen Werke geistlichen 
und weltlichen Inhalts, als durch seinen sittenreinen Lebenswandel und 
durch die treffliche Verwaltung des Stiftes aus, an dessen Spitze er sich 
bis zu seinem am 10. April 1827 erfolgten Tode befand '). 

Besonders lebhaft wurde dieser geistige Verkehr zwischen Dentsch- 
land und Italien im 15 Jahrhunderte und steigerte sich tris gegen das 
Ende des 16. Jahrhunderts. „Wenn in der ersten Hftlfte des 15. Jahr- 
hunderts die Verbindung deatscher Becfatslehrer mit Italien begann, so 
wird doch erst in der zweiten Hilfte des 16. Jahrhmiderts der Besuch 
italienischer Hochschulen, namenüich Padua's, seitens deatscher Juristen 
ein allgemeinerer. Damals steDte sich mehr und mehr die Sitte fest, statt 
einen langjährigen Aufenthalt auf den fremden üniTersitftten zn nehmen, 
dieselben zu bereisen <). Die Zahl der Monate, welche man an einzelnen Uni- 
▼ersit&ten Italiens oder Frankreichs verweilt, erreicht am Ende des 16. Jahr^ 
hunderts kaum die Zahl der Jahre, welche ehi SAcolom froher die Deot- 
sehen an diesen Orten ihren Studien widmeten.^ 

Besonders gross war die Zahl der deutschen Stadirenden auf den 
Hochschulen zu Padua, Pavia und Perugia, wie die dortigen Matrikeln 
nachweisen. In Padua sammelte sich zu juristischen Stadien der Adel ans 
den damals protestantischen L&ndem Steiermark und Kärnten, sowie 
das Patridat des protestantischen NQmberg, während zu gleidiem Zweite 
in dem von Alters her gut päpstlichen Perugia der Adel aus den katho- 
lischen Tfrol mit dem katholischen Patridat von Augsburg zusammentrat 

ffüeber die Verbreitung der deutschen Stndirenden anf fremden Hoch- 
scholen, sowie aber die Zeit ihres Ai^BothaHes auf denselben geben die 
m Dentschland noch mannigfach vorhandenen Stammbücher solcher Sta- 
direnden interessanten Aufschhiss, ja den besten, der behn Mangel der 
Matrikeln wohl zu erlangen ist'' Stölzel benfltzt au diesem Zwecke sieben 
solcher Stammbücher; eines von diesen und zwar das Zweitälteste und 
bei weitem reichhaltigste (es um&est die Jahre 1578— 15S2 nnd befindet 
sidi anf der Bibliothek zu Kassel) ist das des Steiennärkers Gregor 



«) MocIiMr. OMehiekU der Steiennark YI, US lad S43. ~ Picbe: KnnvefeNte OeediehAe 
des Benediettnenüftes AdmonL (Gras i86S) 8. tl, und Fachf : ,^bi Eageibert Ton 
AdmoBt» in diesen MittheUnngen XI. 90- iSO. 

*) ^hren Höhenpnnkt erreicht diese Sitte im i7. Jshrhvndexi, in welchem die ^peregxi- 
natio scademica** als ordnvngsmftssiger AbscUvss erforderlieli wurde. Tbolnek: das 
akademische Leben des i7. JahrhnnderU. BaUe i85t— 54. I. S05 ff.** 



— 151 — 

Die Ftmilie Amman*) stammt aus Regensborg; Qregor's Vater, 
Caspar, trat um das Jahr 1650 zor evangelischen Lehre über, diente die 
ganze Zeit seines Lebens dem Hanse Oesterreich nnd wurde vom Kaiser 
Ferdinand I. mit dem Prädicate «von Ammanseck'' in den Adelstand er« 
hoben. Zwei Söhne Gaspur Amman's, Mathias und Gregor, treten in 
Steiermark auf; sie sind in der Zips in Ungarn geboren und wanderten 
um 1568 in Steiennark ein. Mathias Amman, seit 1575 Obersecretftr der 
Bteiermirkischen Landschaft in Graz *), würde 1578 auf dem allgemeinen 
Landtage der drei Länder Steiermark, Efimten und Erain zu Brack a. d. M. 
in die steiermäridsche Landmannschaft aufgenommen. Gregor Amman 
ist, wie er in seinem Gesuche um Erlangung der Landmannschaft sagt, 
in Graz „bey einer ersamen Landschafift Schaelen alhie in guetten Sitten 
und Sprachen erlernet und erzogen worden^^ Er hat „hernach in Deutsch« 
landt, wie auch in Italia und Franckhreich in die 15 Jhar bey ehrlichen 
unnd gelerten Leutten etwas zu erlernen und zu erfaren^' zugebracht; 
auf seinen Reisen traf er mehr&ch mit Steierm&rkem zusaomien („wie 
dann etlichen Herrn unnd Landtleuthen, weiche auch damals deren enden 
gewesen, mein thuen unnd leben bekannt ist'' ) Von August 1578 bis dahin 
1579 war er in Padua, den Winter von 1579 auf 1580 benfltzte er zu 
einer Beise durch Italien, auf welcher er sich in Bologna einige Tage, 
in Perugia einige Wochen und in Siena etwa drei Monate aufhielt Vom 
Mftrz 1580 bis Februar J582 blieb er wieder in Padua, von da bis Ende 
1582 aber hielt er sich in Bourges auf. Das erste Viertel des folgenden 
Jahres (1583) verbrachte er in Paris, von da besuchte er auf einige 
Wochen London; im Mai 1588 reiste er Ober Paris nach Bourges zurück 
nnd trat Ende October die Heimkehr Ober Lyon, Genf, Basel und Strass- 
burg an Der Aufenthalt an letzteren vier Orten umfitsste zwei Monate ^). 
Bald nach seiner Rttckkehr erlangte er (am 19. Mftrz 1585) Über sein 
Ansuchen die steierm&rkische Landmannschaft ^) und wurde Beisitzer des 
Landes- und Hofrechtes (Hofgerichtes) einer ehrsamwi Landschaft in 
Steyer. Als solcher wohnte er von 1566 an in Graz'). Am 26. Mai 1596 



•) BMltal I. 64—66. Sodftmii Aeten das ■tei«Tm&rkiiek«n LuduArchha, DMientlieli ^m 
Oeraeh Qtfwa xm JErlaagiutf der Ti>ndmMimichftft voa i58fi, XatriJkelbiudi dar Henen 
und Landleate in Stejer, die QaitenaQ&andnngsbflcher, die Steaerbüehcr und Stadl's 
EhrenspiegeL 

i) Schon 1563 war er auf „yerBnch** Sekxet&r der steierm. Landdchaft, l575 wurde er 
OberMkrettr, l684 trat er aus. Im Jahre i60l etarb er, uacbdem er am l. Jteaer des- 
selben Jahres xu Orax testiit hatte. In zweiter (f) Bhe besass er seit l. August 1598 
die Dorothea Hirsch, welche spater den N. Yenediger ehelichte und in diesem Ter- 
hUtnisse ddo. Graz, 80. October l6l8 mit ibreu Ansprflchen abgefertigt wurde. 

*) Die Zeitangaben beruhen auf den im Stammbuch ersichtlichen Daten. 

') Matriculbuch deren Herren unnd Landleuien inStejerab anno 1568 iF. sub yoce Amman. 

*) Auf Folio 28lA des Stammbuches ueunt ihn ein damals in Gras ▼«•rweilender Belgier : 
patronns elientis infeUcis BelgU eins. — FoL 18, Fol. seS8/b u. a. a. 0. desselbem wird 
er magitter artium, juris et ottcii peritiss mus genannt 



— 152 — 

▼enn&hlte er sich zu Judenburg mit Apollonia Goldtechanin, Tochter des 
Hanas Goldtschan zu Klaffenao and der Frau Apollonia Ton Dietricfa- 
stein"). — In der Zeit von 1560 bis 1600 hatte sich, wie sich aas den 
betreffenden Gfiltenaufsandungsbflchem und aas den Steaerbüchem ergibt, 
der Grandbesitz der Familie Amman in Steiermark namhaft vergrossert; 
sie besass Grottenhofen, wo Mathias Amman eine evangeliscfae Kirche 
erbaat hatte, welche 1600 bei der Gegenreformation zerstört worde, so- 
dann Saldenhofen, Wiederdriess, Gfilten bei Homegg and Wildon and 
die Herrschaft Pachenstein an der Draa. 

Durch die Gegenreformation wurden die Amman's, wie so viele andere 
adelige und borgerliche Familien, zum Verkaufe ihrer Gflter und zor 
Answanderung genöthigt So verkaufte Gregor Amman im Jahre 1607 alle 
seine Gölten um Wildon an Herrn StObich zu Spielfeld '). Von da an ver- 
schwindet die Familie ..mman aus den steirischen Archivalien; sie scheint 
also kurze Zeit nachher ausgewandert zu sein ; denn in einem Verzeichniss 
österreichischer Exulanten'^ vom Jahre 1629 findet sich die Familie 
Amman mit neun Personen verzeichnet, Gregor ist jedoch nicht darunter. 

Ueber die in die oben erwähnten Stammbücher eingetragenen Namen 
sagt Stölzel (L 69): „Die grosse Mehrzahl der in diese sämmtlichea 
Stammbücher (also auch in das Amman's) Inscribirten sind Deutsche 
und Juristen. Letzteres ist theils desshalb anzunehmen, weil die Besitzer 
der BOcher Juristen waren, theils ergibt es sich aus einzelnen den Namen 
beigeftigten Zusätzen oder aus den gewählten DenksprOchen. Neben den 
Studirenden haben sieh auch Lehrer eingeschrieben, so in Amman's Stamm- 
buch drei Peruginer Jnrisconsulti: Bemhardin Alphanns „trinepos BartoM^, 
Johann Paul Lanzelott und Rainaldus Radolfinus; sodann Gvgacius 1582 
in Bourges, Menochius, wahrscheinlich in Pavia, Muretas 1579 in Rom, 
Joseph Scaliger 1582 im Hause des Cujaz zu Bourges, Johannes Hoto- 
mann 1588 in London (am Hofe der Königin von England) und dessen 
Vater Franz Hotomann, Ende desselben Jahres zu Basel, Johann Padus 
1582 und Johann Jacob Grynäus 1583 ebendort u. a. m. Die Zahl der 
sänuntlichen Inscriptionen beträgt bei Amman etwa 180." — Auf Padua 
entfallen bei ihm 69 Deutsche, von diesen gehört fast die Hälfte dem 
Adel an und zwar bei weitem der grösste Theil dem österreichischen 
(z.B. die Namen Windischgrätz 1 0? Polheim, Jörger, Dietrichstein), meh- 



•) SUdl Ehrenspiegel IL 4l8. 

*) Oflltenanftandnngsbncli Band 8, Folio 25, 26. 

!<*) Anzeiger fQr Knnde der dentsehen Vorzeit 1862, Sp. 356. 

^■) Stölzel führt I. 70 unter dem österreichischen Adel auch die Tantenborg an; die 
Familie Schenck Ton Tantenbnrg und Yarila oder Vargula ist aber thttringischen Ur- 
■prungs nnd hatte den Namen Ton den SchlOnem Tantenbnrg bei Weimar und Yar- 
gnla bei Erfbrt ; Oeorg Schonck von Tantenbnrg war Statthalter Ton Friesland, wesshalb 
sein Sohn Friedrich (Stolze*! II. 23) ein Friese genannt wird. Oanhe: Adels-Lezicon. 
Leipzig l7l9, Sp. 1437—1440. 



— 153 — 

rere auch dem bairischen (Staufenburg, Rotenhan), dem preussischen Scha- 
lenburg, Dohna, Canitzi, dem sächsischen (Herda, Nostiz, Liebenstein), 
einer dem mecklenburgischen (Schliefen^. Unter den 89 Namen aus bür- 
gerlichen Geschlechtem sind nur acht Oesterreicher. Ans Amman's Stamm- 
buch und aus den fibrigen lässt sich leicht entnehmen, dass in Padna 
Mittel- und Norddeutschland schwächer, Baiem und Oesteireich stärker 
vertreten war, dass aber namentlich die bürgerlichen Elemente aus aUen 
Theilen Deutschlands sich dort zusammenfanden, während der Adel meist 
aus den nahe gelegenen österreichischen Landestheilen herbeizog. Bologna 
scheint für den Besuch von Deutschen, namentlich von Protestanten ganz 
unbedeutend gewesen zu sein ; Anmian hielt sich nur einen Tag dort aof 
und hat nur zwei dort studirende Nürnberger in seinem Stammbuch ver- 
zeichnet In Perugia fand er 3, in Siena 6, in Paris 7 und in Bourges 
21 Deutsche. 

Im zweiten Bande seines Werkes (S. 9—38) fährt Stölzel alle Namen 
von Deutschen an, welche er in den sieben von ihm durchforschten Stamm- 
büchern und in der Matrikel der Universität Perugia von 1511 bis 1656 
verzeichnet gefunden; in vier dieser Stammbücher, nämlich in denen des 
Steiermärkers Gregor Amman, des Hessen Heinrich Hartmann, des aus 
Leipzig gebürtigen Georg Schelhamer und des Hannoveraners Otto Weck, 
sowie in der Peruginer Matrikel finden sich Männer, welche der Steier- 
mark durch Abstammung, Besitz, Wohnort oder dgl. angehören; die 
Namen dieser mögen nun in alphabetischer Ordnung folgen: 

1. Phil. Fridericus Brei n er. Padua, 8/9. 1581. 

2. Sigefridus Christoph Breiner. Padua, 8 9. 1581. 

3. Joannes Breiner. Padua, 8/9. 1581. 

4. Frederi^us Gattia, Styrus Graecensis. Perugia, die 20.Decembris 1642. 

5. Ditrichstein, Carl von, Freiherr in Hollenburg und Finkenstein, 
£rbschenk von Kämten. Padua, 18/5. 1581. 

6. Donnersperg Daniel. Leobii, 27/9. 1581- 

7. Dornsperger Michael. Leoben, 24,9. 1581. 

8. Joh. Josephus Carolus i Barones in Egk undHungerspach, Fratres. 

9. Innoc. Gg. Adam. \ Padua, 1608. 

10. Ferdinando Fleishaier, Styrus Grsecensis. Perugia, die 23. De- 
cembris Anno 1642. 

11. Severinus Amand Gabelhover, Styrogrsecensis. Padua, 1605. 

12. Johannes Franciscus de H a v n, Styrus. Perugia, 9. Novembris Ao. 1610. 
18. Hof mann, Joh. Adam, Freiherr in Grunpach und Straha (Grttnbichl 

und Strechau). Padua, 22/8. 1579 

14. Idungspens^^) David ab, Styrus. Padua, August 1579. 

15. Idungspeus**) Wolfgang, Styrus. Padua, August 1579. 

16. J ö r g e r Jok, io ToUeth u. Gozelstorf, Freih. in Creuspach, Padua 1579. 



**) und *') soll heissen Idnngspeug. 



— 154 — 

17. Jörger JoL GhriBtoph, in Beuth und Ottenshemi, Freiherr in Creiuh 
pach. Padua, 1579. 

18. JoMmes EmfndQS Jörger, Liber Baro de GreuBsbach. Orleans 1601. 

1 9. Joannes Maximilian J er g e r, Liber Baro de Crenssbach. Orleaas 1601. 
ao. Joannes finuiou J erger, Liber Baro de Crenssbach. Orleans 1601. 
81. Ortnerns Wo]%., Stiiensis. Padna, Warz 1579. 

22. Leopoldo Paniquar, Styrus QrsscensiB. Peragia, die 10. Kovembris 
1628. 

23. Polhaim, Gg. Bnpertns, Freiherr in; Padoa, 9/10. 1578. 

24. Polhaim Andr. Wolfg., Freiherr in; Padna, 12/10. 1578. 

25. Gg. Ajchatias Liber Baro de Polheim. Paris 1606. 

26. Georg Eerenreich Freiherr von Stadt *^) aof Bieckersbnrg. Paris 
1601. 

27. Stahrenberg Georg Achatz, Herr von. Venedig, 2 1/9. 1 578. 

28. Stnbenberg Badolf, Freiheir Ton. Padna, 1/6. 1581. 

29. Stubenberg Caspar, Freiherr von. Padua, 1581. 

80. Thamhausen*») Georg, Freiherr von. Padoa, 18/5. 1581. 

81. Thamhausen*^) Christoph, Freiherr Ton Padna, 18 5. 1581. 

82. F. Thomas Elenis <?), in Superiori Stiria (ohne Orts* und Zeit- 
angabe). 

88. Adam Herr t. Trantmannstorf auf Gleichenberg, Kega und Porgaa. 

Lyon, 1601. 
34. WeisBuegg*^) Job., Styrus. Padua, August 1579. 

85. Wclzer Mauritius, in Halleg und Lemberg. Padoa, 18/5. 1581. 

86. Welzer Christoph, Yitus. Padna, 18/5. 1581. 

37. Sixtus Werner US, Vogt de Altensum .... au a Prasberg*^. Pe- 
rugia, die 4. Junü Anno 1599. 

88. Windischgr&tz Andreas, von Padua, 12/11. 1560. 

89. W indischgrätz WUh. von, Freiherr in Valle and Waltstein. Padna 
6,9. 1578. 

Von diesen Namen befinden sich im Stammbuche Sehelhamers die 
unter Nr. 1, 3, 8, 82, in dem Amman's die unter Nr. 5, 6, 7, 13, 14, 16, 
16, 17, 21, 23, 24, 27, 28, 29, 30, 31, 34, 35, 36, 38, 89, in dem Weck's 
die unter Nr. 8, 9, 25, in dem Hartmann's die nnter Nr. 11, 18, 19, 20, 
26, 33 und in der Peruginer Matrikel die unter Nr. 4, 10, 12, 22, 87 
verzeichneten. 

In Amman's Stammbuch findet sich. der Name „Gugel, Gdiph. Adr., 
Noricus. Padoa, 23,2. 1581*' und bei Schelhamer: „Georg Graft 
Noricus, 34. 1582 Florenz" und „Jacobus Fnrer N. (» Noricus) 



») Soll beiden 8t«dl. 

tt) Thaiinlialueft. 

*•) Weissoneck? 

'^) Pruberg im Sannfchale in üntersleiernArl:. 



— 155 — 

oomes per Galliam"; Lyon, 7/6. 1582; ob sich die Abstammung Nori- 
cos auf Steiermark, Tom römischen ProYinznamen Noricnm, oder auf 
Nfimberg (lateinisch Norimberga) besieht, wage ich nicht zu entscheiden; 
Gngel und Graff sind bttrgerliche Namen, welche jetzt noch ziemlich häu£g 
in Steiermark Torkommen; ein reichsritterliches Geschlecht „Führer" i'), 
seit 1621 „Ton FtUurenberg'S blOhte vom 16. bis zum 18. Jahrhunderte in 
Steiermark. 

Dr. Frans llwof. 



Zur 

Biografle des Rottenmanner Notars Ulrich Klenneker. 



in den Beiträgen zur Kunde steir. Gesch. Y, 88, werden aber den 
Notar Ulrich Eienneker von Rottenmann, den Verfasser eines in der 
königl. Bibliothek zu Dresden handschriftlich vorhandenen Formelbuches, 
biografische Notizen geliefert, welche in Regeatenform die Zeit von i452 
bis 1475 umfassen. Diese Daten besagen, dass Klenneker Borger zu Rot- 
tenmann und daselbst wohnhaft gewesen sei. Ich bin so glflcklich, nach- 
stehend die Regesten von vier noch vorhandenen Admonter Archivsur- 
kunden zu verzeichnen, welche Aber die Lebens- und Familienverhlitnisse 
unseres denkwürdigen Rottenmanners einiges Licht zu verbreiten geeignet 
sind. Aus diesen geht auch hervor, dass Klenneker im Mai 1482 nicht 
mehr unter den Lebenden war. 

1482. 15. Mai (an dem L Auffiart abnt). Anna, Ulrich's Klen- 
negker, B&rger zu „Rottnmon*' ehliche Hausfrau und „gelassne 
Witib*', und Sosanna, Beider ehliche Tochter, verkaufen dem „Meister 
Walthasar Pader, Borger „zum Rottenmon" ihr freies Burgrecht, Haus, 
Hofstatt und einen Theil ihres Gartens zu R., anrainend an die Gmayu- 
gassn so man hinauf zum Purgtor get und undn an unser Hofstat und 
obn auch an unser garttn ... bis an die Statmawr und vor gegn des 
Klosters Paumgartta.'' Orig.-Pg. Siegler : Paul SeherU, Stadtrichter in R. 

1490. 28. Juli (Freytag vor Sandt Jacobstag des h. Zwelifpoten). 
Suiaana, Ulreich Klennegker's sei. Borgers zu Rottenmaan ehliche 
Tochter, verkauft dem Walthasar Pader, Bürger daselbst, Stadl, HoflBtatt 
und zwei „pengartn*^ gegm dem, dass ihr und ihren Nachkommen davon 
vier Pfond Pfen. ewiger Gült gereicht werden sollen. Orig. Pg. Siegler: 
Staiintzinger, Stadtrichter zn R. Lazarus Khewtzl von Gastein. 



**) Sokanti: Historitth-toposrftpUMhM Ltsicon Ton SteiMMark. (GrUslStS) I. 4S«. 



— 156 — 

1491. 7. Mai. (Samstag nach Sannd Florianstag) Jacob Storch ,,ziim 
Rottenmann*' und dessen Hausfrau Sosanna, Ulreich Klenegkers seL 
Tochter, verkaufen dem Friedrich Hoffinann zu Yarmach, Landpfleger im 
Ennsthale und Mautner in Bottenmann, vier Pfd. Pfen. jährlicher Galt 
von dem Burgrecht, Hofstatt, „Padhaws'^, Stadel und Baumgarten bei dem 
Burgthore zu B., welche Stücke schon früher (1462, 1490) an Balthasar 
den Bader veräussert worden waren. Orig. Pg Siegler: Lienhard Stäntzin- 
ger, Stadtrichter, und Conrad Lederpegkch, Batsgeschwomer zu R. 

1498. 8. Februar. (Phintztag vor Sand Appoloniatag). Walthasar 
Pader zu Bottenmanu verkauft dem Friedrich Hofimann zu Grünpüchl 
Badhaus und Hofstatt und ein Häusel „undtn dran gegen den Bropst- 
hof' zu B., dann einen Baumgarten und Stadel pebst der Gerechtigkeit 
der „Wasserfuerung in das Padhaws", welche Stücke er von Anna El e n- 
negkerin und deren Tochter Susanna erkauft hatte Orig. Pg. Das 
Siegel gebrochen. Siegler: Conrad Lederpegkch, Stadtrichter zu B. 

P. Florian Kinnast. 



Literatur. 



Geschichte Erain's von der ältesten Zeit bis anf das J. 1813, 

von August Dimitz. Laibach, Eleinmayer und Bamberg. 1874, 1. 
bis 8. Lieferung (YH und 336 S.) 

Der Herr Verfasser, bis zum Jahre 1868 als Bedacteur der seither 
leider, wie es scheint eingegangenen Mittheilungen des historischen Ver- 
eines für Erain thätig, und durch seine fleissigen Arbeiten zur Beforma- 
tionsgeschichte seines Heimatslandes vortheilhaft bekannt, bietet uns in 
den vorliegenden Heften den Anfang eines Unternehmens, welches mit 
Freuden zu begrüssen ist So wichtig uud interessant die Geschichte des 
kleinen Herzogthums Krain ist, so gebrach es doch vollständig an einer 
brauchbaren Bearbeitung derselben seit den Tagen Valvasors. Trdina's 
Zgodovina slovenskega näroda, obgleich von der Laibacher Matica slo- 
venska als Erstlingsgabe herausgegeben (1866), zfthlt nicht, Linhart's 
Versuch einer Geschichte Erain's umfasst leider nur die Urgeschichte 
bis zu den Karolingern, Vodnik's Geschichte des Herzogthums Erain, des 
Gebietes von Triest und der Grafechaft Görz (1809) ist ein verschoUenes 
Schulbuch, Elun's Archiv für die Landesgeschichte Erain's durchaus un- 
genügend u. s. w. — Desto dankbarer ist es anzuerkennen, dass der Herr 
Verfasser vor den Schwierigkeiten nicht zurückschreckte, trotzdem die 
Zerstreutheit des QueUenmaterials sehr empfindlich ist Mit Vorbehalt 



— 157 — 

einer eingehenden Besprechung, welche nach Erscheinen des ganzen 
Werkes erfolgen soll, sei heute nur darauf hingewiesen, dass hier, ent- 
gegen den einschlägigen TheUen der Handbücher fbr die Geschichte 
Steiermarks und Eftmtens, in der Behandlung der Urgeschichte und des 
Mittelalters eine wohlthfttige Oekonomie des Raumes vorherrscht, indem 
beispielsweise die dritte Lieferung mit der Regierungszeit Kaiser Fried- 
rich UL abschliesst Wir wünschen dem nett ausgestatteten Werke, dessen 
erster Band hiemit vollendet ist, auch in den Nachbarlanden die Theil- 
nahme, die es beanspruchen kann und sind überzeugt, dass sich dieselbe 
mit jeder neuen Lieferung steigern wird, zumal es dem Yer&sser möglich 
war, für die Zeit seit dem 16. Jahrhunderte neue und bisher unberührte 
Quellen zu benutzen. 

L. 

Die Eöflach-Wieser Bahn in Steiermark, mstor. topographische 

Beschreibung mit Andeutung der Nebenwege. 82 £ 

Die Baaber Bahn (nngarische Westbahn) im Bereiche der 

Steiermark. Ein Vademecum für Touristen auf derselben. 21 ff. 
Beide von Josef Carl Hofrichter, k. k. Notar in Windischgraz. 

Beide Schriftchen des durch seine touristischen Publicationen be- 
kannten Verfassers seien darum hier empfohlen, weil in ihnen nicht nur 
die landschaftlichen Vorzüge, sondern auch die geschichtlichen Merkwür- 
di^eiten der Tön diesen Schienensträngen durchzogenen Gebiete in popu- 
lärer Weise Beachtung finden. 

L. B W. 

Die Gründung der Benedictinerabtei Admont 7 er 800 Jahren, 

von Dr. Gregor Fuchs. Leoben 1874, 73 S. (Im 8. Jahresbericht des 
landschaftlichen Realgymnasiums zu Leoben.) 

Geschichte des Benedictinerstiftes Admont von den ältesten 

Zeiten bis znm Jahre 1177. Von P. Jacob wich n er. Graz. 
1874. Selbstverlag des Verfassers. (VIII und 348 S.) 

Das ehrwürdige Fest der achten Jahrhunderts-Feier, welches die 
Abtei Admont am 29. September d. J. beging, hat zwei seiner Mitglieder 
zur Abfassung von Gelegenheitsschriften bestimmt Dieselben sind, wie 
ihrem Umfange nach, so auch durch den Zweck unterschieden, von wel- 
chem sich die Verfasser, neben der beiden gemeinsamen Äusseren Veran- 
lassung haben leiten lassen. Dr. Fuchs, der in einer bereits frtther er- 
schienenen Geschichte des Benedictinerstiftes Admont eine recht übersicht- 
liche Darstellung der Geschicke seines Mutterhauses geliefert hatte und 
auch durch seine monographischen Arbeiten über einzelne Aebte bekannt 
ist, bezeichnet seine in Frage stehende Arbeit selbst als blosse histo- 



— 158 — 

riscfae Remmiscenz. In anspruchsloser Weise 8<Mägt er darin den Ton 
eines freundlichen Erzählers an, der zwar in den Quellen wohl bewan- 
dert ist, eine kritische Abwägung derselben jedoch Termeiden will, um 
nicht 80 manche liebgewonnene Sage der historischen Wahrheit opfern za 
rnftssen. 

Anderer Art ist P. Wiohner's Unternehmen, das sich in der Vor- 
rede als den Anfang einer umfassend angelegten Geschichte der Abtei 
bezeichnet, einen erschöpfenden Quellenapparat mit grossem Fleisse bei- 
bringt und eine raisonnirende Verarbeitung desselben versucht Da wir filr 
heuer mit Blicksicht auf den Umstand, dass uns das vierthalbhundert 
Seiten starke Werk erst knapp vor Abschluss dieses Vereinsheftes zukam, 
auf eine eingehende Besprechung desselben verzichten mfissen, so be- 
schränken wir uns auf einige Bemerkungen, die sich uns bei Durchsicht 
desselben ergeben haben. Die Anlage der Arbeit ist offenbar zu breit 
ausgefallen. Würde in gleicher Art fortgefahren, so könnte die Geschichte 
der Abtei nicht gut unter ein paar tausend Seiten bis zur Gegenwart ge- 
langen. Dies kann vermieden werden, wenn die Scheidung zwischen Quel- 
lenbeleg und erzählendem Texte schärfer eingehalten wäre, und neben dem 
rein chronologischen Momente auch noch andere f&r die Gliederung des 
Stoffes aufgesucht und verwendet würden. So sehr wir es billigen, dass, 
zumal für die ältere Zeit, ein vollständiger Abdruck des nach dem 
Brande von 1865 noch vorhandenen Quellenstoffes beigegeben wird, so 
wenig will uns die Nothwendigkeit einleuchten, dass eine jede der zahl- 
reichen Traditionen und Urkunden bei dem betreffenden Jahre angemerkt 
und oft sogar mit Namensnennung wiederholt werden müsse. 

Aus diesem Mangel der ursprünglichen Anlage erwuchs von selbst 
jene Unübersichtlichkeit des Buches, welche nicht einmal durch das 
umfongreiche Register behoben werden konnte. Ohne irgend einen Abschnitt 
läuft nämlich der Text vom Anfange bis zu Ende, und wer sich z. B. 
über den bedeutenden Einfluss belehren will, den das Benedictinerstift 
auf die Gultur der Steiermark genommen hat, wird sich den Stoff dazu 
aus einem Dutzend von Schlagworten: Bibliothek, Bilder des heil. Thiemo, 
St. Gallen, Werke der Aebte Gottfried und Irimbert u. dgl. m. mühsam 
zusammensetzen müssen. Was endlich das Register anbelangt, so wäre 
dessen Ausdehnung auf die Urkundenbeilagen erwünscht und hinsichtlich 
der Anlage zu empfehlen, dass die Angehörigen eines Klosters oder Bis- 
thums im engeren Sinne, nicht nur unter ihrem Tauf- oder Zunamen, son- 
dern, was hier wichtiger ist, auch bei der betreffenden Abtei n. s. w. auf- 
geführt erscheinen. 

Wir empfehlen das hübsch ausgestattete Werk allen Freunden der 
Landesgeschichte aufs Beste, da es durch den Abdruck von 66 Urkun- 
den aus den Jahren 860—1171 und die meist in die Noten verwiesenen 
Klost^rtraditionen ein wichtiges, zum guten Theüe noch nicht gedrucktes 
historisches Material beibringt, und wünschen dem Verfiuser, dessen Ver- 



— 159 — 

d]«nste itm die Bergnng des noch erflbrigten Admonterarcbives hoch 
anKQMhlagen sind, die Müsse, um sein schönes Vorhaben zmn gedeih- 
lichen Ende za bringen. 

Laschin* 

Vorschläge und Erfordernisse für eine Gesoliichte der Preise 

in Oesterreich, von Dr. Amold Luschin, a. 5. Professor an 

der k. k. Universität zu Graz. (Wien. Druck und Verlag von Carl 

Gerold's Sohn. 1874. — 93 Seiten Grossoctav.) 

Der Verfasser, nicht nur als Numismatiker, als welchen er sich selbst 
einführt, sondern auch auf anderen wissenschaftlichen Grebieten als eif- 
riger Forscher und gediegener Schriftsteller rühmlichst bekannt, entwickelt 
in der vorliegenden Schrift die leitenden Grundsätze, die bei Anlage einer 
Münz-, Mass- oder Preisgeschichte im Allgemeinen zu befolgen wären. 
Die Lösung dieser schwierigen Aufgabe ist demselben vollkommen ge- 
lungen und verdient eine um so höhere Anerkennung, weil es bisher an 
einem Leitfaden zur Abfassung einer solchen Geschichte gebrach. Von 
dem ausgezeichneten Berufe des Verfassers, hier als Bahnbrecher au&u- 
treten, zeugt das vorliegende Buch auf jeder Seite ebenso in dem bei- 
gebrachten historischen Material, als in der logischen Bearbeitung desselben. 
Seine Deductionen müssen Jedermann zu der Ansicht bringen: „eine richtige 
Preisgeschicbte ist erst dann denkbar, wenn ihr eine gediegene Geschichte 
des Geldes und der Maasse vorangegangen ist. Beide sind unbedhigt 
nothwendig, beide können für das Gesammtreich erst In Jahren ge- 
schrieben werden." 

Die Principien für Ausarbeitung der Geschichte des Geldes werden 
im zweiten, für die Massgeschichte im dritten Abschnitte inductiv vorbe- 
reitet, in präciser Weise formulirt und mit vortrefflichen tabellarischen 
Uebersichten beleuchtet. Hiebei wurde insbesondere auf dem bisher ganz 
brach gelegenen Gebiete der Massgeschichte sehr werthvoUes Material 
vorgeführt und in Betreff der steierischen Hauptmaasse eine mustergiltige 
Vorarbeit geliefert. Mit Bezug auf diese durchgeführte Partie zeigt der 
vierte Abschnitt beispielsweise, zu welchen Kesultaten die Preisgeschichte 
gelangt, wenn man die aufgeführten Grundsätze in Anwendung bringt und 
sind hiedurch die Principien begründet, die für Ausarbeitung einer Preis- 
geschichte massgebend werden soUen. 

Im fünften Abschnitt wird nach einer summarischen Anführung der 
vorhandenen Vorarbeiten und Hilfsmittel für eine Münz- und Maasge- 
tchichte Andeutung gegeben, wo überhaupt das Material für diese und 
eine Preisgeschichte zn suchen und wie es zunächst zu verwerthen ist 

Der Schluss der ganzen Abhandlung adressirt sich unverholen an 
die vom k. k. Handelsministerium berufene Commission, welche in Bezug 
auf Ausarbeitung einer Statistik und Geschichte der Preise massgebend 
werden soll, betont die Warnung, die Beschaffung des preisgeschichtlichen 



— 160 — 

Materiales nicht der privaten Th&ügkeit der Gelehrten zu überlassen nnd 
gibt sichere Fingerzeige, durch welche Mittel diese Aufgabe in exacter 
Weise gelöst werden könne. 

Schon ans dieser kurzen Anzeige dürfte es klar werden, dass, wer 
innner sich mit einschlägigen Fragen beschäftigen will, diese höchst interes- 
sante Schrift durchaus nicht bei Seite lassen darf, wenn er sich nicht 
selbst um wesentliche Förderung und werthyollen Yortheü zu bringen 
beabsichtigt 

Dr. R. P. 



161 — 



Register. 



Die Baohstaben B und P, G Ch und K, D und T, F nnd V, I nnd J. wurden mwolil ids 
AnJhogsbnchstAben als anch in der Mitte des Wortes als gleiohwerthig bebandelt, die Deb- 
nnngtEeieben sowie die Umlante & 6 fl, als für di« Beibenfolf e nnmasugeblicb betraohtat. 
Die AbUisung Stank, bedeutet St«iennark, das einer Zabl vorgesetxte A, dass der Artikel 

in den AdminirtratiTberichten nachznschlsigen ist 



Äbfahrtsgeld, S7. 

AdnoBt, Kloster 58, 62, 70, 7S, 100. 
113, 116, 126, 126, 129, ISl. 
ArchiTBurkunden 155, 159; 
achthundert jährige Jubel- 
feier 157 — Aebte: Albert 
130, Engelbert gen. Pötscb, Stu- 
dien desselben 149 ; Heinrich II. 
150, 

Ädrittira-Fuhren, 10. 

Alnbold, ung. Hauptmann (Ompud^ 
51, 53. 

Alpe. Sifridus de — et fOius suus 
Sifridns de Loeschenihal 123. 

Albaftr Ludwig 139. 

ÄlphaniU Hemhardin, trinepos Bar- 
toU, Rechtslehrer zu Pe- 
ru^ 152. 

Allg&ll 16. 

AlSofen, Emt 137. 
Ammui ▼. Ammanseck : Adelserwerb 
151. 

— Caspar 151. Seine Söhne: 
Gregor 150 ff. Dessen 
Gattin Apolonia geh Goldt- 
Bchanin 152. — Dessen 
Beisen 151. Stannnbuch 
150 ff. 

— Matthias 151. — Dessen 
Gattin Dorothea Hirsch 
151. 

Ambriag (Embring) Judenburger 

Bflrgerfamilie A. 58 ff: 
Aaderbnrg, Schloss 143. 
Anhalt, Christian IL v. 39. 
Anreiter v. Ziemfeld 22. 
Aquilcja, Patriarchat 85. 

— Schenkenamt 85. 



AquUciJa, Patriarchen: Philipp 
▼. Kirnten 85—90 (s. auch 
Kärnten, Salzburg) Gregor 
85, Raymund 103. 
— Capitano generale*. 
Philipp Y. Kärnten 86. — 
Desgl ÜMch 85. 

Anioldsteln, Kmt 87. 

Anwalde, Ggd. b Waldstein, St 

122, 133. 

Aschaner Carl, tirol. Metallhdlr. 14. 
Aagsbarg, Flugschriften 38. 

— Religionsfriede 28 ff. 86. 
Aassee, Stmk. 6. Saline 119. 
Anst Anton, A. 17. 

B. p. 

Pacius' Julius, Juris consultus 152. 

Padel Heinricus, de 112. 

Baden, M a r k g r a fe n : Hermann 45, 
111, s. auch Gestenreich. 

Pdder, Meister Walthasar, Bürger 
zu Rotenmann 155, 156. 

Padna, Universität 149 ff Bern- 
hard, Prof. des kanon. Rechts, 
dann B. ▼. Seckau 89. — Wil- 
helm ▼. Bresda 150. ~ Deutsche 
Studenten 153 ff. 

Pagge Franz und Daniel A. 18. — 
Kanfinannsbuch A. 18, 57 ff., s. 
auch Hainricher. 

Bafem^O, 71. Kriege: gegen Otto- 
kar n. von Böhmen 52, 74, gegen 
Salzburg 72. — Herzoge: Hein- 
rich 50, 52, 90, dessen Anhänger 
50, 61 

Paltenthal 55. Hammermelster 8. 

Bamberg, Bischöfe, Berthold 100. 

Paniquar Leopold 154. 



MltthalL 4. hlM. Veraliw f. Staiennark. XXU. Hefl» 1874. 



11 



— 162 



Payriia, Dr. 16. 

Bartohil, Rechtslehrer 162, dessen 
Ururenkel Bernhardin Alphanus 
162. 

Paris 161, 168, Fechtschule zu — 

IS. Jahrk 106. 
BantiL dominas de — 136. 
PauaU, Stmk., Otto v. 1S9. 
Pasiao, Bisthom, 69, 88, 90, 146. 

Bischöfe: Peter t Breslau 74; 

Wladislaus 74, Domprobst 

Bernhard, s. Seckau, Bischöfe. 
Passbriefe für Eisen 7. 
Basel, üniTersit&t 161, 162. 
Bauch (Yenter) Conrad 186, 139. 
St Pail, Eist in Kmt, 67, 88, 84, 

97, 118, 128, 127, 129. — Aebte: 

Gerhard 123, 146. 
Bawams, Henricas — Pfleger zu 

Hafiiing 189. 
Peckan, Stmk. Borg 80. Gen. Poppo 

▼. — Bmder des Gt£ Heinr. ?. 

Pfannberg 118. 
Beckh-WidBaastetter Leopold von, 

A. 10, 18. 
Peinlich, Dr. Richard, A. 16, 27. 
Perchtoldsdorf Otto y. i84. 
Berchtoldstein b. Oberdorf Otto v. 

116. 
Perger Thomas, Eisenfrftchter 8. 
Beiifirohn, Abgpitbe 16. 
Peneek Otto t. 188. 
Perugia, üniTersitat 160 ff. Matrikel 

158. 
Pettao, Stadt in Ü.-Stmk. — salzb. 
Besitz: 48, 62, 64. 
— Site d. Ungar. Herrschaft: 
62, 66, 67. 

— Gerichtstaiding 120. 

— Dionys, ung. Hauptmann zu 
117. 

— hCnoriten-Prior 69, 121. 

— Genannte: 66, 79—82, 
88, 108, 119, 122, 146. -^ 
Friedrich: 60, 107, 110, 
117, 120 121, 124, 126, 
180, 188, 184, 186, 187, 

144, 146, der Jüngtte 68, 
116. — Hartnid 61, 62, 111. 
tt Peter am Eammersberge 122, 126. 
-- bei Freienstem (?) Burg 80 
unbestimmt, Genannte: Al- 
bert 186, Otto comes de 
189. 



Peneek Otto t., 138. 
Pfaffendorf Otto v. ii7. 
Pfannbei«, Burg 80. 

— Grafen v. — 48, 67, 81, 
84, 122, 128, 146. — Bern- 
hard 47, 79, 82, 117, 118, 
120,121, 124, 127, 129,180, 
182, 188. — Heinrich 47, 
60, 68, 68, 79, 80, lOS, 
106, 108, 112, 117, 118, 
120 124, 127, 129, 180, 
182, 188, 186, 188, 144, 
146. - Deren Bruder Poppo 
T. Peckau 118. — Richter 
Otto 112. 

Pfenning, zehnter, Abgabe 187. 

Phrimberg Wüh. v. 124. 

Piber, Stmk, Pfarre 62, 71, 127. 

— Pfarrer Wemher 78, 127. 
PiUersee, Tirol — Eisenhandel 19. 
Pinsano, Friedrich ▼., 102. 
Plaien, Grafen von, 114, Conrad 

118. 

Podiebrad, Böhm. 84, 85, 128. 
BOhmen, Könige Ottokar II. 41 ff. 
Wenzel 49. 

— Kanzler: Peter, Probst 
T. Wischegrad 84, 86. 

— Landesmarschftlle: 
Breweco 104, 142. Burk- 
hard von Klingenberg 128. 
Henko 124. Woko von 
Rosenberg 67. Heinrich 
Supan von Weitra 124. 

— Notaret Meister Arnold 
118, 119. Ulrich 118. Wil- 
hehn 119, s. auch Notare. 

P6Ilan, Stmk., Pfiemrer Iring 188. 

Polheim, Freih. v. 162. Andre Wolf- 
gang, Georg Achaz, Georg Rupert 
164. 

Bologna, Universität 161, 168. 

Pordenone, Friaul 86. 

Pttseabeng, N.-Oesterr. 88. 

Botach Simon, Ritter 10. 

P6ts€h Engelbert, Abt von Admont 
149. 

Bonrges, Universität 161. 

— Haus des Ci^az 162. 
Pricedenxstrett der innerÖsterreich. 

Lande mit Oberöst 32. 
Prag 128, 184, 186, 141, 148, 149. 

— Bisthnm 90. 

~ Oberstburggraf Jarosch 67. 



163 



Pranckb, steierisch. Adelsgeschlecht 

A. 59 ff. 

Prandtegg, Victor Freih. v. 14. 

Prangner Andre, tir. Metallhdlr. 14 

PraasseÜnns Wemhard des. 126. 

Precheler Matliias & Mitvcrwandte, 
Eisenhändler zu Kaufbeum 11. 

Predazzo, Tirol, Eisenbergwerk 10, 

Bre;;6nz 22. 

Breiner, Freih. : Phil., Friedr., Joh., 
Sigfrid, Christof 153. 

Preise, Vorschläge zu einer Ge- 
schichte d. 159. 

Premaresburg, Stmk., Burg 80. 

Brenner, Tirol, Strasse 9. 

Brescia Wilhelm y., Professor zu 
Padua 145 

Breslau 79, 80, 8I, 146. Gen. Peter 
von, Bischof von Passau 74. 

Primör, Tirol Eisenbergwerk 10. 

Prisingen Grimold v., 145. 

Brixen, Bischof 83. 

Bnck a. d. M., Stadt, Gründung 70, 
123, 125. 

Pmckperch Albert t. 145. 

Brttnn, Mähren, Probste. Conrad 8C, 

87, 94, 129, 130, 143. 
Bnccelinl, Freiherr ron, k. Hofvice- 

kanzler 15. 
Bachenstein, Tirol, Eisenbergwerk 

des B. v. Brixen 10. 
Pnchenatein a. d. Dran, Herrschaft 

in Stmk. 152. 
Bnchhehn Heinrich v. 116, I88. 
Bndwels, Ceö v. 67. 
Pnlsgan, Stmk. 121. 
Barglein, Feste 79. 
Pasterthal, Tirol 5. 
Putten, N.-Oest. 55. 

C. Ch. K. 

Kapfenberg, Stmk., Burg so. 
Kapfenstein Ludwig 116. 
Kapferer Christoph, Richter zu Stu- 

bai, Tirol 16. 
Katsch, Stmk., Burg 80. 
Katscliberg, Kärnten, Strasse über 

den 6. 
Cattia Friedrich 153. 
Kiferbeck Virgü, A. 9. 
Kaisersberg, Stmk., Burg 80, 108, 

112. 

Kallnberg 139. 



Kalocza, Erzb. 90. 

Kammerthal, Stmk. Hammermst. 8. 

Canalthal, das 87. 

Canitz, Freih. v. 153. 

Kärnten 90, 91. Einfall der Un- 
garn 62, 63 Herzoge: 
Eppensteiner Heinrich 120. 
Sponheimer ; Bernhard 110, 
Uhich HI. 48, 49, 60, 
61, 68, 81, 85, 86, 92, 
93, 97, 110, 116, 119, 

122, 132, dessen Ghemaün 
Agnes 85, 92 (s. auch 
Heunburg), dessen Bruder 
Philipp 46 ff. 102,103,110. 
(s. auch Aquileja u Salz- 
burg). Erbvertrag mit 
Ottokar H. v. Böhmen 84, 
92, 93, 128. 

— Landeshauptleute: 
Pfannberg, Gf. Heinrich v. 
108, 108, Taufers, Ulrich V. 
10£, 103. Dümholz, Ubich 
V. 96, 99, 134, 135, 136. 
Fren (Frain) Albrecht v. 
90, 92. Heunburg, Graf 
Ulrich v. 92 M&hrenberg, 
Seifrid V. 97, 123. Spon- 
heim, Philipp v. (Vicar) 
102. 

— Landschaft, 91 evang.: 
84, 39, 40, vgl. auch 
150. 

Kassel, Bibliothek zu 150. 

Kastengstadt 18. 
Kaafbenm, Eisenhandel 11. 
Kannitz, s. DUmhok, Ulrich v. 
Gaaoriaco, Friauler Geschlecht 85. 
Khegel Wolfger v. 138. 
Khewtzi Lazarus, y. Gastein 155. 
Kellner, Friedrich der 139. 
Cividale 80. 
Cilli, Hartnid v., Landrichter a. d. 

Sann 104, 141. 
Chiemsee, Bischöfe: 59, Heinrich 

115. 

Kindberg, Stmk., Burg 78. 
— Gen. Gebolf v. 124. 

Ginzieinsdorir Meinhard v. 187. 

Kirchbach 129. 

Kirchenstaat, Päpste: Alexan 
der IV. 59, 116. Cle 
mens IV. 72, 73, 125 
126,127. Gregor X, 146 

11* 



— 164 — 



KirclieifUtt, Iimoceiu IV. 45, 58, i 
110, 113, 115. ürban ' 
VL 72. 
— Legaten: Card. Guido 
54, 77. Thomas von 
Squillace 71, 72. 

Uageftftui, Kmt, evangel. Gymna- 
neun 28. 

Ileaiecker Ulrich, Borger a. Notar 
155, 156. I 

— Gattin Anna J55, 156. { 

— Tochter Susanna, des I 
Jacob Storch Haasfran 
155, 156, 

— Formelbuch 155. 
Kleiaboieii, Tir., Eisenschmelze 12. 
KllBgeabeig, Borg 79. 

— Gen. BnrkhartT., Lan- 
deshptmn. in Stmk. 84, 
99, 100, 104, 107, 128, 
133, 135, 136, 142. 

Kiabl, Dr. Bichard, A. 27. 
KiittelfsU, Stmk. 55, 141. 
lobenx, Obstmk , Kirche 19. 
Eofler Ephraim, Chronik ▼. Göfian 

im Vintschgau 13. 
Unigiberg in Preussen 146. 

— in Stmk. (?) Gen.Gunda- 
ker 141. 

Ghonigersdorf, Gebhard v. 116. 
Eamberc, Gebolf y. und sein Sohn 

Diepolt 189. 
KraiB, 90, Landesgeschichte 156. 

Landeshauptleute: Ulrich ▼. 

DOmholz 96, 99, 135, 136. 

Ulrich V. Habspach 90, 102, 

141. 

— Landsch. 91, evang. 34, 40. 

— Landschreiber : M Heinrich 
T. Lack 133. 

Irainbnrg, Krain 87. 
Kranichsberg, 50; Reinbert v. 132. 
Kreig, Truchsesse y. Kmt 137. 
Krems, Oesterr. 88. 
Krenuflge, lOl. Preussenfahrt K. 

Ottokar n. v. Böhmen 76, 79 ff. 

145, 146. 
Croatieii u Slavonien. Ban: Stefan 

aus dem Geschl. SubiÖ 57. 
Krotendorf, Stmk-, Gen. Herman 

124, I3ö. Herwick 138. Otto l'J4, 

138. 
Xroisienbrian , N.-Oest. Schlacht 

(1260), 66. 



O^jaclts. Bechtsgekhrter 152. 
Choiiigersdorf, Gebh. t. ii6. 
Knmberg, Stmk., Gebolf u. s Sohn 
Diepolt 139. 

D. T. 

Tatterman, Yolksbelustignng tu 

Graz, A. 9. 
Thal, Stmk. (de Yalle) Conrad und 

Walther 138. 
Tamswag, Salzburg 6, 12, 20. 
Thannhansea, (Tham - !) Freih.: 

Christof u, Georg 154. 
Tarvis, Kmt 87. 
Tisch Peter, 15. 
Tantenbiirg u. Yargula, Schenken 

V. 152. 
Taafkirch, 145. 

Taofers Uhich ▼. (Tirol) 102, 103. 
Decrignis, Grazer Bürger, A. 19. 
Teschen, Wladisla? Prinz v., B v. 

Passau, dann Erzb. v. Salzburg, 

74. 
Teaffeabach, Obstmk. 119. 

— Grabdenkmale A. 10 ff. 

— Gen. Otto 144 (vgl 
auch A. 10, 12, 61 ff). 

DentscUand, röm. Könige und 
Kaiser: 

— Conrad U. 119, der 
IV. 45. 

— Friedrich U. 44, 45, 
111, dessen Testament 
45, 46, unehel. Sohn 
Manfred 46, Friedrich 
in gV) 21. 

— Ferdinand I. 10. 

— Heinrich VII. 4 6, dessen 
Sohn Friedrich 46. 

— Bichard 99. 

— Rudolf L 99 ff., 187 ff 

— Wühelm 54, 85, 110. 

— Reichsverweser in 
Oesterreich u Steier- 
ma:k : Otto Graf von 
Eberstein 45, Mainhard 
T. Görz 45, 46, 49. 

Diedic, Milota t. — und BeneschoT 

103, 104, 106, 108, 128, 131. 

Dessen Bruder Benesch 103, 128. 
Dietrichstein, 152 Gen. ApoUonia, 

yerm mit Hans Goldtschan 152. 

Carl Freih. v. 153. 



165 - 



Dimitz A. 156. 

Dierling, Eisenhdlr. zu Botzen 20. 

Tirol, Grafen v. 49. 

— Erzherzog Ferdinand 10. 

— Adel, katholischer 150. 

— Eisenh. mit Stmk. 3 fp Me- 
tallhdlr. 14. 

Töpper Andreas, Nachruf, A. 17. 

Tobl, Stmk. 55. 

Dobrenge, Gen. Ekkehart v 58^ 

104, 105, 138, 142, 143, dessen 

Töchter 143. 
Thomas F. Elenis (?) 154. 
Dominikanerorden, 73, 121. 
Dohna, Adelsgeschl. 153. 
Donnersperger (Domsperg) Leobner 

Farn. Daniel, Michael 153. 
Donnerstelii, Hugo t. 139. 
Torsenle Chunradus de 112. 
Dranborg, Ober-, Emt 6, 20. 
— Unter-, Kmt Gen. 
Herbord 130. 
Trantmannsdorf Adam v. 154. 
TraüDgan. der 55 
Trennstein (Treunstein), Gen. Ortolf 

123, 138. Wulßng 47, 50, 53, 58, 

123, 124, 188. 

Trixen, Ernt, Schloss 123. 

— Gen. Gottfried 144. 
Trofaiach, Stm., Gen. Heinrich t. 

129. 

Tschernembl, öst. Adelsgeschl. 39. 
Tfüln, N.-Oest., Gen. Hennulo 138, 

Ingerieb 139. 
Tuniier, Peter R. y. 26. 
Tanowe Berchtoldus de 113. 
Thflringen, Notar Helwig aus 75. 
Tordelinge Conrad v., 121. 
Dlirnbolz ührich v. 96, 102, 134, 186. 

— dessen Schreiber Rud. 1 02 . 
Thurn, Graf Mathias 39 



Eberste'n, Grafen Otto, Reichsver- 

weser in Stmk. 45 
Sppenstein, Burg in Stoik. 108. 
Egk und Hungerspach, Freih. : Job. 

Josef Carl und Innocenz Georg 

Adam 158. 
Sg^enberger Balthasar, Münzmeist. 

in Stmk., A. 16. 
Sgger, Leobner Kaufleute, später 

Grafen, A. 19, Johann Paul 16. 



Eyperger Augustin, oberster Eisen- 
nandelsverwalter (in Tirol?) 11. 

Siehhorn, Burg in Mähren 79, 142. 

Eisen: böhmisches 7, Kärntner 5, 
18, Tiroler 5 ff., fränkisch. 
7, Innerberge r 5, Leobner 
oder Vordernberger 6 ff., 
oberbair. 7, steirisches Ober- 
haupt 3 ff. 

— Frachter 8. 

— Hammer- Verordnungen Ton 
1575, 9. 

— Hammermeister im Kammer- 
u. Paltenthale 8. 

— Hämmer, wällische 6, 8. 

— Handel, Verwalter 11. 

— Händler in Tirol 20, zu 
Basel , Frankfurt a. M., 
Schaffhausen 22. 

Emmerberg. Gen. Friedrich 11 3. 

— Rudolf 118. 
Emerlng, s. Ambring 
Engelsclialkfeld, Gen. Perchtold n. 

Wichard 124. 
Ensthal, Stmk. 46, 55, 58. 

— Grafschaft des 48. 
Ehrenfels, Stmk. 50, 122. 

-- Gen.: Gottschalk 123. 
Heinrich 138. Otto 123. 
Wulfing 120, 123, 124. 
Ernegger Georg, königl. Eisenfertiger 

zu Salzburg 8. 
Erzberg, steirischer 6. 

— Eisenbahn auf demselben 
(1567) 23. 

Ezülanten, österr. 102. 

F. Y. 

Falkenstein, Tirol, Bergbau 8. 
St Veit, Ernt., Stappelplatz des 

Kärntner Eisens 6. 
Feistriti bei Prank, Dorf 141. 

— Verhaue im Thal 139. 

— Wälder 139, 142. 

— Windisch-, Unterstmk. 
94. 

Velwen Gebhard v. 11 3. 
Venedig, 10. 
Yenediger, N. 151. 
Ferrari Abbate 15. 
Ferro, Franz R v. 26. 

— d'agnello (Brixner Eisen) 10. 
Ferdinand, Erzh., s. Oesterreich. 



— 166 - 



TietrlBg, Kme.^ Kloster 67, 83, 118, 

183, 137. 
Fieger auf Friedberg Freih. Joli. 
Carl, 0. ö. Regier.-Rath 13. 

— GewerkenimZillerth. 16-19. 
Vllltch, 88, 133. 

ViBticbgai, Tirol id. 
Yiicliareii Heinrich v^ 112. 
Fleishaier Ferdinand 153. 
St. Florian, Ob.-Oest, Kloster 57. 
Flsnchriften, Augsburger, Prager, 

Uannauer 38. 
FohlSdorf, Obstmk., Salzburg. Kam- 

merfeste 48, lii. 
Yoitsberg, Stmk. 55, 120, 122. 

— Stadt u. Schloss 131. 

Yorkanfsrecht, 5. 

Toran. 56, Stmk., Probstei 58, 

Probst 123. 
Yordernberc, Stmk. die drei Eisen- 
glieder 14, 15. 

— Scbmelzwerksbesitzer u. 
Radmeister 7, s. auch 
Eisen. 

Torträge, von: 

— Aust A. Über Andreas 
Töpper A- 17. 

— Beckh-Widmanstetter L. 
Denkmäler inTeuffenbach 
A. 10 ff., Kaufinannsbuch 
des Hans Pagge A 18. 

— Peinlich Dr. R. über das 
Rathsstubenregiment in 
steir. Landstädten A. 16. 
Ueber gewerbliche und 
Ilandelsverhältn. in Stmk. 
während des 16. Jahrb. 
A. 27. 

— Käferbeck V. über den 
Tattermann in Graz A. 9. 

— Knabl Dr. R. über Aus- 
grabungen zu Retzney 27. 

~ Luschin A. über das 
Münzwesen in Stmk. wäh- 
rend d. Mittelalters A. 16. 
Sprung Franz über röm. 
bei Donawitz gefundene 
Antiken A. 15. 

— Wurmbrand Graf Gund. 
prähistor. Funde nächst 
Gleichenberg A. 8. 

Frain, Mähren, Burg 79. 

— Gen. Albrecht, Ldshptm. in 
Kärnten 90, 92. 



Franenbnrg, Stmk., Burg 80. 
Freistadt, Oberöst. 73, 127. 
FreTstein Wulfing v. iie. 
Freising, Bisthum 59, 73, 83, 90, 
125, 138. 

— Bischof Conrad 67, 100, 
118, 122, 132, 143. 

— Domherr Ulrich, Kansler 
V. Stmk. 117. 

Friedberg, Stmk., Gen. Dietrich u. 

Leopold, Brüder 138. 
Friedensschlüsse zu Pressburg u. 

Prag (1271) 90, 91, 
134 

— Ofen (1254) 54, 58, 
59, 114 

— Wien (1276) 99, 109. 

Friedrich, s. Deutschland, Oester- 

reich, Salzburg. 
Friesacb, Stadt in Krnt. 109, iio. 
. — Gau 119. 

— Besetzung durch die 
Böhmen 92, 95. 

— Desgl. Verwüstung 106, 
136. 

— Burggrafen: Dietrich 
Y. Fulmen (Fubn) 95, 
136. 

— Probstei s Virgll 125. 
Probst Heinrich 124. 

FflIIenstoin Herbord v., Truchsess 
des B Bruno v. Olmütz, Landes- 
richter der Stmk. 83, 95, 127, 
130, 137. 

Fttlmen (Fulen), Gen. Dietrich 95, 
135, 136, als Burggraf auf Offen- 
berg nnd Landrichter 189, 141. 

Führer v. Führeaberg 155. 
Farer Jacob Noricus 154. 
FnrsiUim Grödnerthale, Tirol, Eisen- 

li ergwerk 10. 
FachSi Dr. Gregor 157. 
Fax Job. Franz, steir Tonsetzer A. 5. 

6. 

Gabelkhoveo, steir. Edelgeschlecbt 
A. 57 ff. 

— WäUischhämmer des- 
selben 8. 

— Gen.: Leonh., Leob- 
ner Bürger 8, Serc- 
rinus Amand 153» 

Gaisthal, Stmk. 119. 



— 167 — 



Gintea, Ob.-Oest, Kloster 78, 124, 

125. 

Gftsteiger Hans, Wasserbaumeister 

22. 
GastSsger, Eisenhdlr. za Mühlbach, 

Tirol 20. 
Geirach, Karthauae^ Stmk. 121. 
Geistliche Einkanfte. Abgaben von — 

145. 

Geissler und Flagellanten in Inner- 
österreich (1267) 78. 

Gefttilotti, Jesuitenrector zu Leoben 
28. 

Genf 22, 151. 

St. Georgen a. d. Stiefing (Stiven), 
Stmk., P&rre 110. 

Gleiehenberg, Burg so. 

— prähistorische Funde 
zu — A. 8. 

Glettaan Gundaker y. 129. 

Gleink, Ob.-Oest, Kloster 129, 142. 

Gmünd, Kmt, 6, 20, gräflich Lo- 
dron'sche Eisenhütte 18. 

G^tb, Dr. Georg 26. 

Gdflaft im Vintschgau, Chronik 13. 

Goldeok, Salzbg. Gen. Gonx«d, Toch- 
ter Kunigund und Schwiegersohn 
Ulrich d. J. v. Liechtenstein 109, 
111. 

Goldtschan zu Klaffenan Hans, Ge- 
malin ApoUonia v. Dietrichstein, 
Tochter ApoUonia,